Klimatransformation 2022 – Jahresrückblick im Expert:innen-Panel

Unternehmen standen 2022 vor großen neuen Herausforderungen – von der Energiekrise über Lieferkettenengpässe bis hin zum Aufbau von Klimaresilienz. Wie konnten sie diese meistern und gleichzeitig den Wandel zur Low-Carbon-Economy vorantreiben?

Das haben wir gemeinsam mit unternehmerischen Vorreitern und Initiativen der Klimatransformation im finalen CHOICE Event #48 diskutiert. Hier findest du zusammengefasst die wichtigsten Learnings des Jahres von Expert:innen von B.A.U.M. e. V., Ørsted, HiPP und Green Planet Energy.

B.A.U.M. e. V. – Ein starkes Netzwerk für Klimaschutz in Unternehmen

Yvonne Zwick – Vorsitzende, B.A.U.M. e. V.

B.A.U.M. e. V., das Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften, engagiert sich seit jeher dafür, Umwelt- und Klimaschutz in Unternehmen zu verankern. Mit der Initiative Wirtschaft pro Klima hat der Verein seit Mai 2022 diesem Kernthema nun auch eine eigene Plattform eingeräumt, die es Unternehmen ermöglicht, ihr Klimaengagement und ihre Erfahrungen zu teilen. Der cross-sektorale Dialog verknüpft dabei die Themenkreise des Nachhaltigkeitsmanagements mit der Vorbereitung auf kommende europaweite Berichterstattungspflichten sowie Möglichkeiten konkreter Marktanreizstrukturen für die Transformationsfinanzierung. Zahlreiche Unternehmen engagieren sich bereits bei Wirtschaft pro Klima. Sie zeigen erfolgreich, dass Klimaschutz im Unternehmen möglich und auch ökonomisch sinnvoll ist.

Yvonne Zwick – Vorsitzende, B.A.U.M. e. V.: „Unseren strategischen Ansatz, das Netzwerk zu mobilisieren, die Transformationsdynamik zu entfesseln und in den Kompetenzaufbau zu investieren, werden wir auch 2023 weiter verfolgen. Mit dem „Digitalen B.A.U.M.“ sind die Grundlagen gelegt, um in den Intervallen zwischen unseren raren Präsenz- und vielen digitalen Veranstaltungen die Vernetzung der Mitglieder untereinander zu ermöglichen. Wir setzen unser Qualifizierungsprogramm für Azubis und Trainees, die SDG-Scouts, sowie die Transformationsdialoge im Rahmen der Initiative Wirtschaft pro Klima fort.“

Green Planet Energy – Erneuerbare sind die eigentliche Lösung der Energiekrise

Carolin Dähling – Stellvertretende Bereichsleitung Politik und Kommunikation, Green Planet Energy

Das Jahr 2022 hat den Energieversorger Green Planet Energy vor allem dazu gezwungen, seine Geschwindigkeit und Agilität zu erhöhen. Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wurde der internationale Energiemarkt durcheinander gewirbelt und als Reaktion folgten diverse politische Interventionen wie die Strompreisbremse, Gasumlage oder Gaspreisbremse. Entsprechend hatte das Team von Green Planet Energy viel damit zu tun, die jeweils aktuelle Informationslage zu erfassen, zu verarbeiten, entsprechende Anpassungen vorzunehmen und diese transparent mit den Kund:innen zu kommunizieren.

Bestärkt fühlt sich Green Planet Energy in der langfristigen Strategie, in den Aufbau eigener und erneuerbarer Anlagen zu investieren. Nach Ansicht von Carolin Dähling kann die tatsächliche Lösung der aktuellen Energiekrise nur der Ausbau erneuerbarer Energien sein. Gerade für Unternehmen stellt sich die Investition in eigene Anlagen, z. B. POV auf dem eigenen Dach, als einzig sinnvolle Option dar, um sich bei der Strombeschaffung langfristig abzusichern. Denn erneuerbare Energiequellen sind nicht nur gut fürs Klima, sie senken auch die Beschaffungskosten sowie zukünftige Risiken aufgrund geopolitischer Krisen.

Ørsted – Lieferanten müssen 100 % grünen Strom beziehen

Steffen Kück – Senior Communication Advisor, Ørsted

Ørsted ist das erste Energieunternehmen der Welt, dessen Netto-Null-Ziel von der Science Based Targets Initiative (SBTi) als “ wissenschaftsbasiert“ bestätigt wurde. Bis 2040 will das Unternehmen in seiner gesamten Wertschöpfungskette Netto-Null-Emissionen erreichen. Nachdem bereits Pläne für den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorliegen, besteht die größte Herausforderung für Ørsted nun darin, die Emissionen der Lieferkette zu reduzieren.

Mit dem Start seiner Netto-Null-Initiative im Jahr 2020 hat Ørsted daher ein Programm zur Dekarbonisierung der Lieferkette initiiert. Dieses zielt in erster Linie auf die strategischen Lieferanten des Unternehmens in den kohlenstoffintensivsten Kategorien ab, darunter die Herstellung von Windturbinen, Fundamenten, Umspannwerken und Kabeln. Auf die strategischen Lieferanten entfallen etwa 50 % der Beschaffungsausgaben von Ørsted. Im August 2022 hat Ørsted darüber hinaus angekündigt, dass alle Lieferanten bis 2025 zu 100 % auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen umsteigen müssen. Das Unternehmen erwartet von seinen Lieferanten, dass sie ihren Stromverbrauch mit erneuerbarem Strom decken, indem sie in Anlagen für erneuerbaren Strom vor Ort investieren, PPAs mit Projekten für erneuerbare Energien abschließen oder Zertifikate für erneuerbaren Strom kaufen. Ørsted will seine Lieferanten mit Leitlinien für erneuerbare Energien unterstützen, um die jeweils besten Lösungen auszuwählen.

HiPP – Dekarbonisierung der Lieferkette im Fokus

Dr. Johannes Knubben – Leitung Nachhaltigkeitsmanagement, HiPP

Auf dem Weg zum klimapositiven Unternehmen hat der Babynahrungshersteller HiPP im Jahr 2022 ebenfalls daran gearbeitet, CO2-Einsparpotenziale entlang der Wertschöpfungskette zu ermitteln und auszuschöpfen. Um die hierfür nötigen Informationen über den Klimareifegrad seiner Lieferanten zu erhalten, hat HiPP das Software-Tool von THE CLIMATE CHOICE eingesetzt. Die Climate Intelligence Platform bietet einen strukturierten und skalierbaren Prozess zur Erfassung und zum Management klimarelevanter Lieferantendaten. Auf der Grundlage der gesammelten Daten liefert das spezialisierte SaaS-Tool Informationen und Orientierungshilfen für die Einbindung von Lieferanten in Klimastrategie und Reduktionsziele.

Dr. Johannes Knubben, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei HiPP: “Die Bereitstellung von Rohstoffen als essentieller Bestandteil unseres Geschäftsmodells erfordert die Prüfung von Umwelt- und insbesondere Klima-Auswirkungen der vorgelagerten Lieferkette. Das Software-Tool von THE CLIMATE CHOICE bietet hierfür die ideale Lösung und ermöglicht es uns, einen skalierbaren und verlässlichen Prozess zur Erhöhung der klimarelevanten Transparenz unserer Lieferkette umzusetzen. Auf dieser Datengrundlage können wir unsere ambitionierten Klimaziele im Scope 3 zusammen mit unseren Lieferanten sichtbar machen und gemeinsam voranbringen.”

THE CLIMATE CHOICE – KMU den Einstieg in die Klimatransformation erleichtern

Lara Obst – Mitgründerin, THE CLIMATE CHOICE

Zusammenarbeit ist nach Meinung von Lara Obst der Schlüssel, um die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts, die Klimatransformation, zu bewältigen. Denn bis zu 90 % der Emissionen eines Unternehmens entstehen in der Lieferkette – und können entsprechend nur in Kollaboration mit den Lieferanten reduziert werden. Diese sind jedoch in den allermeisten Fällen kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die nur begrenzt Möglichkeiten haben, um ihr Klimamanagement strukturiert umzusetzen. Wie können Unternehmen dennoch grundlegende Daten über den Klimareifegrad ihrer Lieferanten erheben und sie dazu befähigen, den ersten Schritt in Richtung einer erfolgreichen Klimatransformation zu gehen?

Diese Frage hat sich das Team von The Climate Choice gestellt und als Antwort im Oktober 2022 den digitalen Climate Readiness Check veröffentlicht. Das Software-Tool adressiert die zentralen Einstiegsbarrieren in das Klimadatenmanagement für kleine und mittelständische Lieferanten: fehlendes Know-How und Ressourcen.

The Climate Choice - Free Climate Readiness Check

Um diese zu überwinden, braucht es einfach anzuwendende Erkenntnisse und Einblicke bei gleichzeitig minimalem Zeit- und Kostenaufwand. Der Climate Readiness Reck bietet daher genau das: eine kostenlose und 5-minütige digitale Befragung, welche die wichtigsten Dimensionen des unternehmerischen Klimaschutzes abdeckt. Unternehmen können ihre Lieferanten einladen, den digitalen Klima-Check durchzuführen und aufgrund des geringen Aufwands skalierbar und mit hoher Rückmeldequote klimarelevante Daten ihrer Lieferkette erfassen.

Du möchtest mehr über den Climate Readiness Check und die Möglichkeiten der Climate Intelligence Platform erfahren? Dann fordere hier Informationen an.

Jetzt CLIMATE Ready werden – KMU auf dem Weg zur „Null“!

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern der Welt. Weltweit machen sie etwa 90 % aller Unternehmen und 50 % der Beschäftigung aus und haben einen erheblichen Einfluss auf die Leistung der globalen Lieferketten (CDP). 

Wie Unternehmen aller Größenordnungen stehen auch KMU heute vor mehreren Herausforderungen: Während der Pandemie wurden globale Lieferketten unterbrochen, und viele Unternehmen haben noch immer Schwierigkeiten, das Niveau von vor der Pandemie wieder zu erreichen. Darüberhinaus werden Unternehmen durch bevorstehende Klimavorschriften neue Offenlegungspflichten für klimarelevante Daten auferlegt, auf die sich auch KMU in Zukunft vorbereiten müssen.

KMU werden zu CLIMATE-Champions

erneuerbare Energie

Das gilt gerade auch für den Mittelstand: Heute müssen KMU effektive Klimaschutzmaßnahmen ergreifen, um die Widerstandsfähigkeit ihres Unternehmens zu stärken und mit den Anforderungen der Lieferkette und den politischen Vorschriften Schritt zu halten. Nicht nur Kund:innen, sondern auch Investor:innen richten ihre Aufmerksamkeit zunehmend in Richtung nachhaltige Investitionen. Und um Wettbewerbsvorteile zu schaffen und den Erwartungen von Kund:innen und Investor:innen gerecht zu werden, müssen sich die Unternehmen auf die Verbesserung ihrer eigenen Klimabilanz und die effiziente Emissionsreduzierung konzentrieren.

Das bedeutet: KMU müssen heute anders wirtschaften! Um Teil der Klimatransformation zu sein und zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft beizutragen. Wie können sie Emissionen sowie klimabezogene Risiken reduzieren und sich als verlässliche Lieferanten und Geschäftspartner:innen positionieren?

Die eigene Klimawirkung verstehen

Der erste Schritt, um die Emissionen innerhalb eines Unternehmens zu reduzieren und sich auf die Vorschriften zur Offenlegung von Klimadaten vorzubereiten, besteht darin, die eigene Klimaleistung ganzheitlich zu verstehen. Denn Unternehmen können nur dann Maßnahmen ergreifen, wenn sie die wichtigsten Reduktionshebel kennen. 

Wald

Hierbei gilt unbedingt zu beachten: Die Klimaleistung eines Unternehmens zu analysieren, bedeutet nicht nur, die Treibhausgasemissionen des Unternehmens zu messen. Unternehmen müssen stattdessen ihre Klimaauswirkungen ganzheitlich betrachten. In die Analyse müssen daher gerade auch Managmentdimensionen, wie die eigene Klimastrategie und das Klimamanagement einbezogen werden. Auf diese Weise können Unternehmen die eigene Klimareife ganzheitlich verstehen und auf Basis dieser effektive Reduktionsmaßnahmen einleiten. So können sich Unternehmen auf Offenlegungsvorschriften vorbereiten und einen umfassenden Überblick über ihre klimarelevanten Daten erhalten.

Insbesondere für KMU stellt dies jedoch eine große Herausforderung dar. Ihnen fehlt es oft an Ressourcen, dem Know-how und den richtigen Tools, um ihre Klimaleistung ganzheitlich managen zu können. Den meisten mangelt es an Ressourcen und Erfahrungen auf dem Gebiet. Aufgrund dessen verlieren sie Chancen auf dem sich wandelnden Markt.

Der erste Schritt, ganz einfach: Der CLIMATE Readiness Check

Der Climate Readiness Check hilft KMU, die erste Hürde der Klimatransformation zu nehmen. Daer softwaregestützte Klima-Selbstcheck besteht aus 5 Fragen zu den relevanten Dimensionen der Klimaleistung eines Unternehmens und ist in nur 5 Minuten durchführbar. Entlang aller wesentlichen Dimensionen: Governance, Strategie, Transparenz, Kennzahlen und Ziele sowie Dekarbonisierungsmaßnahmen, unterstützt der CLIMATE Readiness Check Unternehmen dabei, ihre ganzheitliche Transformation voranzutreiben.

Mit dem CLIMATE Readiness Check können Unternehmen:

1. Der Klimaregulation einen Schritt voraus sein

Mit dem CLIMATE Readiness Check erhalten Unternehmen erste Einblicke, die helfen, sich auf wichtige Klima-Offenlegungspflichten vorzubereiten.

2. Relevante Quick Wins entdecken 

Durch das Verständnis der Klimareife kann ein Unternehmen relevante Reduktionspotenziale entdecken. Dadurch können Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden.

3. In die B2B-Datenbank aufgenommen werden

Ein Unternehmen, das den CLIMATE Readiness Check abgeschlossen hat, erhält automatisch den Basis-Zugang zur Climate Intelligence Platform von THE CLIMATE COICE und kann sich hier mit gleichgesinnten Unternehmen vernetzen.

Climate Readiness Check

Climate Ready, Steady, Go!

Fazit: Die Klimatransformation ist eine Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können! Der kostenlose CLIMATE Readiness Check gibt erste Einblicke in die individuelle Klimaleistung eines Unternehmens und ermöglicht den Zugang zur Klimamanagement-Plattform von THE CLIMATE CHOICE, auf der sich Unternehmen auf ihrem Weg zur Klimaneutralität vernetzen können.

Du möchtest den CLIMATE Readiness Check für Dein Unternehmen durchführen und wichtige ersten Schritte der Klimatransformation machen? Erfahre hier mehr über den schnellen und vertraulichen Klima-Check und melde Dich in der aktuellen Open Beta Phase noch kostenlos an!

Beitragsbild: Unsplash

Die Lieferkette dekarbonisieren – 5 Schritte für erfolgreiche Zusammenarbeit mit Lieferanten

Klimaziele zu erreichen ist eine Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, da bis zu 90 % ihrer Emissionen in der Regel in der Lieferkette entstehen. Deshalb kommt es jetzt vor allem darauf an, eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Lieferanten aufzubauen, um gemeinsame Klimaziele zu erreichen.

Wenn Unternehmen ihre Lieferanten in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie aktiv einbeziehen, lassen sich Emissionen nicht nur intern, sondern in einem viel größeren Umfang reduzieren – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Darüber hinaus können Lieferkette widerstandsfähiger werden, indem sie klimabedingte Risiken überwinden und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen. Dementsprechend stellen sich immer mehr Unternehmen die Frage: Wie können wir alle unsere Lieferanten ins Boot holen, wenn es um effektive Reduktionsmaßnahmen geht?

Im Folgenden stellen wir 5 wichtige Schritte vor, die für den Aufbau starker Geschäftspartnerschaften und eines effektiven Netzwerks für die Zusammenarbeit mit Lieferanten wichtig sind.

Supplier Collaboration for Decarbonization in 5 Steps

5 Schritte zur erfolgreichen Lieferantenzusammenarbeit:

1. Transparenz schaffen

Welche Deiner Lieferanten haben sich bereits Klimaziele gesetzt und welche sind in der Umsetzung dieser schon fortgeschritten? Welche der Lieferanten benötigen Unterstützung dabei?

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Lieferanten, muss ein Unternehmen diese Fragen beantworten können und ein grundlegendes Verständnis für die Klimareife seiner Lieferanten aufbauen. Auf diese Weise können Unternehmen nicht nur die wichtigsten Lieferanten identifizieren, sondern auch erkennen, woher der Großteil der Emissionen innerhalb der Lieferkette stammt.

Um einen umfassenden Überblick zu gewinnen, müssen Unternehmen zunächst ein konsistentes und skalierbares Verfahren zur Erhebung vergleichbarer Daten über die ganzheitliche Klimareife von Lieferanten einrichten. Um Vergleichbarkeit und Qualitätsstandards zu gewährleisten, sollten die gesammelten Daten an internationalen Rahmenwerken für die Klimaberichterstattung ausgerichtet sein und die Bereiche Governance, Strategie, Risiko, Kennzahlen und KPIs abdecken. Datengesteuerte Instrumente, wie das CLIMATE Performance Assessment helfen bei der Erfassung und Verwaltung der Primärdaten.

2. Partizipation von Lieferanten sicherstellen

Um die Beteiligung von Lieferanten sicherzustellen, muss eine vertrauensvolle und transparente Beziehung aufgebaut werden. Ein Unternehmen sollte daher unbedingt offenlegen, wie der Datenerhebungsprozess funktioniert und wie Lieferantendaten verwendet werden.

Darüber hinaus bedeutet eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Zulieferern, „shared value“ zu schaffen, der die Lieferanten dazu antreibt und motiviert, sich an den Klimazielen auszurichten und ganze Geschäftsmodelle zu transformieren. Zunächst ist dabei wichtig, ein gemeinsames Verständnis darüber zu entwickeln, was es bedeutet, nachhaltig zu wirtschaften. Dabei ist es Aufgabe des Unternehmens, die Bedeutung klimarelevanter Geschäftspraktiken und Chancen für die Lieferanten selbst zu kommunizieren.

Wichtig: Ein Unternehmen sollte dabei immer auch transparent kommunizieren, wo es selbst steht, und dementsprechende Erwartungen an Lieferanten stellen.

3. Ein Klimadatenmanagement einrichten

Im Anschluss an die Datenerhebung ist entscheidend, wie die klima-relevante Daten der Lieferanten verarbeitet und verwaltet werden. Dabei ist es zunächst wichtig, sicherzustellen, dass die Daten allen beteiligten Anbietern zugänglich sind – denn die Zusammenarbeit bei der Dekarbonisierung ist keine Einbahnstraße, sondern ein Weg der Zusammenarbeit mit gegenseitigem Nutzen und gemeinsamen Lernprozessen. Die Grundlage dabei ist es, einen aktiven Kommunikationsfluss in beide Richtungen zu ermöglichen, bei dem sowohl Erwartungen als auch Bedenken auf beiden Seiten kommuniziert werden können.

Darüber hinaus müssen die Daten entsprechend analysiert werden, um sowohl Risikobereiche als auch Chancen für Klimamaßnahmen aufzudecken. Denn nur wenn entsprechende Schlussfolgerungen und Folgemaßnahmen aus den Ergebnissen resultieren, kann die Klimatransformation erfolgreich vorangetrieben werden.

4. Zusammenarbeit und Entwicklung

Mit einem funktionalen Klimadatenmanagement ist der wichtigste Grundstein gelegt. Ein wirklich nachhaltiger Erfolg erfordert nun eine Kommunikation auf Augenhöhe und langfristige Zusammenarbeit. Einfach nur Richtlinien zu diktieren, funktioniert nicht. Stattdessen muss ein vertrauensvoller, gewinnbringender und gegenseitiger Austausch stattfinden, um die Klimaleistung gemeinsam zu mindern.

Dabei ist es nun an der Zeit zu investieren! Es ist wichtig zu verstehen, was Lieferanten brauchen, um die Erwartungen und Richtlinien des Unternehmens zur klimarelevanten Produktion zu erfüllen. In die Beziehungen zu den Zulieferern zu investieren bedeutet, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die den Interessen aller Beteiligten entsprechen und sie in ihren Bedürfnissen unterstützen. Durch die Zusammenarbeit in Planung- und Kapazitätsmanagement sowie bei der Verbesserung des Abfall- und Ressourcenmanagements ermöglichen Unternehmen ihren wichtigsten Zulieferern, ihre Prozesse neu zu gestalten und effizienter zu arbeiten. So können sie wirksame Fortschritte in der effektiven CO2-Reduktion erzielen und ihren Klimaziele näher kommen.

5. Kontinuierliche Überwachung und Optimierung

Fortschritte überwachen

Was funktioniert tatsächlich und welche Maßnehmen können wir optimieren? Sobald ein Unternehmen die Zusammenarbeit mit den Lieferanten erfolgreich eingeleitet haben, geht es darum, die laufenden Maßnahmen kontinuierlich zu überwachen. Dies macht erste Erfolge greifbar. Darüber hinaus kann man Prozesse anpassen und bei Bedarf weitere Maßnahmen entwickeln.

Zunächst ist wichtig, die Wirksamkeit der Verbesserungsmaßnahmen anhand von vordefinierten Indikatoren zu überprüfen. Dabei ist es hilfreich, die gesetzten Klimaziele als Ausgangspunkt zu nehmen und die vor- und nachgelagerten Klimaauswirkungen regelmäßig zu messen. So lässt sich die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen reflektieren. Dies hilft nicht nur dabei, Best-Practices und wirksame Lösungsansätze zu erkennen, sondern auch neue Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Während des Prozesses ist es wichtig, die Ziele stetig zu erhöhen, um das Unternehmen selbst und die Lieferanten weiterhin zu fordern.

Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Lieferanten

Hände auf einem Baum

Dennoch gibt es mehrere Faktoren, die die Zusammenarbeit mit Lieferanten für viele Unternehmen zu einer Herausforderung machen. Die Investition in langfristige und starke Partnerschaften erfordert Zeit und Mühe und eine grundlegend andere Denkweise bei den Einkaufsprozessen. Zudem fehlen vielen Unternehmen noch immer die Ressourcen und Tools, um die Daten ihrer Lieferanten zu messen und zu verarbeiten. Das hindert sie noch immer daran, die CO2-Hotspots entlang ihrer Lieferketten zu identifizieren.

Um Unternehmen die Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten zu erleichtern, haben wir die Climate Data Platform eingerichtet. Sie ermöglicht es Unternehmen, klimabezogene Daten zu sammeln und die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette für eine effiziente Dekarbonisierung zu verbessern.

Du möchtest mehr über das datenbasierte Software-Tool für die Zusammenarbeit mit Lieferanten erfahren? Buche noch heute einen Demo-Termin und erfahre, wie sich Klimadaten sammeln und validieren lassen und wie Dein Unternehmen seine Lieferanten in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie einbeziehen.

Nachhaltige und zukunftsprägende Jobs finden

Nachhaltigkeit wird für immer mehr Menschen zu einem wichtigen Aspekt im Leben. Auch bei der Jobwahl achten Arbeitnehmer:innen zunehmend darauf, dass Arbeitgeber sich nachhaltig positionieren und sich aktiv am Umwelt- und Klimaschutz beteiligen. JOBVERDE ist eine der ersten grünen Jobplattformen und bietet Arbeitgeber:innen mit nachhaltig ausgerichteten Stellenangeboten die Möglichkeit, sich einem nachhaltigkeits-affinen Publikum zu präsentieren. Arbeitnehmer:innen, die an Nachhaltigkeit interessiert sind, können auf JOBVERDE spannende Unternehmen und Organisationen kennenlernen und einen sinnstiftenden Job für sich finden. Darüberhinaus wird im JOBVERDE-Magazin regelmäßig über Karrierethemen und nachhaltige Arbeitgeber berichtet.

JOBVERDE

 Auf JOBVERDE.de haben Menschen auf Jobsuche die Möglichkeit, nachhaltige Arbeitgeber in ihrer Region zu finden. (Bild: JOBVERDE)

Gesellschaftliches Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit

Für viele Menschen spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Auch Unternehmen verstehen heute, dass Nachhaltigkeit kein kurzer Trend ist, sondern dass derzeit ein wirkliches Umdenken in der Gesellschaft im Gange ist. Um sich diesem gesellschaftlichen Umschwung anzupassen, richten sich immer mehr bestehende Unternehmen nachhaltig aus. Daher achten sie zunehmend auf die Konsequenzen, die ihr Handeln in der Welt mit sich bringt. Darüberhinaus entstehen neue Unternehmen im Nachhaltigkeitsbereich, die umweltfreundliche Produktalternativen verkaufen oder nachhaltige Dienstleistungen anbieten. 

Nicht nur aus Unternehmer:innensicht wandelt sich die Arbeitswelt in eine nachhaltige Richtung. Auch auf Seiten der Arbeitnehmer:innen nimmt der Wunsch nach sinnstiftenden Jobs zu. Ob für den Umwelt- oder Klimaschutz, den Erhalt der Artenvielfalt, den Ausbau der erneuerbaren Energien oder ein Job im sozialen Bereich: Immer mehr Menschen machen sich auf die Suche nach einer Arbeit, mit der man etwas bewirken kann und in der man eine Erfüllung findet.

Schon gewusst? JOBVERDE gehört ebenso wie das bekannte Nachhaltigkeitsmagazin LifeVERDE zur VERDE-Portalfamilie

2010 gründeten Marcus Noack und Romek Vogel JOBVERDE, seit 2011 ist es eine eigenständige Plattform. Nach wie vor sind beide Gründer sind die Inhaber des Portals, das zur VERDE-Portalfamilie gehört. Andere Plattformen sind LifeVERDE, das zugehörige Magazin rund um nachhaltigen Lifestyle, die nachhaltige Gründerplattform Grüne Startups und das neue Karriereportal JOBVERDE.at.

JOBVERDE-Gründer Marcus Noack und Romek Vogel

Die beiden JOBVERDE-Gründer Marcus Noack und Romek Vogel. (Bild: JOBVERDE)

Zur VERDE-Portalfamilie gehört außerdem der Podcast Grünes Mikro, der von Gründer Marcus Noack moderiert wird. Im Podcast treffen die Themen Karriere und Nachhaltigkeit aufeinander. In den Folgen werden spannende Persönlichkeiten mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen zum Zusammenspiel von Wirtschaft und Nachhaltigkeit interviewt. Zudem spricht Host Marcus Noack mit seinen Gästen über zukunftsweisende Produkte und andere Innovationen aus dem Nachhaltigkeitsbereich. 

Was JOBVERDE zu bieten hat

Auf JOBVERDE lassen sich spannende Beiträge rund um Berufswahl, Karriere und die Arbeitswelt finden. Außerdem hast du die Möglichkeit nachhaltige Arbeitgeber kennenzulernen und den passenden grünen Job für dich zu finden.

Jobs finden:

Wer auf der Suche nach einem sinnstiftenden Job ist, findet grüne Stellenanzeigen in unserem Reiter Jobs finden. Du kannst dir passende Stellenanzeigen auch über die eingebundene Schnellsuche auf jeder Seite anzeigen lassen. Über die Suchfunktion kannst du die Suchergebnisse nach Thema und Ort filtern, damit dir die Jobs angezeigt werden, die zu dir passen.

Jobsuche

Über die Jobsuche lassen sich passende Jobs in verschiedenen Arbeitsbereichen finden. (Bild: JOBVERDE)

JOBVERDE-Online-Magazin:

Im Bereich Personalexpert:innen teilen Expert*innen aus der Berufspraxis ihr Wissen zu aktuellen spezifischen Themen, wie beispielsweise der Generation Z in der Arbeitswelt oder wie Inklusion am besten gelingt.

In unserer Innovator:innen-Kategorie erzählen Personen aus dem Nachhaltigkeitsbereich ihre spannenden Wege, wie sie zur Nachhaltigkeit gefunden haben. Darunter sind unter anderem Unternehmensgründer*innen, Influencer*innen und Reporter*innen.

Auch wer sich konkret über nachhaltige Arbeitgeber:innen informieren möchte, wird bei unseren Arbeitgeber*inneninterviews fündig. In den Interviews stellen Arbeitgeber*innen aus dem Nachhaltigkeitsbereich sich und ihre Unternehmensphilosophie vor. Außerdem erklären sie, was das Unternehmen zu einem besonderen und ansprechenden Arbeitgeber macht und wie du dich in ihr Team einbringen kannst. 

Nachhaltige Arbeitgeber:innen

Im Bereich “Nachhaltige Arbeitgeber*innen” finden sich interessante Interviews mit den Personalverantwortlichen nachhaltiger Unternehmen.(Bild: JOBVERDE)

Unter News & Tipps findest du spannende Beiträge zu Karrierethemen und erfährst mehr über die anstehenden Events im beruflichen Bereich. Es gibt Artikel zu Themenkomplexen, wie Karrierepodcasts, Recruiting-Trends oder E-Mobilität.

Grüne Arbeitgeber:innen:

In unserer Rubrik Grüne Arbeitgeber:innen stellen sich Unternehmen aus grünen und sozial-nachhaltigen Branchen vor und zeigen auf, was sie als Arbeitgeber ausmacht. Hierbei sind die Unternehmen nach Themen unterteilt. Kategorien sind unter anderem: Erneuerbare Energien, Grüne Kommunikation & CSR (Corporate Social Responsibility) und Grüne NGO’s. Darüberhinaus findest du neben den Stellen, die das Unternehmen aktuell ausschreibt, in den einzelnen Arbeitgeberprofilen auch Infos zu den Mitarbeiter:innenbenefits. 

Karriere Guide:

Im Karriere-Guide lassen sich Events und Bildungsangebote im Nachhaltigkeitsbereich finden. Du findest hier nachhaltige Messen zu Themen, wie vegane Ernährung, grüne Jobs oder der Energiewende. Wer sich in Sachen Nachhaltigkeit weiterbilden möchte, kann sich hier außerdem grüne und nachhaltige Studiengänge sowie Weiterbildungsprogramme anschauen.

Der JOBVERDE-Newsletter:

JOBVERDE hat einen Newsletter, mit dem du einmal pro Monat über Neuigkeiten aus der Arbeitswelt informiert wirst. Mit dem JOBVERDE-Newsletter bleibst du auf dem neuesten Stand, was unsere Interviews mit nachhaltigen Arbeitgebern, die nächsten Events im Nachhaltigkeitsbereich, Tipps von Personal-Expert*innen und vieles mehr angeht.

JOBVERDE-Job-Alert:

Wenn du dich beim JOBVERDE-Job-Alert anmeldest, wirst du immer per Mail informiert, sobald es neue Stellenanzeigen gibt, die deinen angegebenen Kriterien entsprechen. Auf diesem Weg kannst du auch passiv deinen sinnstiftenden Job finden.

JOBVERDE-Job-Alert

Mit dem JOBVERDE-Job-Alert kann man sich per Mail über neue passende Stellenanzeigen informieren lassen. (Bild: JOBVERDE)

Für nachhaltige Arbeitgeber:innen bietet JOBVERDE die Möglichkeit, ihre grünen Jobanzeigen im Stellenportal zu schalten, sich als Unternehmen für Bewerber:innen zu präsentieren. In einem Arbeitgeber:inneninterview können von uns gestellte Fragen zur Unternehmensidee, zu den Benefits für Teammitglieder, der Arbeitskultur und weiteren Themen, die für Arbeitnehmer:innen wichtig sind, beantwortet werden.

Meilenstein im Sustainability Reporting – Neuer CSRD-Vorschlag steht fest

Monatelang wurde verhandelt, jetzt wurde sie finalisiert: die neue CSRD Richtlinie. Die europäische Wirtschaft wird in Zukunft von neuen Standards im Sustainability Reporting bestimmt.

Bei dem neu veröffentlichten Vorschlag der CRSD (Corporate Sustainability Reporting Directive), handelt es sich um einen überarbeitete Version der bestehenden CSRD-Vorschriften zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen. Diese galten bislang als unzureichend, um von den Investoren in angemessenem Maße berücksichtigt zu werden. Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels! Die neue CSRD Richtlinie ermöglicht ein detaillierteres und umfangreicheres Reporting und mehr Transparenz in Unternehmen. Finde hier die wichtigsten Erkenntnisse über den neuen CSRD-Vorschlag:

1. Detailliertere Berichtsanforderungen von Klimabelangen 

Transparenz macht den Unterschied! Die neue CSRD Richtlinie sorgt dafür, dass klimarelevante Informationen von Unternehmen leichter zugänglich, qualitativ hochwertiger und vergleichbarer werden. Große Unternehmen sind verpflichtet, über soziale und ökologische Belange, Menschenrechte sowie staatliche Faktoren zu berichten. Dabei müssen die Angaben nun extern geprüft werden und in einem eigenen Abschnitt des Jahresberichts erscheinen.

2. Mehr als 50.000 Unternehmen in Europa betroffen 

Zunächst sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die bereits der Richtlinie über die Nichtfinanzberichterstattung (NFRD) unterliegen, aufgefordert die Berichte für das Geschäftsjahr 2024 zu erstellen und 2025 zu veröffentlichen. Alle anderen großen Unternehmen sind erst ein Jahr später zur Berichterstattung verpflichtet. Kapitalmarktorientierte KMU werden ab dem Geschäftsjahr 2026 einbezogen.

Ab wann gilt die CSRD für Unternehmen?

Natur

1. Januar 2024 für Unternehmen, die bereits der Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung unterliegen

1. Januar 2025 für große Unternehmen, die derzeit noch nicht von der Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung betroffen sind

1. Januar 2026 für börsennotierte KMU, kleine und nicht-komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen

Darüber hinaus müssen nicht-europäische Unternehmen, die in der EU einen Nettoumsatz von 150 Millionen Euro erzielen und mindestens eine Tochtergesellschaft oder Niederlassung in der EU haben, über ihre ESG-Auswirkungen berichten.

3. Im Einklang mit globalen Standards

Die neuen CSRD-Leitlinien wurden im Einklang mit verbindlichen EU-Standards, wie z. B. den Vorschlägen des TCFD sowie der EU-Taxonomie und dem bestehenden NFRD entwickelt. Konkret umfasste die Berichterstattung Folgendes:

CSRD – der Wegbereiter der Wirtschaft

Die CSRD sowie andere internationale Reporting Richtlinien zeigen schon jetzt: In Zukunft wird weltweit jedes Unternehmen seine Klimaauswirkungen transparent offenlegen müssen. Dies soll Investoren helfen, Kapitalströme in Richtung nachhaltiger Investitionen umzulenken und finanzielle Risiken des Klimawandels zu managen.

Darin lässt sich eine enorme Chance für eine eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaft erkennen. Es ist ein Anreiz und die Motivation für Unternehmen, effektive Klimaschutzmaßnahmen heute umzusetzen. Es ermöglicht Unternehmen, sich heute als Vorreiter zu positionieren und darüber hinaus Geschäftspartner auf dem Weg dorthin zu unterstützen.

Du möchtest erfahren, wie Unternehmen sich heute am besten auf die CSRD vorbereiten und die Klimatransformation im eigenen Unternehmen jetzt voranzutreiben? Finde hier unser Whitepaper zur CSRD mit weiteren Einblicken zum Sustainability Reporting.

Beitragsbild: Unsplash

Durch nachhaltigen Einkauf die Klimatransformation im Unternehmen umsetzen

Eine faire und klimafreundliche Wirtschaftsweise verlangt insbesondere eine nachhaltige Beschaffung. Viele Unternehmen sind aktuell dabei, erste Maßnahmen dazu umzusetzen, doch in den meisten Fällen fehlt ein strukturierter Ansatz, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Die globalen Lieferketten sind aktuell fast dauerhaft im Krisenmodus und es fehlt vielen Einkaufsverantwortlichen ausreichend Zeit, sich systematisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie können sie dennoch eine nachhaltige Beschaffung etablieren und ihre Einkaufsorganisation mit zahlreichen Unterstützungsangeboten auf diese Transformation vorbereiten und sogar zertifizieren lassen? Das haben wir im CHOICE Event #40 von Sarah Baer vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) sowie von Yvonne Jamal vom JARO Instituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e.V. erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Was kostet uns die Klimatransformation?

Die Höhe der Kosten für die Klimatransformation sind für viele immer noch schwer greifbar. Für einen ersten Eindruck schauen wir uns daher ein paar wichtige Zahlen an, die vor allem zeigen: Klimaschutz kostet Geld – kein Klimaschutz kostet noch mehr Geld!

Alleine im Jahr 2020 betrugen die weltweiten wirtschaftlichen Belastungen und Schäden durch Naturkatastrophen bereits 190 Mrd. Dollar (Quelle: Swiss Re Institute 2021). Wohlgemerkt sind in diese Zahl noch nicht die verheerenden Katastrophen des letzten Jahres eingerechnet wie die Flut im Juli 2021 im Ahrtal oder die Waldbrände in Australien, Kanada oder den USA. Zu den wirtschaftlichen Schäden kommt noch der zunehmende Verlust unserer natürlichen Umwelt. Hierzu zählen sowohl das Sterben der Korallenriffe, Vergrößerung der Waldbrandflächen, verkleinerter Lebensraum für viele Tierarten und entsprechendes Massenaussterben.

Demgegenüber stehen die Investitionskosten für einen flächendeckenden Wandel hin zu einer weltweit klimakompatiblen Wirtschaft. Experten schätzen, dass ca. 2 % des jährlichen weltweiten Bruttoinlandsprodukts notwendig sind, um die Klimatransformation umzusetzen. Das entspricht ca. 1,6 Billionen Euro. Um einen besseren Eindruck von dieser Zahl zu bekommen, hilft der Vergleich zu anderen aktuellen Ausgaben und Investitionsvolumen: So wurde weltweit für das Militär im Jahr 2020 bereits 2,4 % des jährlichen weltweiten BIP ausgegeben (= 1,75 Billionen Euro) und für die weltweiten Hilfsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie in den ersten 9 Monaten 2020 sogar 14 % des jährlichen weltweiten BIP (= 10,5 Billionen Euro).

Wir sehen also, die nötigen Investitionen für die Klimatransformation sind realisierbar und verhindern vor allem weitaus größere Kosten. Was bedeutet das nun für den Einkauf und wie kann er eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des unternehmerischen Klimaschutzes einnehmen?

Der Einkauf als Multiplikator nach Innen und Außen

Der Einkauf nimmt gleich einer Spinne in ihrem Netz eine wichtige Vermittlerposition im komplexen Prozess-Geflecht der Klimatransformation ein. Denn auch wenn natürlich im Vorstand oder den CSR-Abteilungen die wichtigen klimarelevanten Maßnahmen des Unternehmens geplant und vorangetrieben werden, entscheiden letztlich die Einkaufsleiter:innen, wofür das Geld des Unternehmens ausgegeben wird. Zudem prägen sie durch ihre Einkaufsentscheidungen die Nachfrage am Markt und nehmen entsprechend Einfluss darauf, welche neuen Angebote dort entstehen.

Bei der Perspektive nach Innen, tauscht sich der Einkauf zunächst intensiv mit dem Vorstand & der Geschäftsführung des Unternehmens aus, da er sowohl dessen Vorgaben ausführen soll, aber auch wichtige Impulse geben kann. Zusammen mit der Finanzabteilung als aus der CSR-Abteilung geht es aktuell beim Thema Sustainable Finance vor allem darum, dass klimarelevante Daten aus der Lieferkette für entsprechende ESG-Reportings erhoben und transparent gemacht werden. Aber auch für weitere Bereiche wie Sales & Marketing oder die Personalabteilung beim Thema Recruiting werden die Klimatransformation und entsprechende Fortschritte durch den Einkauf immer wichtiger. 

Nach Außen sind in erster Linie natürlich die Lieferanten der wichtigste Ansprechpartner für den Einkauf. Mit ihnen zusammen gilt es, mehr Transparenz zu klimarelevanten Themen und Prozessen aufzubauen und so erfolgreich Dekarbonisierungsmaßnahmen entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Aber auch weitere externe Stakeholder – wie die Zivilgesellschaft oder Kund:innen – können sowohl sowohl von der Arbeit und Expertise des Einkauf profitieren als auch die Arbeit des Einkaufs an der Umsetzung der Klimatransformation durch Know-How – z. B. von Fach-Verbänden oder der Forschung – unterstützen.

Die vier Schritte zur nachhaltigen Beschaffung

Um die zentrale Rolle des Einkaufs bei der Klimatransformation nun wahrzunehmen und in die Tat umzusetzen, haben sich vor allem vier folgenden Schritte nach dem nachhaltigen Beschaffungsprozess-Modell von Fröhlich bewährt (Quelle: CSR und Beschaffung, Das nachhaltige Beschaffungsprozess-Modell, Elisabeth Fröhlich (Fröhlich et al. 2013, S. 214)):

  1. Die Basis schaffen
    • Unterstützung des Top Managements einholen
    • Verbündete im Unternehmen finden
    • Alle relevanten Stakeholder identifizieren
    • Wesentlichkeitsanalyse für Ihre Warengruppen durchführen
    • Nachhaltige Beschaffungsziele definieren
  2. Beschaffungsprozesse um nachhaltige Aspekte erweitern
    • Nachhaltige Beschaffungsstrategie formulieren
    • Richtlinien, AEBs und Verträge anpassen
    • Nachhaltigkeitsprogramm für den Einkaufentwickeln (dabei den gesamten Beschaffungsprozesses berücksichtigen)
    • Kommunikations- und Schulungsmaßnahmen
  3. Aktive Einbindung der Lieferkette
    • Lieferkette aktiv einbinden
    • Nachhaltige und transparente Kriterien für die Lieferantenauswahl und -bewertung festlegen
    • Faire Zusammenarbeit mit Lieferanten auf Augenhöhe zur gemeinsamen Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung
    • Vorlieferanten (Multi-Tier Supplier) einbeziehen
  4. Erfolgskontrolle
    • Wirksamkeit der Maßnahmen mit vorab festgelegten Indikatoren überprüfen
    • Transparent über den Fortschritt und Herausforderungen berichten
    • Eventuelle Korrekturmaßnahmen einleiten und Ziele stetig steigern (KVP)

Zertifizierung für eine nachhaltige Beschaffungsorganisation

Zu guter Letzt besteht für Unternehmen sowie ihren Einkaufsabteilungen die Möglichkeit einer Zertifizierung als nachhaltige Beschaffungsorganisation. Hiermit können sie nicht nur den eigenen Stand der Klimatransformation überprüfen und für externe Stakeholder validieren lassen – gleichzeitig bietet es ihnen auch eine hilfreiche Anleitung für die weitere Umsetzung klimarelevanter Maßnahmen. Ein Beispiel hierfür ist die BME-Zertifizierung „Nachhaltige Beschaffungsorganisation“. Sie gliedert sich in drei unterschiedliche Level, von einer Online -Selbstanalyse bis hin zur Vor-Ort-Auditierung der Umsetzung des Nachhaltigkeitsprogrammes mit jährlichem Überwachungsaudit.

Wer die Zertifizierung durchführen lassen will, muss sich zu bestimmten Mindestkriterien verpflichten. Diese geben einen anschaulichen Leitfaden für eine nachhaltige Einkaufspraxis und lauten: 

  1. Erklärung der Geschäftsführung zur Einhaltung der Menschenrechte
  2. Erstellung eines Supplier Code of Conduct (oder die Nutzung z.B. des BME Code of Conduct
  3. Entwicklung einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie (inkl. Risikoanalyse, Ziele, Maßnahmen & Indikatoren)
  4. Benennung eines Nachhaltigkeitsverantwortlichen für den Einkauf
  5. Umsetzung und Fortführung der Beschaffungsstrategie in Form eines Nachhaltigkeits-Programms für den Einkauf mit priorisierten Handlungsfeldern, Zielsetzung und Verantwortlichkeiten
  6. Integration von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in die operativen und strategischen Beschaffungsprozesse durch die Formulierung einer nachhaltigen Beschaffungsrichtlinie
  7. Kaskadierte Lieferkettenanalyse: Schaffung von Transparenz in der Lieferkette von mindestens 3 wesentlichen Lieferanten pro Jahr
  8. Erstellung eines jährlichen Nachhaltigkeitsberichts der Beschaffung mit Management Review der Strategie/gesetzten Ziele und Optimierungsplan
  9. Beteiligung an einer jährlichen BME Erhebung zu definierten KPIs für eine regelmäßige Benchmark Analyse

Mit der Zertifizierung und den Mindestkriterien bietet der BME Unternehmen jeder Größe die Möglichkeit, Fragestellungen zur nachhaltigen Beschaffung zu strukturieren und in das eigene Risikomanagement zu integrieren. 

Vielen Dank für Eure Einblicke, Yvonne und Sarah! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

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Neue Anforderungen an klimakompatible Beschaffung, die heute ganze Lieferketten transformieren

Im Eröffnungs-Panel “Einkauf & Supply Chain” der amc Zukunftswerkstatt konnte unsere Gründerin Lara Obst, gemeinsam mit Elisabeth Fröhlich, Alexander Schreiber, Petra Poschadel-Babik, Jens Berberich, Stephan Link, Michael Niessen den aktuellen Wandel in der Beschaffung sowie im Lieferkettenmanagement beleuchten. Hier die wichtigsten Einblicke in Laras Beitrag. 

Die Beschaffung befindet sich angesichts von sogenannten Stapelkrisen in einer nie dagewesenen Belastungssituation. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine nachhaltige, klimaneutrale Beschaffung. Wie lassen sich eventuelle Zielkonflikte auflösen?

Wir befinden uns heute zwischen Pandemie und Krieg – der Begriff Krise ist allgegenwärtig. Fakt ist allerdings: Ein zurück gibt es nicht. Wir erleben gerade, wie sich ganze Systeme neu gestalten: Planetare Grenzen sind dabei als maßgeblicher Einfluss eine Dimension, gesellschaftliche Entwicklungen eine andere. 

Das Zusammenspiel dieser makro-ökonomischen Veränderungen verlangt insgesamt eine steigende Anpassungsfähigkeit von Unternehmen. Wollen sie dabei Risiken reduzieren und langfristig neue Chancen für sich nutzen, können Unternehmen jetzt Vorreiter:in werden und die Klimatransformation als Climate Champion mitgestalten. 

Dabei liegt besonders in der Beschaffung ein erfolgreicher Hebel, da sich hier die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Klimaschutz zeigt. Es besteht jetzt die einzigartige Chance, gemeinsam mit seinen Geschäftspartner:innen Schritt für Schritt Emissionen und Risiken zu reduzieren und gleichzeitig Marktsegmente zu erschließen sowie bestehende Kundenbeziehungen zu verbessern. Durch Kollaboration und Kommunikation lassen sich gemeinsame Mehrwerte aufzeigen und verfolgen, sodass vermeintliche Zielkonflikte häufig aufgelöst werden können. 

In der Praxis heißt das, dass die Dimensionen Preis, Qualität und Verfügbarkeit im Idealfall auf dem Fundament Nachhaltigkeit und Klimaschutz basieren und hierdurch verbessert und nicht blockiert werden. 

Was kann dabei helfen, damit die Klima- und Nachhaltigkeitsstrategien des Einkaufs angesichts von Lieferkettenchaos nicht auf der Strecke bleiben?

Kurzfristige Veränderung können natürlich nicht von heute auf morgen aufgefangen werden. Langfristig muss der Fokus daher auf Risikominimierung liegen: Das bedeutet Transparenz, Zusammenarbeit und besonders die Integration von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in alle Geschäftsbereiche. 

Eine Isolierung der Themenbereiche führt allerdings zu einem niedrigen Klimareifegrad, das Unternehmen ist also nur unzureichend auf externe und interne Folgen der Klimakrise vorbereitet. Im Notfall werden dann Nachhaltigkeit und Klimaschutz weggelassen. Eine vollständige Integration in alle Entscheidungen lässt dies nicht zu. 

Konkret heißt das: ganzheitliche Einkaufskriterien, Unterstützung der Lieferant:innen bei der Erfüllung von Klimaanforderungen, Transparenz in Entscheidungsprozessen und Investitionen sowie Anreizsysteme für Geschäftspartner:innen.

Klimatransformation ist komplex. An welchen Herausforderungen scheitern insbesondere mittelständische Unternehmen?

Man schätzt, dass heute bislang weniger als 15 % der Lieferant:innen “Climate Ready” sind, das heißt sie können ihr Klimamanagement bislang nicht strukturieren und notwendige, klimarelevante Daten für Geschäftspartner:innen und Dritte nur unzureichend aufzeigen. 

Die ersten Schritte sind dabei leicht gemacht, wir unterstützen dabei mit unserer Software: Dem CLIMATE Readiness Check. Hier werden in 5 Dimensionen nachhaltige und klimaspezifische Kriterien erfasst, um die eigenen Stärken und Potentiale zu erfassen sowie Reporting-Anforderungen zu erfüllen. Diese Daten werden in unserem Dashboard übersichtlich managebar und sind als CLIMATE Scorecard mit Geschäftspartner:innen teilbar. 

Die Herausforderung ist also adressierbar, es gilt dabei keine Angst zu haben und einfach anzufangen. Software-Lösungen sind dabei besonders schnell, unkompliziert und kostengünstig nutzbar.

Gibt es Ansätze, die den Prozess vereinfachen, wie kommt man in die Umsetzung?

Unsere Mission ist es, jedes Unternehmen zum Climate Champion und somit fit für die Klimatransformation zu machen. Wir legen daher besonders viel Wert darauf, alle Prozesse einfach und niederschwellig zu gestalten. Unser Climate Readiness Check ermöglicht dabei die Erfassung des Status Quo, zeigt im Ergebnis allerdings direkt Verbesserungspotentiale und konkrete Handlungsfelder auf. Diese lassen sich über die Zeit im eigenen Profil nachhalten. 

Für die konkrete Umsetzung wie Klimastrategien, Energiewechsel oder Umstellung von Produktionsprozessen arbeiten wir mit Partner:innen zusammen. Über unsere Datenplattform lassen sich im nächsten Schritt Kund:innen und Geschäftspartenr:innen einladen, um gemeinsam Daten zu teilen, Strategien anzugleichen und Climate Actions bis in die Lieferkette umzusetzen. Hierzu dienen Benchmarking-Ergebnisse, Best Practices und weitere Business Intelligence Insights. 

Wie findet man Quick Wins, mittel- und langfristige Themen?

Quick Wins sind für uns Climate Actions in neun Handlungsfeldern, die bereits als erprobte Best Practices bekannt sind. Diese werden aus Benchmarking-Daten erhoben sowie aus der Klimaforschung abgeleitet. Das schöne ist also: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können getestete Ergebnisse anwenden. 

Sie sagen: „Jede Einkaufsentscheidung ist eine Klimaentscheidung.“ Welche Entscheidungsgrundlagen fehlen bislang in der Praxis? 

Bis zu 90% der Emissionen eines Unternehmens stammen typischerweise aus der Lieferkette und werden zum Großteil durch Produkte und Services eingekauft. Will man also Emissionen reduzieren, muss man transparent mit Lieferant:innen zusammenarbeiten, um nicht nur CO2-Daten zu erhalten, sondern vielmehr um diese “climate ready” zu machen und durch einen ganzheitlichen Transformationsprozess – entlang internationaler Standards – auf die notwendige Transformation vorzubereiten. 

Als einkaufendes Unternehmen ist es also nicht nur wichtig zu wissen: Wo stehen meine Geschäftspartner:innen heute in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klima, sondern wo stehen sie in 5 oder 10 Jahren? Und was können wir gemeinsam tun, um dann den Klimaeinfluss und das gemeinsame Risiko drastisch zu reduzieren. 

Klimaneutralität kostet. Wie lassen sich die Klimaziele der Beschaffung trotzdem erreichen? 

Fragt sich, wie man Klimaneutralität definiert. Häufig wird der Begriff auf: CO2 Messen und Ausgleichen verkürzt. Die Kosten für Klimaneutralität beziehen sich dann vor allem auf den Einkauf von zusätzlichen CO2-Zertifikaten (aktuell ca. 12 € pro Tonne). 

Das reicht allerdings nicht aus und ist nach Reportinganforderungen, Kundenwünschen und Klimaeinfluss unzureichend. Was wir wirklich brauchen, ist CO2-Reduktion. Die lässt sich nur Umsetzen, wenn Potenziale aufgedeckt und bis in die Lieferkette realisiert werden. Hierzu braucht es Zusammenarbeit. 

Gemeinsam umgesetzt lassen sich im besten Fall sogar Kosten sparen. Der Wechsel von fossilen Energieträgern und Mobilitätsangeboten zu erneuerbaren Alternativen spart heute schon enorm Geld – und wird es auch in Zukunft weiter. Andere Bereiche wie Prozessumstellungen können die Effizienz steigern und schließlich lassen sich durch Einsparungen Technologien refinanzieren. Studien zeigen, dass im Durchschnitt 50 % der Emissionen mit Kosten von weniger als 10 € reduziert werden können, was bereits günstiger ist als das bloße “Offsetting”. 

Freiwilliger Klimaschutz darüber hinaus ist natürlich wünschenswert und keineswegs falsch, aber Einsparungen lassen sich langfristig nur durch Reduktion erzielen. 

Dich interessiert das Thema und Du willst mehr Tipps und Best Practices erfahren? Dann schau Dir auch unser Whitepaper „Fit für die Dekarbonisierung – Checkliste für den Einkauf“ an oder mache direkt ein Gespräch mit uns aus!

Supply Chain Action – FUNKEs Weg zur Klima-Transparenz in der Lieferkette

Ab 2023 wird die Einhaltung des deutschen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes“ für alle Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden verpflichtend sein – und mit dem bevorstehenden EU-Supply Chain Act zeichnen sich sogar noch strengere Vorschriften ab. Um diese neuen Gesetzgebungen zu bewältigen, steht der Einkauf vor der großen Herausforderung, die Transparenz bezüglich Menschenrechten und Umweltstandards in der Supply Chain seines Unternehmens jetzt drastisch zu erhöhen.

Wie geht ein führender Konzern wie die FUNKE Mediengruppe hierbei konkret vor? Genau das haben wir im CHOICE Event #39 von Gundula Ullah, Bereichsleitung Einkauf & Sustainability bei der FUNKE Mediengruppe, erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Das Unternehmen FUNKE und seine Klimaziele

Die FUNKE Mediengruppe beschäftigt als drittgrößtes deutsches Medienhaus rund 1.500 Journalist:innen und 4.500 Medienmacher:innen in den Geschäftsfeldern Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Im Bewusstsein der sich aktuell wandelnden Medienbranche hat die Gesellschafterfamilie ihr Commitment zu nachhaltigem Handel bekräftigt und will so “Strukturen und Prozesse schaffen, mit denen wir auch in den kommenden Jahren guten Journalismus ermöglichen“. 

Hierfür wurden spezifische Nachhaltigkeitsziele für FUNKE – abgeleitet von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen – definiert, welche die für FUNKE relevanten industriellen und regulatorischen Herausforderungen sowie Kunden-Zielgruppen berücksichtigen. Basierend auf den SDGs 5, 7, 8, 9, 12 und 13 verpflichtet sich FUNKE auf die Einhaltung der Ziele:

Nachhaltigkeit in der Lieferkette fängt im Einkauf an

Für die Umsetzung all dieser Ziele sowie die Vorbereitung der FUNKE Mediengruppe auf das kommende Lieferkettengesetz spielt der Einkauf eine zentrale Rolle. Denn die Kosten für die externe Wertschöpfung stehen letztlich ca. 50 % des Konzernumsatzes gegenüber. Die Wertschöpfungskette bei FUNKE sieht hierbei wie folgt aus:

Für jeden Bereich der Lieferkette hat sich FUNKE entsprechende Maßnahmen vorgenommen. Beim Energiebezug für den Betrieb der Druckereien sowie der Medienhäuser und Redaktionen möchte sich FUNKE in Richtung eines nachhaltigen Energiemix transformieren. Die Papierindustrie ist bereits generell stark zum Nachhaltigkeitsaspekt aufgestellt mit Kreislaufprozessen, die recyceltes Papier 5 bis 7 Mal wiederverwerten. Eine Herausforderung stellen allerdings noch die unterschiedlichen Reportingstandards bei der CO2-Transparenz des eingekauften Papiers dar. Um die IT zum Verfassen der Artikel klimakompatibler zu gestalten, sind entsprechende digitale Lösungen gefragt. Hier müssen vor allem neue nachhaltige Ausschreibungskriterien umgesetzt werden. 

Die Marktbereiche, welche die Anzeigen verkaufen und Werbungen schalten, sehen sich zunehmend mit Forderungen nach klimaneutralen Werbeformen von B2B-Kunden konfrontiert und müssen entsprechend nachhaltigere Ansätze bei Prämien und Kampagnen entwickeln. Beim Druck sind insbesondere Tiefdruck und das Heatset-Verfahren sehr energie-intensiv. FUNKE will deshalb mit den Druckereien in den Austausch gehen und gemeinsam erarbeiten, wie der Energieverbrauch reduziert werden kann. Zuletzt denkt FUNKE auch über nachhaltige Modelle in der Zustellung bei Tageszeitung nach und testet hierfür flächendeckende Ansätze mit Elektromobilität und Wasserstoff-Antrieb.

FUNKEs Herangehensweise? – Erstmal Transparenz!

Um die verschiedenen Bereiche der Lieferkette im Sinne von FUNKEs Nachhaltigkeitsstrategie zu transformieren, beginnt das Unternehmen zunächst mit einer grundlegenden Herstellung von Transparenz in Bezug auf CO2. Mithilfe einer Climate-Tech-Plattform wird daher ein Corporate Carbon Footprint erstellt, um auf diese Weise so viele Primärdaten wie möglich für den Scope 3 der Kern-Warengruppen (Papier, Druck, etc.) nutzen zu können. 

Das Emissionskontroll-Tool berechnet und analysiert den FUNKE CO2-Fußabdruck vollständig digital und prognostiziert zukünftige Nachhaltigkeitsszenarien auf der Grundlage von Datenheuristiken (z. B. künftiger Fußabdruck bei zukünftig weniger Print- und mehr Digitalabos). Um die ordnungsgemäße Anwendung der Emissionsbilanzierungsstandards sicherzustellen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen (z. B. GHG). Die Analysen sind „audit-ready“, sodass die neuesten Anforderungen zur Datenprüfung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. KPMG, GRI, CDP) für den Nachhaltigkeitsbericht erfüllt werden können. Der Zugang zur Plattform ist zudem simpel gestaltet, sodass innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Abteilungen ihre Daten ins Tool hochladen können.

Der Weg zur Transparenz in der Lieferkette

Als weitere Maßnahmen ist FUNKE aktuell auf dem Weg, sich als nachhaltige Beschaffungsorganisation vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zertifizieren zu lassen. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen, die vom Verband definierten nachhaltigen Aspekte und Kriterien in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren. Der erste Schritt hierfür ist ein Selbstaudit sowie die Planung und Selbstverpflichtungserklärung zur Erfüllung der Mindestkriterien. Danach entwickelt FUNKE eine Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des BMEs. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen sowohl vom BME als auch durch externe unabhängige Prüfer überprüft und so ein jährlicher Verbesserungsprozess angestoßen.

Um die Transparenz-Bemühungen weiter zu unterstützen sowie das Unternehmen auf das im Januar 2023 in Kraft tretende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz vorzubereiten, nutzt FUNKE eine digitale Unterstützung zum Lieferketten-Screening. Damit kann sich FUNKE digital von ihren Lieferanten die Bestätigung einholen, dass sie sämtliche Anforderungen erfüllen, die mit dem neuen Gesetz einherkommen.

Wichtige Learnings

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit musste FUNKE bisher mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen:

Gleichzeitig konnte das Unternehmen aber auch bereits erste Erfolge verbuchen:

Vielen Dank für Deine Einblicke, Gundula! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Was die Folgen des Ukraine-Konflikts für Klimastrategien von Unternehmen bedeuten

Die Klimakrise ist schon Kraftakt genug und erfordert radikale Lösungen. Doch mit dem Angriff Putins auf die Ukraine kommen alle bisherigen Planungen für den Klimaschutz in eine Phase der Unsicherheit. Die Ungewissheit über den Umfang und die Folgen von Sanktionen, Embargos und den Gegenreaktionen bringen viele Klimamaßnahmen ins Stocken. Nicht nur ein Lieferstopp für Gas im kommenden Winter, sondern auch die Unterbrechung der Lieferungen von anderen Rohstoffen sowie unkalkulierbare Energiepreise bergen ernste Sorgen eines Abrisses von Lieferketten und möglicherweise einer teilweisen Deindustrialisierung.

Wie können Entscheidungsträger:innen auf die veränderte Situation reagieren? Darüber haben wir im CHOICE Event #38 mit Robert Werner, Geschäftsführer der greenmiles GmbH und des Hamburg Institut, gesprochen. Die wichtigsten Erkenntnisse aus seinem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Wirtschaftliche Auswirkungen des Krieges

Die individuellen Schicksale und menschliche Tragödie des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine sind kaum in Worte zu fassen und stehen bei der Auseinandersetzung mit Putins Verbrechen gegen die Menschlichkeit an erster Stelle. Darüber hinaus hat der Krieg ebenfalls indirekte und komplexe Auswirkungen und wirtschaftliche Folgen, die weit über die Grenzen der Ukraine und Russlands hinaus reichen. Auch Unternehmen in Deutschland sind davon betroffen und müssen sich nun überlegen, wie sie ihre Klimastrategie in Hinblick auf die neuen Unsicherheiten anpassen.

Der Ausgangspunkt aller wirtschaftlichen Auswirkungen sind dabei die Sanktionen und Embargos der Mitgliedsstaaten der EU sowie potentielle Lieferstopps als Gegenreaktion von Seiten Russlands. Diese haben bereits zu Energieknappheit und steigenden Energiepreisen geführt. Weiterhin kommt es vermehrt zu Engpässen bei Rohstoffen und Bauteilen. Dies kann jederzeit zu Störungen in Lieferketten führen, welche unter anderem gebraucht werden, um die Energie- und Klimawende zu beschleunigen. Der Ausfall beim Getreideanbau und der Speiseölproduktion birgt darüber hinaus nicht nur humanitäre Risiken, sondern befeuert ebenfalls die Inflation, welche zusammen mit dem Rückgang des BIP und Arbeitsplatzverlusten die Gesellschaft zunehmend unter eine Belastungsprobe stellt.

Auswirkungen eines Lieferstopps fossiler Energien

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die wirtschaftlichen Verbindung zwischen Deutschland und Russland in Bezug auf die unterschiedlichen Formen fossiler Energien. Im Falle eines Lieferstopps würde sich der Bedarf an Steinkohle dabei relativ gut über den Weltmarkt abdecken und entsprechend ausgleichen lassen. Ähnlich sieht es beim Öl aus, für das es einen funktionierenden Weltmarkt gibt, auch wenn die aktuelle Dominanz der Druschba-Pipeline für Deutschland einen größeren Aufwand bei der Umstellung bedeuten würde. Am schwierigsten stellt sich jedoch die leitungsgebundene Belieferung mit Erdgas dar. Aktuell stammen 55 % des deutschen Erdgasverbrauchs aus Russland. Würde Deutschland jetzt drastische Einschnitte beim Import vornehmen, wäre noch nicht geklärt, wie der Bedarf für Wärmeerzeugung im kommenden Winter 2022/23 abgedeckt werden könnte. Bei einem verzögerten Ausstieg über einen Zeitraum von drei Jahren bestünde nach Expertenmeinung die Möglichkeit, durch den Import von Flüssigerdgas (LNG) die entstehenden Lücken größtenteils zu schließen.

Auswirkungen eines Embargos von weiteren Rohstoffen

Auch wenn der öffentliche Fokus aktuell vor allem auf mögliche Engpässe bei der Belieferung mit Erdgas liegt, sollten nicht die weiteren Rohstoffe vergessen werden, bei denen Russland zu den Hauptlieferanten weltweit gehört. Falls diese in weitere Embargos eingeschlossen werden, müssten sich die entsprechenden Lieferketten ebenfalls erheblich umorganisieren. Eine Übersicht der wichtigsten Rohstoffe findet sich in der folgenden Liste:

Preissteigerungen

Welche konkreten Auswirkungen hat der Krieg nun bereits gehabt? Schauen wir auf die Preisentwicklungen der letzten Monate, wird ein drastischer Anstieg der entsprechenden Rohstoffpreise mit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich. Gleichzeitig hat sich die Preisentwicklung aber nach dem ersten großen Anstieg bei vielen Rohstoffen wieder entspannt, was sich auf Umverteilungen auf dem Weltmarkt zurückführen lässt.

Weitaus gravierende und langfristigere Folgen werden allerdings durch steigende Energiepreise auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Bereits jetzt sind die Folgen des Preisanstiegs für Strom und Gas deutlich zu spüren und Unternehmen planen, wie sie mit der erhöhten Energiepreis-Belastung umgehen können. Aus der Perspektive der Klimatransformation ergeben sich hieraus wiederum neue Impulse, da das klassische Energiesparen sowie Effizienzmaßnahmen deutlich Kosten reduzieren können. Ebenso steigt aktuell der ökonomische Anreiz für den Umstieg von Gaswärme auf Wärmepumpen – dies jedoch möglichst in Kombination mit PV-Anlagen zum Eigenverbrauch, da Wärmepumpenstrom aus dem Netz ebenfalls teurer wird.

Auswirkungen auf unternehmerische Klimastrategien

Was heißt das alles nun für Unternehmen und ihre Klimastrategien? Zunächst lässt sich feststellen, dass der Handlungsdruck auf Unternehmen deutlich gestiegen ist, wenn es um das Vorantreiben der Energiewende und Energieeffizienzmaßnahmen geht. Hieraus ergeben sich neue Impulse und Chancen:

Bei all diesen Chancen und Möglichkeiten kommen gleichzeitig auch neue Risiken und Herausforderungen als unmittelbare Folgen von Krieg, Sanktionen und Embargos auf Unternehmen zu:

Fazit – Was tun?

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges haben Unternehmen ganz klar die großen Abhängigkeiten und damit verbundenen Risiken in ihren Lieferketten aufgezeigt. Daher tun sie nun gut daran, ihre Handelsbeziehungen zu latent „unfriedlichen“ Volkswirtschaften zu überprüfen, wenn es zum Beispiel um Photovoltaik und Batterien aus China geht oder um Wasserstoff aus dem Mittleren Osten und Afrika. 

Generell muss bei Investitionen in die Klimatransformation vieles neu berechnet werden. So werden sich durch die Verteuerung von Energie einige Maßnahmen schneller rechnen – wie der Ausstieg aus Öl und Erdgas –, aber andere Maßnahmen auch verteuern – wie der Strombezug aus dem Netz für Wärmepumpen und E-Mobilität. Die neuen Risiken für längere Lieferzeiten und höhere Kosten bei Klimamaßnahmen müssen ebenfalls einkalkuliert werden. Die erschwerten Bedingungen verlangen letztlich ein noch agileres Projektmanagement und Vorgehen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion.

Vielen Dank für Deine Einblicke, Robert! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Klimaschutz wird zum Treiber der Digitalisierung

Frank Siebke

Zum Autor: Frank Siebke ist Geschäftsführer von mind-E und führt Unternehmen mithilfe von Best-Practice-Lösungen Schritt für Schritt durch die Klimatransformation. Von der CO2-Bilanzierung über Optimierung von Produktionsprozessen bis zur CSR-Berichtserstattung stehen digitale Lösungswege im Vordergrund. Beide Themen „Digitalisierung und Klima“ müssen zur Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen gemeinsam entwickelt werden.

Doppeleffekt: Unternehmen setzen für Wachstum vermehrt auf die Kombination aus Klimaschutz und Digitalisierung

Laut einer BCG Studie aus dem Jahr 2021, betrachten 55 Prozent von 800 weltweit befragten Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit als Kernkriterium zur Digitalen Transformation. Im Bereich der produzierenden Unternehmen sind es gar 77 Prozent. Die Potenziale, sowohl Kosten als auch CO2 einsparen zu können sind enorm. Welche Digitalisierungseffekte lassen sich nun für Unternehmen aus der Klimatransformation generieren?

Die CO2-Bilanz ist der Ausgangspunkt

Startpunkt eines erfolgreichen Konzepts für Klimaschutz aus dem Bereich Nachhaltigkeit in den Unternehmen ist die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks. Die Berechnung erfolgt anders als noch vor wenigen Jahren digital und mit hoher Automatisierung. Mittels moderner Software, die mit allen wichtigen Emissionsdatenbanken verknüpft ist, müssen lediglich noch die spezifischen Emissionen des Unternehmens eingespielt werden. Diese Informationen liegen in der Regel bereits in den ERP-Systemen der Unternehmen vor, können exportiert und über Algorithmen bilanziert werden. 

Diese Methode zur Erstellung einer unternehmerischen CO2-Bilanz wird mutmaßlich alle bisherigen Bilanzierungsformen ablösen. Glücklicherweise gibt es verschiedene marktreife Lösungen zum Geschäftsjahr 2023, rechtzeitig zum Inkrafttreten der neuen CSR Berichtspflicht (CSRD, Corporate Sustainability Reporting Directive).

Das Greenhouse Gas Protocol als Standard

Als CO2-Bilanzierungsstandard setzt sich aktuell das Greenhouse Gas Protocol (GHG) mit seinen Scopes 1, 2 und 3 durch, der einen vollständigen CO2-Fußabdruck des Unternehmens abbildet. Vorteil hier ist, dass damit nicht nur Emissions-Hotspots des Unternehmens (Scope 1 und 2) identifiziert werden können, sondern auch wichtige Erkenntnisse zur Lieferkette geliefert werden (Scope 3), die in der Regel den größten Teil des Fußabdrucks ausmacht – je nach Branche bis zu 90 Prozent.

Durch Einbindung der Lieferkette in die eigene Klimatransformation erhält der Einkauf zusätzliche Steuerungselemente, die bis zur Entwicklung oder Anpassung von Produkten reicht – oder häufig auch genau den umgekehrten Weg, von Kundenanforderungen über die Produktentwicklung zu den Zulieferern. 

TRENDBOOK Nachhaltigkeit mit Digitalisierung, 2022

Die Methodik des GHG entwickelt sich laufend weiter und ist für das einzelne Unternehmen als ein Managementsystem zu verstehen. Um künftig aber auch eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen herzustellen, entstehen für einzelne Branchen eigene Rahmenwerke, wie zum Beispiel PCAF im Bereich Finance oder GLEC für Logistic.

Untermessungen, Digital Twins und Automation werden zum Digitalisierungsturbo

Auch Produktionsprozesse profitieren von der Kombination aus Klimaschutz und Digitalisierung. Mit Digital Twins können Produktionsanlagen, einzelne Abschnitte daraus oder Gebäude 1:1 abgebildet und so direkt CO2- und Energieeinsparungen erkannt, als auch Wartungsintervalle punktgenau vorhergesagt (predictive maintenance) oder Ausschüsse in der Produktion reduziert werden. Jeder Ausschuss, der nicht produziert wird, ist ein großer Hebel zur CO2-Reduktion, Energie- und Kosteneinsparung.

Eine wirksame Vorstufe vor der Implementierung von Digital Twins sind Untermessungen, die sich in Gebäuden oder entlang von Produktionsanlagen sehr einfach installieren lassen. Innerhalb kurzer Betrachtungszeit können unentdeckte hohe Verbraucher eingegrenzt und optimiert werden.

Weiteres Einsparpotenzial bietet eine Prozessautomatisierung. Sie erhöht die Effizienz, Flexibilität und die Qualität von Prozessen. Automatisierung ermöglicht einen bedarfsorientierten Einsatz, wodurch wiederum Energieverbräuche und Verschleiß reduziert werden. 

Ein großer Vorteil von digitalen Technologien ist die Möglichkeit, sie remote einzusetzen und beispielsweise Fernwartungen mittels AR-Brille durchzuführen. Dabei wird ein lokaler Techniker von einem Experten aus der Firmenzentrale geführt. Er sieht eingeblendete Informationen und setzt damit Inbetriebnahme, Wartung oder Reparatur selbst um. CO2-intensive Anfahrten werden vermieden und die Fehlerbehebung erfolgt meist sogar schneller.

Abfälle werden zu Wertstoffen

Digital wird auch die Erfassung des Abfallaufkommens als wichtiger Schritt zur Zirkularität. Enthaltene Wertstoffe werden strukturiert und können über angebundene Online-Portale automatisch vermarktet statt bisher teuer entsorgt werden.

Logistik ist ein Hauptverursacher

Die Transportbranche ist laut Umweltbundesamt in Deutschland der zweitgrößte CO2-Produzent. Hier gibt es also den größten Bedarf zur Reduktion, aber auch großes Potenzial durch Digitalisierung. Smart Mobility verringert Umweltbelastungen in der Logistik. Bereits eine smarte Routenführung hat einen großen Effekt. Das größte Potenzial liegt aber in der Optimierung der Laderaumnutzung sowie in der Vermeidung von Leerfahrten. 

Der CO2-Fußabdruck wird zu einer festen Kennzahl

Perspektivisch können wir davon ausgehen, dass neben Finanzen und Governance auch spezifische CO2-Daten ihren eigenen Stellenwert bekommen. Der CO2-Fußabdruck wird so zu einem wichtigen Mehrfachindikator und zu einem Steuerungselement. Er wird sukzessive Einzug in die meisten Unternehmensbereiche halten. 

© mind-e GmbH, 2022

FAZIT: Durch Digitalisierung dem Klimaziel einen großen Schritt näherkommen

Homeoffice und geringeres Pendelaufkommen – die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben nicht nur zur CO2-Reduktion beigetragen, sondern auch der Digitalisierung in den Unternehmen einen deutlichen Schub verpasst. Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom kann eine beschleunigte digitale Transformation über 40 Prozent des bis 2030 notwendigen CO2-Einsparziels bewirken. Das größte Potenzial liegt dabei in der Fertigung, gefolgt von Mobilität und Gebäuden. 

Und so schlummern in allen Unternehmen, die Klimaschutz und Digitalisierung gemeinsam vorantreiben jeweils enorme Potenziale, die sich über kurze Audits einfach prognostizieren lassen. Es gilt also, Klimaschutz und Digitalisierung zusammen zu denken, um den größten Nutzen zu erzielen. 

Dein Unternehmen treibt die Klimatransformation voran und sucht nach Unterstützung zur Erfassung transparenter Klimadaten zur Dekarbonisierung seiner Lieferkette? Dann freuen wir uns dich kennenzulernen und noch heute ein Gespräch auszumachen!

Der neue IPCC-Bericht – Die wichtigsten Erkenntnisse für Unternehmen

Anfang April veröffentlichte der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), auch Weltklimarat genannt, einen neuen Bericht über die Eindämmung des Klimawandels – ein deutlicher Weckruf, auch an die Wirtschaft! Denn jede weitere Verzögerung bei Maßnahmen für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt.

Der neue IPCC-Bericht geht nicht nur auf die irreversiblen Schäden ein, die durch die Klimakrise und die erheblichen Rückstände in Sachen Klimaschutz verursacht werden, sondern macht auch deutlich, wie wir uns heute an den Klimawandel anpassen müssen – denn noch sind effektive Anpassungsmaßnahmen möglich. Eines ist klar: Wir müssen jetzt handeln! Dies ist die Kernbotschaft der dritten Aktualisierung des 6. IPCC-Bewertungsberichts. 

Finde hier die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts.

Was sagt die Aktualisierung des IPCC-Berichts aus?

Die gute Nachricht zuerst: Der jüngste IPCC-Bericht ist ein deutlicher Beweis dafür, dass wir über alle Instrumente und das Know-how verfügen, um die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen und den Klimawandel abzumildern. Die neue Aktualisierung enthält die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel und informiert über den Status-Quo der globalen Erwärmung und des aktuellen Klimarisikos. Sie zeigt, dass wir die Emissionen bis 2030 in den Griff bekommen können, wenn wir jetzt handeln und klimarelevante Entscheidungen treffen.

Was wir dabei beachten müssen:

Die 1,5-Grad-Grenze kann nur eingehalten werden, wenn die globalen Emissionen bis zum Jahr 2030 um 45 % sinken und die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto Null sinken. Allerdings befinden wir uns aktuell nicht auf direktem Weg, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Der UN-Generalsekretär Guterres reagierte auf den IPCC-Bericht in einer Videobotschaft: „Dies ist keine Fiktion oder Übertreibung. Es ist das, wohin unsere derzeitige Energiepolitik laut der Wissenschaft führen wird. Wir sind auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung von mehr als dem Doppelten des 2015 in Paris vereinbarten Grenzwerts von 1,5 Grad Celsius.“

Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionssenkungen in allen Sektoren ist eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C nicht zu erreichen. Die Begrenzung der Erwärmung auf etwa 1,5 °C erfordert, dass die globalen Treibhausgasemissionen spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 % reduziert werden; gleichzeitig muss auch der Methanausstoß um etwa ein Drittel verringert werden. Aus dem Bericht geht jedoch auch hervor, dass der Fokus auf Klimaschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Obwohl in den Jahren 2010 bis 2019 weltweit die höchsten jährlichen Treibhausgasemissionen der Geschichte verzeichnet wurden, hat sich die Wachstumsrate verlangsamt. Politische Maßnahmen und Gesetze führten zu einer zunehmend verbesserten Energieeffizienz, verringerten Abholzungsraten und sorgte für einen beschleunigten Einsatz erneuerbarer Energien.

Fazit: Der Klimawandel ist da, und zwar jetzt. Er verursacht bereits immense Schäden für Menschheit und Planeten und beeinträchtigt das allgemeine Wohlbefinden auf der Erde. Wir tun immer noch nicht genug, um die Emissionen zu reduzieren.

Es ist 5 nach 12 – Wir müssen handeln! 

Es gilt heute also, in allen Sektoren in den Wandel zu investieren und dabei alle verfügbaren Instrumente in den verschiedenen Sektoren zu nutzen sowie alle Reduktionspotenziale auszuschöpfen. Zu diesen Instrumenten gehören u. a. erneuerbare Energien, dezentrale Energieversorgung, elektrischer Verkehr, Kreislaufwirtschaft und Netto-Null-Gebäude. 

Wir sehen: Die Strategien zur Bewältigung der relevanten Fragen unserer Zeit existieren schon. Wie können wir die Treibhausgasemissionen reduzieren? Wie können wir Kohlenstoff binden? Wie können die Bereiche Gebäude, Mobilität, Landwirtschaft und Energie nachhaltiger werden? Auf diese Fragen gibt es bereits antworten, unzählige Klimalösungen und erprobte Best-Practices sind bereits bekannt  – Jetzt kommt es auf die Umsetzung an!

Die Chancen der Klimatransformation jetzt nutzen!

Der IPCC-Bericht hat es uns gezeigt: Wir haben es in der Hand! Wir können jetzt aktiv werden, indem wir die schon verfügbaren Instrumenten und Klimalösungen nutzen und als CLIMATE Community erprobte Best Practices austauschen. Sektorenübergreifend lässt sich die Herausforderung der Klimatransformation gemeinsam bewältigen, wenn wir die gesteckten Klimaziele jetzt in die Praxis übersetzen.

Der #CTS2022 bietet die Chance, sich mit Climate Champions und Klimalösungsanbieter:innen sowie Expert:innen aus der Praxis zu vernetzen und mehr zu Best Practices der Klimatransformation zu erfahren! 100 % online findet im Juni der 2-tätige climatesummit.de mit dem Fokusthema „Dekarbonisierung von Unternehmen und deren Lieferketten“ statt. Der Summit bietet nicht nur eine Bühne für spannende Diskussionen und Einblicke in die Klimatransformation führender Unternehmen, sondern lädt auch die Teilnehmenden dazu ein, eigene Erfahrungen zu teilen und Teil der Debatte zu sein. Ziel des #CTS2022 ist es, den Grundstein für Zusammenarbeit und Austausch auf Augenhöhe zu legen, um gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette Klimaziele zu erreichen. Erfahre hier mehr zum Programm, den Speaker:innen und melde Dich jetzt an!

Unternehmerische Verantwortung wahrnehmen – CLIMATE Champion werden

Pascal Schwarz

Interviewpartner: Pascal Schwarz ist Referent für den Bereich Nachhaltigkeit & Energiemanagement bei elobau, ein weltweit agierender Hersteller von berührungsloser Sensortechnik, Füllstandsmessung und Bedienelementen für den Maschinen-​ und Anlagenbau sowie mobile Arbeitsmaschinen. elobau hat es sich zum Ziel gemacht, CLIMATE Champion zu werden und konnte sich mithilfe des CLIMATE Performance Assessments einen Überblick über klimabezogenen Chancen und Potenziale im Unternehmen verschaffen.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Pascal Schwarz darüber, was es bedeutet, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und als Unternehmen die Klimatransformation voranzutreiben.

 Wir freuen uns, dass elobau als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen? 

elobau ist ein mittelständisches Unternehmen, dass sich vor über 10 Jahren dem Thema der  Nachhaltigkeit verschrieben hat und mittlerweile weltweit rund 1000 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Über den Firmensitz in Leutkirch im Allgäu ist elobau in weiteren 38 Ländern vertreten. Das Unternehmen steht für Flexibilität, Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Die Produktbereiche Bedienelemente, Sensorik, Maschinensicherheit und Füllstandmessung finden sich in den Branchen Off-Highway und Industrie wieder. Als Stiftungsunternehmen übernehmen wir in besonderem Maße Verantwortung für Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Wir haben die Vision, die Welt nachhaltig mitzugestalten. 

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute? 

Dass Unternehmen, die durch Umweltschutzmaßnahmen ihren Ausstoß von THG-Emissionen reduzieren, am Markt einen klar spürbaren Mehrwert darstellen. Daher kommen wir in der Politik nicht an einer entsprechenden Bepreisung der emittierten THG-Emissionen der Unternehmen, einer sogenannten CO2-Steuer, vorbei. Dies würde Unternehmen signifikant auf den Weg bringen, klimarelevante Veränderungen anzugehen.  

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln? 

Gemeinsam haben wir die Kraft und die Chance einen positiven Impuls in der Welt zu leisten und damit eine nachhaltige Transformation hinsichtlich Politik und Gesellschaft zu schaffen. Durch unsere konsequente Transformation möchten wir einzelne Akteur:innen und andere Unternehmen inspirieren, diesen Weg zu gehen. Der Weg kann über einen inspirierenden Austausch beginnen und sich in einem langfristigen Begleitungsprozess widerspiegeln.  

 Gemeinsam haben wir das CLIMATE Performance Assessment durchgeführt. Was war eure Motivation  dabei? 

Als Unternehmen, das sich stetig weiterentwickeln und ungenutzte Potentiale aufdecken möchte, sehen wir uns in der Pflicht, uns von allen Seiten überprüfen zu lassen. Mit dem Ziel, eine ganzheitliche Transformation hin zu einem gemeinwohlorientierten Unternehmen anzugehen, sehen wir jeden weiteren Schritt als Motivation an. 

Wie hat euch das CLIMATE Performance Assessment auf dem Weg der Klimatransformation weitergeholfen?

Das CLIMATE Performance Assessment hat uns in vielerlei Hinsicht geholfen: Für uns wurde ersichtlich, wie elobau in den Bereichen Impact Model, Leadership, Transparency, Climate Performance und Climate Actions aufgestellt ist. Zusätzlich zeigte uns die Befragung im CLIMATE Performance Assessment zielgerichtete und wertvolle Klimapotentiale auf, die wir nun weiter verfolgen. Darüber hinaus hat uns das Best-Practice-Sharing-Modell sehr gut gefallen. Es ist spannend zu sehen, welche Unternehmen zu den High-Performern in den jeweiligen Bereichen zählen. Ein besonderer Mehrwert ist für uns die die Einordnung/Eingliederung in die Climate-Choice-Partnerschaft, in der reger und richtungsweisender Austausch stattfindet.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt? 

Unternehmen haben schlicht durch ihre Größe einen enormen Hebel, der in Bezug auf Mitarbeiter:innen, Umwelt und Gesellschaft positiv eingesetzt werden kann und soll. Die drei Best Practices für Nachhaltiges Wirtschaften sind: Bewusstsein schaffen, bereit sein für Veränderung und sich ambitionierte Ziele stecken.

Du möchtest CLIMATE Champion werden und Dir einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens verschaffen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Performance Assessment an.