Die Chancen der nachhaltigen Beschaffung nutzen: 3 Tipps zur Umsetzung

Der Hebel der Klimatransformation: Der Einkauf.

Die nachhaltige Beschaffung von Produkten ist ein elementarer Teil des Nachhaltigkeitsmanagements eines Unternehmens. Nachhaltigkeit als Einkaufsziel zu etablieren, bedeutet Prozesse und Vorgaben so zu gestalten, dass die produzierten Waren oder Dienstleistungen möglichst geringe, negative Umweltbelastungen aufweisen. Hierbei ist neben der eigenen Klimaperformance vor allem die der Zuliefer*innen eines Unternehmens von Bedeutung. Schon heute ist es daher wichtig, seine Zuliefer*innen bewusst zu wählen und für klimafreundliches Handeln zu sensibilisieren.

Die Verankerung von Nachhaltigkeit in der Beschaffung bietet die Möglichkeit, energie- und ressourceneffizient sowie kostensparend zu handeln. Dabei werden sowohl unternehmerische als auch gesamtgesellschaftliche Ziele verfolgt. Finde im Folgenden heraus, welche Chancen eine nachhaltige Lieferkette Unternehmen bietet und anschließend drei Schritte, um die Lieferkette nachhaltig zu gestalten.

Nachhaltige Beschaffung ermöglicht energie- und ressourceneffizientes Handeln

Nachhaltiger Einkauf ermöglicht Unternehmen durch eine effizientere Ressourcennutzung nicht nur die Einsparung von Emissionen innerhalb der eigenen Lieferkette, sondern auch Wettbewerbsvorteile. Stand 2020 legen 71% aller Konsument*innen und Kund*innen Wert auf eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln (Utopia), aber auch beim Kauf anderer Konsumgüter nimmt das Bewusstsein der Verbraucher*innen bezüglich nachhaltiger Produktion zu. Darüber hinaus steigt die Nachfrage nachhaltig produzierter Produkte auch durch politische Vorgaben und Regulationen.

Um Transparenz zu schaffen, verpflichtet das Corporate Social Responsibility-Richtlinien Umsetzungsgesetz seit 2017 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen dazu, Informationen über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange zu veröffentlichen. Um globale Standards zu setzen, beschloss das Europaparlament im März diesen Jahres einen Gesetzesvorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz. Damit werden europäische Unternehmen aufgefordert, ihre gesamte Lieferkette transparent offenzulegen und gerechte Standards zum Schutz von Mensch und Umwelt einzuhalten. Auch Investor*innen beobachten die Klimaperformances von Unternehmen und tätigen immer häufiger „Green Investments“. Laut Venture Capital verdoppelten sich im Jahre 2019 Investments in nachhaltige Start-Ups nahezu, vor allem innerhalb der Nahrungsmittel-Industrie. Nachhaltiger Einkauf trägt zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens bei und ermöglicht dessen langfristige Wirtschaftlichkeit.

3 Schritte zur Etablierung von Nachhaltigkeit in der Beschaffung

Laut efficio fehlen stand heute häufig Angaben darüber, wie Nachhaltigkeit aktiv als Einkaufsziel in die Beschaffung integriert werden kann. Im Folgenden stellen wir Dir daher 3 Schritte vor, um Nachhaltigkeit im Einkauf zu etablieren. 

1. Ausgangslage erfassen und Beschaffungsstrategie definieren

Um Nachhaltigkeit im Lieferketten-Management zu verankern, ist es zunächst wichtig, einen Überblick über den gesamten Beschaffungsprozess des eigenen Unternehmens aufzustellen. Dazu gehören die Strukturen des Prozesses sowie die wichtigsten Akteur*innen in der Lieferkette. 

Dann gilt es gemeinsam eine zielgerichtete Beschaffungsstrategie festzulegen, welche sowohl der ökologischen als auch den sozialen und ökonomischen Dimensionen gerecht wird. Konkret heißt das, dass ein klimafreundlicher Umgang mit Ressourcen und Materialien und die Nutzung regenerativer Energien als Auswahlkriterien aufgenommen wird. Darüber hinaus sollte die soziale Verantwortung gegenüber Angestellten, Dienstleister*innen und Zuliefer*innen in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit Ausdruck finden.

2. Einkaufsfunktionen auf Nachhaltigkeit ausrichten

Die Auffassung, die Beschaffung umweltfreundlicher Produkte sei zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden, ist immer noch weit verbreitet. Dabei steht Nachhaltigkeit als Einkaufsziel nicht im Widerspruch zu etablierten Einkaufszielen, wie zB Kostensenkung oder Risikominimierung. Nachhaltige Produkte können heute teilweise aufgrund einer geringen Wertschöpfungstiefe günstiger produziert werden. Zusätzlich minimieren sich Liefer-Ausfallrisiken sowie Logistikkosten durch den Fokus auf ausgewählte, lokale Anbieter*innen.

Um den Einkauf umfassend auf Nachhaltigkeitsziele auszurichten, wird auf Basis der Corporate-Social-Responsibility-Strategie ein praktischer Leitfaden für Einkäufer*innen erstellt. Als “Verhaltenscodex” umfasst dieser die Anforderungen und Richtlinien für Einkaufsverantwortliche und Zuliefer*innen. Um diese tatsächlich umzusetzen, bieten Schulungen von Mitarbeiter*innen die Chance, die Umstellung schnellstmöglich greifbar zu machen. Im Anschluss stellen Unternehmen Indikatoren zur Bewertung der Entwicklungen der nachhaltigen Beschaffung auf, um die neuen Prozesse zu steuern und Erfolge messen zu können.

3. Eine nachhaltige Einkaufspraxis implementieren

Jetzt heißt es: Praktische Maßnahmen umsetzen und im täglichen Einkauf klimarelevante Entscheidungen treffen! Dazu werden Zuliefer*innen, welche für das Unternehmen von hoher strategischer Bedeutung sind priorisiert. Hierzu werden nun die zuvor identifizierten Nachhaltigkeits-Indikatoren genutzt. Schließlich ergibt sich so entlang der Wertschöpfungskette ein zuverlässiges Bild über die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie in der Beschaffung, was später ebenfalls als Grundlage für CSR-Berichte dienen kann. Wichtig ist, dass sich das Monitoring nicht nur auf die Kontrolle der Zuliefer*innen beschränkt, sondern auch die eigene Arbeit als Unterstützung der sozialen und ökologischen Standards einschließt. Gegebenenfalls leiten Unternehmen gemeinsam mit den Zuliefer*innen Verbesserungsmaßnahmen ein. Dies unterstützt eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung.

Weitere praktische Schritte für die Etablierung von Nachhaltigkeitszielen im Einkauf findest Du im CHOICE Event #14 mit Yvonne Jamal, Gründerin und Vorstandsvorsitzende des JARO Instituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e.V.. Sie erläuterte die Umsetzung einer nachhaltigen Lieferkette anhand von vier Schritten.

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Upcycling in Unternehmen. Das Konzept der wiederbelebten Möglichkeiten.

Gastbeitrag von Up-Preneurs

Claudia Allonas, Gründerin von Up-Preneurs, hat sich bereits an der Hochschule wissenschaftlich mit nachhaltigen Geschäftsprozessen beschäftigt. Ihr Weg über die Prozessoptimierung von Dienstleistungen in internationalen Logistikkonzernen und im Vertrieb von High-End-Produkten geht mit Up-Preneurs den konsequenten, nächsten Schritt. Hier verbindet sie ihre Erfahrung mit dem Wissen über erfolgreiche Geschäftsprozesse und ihrer Leidenschaft für nachhaltiges Design.

Upcycling in Unternehmen – ein Weg mit hohem Potential und vielfältigen Möglichkeiten

„Rund 20 Millionen Retour-Artikel landeten in Deutschland 2018 im Müll“. Solche Schlagzeilen erscheinen seit einigen Jahren regelmäßig in der Presse und häufen sich. KonsumentInnen wundern sich und frage, ob das tatsächlich notwendig ist. Schenkt man den Unternehmen glauben, so landet der größte Teil der Retouren wieder im Verkauf. Entweder werden sie wieder so aufbereitet, dass sie regulär in den Handel gebracht werden können oder werden preisreduziert verkauft. 

Retouren sind nicht das Problem, was ist es dann?

Das eigentliche Problem stellen aber nicht die Retouren alleine dar. Es betrifft vor allem unverkaufte Neuware. Es ist nicht nur der Handel, der mit der Thematik angesprochen wird. Es gibt auch die produzierenden Unternehmen, die die Lager und Produktionshallen voller brauchbarer aber brachliegender Produkte haben.

Neuware landet im Müll

Neuware im Lager als Überschuss.

Welche Produkte sind mit Neuware gemeint? Dies können neue Produkte sein, die als Saisonartikel nicht mehr aktuell oder aus der Mode gekommen sind. Auch können es Komplementärprodukte sein, wie z.B. Kamerataschen zu einer bestimmten Kamera, die bereits ausverkauft ist. Auch zählt dazu B-Ware, wo vielleicht in Reißverschluss hakt, an einer Seite eine falsche Naht ist oder die Komponenten bestimmte Qualitätskontrollen nicht passieren, weil ein mit bloßem Auge nicht sichtbarer Fehler gefunden wurde. Zur Verschrottung gelangt auch Ware aus Überproduktion. Ein anderer Bereich sind hochwertige Materialien und Bauteile aus der Produktion, die sich nicht recyceln oder als Wertstoff wie beispielsweise Metalle, verkaufen lassen.

Frankreich verbietet Verschrottung überflüssiger Ware

Außerhalb der Retouren ist es gerade in diesem Bereich sehr schwer, verlässliche Zahlen zu erhalten.  Aus der Abfallbilanz des statistischen Bundesamtes sind die Kennzahlen zu diesem Thema nicht offensichtlich. Durch Umrechnung und ein Schätzverfahren lassen sich die Kennzahlen nur erahnen. Frankreich packt das Problem ebenfalls an und von dort heißt es, dass bislang jährlich neue Produkte im Wert von 600 Millionen Euro mutwillig verschrottet worden sind. Die Forderung der KonsumentInnen nach mehr Transparenz in Richtung Nachhaltigkeit und die Versuche der Politik, dort mehr Druck zu erzeugen,  bringt den einen oder anderen Unternehmer sich die Abfallkennzahlen seines Unternehmens genauer anzuschauen.

Alternativen zur Verschrottung

Im Februar 2020 wurde der Gesetzesentwurf zur Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetztes eingereicht. Das bedeutet für UnternehmerInnen, dass sie prüfen sollten, ob das zu verschrottende Produkt gespendet oder reduziert verkauft werden kann. Auch der Einkauf sollte darauf achten, recycelte Ware zu kaufen. In diesem Gesetzesentwurf sind noch keine Maßnahmen oder Strafen implementiert, doch bringt er die Unternehmen dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Was ist, wenn aber Sonderangebote oder Spende nicht möglich sind? Hier bietet Re- und Upcycling eine Möglichkeit.

Recycling stößt an Qualitätsherausforderungen

Im Recycling müssen Produkte (chemisch) auseinandergenommen werden. Um gleichwertige Produkte zu erhalten, müssen wieder neue Stoffe hinzu geführt werden. Je öfter ein Recyclingprozess durchgeführt wird, desto schlechter wird die Qualität des Endproduktes bzw. desto mehr neue Stoffe müssen hinzu geführt werden. Deswegen spricht man auch in dem Zusammenhang von Downcycling.

Recycling vs. Upcycling, Quelle: Up-Preneurs.

Beim Upcycling werden die Produkte derart verändert, dass sie aufgewertet sind. Durch die Aufwertung entsteht ein wertschöpfender Prozess.

Upcycling für Unternehmen

Upcycling ist nicht gleich Upcycling. Es gibt durchaus auch eine Möglichkeit der Kategorisierung. Diese wird im Folgenden anhand von praktischen Beispielen beschrieben.

Das innovative Upcycling

Eine ProduktdesignerIn kreiert aus einem Produkt etwas gänzlich Neues. Dies kann durch eine leichte Veränderung geschehen oder eine komplette Transformation der Funktionalität und des Ausgangsmaterials bedeuten.

Materialtransformation als Upcycling. Wichtig: Die Produkte müssen recyclingfähig sein.

Wenn das Unternehmen, den Prozess des neuen Designs, der Produktion und des Vertriebs, selbst in die Hand nimmt, bleibt das Produkt im unternehmensinternen Wirtschaftskreislauf. Vorteil dieses Vorgehens ist, dass das Unternehmen, statt Verschrottungskosten zu zahlen, einen Ertrag erzielen kann. Außerdem wird der Energie–, Ressourcen- und Transportaufwand gegenüber der Herstellung eines neuen Produktes minimiert. Dies wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus.

Flaggschiff in diesem Bereich ist nach wie vor Hermès mit seinem Label PetitH. Hier werden Lederstücke in originelle Skulpturen oder Taschen verwandelt. Seidenschnüre halten Ketten aus Nieten oder werden zu Schnürsenkeln verarbeitet. Die Palette reicht von einer Umwandlung von neuen Materialien wie Terrazzo bis hin zur Verarbeitung von Lampen und Möbeln.  Aber auch in Deutschland ziehen Unternehmen wie unter anderem Bionade, Lemonaid oder Vaude im kleineren Rahmen nach. Sporthersteller wie Puma und Adidas versuchen sich auch regelmäßig im Re- und Upcycling.

Das Upcycling mit dem Rücknahmekonzept

Verpackungen wieder zurücknehmen.

Hier geht es darum, dass Produkte von den KonsumentInnen wieder zurückgenommen werden und das Unternehmen sich um die Weiterverarbeitung der Ware kümmert. So handhabt es die jufico GmbH, die die Quetschies der Marke fruchtbar herstellt. Die Kunden können die leeren Quetschies zurückschicken und bekommen daraus kostenlos eine Tasche genäht.

Ein anderes Konzept liefert Nike, dass aus den Sohlen ausgedienter Schuhe der KundInnen Sportplatzbeläge herstellt.

Einen karitativen Ansatz wählt die Gruppe Inditex zu dem u.a. Zara und Massimo Dutti gehören. Die KundInnen können die getragene Ware in den Shops zurückgeben. Die Inditex Group gibt sie Organisationen wie dem Roten Kreuz, etc. weiter. Diese sortieren, waschen und reparieren sie gegebenen falls und geben die Kleidung in ihrem Netzwerk weiter.

Hier geht es definitiv um das Image und um die Intention Verantwortung zu zeigen. Das Unternehmen setzt sich mit der Menge an Müll, die außerhalb ihres eigenen Kreislaufes produziert wird, auseinander.  

Das Bildungs-Upcycling

Beim Bildungs-Upcycling werden die Materialien an eigene Ausbildungsstätten oder an kooperierende Hochschulen weitergegeben.

Für dieses Modell hat sich das französische Handelsunternehmen La Redoute entschieden, aber auch Vaude und der österreichische Schmuckhersteller Swarovski

Material einsetzen, um Kreativität zu beflügeln.

Der Nutzen dieses Ansatzes ist, dass die SchülerInnen /StudentInnen ausreichend Materialien haben um sich ‚auszutoben‘. Sonst müssen die Ausbildungsstätten hierfür neue Materialien einkaufen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Unternehmen damit den Nachwuchs für die eigene Produktion ausbilden. Automatisch wird auch der Nachhaltigkeitsaspekt geschult.

Wie geht es weiter?

Es gibt also durchaus verschiedene Varianten wie man mit vermeintlichen Abfällen, Retouren und „Ladenhütern“ umgehen kann.  Bei der Frage, welchen Upcycling-Weg das Unternehmen einschlagen könnte und welcher kreative Kopf ein herausragendes Produkt entwerfen kann, kann das Team von Up-Preneurs weiterhelfen, deren Datenbank mit qualifizierten DesignerInne gefüllt ist. Beispielrechnungen bezüglich Umsatzpotential und CO2-Ersparnissen können in einem persönlichen Gespräch kalkuliert werden.

Dein Weg zu Upcycling in Unternehmen I

Schau in eurer Lagerliste nach und pack gemeinsam mit deinem Team die „Abfälle“ an!

Dein Weg zu Upcycling in Unternehmen II

Wer von der Idee „Upcycling für Unternehmen“ begeistert ist, kann jetzt für Up-Preneurs beim Public-Voting des Deutschen Logistik-Kongresseses der BVL bis zum 30.08.2020 abstimmen oder gleich eine Kontaktanfrage senden.