Was wir alle über TCFD und klimabezogenes Finanzreporting wissen sollten!

07.12.2021 | Lesedauer: 10 Minuten

Wo wir heute stehen: Am Anfang der größten Transformation der Wirtschaft überhaupt!

Die Klimatransformation der Wirtschaft birgt schon heute spürbare Risiken, bringt aber ebenso viele Chancen mit sich. Entscheider:innen können diese jetzt nutzen, um steigende Kundenanforderungen und Regulation zu erfüllen. Dies entscheidet mit darüber, wie zukunftsorientiert ihr Unternehmen aufgestellt ist und welche Potenziale in Zukunft bestehen, um in der “Net Zero Wirtschaft” erfolgreich zu sein und einen positiven Klimaeinfluss umzusetzen.

Die Transformation wird getrieben durch den Finanzsektor, wer hätte das gedacht? 

Während die Temperatur der Erde immer weiter steigt und somit ganze Ökosysteme und die gesamte Grundlage für menschliche Existenz bedroht, verursachen greifbare Geschäftsverluste, bedrohte Vermögenswerte und zerstörte Infrastruktur ein rasantes Umdenken in der Wirtschaft. Vorangetrieben durch die Finanzbranche, denn hier sind Zahlenveränderungen wie sinkende Gewinne und steigende Kosten in Echtzeit bewertbar. Als Reaktion fordern immer mehr Regierungen und Initiativen des Privatsektors eine Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen, die schon in naher Zukunft zu disruptiven Veränderungen aller Wirtschaftssektoren führen werden.

Die Herausforderung: Es fehlen transparente, klimabezogende ESG-Informationen 

Die Herausforderung dabei ist, dass Investor:innen, Kreditgeber:innen und Versichernde derzeit keine klare Einsicht darüber haben, welche Unternehmen angesichts der sich ändernden Umweltbedingungen, neuer Technologieentwicklungen und steigender Kundenansprüche bestehen oder sogar gedeihen werden. Und welche Unternehmen wahrscheinlich damit zu kämpfen haben werden, da sie vor allem eins verursachen: negative Klimaeinflüsse.

„Es ist an der Zeit sicherzustellen, dass jede finanzielle Entscheidung dem Klimawandel Rechnung trägt.“ 

– Mark Carney, UN-Sondergesandter für Klimaschutz und Finanzen, Gouverneur der Bank of England, Dezember 2019.

Ohne zuverlässige, klimabezogene ESG-Informationen, also Daten über die konkrete Aufstellung eines Unternehmens in den Bereichen Governance, Social- und Environmental Impact, können Finanzmärkte und Entscheider:innen klimarelevante Risiken und Chancen weder richtig erfassen, noch einpreisen. Sie stehen daher vor einem mühsamen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft – mit unvorhersehbaren Werteverschiebungen und destabilisierenden Kosten, wenn sich die Industrie alsbald schnell an die neuen Umweltbedingungen anpassen wird.

Umfassende Verpflichtungen zur Offenlegung klimabezogener Informationen 

Zwei Tage vor der COP26 hat es die britische Regierung offiziell gemacht: Ab April 2022 sind Großunternehmen verpflichtet, Informationen gemäß den Empfehlungen der Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) offenzulegen. Dies bedeutet, dass sich Großbritannien als erstes der G20-Länder rechtlich an dem ansonsten freiwilligen TCFD-Rahmenwerk bindet. Die Vorgaben des TCFD gewinnen allerdings nicht nur in Großbritannien an Bedeutung – Länder auf der ganzen Welt prüfen aktuell, wie sie die dringenden Empfehlungen in ihre eigenen ESG-Richtlinien integrieren. Eines ist klar: Die TCFD-Vorgaben wandeln sich rasant von einer freiwilligen zu einer global verpflichtenden Regelung, die über die Finanzbranche hinaus alle Unternehmen auf kurz oder lang stark in ihrer Art und Weise zu wirtschaften beeinflusst. 

Was heißt TCFD genau und worauf sollten Unternehmen vorbereitet sein? 

In diesem Beitrag führen wir auf, was Entscheider:innen über das vielleicht wichtigste, finanzielle Rahmenwerk der letzten Jahre wissen müssen. Erfahre im Folgenden welche Länder eine verpflichtende Anpassung planen, welche TCFD-Anforderungen besonders relevant sind und mit welchen Auswirkungen auf die eigenen Geschäftstätigkeiten gerechnet werden kann.

TCFD in Kürze 

Das “Financial Stability Board” hat das TCFD-Rahmenwerk seit 2015 auf Wunsch der G20-Finanzministerien sowie der Zentralbank entwickelt, um die Berichterstattung über klimabezogene Finanzinformationen zu verbessern. 2017 veröffentlichte das Board seinen Abschlussbericht. Das Ziel war hier Empfehlungen für eine effektive, klimabezogene Offenlegungen von unternehmensbezogenen Daten zu entwickeln. Herausgekommen ist dabei allerdings viel mehr: Anstatt Unternehmen zusätzliche Berichterstattungspflichten aufzubürden, wurden die TCFD-Empfehlungen mit bereits bestehenden Offenlegungsvorgaben aus dem Bereich des ESG-Reportings abgeglichen und dienen somit heute als ganzheitlicher Leitfaden für einen umfassenden Reportingprozess. So sollen letztendlich auf der einen Seite Unternehmen durch ihre ganzheitliche Berichterstattung geleitet werden und auf der anderen Seite Investor:innen, Kreditgeber:innen und Versicherungsunternehmen Einblicke über klimarelevante Risiken und Chancen ihrer Budgetentscheidungen erhalten. 

Die Bedeutung der TCFD-Vorgaben in Zahlen 

Die G7-Staaten: Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien und die USA, verfügen gemeinsam über 32 % des weltweiten BIP und verursachen gemeinsam 23 % der weltweiten Treibhausgasemissionen. Eine aktuelle Studie von Swiss Re ergab, dass die G7-Volkswirtschaften bis 2050 jährliche durchschnittliche Verluste von bis zu 8,5 % verzeichnen könnten, wenn die derzeitigen CO2-Emissionen anhalten. Die Gesamtverluste könnten 4,8 Billionen US-Dollar (3,95 Billionen Euro) pro Jahr erreichen – das Doppelte der BIP-Verluste durch die Covid-19-Pandemie (laut Green Central Banking). Die TCFD-Empfehlungen sollen diesen Klimarisiken der Finanzwelt entgegenwirken und offenlegen, welche Investitionsentscheidungen eine erfolgreiche Klimatransformation begünstigen. 

Klimaschäden von 2017-2019 belaufen sich auf 640 Mrd. $

Value-at-Risk als Folge des Klimawandels bis 2100 liegen bei bis zu $43 Trill. $

  • TCFD, The Need for Climate-Related Financial Disclosure
  • TCFD als Bindeglied zwischen Klimaschutz und Wirtschaft

    Nach eigener Definition verpflichtet sich das Rahmenwerk des TCFD der globalen Markttransparenz und -stabilität. Die internationale Arbeitsgruppe besteht aus 32 Expert:innen der Finanzwelt der G20 – Vorsitzender des TCFD ist Michael R. Bloomberg, Gründer von Bloomberg L.P. Die Task Force wurde zusätzlich von 2.000+ Unterstützer:innen beraten, einschließlich über 859 Finanzunternehmen, die Vermögenswerte von 175 Billionen Dollar verwalten (Stand: März 2021). Die Arbeitsgruppe betont, dass ihre empfohlenen Vorgaben es Unternehmen besser ermöglichen werden, klimabezogene Risiken und Chancen in ihre strategischen Planungsprozesse einzubeziehen. Somit soll das Verständnis von Unternehmen und Anleger:innen für die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels zunehmen, wodurch Märkte in die Lage versetzt werden, Investitionen in nachhaltige und widerstandsfähige Klimalösungen und Geschäftsmodelle zu lenken.

    TCDF identifiziert wesentliche Klimachancen und -Risiken für Unternehmen. 

    Die drei wesentlichen Teile der TCFD-Empfehlungen

    Das Regelwerk der TCFD besteht aus drei wesentlichen Teilen:

    1. Empfehlungen in den vier Kernbereichen
    2. Sieben Grundsätze für eine wirksame Offenlegung
    3. Szenario-Analyse

    Empfehlungen in den vier Kernbereichen

    Die TCFD-Empfehlungen dienen dazu, um statt der allseits bekannten rückwärtsgewandten KPIs (wie CO2, Umsatz oder Produktionszahlen) zukunftsorientierte und klimaaussagekräftige Informationen offenzulegen, die Aufschluss darüber geben, wie gut ein Unternehmen den steigenden Klimarisiken begegnet und ob es wirksam und erfolgreich seine eigene Klimatransformation umsetzt. Diese Informationen liegen bislang – wenn überhaupt – qualitativ in unstrukturierten Textbausteinen in Form von Nachhaltigkeitsreports vor und sollen nun als vergleichbare, validierte Daten mit den Finanzunterlagen einer Organisation, wie z. B. dem Jahresbericht, jährlich und öffentlich zugänglich reportet werden.

    Die Arbeitsgruppe des TCFD bezieht sich auf die Finanzexpertise der G20 sowie bestehender klimabezogener Reportingpflichten zur Entwicklung eines ganzheitlichen Rahmenwerks für klimarelevante, finanzielle Daten-Offenlegung. Die Empfehlungen sind in vier Themenbereiche gegliedert: Governance, Strategy, Risk Management und Metriken & Ziele. 

    Die Informations-Offenlegungen konzentrieren sich auf die vier Kernthemen aller Unternehmen: 

    1. Governance: Offenlegung der Governance einer Organisation in Bezug auf klimabezogene Risiken und Chancen
    1. Strategie: Offenlegung der tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen klimabedingter Risiken und Chancen auf die Geschäftstätigkeit, die Strategie und die Finanzplanung der Organisation
    1. Risikomanagement: Offenlegung wie die Organisation klimabezogene Risiken identifiziert, bewertet und verwaltet
    1. Metriken und Ziele: Offenlegung der Metriken und Ziele, die verwendet werden, um relevante klimabezogene Risiken und Chancen zu bewerten und zu managen

    Sieben Grundsätze für eine wirksame Offenlegung

    Zusätzlich zu den Empfehlungen der Informationsoffenlegung in den vier Kernbereichen, stellt das TCFD sieben Prinzipien für ein wirksames und qualitativ hochwertiges Reporting auf: 

    1. Die Offenlegung sollte relevante Informationen darstellen.
    2. Die Offenlegung sollte spezifisch und vollständig sein
    3. Die Offenlegung sollte klar, ausgewogen und verständlich sein.
    4. Die Offenlegung sollte im Laufe der Zeit konsistent sein.
    5. Die Offenlegung sollte zwischen Unternehmen innerhalb einer Branche oder eines Portfolios vergleichbar sein.
    6. Die Offenlegung sollte zuverlässig, überprüfbar und objektiv sein.
    7. Die ganzheitliche Offenlegung sollte in zeitnahen Abständen erfolgen.

    Szenario-Analyse

    Da klimabedingte finanzielle Risiken in weiten Teilen unvorhersehbar sind, wird Unternehmen empfohlen, verschiedene klimabezogene Szenarien zu erstellen, um die Widerstandsfähigkeit ihrer Strategie zu prüfen und zu erhöhen. Die Szenarioanalyse hilft Unternehmen, potenzielle Auswirkungen einzelner Maßnahmen zu erkennen und zu bewerten sowie vor allem, sich auf alle möglichen Ergebnisse vorzubereiten und ihr Risiko zu minimieren.

    Wer ist von der TCFD betroffen?

    Die TCFD-Empfehlungen sind bislang in weiten Teilen freiwillig, gelten aber für Organisationen aller Rechtsformen sowie in allen Sektoren. Da jedoch immer mehr Regierungen TCFD-angepasste Gesetze einführen, werden immer mehr Unternehmen gesetzlich zur Einhaltung verpflichtet. Heute sind bereits mehr als acht Länder dabei, die TCFD-konforme Offenlegung zur Pflicht zu machen und sie wurde von mehr als 100 Regierungen weltweit befürwortet. Neuseeland war das erste Land, das obligatorische TCFD-orientierte klimabezogene Offenlegung verpflichtend machte. Es folgte die Schweiz, Großbritannien, China und andere Ländern. Die Umsetzung wird jedoch in allen Fällen über mehrere Jahre erfolgen. Regierungen auf der ganzen Welt prüfen aktuell, wie sie die TCFD-Empfehlungen in ihre eigene politische Reaktion auf den Klimawandel integrieren können. 

    Warum sollten sich Unternehmen heute schon auf TCFD einstellen?

    Heute stellt sich nicht mehr die Frage nach dem “Ob der Klimatransformation” – ob also der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft die meisten Wirtschaftszweige und Sektoren betreffen werden wird –, sondern vielmehr nach dem “Wie” – wie also die Intensität und Geschwindigkeit der Klimatransformation die unterschiedlichen Auswirkungen auf Unternehmen gestalten wird. Genau dieses “Wie” ist schwer abzuschätzen und noch schwerer im eigenen Unternehmen zu erfassen. Trotzdem wird ab heute jede:r Entscheidungsträger:in die Herausforderung, finanzielle Risiken und Renditen zu analysieren, erleben. 

    In den meisten G20-Ländern werden Großunternehmen direkt zur Offenlegung ihrer klimarelevanten Informationen bis in die Wertschöpfungskette hinein verpflichtet werden und geben somit schon heute nach und nach die TCFD-Vorgaben an ihre Lieferanten weiter. Aus diesem Grund ist es für alle Unternehmen, auch klein- und mittelständische, von entscheidender Bedeutung, die eigenen klimabezogenen Informationen genau zu berücksichtigen und in der Lage zu sein, diese zu kommunizieren. Die Darstellung klimarelevanter ESG-Informationen im öffentlichen Jahresfinanzberichten wird somit schon in naher Zukunft zum “New Normal” werden. Durch die Umsetzung der TCFD-Empfehlungen werden Unternehmen somit ihre Transparenz in Bezug auf die eigene Klimaleistung für Investor:innen und vielseitige Stakeholder:innen stark erhöhen müssen – und so auch ihre eigene Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen Folgen des Klimawandels besser managen.

    Die Vorteile einer schnellen Umsetzung der TCFD-Vorgaben

    Die Vorteile einer schnellen Umsetzung der TCFD-Empfehlungen fasst die Arbeitsgruppe in den folgenden 4 Punkten zusammen:

    1. Besserer Zugang zu Kapital durch erhöhtes Vertrauen der Kreditgeber:innen
    2. Effiziente Erfüllung bereits bestehender Offenlegungspflichten
    3. Gesteigertes Verständnis von klimabezogenen Risiken und Chancen 
    4. Proaktive Ansprache von Investor:innen und Erfüllung steigender Kundenwünsche

    Mit THE CLIMATE CHOICE Dein Klimamanagement auf TCDF vorbereiten

    Wir unterstützen Unternehmen jeder Größe durch unseren software-gestützten Prozess zur Erfassung und Validierung klimarelevanter ESG-Informationen – dem CLIMATE Readiness Check – dabei, sich heute schon erfolgreich auf die Vorgaben des TCFD, steigende Kundenwünsche und eine erfolgreiche Klimatransformation einzustellen. Unsere Daten-Plattform automatisiert den gesamten Prozess im eigenen Unternehmen sowie entlang der Lieferkette und macht anschließend individuelle, handlungsorientierte Maßnahmen zur Verbesserung umsetzbar. Von der Datenerhebung über die Analyse und Validierung bis hin zur Einleitung klimarelevanter Dekarbonisierungsmaßnahmen – mit THE CLIMATE CHOICE ermöglichen wir ein zukunftsorientiertes, intelligentes Klimamanagement. Mache Dein Unternehmen zum CLIMATE Champion! Kontaktiere uns gleich und mache ein kostenloses Beratungsgespräch aus.