Die Chancen der nachhaltigen Beschaffung nutzen: 3 Tipps zur Umsetzung

12.05.2021 | Lesedauer: 4 Minuten

Der Hebel der Klimatransformation: Der Einkauf.

Die nachhaltige Beschaffung von Produkten ist ein elementarer Teil des Nachhaltigkeitsmanagements eines Unternehmens. Nachhaltigkeit als Einkaufsziel zu etablieren, bedeutet Prozesse und Vorgaben so zu gestalten, dass die produzierten Waren oder Dienstleistungen möglichst geringe, negative Umweltbelastungen aufweisen. Hierbei ist neben der eigenen Klimaperformance vor allem die der Zuliefer*innen eines Unternehmens von Bedeutung. Schon heute ist es daher wichtig, seine Zuliefer*innen bewusst zu wählen und für klimafreundliches Handeln zu sensibilisieren.

Die Verankerung von Nachhaltigkeit in der Beschaffung bietet die Möglichkeit, energie- und ressourceneffizient sowie kostensparend zu handeln. Dabei werden sowohl unternehmerische als auch gesamtgesellschaftliche Ziele verfolgt. Finde im Folgenden heraus, welche Chancen eine nachhaltige Lieferkette Unternehmen bietet und anschließend drei Schritte, um die Lieferkette nachhaltig zu gestalten.

Nachhaltige Beschaffung ermöglicht energie- und ressourceneffizientes Handeln

Nachhaltiger Einkauf ermöglicht Unternehmen durch eine effizientere Ressourcennutzung nicht nur die Einsparung von Emissionen innerhalb der eigenen Lieferkette, sondern auch Wettbewerbsvorteile. Stand 2020 legen 71% aller Konsument*innen und Kund*innen Wert auf eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln (Utopia), aber auch beim Kauf anderer Konsumgüter nimmt das Bewusstsein der Verbraucher*innen bezüglich nachhaltiger Produktion zu. Darüber hinaus steigt die Nachfrage nachhaltig produzierter Produkte auch durch politische Vorgaben und Regulationen.

Um Transparenz zu schaffen, verpflichtet das Corporate Social Responsibility-Richtlinien Umsetzungsgesetz seit 2017 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen dazu, Informationen über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange zu veröffentlichen. Um globale Standards zu setzen, beschloss das Europaparlament im März diesen Jahres einen Gesetzesvorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz. Damit werden europäische Unternehmen aufgefordert, ihre gesamte Lieferkette transparent offenzulegen und gerechte Standards zum Schutz von Mensch und Umwelt einzuhalten. Auch Investor*innen beobachten die Klimaperformances von Unternehmen und tätigen immer häufiger „Green Investments“. Laut Venture Capital verdoppelten sich im Jahre 2019 Investments in nachhaltige Start-Ups nahezu, vor allem innerhalb der Nahrungsmittel-Industrie. Nachhaltiger Einkauf trägt zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens bei und ermöglicht dessen langfristige Wirtschaftlichkeit.

3 Schritte zur Etablierung von Nachhaltigkeit in der Beschaffung

Laut efficio fehlen stand heute häufig Angaben darüber, wie Nachhaltigkeit aktiv als Einkaufsziel in die Beschaffung integriert werden kann. Im Folgenden stellen wir Dir daher 3 Schritte vor, um Nachhaltigkeit im Einkauf zu etablieren. 

1. Ausgangslage erfassen und Beschaffungsstrategie definieren

Um Nachhaltigkeit im Lieferketten-Management zu verankern, ist es zunächst wichtig, einen Überblick über den gesamten Beschaffungsprozess des eigenen Unternehmens aufzustellen. Dazu gehören die Strukturen des Prozesses sowie die wichtigsten Akteur*innen in der Lieferkette. 

Dann gilt es gemeinsam eine zielgerichtete Beschaffungsstrategie festzulegen, welche sowohl der ökologischen als auch den sozialen und ökonomischen Dimensionen gerecht wird. Konkret heißt das, dass ein klimafreundlicher Umgang mit Ressourcen und Materialien und die Nutzung regenerativer Energien als Auswahlkriterien aufgenommen wird. Darüber hinaus sollte die soziale Verantwortung gegenüber Angestellten, Dienstleister*innen und Zuliefer*innen in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit Ausdruck finden.

2. Einkaufsfunktionen auf Nachhaltigkeit ausrichten

Die Auffassung, die Beschaffung umweltfreundlicher Produkte sei zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden, ist immer noch weit verbreitet. Dabei steht Nachhaltigkeit als Einkaufsziel nicht im Widerspruch zu etablierten Einkaufszielen, wie zB Kostensenkung oder Risikominimierung. Nachhaltige Produkte können heute teilweise aufgrund einer geringen Wertschöpfungstiefe günstiger produziert werden. Zusätzlich minimieren sich Liefer-Ausfallrisiken sowie Logistikkosten durch den Fokus auf ausgewählte, lokale Anbieter*innen.

Um den Einkauf umfassend auf Nachhaltigkeitsziele auszurichten, wird auf Basis der Corporate-Social-Responsibility-Strategie ein praktischer Leitfaden für Einkäufer*innen erstellt. Als “Verhaltenscodex” umfasst dieser die Anforderungen und Richtlinien für Einkaufsverantwortliche und Zuliefer*innen. Um diese tatsächlich umzusetzen, bieten Schulungen von Mitarbeiter*innen die Chance, die Umstellung schnellstmöglich greifbar zu machen. Im Anschluss stellen Unternehmen Indikatoren zur Bewertung der Entwicklungen der nachhaltigen Beschaffung auf, um die neuen Prozesse zu steuern und Erfolge messen zu können.

3. Eine nachhaltige Einkaufspraxis implementieren

Jetzt heißt es: Praktische Maßnahmen umsetzen und im täglichen Einkauf klimarelevante Entscheidungen treffen! Dazu werden Zuliefer*innen, welche für das Unternehmen von hoher strategischer Bedeutung sind priorisiert. Hierzu werden nun die zuvor identifizierten Nachhaltigkeits-Indikatoren genutzt. Schließlich ergibt sich so entlang der Wertschöpfungskette ein zuverlässiges Bild über die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie in der Beschaffung, was später ebenfalls als Grundlage für CSR-Berichte dienen kann. Wichtig ist, dass sich das Monitoring nicht nur auf die Kontrolle der Zuliefer*innen beschränkt, sondern auch die eigene Arbeit als Unterstützung der sozialen und ökologischen Standards einschließt. Gegebenenfalls leiten Unternehmen gemeinsam mit den Zuliefer*innen Verbesserungsmaßnahmen ein. Dies unterstützt eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung.

Weitere praktische Schritte für die Etablierung von Nachhaltigkeitszielen im Einkauf findest Du im CHOICE Event #14 mit Yvonne Jamal, Gründerin und Vorstandsvorsitzende des JARO Instituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e.V.. Sie erläuterte die Umsetzung einer nachhaltigen Lieferkette anhand von vier Schritten.

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