Vorbereitet auf das Lieferkettengesetz – Wie sieht das in der Praxis aus?

Durch das Lieferkettengesetz müssen Unternehmen zunehmend nicht nur im eigenen Unternehmen für klima-kompatibles und nachhaltiges Wirtschaften sorgen, sondern auch ihre Lieferanten einbeziehen. Da Unternehmen zur Beachtung der gesetzlichen Sorgfaltspflichten umwelt- und menschenrechtsbezogene Informationen von ihren Lieferanten benötigen, muss sich spätestens jetzt praktisch jedes Unternehmen auf das neue Gesetz vorbereiten.

Dabei fragen sich Unternehmen heute: Welche rechtlichen Voraussetzungen und Konsequenzen auf sie zukommen. Und welche praktischen Lösungen dabei helfen. Diese Fragen beantworten die Anwältinnen Sara Bandehzadeh und Dr. Stefanie Greifeneder. Im CHOICE Event #44. erläuterten sie, wie sich Unternehmen aus rechtlicher Sicht vorbereiten sollten und wie die hierfür notwendige Klima-Transparenz der Lieferkette erreicht werden kann. Die wichtigsten Informationen haben wir im Folgenden für Dich zusammengefasst.

CHOICE Event #44: Lieferkettengesetzt

Wer ist vom Lieferkettengesetz betroffen?

Schiff und Boot

Ab 2023 verpflichtet das Lieferkettengesetz Unternehmen, Menschenrechts- und Umweltstandards entlang der Lieferkette einzuhalten. Zunächst gilt das Gesetz vorerst für Unternehmen, welche über mehr als 3.000 Beschäftigten (ab 2024: 1000 Beschäftigte) verfügen und ihre Hauptniederlassung, Hauptverwaltung, oder Zweigniederlassung in Deutschland haben. Dabei werden Mitarbeiter:innen von konzernangehörigen Gesellschaften der Obergesellschaft zugerechnet, was bedeutet, dass auch kleinere Gesellschaften, die einzeln nicht die Arbeitnehmer:innenzahlen überschreiten vom Gesetz betroffen sind.

Aber auch für kleinere Unternehmen wird sich einiges ändern. Denn die Lieferanten der Normadressaten werden künftig mit vertraglichen Änderungen konfrontiert sein. Für sie ist es wichtig zu wissen, was auf sie zukommt und was das Lieferkettengesetz konkret fordert, auch um einschätzen zu können, ob die vom Unternehmen verlangten Veränderungen angemessen sind.

Was genau sieht das Lieferkettengesetz für Unternehmen vor?

Im Folgenden finden sich die wichtigsten Schritte, denen ein Unternehmen folgen kann, um sich jetzt schon auf das künftige Lieferkettengesetz vorzubereiten.

Sorgfaltspflichten des Lieferkettengesetzes

Risikomanagement und Analyse

Die Grundlage für die Vorbereitung auf das Lieferkettengesetz ist ein umfangreiches Risikomanagment. Dies muss in jedem Fall eingeführt oder im Hinblick auf die Vorgaben des Lieferkettengesetzes überarbeitet und angepasst werden. Dies erfordert eine betriebsinterne Zuständigkeit, ein:e Menschenrechts- und Umweltbeauftragte:r, die regelmäßig an die Unternehmensleitung berichtet.

Ausgangspunkt hierfür ist die Risikoanalyse. Da das Lieferkettengesetz einen risikobasierten Ansatz verfolgt, muss zunächst kategorisiert werden, welche Arten von Risiken entlang der Lieferkette und den einzelnen Geschäftsfeldern entstehen können und wer die relevantesten Lieferanten eines Unternehmen sind. Basierend auf den Ergebnissen lässt sich abschätzen, welche Lieferanten für folgende Maßnahmen priorisiert werden sollten.

Grundsatzerklärung und Lieferantenkodex

Es wird deutlich, dass Unternehmen einige vertragliche Änderungen ihren Lieferanten gegenüber vornehmen müssen, um den Anforderungen des Lieferkettengesetzes gerecht zu werden. Wie kann eine Vertragsgestaltung im Hinblick auf das Lieferkettengesetz konkret aussehen?

Der nächste Schritt besteht darin, eine Grundsatzerklärung sowie einen konkreten Lieferantenkodex einzuführen, in denen die Menschenrechts- und Klimastrategien und die daraus folgenden Erwartungen (z.B. Strategie zur Lieferanten Auswahl und -entwicklung) festgelegt und an die Lieferanten kommuniziert werden. Dies bildet die Grundlage für die Vertragsverhandlungen und die Vertragsgestaltung mit Lieferanten.

Vertrag

Die konkrete Ausgestaltung, je nach Art der Geschäftsbeziehung, erfolgt durch die (Rahmen-)Lieferverträge, in denen spezifische Pflichten der Lieferanten sowie Abhilfemaßnahmen (für den Fall eines Verstoßes gegen vertragliche Verpflichtungen) festgelegt werden. Da direkte Vertragspartner lediglich die unmittelbaren Zulieferer sind, kann eine vertragliche Absicherung für die Einhaltung der Sorgfaltspflichten nur mit ihnen erfolgen. Allerdings können Unternehmen die unmittelbaren Zulieferer auch durch sogenannte Weitergabeklauseln dazu verpflichten, die mittelbaren Zulieferer zum Erfüllen der Sorgfaltspflichten aufzufordern.

Präventions- und Abhilfemaßnahmen

Sobald bestimmte Risiken ermitteln wurden, werden spezifische Präventions- und Abhilfemaßnahmen ergriffen. Diese können wie folgt aussehen:

Prävention

1. Einhaltung der Menschenrechts- und umweltbezogenen Erwartungen 

2. Entwicklung und Umsetzung geeigneter Einkaufspraktiken 

3. Kontrollmechanismen

Abhilfe

1. Konzept zur Beendigung oder Minimierung der Verletzung

2. Ultima Ratio: Abbruch der Geschäftsbeziehung

Wichtig ist hierbei anzumerken, dass sich das Handeln des Unternehmens daran orientieren sollte, was angesichts des individuellen Kontextes, also Art der Geschäftstätigkeit sowie Nähe zum Zulieferer und Einflussmöglichkeiten, angemessen ist.

Dokumentation und Berichterstattung

Erfasste Unternehmen müssen jährlich (spätestens 4 Monate nach Ende des vergangenen Geschäftsjahres) einen Bericht veröffentlichen, aus dem die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die menschenrechtlichen und umweltbezogenen Belange hervor gehen. Dieser muss darüber hinaus bei der zuständigen Aufsichtsbehörde eingereicht werden.

Damit geht auch ein sogenanntes Beschwerdeverfahrne einher, für das eine Hinweisgeber-System  implementiert werden muss, welches Mitarbeiter:innen sowie Außenstehenden die Möglichkeit gibt, auf Risiken und Verletzungen die durch das Handeln des Unternehmens entstehen hinzuweisen.

Öffentlich-rechtliche Sanktionen 

Bei einem Verstoß gegen das Lieferkettengesetz kann es zu einem Ausschluss aus öffentlichen Vergabeverfahren bis zu 3 Jahre kommen. Zuwiderhandlungen gegen behördliche Anordnungen können zu Zwangsgeldern bis zu 50.000 Euro führen. Entscheidend ist auch, dass es bei einem Verstoß zu hohen Bußgeldern kommen kann. Diese liegen je nach Unternehmen bei bis zu 800.000 oder 2 % des durchschnittlichen Jahresumsatzes (bei Jahresumsatz von mehr als 400 Mio. Euro).

Vorbereitet auf das Lieferkettengesetz

Umso wichtiger ist es heute, dass Unternehmen nicht nur wissen, was künftig aus sie zukommt, sondern sich aktiv schon jetzt darauf vorbereitet, die Sorgfaltspflichten einzuhalten und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette zu schaffen. 

Dazu benötigen Einkäufer eine skalierbare Möglichkeit mit bestehenden Lieferanten für eine klimarelevante Zusammenarbeit zu kollaborieren und Neue zu identifizieren. Zulieferer hingegen brauchen eine Plattform, um mit ihrer Klimaleistung bestehende Kunden zu halten und Neue zu gewinnen.

TCC corporate plan

Um dies so einfach wie möglich zu gestalten, hat The Climate Choice die Climate Intelligence Platform erarbeitet. Das Software-Tool ermöglicht es Unternehmen, vergleichbare klimabezogene Primärdaten und Informationen von ihren Lieferanten zu erfassen und zu verwalten. Dies ist nicht nur Voraussetzung für einen umfassenden Überblick über die eigene Lieferkette, sondern ebenfalls die Grundlage für eine erfolgreiche Dekarbonisierung gemeinsam mit den relevanten Lieferanten.

Du möchtest mehr zur Climate Intelligence Plattform erfahren? Wir freuen uns Dich persönlich kennenzulernen. Registriere Dich hier für eine kostenlose Demo.

Die Lieferkette dekarbonisieren – 5 Schritte für erfolgreiche Zusammenarbeit mit Lieferanten

Klimaziele zu erreichen ist eine Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, da bis zu 90 % ihrer Emissionen in der Regel in der Lieferkette entstehen. Deshalb kommt es jetzt vor allem darauf an, eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Lieferanten aufzubauen, um gemeinsame Klimaziele zu erreichen.

Wenn Unternehmen ihre Lieferanten in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie aktiv einbeziehen, lassen sich Emissionen nicht nur intern, sondern in einem viel größeren Umfang reduzieren – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Darüber hinaus können Lieferkette widerstandsfähiger werden, indem sie klimabedingte Risiken überwinden und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen. Dementsprechend stellen sich immer mehr Unternehmen die Frage: Wie können wir alle unsere Lieferanten ins Boot holen, wenn es um effektive Reduktionsmaßnahmen geht?

Im Folgenden stellen wir 5 wichtige Schritte vor, die für den Aufbau starker Geschäftspartnerschaften und eines effektiven Netzwerks für die Zusammenarbeit mit Lieferanten wichtig sind.

Supplier Collaboration for Decarbonization in 5 Steps

5 Schritte zur erfolgreichen Lieferantenzusammenarbeit:

1. Transparenz schaffen

Welche Deiner Lieferanten haben sich bereits Klimaziele gesetzt und welche sind in der Umsetzung dieser schon fortgeschritten? Welche der Lieferanten benötigen Unterstützung dabei?

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Lieferanten, muss ein Unternehmen diese Fragen beantworten können und ein grundlegendes Verständnis für die Klimareife seiner Lieferanten aufbauen. Auf diese Weise können Unternehmen nicht nur die wichtigsten Lieferanten identifizieren, sondern auch erkennen, woher der Großteil der Emissionen innerhalb der Lieferkette stammt.

Um einen umfassenden Überblick zu gewinnen, müssen Unternehmen zunächst ein konsistentes und skalierbares Verfahren zur Erhebung vergleichbarer Daten über die ganzheitliche Klimareife von Lieferanten einrichten. Um Vergleichbarkeit und Qualitätsstandards zu gewährleisten, sollten die gesammelten Daten an internationalen Rahmenwerken für die Klimaberichterstattung ausgerichtet sein und die Bereiche Governance, Strategie, Risiko, Kennzahlen und KPIs abdecken. Datengesteuerte Instrumente, wie das CLIMATE Performance Assessment helfen bei der Erfassung und Verwaltung der Primärdaten.

2. Partizipation von Lieferanten sicherstellen

Um die Beteiligung von Lieferanten sicherzustellen, muss eine vertrauensvolle und transparente Beziehung aufgebaut werden. Ein Unternehmen sollte daher unbedingt offenlegen, wie der Datenerhebungsprozess funktioniert und wie Lieferantendaten verwendet werden.

Darüber hinaus bedeutet eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Zulieferern, „shared value“ zu schaffen, der die Lieferanten dazu antreibt und motiviert, sich an den Klimazielen auszurichten und ganze Geschäftsmodelle zu transformieren. Zunächst ist dabei wichtig, ein gemeinsames Verständnis darüber zu entwickeln, was es bedeutet, nachhaltig zu wirtschaften. Dabei ist es Aufgabe des Unternehmens, die Bedeutung klimarelevanter Geschäftspraktiken und Chancen für die Lieferanten selbst zu kommunizieren.

Wichtig: Ein Unternehmen sollte dabei immer auch transparent kommunizieren, wo es selbst steht, und dementsprechende Erwartungen an Lieferanten stellen.

3. Ein Klimadatenmanagement einrichten

Im Anschluss an die Datenerhebung ist entscheidend, wie die klima-relevante Daten der Lieferanten verarbeitet und verwaltet werden. Dabei ist es zunächst wichtig, sicherzustellen, dass die Daten allen beteiligten Anbietern zugänglich sind – denn die Zusammenarbeit bei der Dekarbonisierung ist keine Einbahnstraße, sondern ein Weg der Zusammenarbeit mit gegenseitigem Nutzen und gemeinsamen Lernprozessen. Die Grundlage dabei ist es, einen aktiven Kommunikationsfluss in beide Richtungen zu ermöglichen, bei dem sowohl Erwartungen als auch Bedenken auf beiden Seiten kommuniziert werden können.

Darüber hinaus müssen die Daten entsprechend analysiert werden, um sowohl Risikobereiche als auch Chancen für Klimamaßnahmen aufzudecken. Denn nur wenn entsprechende Schlussfolgerungen und Folgemaßnahmen aus den Ergebnissen resultieren, kann die Klimatransformation erfolgreich vorangetrieben werden.

4. Zusammenarbeit und Entwicklung

Mit einem funktionalen Klimadatenmanagement ist der wichtigste Grundstein gelegt. Ein wirklich nachhaltiger Erfolg erfordert nun eine Kommunikation auf Augenhöhe und langfristige Zusammenarbeit. Einfach nur Richtlinien zu diktieren, funktioniert nicht. Stattdessen muss ein vertrauensvoller, gewinnbringender und gegenseitiger Austausch stattfinden, um die Klimaleistung gemeinsam zu mindern.

Dabei ist es nun an der Zeit zu investieren! Es ist wichtig zu verstehen, was Lieferanten brauchen, um die Erwartungen und Richtlinien des Unternehmens zur klimarelevanten Produktion zu erfüllen. In die Beziehungen zu den Zulieferern zu investieren bedeutet, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die den Interessen aller Beteiligten entsprechen und sie in ihren Bedürfnissen unterstützen. Durch die Zusammenarbeit in Planung- und Kapazitätsmanagement sowie bei der Verbesserung des Abfall- und Ressourcenmanagements ermöglichen Unternehmen ihren wichtigsten Zulieferern, ihre Prozesse neu zu gestalten und effizienter zu arbeiten. So können sie wirksame Fortschritte in der effektiven CO2-Reduktion erzielen und ihren Klimaziele näher kommen.

5. Kontinuierliche Überwachung und Optimierung

Fortschritte überwachen

Was funktioniert tatsächlich und welche Maßnehmen können wir optimieren? Sobald ein Unternehmen die Zusammenarbeit mit den Lieferanten erfolgreich eingeleitet haben, geht es darum, die laufenden Maßnahmen kontinuierlich zu überwachen. Dies macht erste Erfolge greifbar. Darüber hinaus kann man Prozesse anpassen und bei Bedarf weitere Maßnahmen entwickeln.

Zunächst ist wichtig, die Wirksamkeit der Verbesserungsmaßnahmen anhand von vordefinierten Indikatoren zu überprüfen. Dabei ist es hilfreich, die gesetzten Klimaziele als Ausgangspunkt zu nehmen und die vor- und nachgelagerten Klimaauswirkungen regelmäßig zu messen. So lässt sich die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen reflektieren. Dies hilft nicht nur dabei, Best-Practices und wirksame Lösungsansätze zu erkennen, sondern auch neue Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Während des Prozesses ist es wichtig, die Ziele stetig zu erhöhen, um das Unternehmen selbst und die Lieferanten weiterhin zu fordern.

Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Lieferanten

Hände auf einem Baum

Dennoch gibt es mehrere Faktoren, die die Zusammenarbeit mit Lieferanten für viele Unternehmen zu einer Herausforderung machen. Die Investition in langfristige und starke Partnerschaften erfordert Zeit und Mühe und eine grundlegend andere Denkweise bei den Einkaufsprozessen. Zudem fehlen vielen Unternehmen noch immer die Ressourcen und Tools, um die Daten ihrer Lieferanten zu messen und zu verarbeiten. Das hindert sie noch immer daran, die CO2-Hotspots entlang ihrer Lieferketten zu identifizieren.

Um Unternehmen die Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten zu erleichtern, haben wir die Climate Data Platform eingerichtet. Sie ermöglicht es Unternehmen, klimabezogene Daten zu sammeln und die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette für eine effiziente Dekarbonisierung zu verbessern.

Du möchtest mehr über das datenbasierte Software-Tool für die Zusammenarbeit mit Lieferanten erfahren? Buche noch heute einen Demo-Termin und erfahre, wie sich Klimadaten sammeln und validieren lassen und wie Dein Unternehmen seine Lieferanten in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie einbeziehen.

Neue Anforderungen an klimakompatible Beschaffung, die heute ganze Lieferketten transformieren

Im Eröffnungs-Panel “Einkauf & Supply Chain” der amc Zukunftswerkstatt konnte unsere Gründerin Lara Obst, gemeinsam mit Elisabeth Fröhlich, Alexander Schreiber, Petra Poschadel-Babik, Jens Berberich, Stephan Link, Michael Niessen den aktuellen Wandel in der Beschaffung sowie im Lieferkettenmanagement beleuchten. Hier die wichtigsten Einblicke in Laras Beitrag. 

Die Beschaffung befindet sich angesichts von sogenannten Stapelkrisen in einer nie dagewesenen Belastungssituation. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine nachhaltige, klimaneutrale Beschaffung. Wie lassen sich eventuelle Zielkonflikte auflösen?

Wir befinden uns heute zwischen Pandemie und Krieg – der Begriff Krise ist allgegenwärtig. Fakt ist allerdings: Ein zurück gibt es nicht. Wir erleben gerade, wie sich ganze Systeme neu gestalten: Planetare Grenzen sind dabei als maßgeblicher Einfluss eine Dimension, gesellschaftliche Entwicklungen eine andere. 

Das Zusammenspiel dieser makro-ökonomischen Veränderungen verlangt insgesamt eine steigende Anpassungsfähigkeit von Unternehmen. Wollen sie dabei Risiken reduzieren und langfristig neue Chancen für sich nutzen, können Unternehmen jetzt Vorreiter:in werden und die Klimatransformation als Climate Champion mitgestalten. 

Dabei liegt besonders in der Beschaffung ein erfolgreicher Hebel, da sich hier die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Klimaschutz zeigt. Es besteht jetzt die einzigartige Chance, gemeinsam mit seinen Geschäftspartner:innen Schritt für Schritt Emissionen und Risiken zu reduzieren und gleichzeitig Marktsegmente zu erschließen sowie bestehende Kundenbeziehungen zu verbessern. Durch Kollaboration und Kommunikation lassen sich gemeinsame Mehrwerte aufzeigen und verfolgen, sodass vermeintliche Zielkonflikte häufig aufgelöst werden können. 

In der Praxis heißt das, dass die Dimensionen Preis, Qualität und Verfügbarkeit im Idealfall auf dem Fundament Nachhaltigkeit und Klimaschutz basieren und hierdurch verbessert und nicht blockiert werden. 

Was kann dabei helfen, damit die Klima- und Nachhaltigkeitsstrategien des Einkaufs angesichts von Lieferkettenchaos nicht auf der Strecke bleiben?

Kurzfristige Veränderung können natürlich nicht von heute auf morgen aufgefangen werden. Langfristig muss der Fokus daher auf Risikominimierung liegen: Das bedeutet Transparenz, Zusammenarbeit und besonders die Integration von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in alle Geschäftsbereiche. 

Eine Isolierung der Themenbereiche führt allerdings zu einem niedrigen Klimareifegrad, das Unternehmen ist also nur unzureichend auf externe und interne Folgen der Klimakrise vorbereitet. Im Notfall werden dann Nachhaltigkeit und Klimaschutz weggelassen. Eine vollständige Integration in alle Entscheidungen lässt dies nicht zu. 

Konkret heißt das: ganzheitliche Einkaufskriterien, Unterstützung der Lieferant:innen bei der Erfüllung von Klimaanforderungen, Transparenz in Entscheidungsprozessen und Investitionen sowie Anreizsysteme für Geschäftspartner:innen.

Klimatransformation ist komplex. An welchen Herausforderungen scheitern insbesondere mittelständische Unternehmen?

Man schätzt, dass heute bislang weniger als 15 % der Lieferant:innen “Climate Ready” sind, das heißt sie können ihr Klimamanagement bislang nicht strukturieren und notwendige, klimarelevante Daten für Geschäftspartner:innen und Dritte nur unzureichend aufzeigen. 

Die ersten Schritte sind dabei leicht gemacht, wir unterstützen dabei mit unserer Software: Dem CLIMATE Readiness Check. Hier werden in 5 Dimensionen nachhaltige und klimaspezifische Kriterien erfasst, um die eigenen Stärken und Potentiale zu erfassen sowie Reporting-Anforderungen zu erfüllen. Diese Daten werden in unserem Dashboard übersichtlich managebar und sind als CLIMATE Scorecard mit Geschäftspartner:innen teilbar. 

Die Herausforderung ist also adressierbar, es gilt dabei keine Angst zu haben und einfach anzufangen. Software-Lösungen sind dabei besonders schnell, unkompliziert und kostengünstig nutzbar.

Gibt es Ansätze, die den Prozess vereinfachen, wie kommt man in die Umsetzung?

Unsere Mission ist es, jedes Unternehmen zum Climate Champion und somit fit für die Klimatransformation zu machen. Wir legen daher besonders viel Wert darauf, alle Prozesse einfach und niederschwellig zu gestalten. Unser Climate Readiness Check ermöglicht dabei die Erfassung des Status Quo, zeigt im Ergebnis allerdings direkt Verbesserungspotentiale und konkrete Handlungsfelder auf. Diese lassen sich über die Zeit im eigenen Profil nachhalten. 

Für die konkrete Umsetzung wie Klimastrategien, Energiewechsel oder Umstellung von Produktionsprozessen arbeiten wir mit Partner:innen zusammen. Über unsere Datenplattform lassen sich im nächsten Schritt Kund:innen und Geschäftspartenr:innen einladen, um gemeinsam Daten zu teilen, Strategien anzugleichen und Climate Actions bis in die Lieferkette umzusetzen. Hierzu dienen Benchmarking-Ergebnisse, Best Practices und weitere Business Intelligence Insights. 

Wie findet man Quick Wins, mittel- und langfristige Themen?

Quick Wins sind für uns Climate Actions in neun Handlungsfeldern, die bereits als erprobte Best Practices bekannt sind. Diese werden aus Benchmarking-Daten erhoben sowie aus der Klimaforschung abgeleitet. Das schöne ist also: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können getestete Ergebnisse anwenden. 

Sie sagen: „Jede Einkaufsentscheidung ist eine Klimaentscheidung.“ Welche Entscheidungsgrundlagen fehlen bislang in der Praxis? 

Bis zu 90% der Emissionen eines Unternehmens stammen typischerweise aus der Lieferkette und werden zum Großteil durch Produkte und Services eingekauft. Will man also Emissionen reduzieren, muss man transparent mit Lieferant:innen zusammenarbeiten, um nicht nur CO2-Daten zu erhalten, sondern vielmehr um diese “climate ready” zu machen und durch einen ganzheitlichen Transformationsprozess – entlang internationaler Standards – auf die notwendige Transformation vorzubereiten. 

Als einkaufendes Unternehmen ist es also nicht nur wichtig zu wissen: Wo stehen meine Geschäftspartner:innen heute in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klima, sondern wo stehen sie in 5 oder 10 Jahren? Und was können wir gemeinsam tun, um dann den Klimaeinfluss und das gemeinsame Risiko drastisch zu reduzieren. 

Klimaneutralität kostet. Wie lassen sich die Klimaziele der Beschaffung trotzdem erreichen? 

Fragt sich, wie man Klimaneutralität definiert. Häufig wird der Begriff auf: CO2 Messen und Ausgleichen verkürzt. Die Kosten für Klimaneutralität beziehen sich dann vor allem auf den Einkauf von zusätzlichen CO2-Zertifikaten (aktuell ca. 12 € pro Tonne). 

Das reicht allerdings nicht aus und ist nach Reportinganforderungen, Kundenwünschen und Klimaeinfluss unzureichend. Was wir wirklich brauchen, ist CO2-Reduktion. Die lässt sich nur Umsetzen, wenn Potenziale aufgedeckt und bis in die Lieferkette realisiert werden. Hierzu braucht es Zusammenarbeit. 

Gemeinsam umgesetzt lassen sich im besten Fall sogar Kosten sparen. Der Wechsel von fossilen Energieträgern und Mobilitätsangeboten zu erneuerbaren Alternativen spart heute schon enorm Geld – und wird es auch in Zukunft weiter. Andere Bereiche wie Prozessumstellungen können die Effizienz steigern und schließlich lassen sich durch Einsparungen Technologien refinanzieren. Studien zeigen, dass im Durchschnitt 50 % der Emissionen mit Kosten von weniger als 10 € reduziert werden können, was bereits günstiger ist als das bloße “Offsetting”. 

Freiwilliger Klimaschutz darüber hinaus ist natürlich wünschenswert und keineswegs falsch, aber Einsparungen lassen sich langfristig nur durch Reduktion erzielen. 

Dich interessiert das Thema und Du willst mehr Tipps und Best Practices erfahren? Dann schau Dir auch unser Whitepaper „Fit für die Dekarbonisierung – Checkliste für den Einkauf“ an oder mache direkt ein Gespräch mit uns aus!

Supply Chain Action – FUNKEs Weg zur Klima-Transparenz in der Lieferkette

Ab 2023 wird die Einhaltung des deutschen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes“ für alle Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden verpflichtend sein – und mit dem bevorstehenden EU-Supply Chain Act zeichnen sich sogar noch strengere Vorschriften ab. Um diese neuen Gesetzgebungen zu bewältigen, steht der Einkauf vor der großen Herausforderung, die Transparenz bezüglich Menschenrechten und Umweltstandards in der Supply Chain seines Unternehmens jetzt drastisch zu erhöhen.

Wie geht ein führender Konzern wie die FUNKE Mediengruppe hierbei konkret vor? Genau das haben wir im CHOICE Event #39 von Gundula Ullah, Bereichsleitung Einkauf & Sustainability bei der FUNKE Mediengruppe, erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Das Unternehmen FUNKE und seine Klimaziele

Die FUNKE Mediengruppe beschäftigt als drittgrößtes deutsches Medienhaus rund 1.500 Journalist:innen und 4.500 Medienmacher:innen in den Geschäftsfeldern Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Im Bewusstsein der sich aktuell wandelnden Medienbranche hat die Gesellschafterfamilie ihr Commitment zu nachhaltigem Handel bekräftigt und will so “Strukturen und Prozesse schaffen, mit denen wir auch in den kommenden Jahren guten Journalismus ermöglichen“. 

Hierfür wurden spezifische Nachhaltigkeitsziele für FUNKE – abgeleitet von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen – definiert, welche die für FUNKE relevanten industriellen und regulatorischen Herausforderungen sowie Kunden-Zielgruppen berücksichtigen. Basierend auf den SDGs 5, 7, 8, 9, 12 und 13 verpflichtet sich FUNKE auf die Einhaltung der Ziele:

Nachhaltigkeit in der Lieferkette fängt im Einkauf an

Für die Umsetzung all dieser Ziele sowie die Vorbereitung der FUNKE Mediengruppe auf das kommende Lieferkettengesetz spielt der Einkauf eine zentrale Rolle. Denn die Kosten für die externe Wertschöpfung stehen letztlich ca. 50 % des Konzernumsatzes gegenüber. Die Wertschöpfungskette bei FUNKE sieht hierbei wie folgt aus:

Für jeden Bereich der Lieferkette hat sich FUNKE entsprechende Maßnahmen vorgenommen. Beim Energiebezug für den Betrieb der Druckereien sowie der Medienhäuser und Redaktionen möchte sich FUNKE in Richtung eines nachhaltigen Energiemix transformieren. Die Papierindustrie ist bereits generell stark zum Nachhaltigkeitsaspekt aufgestellt mit Kreislaufprozessen, die recyceltes Papier 5 bis 7 Mal wiederverwerten. Eine Herausforderung stellen allerdings noch die unterschiedlichen Reportingstandards bei der CO2-Transparenz des eingekauften Papiers dar. Um die IT zum Verfassen der Artikel klimakompatibler zu gestalten, sind entsprechende digitale Lösungen gefragt. Hier müssen vor allem neue nachhaltige Ausschreibungskriterien umgesetzt werden. 

Die Marktbereiche, welche die Anzeigen verkaufen und Werbungen schalten, sehen sich zunehmend mit Forderungen nach klimaneutralen Werbeformen von B2B-Kunden konfrontiert und müssen entsprechend nachhaltigere Ansätze bei Prämien und Kampagnen entwickeln. Beim Druck sind insbesondere Tiefdruck und das Heatset-Verfahren sehr energie-intensiv. FUNKE will deshalb mit den Druckereien in den Austausch gehen und gemeinsam erarbeiten, wie der Energieverbrauch reduziert werden kann. Zuletzt denkt FUNKE auch über nachhaltige Modelle in der Zustellung bei Tageszeitung nach und testet hierfür flächendeckende Ansätze mit Elektromobilität und Wasserstoff-Antrieb.

FUNKEs Herangehensweise? – Erstmal Transparenz!

Um die verschiedenen Bereiche der Lieferkette im Sinne von FUNKEs Nachhaltigkeitsstrategie zu transformieren, beginnt das Unternehmen zunächst mit einer grundlegenden Herstellung von Transparenz in Bezug auf CO2. Mithilfe einer Climate-Tech-Plattform wird daher ein Corporate Carbon Footprint erstellt, um auf diese Weise so viele Primärdaten wie möglich für den Scope 3 der Kern-Warengruppen (Papier, Druck, etc.) nutzen zu können. 

Das Emissionskontroll-Tool berechnet und analysiert den FUNKE CO2-Fußabdruck vollständig digital und prognostiziert zukünftige Nachhaltigkeitsszenarien auf der Grundlage von Datenheuristiken (z. B. künftiger Fußabdruck bei zukünftig weniger Print- und mehr Digitalabos). Um die ordnungsgemäße Anwendung der Emissionsbilanzierungsstandards sicherzustellen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen (z. B. GHG). Die Analysen sind „audit-ready“, sodass die neuesten Anforderungen zur Datenprüfung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. KPMG, GRI, CDP) für den Nachhaltigkeitsbericht erfüllt werden können. Der Zugang zur Plattform ist zudem simpel gestaltet, sodass innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Abteilungen ihre Daten ins Tool hochladen können.

Der Weg zur Transparenz in der Lieferkette

Als weitere Maßnahmen ist FUNKE aktuell auf dem Weg, sich als nachhaltige Beschaffungsorganisation vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zertifizieren zu lassen. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen, die vom Verband definierten nachhaltigen Aspekte und Kriterien in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren. Der erste Schritt hierfür ist ein Selbstaudit sowie die Planung und Selbstverpflichtungserklärung zur Erfüllung der Mindestkriterien. Danach entwickelt FUNKE eine Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des BMEs. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen sowohl vom BME als auch durch externe unabhängige Prüfer überprüft und so ein jährlicher Verbesserungsprozess angestoßen.

Um die Transparenz-Bemühungen weiter zu unterstützen sowie das Unternehmen auf das im Januar 2023 in Kraft tretende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz vorzubereiten, nutzt FUNKE eine digitale Unterstützung zum Lieferketten-Screening. Damit kann sich FUNKE digital von ihren Lieferanten die Bestätigung einholen, dass sie sämtliche Anforderungen erfüllen, die mit dem neuen Gesetz einherkommen.

Wichtige Learnings

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit musste FUNKE bisher mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen:

Gleichzeitig konnte das Unternehmen aber auch bereits erste Erfolge verbuchen:

Vielen Dank für Deine Einblicke, Gundula! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Der neue IPCC-Bericht – Die wichtigsten Erkenntnisse für Unternehmen

Anfang April veröffentlichte der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), auch Weltklimarat genannt, einen neuen Bericht über die Eindämmung des Klimawandels – ein deutlicher Weckruf, auch an die Wirtschaft! Denn jede weitere Verzögerung bei Maßnahmen für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt.

Der neue IPCC-Bericht geht nicht nur auf die irreversiblen Schäden ein, die durch die Klimakrise und die erheblichen Rückstände in Sachen Klimaschutz verursacht werden, sondern macht auch deutlich, wie wir uns heute an den Klimawandel anpassen müssen – denn noch sind effektive Anpassungsmaßnahmen möglich. Eines ist klar: Wir müssen jetzt handeln! Dies ist die Kernbotschaft der dritten Aktualisierung des 6. IPCC-Bewertungsberichts. 

Finde hier die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts.

Was sagt die Aktualisierung des IPCC-Berichts aus?

Die gute Nachricht zuerst: Der jüngste IPCC-Bericht ist ein deutlicher Beweis dafür, dass wir über alle Instrumente und das Know-how verfügen, um die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen und den Klimawandel abzumildern. Die neue Aktualisierung enthält die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel und informiert über den Status-Quo der globalen Erwärmung und des aktuellen Klimarisikos. Sie zeigt, dass wir die Emissionen bis 2030 in den Griff bekommen können, wenn wir jetzt handeln und klimarelevante Entscheidungen treffen.

Was wir dabei beachten müssen:

Die 1,5-Grad-Grenze kann nur eingehalten werden, wenn die globalen Emissionen bis zum Jahr 2030 um 45 % sinken und die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto Null sinken. Allerdings befinden wir uns aktuell nicht auf direktem Weg, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Der UN-Generalsekretär Guterres reagierte auf den IPCC-Bericht in einer Videobotschaft: „Dies ist keine Fiktion oder Übertreibung. Es ist das, wohin unsere derzeitige Energiepolitik laut der Wissenschaft führen wird. Wir sind auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung von mehr als dem Doppelten des 2015 in Paris vereinbarten Grenzwerts von 1,5 Grad Celsius.“

Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionssenkungen in allen Sektoren ist eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C nicht zu erreichen. Die Begrenzung der Erwärmung auf etwa 1,5 °C erfordert, dass die globalen Treibhausgasemissionen spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 % reduziert werden; gleichzeitig muss auch der Methanausstoß um etwa ein Drittel verringert werden. Aus dem Bericht geht jedoch auch hervor, dass der Fokus auf Klimaschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Obwohl in den Jahren 2010 bis 2019 weltweit die höchsten jährlichen Treibhausgasemissionen der Geschichte verzeichnet wurden, hat sich die Wachstumsrate verlangsamt. Politische Maßnahmen und Gesetze führten zu einer zunehmend verbesserten Energieeffizienz, verringerten Abholzungsraten und sorgte für einen beschleunigten Einsatz erneuerbarer Energien.

Fazit: Der Klimawandel ist da, und zwar jetzt. Er verursacht bereits immense Schäden für Menschheit und Planeten und beeinträchtigt das allgemeine Wohlbefinden auf der Erde. Wir tun immer noch nicht genug, um die Emissionen zu reduzieren.

Es ist 5 nach 12 – Wir müssen handeln! 

Es gilt heute also, in allen Sektoren in den Wandel zu investieren und dabei alle verfügbaren Instrumente in den verschiedenen Sektoren zu nutzen sowie alle Reduktionspotenziale auszuschöpfen. Zu diesen Instrumenten gehören u. a. erneuerbare Energien, dezentrale Energieversorgung, elektrischer Verkehr, Kreislaufwirtschaft und Netto-Null-Gebäude. 

Wir sehen: Die Strategien zur Bewältigung der relevanten Fragen unserer Zeit existieren schon. Wie können wir die Treibhausgasemissionen reduzieren? Wie können wir Kohlenstoff binden? Wie können die Bereiche Gebäude, Mobilität, Landwirtschaft und Energie nachhaltiger werden? Auf diese Fragen gibt es bereits antworten, unzählige Klimalösungen und erprobte Best-Practices sind bereits bekannt  – Jetzt kommt es auf die Umsetzung an!

Die Chancen der Klimatransformation jetzt nutzen!

Der IPCC-Bericht hat es uns gezeigt: Wir haben es in der Hand! Wir können jetzt aktiv werden, indem wir die schon verfügbaren Instrumenten und Klimalösungen nutzen und als CLIMATE Community erprobte Best Practices austauschen. Sektorenübergreifend lässt sich die Herausforderung der Klimatransformation gemeinsam bewältigen, wenn wir die gesteckten Klimaziele jetzt in die Praxis übersetzen.

Der #CTS2022 bietet die Chance, sich mit Climate Champions und Klimalösungsanbieter:innen sowie Expert:innen aus der Praxis zu vernetzen und mehr zu Best Practices der Klimatransformation zu erfahren! 100 % online findet im Juni der 2-tätige climatesummit.de mit dem Fokusthema „Dekarbonisierung von Unternehmen und deren Lieferketten“ statt. Der Summit bietet nicht nur eine Bühne für spannende Diskussionen und Einblicke in die Klimatransformation führender Unternehmen, sondern lädt auch die Teilnehmenden dazu ein, eigene Erfahrungen zu teilen und Teil der Debatte zu sein. Ziel des #CTS2022 ist es, den Grundstein für Zusammenarbeit und Austausch auf Augenhöhe zu legen, um gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette Klimaziele zu erreichen. Erfahre hier mehr zum Programm, den Speaker:innen und melde Dich jetzt an!

Sustainable Procurement – a boost for climate transformation!

How can procurement help to stop the exploitation of nature and human beings? In our CHOICE Event #34, Thomas Udesen, Chief Procurement Officer at BAYER AG, elaborated on the opportunities and challenges in building sustainable and profitable procurement. Lara Obst, Co-Founder of THE CLIMATE CHOICE, additionally shared her insights on how improved collaboration between companies and suppliers can help to achieve this goal in practice. These are the key insights of their presentations.

Thomas Udesen’s insights

PEOPLE – PLANET – PROFIT 

We as humanity are overstepping the Planetary boundaries. Climate, Humanitarian and Geo-Political issues are manifesting itself and we need to make sure we are ready for these changes.

COVID-19 has been a wakeup call for most of us. 2020 represents a turning point in history. It was a year to reflect on ourselves and our business models. The economical impact it had across society caused many losses that we need to respect and learn from. It’s time for businesses to make a decision.

Sustainable procurement is built on three pillars: People, Planet and Profit. The environmental, social and economical dimension must be considered to ensure its integral approach. In this regard each company faces unique challenges they need to address accordingly. 

SHIFT TOWARDS IMPACT AND INNOVATION

Financial and Sustainability Targets are merging increasingly. Very few companies nowadays focus exclusively on Shareholder Value. We can see a shift away from that focus towards the aim of being a social innovator. How can that look in practice?

This challenge calls for integrated strategies. As we are making sure to enhance Corporate Sustainability, we also change how we communicate and how we drive our supply chain.

The majority of CO2 emissions originates externally. Reducing carbon emissions along the supply chain is a vital step towards integral sustainability, nevertheless it requires a long term commitment as well as the collaboration across and within industries. 

These are potential implications that might occur:

  1. Product Portfolios:
  1. Supply Chains:
  1. Business Relationships:

HELPING HANDS – Sustainable Procurement Pledge (SPP)

Sustainability means that we all must have to? collaborate. The good news is that there are some really clever people with great ideas out there. But often those ideas are not gonna make it to the market if they’re not being rewarded. We need to make sure that innovators are funded. We need to change our buying and make sure discussions are being held in broader forums.

There is an african proverb that says: “If you wanna go fast, go alone. If you wanna go far, go together.” It is time to take a stand. 

BAYER is part of a diverse and engaged Ambassador community, the Sustainable Procurement Pledge (SPP), with procurement leaders and practitioners from leading corporates, SME’s and from across different industries, academia and governments.

Their strategy of impact is building on Ambassador feedback and focuses on closing these gaps: Knowledge Gap (SPP Ambassadors don’t know where or how to start in a structured way), Support Gap (SPP Ambassadors are seeking some personal guidance and support), Leadership Gap (SPP Ambassadors report a lack of engagement and mandate from their management), Confidence Gap (SPP Ambassadors are concerned about failing or causing damage). The aim is to empower and equip and to encourage leadership.

The SPP is growing rapidly and is impacting real decisions. So far 73% of the ambassadors confirm the SPP has positively influenced decisions

In his closing statement, Thomas Udesen referred to the saying: With great power comes great responsibility. Procurement is not just a job, but a great chance to actually make a change towards integral sustainability. 

Lara Obst’s insights

OUR OBLIGATION TO ACT NOW

The transition to a low-carbon economy is underway and accelerating globally. It’s now expected that organizations set climate targets that align with the latest climate science and drive action on ambitious emission reduction initiatives. Climate transformation is therefore an existential challenge. It requires us to look beyond competition and come together to cultivate collaboration across all sectors and professions. 

Luckily there are already initiatives such as SPP working together to build more equitable, resilient supply chains. These climate commitments need to be met through absolute CO2 reductions and from a large portion of the company’s suppliers achieving their own successful climate transformation. As most emissions are created upstream, so-called „supply-chain emissions“ are often purchased in the course of manufacturing products or services that the company buys.

Companies that already set science based climate targets are facing the challenge of engaging a large number of suppliers to commit to their goals within a relatively short time frame of typically five years. This creates the need to provide suppliers with tools and resources to develop their own climate action plans. 

A comprehensive, systematic approach to supplier relationship management is therefore essential to fast-track progress on absolute emission reductions and supplier engagement goals. Whereas working in silos creates inefficiencies and duplicates efforts, supplier engagement and capacity building are essential for corporate and supply chain decarbonisation.  

HOW DOES SUPPLIER ENGAGEMENT LOOK LIKE?

We explore the essential steps of a continuous journey that starts with strategy, the Corporate Climate Target Setting. The second step is to establish a scalable supplier management program. The third step focuses on the supplier engagement – and is up until today mostly carried out by data collection. The fourth and final step includes value creation and capturing. Here the measured results are reported, actions are implemented and outcomes analyzed?.

Supplier engagement goes way beyond data collection. So far the term is often understood as the process of simply requesting climate related ESG-data from suppliers. However, true “engagement” requires much more involvement. It includes the three steps: Data collection, analysis and decarbonisation. Each step is an own elaborated phase that needs to be acknowledged in order to successfully carry out the overall process. 

Prior to data collection, businesses need to inform and prepare suppliers for an upcoming assessment. Next, the actual data is collected from suppliers on relevant climate ESG topics. Using a single platform for data collection and asking standardized questions are two very important points. This ensures that all information is centralized and that supplier data is formatted in a way that is easily referenceable year over year, for both buying companies and suppliers.

In the third phase the data collected gets analyzed in order to uncover climate relevant hotspots in the supply chain. This third and final phase is the most important and is often where companies struggle. This phase involves driving tangible improvement with suppliers, often through co-creation of action plans, capacity building, training programs, incentives, and more. 

A CONTINUOUS PROCESS

To conclude: supplier engagement is an iterative, continuous, and collaborative process, not something you do once every few years. We therefore note that it builds on high quality supplier data, but most important is its actionable usage for decarbonisation efforts. Hence, the following questions arise: How do we collect supplier data collaboratively? And what do we do with it in order to actually improve climate impact? 

The study “Net Zero Challenge” from BCG & World Economic forum says that supply chain decarbonisation is the game changer for corporate climate action. However, it also highlights various challenges: Data collection is often a one-way street, where suppliers are being asked to provide complex data without getting much in return. If companies want to see real improvements on their goals, suppliers must be willing to participate. To do this, the preparation and support of suppliers during each phase of the supplier engagement process is not enough, but the real value should be apparent for them. In other words, just like any good relationship, it has to be a two-way street.

TRUST AND TRANSPARENCY

To build these relationships, your suppliers need to trust the data collection process. Today suppliers often do not know what is done with their data, and fear that if they answer “incorrectly,” they will lose their contract. Transparency is crucial in this regard. Be sure to explain how their data will be used, emphasizing that their responses will be the foundation for future collaboration and that there will be no punishment for “wrong” answers.

You then should also clearly communicate what incentives are in place for them to improve. One way to do this is to simply share back your assessment results so your suppliers know where they stand. This is a great way to start a dialogue with your suppliers on what support they may need.  

Honor that suppliers are often at different stages of their climate journeys. Some may already have set climate targets, reduction efforts and methods to engage their own suppliers on topics like greenhouse gas emissions whereas others may not know how or even why they should start. Supplier engagement strategies should therefore be segmented by supplier climate maturity, product category, or key impact areas. 

Most important of all: provide value for suppliers and communicate clear benefits of your supplier engagement program. Typically supplier gain from a collaborative participation in a supply chain decarbonisation program in multiple ways: 

  1. It drives innovation and transforms business practices
  2. It enables suppliers to Benchmark & increases their competitiveness
  3. It builds credibility and reputation
  4. It ensures their own supply chain resilience
  5. Last but not least, it demonstrates climate commitments to consumers

To conclude: Supply chain engagement programs need to be built on meaningful, collaborative relationships that provide impactful benefits for suppliers.

HOW WE HELP

That is what we are working on at The Climate Choice with our Climate Data SaaS platform. We provide companies a systematic and collaborative way for the collection of climate relevant supplier data for decarbonisation actions.

Customers use our data driven software platform to either engage their own supply chain and share relevant insights with their suppliers or to assess their own climate maturity compared to market averages.

Our platform therefore offers an „Out of the box“ supplier engagement program that is aligned to international climate standards and regulations and can be adapted to company specific needs. The process is thereby designed along the 3 steps of supplier engagement

  1. Data collection
  2. Analysis & Value creation
  3. Decarbonisation actions & monitoring

In the first phase, the supplier’s climate performance is evaluated using an actionable assessment framework that covers 5 dimensions. From governance to labor & human rights, environment, broader sustainability and specific climate areas.

In the second phase, the analysis,suppliers receive based on their performance an individual CLIMATE Scorecard that can be shared with multiple customers. On top they receive insights on how to improve their climate performance score, which decarbonisation actions fit their potentials and how they benchmark to others. This way the program provides mutual value and a direct approach to impactful climate action management. Finally: the platform provides guidance to buyers, helping them monitor supplier climate performance, decarbonisation actions along the supply chain and decrease potential climate risks.

TO CONCLUDE

COVID-19 showed us that there is vulnerability in supply chains that can affect the company tremendously. It is necessary for organizations to choose who to do business with. The commitment to a sustainable journey is becoming a vital criteria in regards to that. Being prepared to address the complexities requires a different type of conversation, based on trust, not pride, and the establishment of long term relationships. 

Sustainable Procurement can be a key lever for global climate transformation. It is on us to take chances, honor our responsibilities and use our privilege to contribute to the necessary decarbonisation. Collaboration across industries and continents can drive this mission forward. Let’s learn from each other, with each other and most importantly: Let’s act now! 

Make your company a CLIMATE Champion! Contact us now to arrange a free consultation.

Supply Chain Decarbonisation, was erwartet uns 2022?

Immer mehr Unternehmen erkennen die Wirksamkeit der Dekarbonisierung ihrer Lieferkette. Doch welche Maßnahmen können idealerweise umgesetzt werden? Dieser Frage ist Lara Obst, Gründerin von THE CLIMATE CHOICE beim CHOICE Event #33 nachgegangen. Hier findest Du die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag.

1,5 ODER 2 GRAD?

Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die erfolgreiche Umsetzung der Klimatransformation. Weltweit sind die Veränderungen des Klimas spürbar: Brände, Hochwasser und Artensterben prägen bereits jetzt dieses Jahrzehnt. Erwärmt sich die globale Oberflächentemperatur um 2 Grad, wird ein Viertel der Welt regelmäßig unter extremen Hitzewellen leiden. Auch beim oft besprochenen 1,5-Grad-Ziel betrifft die extreme Hitze noch immer 1 Milliarde Menschen. 

Um essenzielle Erfolge verzeichnen zu können, spielt die globale Wirtschaft eine zentrale Rolle. Zwar gehen die Emissionen in Europa seit den 90er Jahren zurück (Abb. 1), jedoch ist dies weniger auf erfolgreiches Klimamanagement zurückzuführen, sondern vielmehr auf globale Krisen. Unser Klimamanagement weist großes Verbesserungspotential auf.

Abb. 1

WELTWEITE REGULATIONEN

Weltweit nehmen Regulationen zu, die die Umsetzung der Klimaziele ermöglichen sollen (Abb. 2). Bei der COP26 Klimakonferenz in Glasgow wurden Einigungen erzielt, nach denen keine fossilen Brennstoffe mehr genutzt werden dürfen und bis 2030 weltweit 55 % CO2 reduziert werden sollen. Solche Zielvorgaben mehren sich auch in Europa. Im Sommer 2021 ist das “Fit for 55”-Programm verabschiedet worden, ebenfalls mit dem Ziel einer Emissionsreduktion von 55 %. Deutschland hat Anfang dieses Jahres bekräftigt, auf eine Reduktion von 65 % bis 2030 hinzuarbeiten und Klimaneutralität bis 2045 erreichen zu wollen (ob 2045 ausreicht, wird ebenfalls noch stark diskutiert). 

Diese Zielvorgaben machen sich in der Wirtschaft bemerkbar. Unternehmen müssen sich anpassen, sich dazu verpflichten, Emissionen zu reduzieren und dazu beizutragen, das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Aber: Wir haben im letzten Jahr auch festgestellt, dass es nicht ausreicht, sich diese Klimaziele zu setzen. Wir müssen darüber reden, wie wir sie in die Praxis umsetzen. 

Abb. 2

Seit dem 1. Januar 2022 gilt die EU-Taxonomie. Sie bestrebt die Einordnung von Unternehmen danach, wie deren Handlungen auf Klima und Nachhaltigkeit einzahlen. Zudem soll kontrolliert werden, ob sie eines der sechs Umweltziele der EU (Abb. 3) positiv beeinflussen, ohne dabei ein anderes zu verletzen und gleichzeitig alle Standards eingehalten werden. Gegenüber diesem System sollen Unternehmen demnächst aufzeigen, wie sie dazu beitragen, dieses Rahmenwerk zu erfüllen und bewerten, ob ihr eigenes Geschäftsmodell klimakompatibel ausgerichtet ist. Stark diskutiert ist in diesem Rahmen der Einbezug der Atomkraft. Jedoch gilt die EU-Taxonomie als erstes Rahmenwerk für eine Einordnung.

Abb. 3

Ein zweites Rahmenwerk ist ein Vorschlag der Taskforce Climate Related Financial Disclosure, die auf Anfrage der EU ein Rahmenwerk entwickelt hat, um die andere Perspektive aufzeigbar zu machen: Wie können Unternehmen aufzeigen, welche Risiken der Klimawandel für sie darstellt? Und wie können sie selbst Strategien aufstellen, um diesen Risiken zu begegnen und Chancen zu nutzen? Auch wenn dieses Rahmenwerk bislang nur ein Vorschlag ist, nutzen es aktuell bereits 60 % der weltweit größten 100 Unternehmen, womit es de facto ein Standard geworden ist, um Klimarisiken für Unternehmen bewertbar zu machen, besonders in der Finanzwelt. 

Die CSRD (Corporate Social Responsibility Directive) beschäftigt sich damit, diese beiden Perspektiven zusammenzubringen und das nicht-finanzielle Reporting, das bislang als Non-Financial Reporting Directive (NFRD) existiert, abzulösen. Ein Rahmenwerk soll entstehen, sodass Unternehmen einen Standard haben, auf den sie sich beziehen können und das ab 2023 greifen soll. Aus Veröffentlichungen weiß man bereits, dass die CSRD auf bestehenden Standards aufbaut und die 6 EU-Klimaziele berücksichtigt. Angekündigt ist dieses Rahmenwerk ab 2023 für Unternehmen mit über 250 Beschäftigten mit €40 Millionen Nettoumsatz und €20 Millionen Bilanzierung. Ab 2026 gilt es auch für gelistete KMUs.

Diese Rahmenwerke entstehen nicht nur auf europäischer Ebene, sondern auch auf internationaler. Unternehmen orientieren sich jetzt schon an den Vorgaben der TCFD. Inzwischen gibt es zudem ein Internationales Sustainability Standard Board (ISSB), das daran arbeitet, ein internationales Konzept für die Offenlegung von klimarelevanten ESG-Daten zu erstellen. Dabei werden ebenfalls die Punkte Governance, Strategie, Risikometriken und KPIs beachtet.

2022 – GET YOUR DATA RIGHT!

Um den Einfluss der ESG-Kriterien in Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette messbar und managebar zu machen, ist eine Klimadatenanalyse notwendig. Nicht nur von Kundenseite, auch durch die genannten Regulationen steigen die Verpflichtungen für Unternehmen, ihren Impact reporten zu können. Hier hilft es hinzuschauen, wo die meisten Emissionen entstehen. Den Großteil des negativen Klimaeinflusses eines Unternehmens machen nicht die direkten Emissionen aus, sondern die Emissionen, die aus der Lieferkette kommen (Abb. 4).

Abb. 4

Emissionen aus der Lieferkette können bis zu 90 % der Unternehmensemissionen ausmachen. Wenn die Klimabilanz eines Unternehmens verbessern werden soll, gilt es, hier hinzuschauen.

WIE KÖNNEN UNTERNEHMEN KLIMAKOMPATIBEL ARBEITEN?

Um die Klimatransformation im Unternehmen voranzubringen, muss ein strukturiertes Klimamanagement aufgesetzt werden. Es reicht nicht aus, Emissionen zu messen und durch Offsetting auszugleichen. CO2 muss vermieden und reduziert werden. Darüber hinaus müssen klimarelevante Daten reportet werden können. 

Die Dekarbonisierung durch klimarelevante Beschaffung macht die Transparenz der Lieferkette wichtiger denn je. Der Umgang mit Scope-3-Emissionen ist für Unternehmen von grundlegender Bedeutung, um Anforderungen hinsichtlich ihrer Klimatransformation zu erfüllen. Dies geht mit unterschiedlichen Herausforderungen einher (Abb. 5). So fehlen z. B. häufig klimarelevante Daten, es müssen Anreize für den Procurementbereich geschaffen und Prioritäten verrückt werden. Entlang der Wertschöpfungskette gibt es bisher keine klaren Klimaziele und keine Standards, nach denen Unternehmen bemessen können, ob und wie ihre Lieferanten Klimastandards einhalten. 

Abb. 5

Um diese Herausforderungen erfolgreich anzugehen, entstand der Zusammenschluss internationaler Konzerne, “Transform To Zero” (Abb. 6). Die Teilnehmenden haben über Industrien hinaus erkannt, dass sie an der gemeinsamen Arbeit an der Dekarbonisierung ihrer Lieferketten profitieren können. Die Einbindung einer fragmentierten Lieferantenlandschaft über mehrere Branchen hinweg erfordert kollektives Handeln. 

Abb. 6

Die größte Herausforderung der Dekarbonisierung der Supply Chain: In den Lieferketten gibt es viele kleine und mittlere Unternehmen, die noch nicht bereit sind, ihre Klimaauswirkungen zu managen, wodurch klimarelevante ESG-Daten fehlen. Nur 28 % der Unternehmen mit Dekarbonisierungszielen sind auf dem Weg, ihre Ziele zu erreichen. Das liegt stark daran, dass sie noch nicht die Herausforderungen in der Lieferkette angegangen sind. Deshalb folgt nun ein Step-by-Step-Guide zur Lieferkettendekarbonisierung.

STEP-BY-STEP LIEFERKETTENDEKARBONISIERUNG

Bei der Dekarbonisierung der Lieferkette gilt es folgenden Fragen nachzugehen:

  1. Wie klimafreundlich sind meine Lieferanten?
  2. Wie helfe ich Ihnen bei ihrer Dekarbonisierung?
  3. Wie kann ich die Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Lieferanten fördern? 

Egal, welchen Prozess man dabei umsetzt, sollte man laut Gartner zunächst einen Weg finden, um Daten zu sammeln, diese dann analysieren und schließlich Expertise aus den verschiedenen Bereichen der Transformation vermitteln.

Um Unternehmen in Richtung klimakompatible Lieferketten bewegen, gilt es die folgenden fünf Schritte zu beachten:

  1. Umfassendes Klimamanagementsystem – Berücksichtigung von Klimaregulierung und Kundenbedürfnissen
  2. Engagement – mit Lieferanten bei der Klimaberichterstattung und den Bemühungen zur Emissionsreduzierung
  3. Einführung der Datenerfassung – Entwicklung einer Methode zur Verwaltung klimarelevanter ESG-Daten von Lieferanten
  4. Datengesteuert – Einsatz von Software, um Lieferanten in die Lage zu versetzen, Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung zu erkennen
  5. Datengestützte Beschaffung – intelligente Entscheidungen treffen und Kapital richtig zuweisen

WIE ZERO-CARBON-SOLUTIONS LIEFERKETTEN DEKARBONISIEREN

40 % der Emissionen in den Lieferketten könnten mit leicht zugänglichen und erschwinglichen Mitteln (<10 € pro Tonne CO2e) reduziert werden und sind dadurch durchaus kompatibel mit den aktuellen Offsetting-Preisen (Abb.7).

Abb. 7

WARUM RENTIERT SICH DIE KLIMATRANSFORMATION?

Die erste Generation von „Climate Champion“-Unternehmen erwirtschaftet intensive Aktionärsrenditen. Es lässt sich aufzeigen, dass sowohl einkaufende Unternehmen ihre Umsätze steigern und Performance heben, als auch, dass sich Kosten reduzieren lassen.

WRAP-UP LIEFERKETTENDEKARBONISIERUNG:

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass es gilt CO2-Reduktionen entlang der gesamten Wertschöpfung effektiv umzusetzen. Unternehmen müssen ihre Lieferketten transformieren und ein klimarelevantes Sourcing aufbauen, indem sie aktiv mit Lieferanten zusammenarbeiten und diese dazu befähigen, ihre eigenen Klimadaten zu managen und CO2 zu reduzieren. Klimarelevante Beschaffung muss eine kollaborative Einkaufs-Lieferanten-Beziehung ermöglichen, die Lieferanten befähigt, Klima-Champions zu werden.

Hierbei hilft THE CLIMATE CHOICE. Als Software-as-a-Service Plattform bietet es zuverlässige Klima-Ratings und ein kollaboratives, datengesteuertes Werkzeug zur Dekarboniserung von Unternehmen und ihren Lieferketten. Die handlungsorientierte und einfach zu handhabende Klima-Scorecard bietet als detaillierte Analyse Einblicke in die aktuellen klimarelevanten Chancen, Potentiale und Risiken eines Unternehmen. Die smarte Technologieplattform unterstützt Unternehmen dabei Handlungsfelder aufzudecken und Dekarbonisierungsmaßnahmen zusammen mit Lieferanten und Handelspartnern umzusetzen. Transformation wird so ganzheitlich möglich und durch ein starkes CLIMATE Netzwerk umgesetzt, welches mit einer einheitlichen Methodik zur Bewertung und Verbesserung der eigenen Klimaleistung arbeiten, um Transparenz und zielgerichtete CO2-Reduktion zu fördern und sich zukunftsorientiert zu positionieren.

Mache Dein Unternehmen zum CLIMATE Champion! Kontaktiere uns gleich und mache ein kostenloses Beratungsgespräch aus. 

Glossar der klimakompatiblen Beschaffung – die wichtigsten Begriffe im Überblick

Wer die Klimatransformation im eigenen Unternehmen vorantreiben möchte, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Denn da der Großteil der CO2-Emissionen eines Unternehmens durch eingekaufte Produkte und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfung entsteht, ist die Lieferkette der größte Hebel für umfangreiche Emissionsreduktion.

Der größte Trend 2022 für die Klimatransformation ist daher eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Einkaufsleiter:innen und Klimabeauftragten. Damit sie gemeinsam CO₂-Reduktionen in der Lieferkette umsetzen können, braucht es jedoch ein gemeinsames Verständnis über die grundlegenden Konzepte klimakompatiblen Handelns. Dabei ist die Liste der neuen Verordnungen, Konzepte, Regelwerke und Praxisansätze lang und für Einsteiger oft kaum zu überschauen.

Die relevantesten Begriffe im Überblick

Im Folgenden haben wir Dir daher ein Glossar der klimarelevanten Beschaffung zusammengestellt. Anhand der erklärten Begriffe erhältst Du einen umfassenden Überblick darüber, was klimarelevantes Wirtschaften entlang der gesamten Lieferkette bedeutet und auf welcher Grundlage eine verantwortungsvolle Beschaffungspraxis im Unternehmen entwickelt wird:

Corporate Social Responsibility (CSR)

Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) steht für unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Eine CSR-Strategie verfolgt das Ziel, ökonomische, soziale und ökologische Aspekte im Unternehmen miteinander zu verbinden und in Einklang zu bringen. Das CSR-Richtlinien-Gesetz legt seit 2017 CSR-Berichtspflichten für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten fest. Diese geben vor, welche Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmer:innenbelangen Unternehmen transparent offenlegen müssen. Es schafft Anreize für Unternehmen, entlang der gesamten Lieferkette soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Klimakompatibler Einkauf zielt darauf ab, diese Grundsätze der sozialen Verantwortung im Lieferkettenmanagement sowie im Lieferantenauswahlprozess zu integrieren. Damit schafft CSR die Grundlage für verantwortungsbewusste Beschaffungsprozesse.

Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Mit der kommenden Anpassung der EU-weiten CSR-Berichtspflicht, der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), werden rund 15.000 Unternehmen in Deutschland bald dazu verpflichtet, die von ihnen ausgehenden Risiken für Gesellschaft und Umwelt offenzulegen. Der neue Standard führt zu einer zukunftsorientierten Veränderung der Geschäftsbeziehungen. Investor:innen, Kund:innen und Geschäftspartner:innen werden in der Lage sein, die Auswirkungen von Unternehmen und ihre tatsächlichen Maßnahmen zur Verbesserung dieser Auswirkungen zu erkennen. Denn Unternehmen werden jährlich darüber berichten müssen, wie sie ihre soziale und ökologische Dimension sowie die Unternehmensführung handhaben. Die berichteten Informationen müssen solide, transparent und überprüfbar sein. Daher werden ein internes Managementsystem sowie externe Audits bald obligatorisch sein, um die Auswirkungen entlang der Lieferkette kontinuierlich zu messen und zu überwachen. 

Weitere Insights zum Game Changer CSRD finden sich hier.

ESG-Kriterien

Der Begriff ESG kommt aus dem Finanzsektor und steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Da klimakompatibles Wirtschaften weit über den Umweltaspekt hinausgeht, soll die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens anhand unterschiedlicher Kriterien aus diesen drei Bereichen bewertet werden. Evaluiert werden somit nicht nur die direkten und indirekten Umweltauswirkungen einer Unternehmung, sondern auch der Grad der unternehmerischen Sozialverantwortung. ESG-Kriterien haben sich heute als Standard nachhaltiger Finanzanlagen etabliert und fördern somit die Transparenz nachhaltiger Unternehmensaktivitäten in der Finanzwirtschaft.

Wie Du in 5 Schritten klimafokussierte ESG-Kriterien für den Einkauf nutzen kannst, erfährst Du hier.

Global Reporting Initiative (GRI)

In Zusammenarbeit mit den United Nations unterstützt die Global Reporting Initiative (GRI) die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Organisationen. Dazu veröffentlichte GRI im Jahr 2016 seinen Sustainability Reporting Standard, der einen Berichtsrahmen mit dazugehörigem Leitfaden und Kriterien beinhaltet, welcher heute schon von tausenden Organisationen in über 100 Ländern genutzt wird. Dies trägt zur Vergleichbarkeit der Klimadaten bei, legt unternehmerische Klimachancen sowie -risiken transparent offen und gewährleistet Stakeholder:innen einen besseren Einblick in die Unternehmensleitung. Unternehmen können so ebenfalls die Klimaleistung ihrer Lieferanten einordnen und die Ergebnisse in die Lieferantenauswahlprozesse einbeziehen.

Klima Sourcing

Intelligentes Klima Sourcing basiert heute auf klimarelevanten und validen Daten. Um diese zu erhalten, muss die Klimawirkung eines Lieferanten anhand von verschiedenen relevanten Wirkungs- und Risikodimensionen ganzheitlich analysiert werden. Dies bringt nicht nur Transparenz in die Lieferkette, sondern fördert auch die Vergleichbarkeit von Klimadaten. Unternehmen können so klimakompatible Lieferanten identifizieren, die bereits hohe Reportingstandards und klimarelevante Wirkungsprofile aufweisen.

Scope 1-3 Emissionen

Für die Berechnung der Emissionen in einem Unternehmen wird zwischen verschiedenen Emissionsquellen differenziert. Laut dem Greenhouse Gas Protocol werden Treibhausgasemissionen in Scope 1, 2 und 3 unterteilt. Während die Emissionen in Scope 1 und 2 die firmeneigenen Emissionen umfasst, welche durch bspw. Gebäude, Strom und Mobilität erzeugt werden, fallen unter Scope 3 solche Emissionen, die durch eingekaufte Produkte und Dienstleistungen entlang der Lieferkette entstehen. Die Betrachtung der Scope 3-Emissionen erweist sich als besonders wichtig, da diese den Großteil der Gesamtemissionen eines Unternehmens ausmachen.

Supplier Engagement

Der Schlüssel der Lieferkettendekarbonisierung liegt darin, nicht nur Anforderungen an Lieferanten zu stellen, sondern sie auf dem Weg der Klimatransformation mitzunehmen und sie in der Umsetzung der eigenen Klimaziele zu unterstützen. Dies geschieht, indem eine datengetriebene Software-Analyse Lieferanten nicht nur die eigene Klimaperformance aufzeigt, sondern handlungsorientierte Potenziale und konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen identifiziert. Auf dieser Grundlage arbeiten Lieferanten und Kund:innen transparent und zukunftsorientiert zusammen, um gemeinsam individuelle Maßnahmen einzuleiten und Klimaziele aktiv umzusetzen.

Unsere CLIMATE Data Platformim unterstützt Dich beim datenbasierten Supplier Engagement.

Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD)

Die TCFD-Empfehlungen unterstützen Unternehmen bei der effektiven und unkomplizierten Offenlegung klimabezogener Daten. Das Rahmenwerk wurde 2017 auf Wunsch der G20-Finanzministerien sowie der Zentralbank veröffentlicht und dient heute als ganzheitlicher Leitfaden für einen umfassenden Reportingprozess. Dabei geht es um die 4 Kernbereiche: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Metriken und Ziele. Die Chancen einer schnellen Umsetzung sind sowohl ein besserer Zugang zu Kapital durch erhöhtes Vertrauen der Kreditgeber:innen als auch ein gesteigertes Verständnis von klimabezogenen Risiken und Chancen, wodurch bereits bestehende Offenlegungspflichten besser erfüllt werden können.

Erfahre hier mehr darüber, wie sich die TCDF-Empfehlungen für eine transparente Berichterstattung in Deinem Unternehmen umsetzen lassen.

Verhaltenskodex für Lieferanten

Ein Verhaltenskodex dient dazu, die Anforderungen und Standards an Lieferanten transparent zu kommunizieren. Hier werden nicht nur Anforderungen für Sozial- und Arbeitnehmer:innenstandards, sondern auch für Umweltbelange festgelegt sowie Richtlinien zur Überprüfung und Dokumentation abgesteckt. Damit sorgt ein Unternehmen dafür, dass auch Lieferanten für verantwortungsvolles und klimarelevantes Handeln sensibilisiert und in der Umsetzung der eigenen Klimaziele gefördert werden.

Zirkularität

Das Ziel der zirkulären Wertschöpfung ist, im Gegensatz zum Konzept der linearen Wertschöpfung, Roh- und Werkstoffe möglichst lange zu verwenden und den Umgang mit Ressourcen so effizient wie möglich zu gestalten. Dies ist nicht mit dem klassischen Recycling gleichzusetzen. Zirkularität zielt darauf ab, das End-of-Life-Konzept durch geschlossene Kreisläufe zu ersetzen und damit eine regenerative und effiziente Produktion von Gütern zu ermöglichen. 

Circular Economy als ganzheitlicher Ansatz – so funktioniert’s.

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Klimarelevante Beschaffung – 5 praktische Tipps für die Umsetzung

Wer effizient Emissionen reduzieren und Einsparpotenziale heben will, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Denn ein Großteil der Emissionen entsteht nicht intern im Unternehmen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen und Einzelteilen. Die indirekt entstehenden Emissionen anzugehen und die eigene Lieferkette kritisch zu hinterfragen, ist somit ein entscheidender Schritt in Richtung Dekarbonisierung des eigenen Unternehmens.

Klimapolitik fordert verantwortungsvolle Beschaffungspraxis von Unternehmen

Dies fordert nun auch die Politik. Das von der Bundesregierung beschlossene Lieferkettengesetz verpflichtet zunächst Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten ab 2023 dazu, entlang der gesamten Lieferkette Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten. Aber nicht nur neue gesetzliche Vorgaben üben Druck aus: Unternehmen müssen künftig den wachsenden Erwartungen verschiedenster Interessensgruppen gerecht werden. Kund:innen und Konsument:innen legen zunehmend Wert auf die nachhaltige Produktion der Waren. Darüber hinaus orientieren sich auch Investor:innen immer mehr an klimarelevanten Standards. 

Um all diesen Herausforderungen zu begegnen, hilft nur eine ganzheitlich klimakompatible Beschaffung. Während die konventionelle Einkaufspraxis hauptsächlich darauf bedacht ist, eine hohe Qualität zu einem möglichst niedrigen Preis zu erwerben, fokussiert sich eine klimarelevante Beschaffung zusätzlich darauf, ökologische Faktoren in Kaufentscheidungen einzubeziehen. Dazu gehört auch, Verantwortung für die sozialen und klimabezogenen Praktiken der Lieferant:innen zu übernehmen. 

Die Chancen der klimakompatiblen Beschaffung für Dein Unternehmen 

Viele Unternehmen unterschätzen die Chancen einer klimarelevanten Beschaffung. Dabei bietet eine nachhaltige Einkaufspraxis und die Vernetzung mit klimaneutralen Lieferant:innen großes Einsparpotenzial für Unternehmen. Eine enge Zusammenarbeit mit Lieferant:innen ermöglicht eine verlässliche Versorgung und reduziert Risiken, wie Kostenschwankungen oder Lieferunterbrechungen. Eine verantwortungsvolle Ressourcengewinnung und -verarbeitung ermöglicht nicht nur energie- und ressourcenschonende Arbeitsweisen. Sie steigert auch die Reputation eines Unternehmens sowie die Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die eine klimarelevante Beschaffung als zentralen Bestandteil des Lieferkettenmanagements umsetzen, erzielen so auch zunehmend Wettbewerbsvorteile und minimieren Risiken.

Klimarelevante Beschaffung – Wie funktioniert das?

Die Einkaufspraxis in einem Unternehmen klimakompatibel zu gestalten, bedeutet, soziale, ethische und vor allem ökologische Leistungsfaktoren in den Prozess der Lieferant:innenauswahl und die gesamte Beschaffungsstrategie zu integrieren. Ziel ist es, Produkte und Dienstleistungen so zu beschaffen, dass von der Herstellung bis zur Entsorgung ökologische, soziale und ökonomische Faktoren berücksichtigt werden und so geringe Umweltbelastungen wie möglich entstehen. Ein nachhaltiges Beschaffungsbetriebsmodell ist vor allem darauf ausgelegt, dass jedes Element des konventionellen Beschaffungsprozesses durch klimarelevante Aktivitäten ergänzt wird.

Dazu gehört nicht nur der Aufbau starker und langfristiger Lieferant:innenbeziehungen. Relevant ist auch die Schulung von Mitarbeiter:innen und die Investition in digitale Tools, um sowohl Kosten- als auch Nachhaltigkeitstransparenz in der gesamten Lieferkette zu ermöglichen. Klimarelevante Daten und Kennzahlen entlang der Lieferkette transparent zu machen, bildet die Grundlage, um daraufhin spezifische Lösungen zu entwickeln und Prozesse anzupassen.

Im Folgenden zeigen wir Dir fünf relevante Schritte auf, die für die Zusammenarbeit mit Lieferant:innen den Unterschied machen.

5 praktische Schritte, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen

1. Lieferkette analysieren und Ziele setzen

Die umfassende Analyse der eigenen Lieferkette ist der erste Schritt, um einen Überblick über die Klimaleistung des Unternehmens entlang der gesamten Wertschöpfung zu schaffen. So kannst Du soziale und ökologische Auswirkungen der eigenen Unternehmenstätigkeit besser einschätzen. Basierend darauf kann Dein Unternehmen Ziele setzen und individuelle Maßnahmen festlegen. In Übereinstimmung mit der eigenen Geschäftspolitik lässt sich eine klare Vision entwickeln, wie klimarelevanter Einkauf im Unternehmen umgesetzt werden soll.

2. Erwartungen an Lieferant:innen kommunizieren

Indem Du die eigenen Anforderung an die Lieferant:innen beispielsweise in einem Verhaltenskodex festhältst, kannst Du die Erwartungen von Unternehmensseite klar kommunizieren und transparent darstellen. Ein Verhaltenskodex fungiert als Maßstab für das gewünschte Leistungsniveau. Er gibt verbindliche Richtlinien für soziale und ökologische Standards für Lieferant:innen vor. Auch bei der Auswahl von Lieferant:innen gilt es, deren Klimaleistung entlang der Kriterien zu betrachten und in den Auswahlprozess einzubeziehen.

3. Umsetzung einer klimakompatiblen Beschaffung durch Kooperation mit Lieferant:innen

Eine enge und vertrauensvolle Beziehung zu Lieferant:innen gelingt vor allem dann, wenn Du nicht nur Anforderungen stellst, sondern sie auch in der Umsetzung dieser unterstützt. Laut einer Studie von Global Compact birgt eine enge Zusammenarbeit mit Lieferant:innen große Chancen, um wertvolle Potenziale aufzudecken und Risiken zu minimieren. Unternehmen kooperieren pro-aktiv und systematisch mit allen Lieferant:innen, skizzieren gemeinsam mit ihnen Herausforderungen und entwickeln passende und individuelle Lösungsansätze. Dies sorgt ebenso dafür, dass Lieferant:innen selbst für verantwortungsvolles Handeln sensibilisiert und über geschäftliche Vorteile aufgeklärt werden. Darüber hinaus werden sie dazu motiviert, auch in der eigenen Einkaufspraxis zunehmend Sozial- und Umweltstandards zu berücksichtigen. 

4. Monitoring und Evaluierung von Maßnahmen

Durch eine kontinuierliche Beobachtung der laufenden Maßnahmen kannst Du Erfolge messbar machen und positive Entwicklungen aufzeigen. Darüber hinaus lassen sich so auch gegebenenfalls Prozesse anpassen und Maßnahmen weiterentwickeln. Auf Basis einer regelmäßigen Bewertung der Einrichtungen und Praktiken der Lieferant:innen kann in enger Zusammenarbeit mit ihnen die eigenen Geschäftspraktiken optimiert werden. 

5. Transparenz schaffen

Um als Unternehmen zukunftsfähig zu sein, ist es nicht nur wichtig, eine klimakompatible Unternehmenstätigkeit zu entwickeln, sondern diese auch nach außen zu kommunizieren. Auf diese Weise kannst Du Vertrauen zu allen Stakeholder:innen aufbauen und als inspirierendes Beispiel vorangehen. Aber auch politische Regulationen wie die EU-Taxonomie werden Unternehmen künftig zunehmend dazu verpflichten, ihre eigene Klimaperformance in jährlichen Berichten offenzulegen.

Fazit: Eine klimarelevante Beschaffungsstrategie bietet Deinem Unternehmen die Chance, entlang der gesamten Lieferkette Emissionen einzusparen und als Unternehmen klimakompatibel zu wirtschaften. Dabei spielt die enge Kooperation mit Lieferant:innen eine große Rolle. Nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit können klimarelevante Faktoren berücksichtigt und gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

Du möchtest Beschaffungsprozesse in Deinem Unternehmen optimieren und die Klimatransformation Deines Unternehmens vorantreiben? Der CLIMATE Readiness Check unterstützt Dein Unternehmen dabei, die eigene Klimaleistung bis in die Lieferkette hinein zu messen und wichtige Reduktionspotenziale aufzudecken. Mache jetzt ein kostenloses Gespräch mit uns aus und lerne unsere Software zur Dekarbonisierung von Unternehmen und ihrer Lieferkette kennen. 

Emissionsfreie Lieferketten – durch Digitalisierung und Transparenz

Neben selbstgesteckten Klimazielen verlangen sowohl die Politik als auch Investor:innen von Unternehmen verstärkt Transparenz und nachweisbare Maßnahmen in Bezug auf Klimaschutz entlang der Wertschöpfung. Transparenz in der Lieferkette stellt für Unternehmen jedoch nicht nur einen wichtigen Hebel der Klimatransformation, sondern ebenso eine große Herausforderung dar. 

Um zu erfahren, wie sich diese Herausforderung mithilfe von digitalen Lösungen meistern lässt, haben wir uns Klaus Wiesen als Sprecher zum CHOICE Event #24 eingeladen. Klaus ist CEO von sustainabill und hat vor vier Jahren das Unternehmen mitgegründet, da er bei seiner langjährigen Arbeit als Teamleiter für das Wuppertal Institut die große Bedeutung von Transparenz in der Lieferkette für die Bekämpfung des Klimawandels und für nachhaltiges Wirtschaften erkannt hat. Hier findest du die wichtigsten Inhalte aus seinem Vortrag über die Vorteile von Digitalisierung und Transparenz für eine emissionsfreie Lieferkette.

Warum ist die Lieferkette für Klimaneutralität entscheidend?

Wer die Klimatransformation im eigenen Unternehmen ganzheitlich vorantreiben will, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Das hat unter anderem eine aktuelle Studie vom World Economic Forum zusammen mit der Boston Consulting Group wieder einmal gezeigt. Hiernach hat die Lieferkette vor allem bei den Endprodukten mit bis zu 90 % bei den “Fast Moving Consumer Goods” (FMCG) mit Abstand den höchsten Anteil der CO2e-Emissionen. Aber auch bei den Rohstoffen und somit den Zuliefernden selber machen die Scope-3-Emissionen z. B. im Chemie- und Textilbereich immer noch 61 % aus. 

Quelle: World Economic Forum 2021

Somit gilt es sowohl bei B2C-Unternehmen als auch bei den Lieferanten, CO₂ nicht nur in den eigenen Prozessen, sondern ebenso in der eigenen Lieferkette stark zu reduzieren.

Das GHG Protocol als Rahmenwerk

Von den insgesamt 15 Unterkategorien der nach dem Greenhouse Gas Protocol definierten Scope-3-Emissionen ist die Kategorie Scope 3.1, die eingekaufte Güter und Dienstleistungen beschreibt, besonders relevant. Im Gegensatz zum häufig im Vordergrund stehenden Scope 3.4, welcher die Logistik umfasst, macht sie den eigentlichen Bärenanteil der Emissionen aus.

Quelle: ghgprotocol.org

Leider fehlt vielen Unternehmen nun gerade bei Scope 3.1 eine gute und verlässliche Datengrundlage, sodass die entsprechende Spalte bei Reportings zumeist leer bleibt. Genau diese Black Box müssen wir also angehen, um die großen Einsparpotenziale der Lieferkette zu realisieren. 

Fehlende Standards für die Lieferkette

Schauen wir nun auf die vorhandenen Standardisierungen für eine Datenerhebung entlang der Lieferkette, findet sich deutlich weniger als erhofft. Zwar stehen die ISO 14040/44 – Ökobilanz als auch der spezifischere ISO 14067 – CO₂-Fußabdruck zur Verfügung, bei beiden bleiben letztlich aber viele Fragen offen wie z. B.: 

Dementsprechend arbeitet die EU seit Anfang 2010 an einer umfassenden Standardisierung im Rahmen der Initiative “Product Environmental Footprint” (PEF). Das Problem: Dabei herausgekommen ist ein großes Regelwerk, das es aufgrund seiner Komplexität bis heute nicht geschafft hat, sich als Standard zu etablieren.

Reduktion der Lieferketten-Emissionen – wo fange ich an?

Im Hinblick auf die mangelhafte Standardisierungs-Lage stellt sich nun natürlich die Frage: Wie soll ich denn mit der Datenerfassung in der Lieferkette beginnen, wenn ich keine Konsistenz und Vergleichbarkeit habe? Um die Lieferketten-Emissionen jedoch schnell und effektiv reduzieren zu können, nimmt die Vergleichbarkeit letztlich einen geringeren Stellenwert ein als die Spezifik der einzelnen Daten. Denn in erster Linie geht es darum, pro Lieferant die jeweilige Entwicklung mit dem Ziel der Netto-Null-Emissionen nachverfolgen zu können. Wenn diese schließlich erreicht ist, hat sich die Frage nach der Vergleichbarkeit erledigt.

Wie und woher bekomme ich nun also meine spezifischen Daten? Hierbei steht als erstes die Frage, auf welche Warengruppen ich mich fokussieren möchte. Die Kriterien für eine solche Entscheidung sind zunächst das Reduktionspotenzial sowie die CO₂-Intensität der jeweiligen Warengruppe. Dabei sind beide Kategorien gleich wichtig, denn betrachte ich zum Beispiel Rindfleisch, ist dieses zwar besonders CO₂-intensiv, die Möglichkeiten des Einsparens von Treibhausgasen halten sich jedoch in Grenzen.

Transparenz erfordert eine digitale Plattform

Wenn nun die Grundfragen der Datenerfassung geklärt sind, geht es endlich um das Wesentliche: die Einbindung der Lieferkette. Hier kann eine digitale Plattform enorm dabei helfen, die gemeinsame Arbeit zu organisieren und voranzutreiben. Hier eine Aufzählung der verschiedenen Vorteile:

Automatisierte Workflows und Know-How-Vermittlung

Cloud-Plattformen können anhand von Best Practices optimierte digitale Prozesse vorgeben, von denen Unternehmen, die zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kommen, stark profitieren. Insofern liefert eine digitale Plattform nicht nur hilfreiche Strukturen, sondern leistet ebenso Know-How-Vermittlung – sowohl für das Unternehmen als auch die jeweiligen Zuliefernden.

Bessere Zusammenarbeit entlang der Lieferkette

Besonders, wenn die Datenerfassung nicht nur direkte, sondern auch Vor-Lieferanten einbezieht, entsteht schnell eine Komplexität, die ohne eine digitale Plattform kaum zu managen ist. Dabei geht es sowohl um das schnelle und einfache Teilen von Datensätzen mit nur einem Klick als auch um die Visualisierung der gesamten Lieferkette anhand verschiedener Parameter. So lässt sich ein besserer Überblick erzeugen und einzelne Hotspots schneller identifizieren. 

Monitoring der Fortschritte

Letztlich bleibt es natürlich nicht nur bei der Zielsetzung. Die eigentlichen Maßnahmen und entsprechenden Fortschritte müssen ebenfalls über die Plattform einseh- und überprüfbar sein, um im gemeinsamen Austausch der Klimaneutralität Stück für Stück näher zu kommen.

Du willst einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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Das Lieferkettengesetz – Was bedeutet das für Unternehmen und ihre Lieferketten?

„Woher kommt das Produkt?“, „Wie wurde es produziert” und “Wie viel CO2e ist bei Herstellung und Transport entstanden?“ Das fragen sich Kund:innen und Verbraucher:innen immer häufiger. Gerade jetzt, wo die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz heiß diskutiert werden. Nicht nur in Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Entscheidungen, die wir jetzt treffen; Investitionen, die wir jetzt tätigen sind ausschlaggebend und entscheidend für Klima und Gesellschaft.

Das Lieferkettengesetz, endlich beschlossen!

First things first. Die gute Nachricht ist: Nach langem Ringen hat der Bundestag Anfang Juni endlich das Lieferkettengesetz beschlossen. 

Konzerne sind nicht mehr nur dazu aufgefordert, in den eigenen vier Wänden für nachhaltiges und klimakompatibles Wirtschaften zu sorgen, sondern auch die Standards der Zulieferant:innen einzubeziehen.

Das bedeutet konkret: Das Lieferkettengestez verpflichtet ab 2023 zunächst Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigen, Sozial- und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette einzuhalten. Ein Jahr später soll das auch für Unternehmen mit über 1000 Arbeitnehmern gelten.

Dies ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Bundesregierung setzt ein Zeichen gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung in globalen Lieferketten. Dies fördert nicht nur gerechte Arbeitsbedingungen. Die Unternehmen sind von nun an dazu aufgefordert, die eigene Lieferkette genauer zu betrachten und zu hinterfragen. 

Gleichzeitig regt sich zahlreiche berechtigte Kritik:

1) Das Gesetz greift hauptsächlich für Konzerne und hier auch nur in Bezug auf ihre direkten Zuliefer:innen 

2) Mittelständler:innen und KMUs, die ebenfalls stark auf globalisierten Produkten zugreifen, werden nicht einbezogen 

3) Insgesamt wird nicht die ganze Lieferkette abgebildet, gerade die prekären Anfänge werden nicht erreicht

Was beinhaltet das Gesetz tatsächlich?

Mit dem Ziel Klima, Umwelt und Menschenrechte zu schützen sorgt das Lieferkettengesetz zunächst einmal künftig dafür, dass Unternehmen nicht mehr nur auf freiwilliger Basis, sondern aufgrund von rechtsverbindlichen Vorgaben verantwortungsbewusst handeln. Das Lieferkettengesetz leitet somit einen Paradigmenwechsel ein, der schon längst nötig war. 

Unternehmen werden umweltbezogenen Pflichten auferlegt, dessen Durchsetzung durch behördliche Kontrollen sichergestellt und bei Verstoß sanktioniert wird. Umweltschäden und Menschenrechtsverletzung sollen vorgebeugt werden, in dem Unternehmen verpflichtet sind, umweltbezogene und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten einzuhalten. Dazu gehören z.B. ein wirksames Risikomanagement und die Durchführung von Risikoanalysen für den eigenen Geschäftsbereich sowie unmittelbare und mittelbare Zulieferant:innen. Die festgelegten Verpflichtungen orientieren sich stark an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und weisen somit eine fundierte Grundlage auf, die transparent kommuniziert wird.

Das Lieferkettengesetz ist noch stark ausbaufähig!

In der Ausarbeitung des  Lieferkettengesetz zeigt sich einiges, was kritisch zu hinterfragen bleibt. Vor allem: Wie weit greift das Gesetz tatsächlich? 

Das Lieferkettengesetz fordert zunächst dazu auf, die direkten Zulieferant:innen zu betrachten. Viele der unmittelbaren Zulieferant:innen von deutschen Unternehmen befinden sich ebenfalls in der DACH Region. Also nicht an den Orten, an denen zunehmend Menschenrechtsverletzung und enorme Umweltschädigung durch z.B. Regenwaldrodung geschieht. Bei indirekten Zulieferant:innen sind Unternehmen lediglich dazu verpflichtet, anlassbezogene Risikoanalysen durchzuführen. Hier muss das Gesetz also nachgeschärft werden, damit die gesamte Lieferkette systematisch in den Blick genommen wird.

Trotz seiner Lücken gilt das Lieferkettengesetz als Fortschritt und wichtiger Anreiz für Unternehmen, die eigene Klimaperformance unter Betrachtung der Lieferkette zu verbessern und einen Beitrag zu einer klimakompatiblen Wirtschaft zu leisten.

Das Lieferkettengesetz als Chance für Unternehmen 

Viele Unternehmen fürchteten bislang, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel zu etablieren, würde die eigene Wirtschaftlichkeit negativ beeinträchtigen. Jedoch hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass Unternehmen durch nachhaltiges Handeln und durch aktives Bestreben nach Umweltschutz innerhalb der Lieferkette zunehmend Wettbewerbsvorteile erzielen. Dies liegt neben gesteigerter Resilienz auch daran, dass Investor:innen sich immer häufiger in Richtung sogenannter „grüner“ Investitionen orientieren und Unternehmen bevorzugen, die ihre Klimaperformance bis in die Lieferkette hinein betrachten. Aber auch Kund:innen und Konsument:innen achten beim Kauf zunehmend auf die Herstellung und Klimabilanz der Produkte.

Zudem zeigt es sich häufig, dass nachhaltige Beschaffung vor allem energie- und ressourceneffizientes sowie kostensparendes Wirtschaften ermöglicht. Durch Optimierung des Ressourcenmanagements können nicht nur Produktionskosten reduziert, sondern auch Risiken im Voraus erkannt und so verhindert werden. Die Klimaperformance eines Unternehmens verbessert sich durch Einsparung von CO2 entlang der gesamten Lieferkette somit enorm. Das fördert nicht nur Klima-, sondern auch Unternehmensziele.

Fazit: Nachhaltigkeit als Einkaufsziel zu etablieren und eine nahe Zusammenarbeiten mit Zulieferant:innen zu schaffen, bietet große Vorteile für Unternehmen und kann die Zukunftsfähigkeit der eigenen Geschäftstätigkeit sicherstellen. Dies zeigt: Jetzt in Klimaschutz zu investieren lohnt sich! Eindeutige Zeichen von Seiten der Politik sind da und kommen spätestens 2023 durch das Lieferkettengesetz auf Unternehmen als weitere Vorgabe hinzu. Gut aufgestellt ist das Unternehmen, das jetzt schon anfängt, eine klima- und sozialkompatible Geschäftstätigkeit zu gestalten. 

Den Fokus jetzt auf eine ganzheitliche, nachhaltige Beschaffung zu legen, heißt  die Chance zu nutzen und einen großen Schritt in Richtung Klimatransformation zu gehen!

Du willst mehr darüber erfahren, wie die Software-Tools von THE CLIMATE CHOICE Dein Unternehmen bei der Klimatransformation entlang der gesamten Lieferkette unterstützen können? Dann kontaktiere uns.

Oder schaue Dir hier hilfreiche Tipps dazu an, wie ein Unternehmen nachhaltige Beschaffung als Ziel in die Unternehmensstruktur etabliert.

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7 Trends der Lieferkette – für eine nachhaltige Zukunft

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren, aber vor allem auch durch die  Pandemie besonders präsent geworden. Viele Unternehmen weltweit haben sich das Ziel gesetzt bis zum Jahre 2050 klimaneutral zu werden. Hierbei zählt die Lieferkette als Schlüssel der Klimatransformation.

Das Potenzial liegt in der Lieferkette

Die Dekarbonisierung der Lieferkette eines Unternehmens bietet einen guten Ansatzpunkt. Dort entstehen bis zu 80% der Treibhausgasemissionen und somit ein Großteil der Umweltbelastung in einem Unternehmen. Die Entwicklung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements trägt nicht nur zur Reduktion von Treibhausgasen bei, sondern bietet auch Vorteile für Unternehmen und ihre Stakeholder*innen. Das Management von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren innerhalb der Lieferkette birgt großes Potenzial für die globale Klimatransformation.

Daher erweist sich eine Lösungsstrategie, welche an der Reduktion von CO2-Emissionen in der Lieferkette ansetzt als effizient. Gleichzeitig kann damit dazu beigetragen werden, unternehmerische Ziele zu verfolgen. Vor allem auch Kund*innen und Konsument*innen legen zunehmend Wert auf die nachhaltige Produktion der Waren. Dementsprechend kann Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmensstrategie auch die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen steigern (UN Global Compact).

Stellschrauben in der Lieferkette

Die Reduktion von Treibhausgasemissionen innerhalb der Lieferkette beinhaltet jede Stufe der Wertschöpfung: Von den Roh- und Ausgangsstoffen, dem Einkauf, über Prozesse der Herstellung und dem Transport und sogar bis hin zur Nutzung und Entsorgung der Produkte. Für die nachhaltigere Gestaltung der Lieferkette gibt es demnach zahlreiche Stellschrauben. Dies stellt weder massive ökonomische Herausforderungen für Unternehmen dar, noch hat es große Auswirkungen auf den Endpreis des Produkts für Konsument*innen (BCG).

Die Lieferkette bietet ein breites Handlungsspektrum und somit großes Potenzial für das Unternehmen, einen Beitrag zur Klimatransformation zu leisten.

Im Folgenden stellen wir 7 praktische und innovative Technologien vor, die helfen die individuelle Lieferkette umweltfreundlich zu gestalten.

1. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zur Vermeidung von Ressourcenverschwendung

Neue Technologien, welche effektiveres Arbeiten und die effizientere Nutzung von Ressourcen ermöglichen, entwickeln sich heute schneller als je zuvor. Besonders bezüglich der Zulieferung und dem Transport kann die Automatisierung vieler Prozesse helfen, Fehler zu vermeiden und Ressourcen zu sparen. Statistiken zeigten, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um bis zu 4 %, das bedeutet 2,4 Milliarden Tonnen CO2 reduzieren kann (Microsoft).

2. Automatisierung von Prozessen für energieeffizientes Arbeiten

Vor allem durch die Pandemie wurde das Online-Shopping mehr als doppelt so häufig genutzt als vorher. Die Nachfrage von Kund*innen nach einer schnellen und effizienten Lieferung steigt. Die Automatisierung einiger Prozesse ermöglicht die Optimierung der Produktivität sowie der Qualität. So werden beispielsweise Drohnen oder automatisierten Roboter für Lieferungen oder die Produktion von Waren eingesetzt. Dadurch wird nicht nur akkurateres Arbeiten ermöglicht, es erweist sich auch energieeffizienter. Im Jahr 2020 setzten schon knapp 20% der Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigen im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland Industrie- oder Serviceroboter ein (Destates – Statistisches Bundesamt).

Automatisierung durch Roboter in der Lieferkette.

3. 3D-Druck und alternative Produktion

Technologien, wie beispielsweise der 3D-Druck bieten neue Produktionsmöglichkeiten. Vor allem größere Unternehmen scheinen von der Technologie zu profitieren. Knapp ein Viertel der Unternehmen ab 250 Beschäftigten in Deutschland nutzten im Jahre 2020 entweder firmeneigene 3D-Drucker oder nahmen Leistungen anderer Anbieter in Anspruch. In den meisten Fällen wird die Technologie verwendet, um beispielsweise Prototypen oder Modelle zur internen Verwendung zu erstellen oder um Waren zum Verkauf zu produzieren (Destates – Statistisches Bundesamt).

Die Möglichkeit, recyceltes Material als Grundmaterial für Produktion zu verwenden kann Ressourcen sparen und Kosten reduzieren. Laut Analysen kann der Einsatz von 3D-Druckern in der industriellen Produktion den CO2 Ausstoß vermutlich bis zum Jahre 2025 um bis zu 5% reduzieren.

4. Blockchain Technologien sorgen für Transparenz

Um eine dauerhafte und tragfähige Beziehung zu Kund*innen und Lieferant*innen aufzubauen, ist das Stichwort Transparenz wichtig. Um den Materialfluss genau zu verfolgen, ist ein klares Bild von dem Aufbau und der Funktionsweise der Lieferkette hilfreich. Die wichtigsten Produkt- und Leistungsgruppen werden dargestellt, um die Herkunft aller Eingangsstoffe über die direkten Lieferant*innen hinaus bis zum Ursprung einsehen zu können.

Diese Visualisierung der Lieferkette ist wichtig, um im Folgenden den eigenen Handlungsspielraum einschätzen und Chancen identifizieren zu können. So können Verbesserungsmaßnahmen zielgenauer geplant und umgesetzt werden. Der Einsatz einer Blockchain, in der die Dokumentation von Transaktionen innerhalb der Lieferkette stattfindet, sorgt für Transparenz gegenüber den Kund*innen und Stakeholder*innen. Produkte werden akkurat zurück verfolgt, was Einblick über Herkunft sowie Prozesse der Herstellung und Weiterverarbeitung gewährt. Die Verwendung von Blockchain-Technologien vereinfacht das Management und erzielt Kosten- und Zeiteinsparung.

5. Smart Sensors ermöglichen Echtzeit Daten

Die intelligenten Sensoren helfen Prozesse zu vereinfachen, in dem sie neben der Messung von Daten auch gleichzeitig die Datenverarbeitung sowie die Dokumentation der Vorgänge übernehmen. Zum Beispiel können die Sensoren stetig den Standort, die Temperatur der Fahrzeuge etc messen. Durch das Echtzeit-Tracking können Fehler vermieden werden und die Planung der Prozesse kann effizienter und flexibler gestaltet werden. Dies gewährleistet eine zuverlässigere Dokumentation der Transaktionen und erweist sich zudem als kostengünstiger.

6. Industrial Internet of Things (IIoT) für eine effizientere Produktion

Die Industrial Internet of Things-Software unterstützt vor allem mittelständische seit einigen Jahren bei der Digitalisierung und Automatisierung. Durch die Umsetzung der Konzepte und Technologien des IIoT wird die Produktion sowie der Transport von Gütern effizienter, in dem Fehler früh erkannt und geeignete Maßnahmen angestoßen werden. Durch das schnellere Erfolgen von Datenerhebung, Dokumentierend und Analyse werden Konfigurationsprozesse automatisiert und vereinfacht. Die Leistung von Maschinen kann optimiert werden und die Wartung und Instandhaltung geht automatisiert vonstatten.

Das kann zur Verbesserung der betrieblichen Effizienz sowie zu Kostensenkung in der Produktion führen und schnellere Prozesse und flexiblere Produktionstechniken ermöglichen. Somit konnten 70% der mit IIoT arbeitenden Unternehmen im Jahre 2018 auch Erfolge im Hinblick auf deren Klima Performance erzielen.

IIoT für Innovationen innerhalb der Lieferkette

7. ERP Systeme zur Unterstützung des Ressourcenmanagements

Die Aufgabe von Enterprise-Resource-Planning (ERP) ist das Kontrollieren und die bedarfsgerechte Planung und Steuerung von Ressourcen wie Kapital, Personal und Material.

Ein ERP-System ist eine Vielzahl an miteinander kommunizierenden Anwendungssoftware- bzw. IT-Systeme, welche zur Unterstützung der Ressourcenplanung eines Unternehmens eingesetzt wird. Mit Hilfe von IT-Systemen können alle erforderlichen Materialien für die Herstellung der Erzeugnisse in richtigen Mengen zum geplanten Zeitpunkt am Ankunftsort zur Verfügung stehen. So können Wertschöpfungsprozesse koordinierter und vor allem effizienter gestaltet und die Steuerung von unternehmerischen und betrieblichen Abläufen stetig optimiert werden. Dies ermöglicht eine effiziente Ressourcennutzung.

Dekarbonisierung der Lieferkette als Game-Changer

Die Verwendung dieser Technologien kann die Einsparung von CO2-Emissionen innerhalb der Lieferkette ermöglichen und damit eine umweltfreundliche und nachhaltige Klimaperformance realisieren. Aber auch eigene Produktionskosten können durch Optimierung des Ressourcen-Managements und dadurch geringere Abfallproduktion reduziert werden. Die Dekarbonisierung der Lieferkette mithilfe von innovativen Technologien ist wegweisend für individuelle Unternehmen und kann eine langfristig erfolgreiche Zukunft ermöglichen.

Mehr Informationen zu Reduktion von Treibhausgasen innerhalb der Lieferkette findest du hier.

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