3 Tipps zum Risikomanagement in der globalen Lieferkette

In einer globalisierten Welt wie die heutige, sind Unternehmen so vernetzt wie nie zuvor – mit Partner*innen, Stakeholder*innen, Lieferant*innen, über alle Ebenen der Wertschöpfungskette hinweg. Die Pandemie zeigte uns, dass die globalen Lieferketten widerstandsfähiger werden müssen. Alla Schwamborn, Expertin bei Kearney für Supply Chain Risk Management empfiehlt, die Lieferant*innen mit Sorgfalt und Weitsicht zu wählen. „Es ist zu erwarten, dass auch in Zukunft Naturkatastrophen passieren oder Epidemien ausbrechen werden. Da können rasch Schäden in Milliardenhöhe entstehen.“ Risikomanagement in der Lieferkette fördert vor allem auch die schnellere Klimatransformation der vor- und nachgelagerten Emissionen.

Risikomanagement durch Vertrauen

Der Aufbau von Vertrauen bei Lieferant*innen kann wesentlich zur Risikominderung beitragen. So können Unternehmen nicht nur Risiken minimieren, sondern mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenso eine nachhaltige Lieferkette aufbauen. 

Ein Analyse zeigte, dass 24 % der Unternehmen keine angemessenen Pläne zur Risikominderung in der Lieferkette hatten, um mit der Schwere der durch COVID-19 verursachten Unterbrechung der Lieferkette umzugehen. Jetzt führten 61 % der Unternehmen der Studie eine Risikoanalyse durch, da sie die kritische Bedeutung des Risikomanagements für den Erfolg ihrer Geschäfte erkannten.

Im Folgenden beleuchten wir drei Möglichkeiten, die zur Entlastung der Lieferketten beitragen und Unternehmen dabei helfen, sich besser auf zukünftige Risiken vorzubereiten.

1. Aufbau einer positiven Lieferant*innen-Beziehung 

Die Stärkung der Lieferant*innen-Beziehung durch den Aufbau von Vertrauen hilft den Parteien beider Seiten, transparent zu kommunizieren. Auf diese Weise können sich langfristige Partnerschaften zwischen Lieferant*innen und Einkäufer*innen entwicklen. Vertrauen ist die Basis dafür und dient einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen.

Vertrauen durch Kommunikation

Supply Chain Movement fand ebenfalls heraus, dass 37 % der Unternehmen nicht über die negativen Auswirkungen von COVID-19 auf die Lieferkette informiert wurden, bis die Lieferkette unterbrochen wurde – eine Folge von schlechter Kommunikation.

Aber: Der Weg zum Aufbau von Vertrauen zwischen Einkäufer*innen und Lieferant*innen führt über eine transparente Kommunikation. Dies schafft ein Gefühl der Verantwortlichkeit und hilft, ein Verständnis für Risiken und Herausforderungen zur erlangen.

Es sollte offen über diese Situationen gesprochen werden. So entstehen Partnerschaften, die umfassende Lösungen für komplexe Probleme finden und die Qualität und Gesundheit der gesamten Lieferkette in den Vordergrund stellen.

2. Die zweiten und dritten Ebenen der Lieferkette

Eine positive, transparente Einkäufer*innen-Lieferant*innen-Beziehung ermutigt Lieferant*innen der ersten Ebene, mit ihren eigenen Lieferant*innen zusammenzuarbeiten. Dies führt zu einem Dominoeffekt der Transparenz und Offenlegung auf allen Ebenen der Lieferkette. 

Derzeit tun sich viele Unternehmen noch schwer, diese Art von Transparenz zu erreichen. Um das Risiko zu mindern, müssen neben der Erfüllung eines Kostenziels oder der kurzfristigen Sicherung der Versorgung auch andere Faktoren berücksichtigt werden.

Durch Daten zur größerer Transparenz

Wenn ein Unternehmen proaktiv in die Kartierung seiner Lieferkette investiert, können alle Lieferant*innen ihre Auswirkungen und Risikobereiche besser verstehen. Diese Daten sind entscheidend, um herauszufinden, wo Verbesserungen vorgenommen werden müssen, um eine nachhaltige Lieferkette aufzubauen.

Die in Echtzeit gesammelten und verfolgten Daten ermöglichen es Unternehmen zu verstehen, woher eine Störung kommt, wann sie auftritt und welche Produkte davon betroffen sind. Dieser Einblick ermöglicht die direkte Ergreifung von Maßnahmen, um ganz bestimmte Risiken zu mindern.  Dies ist jedoch nur möglich, wenn eine vertrauensvolle Beziehung vorhanden ist.

3. Nutzen von Technologie

Die Überwachung und Abbildung der mehrstufigen Lieferkette eines Unternehmens wird stark durch Technologien unterstützt. Diese sammeln Daten, berechnen Risiken und rationalisieren die Kommunikation in Echtzeit. Doch auch hierfür ist Vertrauen ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor, damit Unternehmen bereit sind, in neue Technologien zu investieren. Zu den neuen Supply-Chain-Technologien gehören Crowdsourcing-Plattformen, die Daten aus einem Supply-Chain-Netzwerk sammeln, um genaue Analysen zu erstellen.

Der Einsatz neuer Technologien verbessert auch die Kommunikation zwischen Lieferant*innen und Einkäufer*innen, indem die gesamte Kommunikation auf einer Plattform zusammengeführt wird.

Das digitale Risikomanagement mit neuen Technologien versetzt Unternehmen in die Lage, schneller auf globale Engpässe oder Lieferunterbrechungen zu reagieren. Dies verhindert potenzielle Produktionsausfälle und somit Umsatzeinbußen.

Durch diese Technologien können fundierte Entscheidungen schnell und flexibel getroffen werden. Die reduziert die negativen Auswirkungen auf alle Beteiligten, sobald Herausforderungen auftreten. 

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Einführung des Lieferkettengesetzes: Das solltest Du jetzt schon wissen.

Es ist keine Neuigkeit, dass die Bundesregierung die Einführung eines Lieferkettengesetzes plant. Firmen sollen zukünftig dafür einstehen, wenn in der Lieferkette Menschenrechte verletzt werden. So soll auch die Umweltzerstörung in den Blick genommen werden: Illegale Abholzung, Pestizid-Ausstoß und Wasser- und Luftverschmutzung. Dabei beruft sich die Bundesregierung auf das Sustainable Development Goal 8 (SDG), welches menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum fördern soll, aber auch SDG 13, welches die Maßnahmen zum Klimaschutz definiert. Das soll durch das neue Lieferkettengesetz geregelt werden.

Was ist also der aktuelle Stand der Debatte und wie können sich Unternehmen auf die angestrebte Regelung vorbeireiten?

Status Quo: Verabschiedung des Lieferkettengesetzes

Der Druck ist da. Ob von der Initiative Lieferkettengesetz, ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, oder aus der Wirtschaft selbst. Viele Unternehmen, darunter Rewe, Nestlé und Tchibo, verlangen nach einem Lieferkettengesetz. Noch ist jedoch unklar, wie genau das Gesetz aussehen soll. Die dafür notwendige Verabschiedung der Eckpunkte durch das Bundeskabinett, wurde vergangenen Monat erneut verschoben. Trotzdem stehen bereits folgende Punkte fest:

Das Lieferkettengesetz soll:

  1. Definieren, welche Pflichten Unternehmen beim Schutz von Menschenrechten haben und wie Unternehmen diesen in ihren Lieferketten nachkommen können.
  2. Unternehmen dazu verpflichten, über ihre Anstrengungen Bericht zu erstatten.
  3. Die Rechte von ArbeiterInnen vor Gericht stärken und einen Weg eröffnen, Schadensersatzansprüche in Deutschland geltend zu machen.

Lieferkettengesetz EU-weit

Auch EU-weit soll das Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden: Die Bundesregierung setzt sich im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft
für einen Aktionsplan zur Stärkung der Verantwortung in globalen Lieferketten ein. Dieser soll menschenrechtliche, soziale und ökologische Standards in Unternehmen fördern, aber auch Transparenz schaffen.

CLIMATE Wissen: Ein EU-weites, aber auch ein Deutschlandweites Lieferkettengesetz, könnte eine internationale Debatte zu Menschenrechtsverletzungen und umweltschädlichem Handeln in Unternehmen anregen und somit einiges bewirken.

Die aktuellen Streitpunkte der Bundesregierung

Streitpunkt ist die wirtschaftliche Umsetzbarkeit: Wie weit soll die Verantwortung in der Lieferkette reichen und welche Unternehmen verkraften ein solches Gesetzt?

Ab wann soll das Lieferkettengesetz greifen?

Die Angst mit einem Lieferkettengesetz KMU’s Mehraufwand aufzuerlegen ist nicht unbegründet – so Wirtschaftsverbände und Teile der Union. Sie befürworten die Regelungen nur für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten geltend zu machen, anstatt für Firmen ab 500 MitarbeiterInnen.

Sanktionen bei Nicht-Einhaltung

Auch die Angst, dass eine starke Regelung der Wirtschaft gerade in den aktuellen Zeiten weiter schaden könnte, ist ein Streitpunkt. Hier wird diskutiert, ob eine mögliche Anklage von Unternehmen richtige ist, oder ob die Einführung von Geldbußen nicht die bessere Alternative wäre.

Es besteht also weiterhin Diskussionsbedarf in der Bundesregierung. Es gibt allerdings einige Punkte, auf die sich Unternehmen schon jetzt einstellen können.

Das kann bereits getan werden

Verantwortung kann schon heute übernommen werden. Gleichzeitig lassen sich so auch Risiken minimiert. Dabei unterstützen zahlreiche Initiativen, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen und Unternehmen zertifizieren.

Beispielsweise das Siegel Grüner Knopf, welcher für nachhaltig produzierte Kleidung steht. Aber auch im Kakao- oder Kohlesektor haben sich Unternehmen in freiwilligen Initiativen zusammengeschlossen und wollen so Produktionsstandards verbessern. Die chemische Industrie arbeitet an einer Nachhaltigkeitsinitiative namens Chemie. Der SME Climate Hub hilft KMU’s darüberhinaus ihre Lieferketten klimaneutral zu gestalten.

Es gibt also bereits jetzt ein großes Angebot an Möglichkeiten, um aktiv zu transformieren. Aber welche ersten Schritte müssen gegangen werden?

Step-by-Step Verantwortung übernehmen

Vier Schritte sind nötig zur Transformation der Lieferkette:

Ermittlung von möglichen Menschenrechtsverletzungen und „Umweltsünden“ in der Lieferkette.

Das geht durch vorgefertigte LieferantInnen-Fragebögen, die beschriebene Risikofelder abdecken. Dazu zählen Arbeitsrechte, Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und viele weitere. 

Zur Aufdeckung der größten CO2-Emitter entlang der Produktion empfehlen wir die CO2-Product-Footprint Analyse. Diese war Thema in unserem CHOICE Webinar #10.

Hier ist das Implementieren eines Verfahrens zur stetigen Analyse von Auswirkungen auf Menschenrechte und Umweltschutz entlang der Lieferkette wichtig.

Es müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um negative Auswirkungen vorzubeugen, zu minimieren und zu beheben – diese müssen stetig überprüft werden.

Jährlich sollte öffentlich dargelegt werden, welche Auswirkungen das eigene wirtschaftliche Handelns auf die Menschenrechte und Umwelt verursacht und wie entsprechend gehandelt wurde, um Verbesserungen zu erzielen.

Fazit

Wer schon jetzt aktiv wird übernimmt nicht nur Verantwortung und vertritt moralisch vertretbare Werte, sondern ist bei der Einführung eines Lieferkettengesetzes bereits vorbereitet.

Kommendes CHOICE Webinar

Melde Dich hier bereits für unser kommendes CHOICE Webinar #11 am 12. Nov. von 13:00 bis 14:00 Uhr an. Thema wird der Klimaschutz in der Unternehmenskommunikation sein.

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Wird das Klima zur Schwachstelle in der Lieferkette?

Im Zusammenhang mit der globalen COVID-19-Pandemie sowie akuten Wetterereignissen werden immer weitere Fragen zu Risiken und Belastbarkeit der Lieferkette aufgeworfen. Da der Klimawandel extreme Wetterereignisse häufiger auftreten lässt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Produktionsanlagen und lokale LieferantInnen durch intensive Veränderungen beeinflusst werden. Wertschöpfungsketten sind daher einem breiten Spektrum von Risiken ausgesetzt, einschließlich Klimaereignissen.

Undurchsichtige Lieferketten zwischen Wirtschaft und Klima

Der Großteil der globalen Wirtschaftsproduktion, 20 Billionen USD pro Jahr, finden in einer global organisierten Lieferkette statt. Dieser internationale Austausch von Waren hat den Zugang zu Produkten und Materialien extrem erleichtert und zum Beispiel Computer, Autos, Medikamente und Lebensmittel erschwinglich gemacht. Gleichzeitig wurden allerdings Lieferwege immer intransparenter und Umweltkosten sowie soziale Missstände externalisiert. Für Endprodukte, die aus vielen tausend Teilen aus aller Welt bestehen, können so kaum noch die Ursprünge geschweige denn die entstandenen Emissionen zurückverfolgt werden. Da die CO2-Emissionen von Produkten allerdings aus bis zu 80% aus der Lieferkette stammen, sind diese Informationen entscheidend. Die Beziehung zu LieferantInnen, besonders um ihre Bedingungen vor Ort und ihre verursachten Emissionen zu verstehen, werden daher immer wichtiger.

Extreme Wetterereignisse beeinflussen die Lieferkette

Neben den undurchsichtigen Klimaauswirkungen, werden die Lieferketten selbst zum Risiko. Laut McKinsey gibt es hauptsächlich drei klimabedingte Gründe für kurzfristige Ausfälle bei LieferantInnen:

  1. Physische Schäden an Einrichtungen, Produktionsanlagen und Lagerbeständen.
  2. Umsatzrückgang, entweder weil die Produktion gestört ist oder weil Waren nicht auf den Markt gebracht werden können.
  3. Höhere Kosten in der Wiederaufbauphase der Anlage, da die Marktpreise für Arbeit, Energie und Logistik nach extremen Wetterevents steigen können.

Die Kombination dieser Auswirkungen kann auch die Fähigkeit der LieferantInnen einschränken, die Produktion schnell und effizient wiederherzustellen, da sie weniger Kapital für Reparaturen beschaffen können oder den kurzfristigen Cashflow drosseln müssen.

Nachhaltiger Einkauf in einer transparenten Lieferkette

Wie stellen sich Unternehmen auf zunehmende Risiken im Einkauf ein und sorgen gleichzeitig für sinkende CO2-Emissionen in ihrer Lieferkette? Die Antwort kann nur in einem gewandelten Verständnis des Einkaufs liegen. Früher lag die primäre Aufgabe des klassischen Einkaufs in der kostengünstigen Beschaffung von Materialen zur bestmöglichen Qualität. In Zeiten steigender Umweltvorgaben und KonsumentInnenanforderungen hat der Einkauf weitere Aufgaben. Kosten senken zu jedem Preis, das lässt heute das Risiko steigen. Wer jedoch „Nachhaltigkeit“ in seine Lieferkette integriert, differenziert sich im Wettbewerb und kann Umsätze steigern.

Umstieg auf Zusammenarbeit und Integration

Laut Jaro Institut ist der Einkauf heute daher ein Multiplikator, der das Wirtschaften der eigenen Firma und die Beziehung zu LieferantInnen deutlich verändern kann und somit einen großen Mehrwert für die Umsetzung der Nachhaltigkeit liefert! Eine strategische Ausrichtung der Beschaffung, auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung, stellt somit die Weichen, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen. Das Jaro Institut empfiehlt hierzu die folgenden vier Schritte:

1. Basis für eine nachhaltige Beschaffung im Unternehmen legen

2. Integration nachhaltiger Aspekte in die Beschaffungsprozesse

3. Kontinuierliche Leistungsausarbeitung und -verbesserung mit LieferantInnen

4. Steuern und lernen

Wer noch weitere Klimaziele in sein Lieferketten-Management integrieren will, kann sich den „Supply Chain Leaders“ anschließen. Diese setzen sich das Ziel, ihre absoluten Treibhausgasemissionen vor 2030 zu halbieren und ihre Lieferketten vor 2050 klimaneutral zu gestalten.

Fazit

Alle Ansätze zeigen auf dasselbe Ergebnis: EinkäuferInnen und Führungskräfte müssen mit ihren LieferantInnen zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und dabei ihre Treibhausgasemissionen tatkräftig zu reduzieren.