Supply Chain Decarbonisation, was erwartet uns 2022?

Immer mehr Unternehmen erkennen die Wirksamkeit der Dekarbonisierung ihrer Lieferkette. Doch welche Maßnahmen können idealerweise umgesetzt werden? Dieser Frage ist Lara Obst, Gründerin von THE CLIMATE CHOICE beim CHOICE Event #33 nachgegangen. Hier findest Du die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag.

1,5 ODER 2 GRAD?

Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die erfolgreiche Umsetzung der Klimatransformation. Weltweit sind die Veränderungen des Klimas spürbar: Brände, Hochwasser und Artensterben prägen bereits jetzt dieses Jahrzehnt. Erwärmt sich die globale Oberflächentemperatur um 2 Grad, wird ein Viertel der Welt regelmäßig unter extremen Hitzewellen leiden. Auch beim oft besprochenen 1,5-Grad-Ziel betrifft die extreme Hitze noch immer 1 Milliarde Menschen. 

Um essenzielle Erfolge verzeichnen zu können, spielt die globale Wirtschaft eine zentrale Rolle. Zwar gehen die Emissionen in Europa seit den 90er Jahren zurück (Abb. 1), jedoch ist dies weniger auf erfolgreiches Klimamanagement zurückzuführen, sondern vielmehr auf globale Krisen. Unser Klimamanagement weist großes Verbesserungspotential auf.

Abb. 1

WELTWEITE REGULATIONEN

Weltweit nehmen Regulationen zu, die die Umsetzung der Klimaziele ermöglichen sollen (Abb. 2). Bei der COP26 Klimakonferenz in Glasgow wurden Einigungen erzielt, nach denen keine fossilen Brennstoffe mehr genutzt werden dürfen und bis 2030 weltweit 55 % CO2 reduziert werden sollen. Solche Zielvorgaben mehren sich auch in Europa. Im Sommer 2021 ist das “Fit for 55”-Programm verabschiedet worden, ebenfalls mit dem Ziel einer Emissionsreduktion von 55 %. Deutschland hat Anfang dieses Jahres bekräftigt, auf eine Reduktion von 65 % bis 2030 hinzuarbeiten und Klimaneutralität bis 2045 erreichen zu wollen (ob 2045 ausreicht, wird ebenfalls noch stark diskutiert). 

Diese Zielvorgaben machen sich in der Wirtschaft bemerkbar. Unternehmen müssen sich anpassen, sich dazu verpflichten, Emissionen zu reduzieren und dazu beizutragen, das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Aber: Wir haben im letzten Jahr auch festgestellt, dass es nicht ausreicht, sich diese Klimaziele zu setzen. Wir müssen darüber reden, wie wir sie in die Praxis umsetzen. 

Abb. 2

Seit dem 1. Januar 2022 gilt die EU-Taxonomie. Sie bestrebt die Einordnung von Unternehmen danach, wie deren Handlungen auf Klima und Nachhaltigkeit einzahlen. Zudem soll kontrolliert werden, ob sie eines der sechs Umweltziele der EU (Abb. 3) positiv beeinflussen, ohne dabei ein anderes zu verletzen und gleichzeitig alle Standards eingehalten werden. Gegenüber diesem System sollen Unternehmen demnächst aufzeigen, wie sie dazu beitragen, dieses Rahmenwerk zu erfüllen und bewerten, ob ihr eigenes Geschäftsmodell klimakompatibel ausgerichtet ist. Stark diskutiert ist in diesem Rahmen der Einbezug der Atomkraft. Jedoch gilt die EU-Taxonomie als erstes Rahmenwerk für eine Einordnung.

Abb. 3

Ein zweites Rahmenwerk ist ein Vorschlag der Taskforce Climate Related Financial Disclosure, die auf Anfrage der EU ein Rahmenwerk entwickelt hat, um die andere Perspektive aufzeigbar zu machen: Wie können Unternehmen aufzeigen, welche Risiken der Klimawandel für sie darstellt? Und wie können sie selbst Strategien aufstellen, um diesen Risiken zu begegnen und Chancen zu nutzen? Auch wenn dieses Rahmenwerk bislang nur ein Vorschlag ist, nutzen es aktuell bereits 60 % der weltweit größten 100 Unternehmen, womit es de facto ein Standard geworden ist, um Klimarisiken für Unternehmen bewertbar zu machen, besonders in der Finanzwelt. 

Die CSRD (Corporate Social Responsibility Directive) beschäftigt sich damit, diese beiden Perspektiven zusammenzubringen und das nicht-finanzielle Reporting, das bislang als Non-Financial Reporting Directive (NFRD) existiert, abzulösen. Ein Rahmenwerk soll entstehen, sodass Unternehmen einen Standard haben, auf den sie sich beziehen können und das ab 2023 greifen soll. Aus Veröffentlichungen weiß man bereits, dass die CSRD auf bestehenden Standards aufbaut und die 6 EU-Klimaziele berücksichtigt. Angekündigt ist dieses Rahmenwerk ab 2023 für Unternehmen mit über 250 Beschäftigten mit €40 Millionen Nettoumsatz und €20 Millionen Bilanzierung. Ab 2026 gilt es auch für gelistete KMUs.

Diese Rahmenwerke entstehen nicht nur auf europäischer Ebene, sondern auch auf internationaler. Unternehmen orientieren sich jetzt schon an den Vorgaben der TCFD. Inzwischen gibt es zudem ein Internationales Sustainability Standard Board (ISSB), das daran arbeitet, ein internationales Konzept für die Offenlegung von klimarelevanten ESG-Daten zu erstellen. Dabei werden ebenfalls die Punkte Governance, Strategie, Risikometriken und KPIs beachtet.

2022 – GET YOUR DATA RIGHT!

Um den Einfluss der ESG-Kriterien in Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette messbar und managebar zu machen, ist eine Klimadatenanalyse notwendig. Nicht nur von Kundenseite, auch durch die genannten Regulationen steigen die Verpflichtungen für Unternehmen, ihren Impact reporten zu können. Hier hilft es hinzuschauen, wo die meisten Emissionen entstehen. Den Großteil des negativen Klimaeinflusses eines Unternehmens machen nicht die direkten Emissionen aus, sondern die Emissionen, die aus der Lieferkette kommen (Abb. 4).

Abb. 4

Emissionen aus der Lieferkette können bis zu 90 % der Unternehmensemissionen ausmachen. Wenn die Klimabilanz eines Unternehmens verbessern werden soll, gilt es, hier hinzuschauen.

WIE KÖNNEN UNTERNEHMEN KLIMAKOMPATIBEL ARBEITEN?

Um die Klimatransformation im Unternehmen voranzubringen, muss ein strukturiertes Klimamanagement aufgesetzt werden. Es reicht nicht aus, Emissionen zu messen und durch Offsetting auszugleichen. CO2 muss vermieden und reduziert werden. Darüber hinaus müssen klimarelevante Daten reportet werden können. 

Die Dekarbonisierung durch klimarelevante Beschaffung macht die Transparenz der Lieferkette wichtiger denn je. Der Umgang mit Scope-3-Emissionen ist für Unternehmen von grundlegender Bedeutung, um Anforderungen hinsichtlich ihrer Klimatransformation zu erfüllen. Dies geht mit unterschiedlichen Herausforderungen einher (Abb. 5). So fehlen z. B. häufig klimarelevante Daten, es müssen Anreize für den Procurementbereich geschaffen und Prioritäten verrückt werden. Entlang der Wertschöpfungskette gibt es bisher keine klaren Klimaziele und keine Standards, nach denen Unternehmen bemessen können, ob und wie ihre Lieferanten Klimastandards einhalten. 

Abb. 5

Um diese Herausforderungen erfolgreich anzugehen, entstand der Zusammenschluss internationaler Konzerne, “Transform To Zero” (Abb. 6). Die Teilnehmenden haben über Industrien hinaus erkannt, dass sie an der gemeinsamen Arbeit an der Dekarbonisierung ihrer Lieferketten profitieren können. Die Einbindung einer fragmentierten Lieferantenlandschaft über mehrere Branchen hinweg erfordert kollektives Handeln. 

Abb. 6

Die größte Herausforderung der Dekarbonisierung der Supply Chain: In den Lieferketten gibt es viele kleine und mittlere Unternehmen, die noch nicht bereit sind, ihre Klimaauswirkungen zu managen, wodurch klimarelevante ESG-Daten fehlen. Nur 28 % der Unternehmen mit Dekarbonisierungszielen sind auf dem Weg, ihre Ziele zu erreichen. Das liegt stark daran, dass sie noch nicht die Herausforderungen in der Lieferkette angegangen sind. Deshalb folgt nun ein Step-by-Step-Guide zur Lieferkettendekarbonisierung.

STEP-BY-STEP LIEFERKETTENDEKARBONISIERUNG

Bei der Dekarbonisierung der Lieferkette gilt es folgenden Fragen nachzugehen:

  1. Wie klimafreundlich sind meine Lieferanten?
  2. Wie helfe ich Ihnen bei ihrer Dekarbonisierung?
  3. Wie kann ich die Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Lieferanten fördern? 

Egal, welchen Prozess man dabei umsetzt, sollte man laut Gartner zunächst einen Weg finden, um Daten zu sammeln, diese dann analysieren und schließlich Expertise aus den verschiedenen Bereichen der Transformation vermitteln.

Um Unternehmen in Richtung klimakompatible Lieferketten bewegen, gilt es die folgenden fünf Schritte zu beachten:

  1. Umfassendes Klimamanagementsystem – Berücksichtigung von Klimaregulierung und Kundenbedürfnissen
  2. Engagement – mit Lieferanten bei der Klimaberichterstattung und den Bemühungen zur Emissionsreduzierung
  3. Einführung der Datenerfassung – Entwicklung einer Methode zur Verwaltung klimarelevanter ESG-Daten von Lieferanten
  4. Datengesteuert – Einsatz von Software, um Lieferanten in die Lage zu versetzen, Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung zu erkennen
  5. Datengestützte Beschaffung – intelligente Entscheidungen treffen und Kapital richtig zuweisen

WIE ZERO-CARBON-SOLUTIONS LIEFERKETTEN DEKARBONISIEREN

40 % der Emissionen in den Lieferketten könnten mit leicht zugänglichen und erschwinglichen Mitteln (<10 € pro Tonne CO2e) reduziert werden und sind dadurch durchaus kompatibel mit den aktuellen Offsetting-Preisen (Abb.7).

Abb. 7

WARUM RENTIERT SICH DIE KLIMATRANSFORMATION?

Die erste Generation von „Climate Champion“-Unternehmen erwirtschaftet intensive Aktionärsrenditen. Es lässt sich aufzeigen, dass sowohl einkaufende Unternehmen ihre Umsätze steigern und Performance heben, als auch, dass sich Kosten reduzieren lassen.

WRAP-UP LIEFERKETTENDEKARBONISIERUNG:

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass es gilt CO2-Reduktionen entlang der gesamten Wertschöpfung effektiv umzusetzen. Unternehmen müssen ihre Lieferketten transformieren und ein klimarelevantes Sourcing aufbauen, indem sie aktiv mit Lieferanten zusammenarbeiten und diese dazu befähigen, ihre eigenen Klimadaten zu managen und CO2 zu reduzieren. Klimarelevante Beschaffung muss eine kollaborative Einkaufs-Lieferanten-Beziehung ermöglichen, die Lieferanten befähigt, Klima-Champions zu werden.

Hierbei hilft THE CLIMATE CHOICE. Als Software-as-a-Service Plattform bietet es zuverlässige Klima-Ratings und ein kollaboratives, datengesteuertes Werkzeug zur Dekarboniserung von Unternehmen und ihren Lieferketten. Die handlungsorientierte und einfach zu handhabende Klima-Scorecard bietet als detaillierte Analyse Einblicke in die aktuellen klimarelevanten Chancen, Potentiale und Risiken eines Unternehmen. Die smarte Technologieplattform unterstützt Unternehmen dabei Handlungsfelder aufzudecken und Dekarbonisierungsmaßnahmen zusammen mit Lieferanten und Handelspartnern umzusetzen. Transformation wird so ganzheitlich möglich und durch ein starkes CLIMATE Netzwerk umgesetzt, welches mit einer einheitlichen Methodik zur Bewertung und Verbesserung der eigenen Klimaleistung arbeiten, um Transparenz und zielgerichtete CO2-Reduktion zu fördern und sich zukunftsorientiert zu positionieren.

Mache Dein Unternehmen zum CLIMATE Champion! Kontaktiere uns gleich und mache ein kostenloses Beratungsgespräch aus. 

3 Tipps zum Risikomanagement in der globalen Lieferkette

In einer globalisierten Welt wie die heutige, sind Unternehmen so vernetzt wie nie zuvor – mit Partner*innen, Stakeholder*innen, Lieferant*innen, über alle Ebenen der Wertschöpfungskette hinweg. Die Pandemie zeigte uns, dass die globalen Lieferketten widerstandsfähiger werden müssen. Alla Schwamborn, Expertin bei Kearney für Supply Chain Risk Management empfiehlt, die Lieferant*innen mit Sorgfalt und Weitsicht zu wählen. „Es ist zu erwarten, dass auch in Zukunft Naturkatastrophen passieren oder Epidemien ausbrechen werden. Da können rasch Schäden in Milliardenhöhe entstehen.“ Risikomanagement in der Lieferkette fördert vor allem auch die schnellere Klimatransformation der vor- und nachgelagerten Emissionen.

Risikomanagement durch Vertrauen

Der Aufbau von Vertrauen bei Lieferant*innen kann wesentlich zur Risikominderung beitragen. So können Unternehmen nicht nur Risiken minimieren, sondern mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenso eine nachhaltige Lieferkette aufbauen. 

Ein Analyse zeigte, dass 24 % der Unternehmen keine angemessenen Pläne zur Risikominderung in der Lieferkette hatten, um mit der Schwere der durch COVID-19 verursachten Unterbrechung der Lieferkette umzugehen. Jetzt führten 61 % der Unternehmen der Studie eine Risikoanalyse durch, da sie die kritische Bedeutung des Risikomanagements für den Erfolg ihrer Geschäfte erkannten.

Im Folgenden beleuchten wir drei Möglichkeiten, die zur Entlastung der Lieferketten beitragen und Unternehmen dabei helfen, sich besser auf zukünftige Risiken vorzubereiten.

1. Aufbau einer positiven Lieferant*innen-Beziehung 

Die Stärkung der Lieferant*innen-Beziehung durch den Aufbau von Vertrauen hilft den Parteien beider Seiten, transparent zu kommunizieren. Auf diese Weise können sich langfristige Partnerschaften zwischen Lieferant*innen und Einkäufer*innen entwicklen. Vertrauen ist die Basis dafür und dient einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen.

Vertrauen durch Kommunikation

Supply Chain Movement fand ebenfalls heraus, dass 37 % der Unternehmen nicht über die negativen Auswirkungen von COVID-19 auf die Lieferkette informiert wurden, bis die Lieferkette unterbrochen wurde – eine Folge von schlechter Kommunikation.

Aber: Der Weg zum Aufbau von Vertrauen zwischen Einkäufer*innen und Lieferant*innen führt über eine transparente Kommunikation. Dies schafft ein Gefühl der Verantwortlichkeit und hilft, ein Verständnis für Risiken und Herausforderungen zur erlangen.

Es sollte offen über diese Situationen gesprochen werden. So entstehen Partnerschaften, die umfassende Lösungen für komplexe Probleme finden und die Qualität und Gesundheit der gesamten Lieferkette in den Vordergrund stellen.

2. Die zweiten und dritten Ebenen der Lieferkette

Eine positive, transparente Einkäufer*innen-Lieferant*innen-Beziehung ermutigt Lieferant*innen der ersten Ebene, mit ihren eigenen Lieferant*innen zusammenzuarbeiten. Dies führt zu einem Dominoeffekt der Transparenz und Offenlegung auf allen Ebenen der Lieferkette. 

Derzeit tun sich viele Unternehmen noch schwer, diese Art von Transparenz zu erreichen. Um das Risiko zu mindern, müssen neben der Erfüllung eines Kostenziels oder der kurzfristigen Sicherung der Versorgung auch andere Faktoren berücksichtigt werden.

Durch Daten zur größerer Transparenz

Wenn ein Unternehmen proaktiv in die Kartierung seiner Lieferkette investiert, können alle Lieferant*innen ihre Auswirkungen und Risikobereiche besser verstehen. Diese Daten sind entscheidend, um herauszufinden, wo Verbesserungen vorgenommen werden müssen, um eine nachhaltige Lieferkette aufzubauen.

Die in Echtzeit gesammelten und verfolgten Daten ermöglichen es Unternehmen zu verstehen, woher eine Störung kommt, wann sie auftritt und welche Produkte davon betroffen sind. Dieser Einblick ermöglicht die direkte Ergreifung von Maßnahmen, um ganz bestimmte Risiken zu mindern.  Dies ist jedoch nur möglich, wenn eine vertrauensvolle Beziehung vorhanden ist.

3. Nutzen von Technologie

Die Überwachung und Abbildung der mehrstufigen Lieferkette eines Unternehmens wird stark durch Technologien unterstützt. Diese sammeln Daten, berechnen Risiken und rationalisieren die Kommunikation in Echtzeit. Doch auch hierfür ist Vertrauen ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor, damit Unternehmen bereit sind, in neue Technologien zu investieren. Zu den neuen Supply-Chain-Technologien gehören Crowdsourcing-Plattformen, die Daten aus einem Supply-Chain-Netzwerk sammeln, um genaue Analysen zu erstellen.

Der Einsatz neuer Technologien verbessert auch die Kommunikation zwischen Lieferant*innen und Einkäufer*innen, indem die gesamte Kommunikation auf einer Plattform zusammengeführt wird.

Das digitale Risikomanagement mit neuen Technologien versetzt Unternehmen in die Lage, schneller auf globale Engpässe oder Lieferunterbrechungen zu reagieren. Dies verhindert potenzielle Produktionsausfälle und somit Umsatzeinbußen.

Durch diese Technologien können fundierte Entscheidungen schnell und flexibel getroffen werden. Die reduziert die negativen Auswirkungen auf alle Beteiligten, sobald Herausforderungen auftreten. 

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Einführung des Lieferkettengesetzes: Das solltest Du jetzt schon wissen.

Es ist keine Neuigkeit, dass die Bundesregierung die Einführung eines Lieferkettengesetzes plant. Firmen sollen zukünftig dafür einstehen, wenn in der Lieferkette Menschenrechte verletzt werden. So soll auch die Umweltzerstörung in den Blick genommen werden: Illegale Abholzung, Pestizid-Ausstoß und Wasser- und Luftverschmutzung. Dabei beruft sich die Bundesregierung auf das Sustainable Development Goal 8 (SDG), welches menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum fördern soll, aber auch SDG 13, welches die Maßnahmen zum Klimaschutz definiert. Das soll durch das neue Lieferkettengesetz geregelt werden.

Was ist also der aktuelle Stand der Debatte und wie können sich Unternehmen auf die angestrebte Regelung vorbeireiten?

Status Quo: Verabschiedung des Lieferkettengesetzes

Der Druck ist da. Ob von der Initiative Lieferkettengesetz, ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, oder aus der Wirtschaft selbst. Viele Unternehmen, darunter Rewe, Nestlé und Tchibo, verlangen nach einem Lieferkettengesetz. Noch ist jedoch unklar, wie genau das Gesetz aussehen soll. Die dafür notwendige Verabschiedung der Eckpunkte durch das Bundeskabinett, wurde vergangenen Monat erneut verschoben. Trotzdem stehen bereits folgende Punkte fest:

Das Lieferkettengesetz soll:

  1. Definieren, welche Pflichten Unternehmen beim Schutz von Menschenrechten haben und wie Unternehmen diesen in ihren Lieferketten nachkommen können.
  2. Unternehmen dazu verpflichten, über ihre Anstrengungen Bericht zu erstatten.
  3. Die Rechte von ArbeiterInnen vor Gericht stärken und einen Weg eröffnen, Schadensersatzansprüche in Deutschland geltend zu machen.

Lieferkettengesetz EU-weit

Auch EU-weit soll das Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden: Die Bundesregierung setzt sich im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft
für einen Aktionsplan zur Stärkung der Verantwortung in globalen Lieferketten ein. Dieser soll menschenrechtliche, soziale und ökologische Standards in Unternehmen fördern, aber auch Transparenz schaffen.

CLIMATE Wissen: Ein EU-weites, aber auch ein Deutschlandweites Lieferkettengesetz, könnte eine internationale Debatte zu Menschenrechtsverletzungen und umweltschädlichem Handeln in Unternehmen anregen und somit einiges bewirken.

Die aktuellen Streitpunkte der Bundesregierung

Streitpunkt ist die wirtschaftliche Umsetzbarkeit: Wie weit soll die Verantwortung in der Lieferkette reichen und welche Unternehmen verkraften ein solches Gesetzt?

Ab wann soll das Lieferkettengesetz greifen?

Die Angst mit einem Lieferkettengesetz KMU’s Mehraufwand aufzuerlegen ist nicht unbegründet – so Wirtschaftsverbände und Teile der Union. Sie befürworten die Regelungen nur für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten geltend zu machen, anstatt für Firmen ab 500 MitarbeiterInnen.

Sanktionen bei Nicht-Einhaltung

Auch die Angst, dass eine starke Regelung der Wirtschaft gerade in den aktuellen Zeiten weiter schaden könnte, ist ein Streitpunkt. Hier wird diskutiert, ob eine mögliche Anklage von Unternehmen richtige ist, oder ob die Einführung von Geldbußen nicht die bessere Alternative wäre.

Es besteht also weiterhin Diskussionsbedarf in der Bundesregierung. Es gibt allerdings einige Punkte, auf die sich Unternehmen schon jetzt einstellen können.

Das kann bereits getan werden

Verantwortung kann schon heute übernommen werden. Gleichzeitig lassen sich so auch Risiken minimiert. Dabei unterstützen zahlreiche Initiativen, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen und Unternehmen zertifizieren.

Beispielsweise das Siegel Grüner Knopf, welcher für nachhaltig produzierte Kleidung steht. Aber auch im Kakao- oder Kohlesektor haben sich Unternehmen in freiwilligen Initiativen zusammengeschlossen und wollen so Produktionsstandards verbessern. Die chemische Industrie arbeitet an einer Nachhaltigkeitsinitiative namens Chemie. Der SME Climate Hub hilft KMU’s darüberhinaus ihre Lieferketten klimaneutral zu gestalten.

Es gibt also bereits jetzt ein großes Angebot an Möglichkeiten, um aktiv zu transformieren. Aber welche ersten Schritte müssen gegangen werden?

Step-by-Step Verantwortung übernehmen

Vier Schritte sind nötig zur Transformation der Lieferkette:

Ermittlung von möglichen Menschenrechtsverletzungen und „Umweltsünden“ in der Lieferkette.

Das geht durch vorgefertigte LieferantInnen-Fragebögen, die beschriebene Risikofelder abdecken. Dazu zählen Arbeitsrechte, Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und viele weitere. 

Zur Aufdeckung der größten CO2-Emitter entlang der Produktion empfehlen wir die CO2-Product-Footprint Analyse. Diese war Thema in unserem CHOICE Webinar #10.

Hier ist das Implementieren eines Verfahrens zur stetigen Analyse von Auswirkungen auf Menschenrechte und Umweltschutz entlang der Lieferkette wichtig.

Es müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um negative Auswirkungen vorzubeugen, zu minimieren und zu beheben – diese müssen stetig überprüft werden.

Jährlich sollte öffentlich dargelegt werden, welche Auswirkungen das eigene wirtschaftliche Handelns auf die Menschenrechte und Umwelt verursacht und wie entsprechend gehandelt wurde, um Verbesserungen zu erzielen.

Fazit

Wer schon jetzt aktiv wird, übernimmt nicht nur Verantwortung und vertritt moralisch vertretbare Werte, sondern ist bei der Einführung eines Lieferkettengesetzes bereits vorbereitet.

Du willst einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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Wird das Klima zur Schwachstelle in der Lieferkette?

Im Zusammenhang mit der globalen COVID-19-Pandemie sowie akuten Wetterereignissen werden immer weitere Fragen zu Risiken und Belastbarkeit der Lieferkette aufgeworfen. Da der Klimawandel extreme Wetterereignisse häufiger auftreten lässt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Produktionsanlagen und lokale LieferantInnen durch intensive Veränderungen beeinflusst werden. Wertschöpfungsketten sind daher einem breiten Spektrum von Risiken ausgesetzt, einschließlich Klimaereignissen.

Undurchsichtige Lieferketten zwischen Wirtschaft und Klima

Der Großteil der globalen Wirtschaftsproduktion, 20 Billionen USD pro Jahr, finden in einer global organisierten Lieferkette statt. Dieser internationale Austausch von Waren hat den Zugang zu Produkten und Materialien extrem erleichtert und zum Beispiel Computer, Autos, Medikamente und Lebensmittel erschwinglich gemacht. Gleichzeitig wurden allerdings Lieferwege immer intransparenter und Umweltkosten sowie soziale Missstände externalisiert. Für Endprodukte, die aus vielen tausend Teilen aus aller Welt bestehen, können so kaum noch die Ursprünge geschweige denn die entstandenen Emissionen zurückverfolgt werden. Da die CO2-Emissionen von Produkten allerdings aus bis zu 80% aus der Lieferkette stammen, sind diese Informationen entscheidend. Die Beziehung zu LieferantInnen, besonders um ihre Bedingungen vor Ort und ihre verursachten Emissionen zu verstehen, werden daher immer wichtiger.

Extreme Wetterereignisse beeinflussen die Lieferkette

Neben den undurchsichtigen Klimaauswirkungen, werden die Lieferketten selbst zum Risiko. Laut McKinsey gibt es hauptsächlich drei klimabedingte Gründe für kurzfristige Ausfälle bei LieferantInnen:

  1. Physische Schäden an Einrichtungen, Produktionsanlagen und Lagerbeständen.
  2. Umsatzrückgang, entweder weil die Produktion gestört ist oder weil Waren nicht auf den Markt gebracht werden können.
  3. Höhere Kosten in der Wiederaufbauphase der Anlage, da die Marktpreise für Arbeit, Energie und Logistik nach extremen Wetterevents steigen können.

Die Kombination dieser Auswirkungen kann auch die Fähigkeit der LieferantInnen einschränken, die Produktion schnell und effizient wiederherzustellen, da sie weniger Kapital für Reparaturen beschaffen können oder den kurzfristigen Cashflow drosseln müssen.

Nachhaltiger Einkauf in einer transparenten Lieferkette

Wie stellen sich Unternehmen auf zunehmende Risiken im Einkauf ein und sorgen gleichzeitig für sinkende CO2-Emissionen in ihrer Lieferkette? Die Antwort kann nur in einem gewandelten Verständnis des Einkaufs liegen. Früher lag die primäre Aufgabe des klassischen Einkaufs in der kostengünstigen Beschaffung von Materialen zur bestmöglichen Qualität. In Zeiten steigender Umweltvorgaben und KonsumentInnenanforderungen hat der Einkauf weitere Aufgaben. Kosten senken zu jedem Preis, das lässt heute das Risiko steigen. Wer jedoch „Nachhaltigkeit“ in seine Lieferkette integriert, differenziert sich im Wettbewerb und kann Umsätze steigern.

Umstieg auf Zusammenarbeit und Integration

Laut Jaro Institut ist der Einkauf heute daher ein Multiplikator, der das Wirtschaften der eigenen Firma und die Beziehung zu LieferantInnen deutlich verändern kann und somit einen großen Mehrwert für die Umsetzung der Nachhaltigkeit liefert! Eine strategische Ausrichtung der Beschaffung, auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung, stellt somit die Weichen, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen. Das Jaro Institut empfiehlt hierzu die folgenden vier Schritte:

1. Basis für eine nachhaltige Beschaffung im Unternehmen legen

2. Integration nachhaltiger Aspekte in die Beschaffungsprozesse

3. Kontinuierliche Leistungsausarbeitung und -verbesserung mit LieferantInnen

4. Steuern und lernen

Wer noch weitere Klimaziele in sein Lieferketten-Management integrieren will, kann sich den „Supply Chain Leaders“ anschließen. Diese setzen sich das Ziel, ihre absoluten Treibhausgasemissionen vor 2030 zu halbieren und ihre Lieferketten vor 2050 klimaneutral zu gestalten.

Fazit

Alle Ansätze zeigen auf dasselbe Ergebnis: EinkäuferInnen und Führungskräfte müssen mit ihren LieferantInnen zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und dabei ihre Treibhausgasemissionen tatkräftig zu reduzieren.

Du willst mehr darüber erfahren, wie die Software-Tools von THE CLIMATE CHOICE Dein Unternehmen bei der Klimatransformation entlang der gesamten Lieferkette unterstützen können? Dann kontaktiere uns.