Emissionsfreie Lieferketten – durch Digitalisierung und Transparenz

Neben selbstgesteckten Klimazielen verlangen sowohl die Politik als auch Investor:innen von Unternehmen verstärkt Transparenz und nachweisbare Maßnahmen in Bezug auf Klimaschutz entlang der Wertschöpfung. Transparenz in der Lieferkette stellt für Unternehmen jedoch nicht nur einen wichtigen Hebel der Klimatransformation, sondern ebenso eine große Herausforderung dar. 

Um zu erfahren, wie sich diese Herausforderung mithilfe von digitalen Lösungen meistern lässt, haben wir uns Klaus Wiesen als Sprecher zum CHOICE Event #24 eingeladen. Klaus ist CEO von sustainabill und hat vor vier Jahren das Unternehmen mitgegründet, da er bei seiner langjährigen Arbeit als Teamleiter für das Wuppertal Institut die große Bedeutung von Transparenz in der Lieferkette für die Bekämpfung des Klimawandels und für nachhaltiges Wirtschaften erkannt hat. Hier findest du die wichtigsten Inhalte aus seinem Vortrag über die Vorteile von Digitalisierung und Transparenz für eine emissionsfreie Lieferkette.

Warum ist die Lieferkette für Klimaneutralität entscheidend?

Wer die Klimatransformation im eigenen Unternehmen ganzheitlich vorantreiben will, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Das hat unter anderem eine aktuelle Studie vom World Economic Forum zusammen mit der Boston Consulting Group wieder einmal gezeigt. Hiernach hat die Lieferkette vor allem bei den Endprodukten mit bis zu 90 % bei den “Fast Moving Consumer Goods” (FMCG) mit Abstand den höchsten Anteil der CO2e-Emissionen. Aber auch bei den Rohstoffen und somit den Zuliefernden selber machen die Scope-3-Emissionen z. B. im Chemie- und Textilbereich immer noch 61 % aus. 

Quelle: World Economic Forum 2021

Somit gilt es sowohl bei B2C-Unternehmen als auch bei den Lieferanten, CO₂ nicht nur in den eigenen Prozessen, sondern ebenso in der eigenen Lieferkette stark zu reduzieren.

Das GHG Protocol als Rahmenwerk

Von den insgesamt 15 Unterkategorien der nach dem Greenhouse Gas Protocol definierten Scope-3-Emissionen ist die Kategorie Scope 3.1, die eingekaufte Güter und Dienstleistungen beschreibt, besonders relevant. Im Gegensatz zum häufig im Vordergrund stehenden Scope 3.4, welcher die Logistik umfasst, macht sie den eigentlichen Bärenanteil der Emissionen aus.

Quelle: ghgprotocol.org

Leider fehlt vielen Unternehmen nun gerade bei Scope 3.1 eine gute und verlässliche Datengrundlage, sodass die entsprechende Spalte bei Reportings zumeist leer bleibt. Genau diese Black Box müssen wir also angehen, um die großen Einsparpotenziale der Lieferkette zu realisieren. 

Fehlende Standards für die Lieferkette

Schauen wir nun auf die vorhandenen Standardisierungen für eine Datenerhebung entlang der Lieferkette, findet sich deutlich weniger als erhofft. Zwar stehen die ISO 14040/44 – Ökobilanz als auch der spezifischere ISO 14067 – CO₂-Fußabdruck zur Verfügung, bei beiden bleiben letztlich aber viele Fragen offen wie z. B.: 

Dementsprechend arbeitet die EU seit Anfang 2010 an einer umfassenden Standardisierung im Rahmen der Initiative “Product Environmental Footprint” (PEF). Das Problem: Dabei herausgekommen ist ein großes Regelwerk, das es aufgrund seiner Komplexität bis heute nicht geschafft hat, sich als Standard zu etablieren.

Reduktion der Lieferketten-Emissionen – wo fange ich an?

Im Hinblick auf die mangelhafte Standardisierungs-Lage stellt sich nun natürlich die Frage: Wie soll ich denn mit der Datenerfassung in der Lieferkette beginnen, wenn ich keine Konsistenz und Vergleichbarkeit habe? Um die Lieferketten-Emissionen jedoch schnell und effektiv reduzieren zu können, nimmt die Vergleichbarkeit letztlich einen geringeren Stellenwert ein als die Spezifik der einzelnen Daten. Denn in erster Linie geht es darum, pro Lieferant die jeweilige Entwicklung mit dem Ziel der Netto-Null-Emissionen nachverfolgen zu können. Wenn diese schließlich erreicht ist, hat sich die Frage nach der Vergleichbarkeit erledigt.

Wie und woher bekomme ich nun also meine spezifischen Daten? Hierbei steht als erstes die Frage, auf welche Warengruppen ich mich fokussieren möchte. Die Kriterien für eine solche Entscheidung sind zunächst das Reduktionspotenzial sowie die CO₂-Intensität der jeweiligen Warengruppe. Dabei sind beide Kategorien gleich wichtig, denn betrachte ich zum Beispiel Rindfleisch, ist dieses zwar besonders CO₂-intensiv, die Möglichkeiten des Einsparens von Treibhausgasen halten sich jedoch in Grenzen.

Transparenz erfordert eine digitale Plattform

Wenn nun die Grundfragen der Datenerfassung geklärt sind, geht es endlich um das Wesentliche: die Einbindung der Lieferkette. Hier kann eine digitale Plattform enorm dabei helfen, die gemeinsame Arbeit zu organisieren und voranzutreiben. Hier eine Aufzählung der verschiedenen Vorteile:

Automatisierte Workflows und Know-How-Vermittlung

Cloud-Plattformen können anhand von Best Practices optimierte digitale Prozesse vorgeben, von denen Unternehmen, die zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kommen, stark profitieren. Insofern liefert eine digitale Plattform nicht nur hilfreiche Strukturen, sondern leistet ebenso Know-How-Vermittlung – sowohl für das Unternehmen als auch die jeweiligen Zuliefernden.

Bessere Zusammenarbeit entlang der Lieferkette

Besonders, wenn die Datenerfassung nicht nur direkte, sondern auch Vor-Lieferanten einbezieht, entsteht schnell eine Komplexität, die ohne eine digitale Plattform kaum zu managen ist. Dabei geht es sowohl um das schnelle und einfache Teilen von Datensätzen mit nur einem Klick als auch um die Visualisierung der gesamten Lieferkette anhand verschiedener Parameter. So lässt sich ein besserer Überblick erzeugen und einzelne Hotspots schneller identifizieren. 

Monitoring der Fortschritte

Letztlich bleibt es natürlich nicht nur bei der Zielsetzung. Die eigentlichen Maßnahmen und entsprechenden Fortschritte müssen ebenfalls über die Plattform einseh- und überprüfbar sein, um im gemeinsamen Austausch der Klimaneutralität Stück für Stück näher zu kommen.

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Das Lieferkettengesetz – Was bedeutet das für Unternehmen und ihre Lieferketten?

„Woher kommt das Produkt?“, „Wie wurde es produziert” und “Wie viel CO2e ist bei Herstellung und Transport entstanden?“ Das fragen sich Kund:innen und Verbraucher:innen immer häufiger. Gerade jetzt, wo die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz heiß diskutiert werden. Nicht nur in Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Entscheidungen, die wir jetzt treffen; Investitionen, die wir jetzt tätigen sind ausschlaggebend und entscheidend für Klima und Gesellschaft.

Das Lieferkettengesetz, endlich beschlossen!

First things first. Die gute Nachricht ist: Nach langem Ringen hat der Bundestag Anfang Juni endlich das Lieferkettengesetz beschlossen. 

Konzerne sind nicht mehr nur dazu aufgefordert, in den eigenen vier Wänden für nachhaltiges und klimakompatibles Wirtschaften zu sorgen, sondern auch die Standards der Zulieferant:innen einzubeziehen.

Das bedeutet konkret: Das Lieferkettengestez verpflichtet ab 2023 zunächst Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigen, Sozial- und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette einzuhalten. Ein Jahr später soll das auch für Unternehmen mit über 1000 Arbeitnehmern gelten.

Dies ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Bundesregierung setzt ein Zeichen gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung in globalen Lieferketten. Dies fördert nicht nur gerechte Arbeitsbedingungen. Die Unternehmen sind von nun an dazu aufgefordert, die eigene Lieferkette genauer zu betrachten und zu hinterfragen. 

Gleichzeitig regt sich zahlreiche berechtigte Kritik:

1) Das Gesetz greift hauptsächlich für Konzerne und hier auch nur in Bezug auf ihre direkten Zuliefer:innen 

2) Mittelständler:innen und KMUs, die ebenfalls stark auf globalisierten Produkten zugreifen, werden nicht einbezogen 

3) Insgesamt wird nicht die ganze Lieferkette abgebildet, gerade die prekären Anfänge werden nicht erreicht

Was beinhaltet das Gesetz tatsächlich?

Mit dem Ziel Klima, Umwelt und Menschenrechte zu schützen sorgt das Lieferkettengesetz zunächst einmal künftig dafür, dass Unternehmen nicht mehr nur auf freiwilliger Basis, sondern aufgrund von rechtsverbindlichen Vorgaben verantwortungsbewusst handeln. Das Lieferkettengesetz leitet somit einen Paradigmenwechsel ein, der schon längst nötig war. 

Unternehmen werden umweltbezogenen Pflichten auferlegt, dessen Durchsetzung durch behördliche Kontrollen sichergestellt und bei Verstoß sanktioniert wird. Umweltschäden und Menschenrechtsverletzung sollen vorgebeugt werden, in dem Unternehmen verpflichtet sind, umweltbezogene und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten einzuhalten. Dazu gehören z.B. ein wirksames Risikomanagement und die Durchführung von Risikoanalysen für den eigenen Geschäftsbereich sowie unmittelbare und mittelbare Zulieferant:innen. Die festgelegten Verpflichtungen orientieren sich stark an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und weisen somit eine fundierte Grundlage auf, die transparent kommuniziert wird.

Das Lieferkettengesetz ist noch stark ausbaufähig!

In der Ausarbeitung des  Lieferkettengesetz zeigt sich einiges, was kritisch zu hinterfragen bleibt. Vor allem: Wie weit greift das Gesetz tatsächlich? 

Das Lieferkettengesetz fordert zunächst dazu auf, die direkten Zulieferant:innen zu betrachten. Viele der unmittelbaren Zulieferant:innen von deutschen Unternehmen befinden sich ebenfalls in der DACH Region. Also nicht an den Orten, an denen zunehmend Menschenrechtsverletzung und enorme Umweltschädigung durch z.B. Regenwaldrodung geschieht. Bei indirekten Zulieferant:innen sind Unternehmen lediglich dazu verpflichtet, anlassbezogene Risikoanalysen durchzuführen. Hier muss das Gesetz also nachgeschärft werden, damit die gesamte Lieferkette systematisch in den Blick genommen wird.

Trotz seiner Lücken gilt das Lieferkettengesetz als Fortschritt und wichtiger Anreiz für Unternehmen, die eigene Klimaperformance unter Betrachtung der Lieferkette zu verbessern und einen Beitrag zu einer klimakompatiblen Wirtschaft zu leisten.

Das Lieferkettengesetz als Chance für Unternehmen 

Viele Unternehmen fürchteten bislang, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel zu etablieren, würde die eigene Wirtschaftlichkeit negativ beeinträchtigen. Jedoch hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass Unternehmen durch nachhaltiges Handeln und durch aktives Bestreben nach Umweltschutz innerhalb der Lieferkette zunehmend Wettbewerbsvorteile erzielen. Dies liegt neben gesteigerter Resilienz auch daran, dass Investor:innen sich immer häufiger in Richtung sogenannter „grüner“ Investitionen orientieren und Unternehmen bevorzugen, die ihre Klimaperformance bis in die Lieferkette hinein betrachten. Aber auch Kund:innen und Konsument:innen achten beim Kauf zunehmend auf die Herstellung und Klimabilanz der Produkte.

Zudem zeigt es sich häufig, dass nachhaltige Beschaffung vor allem energie- und ressourceneffizientes sowie kostensparendes Wirtschaften ermöglicht. Durch Optimierung des Ressourcenmanagements können nicht nur Produktionskosten reduziert, sondern auch Risiken im Voraus erkannt und so verhindert werden. Die Klimaperformance eines Unternehmens verbessert sich durch Einsparung von CO2 entlang der gesamten Lieferkette somit enorm. Das fördert nicht nur Klima-, sondern auch Unternehmensziele.

Fazit: Nachhaltigkeit als Einkaufsziel zu etablieren und eine nahe Zusammenarbeiten mit Zulieferant:innen zu schaffen, bietet große Vorteile für Unternehmen und kann die Zukunftsfähigkeit der eigenen Geschäftstätigkeit sicherstellen. Dies zeigt: Jetzt in Klimaschutz zu investieren lohnt sich! Eindeutige Zeichen von Seiten der Politik sind da und kommen spätestens 2023 durch das Lieferkettengesetz auf Unternehmen als weitere Vorgabe hinzu. Gut aufgestellt ist das Unternehmen, das jetzt schon anfängt, eine klima- und sozialkompatible Geschäftstätigkeit zu gestalten. 

Den Fokus jetzt auf eine ganzheitliche, nachhaltige Beschaffung zu legen, heißt  die Chance zu nutzen und einen großen Schritt in Richtung Klimatransformation zu gehen!

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Oder schaue Dir hier hilfreiche Tipps dazu an, wie ein Unternehmen nachhaltige Beschaffung als Ziel in die Unternehmensstruktur etabliert.

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7 Trends der Lieferkette – für eine nachhaltige Zukunft

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren, aber vor allem auch durch die  Pandemie besonders präsent geworden. Viele Unternehmen weltweit haben sich das Ziel gesetzt bis zum Jahre 2050 klimaneutral zu werden. Hierbei zählt die Lieferkette als Schlüssel der Klimatransformation.

Das Potenzial liegt in der Lieferkette

Die Dekarbonisierung der Lieferkette eines Unternehmens bietet einen guten Ansatzpunkt. Dort entstehen bis zu 80% der Treibhausgasemissionen und somit ein Großteil der Umweltbelastung in einem Unternehmen. Die Entwicklung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements trägt nicht nur zur Reduktion von Treibhausgasen bei, sondern bietet auch Vorteile für Unternehmen und ihre Stakeholder*innen. Das Management von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren innerhalb der Lieferkette birgt großes Potenzial für die globale Klimatransformation.

Daher erweist sich eine Lösungsstrategie, welche an der Reduktion von CO2-Emissionen in der Lieferkette ansetzt als effizient. Gleichzeitig kann damit dazu beigetragen werden, unternehmerische Ziele zu verfolgen. Vor allem auch Kund*innen und Konsument*innen legen zunehmend Wert auf die nachhaltige Produktion der Waren. Dementsprechend kann Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmensstrategie auch die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen steigern (UN Global Compact).

Stellschrauben in der Lieferkette

Die Reduktion von Treibhausgasemissionen innerhalb der Lieferkette beinhaltet jede Stufe der Wertschöpfung: Von den Roh- und Ausgangsstoffen, dem Einkauf, über Prozesse der Herstellung und dem Transport und sogar bis hin zur Nutzung und Entsorgung der Produkte. Für die nachhaltigere Gestaltung der Lieferkette gibt es demnach zahlreiche Stellschrauben. Dies stellt weder massive ökonomische Herausforderungen für Unternehmen dar, noch hat es große Auswirkungen auf den Endpreis des Produkts für Konsument*innen (BCG).

Die Lieferkette bietet ein breites Handlungsspektrum und somit großes Potenzial für das Unternehmen, einen Beitrag zur Klimatransformation zu leisten.

Im Folgenden stellen wir 7 praktische und innovative Technologien vor, die helfen die individuelle Lieferkette umweltfreundlich zu gestalten.

1. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zur Vermeidung von Ressourcenverschwendung

Neue Technologien, welche effektiveres Arbeiten und die effizientere Nutzung von Ressourcen ermöglichen, entwickeln sich heute schneller als je zuvor. Besonders bezüglich der Zulieferung und dem Transport kann die Automatisierung vieler Prozesse helfen, Fehler zu vermeiden und Ressourcen zu sparen. Statistiken zeigten, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um bis zu 4 %, das bedeutet 2,4 Milliarden Tonnen CO2 reduzieren kann (Microsoft).

2. Automatisierung von Prozessen für energieeffizientes Arbeiten

Vor allem durch die Pandemie wurde das Online-Shopping mehr als doppelt so häufig genutzt als vorher. Die Nachfrage von Kund*innen nach einer schnellen und effizienten Lieferung steigt. Die Automatisierung einiger Prozesse ermöglicht die Optimierung der Produktivität sowie der Qualität. So werden beispielsweise Drohnen oder automatisierten Roboter für Lieferungen oder die Produktion von Waren eingesetzt. Dadurch wird nicht nur akkurateres Arbeiten ermöglicht, es erweist sich auch energieeffizienter. Im Jahr 2020 setzten schon knapp 20% der Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigen im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland Industrie- oder Serviceroboter ein (Destates – Statistisches Bundesamt).

Automatisierung durch Roboter in der Lieferkette.

3. 3D-Druck und alternative Produktion

Technologien, wie beispielsweise der 3D-Druck bieten neue Produktionsmöglichkeiten. Vor allem größere Unternehmen scheinen von der Technologie zu profitieren. Knapp ein Viertel der Unternehmen ab 250 Beschäftigten in Deutschland nutzten im Jahre 2020 entweder firmeneigene 3D-Drucker oder nahmen Leistungen anderer Anbieter in Anspruch. In den meisten Fällen wird die Technologie verwendet, um beispielsweise Prototypen oder Modelle zur internen Verwendung zu erstellen oder um Waren zum Verkauf zu produzieren (Destates – Statistisches Bundesamt).

Die Möglichkeit, recyceltes Material als Grundmaterial für Produktion zu verwenden kann Ressourcen sparen und Kosten reduzieren. Laut Analysen kann der Einsatz von 3D-Druckern in der industriellen Produktion den CO2 Ausstoß vermutlich bis zum Jahre 2025 um bis zu 5% reduzieren.

4. Blockchain Technologien sorgen für Transparenz

Um eine dauerhafte und tragfähige Beziehung zu Kund*innen und Lieferant*innen aufzubauen, ist das Stichwort Transparenz wichtig. Um den Materialfluss genau zu verfolgen, ist ein klares Bild von dem Aufbau und der Funktionsweise der Lieferkette hilfreich. Die wichtigsten Produkt- und Leistungsgruppen werden dargestellt, um die Herkunft aller Eingangsstoffe über die direkten Lieferant*innen hinaus bis zum Ursprung einsehen zu können.

Diese Visualisierung der Lieferkette ist wichtig, um im Folgenden den eigenen Handlungsspielraum einschätzen und Chancen identifizieren zu können. So können Verbesserungsmaßnahmen zielgenauer geplant und umgesetzt werden. Der Einsatz einer Blockchain, in der die Dokumentation von Transaktionen innerhalb der Lieferkette stattfindet, sorgt für Transparenz gegenüber den Kund*innen und Stakeholder*innen. Produkte werden akkurat zurück verfolgt, was Einblick über Herkunft sowie Prozesse der Herstellung und Weiterverarbeitung gewährt. Die Verwendung von Blockchain-Technologien vereinfacht das Management und erzielt Kosten- und Zeiteinsparung.

5. Smart Sensors ermöglichen Echtzeit Daten

Die intelligenten Sensoren helfen Prozesse zu vereinfachen, in dem sie neben der Messung von Daten auch gleichzeitig die Datenverarbeitung sowie die Dokumentation der Vorgänge übernehmen. Zum Beispiel können die Sensoren stetig den Standort, die Temperatur der Fahrzeuge etc messen. Durch das Echtzeit-Tracking können Fehler vermieden werden und die Planung der Prozesse kann effizienter und flexibler gestaltet werden. Dies gewährleistet eine zuverlässigere Dokumentation der Transaktionen und erweist sich zudem als kostengünstiger.

6. Industrial Internet of Things (IIoT) für eine effizientere Produktion

Die Industrial Internet of Things-Software unterstützt vor allem mittelständische seit einigen Jahren bei der Digitalisierung und Automatisierung. Durch die Umsetzung der Konzepte und Technologien des IIoT wird die Produktion sowie der Transport von Gütern effizienter, in dem Fehler früh erkannt und geeignete Maßnahmen angestoßen werden. Durch das schnellere Erfolgen von Datenerhebung, Dokumentierend und Analyse werden Konfigurationsprozesse automatisiert und vereinfacht. Die Leistung von Maschinen kann optimiert werden und die Wartung und Instandhaltung geht automatisiert vonstatten.

Das kann zur Verbesserung der betrieblichen Effizienz sowie zu Kostensenkung in der Produktion führen und schnellere Prozesse und flexiblere Produktionstechniken ermöglichen. Somit konnten 70% der mit IIoT arbeitenden Unternehmen im Jahre 2018 auch Erfolge im Hinblick auf deren Klima Performance erzielen.

IIoT für Innovationen innerhalb der Lieferkette

7. ERP Systeme zur Unterstützung des Ressourcenmanagements

Die Aufgabe von Enterprise-Resource-Planning (ERP) ist das Kontrollieren und die bedarfsgerechte Planung und Steuerung von Ressourcen wie Kapital, Personal und Material.

Ein ERP-System ist eine Vielzahl an miteinander kommunizierenden Anwendungssoftware- bzw. IT-Systeme, welche zur Unterstützung der Ressourcenplanung eines Unternehmens eingesetzt wird. Mit Hilfe von IT-Systemen können alle erforderlichen Materialien für die Herstellung der Erzeugnisse in richtigen Mengen zum geplanten Zeitpunkt am Ankunftsort zur Verfügung stehen. So können Wertschöpfungsprozesse koordinierter und vor allem effizienter gestaltet und die Steuerung von unternehmerischen und betrieblichen Abläufen stetig optimiert werden. Dies ermöglicht eine effiziente Ressourcennutzung.

Dekarbonisierung der Lieferkette als Game-Changer

Die Verwendung dieser Technologien kann die Einsparung von CO2-Emissionen innerhalb der Lieferkette ermöglichen und damit eine umweltfreundliche und nachhaltige Klimaperformance realisieren. Aber auch eigene Produktionskosten können durch Optimierung des Ressourcen-Managements und dadurch geringere Abfallproduktion reduziert werden. Die Dekarbonisierung der Lieferkette mithilfe von innovativen Technologien ist wegweisend für individuelle Unternehmen und kann eine langfristig erfolgreiche Zukunft ermöglichen.

Mehr Informationen zu Reduktion von Treibhausgasen innerhalb der Lieferkette findest du hier.

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3 Tipps zum Risikomanagement in der globalen Lieferkette

In einer globalisierten Welt wie die heutige, sind Unternehmen so vernetzt wie nie zuvor – mit Partner*innen, Stakeholder*innen, Lieferant*innen, über alle Ebenen der Wertschöpfungskette hinweg. Die Pandemie zeigte uns, dass die globalen Lieferketten widerstandsfähiger werden müssen. Alla Schwamborn, Expertin bei Kearney für Supply Chain Risk Management empfiehlt, die Lieferant*innen mit Sorgfalt und Weitsicht zu wählen. „Es ist zu erwarten, dass auch in Zukunft Naturkatastrophen passieren oder Epidemien ausbrechen werden. Da können rasch Schäden in Milliardenhöhe entstehen.“ Risikomanagement in der Lieferkette fördert vor allem auch die schnellere Klimatransformation der vor- und nachgelagerten Emissionen.

Risikomanagement durch Vertrauen

Der Aufbau von Vertrauen bei Lieferant*innen kann wesentlich zur Risikominderung beitragen. So können Unternehmen nicht nur Risiken minimieren, sondern mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenso eine nachhaltige Lieferkette aufbauen. 

Ein Analyse zeigte, dass 24 % der Unternehmen keine angemessenen Pläne zur Risikominderung in der Lieferkette hatten, um mit der Schwere der durch COVID-19 verursachten Unterbrechung der Lieferkette umzugehen. Jetzt führten 61 % der Unternehmen der Studie eine Risikoanalyse durch, da sie die kritische Bedeutung des Risikomanagements für den Erfolg ihrer Geschäfte erkannten.

Im Folgenden beleuchten wir drei Möglichkeiten, die zur Entlastung der Lieferketten beitragen und Unternehmen dabei helfen, sich besser auf zukünftige Risiken vorzubereiten.

1. Aufbau einer positiven Lieferant*innen-Beziehung 

Die Stärkung der Lieferant*innen-Beziehung durch den Aufbau von Vertrauen hilft den Parteien beider Seiten, transparent zu kommunizieren. Auf diese Weise können sich langfristige Partnerschaften zwischen Lieferant*innen und Einkäufer*innen entwicklen. Vertrauen ist die Basis dafür und dient einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen.

Vertrauen durch Kommunikation

Supply Chain Movement fand ebenfalls heraus, dass 37 % der Unternehmen nicht über die negativen Auswirkungen von COVID-19 auf die Lieferkette informiert wurden, bis die Lieferkette unterbrochen wurde – eine Folge von schlechter Kommunikation.

Aber: Der Weg zum Aufbau von Vertrauen zwischen Einkäufer*innen und Lieferant*innen führt über eine transparente Kommunikation. Dies schafft ein Gefühl der Verantwortlichkeit und hilft, ein Verständnis für Risiken und Herausforderungen zur erlangen.

Es sollte offen über diese Situationen gesprochen werden. So entstehen Partnerschaften, die umfassende Lösungen für komplexe Probleme finden und die Qualität und Gesundheit der gesamten Lieferkette in den Vordergrund stellen.

2. Die zweiten und dritten Ebenen der Lieferkette

Eine positive, transparente Einkäufer*innen-Lieferant*innen-Beziehung ermutigt Lieferant*innen der ersten Ebene, mit ihren eigenen Lieferant*innen zusammenzuarbeiten. Dies führt zu einem Dominoeffekt der Transparenz und Offenlegung auf allen Ebenen der Lieferkette. 

Derzeit tun sich viele Unternehmen noch schwer, diese Art von Transparenz zu erreichen. Um das Risiko zu mindern, müssen neben der Erfüllung eines Kostenziels oder der kurzfristigen Sicherung der Versorgung auch andere Faktoren berücksichtigt werden.

Durch Daten zur größerer Transparenz

Wenn ein Unternehmen proaktiv in die Kartierung seiner Lieferkette investiert, können alle Lieferant*innen ihre Auswirkungen und Risikobereiche besser verstehen. Diese Daten sind entscheidend, um herauszufinden, wo Verbesserungen vorgenommen werden müssen, um eine nachhaltige Lieferkette aufzubauen.

Die in Echtzeit gesammelten und verfolgten Daten ermöglichen es Unternehmen zu verstehen, woher eine Störung kommt, wann sie auftritt und welche Produkte davon betroffen sind. Dieser Einblick ermöglicht die direkte Ergreifung von Maßnahmen, um ganz bestimmte Risiken zu mindern.  Dies ist jedoch nur möglich, wenn eine vertrauensvolle Beziehung vorhanden ist.

3. Nutzen von Technologie

Die Überwachung und Abbildung der mehrstufigen Lieferkette eines Unternehmens wird stark durch Technologien unterstützt. Diese sammeln Daten, berechnen Risiken und rationalisieren die Kommunikation in Echtzeit. Doch auch hierfür ist Vertrauen ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor, damit Unternehmen bereit sind, in neue Technologien zu investieren. Zu den neuen Supply-Chain-Technologien gehören Crowdsourcing-Plattformen, die Daten aus einem Supply-Chain-Netzwerk sammeln, um genaue Analysen zu erstellen.

Der Einsatz neuer Technologien verbessert auch die Kommunikation zwischen Lieferant*innen und Einkäufer*innen, indem die gesamte Kommunikation auf einer Plattform zusammengeführt wird.

Das digitale Risikomanagement mit neuen Technologien versetzt Unternehmen in die Lage, schneller auf globale Engpässe oder Lieferunterbrechungen zu reagieren. Dies verhindert potenzielle Produktionsausfälle und somit Umsatzeinbußen.

Durch diese Technologien können fundierte Entscheidungen schnell und flexibel getroffen werden. Die reduziert die negativen Auswirkungen auf alle Beteiligten, sobald Herausforderungen auftreten. 

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Einführung des Lieferkettengesetzes: Das solltest Du jetzt schon wissen.

Es ist keine Neuigkeit, dass die Bundesregierung die Einführung eines Lieferkettengesetzes plant. Firmen sollen zukünftig dafür einstehen, wenn in der Lieferkette Menschenrechte verletzt werden. So soll auch die Umweltzerstörung in den Blick genommen werden: Illegale Abholzung, Pestizid-Ausstoß und Wasser- und Luftverschmutzung. Dabei beruft sich die Bundesregierung auf das Sustainable Development Goal 8 (SDG), welches menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum fördern soll, aber auch SDG 13, welches die Maßnahmen zum Klimaschutz definiert. Das soll durch das neue Lieferkettengesetz geregelt werden.

Was ist also der aktuelle Stand der Debatte und wie können sich Unternehmen auf die angestrebte Regelung vorbeireiten?

Status Quo: Verabschiedung des Lieferkettengesetzes

Der Druck ist da. Ob von der Initiative Lieferkettengesetz, ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, oder aus der Wirtschaft selbst. Viele Unternehmen, darunter Rewe, Nestlé und Tchibo, verlangen nach einem Lieferkettengesetz. Noch ist jedoch unklar, wie genau das Gesetz aussehen soll. Die dafür notwendige Verabschiedung der Eckpunkte durch das Bundeskabinett, wurde vergangenen Monat erneut verschoben. Trotzdem stehen bereits folgende Punkte fest:

Das Lieferkettengesetz soll:

  1. Definieren, welche Pflichten Unternehmen beim Schutz von Menschenrechten haben und wie Unternehmen diesen in ihren Lieferketten nachkommen können.
  2. Unternehmen dazu verpflichten, über ihre Anstrengungen Bericht zu erstatten.
  3. Die Rechte von ArbeiterInnen vor Gericht stärken und einen Weg eröffnen, Schadensersatzansprüche in Deutschland geltend zu machen.

Lieferkettengesetz EU-weit

Auch EU-weit soll das Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden: Die Bundesregierung setzt sich im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft
für einen Aktionsplan zur Stärkung der Verantwortung in globalen Lieferketten ein. Dieser soll menschenrechtliche, soziale und ökologische Standards in Unternehmen fördern, aber auch Transparenz schaffen.

CLIMATE Wissen: Ein EU-weites, aber auch ein Deutschlandweites Lieferkettengesetz, könnte eine internationale Debatte zu Menschenrechtsverletzungen und umweltschädlichem Handeln in Unternehmen anregen und somit einiges bewirken.

Die aktuellen Streitpunkte der Bundesregierung

Streitpunkt ist die wirtschaftliche Umsetzbarkeit: Wie weit soll die Verantwortung in der Lieferkette reichen und welche Unternehmen verkraften ein solches Gesetzt?

Ab wann soll das Lieferkettengesetz greifen?

Die Angst mit einem Lieferkettengesetz KMU’s Mehraufwand aufzuerlegen ist nicht unbegründet – so Wirtschaftsverbände und Teile der Union. Sie befürworten die Regelungen nur für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten geltend zu machen, anstatt für Firmen ab 500 MitarbeiterInnen.

Sanktionen bei Nicht-Einhaltung

Auch die Angst, dass eine starke Regelung der Wirtschaft gerade in den aktuellen Zeiten weiter schaden könnte, ist ein Streitpunkt. Hier wird diskutiert, ob eine mögliche Anklage von Unternehmen richtige ist, oder ob die Einführung von Geldbußen nicht die bessere Alternative wäre.

Es besteht also weiterhin Diskussionsbedarf in der Bundesregierung. Es gibt allerdings einige Punkte, auf die sich Unternehmen schon jetzt einstellen können.

Das kann bereits getan werden

Verantwortung kann schon heute übernommen werden. Gleichzeitig lassen sich so auch Risiken minimiert. Dabei unterstützen zahlreiche Initiativen, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen und Unternehmen zertifizieren.

Beispielsweise das Siegel Grüner Knopf, welcher für nachhaltig produzierte Kleidung steht. Aber auch im Kakao- oder Kohlesektor haben sich Unternehmen in freiwilligen Initiativen zusammengeschlossen und wollen so Produktionsstandards verbessern. Die chemische Industrie arbeitet an einer Nachhaltigkeitsinitiative namens Chemie. Der SME Climate Hub hilft KMU’s darüberhinaus ihre Lieferketten klimaneutral zu gestalten.

Es gibt also bereits jetzt ein großes Angebot an Möglichkeiten, um aktiv zu transformieren. Aber welche ersten Schritte müssen gegangen werden?

Step-by-Step Verantwortung übernehmen

Vier Schritte sind nötig zur Transformation der Lieferkette:

Ermittlung von möglichen Menschenrechtsverletzungen und „Umweltsünden“ in der Lieferkette.

Das geht durch vorgefertigte LieferantInnen-Fragebögen, die beschriebene Risikofelder abdecken. Dazu zählen Arbeitsrechte, Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und viele weitere. 

Zur Aufdeckung der größten CO2-Emitter entlang der Produktion empfehlen wir die CO2-Product-Footprint Analyse. Diese war Thema in unserem CHOICE Webinar #10.

Hier ist das Implementieren eines Verfahrens zur stetigen Analyse von Auswirkungen auf Menschenrechte und Umweltschutz entlang der Lieferkette wichtig.

Es müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um negative Auswirkungen vorzubeugen, zu minimieren und zu beheben – diese müssen stetig überprüft werden.

Jährlich sollte öffentlich dargelegt werden, welche Auswirkungen das eigene wirtschaftliche Handelns auf die Menschenrechte und Umwelt verursacht und wie entsprechend gehandelt wurde, um Verbesserungen zu erzielen.

Fazit

Wer schon jetzt aktiv wird übernimmt nicht nur Verantwortung und vertritt moralisch vertretbare Werte, sondern ist bei der Einführung eines Lieferkettengesetzes bereits vorbereitet.

Kommendes CHOICE Webinar

Melde Dich hier bereits für unser kommendes CHOICE Webinar #11 am 12. Nov. von 13:00 bis 14:00 Uhr an. Thema wird der Klimaschutz in der Unternehmenskommunikation sein.

Bildquellen: Unsplash, Canva

Wird das Klima zur Schwachstelle in der Lieferkette?

Im Zusammenhang mit der globalen COVID-19-Pandemie sowie akuten Wetterereignissen werden immer weitere Fragen zu Risiken und Belastbarkeit der Lieferkette aufgeworfen. Da der Klimawandel extreme Wetterereignisse häufiger auftreten lässt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Produktionsanlagen und lokale LieferantInnen durch intensive Veränderungen beeinflusst werden. Wertschöpfungsketten sind daher einem breiten Spektrum von Risiken ausgesetzt, einschließlich Klimaereignissen.

Undurchsichtige Lieferketten zwischen Wirtschaft und Klima

Der Großteil der globalen Wirtschaftsproduktion, 20 Billionen USD pro Jahr, finden in einer global organisierten Lieferkette statt. Dieser internationale Austausch von Waren hat den Zugang zu Produkten und Materialien extrem erleichtert und zum Beispiel Computer, Autos, Medikamente und Lebensmittel erschwinglich gemacht. Gleichzeitig wurden allerdings Lieferwege immer intransparenter und Umweltkosten sowie soziale Missstände externalisiert. Für Endprodukte, die aus vielen tausend Teilen aus aller Welt bestehen, können so kaum noch die Ursprünge geschweige denn die entstandenen Emissionen zurückverfolgt werden. Da die CO2-Emissionen von Produkten allerdings aus bis zu 80% aus der Lieferkette stammen, sind diese Informationen entscheidend. Die Beziehung zu LieferantInnen, besonders um ihre Bedingungen vor Ort und ihre verursachten Emissionen zu verstehen, werden daher immer wichtiger.

Extreme Wetterereignisse beeinflussen die Lieferkette

Neben den undurchsichtigen Klimaauswirkungen, werden die Lieferketten selbst zum Risiko. Laut McKinsey gibt es hauptsächlich drei klimabedingte Gründe für kurzfristige Ausfälle bei LieferantInnen:

  1. Physische Schäden an Einrichtungen, Produktionsanlagen und Lagerbeständen.
  2. Umsatzrückgang, entweder weil die Produktion gestört ist oder weil Waren nicht auf den Markt gebracht werden können.
  3. Höhere Kosten in der Wiederaufbauphase der Anlage, da die Marktpreise für Arbeit, Energie und Logistik nach extremen Wetterevents steigen können.

Die Kombination dieser Auswirkungen kann auch die Fähigkeit der LieferantInnen einschränken, die Produktion schnell und effizient wiederherzustellen, da sie weniger Kapital für Reparaturen beschaffen können oder den kurzfristigen Cashflow drosseln müssen.

Nachhaltiger Einkauf in einer transparenten Lieferkette

Wie stellen sich Unternehmen auf zunehmende Risiken im Einkauf ein und sorgen gleichzeitig für sinkende CO2-Emissionen in ihrer Lieferkette? Die Antwort kann nur in einem gewandelten Verständnis des Einkaufs liegen. Früher lag die primäre Aufgabe des klassischen Einkaufs in der kostengünstigen Beschaffung von Materialen zur bestmöglichen Qualität. In Zeiten steigender Umweltvorgaben und KonsumentInnenanforderungen hat der Einkauf weitere Aufgaben. Kosten senken zu jedem Preis, das lässt heute das Risiko steigen. Wer jedoch „Nachhaltigkeit“ in seine Lieferkette integriert, differenziert sich im Wettbewerb und kann Umsätze steigern.

Umstieg auf Zusammenarbeit und Integration

Laut Jaro Institut ist der Einkauf heute daher ein Multiplikator, der das Wirtschaften der eigenen Firma und die Beziehung zu LieferantInnen deutlich verändern kann und somit einen großen Mehrwert für die Umsetzung der Nachhaltigkeit liefert! Eine strategische Ausrichtung der Beschaffung, auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung, stellt somit die Weichen, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen. Das Jaro Institut empfiehlt hierzu die folgenden vier Schritte:

1. Basis für eine nachhaltige Beschaffung im Unternehmen legen

2. Integration nachhaltiger Aspekte in die Beschaffungsprozesse

3. Kontinuierliche Leistungsausarbeitung und -verbesserung mit LieferantInnen

4. Steuern und lernen

Wer noch weitere Klimaziele in sein Lieferketten-Management integrieren will, kann sich den „Supply Chain Leaders“ anschließen. Diese setzen sich das Ziel, ihre absoluten Treibhausgasemissionen vor 2030 zu halbieren und ihre Lieferketten vor 2050 klimaneutral zu gestalten.

Fazit

Alle Ansätze zeigen auf dasselbe Ergebnis: EinkäuferInnen und Führungskräfte müssen mit ihren LieferantInnen zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und dabei ihre Treibhausgasemissionen tatkräftig zu reduzieren.

Fairness per Gesetz. Sorgfaltspflicht in der Lieferkette.

Die globale Wertschöpfungskette macht 80% des Welthandels aus. In 2018 kamen alleine 320.000 Export-Unternehmen in Deutschland auf einen Umsatz von 1.3 Billionen Euro. Im Import waren 775.000 Unternehmen aktiv (BMZ). Dabei entstehen täglich unzählige Kaufentscheidungen entlang der eigenen Lieferkette: Der Kaffee aus Brasilien, die Pflastersteine aus Indien oder das Cobalt aus dem Kongo – sind diese Produkte nachhaltig produziert und vor allem fair für alle Beteiligten? In globalen Lieferketten sind heute 450 Millionen Menschen beschäftigt, da fehlt es leicht an Übersichtlichkeit, Transparenz und klaren Regelungen. Das Lieferketten-Gesetz soll das nun ändern, aus Deutschland heraus. Das hat sowohl etwas mit Umweltschutz zu tun, als auch mit Menschenrechten. Wie dies geschehen soll und was bereits festgelegt ist, findest du im Folgenden heraus.

Die Diskussion um das Lieferketten-Gesetzt

Die letzten Monate haben gezeigt, dass Unternehmen, die auf verlässliche Partnerschaften setzen, ihre LieferantInnen kennen und sich gegenseitig unterstützen, ebenfalls krisenfester sind. Das Lieferkettengesetz, das Menschenrechte und Sorge für die Umwelt verpflichtet, soll nun ins Gesetzt verankert werden. Teile der Wirtschaft begrüßen diese verordnete „Sorgfaltspflicht“, andere lehnen sie ab und verweisen auf die Aufgabe des Staates. Sie fordern: Transparenz, Nachhaltigkeit und Fairness, wie bislang üblich durch Leitlinien und freiwillige Verpflichtungen zu regeln. Das aber soll jetzt anders werden.

Aktuelle Entwicklung des Gesetzentwurfes

Das Bundeskabinett wird am 26. August den Gesetzentwurf von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) unter dem Namen „Sorgfaltspflichtengesetz“ diskutieren. Frisch nach der Sommerpause scheint ein guter Zeitpunkt zu sein, um darüber nachzudenken wie wir die zweite Hälfte von 2020 nutzen wollen, um Nachhaltigkeit zurück auf die Agenda zu holen. Das Gesetz sieht daher vor: Unternehmen ab einer Größe von 500 Beschäftigten zur Wahrung von Menschen-, Arbeits- und Umweltrechten in ihrer „globalen Lieferkette“ zu verpflichten. Konkrete Formulierungen sind bisher allerdings noch nicht veröffentlicht worden.

Welche Regelungen bestehen bereits?

Die Bundesregierung setzt bislang auf freiwillige Verpflichtung entlang der Lieferkette. 2018 wurde allerdings im Koalitionsvertrag vereinbart, ein Gesetz zu beschließen, sofern diese Freiwilligkeit nicht eingehalten werden. Vorgaben zu dieser Freiwilligkeit beschreibt der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP). Dieser wurde Ende 2016 verabschiedet und setzt UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte um, die der UN-Menschenrechtsrat 2011 beschlossen hatte. Darin werden die staatliche Schutzpflicht und die unternehmerische Verantwortung für Menschenrechte in globalen Lieferketten definiert.

Warum es jetzt anders werden soll

Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sehen das Prinzip allerdings als gescheitert an. Sie wollen noch in dieser Legislaturperiode ein entsprechendes Lieferkettengesetz auf den Weg bringen. Hintergrund ist eine Befragung der Bundesregierung unter deutschen Unternehmen – nur etwa 455 Unternehmen von 2.250 haben befriedigende Antworten zurückgesendet. Weniger als 50% seien somit ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht nachkommen, teilten die Ministerien mit.

Was soll das neue Lieferkettengesetz bringen?

Das Lieferkettengesetz soll Menschen und Umwelt in der globalen Wirtschaft schützen, im dem die sogenannten „externen Kosten“ in die Produktentstehung mit einberechnet werden müssen. Höhere Kosten durch Sicherheit am Arbeitsplatz, Hygienemaßnahmen oder Umweltschutz würden dann durch höhere Produktpreise sichtbar, aber auch gefördert und unterstützt. Das Motto „Qualität hat seinen Preis“ soll hier zum Tragen kommen. Kinderarbeit, Ausbeutung, Diskriminierung, Arbeitsrechte und Umweltzerstörung sollen verhindert werden sowie illegale Abholzung, Pestizid-Ausstoß, Wasser- und Luftverschmutzung gestoppt werden. Können aber Unternehmen wirklich für das Wirken Dritter zur Verantwortung gezogen werden?

Wie könnte das konkret in der Praxis aussehen?

Firmen würden durch das Gesetzt verpflichtet werden, entlang ihrer gesamten Lieferkette ökologische und soziale Mindeststandards durchzusetzen. Regelmäßige Risikoanalysen, konstante Erfassung der eigenen Ökobilanz aber auch lokale Bemühungen, um Transparenz, Fairness und Umweltschutz zu belegen, würden nötig werden. Sprich: die Transitorischen Kosten dieser Lieferketten-Transformation würden mittelfristig ansteigen. Gleichzeitig würden Bußgelder oder der Ausschluss aus Handelszonen bei Verstößen gegen das Gesetz drohen. Ein Preisanstieg für Produkte und Services würde folgen. Speziell in den sogenannten Risiko-Industrien Textilien, Leder und Chemikalien, in denen Lieferketten häufig soziale und ökologische Mängel aufweisen, müssten mit Preissteigerungen rechnen. Kritiker heben daher einen Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen ab 500 MitarbeiterInnen hervor, für die das Gesetzt verpflichtend wäre. Andersherum würde mehr Transparenz und Fairness in den Lieferketten die Risiken zukünftiger Krisen und umweltbedingter Produktionseinbußen mindern. KundInnen und InvestorInnen könnten ebenfalls positiv auf rasche Änderungen reagieren.

Kritik

Für das Verhalten Dritter zu haften, das widerspricht laut KritikerInnen den Regeln der Vereinten Nationen. Probleme in der Umsetzung, Wettbewerbsnachteile und aktuelle Wirtschaftskrisen würden das Gesetz aktuell nicht praktikabel machen – so der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Peter Altmaier sieht das ähnlich.  

 „Dass die Verantwortung jetzt auf die Unternehmen abgewälzt werden soll, ist ungeheuerlich. Und deutsche Alleingänge nützen den Menschen in den Entwicklungsländern überhaupt nicht – sie zementieren nur die Armut in diesen Ländern.“

Anton Börner (65), Ehrenpräsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA)

Unterstützung

Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Zusammenschluss von mehr als 60 renommierter Organisationen, die sich einem gemeinsamen Ziel verpflichten. Nach eigenen Aussagen treten sie für eine Welt ein, in der Unternehmen Menschenrechte achten und Umweltzerstörung vermeiden – auch im Ausland. Sie fordern das Lieferkettengesetz – darunter KIK, Nestlé, Tchibo, Rewe, Ritter Sport, Oxfam, Weleda und Vaude. Sie glauben: Freiwillig kommen Unternehmen ihrer Verantwortung nicht ausreichend nach. Stattdessen sollen sie in Zukunft für Schäden an Mensch und Umwelt – in ihren Lieferketten verursacht oder in Kauf genommen – haften. Sie fordern die Regierung auf zu handeln und schlagen folgende Punkte für das Lieferkettengesetz vor.

Das soll im Gesetzt stehen

  1. Unternehmerische Verpflichtung in der gesamten Wertschöpfungskette Sorgfalt walten zu lassen. Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte müssen sichergestellt werden, Unternehmen müssen ihr Risiko analysieren, wirksame Maßnahmen ergreifen und darüber berichten.
  2. Der Zusammenhang zwischen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung soll anerkannt werden. Umweltschäden (wie z.B. Verseuchtes Trinkwasser oder gerodete Wälder), die aus wirtschaftlichen Tätigkeiten entstehen, gefährden oftmals auch grundlegende Menschenrechte.
  3. Eine staatliche Behörde muss dazu befugt sein, die Einhaltung der Menschenrechts- und Umweltschutzvorgaben zu kontrollieren. Sanktionen für Unternehmen, die das Gesetz missachten müssen durch Bußgelder oder den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen und der Außenwirtschaftsförderung durchgesetzt werden.
  4. Nicht nur große Unternehmen sollten betroffen sein, sondern alle Unternehmen aus Sektoren mit großen Menschenrechtsrisiken – etwa der Textilbranche, der Auto- oder Chemieindustrie.
  5. Eine zivilrechtliche Haftung muss ermöglicht werden, wenn ein Schaden eingetreten ist. Es muss Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen im Ausland die Möglichkeit gegeben werden, von Unternehmen vor deutschen Gerichten Schadensersatz einzuklagen, wenn sie keine angemessenen Sorgfaltsmaßnahmen ergriffen haben.

Deutsches Gesetz in der EU

In Deutschland ist man sich noch uneinig wie das Lieferkettengesetz gestaltet werden sollte. Eines ist allerdings klar: Die Integration in europäisches Gesetz ist dringend erforderlich. Das Wirtschaftsforum der SPD sprach sich daher dafür aus, das Gesetz sofort europäisch zu denken, um „eine Zersplitterung des EU-Binnenmarkts durch unterschiedliche nationale Regelungen“ zu verhindern. So kündigte EU-Justizkommissar Didier Reynders  bereits am 29. April 2020 an, im Jahr 2021 einen Gesetzesentwurf zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht vorlegen zu wollen. Diese Ankündigung wurde von Europaabgeordneten und Befürwortern eines deutschen Lieferkettengesetzes begrüßt.

Wie geht es weiter?

Es bleibt abzuwarten, wie die Bundeskabinett reagiert. Als Inspiration könnten ähnliche Gesetzt aus den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz dienen. Transparenz, ja. Da sind sich viele einig. Zu welchen Kosten, das scheint nicht klar zu sein. Ein vorausschauendes Unternehmertum stellt sich besser heute als morgen auf steigende Regulation und Forderungen nach Nachhaltigkeitsstandards ein. Eine frühzeitige Transformation kann Wettbewerbsvorteile sicherstellen und den eigenen Einfluss auf Mensch, Natur und Gesellschaft positiv verbessern. Wir helfen gerne weiter bei Fragen zum Lieferketten-Management.

Bildquelle: Morning Brew und Donald Giannatti  auf Unplash.com.