Durch nachhaltigen Einkauf die Klimatransformation im Unternehmen umsetzen

Eine faire und klimafreundliche Wirtschaftsweise verlangt insbesondere eine nachhaltige Beschaffung. Viele Unternehmen sind aktuell dabei, erste Maßnahmen dazu umzusetzen, doch in den meisten Fällen fehlt ein strukturierter Ansatz, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Die globalen Lieferketten sind aktuell fast dauerhaft im Krisenmodus und es fehlt vielen Einkaufsverantwortlichen ausreichend Zeit, sich systematisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie können sie dennoch eine nachhaltige Beschaffung etablieren und ihre Einkaufsorganisation mit zahlreichen Unterstützungsangeboten auf diese Transformation vorbereiten und sogar zertifizieren lassen? Das haben wir im CHOICE Event #40 von Sarah Baer vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) sowie von Yvonne Jamal vom JARO Instituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e.V. erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Was kostet uns die Klimatransformation?

Die Höhe der Kosten für die Klimatransformation sind für viele immer noch schwer greifbar. Für einen ersten Eindruck schauen wir uns daher ein paar wichtige Zahlen an, die vor allem zeigen: Klimaschutz kostet Geld – kein Klimaschutz kostet noch mehr Geld!

Alleine im Jahr 2020 betrugen die weltweiten wirtschaftlichen Belastungen und Schäden durch Naturkatastrophen bereits 190 Mrd. Dollar (Quelle: Swiss Re Institute 2021). Wohlgemerkt sind in diese Zahl noch nicht die verheerenden Katastrophen des letzten Jahres eingerechnet wie die Flut im Juli 2021 im Ahrtal oder die Waldbrände in Australien, Kanada oder den USA. Zu den wirtschaftlichen Schäden kommt noch der zunehmende Verlust unserer natürlichen Umwelt. Hierzu zählen sowohl das Sterben der Korallenriffe, Vergrößerung der Waldbrandflächen, verkleinerter Lebensraum für viele Tierarten und entsprechendes Massenaussterben.

Demgegenüber stehen die Investitionskosten für einen flächendeckenden Wandel hin zu einer weltweit klimakompatiblen Wirtschaft. Experten schätzen, dass ca. 2 % des jährlichen weltweiten Bruttoinlandsprodukts notwendig sind, um die Klimatransformation umzusetzen. Das entspricht ca. 1,6 Billionen Euro. Um einen besseren Eindruck von dieser Zahl zu bekommen, hilft der Vergleich zu anderen aktuellen Ausgaben und Investitionsvolumen: So wurde weltweit für das Militär im Jahr 2020 bereits 2,4 % des jährlichen weltweiten BIP ausgegeben (= 1,75 Billionen Euro) und für die weltweiten Hilfsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie in den ersten 9 Monaten 2020 sogar 14 % des jährlichen weltweiten BIP (= 10,5 Billionen Euro).

Wir sehen also, die nötigen Investitionen für die Klimatransformation sind realisierbar und verhindern vor allem weitaus größere Kosten. Was bedeutet das nun für den Einkauf und wie kann er eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des unternehmerischen Klimaschutzes einnehmen?

Der Einkauf als Multiplikator nach Innen und Außen

Der Einkauf nimmt gleich einer Spinne in ihrem Netz eine wichtige Vermittlerposition im komplexen Prozess-Geflecht der Klimatransformation ein. Denn auch wenn natürlich im Vorstand oder den CSR-Abteilungen die wichtigen klimarelevanten Maßnahmen des Unternehmens geplant und vorangetrieben werden, entscheiden letztlich die Einkaufsleiter:innen, wofür das Geld des Unternehmens ausgegeben wird. Zudem prägen sie durch ihre Einkaufsentscheidungen die Nachfrage am Markt und nehmen entsprechend Einfluss darauf, welche neuen Angebote dort entstehen.

Bei der Perspektive nach Innen, tauscht sich der Einkauf zunächst intensiv mit dem Vorstand & der Geschäftsführung des Unternehmens aus, da er sowohl dessen Vorgaben ausführen soll, aber auch wichtige Impulse geben kann. Zusammen mit der Finanzabteilung als aus der CSR-Abteilung geht es aktuell beim Thema Sustainable Finance vor allem darum, dass klimarelevante Daten aus der Lieferkette für entsprechende ESG-Reportings erhoben und transparent gemacht werden. Aber auch für weitere Bereiche wie Sales & Marketing oder die Personalabteilung beim Thema Recruiting werden die Klimatransformation und entsprechende Fortschritte durch den Einkauf immer wichtiger. 

Nach Außen sind in erster Linie natürlich die Lieferanten der wichtigste Ansprechpartner für den Einkauf. Mit ihnen zusammen gilt es, mehr Transparenz zu klimarelevanten Themen und Prozessen aufzubauen und so erfolgreich Dekarbonisierungsmaßnahmen entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Aber auch weitere externe Stakeholder – wie die Zivilgesellschaft oder Kund:innen – können sowohl sowohl von der Arbeit und Expertise des Einkauf profitieren als auch die Arbeit des Einkaufs an der Umsetzung der Klimatransformation durch Know-How – z. B. von Fach-Verbänden oder der Forschung – unterstützen.

Die vier Schritte zur nachhaltigen Beschaffung

Um die zentrale Rolle des Einkaufs bei der Klimatransformation nun wahrzunehmen und in die Tat umzusetzen, haben sich vor allem vier folgenden Schritte nach dem nachhaltigen Beschaffungsprozess-Modell von Fröhlich bewährt (Quelle: CSR und Beschaffung, Das nachhaltige Beschaffungsprozess-Modell, Elisabeth Fröhlich (Fröhlich et al. 2013, S. 214)):

  1. Die Basis schaffen
    • Unterstützung des Top Managements einholen
    • Verbündete im Unternehmen finden
    • Alle relevanten Stakeholder identifizieren
    • Wesentlichkeitsanalyse für Ihre Warengruppen durchführen
    • Nachhaltige Beschaffungsziele definieren
  2. Beschaffungsprozesse um nachhaltige Aspekte erweitern
    • Nachhaltige Beschaffungsstrategie formulieren
    • Richtlinien, AEBs und Verträge anpassen
    • Nachhaltigkeitsprogramm für den Einkaufentwickeln (dabei den gesamten Beschaffungsprozesses berücksichtigen)
    • Kommunikations- und Schulungsmaßnahmen
  3. Aktive Einbindung der Lieferkette
    • Lieferkette aktiv einbinden
    • Nachhaltige und transparente Kriterien für die Lieferantenauswahl und -bewertung festlegen
    • Faire Zusammenarbeit mit Lieferanten auf Augenhöhe zur gemeinsamen Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung
    • Vorlieferanten (Multi-Tier Supplier) einbeziehen
  4. Erfolgskontrolle
    • Wirksamkeit der Maßnahmen mit vorab festgelegten Indikatoren überprüfen
    • Transparent über den Fortschritt und Herausforderungen berichten
    • Eventuelle Korrekturmaßnahmen einleiten und Ziele stetig steigern (KVP)

Zertifizierung für eine nachhaltige Beschaffungsorganisation

Zu guter Letzt besteht für Unternehmen sowie ihren Einkaufsabteilungen die Möglichkeit einer Zertifizierung als nachhaltige Beschaffungsorganisation. Hiermit können sie nicht nur den eigenen Stand der Klimatransformation überprüfen und für externe Stakeholder validieren lassen – gleichzeitig bietet es ihnen auch eine hilfreiche Anleitung für die weitere Umsetzung klimarelevanter Maßnahmen. Ein Beispiel hierfür ist die BME-Zertifizierung „Nachhaltige Beschaffungsorganisation“. Sie gliedert sich in drei unterschiedliche Level, von einer Online -Selbstanalyse bis hin zur Vor-Ort-Auditierung der Umsetzung des Nachhaltigkeitsprogrammes mit jährlichem Überwachungsaudit.

Wer die Zertifizierung durchführen lassen will, muss sich zu bestimmten Mindestkriterien verpflichten. Diese geben einen anschaulichen Leitfaden für eine nachhaltige Einkaufspraxis und lauten: 

  1. Erklärung der Geschäftsführung zur Einhaltung der Menschenrechte
  2. Erstellung eines Supplier Code of Conduct (oder die Nutzung z.B. des BME Code of Conduct
  3. Entwicklung einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie (inkl. Risikoanalyse, Ziele, Maßnahmen & Indikatoren)
  4. Benennung eines Nachhaltigkeitsverantwortlichen für den Einkauf
  5. Umsetzung und Fortführung der Beschaffungsstrategie in Form eines Nachhaltigkeits-Programms für den Einkauf mit priorisierten Handlungsfeldern, Zielsetzung und Verantwortlichkeiten
  6. Integration von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in die operativen und strategischen Beschaffungsprozesse durch die Formulierung einer nachhaltigen Beschaffungsrichtlinie
  7. Kaskadierte Lieferkettenanalyse: Schaffung von Transparenz in der Lieferkette von mindestens 3 wesentlichen Lieferanten pro Jahr
  8. Erstellung eines jährlichen Nachhaltigkeitsberichts der Beschaffung mit Management Review der Strategie/gesetzten Ziele und Optimierungsplan
  9. Beteiligung an einer jährlichen BME Erhebung zu definierten KPIs für eine regelmäßige Benchmark Analyse

Mit der Zertifizierung und den Mindestkriterien bietet der BME Unternehmen jeder Größe die Möglichkeit, Fragestellungen zur nachhaltigen Beschaffung zu strukturieren und in das eigene Risikomanagement zu integrieren. 

Vielen Dank für Eure Einblicke, Yvonne und Sarah! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

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Supply Chain Action – FUNKEs Weg zur Klima-Transparenz in der Lieferkette

Ab 2023 wird die Einhaltung des deutschen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes“ für alle Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden verpflichtend sein – und mit dem bevorstehenden EU-Supply Chain Act zeichnen sich sogar noch strengere Vorschriften ab. Um diese neuen Gesetzgebungen zu bewältigen, steht der Einkauf vor der großen Herausforderung, die Transparenz bezüglich Menschenrechten und Umweltstandards in der Supply Chain seines Unternehmens jetzt drastisch zu erhöhen.

Wie geht ein führender Konzern wie die FUNKE Mediengruppe hierbei konkret vor? Genau das haben wir im CHOICE Event #39 von Gundula Ullah, Bereichsleitung Einkauf & Sustainability bei der FUNKE Mediengruppe, erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Das Unternehmen FUNKE und seine Klimaziele

Die FUNKE Mediengruppe beschäftigt als drittgrößtes deutsches Medienhaus rund 1.500 Journalist:innen und 4.500 Medienmacher:innen in den Geschäftsfeldern Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Im Bewusstsein der sich aktuell wandelnden Medienbranche hat die Gesellschafterfamilie ihr Commitment zu nachhaltigem Handel bekräftigt und will so “Strukturen und Prozesse schaffen, mit denen wir auch in den kommenden Jahren guten Journalismus ermöglichen“. 

Hierfür wurden spezifische Nachhaltigkeitsziele für FUNKE – abgeleitet von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen – definiert, welche die für FUNKE relevanten industriellen und regulatorischen Herausforderungen sowie Kunden-Zielgruppen berücksichtigen. Basierend auf den SDGs 5, 7, 8, 9, 12 und 13 verpflichtet sich FUNKE auf die Einhaltung der Ziele:

Nachhaltigkeit in der Lieferkette fängt im Einkauf an

Für die Umsetzung all dieser Ziele sowie die Vorbereitung der FUNKE Mediengruppe auf das kommende Lieferkettengesetz spielt der Einkauf eine zentrale Rolle. Denn die Kosten für die externe Wertschöpfung stehen letztlich ca. 50 % des Konzernumsatzes gegenüber. Die Wertschöpfungskette bei FUNKE sieht hierbei wie folgt aus:

Für jeden Bereich der Lieferkette hat sich FUNKE entsprechende Maßnahmen vorgenommen. Beim Energiebezug für den Betrieb der Druckereien sowie der Medienhäuser und Redaktionen möchte sich FUNKE in Richtung eines nachhaltigen Energiemix transformieren. Die Papierindustrie ist bereits generell stark zum Nachhaltigkeitsaspekt aufgestellt mit Kreislaufprozessen, die recyceltes Papier 5 bis 7 Mal wiederverwerten. Eine Herausforderung stellen allerdings noch die unterschiedlichen Reportingstandards bei der CO2-Transparenz des eingekauften Papiers dar. Um die IT zum Verfassen der Artikel klimakompatibler zu gestalten, sind entsprechende digitale Lösungen gefragt. Hier müssen vor allem neue nachhaltige Ausschreibungskriterien umgesetzt werden. 

Die Marktbereiche, welche die Anzeigen verkaufen und Werbungen schalten, sehen sich zunehmend mit Forderungen nach klimaneutralen Werbeformen von B2B-Kunden konfrontiert und müssen entsprechend nachhaltigere Ansätze bei Prämien und Kampagnen entwickeln. Beim Druck sind insbesondere Tiefdruck und das Heatset-Verfahren sehr energie-intensiv. FUNKE will deshalb mit den Druckereien in den Austausch gehen und gemeinsam erarbeiten, wie der Energieverbrauch reduziert werden kann. Zuletzt denkt FUNKE auch über nachhaltige Modelle in der Zustellung bei Tageszeitung nach und testet hierfür flächendeckende Ansätze mit Elektromobilität und Wasserstoff-Antrieb.

FUNKEs Herangehensweise? – Erstmal Transparenz!

Um die verschiedenen Bereiche der Lieferkette im Sinne von FUNKEs Nachhaltigkeitsstrategie zu transformieren, beginnt das Unternehmen zunächst mit einer grundlegenden Herstellung von Transparenz in Bezug auf CO2. Mithilfe einer Climate-Tech-Plattform wird daher ein Corporate Carbon Footprint erstellt, um auf diese Weise so viele Primärdaten wie möglich für den Scope 3 der Kern-Warengruppen (Papier, Druck, etc.) nutzen zu können. 

Das Emissionskontroll-Tool berechnet und analysiert den FUNKE CO2-Fußabdruck vollständig digital und prognostiziert zukünftige Nachhaltigkeitsszenarien auf der Grundlage von Datenheuristiken (z. B. künftiger Fußabdruck bei zukünftig weniger Print- und mehr Digitalabos). Um die ordnungsgemäße Anwendung der Emissionsbilanzierungsstandards sicherzustellen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen (z. B. GHG). Die Analysen sind „audit-ready“, sodass die neuesten Anforderungen zur Datenprüfung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. KPMG, GRI, CDP) für den Nachhaltigkeitsbericht erfüllt werden können. Der Zugang zur Plattform ist zudem simpel gestaltet, sodass innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Abteilungen ihre Daten ins Tool hochladen können.

Der Weg zur Transparenz in der Lieferkette

Als weitere Maßnahmen ist FUNKE aktuell auf dem Weg, sich als nachhaltige Beschaffungsorganisation vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zertifizieren zu lassen. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen, die vom Verband definierten nachhaltigen Aspekte und Kriterien in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren. Der erste Schritt hierfür ist ein Selbstaudit sowie die Planung und Selbstverpflichtungserklärung zur Erfüllung der Mindestkriterien. Danach entwickelt FUNKE eine Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des BMEs. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen sowohl vom BME als auch durch externe unabhängige Prüfer überprüft und so ein jährlicher Verbesserungsprozess angestoßen.

Um die Transparenz-Bemühungen weiter zu unterstützen sowie das Unternehmen auf das im Januar 2023 in Kraft tretende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz vorzubereiten, nutzt FUNKE eine digitale Unterstützung zum Lieferketten-Screening. Damit kann sich FUNKE digital von ihren Lieferanten die Bestätigung einholen, dass sie sämtliche Anforderungen erfüllen, die mit dem neuen Gesetz einherkommen.

Wichtige Learnings

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit musste FUNKE bisher mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen:

Gleichzeitig konnte das Unternehmen aber auch bereits erste Erfolge verbuchen:

Vielen Dank für Deine Einblicke, Gundula! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

So funktioniert eine multidimensionale Klimaanalyse – Warum es wichtig ist, nicht nur den CO2-Fußabdruck zu messen

Bei der Klimastrategie eines Unternehmens denken viele vor allem schnell an den „CO2-Footprint“. Klar: Wenn es um unternehmerischen Klimaschutz geht, dreht sich alles um Treibhausgasemissionen und darum, wie Unternehmen CO2 reduzieren oder ausgleichen können. Jedoch wird bei einer Klimaanalyse mit Hauptfokus auf die CO2-Emissionen häufig zu kurz gedacht. 

Kohlenstoffemissionen sind zwar eine zentrale Kennzahl für den Klimareifegrad eines Unternehmens und werden von Interessengruppen und Investoren während einer Klimaanalyse oft als Schlüsselfaktor von Nachhaltigkeit hervorgehoben. Dennoch ist die Klimawirkung eines Unternehmens viel umfangreicher als die ausgestoßenen Emissionen. Die Klimaleistung eines Unternehmens vollständig zu erfassen, erfordert eine viel umfassendere Betrachtung als lediglich die Berechnung der CO2-Emissionen. Wieso, erfährst du im Folgenden.

1. CO2-Fußabdruck nicht gleich ökologischer Fußabdruck

Zunächst wird selten zwischen dem CO2-Fußabdruck und dem sogenannten „ökologischen Fußabdruck“ eines Unternehmens unterschieden. Der CO2-Fußabdruck stellt die Treibhausgasemissionen (nicht nur Kohlenstoff sondern auch alle anderen klimaschädlichen Treibhausgase, wie Methan oder Lachgas) dar. Der „ökologische Fußabdruck“ ist ein komplexerer Nachhaltigkeitsindikator und umfasst darüber hinaus alle anderen Einflussfaktoren einer Unternehmenstätigkeit. Hierbei wird sowohl der Ressourcenverbrauch und die Landnutzung als auch Schädigungen der Ökosysteme und der Einfluss auf die ökologische Vielfalt betrachtet. Überdüngung, Übersäuerung und die Zerstörung der Ozonschicht sind weitere Faktoren, die in den ökologischen Fußabdruck hineinspielen. 

2. Die unternehmerische Klimaleistung ist nicht eindimensional 

Desweiteren ist die Klimaleistung eines Unternehmen nicht nur an den ökologischen Umweltbelastungen festzumachen. Es benötigt hier eine viel umfangreichere Klimaanalyse, welche alle Dimensionen der unternehmerischen Klimawirkung erfasst. Wichtig ist beispielsweise auch, inwiefern das Geschäftsmodell eines Unternehmens zu den EU-Klimazielen beiträgt und in welcher Intensität bereits Klimaziele umgesetzt werden. All dies ist Teil der Klimawirkung eines Unternehmens und sollte bei der Klimaanalyse gleichermaßen einbezogen werden.

Die Klimawirkung ganzheitlich betrachten

Es gilt also, die Klimawirkung als Ganzes zu betrachten. So lassen sich dementsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaleistung im Unternehmen gestalten, welche unter allen Gesichtspunkten am effizientesten funktionieren. Denn ein ausschließlicher Fokus auf Kohlenstoffemissionen führt sowohl dazu, dass andere Faktoren von der Analyse ausgeschlossen sind und sich Risiken schlecht abschätzen lassen, als auch dass wichtige Potenziale zur Verbesserung der eigenen Klimaleistung nicht genutzt werden können.

Um dies zu verhindern, führen Unternehmen schon heute eine multidimensionale Klimaanalyse durch. Mithilfe des CLIMATE Readiness Checks können Unternehmen die eigene Klimaleistung entlang internationaler Standards beleuchten. Die datengetriebene Analyse-Software ermöglicht eine schnelle und strukturierte Erfassung klimarelevanter Daten und unterstützt Unternehmen dabei, die eigenen Klimastärken sowie -risiken entlang fünf verschiedener Dimensionen nachzuvollziehen. Ziel ist es dabei, die eigene Klimaleistung zu verstehen, um im zweiten Schritt effektive Maßnahmen zur CO2-Reduktion zu identifizieren und umzusetzen.

Die 5 Dimensionen des CLIMATE Readiness Checks für eine umfangreiche Klimaanalyse 

1. Wirkungsmodell

Im Vordergrund steht hier die Verankerung von Klimaschutz im eigenen Geschäftsmodell. Entlang der Regulationen der EU-Taxonomie werden Unternehmenstätigkeiten in Bezug auf die EU-Klima- und Umweltziele bewertet. Als „ökologisch nachhaltig“ bzw. „grün“ gelten Unternehmensaktivitäten, sobald sie die Umsetzung von mindestens einem der sechs EU-Klima- und Umweltziele fördern und dabei keines der anderen maßgeblich beeinträchtigen. 

2. Klimamanagement

Das Klimamanagement eines Unternehmens zu betrachten, wird künftig immer wichtiger, um Klimaziele zu erreichen und den Anforderungen von Seiten der Politik und Kund:innen entsprechend zu handeln. In Übereinstimmung mit Empfehlungen der Task Force of Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und dem Carbon Disclosure Project (CDP) befasst sich diese Dimension mit den internen Governance- und Führungsprozessen einer Organisation. Es wird untersucht, inwiefern es in einem Unternehmen Verantwortliche speziell für die Identifizierung und das Management klimarelevanter Themenbereiche gibt und wie sie klimabezogene Chancen und Risiken identifizieren und steuern.

3. Klimaeinfluss 

Für diese Dimension sind zentrale Klimakennzahlen, wie der unternehmensweite und produktbezogene CO2-Fußabdruck wichtig. In das Rating dieser Dimension fließen zusätzlich relevante Daten zu unternehmerischen Klimaauswirkungen, wie z. B. Ressourcen- und Energieverbrauch sowie Abfallmanagement ein. Genau zu identifizieren, welche Emissionstreiber im Unternehmen vorliegen, ist die Grundlage dafür, passende und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und CO2-Reduktionsstrategien zu implementieren. 

4. Transparenz 

Transparente Kommunikation und Offenlegung klimarelevanter Daten werden für Unternehmen künftig immer wichtiger. Investor:innen und Kreditgeber:innen sowie Verbraucher:innen fordern zunehmend vergleichbare, klimabezogene Daten und eine verantwortungsvolle Unternehmenspraxis. In Übereinstimmung mit der Global Reporting Initiative (GRI) wird hier überprüft, ob ein Unternehmen den Berichtspflichten über soziale und ökonomische Auswirkungen ausreichend nachkommt.

5. Ökologisches Handeln

Durch die Umsetzung kurzfristiger und effizienter Maßnahmen, sogenannter Quick Wins, lässt sich erhebliches Einsparpotenzial ausschöpfen. Diese Dimension untersucht, inwieweit Unternehmen entlang der 9 Impact Kategorien – in Bereichen wie Energie, Gebäudemanagement, Mobilität, Finanzen, Digitales und freiwillige CO2-Kompensation – Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. 

Die Chance der Klimatransformation ergreifen

Entlang dieser 5 Dimensionen lässt sich die Klimawirkung eines Unternehmens realistisch abzeichnen und Stärken sowie Potenziale im Hinblick auf klimabezogene Chancen aufdecken. So können Unternehmen einen Überblick gewinnen und gezielte Maßnahmen für eine klimakompatible Unternehmensführung implementieren. Anstatt allein die CO2-Emissionen zu betrachten, sollte ein ganzheitlicher Ansatz es Unternehmen ermöglichen, klimarelevante Chancen wahrzunehmen und die Weichen auf eine klimakomapatible Zukunft zu stellen.

Dich interessiert, was Du gelesen hast und Du möchtest einen CLIMATE Readiness Check für Dein Unternehmen durchführen, um den nächsten Schritt hin zu einer erfolgreichen Klimatransformation zu gehen? Melde Dich gern bei uns und vereinbare ein persönliches Gespräch!

Beitragsbild: Unsplash

Recyclingprozesse verbessern, Emissionen einsparen

Felix Heinricy, Resourcify

Interviewpartner: Felix Heinricy ist COO und Co-Founder bei Resourcify. Das Unternehmen unterstützt dabei, Abfallmanagementprozesse und Recycling im Unternehmen mithilfe von digitaler Software zu optimieren und dabei Weg in Richtung Zero Waste zu ermöglichen.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Felix Heinricy darüber, was ein zukunftsorientiertes und klimarelevantes Geschäftsmodell für die eigene Klimawirkung bedeutet und wie Resourcify auch darüber hinaus die Klimatransformation vorantreibt.

Wir freuen uns, dass Resourcify als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Resourcify bietet Unternehmen eine Recycling-Plattform, mit der sie ihre täglichen Abläufe im Abfallmanagement digitalisieren können. Mit der Software sind sie in der Lage, ihre Recyclingprozesse einfach und transparent zu verwalten, zu verfolgen und zu verbessern. Gleichzeitig können sie ihren Verwaltungsaufwand senken und bis zu 30 % der Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Abfallwirtschaft einsparen. Damit unterstützen wir Unternehmen dabei, das Ziel Zero Waste und eine abfallfreie Zukunft zu erreichen. 

Tausende von Unternehmen – darunter die Hornbach Baumarkt AG, Syntegon Packaging Technology und das Universitätsklinikum Bonn – nutzen jeden Tag unsere preisgekrönte Recycling-Plattform und vertrauen auf unser Nachhaltigkeitskonzept als Best Practice, um ihre Recyclingprozesse zu verbessern und Abfälle zu reduzieren.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Die meisten denken dabei sofort an die energetische Dämmung von Gebäuden oder die Umstellung auf erneuerbare Energien. Dabei kann das Abfallmanagement ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu muss Unternehmen jedoch bewusst werden, welche Abfälle bei ihnen überhaupt anfallen und wie diese besser recycelt und wiederverwendet werden können. Denn viele Abfälle sind eigentlich Wertstoffe. Diese Transparenz wird erst mit digitalen Lösungen möglich.

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Mit unserer Software haben Unternehmen einen transparenten Einblick in ihr Abfallmanagement. Sie sehen, welche Abfälle wo anfallen, wie die Abfalltrennung funktioniert und wie sie ihre Verwertungswege optimieren können und ein besseres Recycling erreichen. Dadurch können sie viel einfacher als bisher Abfälle in Wertstoffe verwandeln, schneller ihre Recyclingziele erreichen und insgesamt nachhaltiger wirtschaften.

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Die Teilnahme beim CLIMATE Readiness Check war für uns sehr interessant, weil wir so erkennen konnten, wo wir in den verschiedenen Bereichen stehen. Ob beim Geschäftsmodell, beim Thema Unternehmensführung oder unserer eigenen CO2-Bilanz – wir sahen, wo unsere Stärken liegen und wo es Potenzial gibt, noch besser zu werden.

Welche wichtigsten Learnings nehmt ihr daraus mit?

Der Readiness Check hat uns bestätigt, dass Resourcify mit seinem nachhaltigen Geschäftsmodell einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Insbesondere unsere Abfallmanagement-Software, die Unternehmen dabei hilft, ihr Recycling radikal zu verbessern, hat eine starke klimarelevante Wirkung, da sie den Weg zu Zero Waste und hin zu einer Kreislaufwirtschaft unterstützt. Außerdem wurden wir bestärkt, eine Funktion zu entwickeln, die ermittelt, wie viel CO2 unsere Kunden mit unserer Software in den verschiedenen Abfallströmen einsparen.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

1. Transparenz: Sorgen Sie für konkrete und praktisch umsetzbare Erkenntnisse über alle Abfall- und Recyclingprozesse.

2. Nachhaltigkeit: Stellen Sie Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt Ihrer Unternehmensstrategie und stellen Sie Ihr Unternehmen so auf, dass es langfristig erfolgreich ist.

3. Recycling: Verbessern Sie die Recyclingquoten und damit die Umweltauswirkungen Ihres Unternehmens.

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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CO2-Reduktion durch Energiemanagement – Best Practices von enretec

Michael Blöcher

Interviewpartner: Michael Blöcher ist Leiter Qualitäts- und Umweltmanagement & Regulatory Affairs bei enretec, dem ökologischen Entsorgungsfachbetrieb für Medizinabfall. Das Unternehmen hat auf seinem Weg der Klimatransformation schon einiges erreichen können.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Michael Blöcher darüber, von welchen Best Practices für die Klimatransformation der Wirtschaft das Unternehmen profitiert hat und welche Schritte sie in Zukunft gehen werden, um als Klimavorreiter in der Branche auch andere Unternehmen zu inspirieren.

Wir freuen uns, gemeinsam mit enretec die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen?

Unser Unternehmen wurde im Jahre 2000 als Spezialist zur Entsorgung von Reststoffen aus Arztpraxen aus einer Vorgängergesellschaft ausgegründet. Es konnte seinerzeit auf Erfahrungen zurückgreifen, die seit 1984 in der Betreuung der Zahnärzteschaft bei der Entsorgung von Dentalabfällen kontinuierlich auf- und ausgebaut wurden. Die enretec GmbH versteht sich als vertrauensvoller Ansprechpartner unserer Kundinnen und Kunden in einem immer komplexer werdenden Umfeld. Wir betreiben in Brandenburg eine der modernsten Anlagen zur Lagerung, Behandlung und Verwertung medizinischer Reststoffe und Abfälle, die speziell auf die Anforderungen unseres Kerngeschäftes zugeschnitten sind. Wir sind seit 2002 ein Entsorgungsfachbetrieb und zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement) und DIN EN ISO 14001:2015 (Umweltmanagement). Seit 2005 sind wir als EMAS-zertifiziertes Unternehmen im EMAS-Register der IHK Potsdam eingetragen. Unsere über 30 Mitarbeiter:innen bedienen unsere Kund:innen in ganz Deutschland sowie dem angrenzenden Ausland.

Unsere enretec-Mission: Wir, die enretec GmbH, wollen als führender deutscher Entsorger im Bereich der Dental-, Human- und Tiermedizin gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden Maßstäbe bei der kund:innenfreundlichen und ökologischen Entsorgung gefährlicher und nicht-gefährlicher Abfälle setzen.

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Getrieben durch den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Rahmen unserer Zertifizierungen konnten wir in den letzten Jahren durch diverse Einzelmaßnahmen erhebliche Einsparungen bei allen ökologischen Parametern realisieren. Beispielsweise lagen im Jahr 2020 die absoluten CO2-Emissionen durch Gas , Strom- und Dieselverbrauch der enretec GmbH circa 53% unter dem Vergleichswert von 2015 und markierten gleichzeitig den absolut geringsten Wert seit Einführung der EMAS-Zertifizierung unseres Unternehmens im Jahr 2005. Für 2020 haben wir zudem erstmalig einen Treibhausgasbericht nach DIN EN ISO 14064 für das gesamte Unternehmen erstellt und diesen von einem unabhängigen Dienstleister verifizieren und zertifizieren lassen. Die ermittelten Treibhausgasemissionen wurden durch die Stilllegung von Emissionsminderungszertifikaten kompensiert, was wir zukünftig jährlich tun werden.

Hierbei zeigen sich auch schon die größten klimarelevanten Herausforderungen für unser Unternehmen: Wie können wir bei unserer Arbeit noch klimafreundlicher werden, und zwar direkt bei uns vor Ort und ohne Kompensation? Wie können wir zum Beispiel unsere Fahrzeugflotte in den kommenden Jahren so modernisieren, dass die nach wie vor nennenswerten Emissionen aus Treibstoffen bei der Abfallsammlung gar nicht mehr anfallen? Und wie können wir unsere Mitarbeiter:innen dabei unterstützen, die Treibhausgasemissionen bei den regelmäßigen Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz und zurück zu minimieren? Wie nehmen wir unsere Mitarbeiter:innen bestmöglich dabei mit, noch klimafreundlicher zu werden?

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Auch wenn wir schon eine Menge erreicht haben, sind wir sicher: Da geht noch mehr. Es gibt so viele spannende Entwicklungen gerade bei dem Megathema Klimaneutralität, da werden auch sehr gute Ansätze für unser Unternehmen dabei sein. Aber wo stehen wir eigentlich genau, was sind Best Practice Beispiele, an denen wir uns orientieren können und wie sollten wir diese priorisieren? Im Tagesgeschäft fehlen einem KMU die Ressourcen, um sich hier umfassend einzuarbeiten. Hier hat uns der CLIMATE Readiness Check auf eine sehr effiziente Art und Weise eine sehr gute Orientierung gegeben, die wir in unsere weitere Arbeit einfließen lassen wollen.

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Zwei wesentliche Learnings: Es gibt auch bei tollen Erfolgen in der Vergangenheit immer noch eine sehr große Anzahl an Möglichkeiten für die Zukunft. Und: Wir müssen das Potenzial unserer Mitarbeiter:innen auf dem weiteren Weg noch viel stärker nutzen.

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt?

Was wirklich jedes Unternehmen machen sollte, ist die Einführung eines Energiemanagements, ob nun zertifiziert oder nicht. Nach wie vor gibt es zum Beispiel auch in Deutschland große gewerbliche Stromverbraucher, die nur einen einzigen Zähler im Unternehmen haben, und zwar irgendwo an der Einfahrt zum Gelände an der Übergabestelle zum öffentlichen Netz. Wie soll Klimaschutz durch Reduktion des Stromverbrauchs unter diesen Umständen funktionieren?

Ansonsten stehen wir bei der Auswertung der diversen role models erst am Anfang, sodass wir hierzu noch keine Empfehlung für die eine oder den anderen abgeben wollen. Was aber auf jeden Fall Best Practice ist: Es ist genug über Klimaschutz geredet worden, lasst uns anfangen!

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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Klimarelevante Kommunikation – Unternehmen schaffen Transparenz

Deborah Iber

Interviewpartnerin: Deborah Iber verantwortet seit 2020 bei LifeVERDE die Bereiche Marketing und Kommunikation. Das LifeVERDE Magazin hat es sich zum Ziel gemacht, die Klimatransformation voranzutreiben, indem es grünen Unternehmen eine Plattform schafft und Konsument:innen damit innovative Produkte und Dienstleistungen verantwortungsbewusster Unternehmen leicht zugänglich macht.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE berichtet sie darüber, was Transparenz im Unternehmen und authentische Kommunikation nach außen für die Klimatransformation der Wirtschaft bedeutet. 

Welche Rolle spielt Kommunikation aus Deiner Sicht für die Klimatransformation?

Der Klimawandel und die Entwicklung unseres Planeten betrifft uns alle, egal ob Unternehmen oder Privatperson. Jede:r hat in irgendeiner Weise einen Einfluss darauf – durch seine/ihre Kauf-, Mobilitäts-, Verhaltensentscheidungen, etc. Um das unserer Gesellschaft weiterhin bewusst zu machen, aber auch, um Alternativen aufzuzeigen und Tipps an die Hand zu geben, braucht es die richtige Kommunikation. Schließlich sammeln wir unsere Infos täglich über soziale Medien, Nachrichtenseiten, Magazine & Co. Über die diversen Kommunikationskanäle können Themen, die den Klimaschutz betreffen, gezielt an verschiedene Personengruppen herangetragen werden und so im Idealfall zum Umdenken beitragen.

Inzwischen gibt es auch immer mehr Magazine, Social Media Kanäle oder Podcasts, die sich auf die Verbreitung von Nachhaltigkeitsthemen spezialisieren. Auch nachhaltige Unternehmen versuchen vermehrt, durch gezielte Kommunikation etwas zu bewegen, transparenter über ihre Wertschöpfungsketten zu berichten sowie Aufklärungsarbeit zu leisten.

Wie ist LifeVERDE entstanden und wie leistet ihr hierzu einen Beitrag?

Das LifeVERDE-Magazin in der jetzigen Form gibt es seit 2016, davor waren wir unter „umwelthauptstadt.de“ bekannt. Unsere Gründer Marcus und Romek haben umwelthauptstadt 2010 mit derselben Mission gegründet, die wir auch heute als LifeVERDE weiterverfolgen: Nachhaltigen Unternehmen eine Bühne zu bieten und Tipps für einen nachhaltigen Alltag zu verbreiten. 

In unserem Online-Magazin stellen wir nachhaltige Unternehmen und ihre Produkte vor, berichten über Neuheiten und geben Tipps, wie Nachhaltigkeit im Alltag integriert werden kann. Dabei decken wir möglichst viele Lebensbereiche ab, von Möbeln und Hausbau über Kosmetik und Lebensmittel bis zu Mode und Accessoires. Wir möchten damit den Zugang zu Informationen über grüne Alternativen & Co. erleichtern und einen transparenten Überblick schaffen. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen bei ihrer bewussten Konsumentscheidung zu unterstützen und für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Welche Akteure können sich auf LifeVERDE vorstellen?

Bei uns dürfen sich Unternehmen und Marken vorstellen, bei denen der Nachhaltigkeitsaspekt fest verankert ist – sprich, dass nicht nur die Fassade des Unternehmens grün leuchtet, sondern tatsächliche Bemühungen getan werden, um wirklich nachhaltige Alternativen anzubieten. Das können Unternehmen sein, die einer grünen Branche angehören (z. B. erneuerbare Energien oder Naturkosmetik) und solche, die ihre Produkte und Dienstleistungen auf eine umweltfreundliche und faire Art und Weise entwickeln, dabei bspw. natürliche Materialien verwenden, auf Ressourcenschonung achten, die Müllentstehung reduzieren, etc. 

Auf LifeVERDE findet man nicht nur die perfekten Vorbilder in Sachen Nachhaltigkeit, sondern auch viele Unternehmen, die ihrem Nachhaltigkeitsziel Schritt für Schritt näherkommen. Denn wir sind der Meinung, dass Nachhaltigkeit ein langer und sich stetig verändernder Prozess ist, der mit vielen Herausforderungen verbunden ist. Und auch diese möchten wir aufzeigen und kommunizieren.

Welche größten Herausforderungen siehst Du für Unternehmen bei ihrer klimarelevanten Kommunikation?

Eine große Herausforderung für die Kommunikation von Unternehmen stellt die Transparenzschaffung dar. Einerseits wünschen sich immer mehr Leute transparente Einsicht in den Herstellungsprozess von Unternehmen, die Arbeitsbedingungen, die verwendeten Materialien usw. Andererseits erfordert es viel Arbeitsaufwand für die Unternehmen, die Themen stets aktuell zu kommunizieren und ein weiteres Problem ist, dass viele Unternehmen ihre Insights wegen Wettbewerbern nicht preisgeben möchten. Auch ist es selbst den Herstellern nicht immer möglich, die Lieferkette genau zu verfolgen. Daher sollte bei allen Beteiligten des Prozesses unbedingt auf glaubwürdige Siegel und Zertifikate geachtet werden. Aber auch das ist nicht immer einfach, weil z. B. vor allem kleine Unternehmen nach umweltfreundlichen und fairen Richtlinien handeln, sich aber keine Zertifizierung leisten können. Dann ist es aber umso wichtiger, die Gegebenheiten auch so zu kommunizieren.

Eine weitere Schwierigkeit ist die Glaubwürdigkeit. Diese hängt sehr stark mit dem Grad der Transparenz zusammen. Je transparenter ein Unternehmen kommuniziert, desto glaubwürdiger erscheint es auch. Wichtig ist vor allem, dass der Auftritt nach außen authentisch und ehrlich ist, dass nicht nur alles „schöngeredet“ wird, sondern auch Herausforderungen und Hürden kommuniziert werden, die die Nachhaltigkeitsvorhaben erschweren. Das versuchen wir z. B. auch innerhalb unserer Interviews mit Unternehmen zu hinterfragen.

Die Menschen durch Kommunikation wirklich zu erreichen und zum Umdenken zu motivieren, ist wie ich finde eine der größten Herausforderungen. Natürlich wird das Bewusstsein für ein nachhaltiges Handeln allgemein immer größer. Trotzdem hängen die allermeisten Leute noch in „alten“ Mustern fest, die nicht immer sehr klimafreundlich, dafür aber gewohnt und vielleicht auch einfacher oder kostengünstiger sind. Für nachhaltige Unternehmen ist es nicht immer einfach, die Leute von ihrem nachhaltigen Produkt zu überzeugen und sie von ihren bisherigen Gewohnheiten „abzubringen“. Dabei möchten wir sie bspw. auch in unserem Magazin unterstützen.

Was sind die zwei Best Practices, die Du Unternehmen mit auf den Weg geben willst?

Das Mode-Unternehmen Salzwasser finde ich ein tolles Beispiel. Auf der Webseite findet man genaue Infos zur Produktionskette der Kleidung und den verwendeten Materialien. Außerdem wird sehr viel über die Folgen der herkömmlichen Textilindustrie aufgeklärt und eingestanden, dass auch das Unternehmen selbst dazugehört – aber aufgezeigt, wie es besser gemacht werden kann.

Das Unternehmen Matcha Karu fällt mir ebenfalls als Beispiel ein. Es wird auf der Seite genau beschrieben, welcher Matcha-Tee aus welcher Region stammt und wie der Verarbeitungsprozess abläuft. Außerdem wird darüber aufgeklärt, was die Bio-Qualität bedeutet und wie sie garantiert wird.

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Sustainable Procurement – a boost for climate transformation!

How can procurement help to stop the exploitation of nature and human beings? In our CHOICE Event #34, Thomas Udesen, Chief Procurement Officer at BAYER AG, elaborated on the opportunities and challenges in building sustainable and profitable procurement. Lara Obst, Co-Founder of THE CLIMATE CHOICE, additionally shared her insights on how improved collaboration between companies and suppliers can help to achieve this goal in practice. These are the key insights of their presentations.

Thomas Udesen’s insights

PEOPLE – PLANET – PROFIT 

We as humanity are overstepping the Planetary boundaries. Climate, Humanitarian and Geo-Political issues are manifesting itself and we need to make sure we are ready for these changes.

COVID-19 has been a wakeup call for most of us. 2020 represents a turning point in history. It was a year to reflect on ourselves and our business models. The economical impact it had across society caused many losses that we need to respect and learn from. It’s time for businesses to make a decision.

Sustainable procurement is built on three pillars: People, Planet and Profit. The environmental, social and economical dimension must be considered to ensure its integral approach. In this regard each company faces unique challenges they need to address accordingly. 

SHIFT TOWARDS IMPACT AND INNOVATION

Financial and Sustainability Targets are merging increasingly. Very few companies nowadays focus exclusively on Shareholder Value. We can see a shift away from that focus towards the aim of being a social innovator. How can that look in practice?

This challenge calls for integrated strategies. As we are making sure to enhance Corporate Sustainability, we also change how we communicate and how we drive our supply chain.

The majority of CO2 emissions originates externally. Reducing carbon emissions along the supply chain is a vital step towards integral sustainability, nevertheless it requires a long term commitment as well as the collaboration across and within industries. 

These are potential implications that might occur:

  1. Product Portfolios:
  1. Supply Chains:
  1. Business Relationships:

HELPING HANDS – Sustainable Procurement Pledge (SPP)

Sustainability means that we all must have to? collaborate. The good news is that there are some really clever people with great ideas out there. But often those ideas are not gonna make it to the market if they’re not being rewarded. We need to make sure that innovators are funded. We need to change our buying and make sure discussions are being held in broader forums.

There is an african proverb that says: “If you wanna go fast, go alone. If you wanna go far, go together.” It is time to take a stand. 

BAYER is part of a diverse and engaged Ambassador community, the Sustainable Procurement Pledge (SPP), with procurement leaders and practitioners from leading corporates, SME’s and from across different industries, academia and governments.

Their strategy of impact is building on Ambassador feedback and focuses on closing these gaps: Knowledge Gap (SPP Ambassadors don’t know where or how to start in a structured way), Support Gap (SPP Ambassadors are seeking some personal guidance and support), Leadership Gap (SPP Ambassadors report a lack of engagement and mandate from their management), Confidence Gap (SPP Ambassadors are concerned about failing or causing damage). The aim is to empower and equip and to encourage leadership.

The SPP is growing rapidly and is impacting real decisions. So far 73% of the ambassadors confirm the SPP has positively influenced decisions

In his closing statement, Thomas Udesen referred to the saying: With great power comes great responsibility. Procurement is not just a job, but a great chance to actually make a change towards integral sustainability. 

Lara Obst’s insights

OUR OBLIGATION TO ACT NOW

The transition to a low-carbon economy is underway and accelerating globally. It’s now expected that organizations set climate targets that align with the latest climate science and drive action on ambitious emission reduction initiatives. Climate transformation is therefore an existential challenge. It requires us to look beyond competition and come together to cultivate collaboration across all sectors and professions. 

Luckily there are already initiatives such as SPP working together to build more equitable, resilient supply chains. These climate commitments need to be met through absolute CO2 reductions and from a large portion of the company’s suppliers achieving their own successful climate transformation. As most emissions are created upstream, so-called „supply-chain emissions“ are often purchased in the course of manufacturing products or services that the company buys.

Companies that already set science based climate targets are facing the challenge of engaging a large number of suppliers to commit to their goals within a relatively short time frame of typically five years. This creates the need to provide suppliers with tools and resources to develop their own climate action plans. 

A comprehensive, systematic approach to supplier relationship management is therefore essential to fast-track progress on absolute emission reductions and supplier engagement goals. Whereas working in silos creates inefficiencies and duplicates efforts, supplier engagement and capacity building are essential for corporate and supply chain decarbonisation.  

HOW DOES SUPPLIER ENGAGEMENT LOOK LIKE?

We explore the essential steps of a continuous journey that starts with strategy, the Corporate Climate Target Setting. The second step is to establish a scalable supplier management program. The third step focuses on the supplier engagement – and is up until today mostly carried out by data collection. The fourth and final step includes value creation and capturing. Here the measured results are reported, actions are implemented and outcomes analyzed?.

Supplier engagement goes way beyond data collection. So far the term is often understood as the process of simply requesting climate related ESG-data from suppliers. However, true “engagement” requires much more involvement. It includes the three steps: Data collection, analysis and decarbonisation. Each step is an own elaborated phase that needs to be acknowledged in order to successfully carry out the overall process. 

Prior to data collection, businesses need to inform and prepare suppliers for an upcoming assessment. Next, the actual data is collected from suppliers on relevant climate ESG topics. Using a single platform for data collection and asking standardized questions are two very important points. This ensures that all information is centralized and that supplier data is formatted in a way that is easily referenceable year over year, for both buying companies and suppliers.

In the third phase the data collected gets analyzed in order to uncover climate relevant hotspots in the supply chain. This third and final phase is the most important and is often where companies struggle. This phase involves driving tangible improvement with suppliers, often through co-creation of action plans, capacity building, training programs, incentives, and more. 

A CONTINUOUS PROCESS

To conclude: supplier engagement is an iterative, continuous, and collaborative process, not something you do once every few years. We therefore note that it builds on high quality supplier data, but most important is its actionable usage for decarbonisation efforts. Hence, the following questions arise: How do we collect supplier data collaboratively? And what do we do with it in order to actually improve climate impact? 

The study “Net Zero Challenge” from BCG & World Economic forum says that supply chain decarbonisation is the game changer for corporate climate action. However, it also highlights various challenges: Data collection is often a one-way street, where suppliers are being asked to provide complex data without getting much in return. If companies want to see real improvements on their goals, suppliers must be willing to participate. To do this, the preparation and support of suppliers during each phase of the supplier engagement process is not enough, but the real value should be apparent for them. In other words, just like any good relationship, it has to be a two-way street.

TRUST AND TRANSPARENCY

To build these relationships, your suppliers need to trust the data collection process. Today suppliers often do not know what is done with their data, and fear that if they answer “incorrectly,” they will lose their contract. Transparency is crucial in this regard. Be sure to explain how their data will be used, emphasizing that their responses will be the foundation for future collaboration and that there will be no punishment for “wrong” answers.

You then should also clearly communicate what incentives are in place for them to improve. One way to do this is to simply share back your assessment results so your suppliers know where they stand. This is a great way to start a dialogue with your suppliers on what support they may need.  

Honor that suppliers are often at different stages of their climate journeys. Some may already have set climate targets, reduction efforts and methods to engage their own suppliers on topics like greenhouse gas emissions whereas others may not know how or even why they should start. Supplier engagement strategies should therefore be segmented by supplier climate maturity, product category, or key impact areas. 

Most important of all: provide value for suppliers and communicate clear benefits of your supplier engagement program. Typically supplier gain from a collaborative participation in a supply chain decarbonisation program in multiple ways: 

  1. It drives innovation and transforms business practices
  2. It enables suppliers to Benchmark & increases their competitiveness
  3. It builds credibility and reputation
  4. It ensures their own supply chain resilience
  5. Last but not least, it demonstrates climate commitments to consumers

To conclude: Supply chain engagement programs need to be built on meaningful, collaborative relationships that provide impactful benefits for suppliers.

HOW WE HELP

That is what we are working on at The Climate Choice with our Climate Data SaaS platform. We provide companies a systematic and collaborative way for the collection of climate relevant supplier data for decarbonisation actions.

Customers use our data driven software platform to either engage their own supply chain and share relevant insights with their suppliers or to assess their own climate maturity compared to market averages.

Our platform therefore offers an „Out of the box“ supplier engagement program that is aligned to international climate standards and regulations and can be adapted to company specific needs. The process is thereby designed along the 3 steps of supplier engagement

  1. Data collection
  2. Analysis & Value creation
  3. Decarbonisation actions & monitoring

In the first phase, the supplier’s climate performance is evaluated using an actionable assessment framework that covers 5 dimensions. From governance to labor & human rights, environment, broader sustainability and specific climate areas.

In the second phase, the analysis,suppliers receive based on their performance an individual CLIMATE Scorecard that can be shared with multiple customers. On top they receive insights on how to improve their climate performance score, which decarbonisation actions fit their potentials and how they benchmark to others. This way the program provides mutual value and a direct approach to impactful climate action management. Finally: the platform provides guidance to buyers, helping them monitor supplier climate performance, decarbonisation actions along the supply chain and decrease potential climate risks.

TO CONCLUDE

COVID-19 showed us that there is vulnerability in supply chains that can affect the company tremendously. It is necessary for organizations to choose who to do business with. The commitment to a sustainable journey is becoming a vital criteria in regards to that. Being prepared to address the complexities requires a different type of conversation, based on trust, not pride, and the establishment of long term relationships. 

Sustainable Procurement can be a key lever for global climate transformation. It is on us to take chances, honor our responsibilities and use our privilege to contribute to the necessary decarbonisation. Collaboration across industries and continents can drive this mission forward. Let’s learn from each other, with each other and most importantly: Let’s act now! 

Make your company a CLIMATE Champion! Contact us now to arrange a free consultation.

Klimareport THE CLIMATE CHOICE – Unsere Klimaleistung 2021

Im Jahr 2021 haben viele Unternehmen die Chance der Klimatransformation ergriffen, sich Klimaziele gesetzt und diese mit konkreten Dekarbonisierungsmaßnahmen in Angriff genommen. THE CLIMATE CHOICE unterstützt Unternehmen dabei, ein CLIMATE Champion zu werden, entlang der gesamten Lieferkette Emissionen zu reduzieren und so ihre Klimaleistung zu verbessern.

Transparente Berichterstattung spielt dabei eine große Rolle und macht einen entscheidenden Teil der unternehmerischen Verantwortung aus. Es ist uns wichtig, auch als Startup kritisch zu reflektieren und die eigene Klimaleistung zu analysieren und stetig zu verbessern.

Nachhaltigkeitsziele und Mission 

Die Mission von THE CLIMATE CHOICE ist es, jedem Unternehmen die Klimatransformation einfach und unkompliziert zugänglich zu machen. Mit unserem Software-Tool möchten wir es Unternehmen ermöglichen, bis 2030 rund 50 % der Emissionen in der Lieferkette zu reduzieren. Darüber hinaus wollen wir auch durch unsere eigenen Unternehmenstätigkeiten dazu beitragen, das 1,5 °C-Ziel umzusetzen. Unsere gesamte Unternehmenstätigkeit und unser wirtschaftliches Handeln liegt diesem Ziel zugrunde, um die Wirtschaft zu transformieren und eine regenerative Zukunft zu schaffen.

Unsere Klimaleistung entlang 5 Dimensionen – Eine Status-Quo-Analyse

Entlang der 5 Dimensionen unseres CLIMATE Readiness Checks, unserem branchenunabhängigen Klima-Rating, haben wir unsere Klimaleistung für das Jahr 2021 analysiert. Eine umfassende Analyse geht dabei über die CO2-Bilanz hinaus und bezieht mit ein, in welcher Intensität und Schnelligkeit Klimaziele durch konkrete Maßnahmen und ein wirksames Klimamanagement umgesetzt werden. Dadurch können wir unser unternehmerisches Handeln nachvollziehen. Daraus ergeben sich konkrete Stärken und Potenziale, welche wir künftig als Grundlage für klimarelevante Entscheidungen nutzen können.

Climate Readiness Check The Climate Choice 2021
Climate Readiness Check The Climate Choice 2021

1. Wirkungsmodell

Mit unserem CLIMATE Readiness Check als auch mit der CLIMATE Data Plattform unterstützen wir Unternehmen dabei, die eigene Klimaleistung sowie den Klimareifegrad ihrer Lieferanten zu analysieren. Denn bis zu 90 % der Emissionen im Unternehmen entstehen in der Lieferkette durch eingekaufte Produkte oder Dienstleistungen. Daher unterstützen wir dabei, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Lieferanten zu stärken und die Einkaufspraxis klimakompatibel zu gestalten. Um fachübergreifenden Austausch zu fördern, organisieren wir regelmäßige CHOICE Events, in denen Expert:innen online zu relevanten Themen rund um die Lieferkettendekarbonisierung sprechen und nutzen unser CLIMATE Magazin als Medium für Wissenstransfer. Den CLIMATE Transformation Summit, welcher seit 2020 bereits zwei Mal stattfand, schafft eine Bühne für breitgefächerte Debatten und Austausch. Wir organisieren den Summit, um branchenübergreifende Zusammenarbeit zu stärken und knowledge-sharing zu ermöglichen. Somit tragen wir mit unserem Geschäftsmodell unmittelbar zu den UN Sustainable Development Goals 13 „Climate Action“ und 17 „Partnerships to achieve the Goals“ bei. Dass wir als Unternehmen u. a. Teil von B.A.U.M. e.V., einem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften und der Initiative „Leaders for Climate Action“ sind, hilft uns dabei, unser eigenes Geschäftsmodell stetig kritisch zu hinterfragen und die Wirkung eigener Maßnahmen durch kooperativen Austausch zu vervielfältigen.  

2. Klimamangement

Das Klimamanagement eines Unternehmens ist relevant, um Klimaziele zu erreichen und den Anforderungen von Seiten der Politik und Kund:innen entsprechend zu handeln. Wir profitieren von klaren Verantwortlichkeiten, Lara Obst als Chief Climate Officer und Theresa Wenning als Climate Performance Analyst. Sie sind speziell für die Identifizierung und das Management klimarelevanter Themenbereiche zuständig. So können wir klimabezogene Chancen und Risiken insbesondere bezüglich finanzieller und strategischer Auswirkungen analysieren und transparent offenlegen.

3. Klimaeinfluss

Die Dimension Klimaeinfluss konzentriert sich auf zentrale Kennzahlen und Ziele der Klimatransformation von Unternehmen, um die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft zu analysieren. Die wichtigste Kennzahl ist dabei der Carbon Footprint des Unternehmens, d.h. die Bilanz der errechneten CO2-Emissionen. 

Unsere CO2-Emissionen für das Jahr 2021 belaufen sich auf insgesamt 4,05 Tonnen. Letztes Jahr betrugen unsere Emissionen 7,7 Tonnen. Der Unterschied erklärt sich zum einen durch die Verwendung eines anderen Softwaretools und zum anderen durch die Verwendung von Durchschnittswerten im letzten Jahr. Unser Corporate Carbon Footprint wird derzeit noch von unserem externen Partner myclimate validiert. Inbegriffen sind hier Emissionen aus Scope 1-3. Somit nicht nur die Emissionen der eigenen unternehmerischen Handlungen, sondern auch die, welche entlang der gesamten Lieferkette entstanden sind. 

4. Transparenz

Durch regelmäßigen Austausch mit unserem Advisory Board und den Netzwerken (B.A.U.M. e.v. und BNW) beziehen wir externe Stakeholder:innen in die klimabezogene Strategie, Politik und Leistung ein und schaffen somit ein wirksames Stakeholdermanagement. In wöchentlichen Demo-Meetings gewährleisten wir auch die interne Kommunikation klimarelevanter Themen im Team. Aktuell sind wir in Zusammenarbeit mit dem gesamten Team dabei, einen Verhaltenskodex zu entwickeln, der verantwortungsvolles Handeln in Bezug auf Menschen- und Arbeitsrechte sowie Richtlinien für Nachhaltigkeitsakitvitäten im Unternehmen umfasst.

5. Ökologisches Handeln

Für unsere Plattform nutzen wir 100 % klimaneutrale Webhosting- und Cloud-Dienste. Darüber hinaus ist unsere Software nach höchsten Sicherheitsstandards von einem 100 % durch Windenergie betriebenen Rechenzentrum in Deutschland gehostet und DSGVO- sowie BDSG-konform und ISO/IEC 27001 zertifiziert. Außerdem nutzen wir mit GLS einen nachhaltigen Bankanbieter, der nachhaltige Unternehmen finanziert und u. a. Projekte, wie Windkraftanlagen und die ökologische Landwirtschaft unterstützt. Durch die Nutzung von refurbished Hardware, tragen alle Mitarbeiter:innen im Arbeitsalltag zu einer geringeren Emissionserzeugung bei. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen gemeinsam mit MOBIKO durch flexible Mobilitätsbudgets für Mitarbeiter:innen eine CO2-arme Fortbewegung.

Auch während des CLIMATE Transformation Summit im Juni 2021, der 100 % online rund 600 Teilnehmer:innen mit Klimaexpert:innen und Lösungsanbieter:innen vernetzte, konnten im Vergleich zu einem Offline-Event deutlich Emissionen eingespart werden. Gemeinsam mit unserem Partner Fokus Zukunft GmbH & Co. KG  haben wir 4t CO2-Ausstoß berechnet, welche durch Zoom, YouTube-Übertragung, die Nutzung von Slack und Gather-Town sowie die Anreise zweier Teammitglieder mit der Bahn entstanden ist. Durch ein Goldstandard Windkraftprojekt in der Türkei  haben wir das Doppelte der entstandenen Emissionen ausgeglichen.

Die Klimatransformation im Jahr 2022

Gemeinsam Klimaziele umsetzen – das ist das Motto für das kommende Jahr 2022. Unsere Learnings aus dem CLIMATE Readiness Check helfen uns dabei, die Klimatransformation im eigenen Unternehmen voranzutreiben und den Fokus im kommenden Jahr auf das zu legen, was bisher noch untergegangen ist. Wir haben erkannt, dass es nicht ausreicht, ein klimafreundliches Produkt oder Service anzubieten,. Jedes Unternehmen muss bei sich ansetzen, die gesamte Unternehmens-DNA klimafreundlich gestalten und Nachhaltigkeit als Kernbereich der Unternehmensführung priorisieren. Der wichtigste Trend dafür wird im kommenden Jahr die Lieferkettendekarbonisierung sein – Klimarelevante Einkaufsentscheidungen sind das, was zählt! Lasst uns dies in 2022 umsetzen und die Chancen der Klimatransformation nutzen, indem wir in branchenübergreifender Kooperation gemeinsam konkret Maßnahmen erarbeiten und entlang der gesamten Lieferkette Klimaziele umsetzen.

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Unicorn Workspaces – Klimarelevant gestalten und Emissionen einsparen

Benjamin Nick, Unicorn Workspaces

Interviewpartner: Benjamin Nick ist seit 2017 als CSMO und Head of Event bei Unicorn Workspaces tätig. Er hat mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Start-up-Szene als Manager für digitales Marketing – und als Mitbegründer (50Hours und Soulfurniture).

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE berichtet er darüber, wie Unicorn Spaces seinen klimarelevanten Herausforderungen begegnet und welche Best-Practices das Unternehmen auf seiner Reise der Klimatransformation mithilfe des CLIMATE Readiness Checks identifizieren konnte.

Wir freuen uns, gemeinsam mit Unicorn die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen? 

Wir sind Unicorn Workspaces! In unseren privaten Team-Büros fühlen sich kleine bis große Teams wohl, können gesund wachsen und kriegen echten Service zum fairsten Preis. Ohne Schnickschnack – das ist unsere Vision, die wir täglich anstreben. In allen Unicorn Workspaces erwartet euch der Rundumservice samt eigenen Barista. Doch neben perfektem Milchschaum und kräftigem Bio-Espresso aus italienischen Siebträgermaschinen bieten unsere Barista mehr: Sie kümmern sich um alle Belange der Nutzer:innen und helfen bei der Einrichtung von Druckern, nehmen Post an, helfen bei Problemen und haben stets die richtige Antwort parat. Der Zugang zum Space und den Meetingräumen erfolgt mit Hilfe der Unicorn Workspace App für Android und iOS, kann aber auch über Schlüsselkarten gelöst werden. 

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Die klimarelevanten Herausforderungen, die wir im Alltag sehen und spüren, sind definitiv die Lieferketten- und Dienstleistungen, die durch uns und unsere Nutzer:innen täglich in Anspruch genommen werden. Hier achten wir bei Unicorn Workspaces gezielt darauf, Einkäufe von Produkten zu tätigen, die nicht nur regional, fair und bio sind, sondern auch auf die Verpackungen und Liefermöglichkeiten unserer Produkten. Wir lassen lieber in Großpackungen liefern und versuchen immer vorrätig und vorausschauend zu bestellen. Eine weitere Herausforderung sehen wir definitiv bei der Mülltrennung und Entsorgung in den einzelnen Workspaces. Da wir in den meisten Workspaces abhängig von den Eigentümern der Flächen sind, sind wir oft verpflichtet, uns deren Müllentsorgungsprozessen anpassen. Hier sind wir aber dabei, nachhaltige Prozesse zu gestalten. In den Workspaces, in denen wir selber Single Tenant sind, wie in unserem Neuköllner Village und Potsdamer Haus am Platz, achten wir gezielt darauf, dass unser Müll nicht nur getrennt, sondern auch ordnungsgemäß entsorgt wird. 

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei? 

Unsere Motivation lag bei unserer Selbsteinschätzung. Fragen wie: “Wo stehen wir als Unternehmen? Was sind unsere Ziele? Wie ist der Blick von außen?”, beschäftigt uns bei Unicorn Workspaces häufig. Da merken wir natürlich, wie viele Nutzer:innen sich für den Klimawandel interessieren und engagieren. Dieses Interesse teilen wir auch und möchten uns auch in die Richtung mehr einsetzen, um attraktiver für unsere Nutzer:innen dazustehen. Unicorn Workspaces ist ein Scale Up, das von Investor:innen abhängig ist. Wir möchten weiter aufsteigen, mit unseren Leistungen stets besser werden und unser Angebot fortlaufend vergrößern und klimarelevant gestalten. Investor:innen suchen gezielt nach Unternehmen die nachhaltig bewusst sind und die sich in die Richtung auch weiterentwickeln wollen. 

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Wir haben durch den CLIMATE Readiness Check jetzt erkennen können, wo wir Potenzial haben und in welchen Bereichen wir Prioritäten setzen sollten. Dadurch können wir mit kleinen und schnellen Wins, Großes bewirken, um schließlich auch langfristige Maßnahmen anzustreben. Zum einen möchten wir gerne von einem externen dritten Anbieter unsere CO₂-Bilanz, wie auch eine Impact-Analyse durchführen lassen. Zum anderen möchten wir auch langfristig im Unternehmen unsere Klimastrategie verbesserm und suchen dafür eine:n verantwortliche:n Klimabeauftragte:n für den Bereich Klimaschutz, wie auch kontinuierliche Weiterbildungen der Führungsebene ermöglichen. Das hilft uns dabei, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, in der wir kurze-, mittel- und langfristige Klimaziele für uns als Unternehmen definieren und Erfolge somit messbar werden.

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt? 

Unser größter Nachhaltigkeits-Impact ist wahrscheinlich, dass wir die Langlebigkeit von Gebäuden und Flächen von Büros deutlich erhöhen. Das würden wir gerne anderen Organisationen mit auf dem Weg geben. Große Büros, die nur teils genutzt werden sind weder für die Flächen, noch für die Nutzer:innen nachhaltig. Unter anderem möchten wir gerne unser Angebot von kurzen Verträgen und eine gute Preis-leistung Strategie weiterentwickeln, um mehr Aufmerksamkeit zu schaffen, damit mehr kleine Unternehmen, Start-Ups und gemeinnützige Unternehmen die Möglichkeit auf ein Teambüro haben. 

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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Klimatransformation des Gesundheitswesens – „Es ist mehr möglich!“

Markus Mord, Geschäftsführer Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH

Interviewpartner: Markus Mord, Geschäftsführer der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH (zugehörig u. a. Marienhospital Stuttgart) setzt den Fokus auf Nachhaltigkeit und strebt eine Vorreiterrolle im Bereich Klimaschutz an.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE berichtet er über die steigende Relevanz von Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen und erklärt, wie das Marienhospital mithilfe gezielter Maßnahmen eine nachhaltige Unternehmensführung angeht.

Wir freuen uns, gemeinsam mit dem Marienhospital Stuttgart die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen?

Wir – das ist das Marienhospital Stuttgart, ein christliches Krankenhaus der Zentralversorgung. Mit 761 Betten zählt es zu den größten Kliniken Stuttgarts. Es beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber im Stuttgarter Süden. „Medizin leben. Mensch sein“ ist unser Leitmotiv für fachliche wie auch menschliche Spitzenmedizin. Dazu gehört für uns auch, dass wir einen Beitrag  für die Bewahrung unserer Lebenswelt leisten und uns für den Nachhaltigkeitsgedanken im Sinne einer ökologischen und sozialen Zukunftssicherung für Kinder, Enkel, Urgroßenkel und Ur-Ur-Urgroßenkel einsetzen.

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Bekanntermaßen leidet das Gesundheitswesen und insbesondere die Krankenhäuser unter einem großen Kosten- und Effizienzdruck. Nachhaltigkeits- bzw. Umweltschutzmaßnahmen eilen oft das Vorurteil „teuer“ voraus und eine Umsetzung wird allein dadurch bereits in den Köpfen ausgeschlossen. Diese Denkweise wollen wir durchbrechen und wir sind der Überzeugung: Es ist mehr möglich, als man auf den ersten Blick vermutet! 

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Bislang war bei uns im Marienhospital das Thema „Nachhaltigkeit“ ein eher untergeordnetes Thema mit vereinzelten Aktivitäten in verschiedenen Bereichen durch unterschiedliche Akteure. Durch den CLIMATE Readiness Check haben wir nun ein  ganzheitliches Bild bekommen und können dadurch gezielte und konkrete Maßnahmen für eine Transformation hin zu einem nachhaltigen Unternehmen angehen.

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Machbare und konkrete Ziele Schritt um Schritt angehen. Das große Thema „Nachhaltigkeit“ kann manchmal auf den ersten Blick überwältigen. Aber durch das Herunterbrechen auf Zwischenziele und „Quick Wins“ wird die Komplexität handhabbar und motiviert für die nächsten Schritte. 

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt?

Nachhaltigkeit ist kein kurzfristiges Phänomen: Wer sich bislang noch nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat, sollte jetzt damit beginnen. Der Transformationsprozess läuft – und ist kein kurzlebiger Trend. Es ist abzusehen, dass Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, zukünftig im Vorteil sein werden. Gut, wer dann schon auf dem Weg ist und nicht noch danach sucht.

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CO2-Reduktion durch Circular Economy – Die Wirtschaft gemeinsam neu denken

Ressourcen und Wertstoffe sind endlich – das ist uns allen schon lange bewusst. Dennoch hat die globale Wirtschaft heute extreme Formen von Produktion und Konsum entwickelt. Konventionelle Geschäftsmodelle sind nicht auf Ressourcenknappheit ausgelegt und somit nicht zukunftsfähig, wenn die Erde ein bewohnbarer Ort bleiben soll. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, durch ihr Handeln eine Transformation im Interesse des Klimas und der Gesellschaft zu unterstützen.

Circular Economy als Rahmen für verantwortungsbewusstes Wirtschaften

Ein zirkuläres Geschäftsmodell zielt darauf ab, Roh- und Werkstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten und damit den Lebensweg eines Produktes ressourceneffizient, umweltfreundlich und kostengünstig zu gestalten. Die Produktion erfordert grundlegendes Umdenken, insbesondere im Bereich des Produktdesigns, aber auch in allen anderen Phasen des Produktlebenszyklus. Schließlich geht das Konzept der zirkulären Wertschöpfung weit über Recycling hinaus, denn bereits verwendete Ressourcen werden nicht als Abfall, sondern als Ausgangspunkt für neue Werkstoffe oder Produkte betrachtet. 

Auf diese Weise lassen sich Umweltbelastungen, wie die Zerstörung der Ökosysteme und der Verlust der Biodiversität sowie Schadstoffeinträge in Boden, Luft und Wasser vermindern. Eine Circular Economy ermöglicht, innerhalb der planetarischen Grenzen zu wirtschaften, die begrenzten Rohstoffe effizient zu nutzen und wenig bis keinen Abfall zu produzieren. Jährlich kann durch eine Circular Economy in Deutschland von einem erheblichen Rückgang von Primärrohstoffen ausgegangen werden:

CO2-Einsparung durch zirkuläre Prozesse 

2019 machte der Anteil von wiedergewonnen Ressourcen bei Produktionsmaterialien in Deutschland nur rund 10 % aus. Die Substitution importierter durch recycelter Rohstoffe hinterlässt jedoch einen weitaus kleineren ökologischen Fußabdruck als durch herkömmliche Produktionsweisen. Laut einer Studie vom BDI ermöglicht eine Circular Economy in Deutschland eine Reduktion von 5,5 Millionen Tonnen CO2. Während durch Aufbereitungsprozesse und Recycling von sekundären Rohstoffen in Deutschland rund 9 Mio Tonnen zusätzliche CO2-Emissionen entstehen, werden rund 14,5 Mio Tonnen CO2-Emissionen eingespart, die durch Importe von Rohstoffen wegfallen. Auf globaler Ebene stehen laut dem Circularity Gap Report 2021 70 % der weltweiten Treibhausgasemissionen in direktem Zusammenhang mit Gewinnung, Transport, Verarbeitung und Nutzung von Materialien. Wenn das klassische, lineare Wirtschaftsmodell durch zirkuläre Prozesse ersetzt würde, entstehe laut der gleichen Studie das Potenzial, die globalen Treibhausgasemissionen um 39% und den Verbrauch von Rohstoffen um 28% zu senken.

Doch wo können wir ansetzen, um Geschäftsmodelle zirkulär und ressourcenschonend zu gestalten? Im Folgenden finden sich die 7 Stufen einer Circular Economy, welche den gesamten Lebenszyklus von Rohstoffen und Produkten in den Blick nehmen.

7 Stufen der Circular Economy 

  1. Rohstoffeinsatz – möglichst geringer Einsatz von Primärrohstoffen durch das Ersetzen mit sekundären Rohstoffen und dem Einsatz von biogenen Rohstoffen und erneuerbaren Energien
  2. Produktdesign – Langlebigkeit steigern, indem Wiederaufbereitung der Produkte und Reparierbarkeit beim Design bedacht werden (z. B. Produkte mit leicht austauschbaren Akkus, etc.)
  3. Herstellung und Distribution – Optimierung der Material- und Energieeffizienz bei Herstellung, Lagerung und Transport (z. B. Mehrwegverpackungen, optimierte Distributionslogistik, etc.)
  4. Nutzung – Fokus auf längere und häufigere Nutzung der Produkte (z. B. Car-Sharing, etc.)
  5. Sammlung – Sortierung und Zuführung einer stofflichen Wiederverwendung (z. B. Textilrecycling, Recycling von PET-Flaschen, etc.)
  6. Weiter- und Wiederverwendung – Wiedereinspeisung in Wirtschaftskreislauf (z. B. Einschmelzung von gemischten Kunststoffabfällen zu neuen Kunststoffrohstoffen, etc.)
  7. Stoffverluste – Ausschleusen von Reststoffen, deren Recycling technisch nicht möglich oder ökonomisch nicht sinnvoll ist 

Fazit: Eine Circular Economy birgt großes Potenzial, globale Emissionen zu reduzieren und die Klimatransformation voranzutreiben. Sie ermöglicht es, die Wirtschaft neu zu denken und bildet die Grundlage dafür, in Einklang mit Umwelt und Klima zu wirtschaften. Unternehmen und Startups können heute beginnen, in Zusammenarbeit mit Lieferanten und Stakeholder:innen, Herstellungsprozesse zu optimieren und mit innovativen Produktdesigns nicht nur die eigene Klimawirkung zu verbessern, sondern auch einen Beitrag zur Transformation hin zu einer klimakompatiblen und kreislauffähigen Wirtschaft zu leisten. 

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

2022 – Herausforderungen der Dekarbonisierung meistern und Chancen der Klimatransformation nutzen!

Zur Jahreswende finden wir uns tief in den ersten Wehen der Klimatransformation wieder. Nachdem das Jahrzehnt genauso bedeutungsschwer wie radikal transformierend angefangen hat, verstärkte 2021 die zunächst zaghaften Veränderungen um ein Vielfaches. Ein Weg zurück ist ausgeschlossen. Das „New Normal“ bringt ein neues Klima-Risikobewusstsein für die 2020er mit sich, dass auf der einen Seite ganzheitliche Verantwortung bis in die Lieferkette hinein fordert und auf der anderen Seite grundlegende Transparenz fördert. Klimaversprechen allein reichen nicht mehr, vielmehr geht der Trend in Richtung: Datengetriebene Dekarbonisierung. Was heißt das für Unternehmen im nächsten Jahr genau? Hier eine Übersicht über die Herausforderungen und Chancen der Klimatransformation im Jahr 2022. 

Klimarisiko als stärkste Existensbedrohung erkennen 

Unternehmen stehen 2022 einem nie dagewesenen Klimarisiko gegenüber. Drastisch steigende CO2Preise, Reporting-Standards und Kundenanforderungen führen schon bei Betrieben mit wenigen hundert Mitarbeiter:innen zu unkalkulierbaren CO2-Kosten in Millionenhöhe, einem enormen Administrationsaufwand und Auftragsverlusten von gerade jenen einkaufsstärksten Kund:innen. Kurz: Die Existenzgrundlage einer Vielzahl an Unternehmen ist auf kurz oder lang bedroht. Nichtsdestotrotz bietet gerade dieser allumfassende Neuanfang die Chance in der neuen „Low carbon economy“ als Klimapionier durchzustarten. 

Dabei gilt es die folgenden drei Herausforderung zu meistern und Chancen zu nutzen.

3 Herausforderung der Dekarbonisierung

  1. Intransparente Klimadaten 
  2. Ungenaue Kosten- und Risikokalkulation 
  3. Unzureichende Erfüllung steigender Anforderungen

3 Chancen der Klimatransformation

  1. Transparente Klimadaten 
  2. Kollaboratives Lieferketten-Engagement 
  3. Klimaroadmap zur Dekarbonisierung 

Herausforderung: Intransparente Klimadaten steigern das Klimarisiko 

Zur Einschätzung des eigenen Klimarisikos spielt die eigene Lieferkette eine elementare Rolle. Hier entstehen typischerweise mehr als 90 % der Emissionen eines Unternehmens, die durch Produkte und Services eingekauft werden. Der exakte CO2-Fußabdruck kann also nur durch Daten aus der Wertschöpfungskette ermittelt und nur durch ihre aktive Mithilfe reduziert werden. Die Größe der Herausforderung ist dabei klar: Wertschöpfungsketten sind komplex und bestehen mitunter aus Tausenden klein und mittelständischen Unternehmen, die nur begrenzte Möglichkeiten haben, ihr Klimamanagement grundlegend zu strukturieren. Stand heute ist daher die notwendige Granularität der Klimainformationen aus der eigenen Lieferkette nicht gegeben, sodass mit Durchschnittswerten und rückwärtsgerichteten Metriken versucht wird, das eigene Risiko detailliert und zukunftsorientiert zu managen. Dass dies nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Kundenanforderungen bleiben unerfüllt und Reporting-Standards können nicht eingehalten werden, sodass Kosten steigen und Transformationsanforderungen weiter in die Zukunft verlagert werden. 

Chance: Die ganzheitliche Klimaleistung managen und langfristig wirtschaften 

Um die klimarelevanten Informationen und Anforderungen erfüllen zu können, müssen Unternehmen heute eine aktive Rolle in der Klimatransformation übernehmen. Als Konsequenz heißt das, dass sie nicht nur die Verpflichtung eingehen ihre eigenen Emissionen zu reduzieren, sondern auch die ihrer Wertschöpfungskette. Das Sammeln und Bereitstellen von transparenten, klimarelevanten Informationen und CO2-Daten entlang der Lieferkette ist daher heute die entscheidende Grundlage, um gemeinsam wirksame Dekarbonisierungsmaßnahmen umzusetzen und langfristig Kosten und Risiken zu reduzieren. Klimadaten müssen dabei granular und ganzheitlich erfasst werden, sodass Aussagen über zukünftige CO2-Reduktion möglich sind und Risiken langfristig managebar werden. 

Klimatransformation erfolgreich umsetzen

Nach den ersten zwei Jahren des entscheidenden Jahrzehnts der Klimatransformation stehen alle Zeichen auf Dekarbonisierung. Unternehmen müssen ihrer Rolle gerecht werden und nachweisen, wie und wann sie Emissionen reduzieren. Die Backbox Lieferkette kann dabei kein Schwarzesloch der Transparenz bleiben und stellt ebenso Chance wie Risiko dar. Unternehmen, die sich jetzt als Pioniere positionieren und Marktanteile für sich gewinnen, unterstützen ihre Lieferant:innen, um gemeinsam die Datengrundlage für eine erfolgreiche Transformation bereitzustellen. 

Digitale Tools der Dekarbonisierung

Auf dem Weg in die regenerative Wirtschaft der Zukunft bieten gerade digitale Tools die Möglichkeit, die eigene Klimaleistung ganzheitlich, zukunftsorientiert und entlang internationaler Standards zu erfassen und mit nachfragenden Geschäftspartner:innen zu teilen. 

THE CLIMATE CHOICE bietet seinen Kund:innen eine plattformbasierte End-to-End-Lösung, um die eigene sowie die Klimaleistung ihrer Lieferant:innen, transparent abzubilden und vergleichbar zu machen. Auf diese Weise unterstützt die Software-Plattform den Aufbau klimakompatibler Lieferketten und Geschäftsbeziehungen. Hauptprodukt ist das CLIMATE Performances Rating, aus dem Stärken und Potenziale sowie konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen abgeleitet werden. Digitale Schnittstellen ermöglichen die Einbindung in bestehende Einkaufssysteme und eine konsequente Emissionsreduktion in der eigenen Lieferkette. Durch den ganzheitlichen Ansatz ermöglicht THE CLIMATE CHOICE eine umfassende Klimatransformation entlang der Wertschöpfungskette und über unterschiedliche Industrien hinaus. Durch die Kombination aus klimafokussierter ESG-Ratingmethodik und intelligenter Plattformtechnologie bietet es einen einfachen und unkomplizierten Zugang, der Einkäufer:innen, Klimabeauftragte und Entscheider:innen befähigt, ihre Lieferkette dauerhaft klimakompatibel zu strukturieren.

Fazit

Die CLIMATE Data Platform ermöglicht es Unternehmen, tief in das Klimamanagement einzusteigen und ihre Dekarbonisierungsmaßnahmen voranzutreiben. Wir ermöglichen eine reiche Zusammenarbeit zwischen der Wertschöpfungskette und den einkaufenden Unternehmen. Auf diese Weise befähigen wir Unternehmen zu Klimameistern, die die Klimatransformation erfolgreich gestalten! Wir laden Dich ein, der Klima-Community beizutreten, jetzt!

Du willst mehr darüber erfahren, wie die Software-Tools von THE CLIMATE CHOICE Dein Unternehmen bei der Klimatransformation unterstützen können? Dann kontaktiere uns.

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