Recyclingprozesse verbessern, Emissionen einsparen

Felix Heinricy, Resourcify

Interviewpartner: Felix Heinricy ist COO und Co-Founder bei Resourcify. Das Unternehmen unterstützt dabei, Abfallmanagementprozesse und Recycling im Unternehmen mithilfe von digitaler Software zu optimieren und dabei Weg in Richtung Zero Waste zu ermöglichen.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Felix Heinricy darüber, was ein zukunftsorientiertes und klimarelevantes Geschäftsmodell für die eigene Klimawirkung bedeutet und wie Resourcify auch darüber hinaus die Klimatransformation vorantreibt.

Wir freuen uns, dass Resourcify als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Resourcify bietet Unternehmen eine Recycling-Plattform, mit der sie ihre täglichen Abläufe im Abfallmanagement digitalisieren können. Mit der Software sind sie in der Lage, ihre Recyclingprozesse einfach und transparent zu verwalten, zu verfolgen und zu verbessern. Gleichzeitig können sie ihren Verwaltungsaufwand senken und bis zu 30 % der Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Abfallwirtschaft einsparen. Damit unterstützen wir Unternehmen dabei, das Ziel Zero Waste und eine abfallfreie Zukunft zu erreichen. 

Tausende von Unternehmen – darunter die Hornbach Baumarkt AG, Syntegon Packaging Technology und das Universitätsklinikum Bonn – nutzen jeden Tag unsere preisgekrönte Recycling-Plattform und vertrauen auf unser Nachhaltigkeitskonzept als Best Practice, um ihre Recyclingprozesse zu verbessern und Abfälle zu reduzieren.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Die meisten denken dabei sofort an die energetische Dämmung von Gebäuden oder die Umstellung auf erneuerbare Energien. Dabei kann das Abfallmanagement ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu muss Unternehmen jedoch bewusst werden, welche Abfälle bei ihnen überhaupt anfallen und wie diese besser recycelt und wiederverwendet werden können. Denn viele Abfälle sind eigentlich Wertstoffe. Diese Transparenz wird erst mit digitalen Lösungen möglich.

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Mit unserer Software haben Unternehmen einen transparenten Einblick in ihr Abfallmanagement. Sie sehen, welche Abfälle wo anfallen, wie die Abfalltrennung funktioniert und wie sie ihre Verwertungswege optimieren können und ein besseres Recycling erreichen. Dadurch können sie viel einfacher als bisher Abfälle in Wertstoffe verwandeln, schneller ihre Recyclingziele erreichen und insgesamt nachhaltiger wirtschaften.

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Die Teilnahme beim CLIMATE Readiness Check war für uns sehr interessant, weil wir so erkennen konnten, wo wir in den verschiedenen Bereichen stehen. Ob beim Geschäftsmodell, beim Thema Unternehmensführung oder unserer eigenen CO2-Bilanz – wir sahen, wo unsere Stärken liegen und wo es Potenzial gibt, noch besser zu werden.

Welche wichtigsten Learnings nehmt ihr daraus mit?

Der Readiness Check hat uns bestätigt, dass Resourcify mit seinem nachhaltigen Geschäftsmodell einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Insbesondere unsere Abfallmanagement-Software, die Unternehmen dabei hilft, ihr Recycling radikal zu verbessern, hat eine starke klimarelevante Wirkung, da sie den Weg zu Zero Waste und hin zu einer Kreislaufwirtschaft unterstützt. Außerdem wurden wir bestärkt, eine Funktion zu entwickeln, die ermittelt, wie viel CO2 unsere Kunden mit unserer Software in den verschiedenen Abfallströmen einsparen.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

1. Transparenz: Sorgen Sie für konkrete und praktisch umsetzbare Erkenntnisse über alle Abfall- und Recyclingprozesse.

2. Nachhaltigkeit: Stellen Sie Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt Ihrer Unternehmensstrategie und stellen Sie Ihr Unternehmen so auf, dass es langfristig erfolgreich ist.

3. Recycling: Verbessern Sie die Recyclingquoten und damit die Umweltauswirkungen Ihres Unternehmens.

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Bildquelle: Unsplash

Kreislaufwirtschaft Best Practice: IT-Remarketing

Gebrauchte Firmen-Hardware wiederzuverwenden, ist nicht nur umwelt- und klimaschonend – es kann auch wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen bringen. Worauf bereits bei der Beschaffung von Neugeräten und dem ersten Nutzungszyklus geachtet werden sollte, hat Daniel Büchle, Geschäftsführer von AfB social & green IT, beim CHOICE Event #28 erklärt. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte aus seinem Vortrag über IT-Remarketing als Best Practice der Kreislaufwirtschaft.

E-Waste ist der schnellst-wachsende Abfallstrom

Elektroschrott stellt weltweit ein gravierendes und stetig wachsendes Problem dar. Laut dem Global E-waste Monitor 2020 ist der globale E-Waste von 44,4 Millionen Tonnen im Jahr 2014 auf 52,6 Millionen Tonnen im Jahr 2019 gestiegen und wird für 2030 sogar auf 74,7 Millionen Tonnen prognostiziert. Zur Frage, was mit all diesem Schrott letztlich passiert, liefert die Studie ebenfalls eine Antwort: So wurde 2019 nur 17,4 Prozent des globalen Elektroschrotts tatsächlich auch dokumentiert, gesammelt und ordnungsgemäß recycelt. Über die restlichen 82,6 Prozent gibt es jedoch keine Dokumentation. Dieser Anteil wurde in unklaren Verhältnissen in andere Länder gehandelt, transportiert und letztlich auf nicht umwelt- und menschenfreundliche Art und Weise entsorgt und verbrannt.

Quelle: The Global E-waste Monitor 2020

Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft

Dieser unverantwortliche Umgang mit Elektroschrott hat nicht nur Auswirkungen auf Menschen und Natur vor Ort, sondern ebenfalls auf das Klima. Denn laut dem Circularity Gap Report 2021 stehen 70 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen in direktem Zusammenhang mit Gewinnung, Transport, Verarbeitung und Nutzung von Materialien. Wenn das Paradigma der aktuell hauptsächlich linearen Wirtschaft jedoch durch zirkuläre Prozesse ersetzt würde, entsteht laut der gleichen Studie das Potenzial, die globalen Treibhausgasemissionen um 39 Prozent und den Verbrauch von Rohstoffen um 28 Prozent zu senken.

Kreislaufwirtschaft bei IT- und Mobilgeräten

Welchen Beitrag kann nun das wirtschaftliche Remarketing von IT- und Mobilgeräten zu diesem Potenzial leisten? Zunächst lohnt sich hierbei ein Blick auf die große Bandbreite von Hardware, die in Unternehmen zum Einsatz kommt und dementsprechend auch wiederverwendet werden kann. Neben den primären Geräten wie Notebooks, Tablets, Smartphones oder Drucker geht es dabei auch um Zubehör wie Dockingstationen und Kabel, Hardware von Rechenzentren oder auch Datenträger wie USB-Sticks, Festplatten und Server.

Bei all diesen Geräten hat jedes Unternehmen die Chance, sie in zirkuläre Prozesse der Wiederverwendung zu integrieren. Die wichtigsten Schritte bei diesem sogenannten Remarketing lauten dabei wie folgt:

1. Abholung

Bei der Kreislaufwirtschaft von IT-Geräten beginnt alles damit, dass ein Refurbisher die Hardware, die im Unternehmen nicht mehr gebraucht wird, verpackt und per Sicherheitstransport abholt.

2. Erfassung

Als nächstes erfasst der Refurbisher die wichtigsten Gerätedaten, sodass das Unternehmen vorher nicht zwingend selber eine Inventur vornehmen muss. 

3. Datenlöschung

Die meiste Hardware enthält intern gespeicherte Daten, die für die Wiederaufbereitung zuverlässig gelöscht werden müssen. Hierbei gelten besonders hohe Standards, die bei entsprechender Zertifizierung die nötige Sicherheit gewährleisten.

4. Aufarbeitung

Damit die Geräte wieder in einen angenehmen und nutzbaren Zustand kommen, arbeitet der Refurbisher sie gründlich wieder auf. Dazu gehört u. a. eine Reinigung wie auch die Installation der neuesten Software.

5. Verkauf und Spende

Zum Schluss wartet dann der Weiterverkauf der IT-Geräte. Hier stehen diverse Vertriebswege zur Verfügung: von physischen Gebrauchtwarengeschäften über Online-Marktplätze wie Ebay oder Amazon bis hin zu speziellen Plattformen wie Refurbed. Als alternative Möglichkeit können sie auch an Schulen oder NGOs gespendet werden.

Was passiert mit kaputten Geräten?

Wenn Hardware schon sehr lange im Einsatz ist oder bereits starke Defekte aufweist, eignet sie sich leider nicht mehr für den soeben beschriebenen Wiedervermarktungsprozess. Hier folgen stattdessen andere Schritte:

1. Schreddern

Um die komplette Löschung von fehlerhaften Datenträgern zu gewährleisten, müssen sie mechanisch vernichten werden. 

2. Zerlegung

Nicht vermarktbare Geräte lassen sich immer noch in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen. 

3. Recycling

Diese Einzelteile kann der Refurbisher wiederum nutzen, um entweder andere Geräte zu komplettieren oder um durch Einschmelzung wertvolle Rohstoffe zu gewinnen. 

Ein Bild, das Karte enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Von der Ökobilanzstudie zur Wirkungsmessung

Nachdem wir die einzelnen Schritte der Kreislaufwirtschaft bei IT-Geräten durchlaufen haben, stellt sich die Frage nach ihrer konkreten Auswirkung auf die eigene Öko- und Klimabilanz. Um diese quantifizierbar zu machen, hat AfB zusammen mit dem Partner myclimate 2021 eine aktualisierte Studie durchgeführt, welche die Einsparungen durch die erreichte Lebenszyklusverlängerung berechnet. Vor allem beim Blick auf die vermiedenen Treibhausgasemissionen ergaben sich dabei erstaunlich Zahlen, wie die folgende Tabelle zeigt:

Diese Daten sind und werden in Zukunft immer wichtiger, wenn es z. B. darum geht, sich auf anstehende gesetzliche Anforderungen zur Klimaberichterstattung wie die EU-Taxonomie oder Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vorzubereiten. Genauso verlangen auch Geschäftspartner mehr und mehr transparente Daten zur eigenen Klimaperformance, um die Dekarbonisierung der eigenen Lieferkette voranzutreiben.

Praktische Tipps für mehr Kreislaufwirtschaft

Zum Schluss schauen wir noch auf ein paar einfache Tipps, mit denen Unternehmen von Anfang an ReUse mitdenken und die Kreislaufwirtschaft bei sich vorantreiben können.

Beschaffung

Bei der Anschaffung neuer Hardware sollte das Augenmerk ganz klar darauf liegen, dass die Geräte möglichst robust und unempfindlich designt wurden. Um eine höhere Langlebigkeit und die Möglichkeit der Reparatur zu gewährleisten, sollten die einzelnen Bestandteil zudem gesteckt und verschraubt sein, statt verlötet und verklebt.

Nutzung

Damit Laptops und Smartphone auch später noch von anderen Nutzer:innen verwendet werden können, sollten Unternehmen generell davon absehen, diese durch Gravuren permanent zu kennzeichnen. Ähnliches gilt für Aufkleber oder anderweitige Beschriftungen, die irreversible Rückstände nach sich ziehen können. Hierfür müssen alle Mitarbeitenden entsprechend auf das Ziel der Wiedervermarktung hin sensibilisiert werden. 

Sammlung und Lagerung

Wenn es soweit ist und die IT-Geräte für den Refurbisher bereitgestellt werden, sollte das Unternehmen auf geeignete und sichere Verpackungs- und Transportmittel achten. Eine sorgsame Lagerung in witterungsgeschützten Räumen ist entscheidend, um nachträgliche Beschädigungen auszuschließen. Um die Übergabe von passwortgeschützten Geräten zu erleichtern, müssen diese zudem zuvor entfernt oder gesondert mitgeteilt werden.

Wenn du einmal ganz anschaulich erleben willst, wie IT-Remarketing bei AfB social & green IT funktioniert, kannst Du hier einen virtuellen Firmenausflug in die Niederlassung von AfB machen.

Du willst einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Dein CHOICE EVENT
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Upcycling in Unternehmen. Das Konzept der wiederbelebten Möglichkeiten.

Gastbeitrag von Up-Preneurs

Claudia Allonas, Gründerin von Up-Preneurs, hat sich bereits an der Hochschule wissenschaftlich mit nachhaltigen Geschäftsprozessen beschäftigt. Ihr Weg über die Prozessoptimierung von Dienstleistungen in internationalen Logistikkonzernen und im Vertrieb von High-End-Produkten geht mit Up-Preneurs den konsequenten, nächsten Schritt. Hier verbindet sie ihre Erfahrung mit dem Wissen über erfolgreiche Geschäftsprozesse und ihrer Leidenschaft für nachhaltiges Design.

Upcycling in Unternehmen – ein Weg mit hohem Potential und vielfältigen Möglichkeiten

„Rund 20 Millionen Retour-Artikel landeten in Deutschland 2018 im Müll“. Solche Schlagzeilen erscheinen seit einigen Jahren regelmäßig in der Presse und häufen sich. KonsumentInnen wundern sich und frage, ob das tatsächlich notwendig ist. Schenkt man den Unternehmen glauben, so landet der größte Teil der Retouren wieder im Verkauf. Entweder werden sie wieder so aufbereitet, dass sie regulär in den Handel gebracht werden können oder werden preisreduziert verkauft. 

Retouren sind nicht das Problem, was ist es dann?

Das eigentliche Problem stellen aber nicht die Retouren alleine dar. Es betrifft vor allem unverkaufte Neuware. Es ist nicht nur der Handel, der mit der Thematik angesprochen wird. Es gibt auch die produzierenden Unternehmen, die die Lager und Produktionshallen voller brauchbarer aber brachliegender Produkte haben.

Neuware landet im Müll

Neuware im Lager als Überschuss.

Welche Produkte sind mit Neuware gemeint? Dies können neue Produkte sein, die als Saisonartikel nicht mehr aktuell oder aus der Mode gekommen sind. Auch können es Komplementärprodukte sein, wie z.B. Kamerataschen zu einer bestimmten Kamera, die bereits ausverkauft ist. Auch zählt dazu B-Ware, wo vielleicht in Reißverschluss hakt, an einer Seite eine falsche Naht ist oder die Komponenten bestimmte Qualitätskontrollen nicht passieren, weil ein mit bloßem Auge nicht sichtbarer Fehler gefunden wurde. Zur Verschrottung gelangt auch Ware aus Überproduktion. Ein anderer Bereich sind hochwertige Materialien und Bauteile aus der Produktion, die sich nicht recyceln oder als Wertstoff wie beispielsweise Metalle, verkaufen lassen.

Frankreich verbietet Verschrottung überflüssiger Ware

Außerhalb der Retouren ist es gerade in diesem Bereich sehr schwer, verlässliche Zahlen zu erhalten.  Aus der Abfallbilanz des statistischen Bundesamtes sind die Kennzahlen zu diesem Thema nicht offensichtlich. Durch Umrechnung und ein Schätzverfahren lassen sich die Kennzahlen nur erahnen. Frankreich packt das Problem ebenfalls an und von dort heißt es, dass bislang jährlich neue Produkte im Wert von 600 Millionen Euro mutwillig verschrottet worden sind. Die Forderung der KonsumentInnen nach mehr Transparenz in Richtung Nachhaltigkeit und die Versuche der Politik, dort mehr Druck zu erzeugen,  bringt den einen oder anderen Unternehmer sich die Abfallkennzahlen seines Unternehmens genauer anzuschauen.

Alternativen zur Verschrottung

Im Februar 2020 wurde der Gesetzesentwurf zur Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetztes eingereicht. Das bedeutet für UnternehmerInnen, dass sie prüfen sollten, ob das zu verschrottende Produkt gespendet oder reduziert verkauft werden kann. Auch der Einkauf sollte darauf achten, recycelte Ware zu kaufen. In diesem Gesetzesentwurf sind noch keine Maßnahmen oder Strafen implementiert, doch bringt er die Unternehmen dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Was ist, wenn aber Sonderangebote oder Spende nicht möglich sind? Hier bietet Re- und Upcycling eine Möglichkeit.

Recycling stößt an Qualitätsherausforderungen

Im Recycling müssen Produkte (chemisch) auseinandergenommen werden. Um gleichwertige Produkte zu erhalten, müssen wieder neue Stoffe hinzu geführt werden. Je öfter ein Recyclingprozess durchgeführt wird, desto schlechter wird die Qualität des Endproduktes bzw. desto mehr neue Stoffe müssen hinzu geführt werden. Deswegen spricht man auch in dem Zusammenhang von Downcycling.

Recycling vs. Upcycling, Quelle: Up-Preneurs.

Beim Upcycling werden die Produkte derart verändert, dass sie aufgewertet sind. Durch die Aufwertung entsteht ein wertschöpfender Prozess.

Upcycling für Unternehmen

Upcycling ist nicht gleich Upcycling. Es gibt durchaus auch eine Möglichkeit der Kategorisierung. Diese wird im Folgenden anhand von praktischen Beispielen beschrieben.

Das innovative Upcycling

Eine ProduktdesignerIn kreiert aus einem Produkt etwas gänzlich Neues. Dies kann durch eine leichte Veränderung geschehen oder eine komplette Transformation der Funktionalität und des Ausgangsmaterials bedeuten.

Materialtransformation als Upcycling. Wichtig: Die Produkte müssen recyclingfähig sein.

Wenn das Unternehmen, den Prozess des neuen Designs, der Produktion und des Vertriebs, selbst in die Hand nimmt, bleibt das Produkt im unternehmensinternen Wirtschaftskreislauf. Vorteil dieses Vorgehens ist, dass das Unternehmen, statt Verschrottungskosten zu zahlen, einen Ertrag erzielen kann. Außerdem wird der Energie–, Ressourcen- und Transportaufwand gegenüber der Herstellung eines neuen Produktes minimiert. Dies wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus.

Flaggschiff in diesem Bereich ist nach wie vor Hermès mit seinem Label PetitH. Hier werden Lederstücke in originelle Skulpturen oder Taschen verwandelt. Seidenschnüre halten Ketten aus Nieten oder werden zu Schnürsenkeln verarbeitet. Die Palette reicht von einer Umwandlung von neuen Materialien wie Terrazzo bis hin zur Verarbeitung von Lampen und Möbeln.  Aber auch in Deutschland ziehen Unternehmen wie unter anderem Bionade, Lemonaid oder Vaude im kleineren Rahmen nach. Sporthersteller wie Puma und Adidas versuchen sich auch regelmäßig im Re- und Upcycling.

Das Upcycling mit dem Rücknahmekonzept

Verpackungen wieder zurücknehmen.

Hier geht es darum, dass Produkte von den KonsumentInnen wieder zurückgenommen werden und das Unternehmen sich um die Weiterverarbeitung der Ware kümmert. So handhabt es die jufico GmbH, die die Quetschies der Marke fruchtbar herstellt. Die Kunden können die leeren Quetschies zurückschicken und bekommen daraus kostenlos eine Tasche genäht.

Ein anderes Konzept liefert Nike, dass aus den Sohlen ausgedienter Schuhe der KundInnen Sportplatzbeläge herstellt.

Einen karitativen Ansatz wählt die Gruppe Inditex zu dem u.a. Zara und Massimo Dutti gehören. Die KundInnen können die getragene Ware in den Shops zurückgeben. Die Inditex Group gibt sie Organisationen wie dem Roten Kreuz, etc. weiter. Diese sortieren, waschen und reparieren sie gegebenen falls und geben die Kleidung in ihrem Netzwerk weiter.

Hier geht es definitiv um das Image und um die Intention Verantwortung zu zeigen. Das Unternehmen setzt sich mit der Menge an Müll, die außerhalb ihres eigenen Kreislaufes produziert wird, auseinander.  

Das Bildungs-Upcycling

Beim Bildungs-Upcycling werden die Materialien an eigene Ausbildungsstätten oder an kooperierende Hochschulen weitergegeben.

Für dieses Modell hat sich das französische Handelsunternehmen La Redoute entschieden, aber auch Vaude und der österreichische Schmuckhersteller Swarovski

Material einsetzen, um Kreativität zu beflügeln.

Der Nutzen dieses Ansatzes ist, dass die SchülerInnen /StudentInnen ausreichend Materialien haben um sich ‚auszutoben‘. Sonst müssen die Ausbildungsstätten hierfür neue Materialien einkaufen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Unternehmen damit den Nachwuchs für die eigene Produktion ausbilden. Automatisch wird auch der Nachhaltigkeitsaspekt geschult.

Wie geht es weiter?

Es gibt also durchaus verschiedene Varianten wie man mit vermeintlichen Abfällen, Retouren und „Ladenhütern“ umgehen kann.  Bei der Frage, welchen Upcycling-Weg das Unternehmen einschlagen könnte und welcher kreative Kopf ein herausragendes Produkt entwerfen kann, kann das Team von Up-Preneurs weiterhelfen, deren Datenbank mit qualifizierten DesignerInne gefüllt ist. Beispielrechnungen bezüglich Umsatzpotential und CO2-Ersparnissen können in einem persönlichen Gespräch kalkuliert werden.

Dein Weg zu Upcycling in Unternehmen I

Schau in eurer Lagerliste nach und pack gemeinsam mit deinem Team die „Abfälle“ an!

Dein Weg zu Upcycling in Unternehmen II

Wer von der Idee „Upcycling für Unternehmen“ begeistert ist, kann jetzt für Up-Preneurs beim Public-Voting des Deutschen Logistik-Kongresseses der BVL bis zum 30.08.2020 abstimmen oder gleich eine Kontaktanfrage senden.

Erfahrung aus 7 Jahren Online-Shop, wie kommt man Schritt für Schritt Richtung Nachhaltigkeit?

Christian Schönborn hat in den letzten 7 Jahren den Bereich Nachhaltigkeit bei SugarShape aufgebaut, Deutschlands schnellst wachsende Onlineplattform für Unterwäsche. Dass in diesem Prozess nicht alles einfach ist und Lieferketten immer komplexer werden, erklärte Christian ehrlich und transparent in unserem CHOICE Webinar #1. Als Klimabeauftragter für Klimabeauftragte, teilt er hier seine Erfahrung und Learnings. 

Die Lieferkette in der Praxis kritisch hinterfragen

Christian konnte schnell in der Praxis feststellen, dass Textilprodukte entlang der gesamten Wertschöpfungskette kritische Punkte aufweisen. Die 5 Schritte: Sourcing, Produktion, Verpackung, Versand & Transport sowie Nutzung & End-of-Life hat er dabei als besonders entscheidend eingestuft und konnte sie für SugarShape Schritt für Schritt angehen. Diesen Prozess in Richtung Nachhaltigkeit versteht er als anhaltend und möchte ihn in Zukunft immer weiter ausbauen. Hier geht es zur Online-Shop Checkliste

Von fairen Arbeitsbedingungen für ProduzentInnen zu Umweltschutz

Am Anfang, 2012 bei Gründung von SugarShape, stand der Wunsch vor allem die ProduzentInnen der Wäsche besonders zu unterstützen, nicht zuletzt da auch SugarShape von zwei Frauen gegründet wurde. Recherchen vor Ort und erste Maßnahmen warfen allerdings schnell den Aspekt Umwelt auf. Christian analysierte daher die eigene Lieferkette und fand entlang der oben genannten 5 Schritte immer wieder neue Fragestellungen und Herausforderung aus der Praxis, auf die er wie folgt reagierte. 

5 Schritte in Richtung Nachhaltigkeit

  1. Sourcing: Materialien und Erstverarbeitung von Textilen sind sehr komplex, da zum Beispiel Baumwolle zwar natürlich aber extrem Ressourcenintensiv ist und auch wiederverwendete Materialien wie Kunststoffe viel Energie in der Erzeugung bzw. im Recycling benötigen können. Der Bezug der Material sei daher besonders schwieriger und bislang nicht einheitlich geklärt. Für einige Produkte bezieht Christian recyceltes Plastik, welches aus dem Meer gesammelt wurde. Fast alle Stoffe sind inzwischen Ökotex 100 zertifiziert und somit auf 100 umweltschädliche Einzelstoffe geprüft. 
  2. Produktion: Hinzukommen häufig undurchsichtige Arbeitsbedingungen und strukturelle Benachteiligungen der ProduzentInnen. Christian betont daher, dass seiner Meinung nach ein Besuch vor Ort unabdingbar ist, egal im welchem Land produziert würde. Soziale Kriterien könnten so am besten überprüft werden, da auch Regelungen wie Gehälter über dem Mindestlohn und sichere Arbeitsbedingungen in vielen Ländern kaum zum Standard gehören. 
  3. Verpackung: Vertrieb über eine Onlineplattform ist stets mit Paketlieferung und somit mit (unnötigem) Verpackungsmüll verbunden. Christian hat hier für einige Lieferung, die am häufigsten von Retour betroffen sind, eine Mehrwegverpackung eingeführt. Anderen Verpackung wurden aus Abfallstoffen der Zuckerrohrproduktion erstellt und sollen so zur Schonung des Rohstoffes “Holz” beitragen.
  4. Versand & Transport: Da die Textilen aus Übersee bezogen werden, hat Christian Schiffstransport gegen Flugweg, Schiene und Straße abgewogen und sich für den Seeweg entschieden. Auch wenn Transportschiffe überwiegend starke Luftverschmutzer sind, sind die CO2-Emissionen bei einer so langen Strecke dennoch geringer als bei den alternativen Transportwegen. Flüge versucht SugarShape generell stark einzuschränken. 
  5. Nutzung & End-of-Life: Unterwäsche wird kaum als Textil wiederverwendet. Christian führte das SugarCycling ein, welches KundInnen auffordert Wäsche wieder einzusenden, auch von Fremdmarken. Die Stoffe werden wieder aufbereitet und recycelt. 

Wie geht es weiter?

Das CHOICE Webinar #1 mit Christian warf die Frage nach CO2-Messung auf, welche er gerne in Zukunft durchführen möchte, um noch genauer die Hotspots in der Lieferkette zu verstehen. Nichtsdestotrotz stellen die eingeführten Änderungen schon jetzt Best-Practices in der Fashionindustrie dar, die er gerne mit weiterentwickeln möchte. 

Bei Anmerkungen oder Rückfragen zu Christian, schreibt uns gerne an!

Für unser nächste CHOICE Webinar #2 mit Klima.Metrix zum Thema „Klimarisiko durch CO2-Berechnung minimieren“ kannst du dich kostenlos hier anmelden.