CO2-Reduktion durch Energiemanagement – Best Practices von enretec

Michael Blöcher

Interviewpartner: Michael Blöcher ist Leiter Qualitäts- und Umweltmanagement & Regulatory Affairs bei enretec, dem ökologischen Entsorgungsfachbetrieb für Medizinabfall. Das Unternehmen hat auf seinem Weg der Klimatransformation schon einiges erreichen können.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Michael Blöcher darüber, von welchen Best Practices für die Klimatransformation der Wirtschaft das Unternehmen profitiert hat und welche Schritte sie in Zukunft gehen werden, um als Klimavorreiter in der Branche auch andere Unternehmen zu inspirieren.

Wir freuen uns, gemeinsam mit enretec die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen?

Unser Unternehmen wurde im Jahre 2000 als Spezialist zur Entsorgung von Reststoffen aus Arztpraxen aus einer Vorgängergesellschaft ausgegründet. Es konnte seinerzeit auf Erfahrungen zurückgreifen, die seit 1984 in der Betreuung der Zahnärzteschaft bei der Entsorgung von Dentalabfällen kontinuierlich auf- und ausgebaut wurden. Die enretec GmbH versteht sich als vertrauensvoller Ansprechpartner unserer Kundinnen und Kunden in einem immer komplexer werdenden Umfeld. Wir betreiben in Brandenburg eine der modernsten Anlagen zur Lagerung, Behandlung und Verwertung medizinischer Reststoffe und Abfälle, die speziell auf die Anforderungen unseres Kerngeschäftes zugeschnitten sind. Wir sind seit 2002 ein Entsorgungsfachbetrieb und zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement) und DIN EN ISO 14001:2015 (Umweltmanagement). Seit 2005 sind wir als EMAS-zertifiziertes Unternehmen im EMAS-Register der IHK Potsdam eingetragen. Unsere über 30 Mitarbeiter:innen bedienen unsere Kund:innen in ganz Deutschland sowie dem angrenzenden Ausland.

Unsere enretec-Mission: Wir, die enretec GmbH, wollen als führender deutscher Entsorger im Bereich der Dental-, Human- und Tiermedizin gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden Maßstäbe bei der kund:innenfreundlichen und ökologischen Entsorgung gefährlicher und nicht-gefährlicher Abfälle setzen.

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Getrieben durch den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Rahmen unserer Zertifizierungen konnten wir in den letzten Jahren durch diverse Einzelmaßnahmen erhebliche Einsparungen bei allen ökologischen Parametern realisieren. Beispielsweise lagen im Jahr 2020 die absoluten CO2-Emissionen durch Gas , Strom- und Dieselverbrauch der enretec GmbH circa 53% unter dem Vergleichswert von 2015 und markierten gleichzeitig den absolut geringsten Wert seit Einführung der EMAS-Zertifizierung unseres Unternehmens im Jahr 2005. Für 2020 haben wir zudem erstmalig einen Treibhausgasbericht nach DIN EN ISO 14064 für das gesamte Unternehmen erstellt und diesen von einem unabhängigen Dienstleister verifizieren und zertifizieren lassen. Die ermittelten Treibhausgasemissionen wurden durch die Stilllegung von Emissionsminderungszertifikaten kompensiert, was wir zukünftig jährlich tun werden.

Hierbei zeigen sich auch schon die größten klimarelevanten Herausforderungen für unser Unternehmen: Wie können wir bei unserer Arbeit noch klimafreundlicher werden, und zwar direkt bei uns vor Ort und ohne Kompensation? Wie können wir zum Beispiel unsere Fahrzeugflotte in den kommenden Jahren so modernisieren, dass die nach wie vor nennenswerten Emissionen aus Treibstoffen bei der Abfallsammlung gar nicht mehr anfallen? Und wie können wir unsere Mitarbeiter:innen dabei unterstützen, die Treibhausgasemissionen bei den regelmäßigen Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz und zurück zu minimieren? Wie nehmen wir unsere Mitarbeiter:innen bestmöglich dabei mit, noch klimafreundlicher zu werden?

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Auch wenn wir schon eine Menge erreicht haben, sind wir sicher: Da geht noch mehr. Es gibt so viele spannende Entwicklungen gerade bei dem Megathema Klimaneutralität, da werden auch sehr gute Ansätze für unser Unternehmen dabei sein. Aber wo stehen wir eigentlich genau, was sind Best Practice Beispiele, an denen wir uns orientieren können und wie sollten wir diese priorisieren? Im Tagesgeschäft fehlen einem KMU die Ressourcen, um sich hier umfassend einzuarbeiten. Hier hat uns der CLIMATE Readiness Check auf eine sehr effiziente Art und Weise eine sehr gute Orientierung gegeben, die wir in unsere weitere Arbeit einfließen lassen wollen.

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Zwei wesentliche Learnings: Es gibt auch bei tollen Erfolgen in der Vergangenheit immer noch eine sehr große Anzahl an Möglichkeiten für die Zukunft. Und: Wir müssen das Potenzial unserer Mitarbeiter:innen auf dem weiteren Weg noch viel stärker nutzen.

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt?

Was wirklich jedes Unternehmen machen sollte, ist die Einführung eines Energiemanagements, ob nun zertifiziert oder nicht. Nach wie vor gibt es zum Beispiel auch in Deutschland große gewerbliche Stromverbraucher, die nur einen einzigen Zähler im Unternehmen haben, und zwar irgendwo an der Einfahrt zum Gelände an der Übergabestelle zum öffentlichen Netz. Wie soll Klimaschutz durch Reduktion des Stromverbrauchs unter diesen Umständen funktionieren?

Ansonsten stehen wir bei der Auswertung der diversen role models erst am Anfang, sodass wir hierzu noch keine Empfehlung für die eine oder den anderen abgeben wollen. Was aber auf jeden Fall Best Practice ist: Es ist genug über Klimaschutz geredet worden, lasst uns anfangen!

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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Klimareport THE CLIMATE CHOICE – Unsere Klimaleistung 2021

Im Jahr 2021 haben viele Unternehmen die Chance der Klimatransformation ergriffen, sich Klimaziele gesetzt und diese mit konkreten Dekarbonisierungsmaßnahmen in Angriff genommen. THE CLIMATE CHOICE unterstützt Unternehmen dabei, ein CLIMATE Champion zu werden, entlang der gesamten Lieferkette Emissionen zu reduzieren und so ihre Klimaleistung zu verbessern.

Transparente Berichterstattung spielt dabei eine große Rolle und macht einen entscheidenden Teil der unternehmerischen Verantwortung aus. Es ist uns wichtig, auch als Startup kritisch zu reflektieren und die eigene Klimaleistung zu analysieren und stetig zu verbessern.

Nachhaltigkeitsziele und Mission 

Die Mission von THE CLIMATE CHOICE ist es, jedem Unternehmen die Klimatransformation einfach und unkompliziert zugänglich zu machen. Mit unserem Software-Tool möchten wir es Unternehmen ermöglichen, bis 2030 rund 50 % der Emissionen in der Lieferkette zu reduzieren. Darüber hinaus wollen wir auch durch unsere eigenen Unternehmenstätigkeiten dazu beitragen, das 1,5 °C-Ziel umzusetzen. Unsere gesamte Unternehmenstätigkeit und unser wirtschaftliches Handeln liegt diesem Ziel zugrunde, um die Wirtschaft zu transformieren und eine regenerative Zukunft zu schaffen.

Unsere Klimaleistung entlang 5 Dimensionen – Eine Status-Quo-Analyse

Entlang der 5 Dimensionen unseres CLIMATE Readiness Checks, unserem branchenunabhängigen Klima-Rating, haben wir unsere Klimaleistung für das Jahr 2021 analysiert. Eine umfassende Analyse geht dabei über die CO2-Bilanz hinaus und bezieht mit ein, in welcher Intensität und Schnelligkeit Klimaziele durch konkrete Maßnahmen und ein wirksames Klimamanagement umgesetzt werden. Dadurch können wir unser unternehmerisches Handeln nachvollziehen. Daraus ergeben sich konkrete Stärken und Potenziale, welche wir künftig als Grundlage für klimarelevante Entscheidungen nutzen können.

Climate Readiness Check The Climate Choice 2021
Climate Readiness Check The Climate Choice 2021

1. Wirkungsmodell

Mit unserem CLIMATE Readiness Check als auch mit der CLIMATE Data Plattform unterstützen wir Unternehmen dabei, die eigene Klimaleistung sowie den Klimareifegrad ihrer Lieferanten zu analysieren. Denn bis zu 90 % der Emissionen im Unternehmen entstehen in der Lieferkette durch eingekaufte Produkte oder Dienstleistungen. Daher unterstützen wir dabei, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Lieferanten zu stärken und die Einkaufspraxis klimakompatibel zu gestalten. Um fachübergreifenden Austausch zu fördern, organisieren wir regelmäßige CHOICE Events, in denen Expert:innen online zu relevanten Themen rund um die Lieferkettendekarbonisierung sprechen und nutzen unser CLIMATE Magazin als Medium für Wissenstransfer. Den CLIMATE Transformation Summit, welcher seit 2020 bereits zwei Mal stattfand, schafft eine Bühne für breitgefächerte Debatten und Austausch. Wir organisieren den Summit, um branchenübergreifende Zusammenarbeit zu stärken und knowledge-sharing zu ermöglichen. Somit tragen wir mit unserem Geschäftsmodell unmittelbar zu den UN Sustainable Development Goals 13 „Climate Action“ und 17 „Partnerships to achieve the Goals“ bei. Dass wir als Unternehmen u. a. Teil von B.A.U.M. e.V., einem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften und der Initiative „Leaders for Climate Action“ sind, hilft uns dabei, unser eigenes Geschäftsmodell stetig kritisch zu hinterfragen und die Wirkung eigener Maßnahmen durch kooperativen Austausch zu vervielfältigen.  

2. Klimamangement

Das Klimamanagement eines Unternehmens ist relevant, um Klimaziele zu erreichen und den Anforderungen von Seiten der Politik und Kund:innen entsprechend zu handeln. Wir profitieren von klaren Verantwortlichkeiten, Lara Obst als Chief Climate Officer und Theresa Wenning als Climate Performance Analyst. Sie sind speziell für die Identifizierung und das Management klimarelevanter Themenbereiche zuständig. So können wir klimabezogene Chancen und Risiken insbesondere bezüglich finanzieller und strategischer Auswirkungen analysieren und transparent offenlegen.

3. Klimaeinfluss

Die Dimension Klimaeinfluss konzentriert sich auf zentrale Kennzahlen und Ziele der Klimatransformation von Unternehmen, um die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft zu analysieren. Die wichtigste Kennzahl ist dabei der Carbon Footprint des Unternehmens, d.h. die Bilanz der errechneten CO2-Emissionen. 

Unsere CO2-Emissionen für das Jahr 2021 belaufen sich auf insgesamt 4,05 Tonnen. Letztes Jahr betrugen unsere Emissionen 7,7 Tonnen. Der Unterschied erklärt sich zum einen durch die Verwendung eines anderen Softwaretools und zum anderen durch die Verwendung von Durchschnittswerten im letzten Jahr. Unser Corporate Carbon Footprint wird derzeit noch von unserem externen Partner myclimate validiert. Inbegriffen sind hier Emissionen aus Scope 1-3. Somit nicht nur die Emissionen der eigenen unternehmerischen Handlungen, sondern auch die, welche entlang der gesamten Lieferkette entstanden sind. 

4. Transparenz

Durch regelmäßigen Austausch mit unserem Advisory Board und den Netzwerken (B.A.U.M. e.v. und BNW) beziehen wir externe Stakeholder:innen in die klimabezogene Strategie, Politik und Leistung ein und schaffen somit ein wirksames Stakeholdermanagement. In wöchentlichen Demo-Meetings gewährleisten wir auch die interne Kommunikation klimarelevanter Themen im Team. Aktuell sind wir in Zusammenarbeit mit dem gesamten Team dabei, einen Verhaltenskodex zu entwickeln, der verantwortungsvolles Handeln in Bezug auf Menschen- und Arbeitsrechte sowie Richtlinien für Nachhaltigkeitsakitvitäten im Unternehmen umfasst.

5. Ökologisches Handeln

Für unsere Plattform nutzen wir 100 % klimaneutrale Webhosting- und Cloud-Dienste. Darüber hinaus ist unsere Software nach höchsten Sicherheitsstandards von einem 100 % durch Windenergie betriebenen Rechenzentrum in Deutschland gehostet und DSGVO- sowie BDSG-konform und ISO/IEC 27001 zertifiziert. Außerdem nutzen wir mit GLS einen nachhaltigen Bankanbieter, der nachhaltige Unternehmen finanziert und u. a. Projekte, wie Windkraftanlagen und die ökologische Landwirtschaft unterstützt. Durch die Nutzung von refurbished Hardware, tragen alle Mitarbeiter:innen im Arbeitsalltag zu einer geringeren Emissionserzeugung bei. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen gemeinsam mit MOBIKO durch flexible Mobilitätsbudgets für Mitarbeiter:innen eine CO2-arme Fortbewegung.

Auch während des CLIMATE Transformation Summit im Juni 2021, der 100 % online rund 600 Teilnehmer:innen mit Klimaexpert:innen und Lösungsanbieter:innen vernetzte, konnten im Vergleich zu einem Offline-Event deutlich Emissionen eingespart werden. Gemeinsam mit unserem Partner Fokus Zukunft GmbH & Co. KG  haben wir 4t CO2-Ausstoß berechnet, welche durch Zoom, YouTube-Übertragung, die Nutzung von Slack und Gather-Town sowie die Anreise zweier Teammitglieder mit der Bahn entstanden ist. Durch ein Goldstandard Windkraftprojekt in der Türkei  haben wir das Doppelte der entstandenen Emissionen ausgeglichen.

Die Klimatransformation im Jahr 2022

Gemeinsam Klimaziele umsetzen – das ist das Motto für das kommende Jahr 2022. Unsere Learnings aus dem CLIMATE Readiness Check helfen uns dabei, die Klimatransformation im eigenen Unternehmen voranzutreiben und den Fokus im kommenden Jahr auf das zu legen, was bisher noch untergegangen ist. Wir haben erkannt, dass es nicht ausreicht, ein klimafreundliches Produkt oder Service anzubieten,. Jedes Unternehmen muss bei sich ansetzen, die gesamte Unternehmens-DNA klimafreundlich gestalten und Nachhaltigkeit als Kernbereich der Unternehmensführung priorisieren. Der wichtigste Trend dafür wird im kommenden Jahr die Lieferkettendekarbonisierung sein – Klimarelevante Einkaufsentscheidungen sind das, was zählt! Lasst uns dies in 2022 umsetzen und die Chancen der Klimatransformation nutzen, indem wir in branchenübergreifender Kooperation gemeinsam konkret Maßnahmen erarbeiten und entlang der gesamten Lieferkette Klimaziele umsetzen.

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2021 im Rückblick – Die wichtigsten Erkenntnisse und Trends der Klimatransformation

Zahlreiche Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr Klimaziele gesetzt und arbeiten seither an konkreten Maßnahmen für eine ganzheitliche CO2-Reduktion. Was haben sie dabei konkret über die Umsetzung von Klimazielen gelernt? Und welche Trends und Herausforderungen zeichnen sich für 2022 ab? Zusammen mit unserer Partnerin B.A.U.M. e.V haben wir im finalen CHOICE Event #32 gemeinsam mit Expert:innen der Unternehmen Miele, Telefónica und Henkel Antworten auf diese Fragen gesucht und das Jahr 2021 Revue passieren lassen. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte, zusammengefasst in 4 spannenden Trends für das Jahr 2022.

#1 Kreislauffähige Herstellungsprozesse – Verpackung neu denken

Lilith Lauk

“Worauf es ankommt: Teamwork! Wir arbeiten mit Händlern und Rohstofflieferanten zusammen, um gemeinsam innovativer zu werden und Ressourcen wieder aufzuarbeiten.”

– Lilith Lauk, Circular Economy bei Henkel

Henkel verfolgt eine ganzheitliche Strategie zur Förderung der Circular Economy, indem das Unternehmen nachhaltige Verpackungen entwickelt und verwendet. Der Bereich Verpackung muss dafür von den Rohstoffen über die Herstellung bis hin zu den Endkund:innen ganzheitlich betrachtet werden. Um Verpackungen kreislauffähig und damit ressourcenarm zu gestalten, bemüht sich das Unternehmen, Rohstoffe so zum Einsatz zu bringen, dass sie nach der Nutzung wiederverwendbar sind. Vor allem lässt sich in diesem Bereich ein Trend in Richtung Monomaterial identifizieren. Da die Verpackung in diesem Fall aus lediglich einem Material bestehen, lässt sich dieses im Nachgang unkomplizierter recyceln und zu neuen Rohstoffen weiterverarbeiten. Die Grundvoraussetzung für eine kreislauffähige Verpackungsherstellung ist es dabei, den verbleibenden Abfall nicht als solchen zu betrachten, sondern als Potenzial zur Rohstoffgewinnung. 

#2 Beste Energieeffizienz und Langlebigkeit der Produkte

Christoph Wendker

“Wir fokussieren uns auf die Energie- und Wasserverbrauchsreduktion bei der realen Nutzung der Produkte im Haushalt sowie darauf, den Produktlebenszyklus auch mit über die gesamte Lebenszeit der Produkte verfügbare Reparaturleistungen zu verlängern.”

Christoph Wendker, Vice President Corporate Sustainability and Regulatory Affairs bei Miele

Bei Miele stehen beim Thema Nachhaltigkeit vor allem die Klimastrategie sowie Langlebigkeit ihrer Produkte im Vordergrund. Das Unternehmen beschäftigt sich schon seit den 1990er Jahren intensiv mit dem Thema Klimaschutz. Es veröffentlicht seit 2002 Berichte und Ziele zum Thema Nachhaltigkeit und verfolgt seit 2011 eine konkrete Strategie zur CO2-Emissionsreduktion im Unternehmen. Als einziger Anbieter in der Branche testet Miele die eigenen Großgeräte auf 20 Jahre Lebensdauer und weist das auch nach. Der Fokus liegt also auf der Langlebigkeit der Produkte. Um in Serie zu gehen, müssen Produkte in anspruchsvollen Dauer- und Belastungstests ihre Zuverlässigkeit beweisen. In die Klimabilanz des Unternehmens gehen auch die Emissionen ein, welche durch die Nutzung der Produkte entstehen, sowie Serviceleistungen wie Reparatur und Ersatzteilproduktion. Dies macht bis zu 83 % der gesamten Klimaauswirkung des Unternehmens aus. Daher fokussiert sich Miele zudem seit langem darauf, die Energieeffizienz der eigenen Produkte zu steigern: seit dem Jahr 2000 bis heute konnte Miele im Schnitt rund 55 % Energieeinsparung bei den Geräten erreichen und plant bis 2030 noch einmal eine Reduktion um 15 %.

#3 Mit digitalen Tools CO2 in der Lieferkette reduzieren

Joachim Sandt

“Das Pilotprojekt mit THE CLIMATE CHOICE kann wichtige Erkenntnisse für die Dekarbonisierung von Telefónica Deutschland im Scope 3 liefern. Unseren Lieferanten bietet es Unterstützung bei ihrer Klimatransformation und wir können mehr Transparenz und vergleichbare Daten über die Klimaleistung in unserer Lieferkette erhalten.”

– Joachim Sandt, Umweltbeauftragter bei Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland möchte für ihre Klimastrategie die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um Rohstoffe und Energie einzusparen. Das Unternehmen strebt an, die Klimaauswirkungen der eigenen Unternehmenstätigkeiten bis in die Lieferkette hinein nachzuvollziehen und auf dieser Basis ganzheitlich Emissionen zu reduzieren. Telefónica möchte so zu einem Klima-Vorreiter in der deutschen Telekommunikationsbranche werden und einen Trend setzen. Denn es hat bereits erkannt: Die Branche kann eine wesentliche Rolle für die Dekarbonisierung der Wirtschaft spielen. Telefónica Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2025 klimaneutral zu wirtschaften. Daher investiert es schon heute in energieeffiziente Technik, fördert eine schadstoffarme Mobilität und bietet Kund:innen zunehmend nachhaltige Produkte und Dienstleistungen an. Um effiziente Dekarbonisierungsmaßnahmen nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch entlang der Lieferkette umzusetzen, hat der Mobilfunkanbieter ein Partnerprogramm mit THE CLIMATE CHOICE gestartet. Im Rahmen des Projekts konnten mithilfe eines neuen Software-Tools erfolgreich klimabezogene Risiken und Potenziale ausgewählter Lieferanten identifiziert und eine strategische Grundlage für die Dekarbonisierung von Telefónica Deutschland im Scope 3 gelegt werden.

#4 Durch Klimadaten Transparenz schaffen und Zusammenarbeit fördern 

Lara Obst

“Die eigene Klimaleistung zu verbessern bedeutet nicht, top-down eine Datenabfrage durchzuführen, sondern aktiv Lieferanten einzubinden, zu unterstützen und gemeinsam in die Dekarbonisierung zu kommen.”

Lara Obst, Gründerin von THE CLIMATE CHOICE

Getrieben von politischen Regulationen und steigenden Anforderungen von Kund:innen sowie Investor:innen werden Unternehmen heute zunehmend aufgefordert, Transparenz bezüglich ihrer Klimawirkung zu schaffen. Da eine ganzheitliche Klimadatenanaylse für Unternehmen noch immer eine Herausforderung darstellt und insbesondere der Mittelstand hierfür oftmals nicht über die notwendigen Ressourcen verfügt, bietet THE CLIMATE CHOICE mit einem kollaborativen Software-Tool ein handlungsorientiertes Rahmenwerk für die Lieferkettendekarbonisierung. Entlang internationaler Standards ermöglicht der Climate Readiness Check es Unternehmen und ihren Lieferanten, ihren Klimareifegrad zu identifizieren und gemeinsam Dekarbonisierungsmaßnahmen einzuleiten. Die ganzheitlich Datenabfrage schließt dabei u. a. sowohl die Klimastrategie Unternehmens als auch die Wirksamkeit des Klimamanagements mit ein. Damit unterstützt THE CLIMATE CHOICE Unternehmen dabei, die eigene Klimatransformation entlang der gesamten Lieferkette und in Kooperation mit Lieferanten voranzutreiben.

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Dekarbonisierung von Unternehmen und ihren Lieferketten: Best Practices

Obwohl physische und transitorische Risiken der Klimakrise bereits deutlich zu spüren sind, befinden wir uns heute noch immer in den Startlöchern der Klimatransformation. Das kommende Jahrzehnt macht daher den Unterschied: Geschäftsentscheidungen und Investitionen, die wir jetzt tätigen, sind ausschlaggebend für eine regenerative Zukunft. Aber wie kommen wir von gesetzten Klimazielen zur praktischen Umsetzung?

Der CLIMATE Best Practice Guide zum #CTS2021

Beim online CLIMATE TRANSFORMATION Summit im Juni 2021 haben wir mit 50 Expert:innen sowie 600 Teilnehmer:innen aus der gesamten DACH-Region über den Weg einer erfolgreichen Klimatransformation entlang der folgenden 7 Impact-Kategorien diskutiert: Energie, Gebäude, Produktion, Mobilität, Food, Digitales und Umwelt. Mit dabei waren Project DrawDown, Patagonia, Green Planet Energy, IKEA, B.A.U.M. e.V., south pole und viele mehr!

Der #CTS2021 wurde von dem Climate-Tech-Unternehmen THE CLIMATE CHOICE als Teil seiner Vision ins Leben gerufen, jedem Unternehmen zu ermöglichen, durch starke CO2-Reduktion ein Climate Champion zu werden.

Highlights und Beispiele

Der Best Practice Guide 2021 #VonKlimazielenZurUmsetzung stellt die wichtigsten Einblicke, Best Practices und klimarelevanten Erkenntnisse des Summits vor.

“Bis heute fehlen uns die praktischen Maßnahmen zur Umsetzung eines 1,5 °C gerechten Klimaplans – in Deutschland und weltweit. Unternehmen stehen somit vor der Herausforderung, die größte und schnellste Transformation der Wirtschaft überhaupt umzusetzen, ohne bislang einen konkreten Fahrplan in der Hand zu halten. Als CLIMATE Community können wir voneinander lernen und im entscheidenden nächsten Jahrzehnt Emissionen bis in die Lieferkette hinein drastisch reduzieren und eine regenerative Zukunft gestalten!

THE CLIMATE CHOICE Gründerin Lara Obst.

Das erwartet Dich im Guide

Übersichtliche Best Practices zur Dekarbonisierung von Unternehmen und ihren Lieferketten:

  1. Zehn Schritte zur zukunftsorientierten Dekarbonisierung von Unternehmen entlang der Lieferkette
  2. Mit Kernaussagen von Prof. Dr. Claudia Kemfert, Dr. Jonathan Foley (Project DrawDown), Katharina Reuter (Bündnis 90/Die Grünen), Beth Thoren (Patagonia) und Renat Heuberger (South Pole)
  3. Übersicht an praxisnahen Lösungen in 7 Impact Kategorien, unter anderem mit Codyo, First Climate, Green IT Systemhaus, Green Planet Energy, MOBIKO, naturstrom, SolarBlick, windcloud, windCORES und vielen mehr!
Dekarbonisierung von Unternehmen.
Dekarbonisierung von Unternehmen entlang der Lieferkette: Von Zielsetzung zu CO2-Reduktion.

Klimaziele umsetzen, aber wie?

Unternehmen weltweit setzen sich Klimaziele und geben ihren Lieferketten deutliche CO2-Reduktionsziele vor. Wie aber die praktischen Maßnahmen aussehen, um gemeinsam eine echte „0“ zu erreichen, ist oft unklar. Das nächste Jahrzehnt steckt daher voller Herausforderungen, aber auch Chancen, um in der Wirtschaft neue Wege zu gehen und dazu beizutragen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen.

„The future of climate change and the future of our planet is still a choice that we can make, so make a good one.”

Dr. Jonathan Foley, Executive Director Project DrawDown.

Jetzt loslegen!

Der Hebel zur Dekarbonisierung ist dabei der Einkauf! Denn laut CDP stammen 11.4 mal mehr Emissionen aus der Lieferkette, als aus den direkten Tätigkeiten eines Unternehmens. Der Fokus in der Beschaffung lag allerdings bislang in erster Linie auf Qualität, Wirtschaftlichkeit, Liefergeschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Das Bewusstsein für Lieferkettenrisiken und -Verantwortung setzt sich heute nach und nach durch internationale Vorschriften zu Arbeitsrecht, Rohstoffbeschaffung und Umweltschutz durch. Unternehmen stehen daher vor der Herausforderung, gesetzte Klimaziele in konkrete Handlungen zu überführen – in ihrem eigenen Unternehmen sowie in der Lieferkette. Denn gerade hier können enorme CO2-Einsparpotentiale umgesetzt werden.

Mittelständischen und zuliefernden Unternehmen fehlen jedoch oft die Ressourcen, um ins Handeln zu kommen – dafür bündelt der Best Practice Guide konkrete Ansätze und Inspirationen um direkt loszulegen.

Der vollständige Guide steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung!


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Mobilfunk geht auch klimafreundlich!

Andreas Schmucker

Interviewparter: Andreas Schmucker ist bei WEtell einer der drei Geschäftsfüher:innen. Zudem leitet er die Bereiche Marketing und Vertrieb und ist damit für den „Wachstumsmotor“ von WEtell verantwortlich.

Fairness und Transparenz sind in der Mobilfunkbranche leider Begriffe, die viel zu selten gelebt werden. Damit sich das ändert, setzt sich Andreas Schmucker für dieses Thema bei WEtell ein. Mit WEtell möchte er zeigen, dass gemeinwohlorientiertes Arbeiten und gewinnorientiertes Wirtschaften Hand in Hand gehen können.

Wir freuen uns, dass WEtell als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Ja klar! Sehr gerne! Wir sind WEtell. Der erste klimaneutrale und nun auch Gemeinwohlökonomie-bilanzierte Mobilfunkanbieter. Das war jetzt kompliziert. Einfacher: Wir setzen voll auf Nachhaltigkeit. Konkret verstehen wir darunter Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz.

So vermeiden wir wo es geht Emissionen und setzen auf klimaschonende Alternativen. Überall dort, wo das nicht geht, gewinnen wir über Pflanzenkohleprojekte die nicht vermeidbaren Emissionen wieder aus der Atmosphäre. Bei uns liegen alle Kund:innendaten auf deutschen Servern und wir löschen Personen- und Verkehrsdaten so früh es geht. Vor allem aber treten wir ganz anders als andere Mobilfunkanbieter mit unseren Kund:innen in Kontakt. Bei uns gibt es noch echten Service von Mensch zu Mensch. Keine Sprachcomputer, keine Bots. Alle Tarife sind monatlich kündbar, es gibt keine versteckten Kosten und wir haben es sogar geschafft, Tarifverbesserungen nicht nur für Neukund:innen geltend zu machen, sondern auch in unseren Kund:innenbestand durchzureichen. 

Vor allem aber sehen wir uns als Leuchtturm. Wir sind angetreten, um in der Mobilfunkbranche neue Standards zu setzen und um allgemein zu zeigen, dass moderne digitale Dienstleistungsprodukte durchaus auch nachhaltig und sozialverträglich umgesetzt werden können. Und dass erfolgreich und ohne, dass dabei der Spaß auf der Strecke bleibt.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Wir alle kennen den Königsweg beim Klimaschutz: Zunächst einmal alle möglichen Emissionen vermeiden. Dann die verbleibenden Prozesse durch nachhaltige Alternativen ersetzen und wenn dann immer noch etwas übrig bleibt, den Rest kompensieren. In den ersten beiden Punkten steckt viel Arbeit und gleichzeitig das größte Einsparpotenzial. 

Der dritte Punkt ist bestimmt der komfortabelste, bietet aber für das Klima das größte Risiko. Mit Kompensationspreisen zwischen wenigen und einigen hundert Euro gibt es auch viele unseriöse Angebote. Wir haben uns daher sehr viel mit diesem Thema beschäftigt und zunächst einmal die Pflanzenkohleprojekte von Carbon Future für unsere letzte Kompensation ausgemacht. Hier sind wir sicher, dass es kein double counting gibt – nicht einmal auf Ebene der vertraglichen Verpflichtungen der Bundesregierung – und dass die Emissionen garantiert über mind. 100 Jahre im Boden gespeichert sein werden. 

Genau aus diesem Grund arbeiten wir auch mit einem unserer echten Ökostrompartner aktuell daran, ein solches Kompensationskonzept aufzusetzen. Wir wollene eine Möglichkeit schaffen, dass Unternehmen und Privatpersonen durch Investitionen in erneuerbare Energien hier in Deutschland einfach und zu 100 % garantiert ihre unvermeidbaren Emissionen kompensieren können.

Die eigentliche Herausforderung ist aber natürlich die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber konventionellen Unternehmen. Klimaschutz bedeutet leider noch häufig Zusatzkosten, bzw. Extraaufwand. Das ist bei uns genauso. Das fängt bei der Dienstreise an und hört bei der Druckerfarbe noch lange nicht auf. Das Gute ist: Dadurch eröffnen sich auch Märkte, die man sich nutzbar machen kann. Am Ende ist es ein unumgänglicher Transformationsprozess. Es wird nicht mehr lange dauern, da sind die nachhaltigen Alternativen im Vorteil und dann ist es gut, wenn man seine Hausaufgaben bereits gemacht hat.

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Naja, zunächst einmal bieten wir natürlich allen Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren Mobilfunkverträgen zu uns zu wechseln und damit auch noch in diesem Bereich eine echt saubere Alternative zu wählen. Das zahlt voll auf den zweiten Punkt von dem, was wir eben besprochen haben, ein. Dafür haben wir ein Geschäftskund:innenportfolio, welches wir nur wärmstens empfehlen können. Gerade für Unternehmen mit einem echten Wunsch zur Wirtschaftstransformation ein echtes must have!

Aber wir machen natürlich auch noch vieles andere: Aktuell sind wir zum Beispiel dabei, eines unserer größeren Partnerunternehmen bei der Transformation zur Klimaneutralität zu begleiten. Das ist viel Arbeit und wir müssen gemeinsam wirklich tief in die Geschäftsprozesse einsteigen. Dabei ist es mega cool zu sehen, was die Menschen bewegt und wie immer wichtiger das Thema Klimaschutz wird. Wir freuen uns, hier unserem Wunsch nach Strahlkraft für den Klimaschutz nachkommen zu können.

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Bei vielen Unternehmen entstehen die meisten Emissionen in der Lieferkette. Laut Carbon Disclosure Project sind das über 80 % der Emissionen eines Unternehmens. Das macht eine nachhaltige Beschaffungspolitik unabdingbar.

Der CLIMATE Readiness Check setzt genau hier an und bietet ein vergleichendes Benchmark. Darum war es uns wichtig mit dabei zu sein. Wir wollen uns mit anderen Climate Champions vernetzen und unsere Erfahrungen an das Netzwerk weiterzugeben.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

Auf jeden Fall als erstes: Verbündet euch. Klimaschutz ist ein Herzensthema. Das trägt weit über rein geschäftliche Interessen hinaus. Wir hatten in diesem Umfeld schon so viele wahnsinnig gute Erfahrungen mit Partnerunternehmen, die uns echt beeindruckt haben. Uns wurde Unterstützung im Bereich von Marketing, Vertrieb, Finanzierung und vieles mehr angeboten, einfach weil wir auf dem Weg zum gleichen Ziel unterwegs waren. Ohne Gegenleistung und einfach nur mit einem „Schön, dass ihr auch auf diesem Weg seid!“

Nehmt euch die Zeit es richtig zu machen. Die wirklich vermiedenen Emissionen sind die, die richtig Spaß machen. Das schützt das Klima am meisten und spart am Ende auch das meiste Geld.

Und guckt euch um nach nachhaltigen Alternativen. Es gibt mittlerweile echt für fast jedes Thema eine leistungsstarke und wettbewerbstaugliche Lösung. WEtell als nachhaltiger Mobilfunkanbieter ist nur eine davon.

Du bist neugierig geworden und willst in Zukunft auch klimafreundlich telefonieren? Finde hier mehr Informationen zu den WEtell-Tarifen.

Bildquelle: Unsplash

Kreislaufwirtschaft Best Practice: IT-Remarketing

Gebrauchte Firmen-Hardware wiederzuverwenden, ist nicht nur umwelt- und klimaschonend – es kann auch wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen bringen. Worauf bereits bei der Beschaffung von Neugeräten und dem ersten Nutzungszyklus geachtet werden sollte, hat Daniel Büchle, Geschäftsführer von AfB social & green IT, beim CHOICE Event #28 erklärt. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte aus seinem Vortrag über IT-Remarketing als Best Practice der Kreislaufwirtschaft.

E-Waste ist der schnellst-wachsende Abfallstrom

Elektroschrott stellt weltweit ein gravierendes und stetig wachsendes Problem dar. Laut dem Global E-waste Monitor 2020 ist der globale E-Waste von 44,4 Millionen Tonnen im Jahr 2014 auf 52,6 Millionen Tonnen im Jahr 2019 gestiegen und wird für 2030 sogar auf 74,7 Millionen Tonnen prognostiziert. Zur Frage, was mit all diesem Schrott letztlich passiert, liefert die Studie ebenfalls eine Antwort: So wurde 2019 nur 17,4 Prozent des globalen Elektroschrotts tatsächlich auch dokumentiert, gesammelt und ordnungsgemäß recycelt. Über die restlichen 82,6 Prozent gibt es jedoch keine Dokumentation. Dieser Anteil wurde in unklaren Verhältnissen in andere Länder gehandelt, transportiert und letztlich auf nicht umwelt- und menschenfreundliche Art und Weise entsorgt und verbrannt.

Quelle: The Global E-waste Monitor 2020

Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft

Dieser unverantwortliche Umgang mit Elektroschrott hat nicht nur Auswirkungen auf Menschen und Natur vor Ort, sondern ebenfalls auf das Klima. Denn laut dem Circularity Gap Report 2021 stehen 70 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen in direktem Zusammenhang mit Gewinnung, Transport, Verarbeitung und Nutzung von Materialien. Wenn das Paradigma der aktuell hauptsächlich linearen Wirtschaft jedoch durch zirkuläre Prozesse ersetzt würde, entsteht laut der gleichen Studie das Potenzial, die globalen Treibhausgasemissionen um 39 Prozent und den Verbrauch von Rohstoffen um 28 Prozent zu senken.

Kreislaufwirtschaft bei IT- und Mobilgeräten

Welchen Beitrag kann nun das wirtschaftliche Remarketing von IT- und Mobilgeräten zu diesem Potenzial leisten? Zunächst lohnt sich hierbei ein Blick auf die große Bandbreite von Hardware, die in Unternehmen zum Einsatz kommt und dementsprechend auch wiederverwendet werden kann. Neben den primären Geräten wie Notebooks, Tablets, Smartphones oder Drucker geht es dabei auch um Zubehör wie Dockingstationen und Kabel, Hardware von Rechenzentren oder auch Datenträger wie USB-Sticks, Festplatten und Server.

Bei all diesen Geräten hat jedes Unternehmen die Chance, sie in zirkuläre Prozesse der Wiederverwendung zu integrieren. Die wichtigsten Schritte bei diesem sogenannten Remarketing lauten dabei wie folgt:

1. Abholung

Bei der Kreislaufwirtschaft von IT-Geräten beginnt alles damit, dass ein Refurbisher die Hardware, die im Unternehmen nicht mehr gebraucht wird, verpackt und per Sicherheitstransport abholt.

2. Erfassung

Als nächstes erfasst der Refurbisher die wichtigsten Gerätedaten, sodass das Unternehmen vorher nicht zwingend selber eine Inventur vornehmen muss. 

3. Datenlöschung

Die meiste Hardware enthält intern gespeicherte Daten, die für die Wiederaufbereitung zuverlässig gelöscht werden müssen. Hierbei gelten besonders hohe Standards, die bei entsprechender Zertifizierung die nötige Sicherheit gewährleisten.

4. Aufarbeitung

Damit die Geräte wieder in einen angenehmen und nutzbaren Zustand kommen, arbeitet der Refurbisher sie gründlich wieder auf. Dazu gehört u. a. eine Reinigung wie auch die Installation der neuesten Software.

5. Verkauf und Spende

Zum Schluss wartet dann der Weiterverkauf der IT-Geräte. Hier stehen diverse Vertriebswege zur Verfügung: von physischen Gebrauchtwarengeschäften über Online-Marktplätze wie Ebay oder Amazon bis hin zu speziellen Plattformen wie Refurbed. Als alternative Möglichkeit können sie auch an Schulen oder NGOs gespendet werden.

Was passiert mit kaputten Geräten?

Wenn Hardware schon sehr lange im Einsatz ist oder bereits starke Defekte aufweist, eignet sie sich leider nicht mehr für den soeben beschriebenen Wiedervermarktungsprozess. Hier folgen stattdessen andere Schritte:

1. Schreddern

Um die komplette Löschung von fehlerhaften Datenträgern zu gewährleisten, müssen sie mechanisch vernichten werden. 

2. Zerlegung

Nicht vermarktbare Geräte lassen sich immer noch in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen. 

3. Recycling

Diese Einzelteile kann der Refurbisher wiederum nutzen, um entweder andere Geräte zu komplettieren oder um durch Einschmelzung wertvolle Rohstoffe zu gewinnen. 

Ein Bild, das Karte enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Von der Ökobilanzstudie zur Wirkungsmessung

Nachdem wir die einzelnen Schritte der Kreislaufwirtschaft bei IT-Geräten durchlaufen haben, stellt sich die Frage nach ihrer konkreten Auswirkung auf die eigene Öko- und Klimabilanz. Um diese quantifizierbar zu machen, hat AfB zusammen mit dem Partner myclimate 2021 eine aktualisierte Studie durchgeführt, welche die Einsparungen durch die erreichte Lebenszyklusverlängerung berechnet. Vor allem beim Blick auf die vermiedenen Treibhausgasemissionen ergaben sich dabei erstaunlich Zahlen, wie die folgende Tabelle zeigt:

Diese Daten sind und werden in Zukunft immer wichtiger, wenn es z. B. darum geht, sich auf anstehende gesetzliche Anforderungen zur Klimaberichterstattung wie die EU-Taxonomie oder Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vorzubereiten. Genauso verlangen auch Geschäftspartner mehr und mehr transparente Daten zur eigenen Klimaperformance, um die Dekarbonisierung der eigenen Lieferkette voranzutreiben.

Praktische Tipps für mehr Kreislaufwirtschaft

Zum Schluss schauen wir noch auf ein paar einfache Tipps, mit denen Unternehmen von Anfang an ReUse mitdenken und die Kreislaufwirtschaft bei sich vorantreiben können.

Beschaffung

Bei der Anschaffung neuer Hardware sollte das Augenmerk ganz klar darauf liegen, dass die Geräte möglichst robust und unempfindlich designt wurden. Um eine höhere Langlebigkeit und die Möglichkeit der Reparatur zu gewährleisten, sollten die einzelnen Bestandteil zudem gesteckt und verschraubt sein, statt verlötet und verklebt.

Nutzung

Damit Laptops und Smartphone auch später noch von anderen Nutzer:innen verwendet werden können, sollten Unternehmen generell davon absehen, diese durch Gravuren permanent zu kennzeichnen. Ähnliches gilt für Aufkleber oder anderweitige Beschriftungen, die irreversible Rückstände nach sich ziehen können. Hierfür müssen alle Mitarbeitenden entsprechend auf das Ziel der Wiedervermarktung hin sensibilisiert werden. 

Sammlung und Lagerung

Wenn es soweit ist und die IT-Geräte für den Refurbisher bereitgestellt werden, sollte das Unternehmen auf geeignete und sichere Verpackungs- und Transportmittel achten. Eine sorgsame Lagerung in witterungsgeschützten Räumen ist entscheidend, um nachträgliche Beschädigungen auszuschließen. Um die Übergabe von passwortgeschützten Geräten zu erleichtern, müssen diese zudem zuvor entfernt oder gesondert mitgeteilt werden.

Wenn du einmal ganz anschaulich erleben willst, wie IT-Remarketing bei AfB social & green IT funktioniert, kannst Du hier einen virtuellen Firmenausflug in die Niederlassung von AfB machen.

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Klimafreundliche Geschäftsreisen – CO2 reduzieren und vermeiden

Gastbeitrag. Zum Autor:

Fredrik Brüggen

Fredrik Brüggen hat „Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt“ in Kiel studiert. Nach seinem Master ist er nach Berlin gegangen, um beim „InfraCert – Institut für Nachhaltige Entwicklung“ zur nötigen Transformation des Gastgewerbes beizutragen. 

In diesem Gastbeitrag spricht Fredrik über klimafreundliche Reiseoptionen, die für Unternehmen auf dem Weg der Klimatransformation eine immer größere Rolle spielen. Die wichtigsten Best Practices erleichtern dabei den schwierigen Weg von der guten Absicht zur klimakompatiblen Handlung – sowohl für die eigenständige Reiseplanung von Arbeitnehmer:innen als auch für die Gestaltung einer Reiserichtlinie. Zu diesem Zweck geht Fredrik die üblichen Stationen einer Dienstreise durch und erklärt, wo verborgenes Potenzial gehoben werden kann.

Vor Reiseantritt

Alle nutzen digitale Formate, keiner mag sie. So lassen sich die Ergebnisse der VDR Geschäftsreiseanalyse 2021 pointiert wiedergeben. Die Digitalisierung wird demnach das Reisen und den persönliche Kontakt auf absehbare Zeit nicht vollständig ersetzen wird können. Mit Blick auf unternehmerische Klimaziele gilt es jedoch, Reisen so gut es geht zu priorisieren. Dabei hängt die Entscheidung immer vom Einzelfall und ohne Reiserichtlinie nicht selten vom Bauchgefühl der Mitarbeitenden ab, sodass sich kaum Richtlinien zur Priorisierung formulieren lassen, die über gesunden Menschenverstand hinausgehen würden. 

Dennoch folgender Tipp: Ein persönliches Emissionsbudget kann bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Als Größenordnung bietet sich die Menge an Treibhausgasen an, die durch eigene Reiseaktivität im vergangenen Jahr entstanden ist. Es empfiehlt sich dann, ein realistisches, aber anspruchsvolles Reduktionsziel zu wählen. So kommt im Laufe des Jahres nicht die ungleich schwerere Frage auf, ob diese konkrete Reise wirklich sein muss, sondern ob diese Reise einen solchen Anteil aus meinem Budget wert ist – mit der Aussicht, am Ende für vielleicht wichtigere Anlässe keinen Spielraum mehr zu haben.

CO2-arm von A nach B

Wurde eine Reise als absolut notwendig festgelegt, steht die Auswahl eines Transportmittels an. Allgemein bekannt dürfte sein, dass der Inlandsflug mehr Treibhausgase pro Person produziert als die Bahnfahrt. Aber nicht nur das Transportmittel macht einen Unterschied, sondern auch die Klasse, in der man reist. Bei der Bilanzierung von Flugreise-Emissionen werden die Gesamtemissionen der Strecke durch den Raum, den eine Person einnimmt, geteilt. Der ist in der Business-Class größer als in der Economy-Class, weshalb auch die bilanzierte Emissionsmenge größer ist. Durch die Wahl der Economy-Class bzw. der 2. Klasse in der Bahn in Kombination mit einer geschickten Routenplanung, bei der mehrere Termine auf einer Tour erledigt werden, kann das volle Einsparpotenzial ausgeschöpft werden.

Nachhaltige Übernachtungsmöglichkeiten

Ob Hotels nachhaltig arbeiten oder nicht, ist für den Gast vorab schwer zu erkennen. Vor Ort fällt immerhin auf, ob regionale Produkte oder energiesparende LED-Beleuchtung verwendet werden, die weitaus emissionsintensiveren Prozesse jedoch bleiben üblicherweise verborgen. Denn zur Herkunft des Stroms oder zum Abfallentsorgungssystem gibt es meist keine öffentlich einsehbaren Informationen und selbst wenn Selbstauskünfte vorliegen, sind sie für den Gast nicht ohne weiteres überprüfbar. Zertifizierungsprogramme wie das des deutschen Marktführers GreenSign bieten Sicherheit in der Hotelauswahl. Auch die Großen der Buchungsbranche, Booking.com und Google, haben den Bedarf erkannt und machen inzwischen nach internationalen Standards zertifizierte Hotels als solche kenntlich. Daneben existieren aber auch explizit auf die Vermittlung nachhaltiger Hotels spezialisierte Anbieter wie etwa greenline hotels.

Verpflegung und Verpackung

Für die Verpflegung und Verpackungen unterwegs gilt das gleiche wie zu Hause: Je mehr tierische Produkte die Mahlzeit enthält, desto schlechter ist der ökologische Fußabdruck. Bio, regional und saisonal sind aus Umweltsicht meist die bessere Alternative und eine kleine Menge biologisch abbaubarer Verpackungen ist einer großen Menge Müll, der nur verbrannt werden kann, vorzuziehen. Mit der Wahl eines nachhaltig arbeitenden Hotels sinkt bereits die Wahrscheinlichkeit, am Frühstücksbuffet vermehrt auf Einwegverpackungen zu treffen. Für Mahlzeiten außerhalb der Hotelgastronomie sind Restaurantzertifizierungen wie greentable willkommene Lotsen. Und wenn es doch eher ein Imbiss auf die Schnelle wird, helfen die eigene Trinkflasche und Edelstahldose bei der Müllvermeidung. 

Nachbereitung

Zu Hause angekommen beginnt die Nachbereitung, denn der erste Schritt zur Reduktion der verursachten Umweltbelastung besteht in der Erfassung derselben. Auf diese Weise lässt sich auch leicht der Referenzwert für das persönliche CO2-Budget im Folgejahr ermitteln. Idealerweise steht dafür firmenseitig ein geeignetes Dokumentationssystem zur Verfügung – falls nicht, wäre dies ein guter Anlass, eines einzurichten. Zudem machen es Mobilitätsunternehmen wie die Deutsche Bahn sehr leicht, ihre Emissionen zu erfassen. Über deren Geschäftskundenportal besteht die Möglichkeit, eine Umweltbescheinigung über die Jahreskilometer zu erhalten und auch Fluggesellschaften bieten die Berechnung der verursachten Emissionen und deren Kompensation an.

Zusammenfassung

Die Checkliste für die nächste Reise(richtlinie):

  1. Emissionsbudget aufstellen.
  2. Notwendigkeit der Reise überprüfen.
  3. Möglichst umweltverträgliches Verkehrsmittel nutzen, Strecken klug planen.
  4. Hotel mit Nachhaltigkeitszertifikat buchen.
  5. Emissions- und müllarme Gastronomieangebote nutzen.
  6. Emissionen und Verbräuche sorgfältig dokumentieren.

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Klimarelevante Beschaffung – 5 praktische Tipps für die Umsetzung

Wer effizient Emissionen reduzieren und Einsparpotenziale heben will, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Denn ein Großteil der Emissionen entsteht nicht intern im Unternehmen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen und Einzelteilen. Die indirekt entstehenden Emissionen anzugehen und die eigene Lieferkette kritisch zu hinterfragen, ist somit ein entscheidender Schritt in Richtung Dekarbonisierung des eigenen Unternehmens.

Klimapolitik fordert verantwortungsvolle Beschaffungspraxis von Unternehmen

Dies fordert nun auch die Politik. Das von der Bundesregierung beschlossene Lieferkettengesetz verpflichtet zunächst Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten ab 2023 dazu, entlang der gesamten Lieferkette Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten. Aber nicht nur neue gesetzliche Vorgaben üben Druck aus: Unternehmen müssen künftig den wachsenden Erwartungen verschiedenster Interessensgruppen gerecht werden. Kund:innen und Konsument:innen legen zunehmend Wert auf die nachhaltige Produktion der Waren. Darüber hinaus orientieren sich auch Investor:innen immer mehr an klimarelevanten Standards. 

Um all diesen Herausforderungen zu begegnen, hilft nur eine ganzheitlich klimakompatible Beschaffung. Während die konventionelle Einkaufspraxis hauptsächlich darauf bedacht ist, eine hohe Qualität zu einem möglichst niedrigen Preis zu erwerben, fokussiert sich eine klimarelevante Beschaffung zusätzlich darauf, ökologische Faktoren in Kaufentscheidungen einzubeziehen. Dazu gehört auch, Verantwortung für die sozialen und klimabezogenen Praktiken der Lieferant:innen zu übernehmen. 

Die Chancen der klimakompatiblen Beschaffung für Dein Unternehmen 

Viele Unternehmen unterschätzen die Chancen einer klimarelevanten Beschaffung. Dabei bietet eine nachhaltige Einkaufspraxis und die Vernetzung mit klimaneutralen Lieferant:innen großes Einsparpotenzial für Unternehmen. Eine enge Zusammenarbeit mit Lieferant:innen ermöglicht eine verlässliche Versorgung und reduziert Risiken, wie Kostenschwankungen oder Lieferunterbrechungen. Eine verantwortungsvolle Ressourcengewinnung und -verarbeitung ermöglicht nicht nur energie- und ressourcenschonende Arbeitsweisen. Sie steigert auch die Reputation eines Unternehmens sowie die Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die eine klimarelevante Beschaffung als zentralen Bestandteil des Lieferkettenmanagements umsetzen, erzielen so auch zunehmend Wettbewerbsvorteile und minimieren Risiken.

Klimarelevante Beschaffung – Wie funktioniert das?

Die Einkaufspraxis in einem Unternehmen klimakompatibel zu gestalten, bedeutet, soziale, ethische und vor allem ökologische Leistungsfaktoren in den Prozess der Lieferant:innenauswahl und die gesamte Beschaffungsstrategie zu integrieren. Ziel ist es, Produkte und Dienstleistungen so zu beschaffen, dass von der Herstellung bis zur Entsorgung ökologische, soziale und ökonomische Faktoren berücksichtigt werden und so geringe Umweltbelastungen wie möglich entstehen. Ein nachhaltiges Beschaffungsbetriebsmodell ist vor allem darauf ausgelegt, dass jedes Element des konventionellen Beschaffungsprozesses durch klimarelevante Aktivitäten ergänzt wird.

Dazu gehört nicht nur der Aufbau starker und langfristiger Lieferant:innenbeziehungen. Relevant ist auch die Schulung von Mitarbeiter:innen und die Investition in digitale Tools, um sowohl Kosten- als auch Nachhaltigkeitstransparenz in der gesamten Lieferkette zu ermöglichen. Klimarelevante Daten und Kennzahlen entlang der Lieferkette transparent zu machen, bildet die Grundlage, um daraufhin spezifische Lösungen zu entwickeln und Prozesse anzupassen.

Im Folgenden zeigen wir Dir fünf relevante Schritte auf, die für die Zusammenarbeit mit Lieferant:innen den Unterschied machen.

5 praktische Schritte, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen

1. Lieferkette analysieren und Ziele setzen

Die umfassende Analyse der eigenen Lieferkette ist der erste Schritt, um einen Überblick über die Klimaleistung des Unternehmens entlang der gesamten Wertschöpfung zu schaffen. So kannst Du soziale und ökologische Auswirkungen der eigenen Unternehmenstätigkeit besser einschätzen. Basierend darauf kann Dein Unternehmen Ziele setzen und individuelle Maßnahmen festlegen. In Übereinstimmung mit der eigenen Geschäftspolitik lässt sich eine klare Vision entwickeln, wie klimarelevanter Einkauf im Unternehmen umgesetzt werden soll.

2. Erwartungen an Lieferant:innen kommunizieren

Indem Du die eigenen Anforderung an die Lieferant:innen beispielsweise in einem Verhaltenskodex festhältst, kannst Du die Erwartungen von Unternehmensseite klar kommunizieren und transparent darstellen. Ein Verhaltenskodex fungiert als Maßstab für das gewünschte Leistungsniveau. Er gibt verbindliche Richtlinien für soziale und ökologische Standards für Lieferant:innen vor. Auch bei der Auswahl von Lieferant:innen gilt es, deren Klimaleistung entlang der Kriterien zu betrachten und in den Auswahlprozess einzubeziehen.

3. Umsetzung einer klimakompatiblen Beschaffung durch Kooperation mit Lieferant:innen

Eine enge und vertrauensvolle Beziehung zu Lieferant:innen gelingt vor allem dann, wenn Du nicht nur Anforderungen stellst, sondern sie auch in der Umsetzung dieser unterstützt. Laut einer Studie von Global Compact birgt eine enge Zusammenarbeit mit Lieferant:innen große Chancen, um wertvolle Potenziale aufzudecken und Risiken zu minimieren. Unternehmen kooperieren pro-aktiv und systematisch mit allen Lieferant:innen, skizzieren gemeinsam mit ihnen Herausforderungen und entwickeln passende und individuelle Lösungsansätze. Dies sorgt ebenso dafür, dass Lieferant:innen selbst für verantwortungsvolles Handeln sensibilisiert und über geschäftliche Vorteile aufgeklärt werden. Darüber hinaus werden sie dazu motiviert, auch in der eigenen Einkaufspraxis zunehmend Sozial- und Umweltstandards zu berücksichtigen. 

4. Monitoring und Evaluierung von Maßnahmen

Durch eine kontinuierliche Beobachtung der laufenden Maßnahmen kannst Du Erfolge messbar machen und positive Entwicklungen aufzeigen. Darüber hinaus lassen sich so auch gegebenenfalls Prozesse anpassen und Maßnahmen weiterentwickeln. Auf Basis einer regelmäßigen Bewertung der Einrichtungen und Praktiken der Lieferant:innen kann in enger Zusammenarbeit mit ihnen die eigenen Geschäftspraktiken optimiert werden. 

5. Transparenz schaffen

Um als Unternehmen zukunftsfähig zu sein, ist es nicht nur wichtig, eine klimakompatible Unternehmenstätigkeit zu entwickeln, sondern diese auch nach außen zu kommunizieren. Auf diese Weise kannst Du Vertrauen zu allen Stakeholder:innen aufbauen und als inspirierendes Beispiel vorangehen. Aber auch politische Regulationen wie die EU-Taxonomie werden Unternehmen künftig zunehmend dazu verpflichten, ihre eigene Klimaperformance in jährlichen Berichten offenzulegen.

Fazit: Eine klimarelevante Beschaffungsstrategie bietet Deinem Unternehmen die Chance, entlang der gesamten Lieferkette Emissionen einzusparen und als Unternehmen klimakompatibel zu wirtschaften. Dabei spielt die enge Kooperation mit Lieferant:innen eine große Rolle. Nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit können klimarelevante Faktoren berücksichtigt und gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

Du möchtest Beschaffungsprozesse in Deinem Unternehmen optimieren und die Klimatransformation Deines Unternehmens vorantreiben? Der CLIMATE Readiness Check unterstützt Dein Unternehmen dabei, die eigene Klimaleistung bis in die Lieferkette hinein zu messen und wichtige Reduktionspotenziale aufzudecken. Mache jetzt ein kostenloses Gespräch mit uns aus und lerne unsere Software zur Dekarbonisierung von Unternehmen und ihrer Lieferkette kennen. 

Der CLIMATE Readiness Check – Der Einstieg in die Klimatransformation für Dein Unternehmen

Unternehmen und Konzerne stehen heute vor der Herausforderung, eine klimakompatible Wirtschaft zu schaffen. Die Transformation hin zu einer regenerativen Wirtschaft ist ein wichtiger Schritt, um gemeinsam die UN-Klimaziele zu erreichen und die eigene Zukunftsfähigkeit im Unternehmen zu ermöglichen.

Laut UN bildet der Dreiklang aus CO2 messen, reduzieren und kompensieren die Grundlage für die Verbesserung der eigenen Klimaleistung im Unternehmen. Wer die eigene Klimawirkung realistisch einschätzen kann und die größten Emissionsquellen identifiziert hat, kann effektive Reduktionsmaßnahmen einleiten und im zweiten Schritt unvermeidbare Emissionen ausgleichen. 

Das bedeutet also: Auf dem Weg zu einer erfolgreichen Klimatransformation kommen Unternehmen nicht daran vorbei, die eigene Unternehmenstätigkeit einschließlich der gesamten Lieferkette auf klimarelevante Kriterien zu untersuchen. Das zeigen auch aktuelle Vorgaben und Regulierungen. So fordert unter anderem die neue Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) bald schätzungsweise über 15.000 Unternehmen in Deutschland dazu auf, auch soziale und ökologisch Belange der eigenen Unternehmenstätigkeit zu untersuchen und transparent zu machen. 

Die Bewertung des Status-Quo der eigenen Klimaleistung ist somit die Grundlage für eine erfolgreiche Klimatransformation.

Eine umfassende Status-Quo-Analyse der eigenen Klimawirkung

Hierfür ist eine ganzheitliche Analyse der eigenen Klimawirkung erforderlich. Nicht nur unternehmensweite Emissionen sind relevant, auch das Klimamanagement innerhalb des Unternehmens sowie die kritische Betrachtung der etablierten Klimastrategie gehört zu einer umfassenden Übersicht. So lassen sich individuelle Klimastärken sowie -Potenziale beleuchten, passende Handlungsstrategien entwickeln und effiziente Emissionsreduktionsmaßnahmen vornehmen.

Der software-basierte CLIMATE Readiness Check bietet Unternehmen genau das und ermöglicht einen einfachen Einstieg in die eigene Klimatransformation. Das umfangreiche Analyse-Tool ermöglicht es Unternehmen, die eigene Klimawirkung bis in die Lieferkette hinein einzuschätzen und die größten Handlungspotenziale zu entdecken. 

Im Folgenden stellen wir Dir vor, wie der CLIMATE Readiness Check funktioniert und wie das datengetriebene Assessment-Tool Dein Unternehmen dabei unterstützt, die eigene Klimawirkung einzuordnen und gesetzte Klimaziele in konkrete Handlungsschritte zu übersetzen.

Was ist der CLIMATE Readiness Check? 

Der CLIMATE Readiness Check ist ein branchenunabhängiges Klimaperformance-Rating, das entlang internationaler Vorgaben die Klimaleistung von Unternehmen und Organisationen unterschiedlicher Größe bewertet. Die gesamte Status-Quo-Analyse setzt sich aus einem Fragebogen, einer ausführlichen Auswertung sowie individuellen Handlungsempfehlungen zusammen. Auf dieser Grundlage können Unternehmen konkrete Maßnahmen einleiten und die eigenen Klimawirkung optimieren.

Mithilfe des CLIMATE Readiness Checks kann Dein Unternehmen:

1. DIE EIGENE KLIMALEISTUNG ERFASSEN UND VERSTEHEN

Entlang internationaler Standards bietet der CLIMATE Readiness Check eine schnelle, strukturierte und datengetriebene Analyse Deiner Klimaleistung. So kann Dein Unternehmen die eigenen Klimastärken und -potenziale realistisch einschätzen.

2. INTERNATIONALE KLIMAANFORDERUNGEN ERFÜLLEN

Politische Rahmenwerke, wie unter anderem das nicht finanzielle Reporting, verlangen künftig, dass Unternehmen der Berichtspflicht nachkommen und die eigene Klimaperformance transparent offenlegen. Der CLIMATE Readiness Check basiert auf international anerkannten Standards und hilft, die neuen Informations-Anforderungen einzuschätzen, zukünftige Risiken zu minimieren und sich auf Kund:innenanforderungen einzustellen.

3. INDIVIDUELLE QUICK WINS IDENTIFIZIEREN

Unternehmen fehlen heute häufig die passenden Ressourcen, um effiziente CO2-Reduktionsmaßnahmen aktiv in die Tat umzusetzen. Der CLIMATE Readiness Check zeigt Dir daher individuelle Handlungsempfehlungen sowie Quick Wins auf. Diese kann Dein Unternehmen direkt mit unseren validierten CLIMATE Solution Partnern umsetzen, um Schritt für Schritt die Klimatransformation Deines Unternehmens voranzutreiben. 

Wie funktioniert der CLIMATE Readiness Check für Dein Unternehmen?

Der Check beinhaltet einen dynamischen Fragebogen, der wesentliche Bereiche der Transformationsbereitschaft eines Unternehmens abdeckt. In ca. einer Stunde lässt sich dieser ausfüllen; die erforderlichen Daten finden sich im unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsbericht oder sind meist ohne großen Aufwand bei den Klimabeauftragten zu erfragen. Die Auswertungen des Selbsttests sind Basis für einen individuellen Erkenntnisbericht, der im Nachgang in einem persönlichen Gespräch präsentiert wird. Hier zeigen Dir Klimaexpertinnen und -experten von THE CLIMATE CHOICE Stärken und Potenziale der eigenen Klimaperformance entlang von fünf Dimensionen auf und bieten konkrete Handlungsempfehlungen.

Die fünf Dimensionen des CLIMATE Readiness Check, die in das finale CLIMATE Performance Scoring einfließen, dienen als Grundlage für eine ausdifferenzierte Status-Quo-Analyse des eigenen Klimamanagement, der Klimastrategie, Transparenz sowie Metriken der Umwelt- und Klimawirkung.

Die 5 Dimensionen des CLIMATE Readiness Checks:

1. Wirkungsmodell

Diese Dimension beschäftigt sich mit dem Geschäftsmodell und der Klimastrategie eines Unternehmens. Hier werden Unternehmenstätigkeiten besonders auf Basis der Regulationen der EU-Taxonomie bewertet. Die EU-Taxonomie stuft wirtschaftliche Aktivitäten als „ökologisch nachhaltig“ bzw. „grün“ ein, sobald sie die Umsetzung von mindestens einem der EU-Klima- und Umweltziele fördern. Darüber hinaus darf dabei keines der anderen Ziele maßgeblich beeinträchtigt werden. Sind Planung, Strategie sowie Unternehmensstruktur auf die Klimaziele des Unternehmens ausgerichtet? Im Vordergrund steht hier die Verankerung von Klimaschutz im eigenen Geschäftsmodell.

2. Klimamanagement

Das Klimamanagement eines Unternehmens zu betrachten, wird künftig immer wichtiger, um Klimaziele zu erreichen und den Anforderungen von Seiten der Politik und Kund:innen entsprechend zu handeln. In Übereinstimmung mit Empfehlungen der Task Force of Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und dem Carbon Disclosure Project (CDP) befasst sich diese Dimension mit den internen Governance- und Führungsprozessen einer Organisation, einschließlich der Schulung und Überprüfung des Managements, der eigenen Mitarbeiter:innen sowie der Lieferant:innen und relevanter Stakeholder:innen. Es wird untersucht, ob es in einem Unternehmen Verantwortliche speziell für die Identifizierung und das Management klimarelevanter Themenbereiche gibt. Zusätzlich wird betrachtet, ob klimabezogene Chancen und Risiken identifiziert und gesteuert werden.

3. Klimaeinfluss

Für diese Dimension sind  zentrale Klimakennzahlen, wie der unternehmensweite und produktbezogene Carbon Footprint wichtig. In das Rating dieser Dimension fließen zusätzlich relevante Daten zu unternehmerischen Klimaauswirkungen, wie z. B. Ressourcen- und Energieverbrauch sowie Abfallmanagement ein. Genau zu identifizieren, welche Emissionstreiber im Unternehmen vorliegen, ist die Grundlage dafür, passende und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und CO2-Reduktionsstrategien zu implementieren. 

4. Transparenz

Transparente Kommunikation und Offenlegung klimarelevanter Daten werden für Unternehmen künftig immer wichtiger. Investor:innen und Kreditgeber:innen sowie Verbraucher:innen fordern zunehmend vergleichbare, klimabezogene Daten. Unternehmen werden dazu verpflichtet, Informationen über die eigene Klimaleistung offenzulegen. In diesem Bereich wird in Übereinstimmung mit der Global Report Initiative die transparente Kommunikation eines Unternehmens untersucht. Die Dimension überprüft, ob ein Unternehmen den Berichtspflichten über soziale und ökonomische Auswirkungen ausreichend nachkommt und fordert eine verantwortungsvolle Unternehmenspraxis sowie Zertifizierung durch anerkannte Standards. 

5. Ökologisches Handeln

Neben der Entwicklung eines klimakompatiblen Geschäftsmodells können Unternehmen durch die Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen, sogenannter Quick Wins, erhebliches Einsparpotenzial ausschöpfen. In diesem Bereich wird untersucht, inwieweit Unternehmen Klimaschutzmaßnahmen entlang der 9 Impact Kategorien – in Bereichen wie Energie, Gebäudemanagement, Mobilität, Finanzen, Digitales und freiwillige CO2-Kompensation – ergreifen. 

Dein Ergebnis des CLIMATE Readiness Checks

Auf Basis dieser fünf Dimensionen werden Unternehmen, die den CLIMATE Readiness Check erfolgreich durchgeführt haben, je nach Ergebnis mit dem CLIMATE Label in Bronze, Silber oder Gold ausgezeichnet. Das Rating und entsprechende Label können Unternehmen für die interne als auch externe Kommunikation nutzen. 

Die digitale Plattform der Klimatransformation

Der CLIMATE Readiness Check ist der Anfang! Validierte Unternehmen werden Teil der digitalen Plattform der Klimatransformation. 

Um die Herausforderung der CO2-Reduktion entlang der gesamten Lieferkette durch klimarelevanten Einkauf zu lösen, baut THE CLIMATE CHOICE die B2B-Online-Plattform der Klimatransformation. Diese bietet ein Verzeichnis klimakompatibler Unternehmen, ihren Produkten und zugehörige klimarelevante Informationen, kombiniert mit einer leistungsstarken Suchmaschine. 

Wir glauben, dass die Dekarbonisierung von Unternehmen und ihren Lieferketten am besten durch datengestützte Kaufentscheidungen zu erreichen ist und bieten die Plattform, um dies zu ermöglichen. Eine umfangreiche Auswahl an Lösungsanbieter:innen aus den unterschiedlichen Impact-Kategorien Energie, Gebäude, Industrie, Verkehr, Ernährung, Digital, Umwelt, Finanzen und Gesellschaft ist bereits auf der Plattform verfügbar. 

Dich interessiert, was Du gelesen hast und Du möchtest einen CLIMATE Readiness Check für Dein Unternehmen durchführen, um den nächsten Schritt hin zu einer erfolgreichen Klimatransformation zu gehen? Melde Dich gern bei uns und vereinbare ein persönliches Gespräch!

Klimaneutrales Deutschland 2045 – wie schaffen wir das?

Der Weg zu einem klimaneutralen Deutschland bis 2045 erfordert schon heute konsequente Weichenstellungen in allen Sektoren. Welche das genau sind, hat die Stiftung Klimaneutralität in einer umfassenden Szenarienstudie von Prognos, Ökoinstitut und dem Wuppertal Institut untersuchen lassen. Die Studie zeigt, dass durch die konsequente Anwendung von heute schon verfügbaren oder bereits weit entwickelten Technologien CO2-Reduktion und ein klimaneutrales Deutschland bis 2045 möglich ist.

Beim CHOICE Event #25 haben Dr. Julia Metz und Martin Weiß von der Stiftung Klimaneutralität die Ergebnisse der Studie vorgestellt und erklärt, welche Chancen und Herausforderungen auf uns warten. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte aus ihrem Vortrag über die entscheidenden Maßnahmen, um die Transformation in allen Sektoren voranzutreiben.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Die Studie “Klimaneutrales Deutschland 2045” wurde beauftragt, um das deutsche Klimaneutralitätsziel bis zum Jahr 2045 vollumfänglich für alle Sektoren zu modellieren. Sie ist als Wachstums- und nicht als Verzichts-Szenario angelegt, d. h. sie geht von einem durchschnittlichen Wachstum von +1,3 % BIP aus.

Das wichtigste Ergebnis: Ein klimaneutrales Deutschland ist bereits bis 2045 möglich! Im Vergleich zum Zieljahr 2050 würde dieses Szenario der Atmosphäre knapp eine Milliarde Tonnen CO2 einsparen. Mit Erreichung des Ziels würde Deutschland außerdem wieder zu einem internationalen Vorreiter beim Klimaschutz und zu einem Leitmarkt und Leitanbieter für Klimaschutztechnologien. 

Um diesen Weg erfolgreich bestreiten zu können, müssen bis 2030 als wichtigster Meilenstein bereits 65 Prozent der CO2e-Emissionen eingespart werden. Dies schafft die Voraussetzungen für eine beschleunigte Transformation nach 2030. Der Wandel betrifft dabei sowohl den Ausbau der Erneuerbaren Energien, eine klimaneutrale Industrie sowie den Umstieg auf Wärmepumpen und Elektromobilität. Dazu muss die Agrarwende und der Einsatz von CO2-Abscheidung und -Speicherung deutlich vorgezogen werden.

Die wichtigsten Grundsätze auf dem Weg zur Klimaneutralität

Was bedeutet das alles nun konkret für Unternehmen? Zunächst lassen sich aus der Studie drei wichtige und allgemeine Grundsätze ableiten, mit denen sich die Transformationen am effektivsten vorantreiben lassen: 

Efficiency First

Deutschland und somit auch jedes Unternehmen müssen die Effizienz bei der Nutzung von Energie signifikant steigern. Genauer gesagt sieht das Szenario eine Halbierung des deutschen Primärenergieverbrauchs bis zum Jahr 2045 vor.

Electrify Second

Als zweites müssen wir die erneuerbare Stromerzeugung massiv ausbauen. Auf diese Weise stehen die erforderlichen Mengen an erneuerbarem Strom zur Verfügung, um die anderen energiebasierten Sektoren zu elektrifizieren und dekarbonisieren.

Green Fuels Third

Übrig bleiben dann noch Bereiche, die nicht elektrifiziert werden können – z. B. die Luft- und Schifffahrt. Hier muss Wasserstoff mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden, um fossile Brennstoffe vollständig ersetzen zu können. 

Fehlinvestitionen in fossile Technologien vermeiden

Bis 2045 bleiben uns noch 23 Jahre. Gerade in Bezug auf Investitionszyklen ist dieser Zeitraum viel kürzer, als manche vermuten. Investitionen, die heute getätigt werden, müssen bereits jetzt das Ziel einplanen, bis 2045 keine Treibhausgase mehr auszustoßen. Dieses Mitdenken des Klimaziels betrifft ebenso jegliche Einkaufs-, Kooperations- oder Prozessentscheidung. Anstatt sich also mit kleinen und einzelnen Verbesserungen zufrieden zu geben, müssen Unternehmen schon heute sämtliche Bereiche in eine ganzheitliche Strategie der Klimatransformation integrieren. Nur so lässt sich die Zielerreichung und somit die eigene Zukunftsfähigkeit gewährleisten. 

In drei Schritten zur Klimaneutralität

Die Studie unterteilt den beschleunigten Pfad zur Klimaneutralität in drei wesentliche Schritte:

bis 2030: -65 % Treibhausgasemissionen

Für diesen ersten wichtigen Meilenstein leistet vor allem der Kohleausstieg den größten Beitrag, während etwa 70 % des Stroms durch Erneuerbare Energien abgedeckt werden müssen. In der Verkehrsbranche liegt alles daran, die Zielmarke von 14 Mio. E-Pkw zu erreichen sowie die Verlagerung zum ÖPNV sowie Rad,- Fuß- und Schienenverkehr voranzubringen. In der Industrie geht es u. a. um den vermehrten Einsatz von Wasserstoff als Direktreduktion in der Stahlerzeugung und bei den Gebäuden neben steigender Sanierungsraten um die Schlüsseltechnologie der Wärmepumpe. Die Landwirtschaft leistet mit der Reduktion von Düngemitteln und Tierbeständen einen zwar kleinen, aber ebenfalls wichtigen Beitrag.

Prognos, Öko-Institut, Wuppertal Institut (2021)

bis 2045: -95 % Treibhausgasemissionen

Im zweiten Schritt des Szenarios werden ab 2030 in allen energiebedingten Bereichen die Emissionen auf nahezu Null reduziert. Den Schlüssel bilden sowohl in der Industrie als auch in der Energiewirtschaft und dem Verkehr der Einsatz von 100 % Erneuerbarer Energien sowie Wasserstoff und Biomasse. Im Gebäudebereich hat sich die Wärmepumpe bis 2045 als Investitionsstandard durchgesetzt. Auch wenn die Landwirtschaft durch Fleisch- und Milchalternativen noch einmal weitere Einsparungen erzielen kann, bleibt hier letztlich der Hauptteil der Rest-Emissionen übrig.

Prognos, Öko-Institut, Wuppertal Institut (2021)

ab 2045: Negativemissionen

Die restlichen und nicht vermeidbaren Emissionen müssen bereits bis 2045 ausgeglichen werden, um so letztlich die Netto-Null-Emissionen und damit die Klimaneutralität Deutschlands zu erreichen. Dies erfolgt u. a. durch Bioenergy with Carbon Capture and Storage (BECCS), also der Abscheidung und geologischen Lagerung von CO2 aus Biomasseverbrennung. Daneben steht Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) als weitere Option zur Verfügung, wobei CO2 direkt aus der Luft gefiltert und anschließend eingelagert wird. Mit diesen und weiteren Technologien wird es nach 2045 schließlich sogar möglich sein, die Gesamtemissionen in der Atmosphäre wieder allmählich zu verringern.

Prognos, Öko-Institut, Wuppertal Institut (2021)

Es liegt an uns

Die Ergebnisse von “Klimaneutrales Deutschland 2045” zeigen klar den Weg auf, den Deutschland und jedes Unternehmen in den nächsten 23 Jahren für die Einhaltung der gesetzten Klimaziele beschreiten muss. Jetzt geht es darum, den Blick nach vorne zu richten und mit klugen Geschäfts- und Investitionsentscheidungen die Grundlage für eine klimakompatible und erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Du fragst Dich, wie Du diesen Weg in Deinem Unternehmen starten kannst? Unser CLIMATE Readiness Check hilft Dir dabei, Deine Klimaperformance zu verstehen, Handlungsfelder zu identifizieren und langfristig Deine Klimatransformation erfolgreich voranzubringen. Erfahre hier mehr über den CLIMATE Readiness Check.

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3 Vorteile der CO2-Product-Footprint Analyse für Unternehmen.

Millionen von Produkten müssen CO2-neutral werden. Wie geht das?

Um die CO2-Werte eines Produktes, die einzelnen Emissionsquellen sowie Optimierungspotenziale zu bestimmen, bedarf es zunächst einer genauen Product-Carbon-Footprint (PCF) Analyse. Viola Hasani und Dr. Andreas Rennet von worldwatchers stellten dazu in unserem CHOICE Webinar #10 die Grundlagen, bestehende Normen sowie wirtschaftliche Einflüsse der PCF Analyse vor. Im Folgenden findest Du einige der wichtigsten Punkte und die gesamte Aufnahme des CHOICE Webinars.

Viola Hasani und Dr. Andreas Rennet, worldwatchers

Wofür brauchen wir eine CO2-Product-Footprint Analyse?

Das ist einfach zu beschreiben: Um Produkte zu optimieren und ihren CO2-Fußabdruck zu senken benötigen wir Transparenz. Diese Transparenz erhalten wir durch eine schrittweise Analyse der Produkte. Was nicht gemessen wird, kann nicht optimiert werden.

3 Gründe für CO2-Product-Footprints

  1. Steigende Nachfrage CO2-neutraler Produkte am Markt, unterstützt von der Politik durch CO2-Steuer und Klimaziele
  2. Eine glaubhafte Transparenzstrategie der HerstellerInnen, welche Maßstab für KäuferInnen wird und so zukünftige Risiken reduziert
  3. Mehrkosten für Unternehmen durch eine steigende CO2-Steuer

Vorgaben für die CO2-Product-Footprint Analyse

Die übliche Vorgehensweise von PCFs orientiert sich an dem GHG Protocol (2001), wobei anschließend die ISO14000 – Familie weitere Standards definierte.

Nach GHG Protocol wird zunächst bestimmt welche Prozessschritte als Input in die Berechnung aufgenommen und somit welche Daten gesammelt werden müssen.

Quelle: worldwatchers

Materialströme, Stromverbrauch und Verarbeitungsschritte werden einzeln aufgelistet, um anschließend die Daten bestimmen zu können. Schließlich werden alle Einzelwerte zusammen gezählt und als Output in CO2e bestimmt.

Durchführung der CO2-Product-Footprint Analyse in 3 Schritten

Schritt 1

Festlegung der Ziele sowie des Untersuchungsrahmens: Zu aller erst sollte sehr genau und detailliert festgelegt werden, was genau untersucht werden soll. Geht es um die Fertigungsschritte im eigenen Haus, soll eventuell auch die Produktion der Lieferkette betrachtet werden?

Schritt 2

Darstellen des gesamten Produktionsablaufs und Untersuchung von Inputs und Outputs: Hier wird der komplette Produktionsablauf in seine Einzelteile zerlegt und analysiert. Dieser Vorgang ist sehr komplex, vor allem bei aufwendig hergestellten Produkten bestehend aus vielen verschiedenen Einzelteilen und Stoffen.

Schritt 3

Aufaddieren aller Inputs und Outputs zum finalen Ergebnis: Hier werden die verschiedenen Einzelteile des Produkts wieder zu einem Produkt zusammengefügt was den gesamten CO2-Product-Footprint ergibt. Nun wird sichtbar in welchen Bereichen Optimierungspotentiale sind und wo genau angesetzt werden muss, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Vor- und Nachteile der CO2-Product-Footprint Analyse

Vorteile

Nachteile

So funktioniert’s – die Details

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Wird das Klima zur Schwachstelle in der Lieferkette?

Im Zusammenhang mit der globalen COVID-19-Pandemie sowie akuten Wetterereignissen werden immer weitere Fragen zu Risiken und Belastbarkeit der Lieferkette aufgeworfen. Da der Klimawandel extreme Wetterereignisse häufiger auftreten lässt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Produktionsanlagen und lokale LieferantInnen durch intensive Veränderungen beeinflusst werden. Wertschöpfungsketten sind daher einem breiten Spektrum von Risiken ausgesetzt, einschließlich Klimaereignissen.

Undurchsichtige Lieferketten zwischen Wirtschaft und Klima

Der Großteil der globalen Wirtschaftsproduktion, 20 Billionen USD pro Jahr, finden in einer global organisierten Lieferkette statt. Dieser internationale Austausch von Waren hat den Zugang zu Produkten und Materialien extrem erleichtert und zum Beispiel Computer, Autos, Medikamente und Lebensmittel erschwinglich gemacht. Gleichzeitig wurden allerdings Lieferwege immer intransparenter und Umweltkosten sowie soziale Missstände externalisiert. Für Endprodukte, die aus vielen tausend Teilen aus aller Welt bestehen, können so kaum noch die Ursprünge geschweige denn die entstandenen Emissionen zurückverfolgt werden. Da die CO2-Emissionen von Produkten allerdings aus bis zu 80% aus der Lieferkette stammen, sind diese Informationen entscheidend. Die Beziehung zu LieferantInnen, besonders um ihre Bedingungen vor Ort und ihre verursachten Emissionen zu verstehen, werden daher immer wichtiger.

Extreme Wetterereignisse beeinflussen die Lieferkette

Neben den undurchsichtigen Klimaauswirkungen, werden die Lieferketten selbst zum Risiko. Laut McKinsey gibt es hauptsächlich drei klimabedingte Gründe für kurzfristige Ausfälle bei LieferantInnen:

  1. Physische Schäden an Einrichtungen, Produktionsanlagen und Lagerbeständen.
  2. Umsatzrückgang, entweder weil die Produktion gestört ist oder weil Waren nicht auf den Markt gebracht werden können.
  3. Höhere Kosten in der Wiederaufbauphase der Anlage, da die Marktpreise für Arbeit, Energie und Logistik nach extremen Wetterevents steigen können.

Die Kombination dieser Auswirkungen kann auch die Fähigkeit der LieferantInnen einschränken, die Produktion schnell und effizient wiederherzustellen, da sie weniger Kapital für Reparaturen beschaffen können oder den kurzfristigen Cashflow drosseln müssen.

Nachhaltiger Einkauf in einer transparenten Lieferkette

Wie stellen sich Unternehmen auf zunehmende Risiken im Einkauf ein und sorgen gleichzeitig für sinkende CO2-Emissionen in ihrer Lieferkette? Die Antwort kann nur in einem gewandelten Verständnis des Einkaufs liegen. Früher lag die primäre Aufgabe des klassischen Einkaufs in der kostengünstigen Beschaffung von Materialen zur bestmöglichen Qualität. In Zeiten steigender Umweltvorgaben und KonsumentInnenanforderungen hat der Einkauf weitere Aufgaben. Kosten senken zu jedem Preis, das lässt heute das Risiko steigen. Wer jedoch „Nachhaltigkeit“ in seine Lieferkette integriert, differenziert sich im Wettbewerb und kann Umsätze steigern.

Umstieg auf Zusammenarbeit und Integration

Laut Jaro Institut ist der Einkauf heute daher ein Multiplikator, der das Wirtschaften der eigenen Firma und die Beziehung zu LieferantInnen deutlich verändern kann und somit einen großen Mehrwert für die Umsetzung der Nachhaltigkeit liefert! Eine strategische Ausrichtung der Beschaffung, auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung, stellt somit die Weichen, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen. Das Jaro Institut empfiehlt hierzu die folgenden vier Schritte:

1. Basis für eine nachhaltige Beschaffung im Unternehmen legen

2. Integration nachhaltiger Aspekte in die Beschaffungsprozesse

3. Kontinuierliche Leistungsausarbeitung und -verbesserung mit LieferantInnen

4. Steuern und lernen

Wer noch weitere Klimaziele in sein Lieferketten-Management integrieren will, kann sich den „Supply Chain Leaders“ anschließen. Diese setzen sich das Ziel, ihre absoluten Treibhausgasemissionen vor 2030 zu halbieren und ihre Lieferketten vor 2050 klimaneutral zu gestalten.

Fazit

Alle Ansätze zeigen auf dasselbe Ergebnis: EinkäuferInnen und Führungskräfte müssen mit ihren LieferantInnen zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und dabei ihre Treibhausgasemissionen tatkräftig zu reduzieren.

Du willst mehr darüber erfahren, wie die Software-Tools von THE CLIMATE CHOICE Dein Unternehmen bei der Klimatransformation entlang der gesamten Lieferkette unterstützen können? Dann kontaktiere uns.