Durch nachhaltigen Einkauf die Klimatransformation im Unternehmen umsetzen

Eine faire und klimafreundliche Wirtschaftsweise verlangt insbesondere eine nachhaltige Beschaffung. Viele Unternehmen sind aktuell dabei, erste Maßnahmen dazu umzusetzen, doch in den meisten Fällen fehlt ein strukturierter Ansatz, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Die globalen Lieferketten sind aktuell fast dauerhaft im Krisenmodus und es fehlt vielen Einkaufsverantwortlichen ausreichend Zeit, sich systematisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie können sie dennoch eine nachhaltige Beschaffung etablieren und ihre Einkaufsorganisation mit zahlreichen Unterstützungsangeboten auf diese Transformation vorbereiten und sogar zertifizieren lassen? Das haben wir im CHOICE Event #40 von Sarah Baer vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) sowie von Yvonne Jamal vom JARO Instituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e.V. erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Was kostet uns die Klimatransformation?

Die Höhe der Kosten für die Klimatransformation sind für viele immer noch schwer greifbar. Für einen ersten Eindruck schauen wir uns daher ein paar wichtige Zahlen an, die vor allem zeigen: Klimaschutz kostet Geld – kein Klimaschutz kostet noch mehr Geld!

Alleine im Jahr 2020 betrugen die weltweiten wirtschaftlichen Belastungen und Schäden durch Naturkatastrophen bereits 190 Mrd. Dollar (Quelle: Swiss Re Institute 2021). Wohlgemerkt sind in diese Zahl noch nicht die verheerenden Katastrophen des letzten Jahres eingerechnet wie die Flut im Juli 2021 im Ahrtal oder die Waldbrände in Australien, Kanada oder den USA. Zu den wirtschaftlichen Schäden kommt noch der zunehmende Verlust unserer natürlichen Umwelt. Hierzu zählen sowohl das Sterben der Korallenriffe, Vergrößerung der Waldbrandflächen, verkleinerter Lebensraum für viele Tierarten und entsprechendes Massenaussterben.

Demgegenüber stehen die Investitionskosten für einen flächendeckenden Wandel hin zu einer weltweit klimakompatiblen Wirtschaft. Experten schätzen, dass ca. 2 % des jährlichen weltweiten Bruttoinlandsprodukts notwendig sind, um die Klimatransformation umzusetzen. Das entspricht ca. 1,6 Billionen Euro. Um einen besseren Eindruck von dieser Zahl zu bekommen, hilft der Vergleich zu anderen aktuellen Ausgaben und Investitionsvolumen: So wurde weltweit für das Militär im Jahr 2020 bereits 2,4 % des jährlichen weltweiten BIP ausgegeben (= 1,75 Billionen Euro) und für die weltweiten Hilfsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie in den ersten 9 Monaten 2020 sogar 14 % des jährlichen weltweiten BIP (= 10,5 Billionen Euro).

Wir sehen also, die nötigen Investitionen für die Klimatransformation sind realisierbar und verhindern vor allem weitaus größere Kosten. Was bedeutet das nun für den Einkauf und wie kann er eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des unternehmerischen Klimaschutzes einnehmen?

Der Einkauf als Multiplikator nach Innen und Außen

Der Einkauf nimmt gleich einer Spinne in ihrem Netz eine wichtige Vermittlerposition im komplexen Prozess-Geflecht der Klimatransformation ein. Denn auch wenn natürlich im Vorstand oder den CSR-Abteilungen die wichtigen klimarelevanten Maßnahmen des Unternehmens geplant und vorangetrieben werden, entscheiden letztlich die Einkaufsleiter:innen, wofür das Geld des Unternehmens ausgegeben wird. Zudem prägen sie durch ihre Einkaufsentscheidungen die Nachfrage am Markt und nehmen entsprechend Einfluss darauf, welche neuen Angebote dort entstehen.

Bei der Perspektive nach Innen, tauscht sich der Einkauf zunächst intensiv mit dem Vorstand & der Geschäftsführung des Unternehmens aus, da er sowohl dessen Vorgaben ausführen soll, aber auch wichtige Impulse geben kann. Zusammen mit der Finanzabteilung als aus der CSR-Abteilung geht es aktuell beim Thema Sustainable Finance vor allem darum, dass klimarelevante Daten aus der Lieferkette für entsprechende ESG-Reportings erhoben und transparent gemacht werden. Aber auch für weitere Bereiche wie Sales & Marketing oder die Personalabteilung beim Thema Recruiting werden die Klimatransformation und entsprechende Fortschritte durch den Einkauf immer wichtiger. 

Nach Außen sind in erster Linie natürlich die Lieferanten der wichtigste Ansprechpartner für den Einkauf. Mit ihnen zusammen gilt es, mehr Transparenz zu klimarelevanten Themen und Prozessen aufzubauen und so erfolgreich Dekarbonisierungsmaßnahmen entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Aber auch weitere externe Stakeholder – wie die Zivilgesellschaft oder Kund:innen – können sowohl sowohl von der Arbeit und Expertise des Einkauf profitieren als auch die Arbeit des Einkaufs an der Umsetzung der Klimatransformation durch Know-How – z. B. von Fach-Verbänden oder der Forschung – unterstützen.

Die vier Schritte zur nachhaltigen Beschaffung

Um die zentrale Rolle des Einkaufs bei der Klimatransformation nun wahrzunehmen und in die Tat umzusetzen, haben sich vor allem vier folgenden Schritte nach dem nachhaltigen Beschaffungsprozess-Modell von Fröhlich bewährt (Quelle: CSR und Beschaffung, Das nachhaltige Beschaffungsprozess-Modell, Elisabeth Fröhlich (Fröhlich et al. 2013, S. 214)):

  1. Die Basis schaffen
    • Unterstützung des Top Managements einholen
    • Verbündete im Unternehmen finden
    • Alle relevanten Stakeholder identifizieren
    • Wesentlichkeitsanalyse für Ihre Warengruppen durchführen
    • Nachhaltige Beschaffungsziele definieren
  2. Beschaffungsprozesse um nachhaltige Aspekte erweitern
    • Nachhaltige Beschaffungsstrategie formulieren
    • Richtlinien, AEBs und Verträge anpassen
    • Nachhaltigkeitsprogramm für den Einkaufentwickeln (dabei den gesamten Beschaffungsprozesses berücksichtigen)
    • Kommunikations- und Schulungsmaßnahmen
  3. Aktive Einbindung der Lieferkette
    • Lieferkette aktiv einbinden
    • Nachhaltige und transparente Kriterien für die Lieferantenauswahl und -bewertung festlegen
    • Faire Zusammenarbeit mit Lieferanten auf Augenhöhe zur gemeinsamen Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung
    • Vorlieferanten (Multi-Tier Supplier) einbeziehen
  4. Erfolgskontrolle
    • Wirksamkeit der Maßnahmen mit vorab festgelegten Indikatoren überprüfen
    • Transparent über den Fortschritt und Herausforderungen berichten
    • Eventuelle Korrekturmaßnahmen einleiten und Ziele stetig steigern (KVP)

Zertifizierung für eine nachhaltige Beschaffungsorganisation

Zu guter Letzt besteht für Unternehmen sowie ihren Einkaufsabteilungen die Möglichkeit einer Zertifizierung als nachhaltige Beschaffungsorganisation. Hiermit können sie nicht nur den eigenen Stand der Klimatransformation überprüfen und für externe Stakeholder validieren lassen – gleichzeitig bietet es ihnen auch eine hilfreiche Anleitung für die weitere Umsetzung klimarelevanter Maßnahmen. Ein Beispiel hierfür ist die BME-Zertifizierung „Nachhaltige Beschaffungsorganisation“. Sie gliedert sich in drei unterschiedliche Level, von einer Online -Selbstanalyse bis hin zur Vor-Ort-Auditierung der Umsetzung des Nachhaltigkeitsprogrammes mit jährlichem Überwachungsaudit.

Wer die Zertifizierung durchführen lassen will, muss sich zu bestimmten Mindestkriterien verpflichten. Diese geben einen anschaulichen Leitfaden für eine nachhaltige Einkaufspraxis und lauten: 

  1. Erklärung der Geschäftsführung zur Einhaltung der Menschenrechte
  2. Erstellung eines Supplier Code of Conduct (oder die Nutzung z.B. des BME Code of Conduct
  3. Entwicklung einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie (inkl. Risikoanalyse, Ziele, Maßnahmen & Indikatoren)
  4. Benennung eines Nachhaltigkeitsverantwortlichen für den Einkauf
  5. Umsetzung und Fortführung der Beschaffungsstrategie in Form eines Nachhaltigkeits-Programms für den Einkauf mit priorisierten Handlungsfeldern, Zielsetzung und Verantwortlichkeiten
  6. Integration von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in die operativen und strategischen Beschaffungsprozesse durch die Formulierung einer nachhaltigen Beschaffungsrichtlinie
  7. Kaskadierte Lieferkettenanalyse: Schaffung von Transparenz in der Lieferkette von mindestens 3 wesentlichen Lieferanten pro Jahr
  8. Erstellung eines jährlichen Nachhaltigkeitsberichts der Beschaffung mit Management Review der Strategie/gesetzten Ziele und Optimierungsplan
  9. Beteiligung an einer jährlichen BME Erhebung zu definierten KPIs für eine regelmäßige Benchmark Analyse

Mit der Zertifizierung und den Mindestkriterien bietet der BME Unternehmen jeder Größe die Möglichkeit, Fragestellungen zur nachhaltigen Beschaffung zu strukturieren und in das eigene Risikomanagement zu integrieren. 

Vielen Dank für Eure Einblicke, Yvonne und Sarah! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

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Neue Anforderungen an klimakompatible Beschaffung, die heute ganze Lieferketten transformieren

Im Eröffnungs-Panel “Einkauf & Supply Chain” der amc Zukunftswerkstatt konnte unsere Gründerin Lara Obst, gemeinsam mit Elisabeth Fröhlich, Alexander Schreiber, Petra Poschadel-Babik, Jens Berberich, Stephan Link, Michael Niessen den aktuellen Wandel in der Beschaffung sowie im Lieferkettenmanagement beleuchten. Hier die wichtigsten Einblicke in Laras Beitrag. 

Die Beschaffung befindet sich angesichts von sogenannten Stapelkrisen in einer nie dagewesenen Belastungssituation. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine nachhaltige, klimaneutrale Beschaffung. Wie lassen sich eventuelle Zielkonflikte auflösen?

Wir befinden uns heute zwischen Pandemie und Krieg – der Begriff Krise ist allgegenwärtig. Fakt ist allerdings: Ein zurück gibt es nicht. Wir erleben gerade, wie sich ganze Systeme neu gestalten: Planetare Grenzen sind dabei als maßgeblicher Einfluss eine Dimension, gesellschaftliche Entwicklungen eine andere. 

Das Zusammenspiel dieser makro-ökonomischen Veränderungen verlangt insgesamt eine steigende Anpassungsfähigkeit von Unternehmen. Wollen sie dabei Risiken reduzieren und langfristig neue Chancen für sich nutzen, können Unternehmen jetzt Vorreiter:in werden und die Klimatransformation als Climate Champion mitgestalten. 

Dabei liegt besonders in der Beschaffung ein erfolgreicher Hebel, da sich hier die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Klimaschutz zeigt. Es besteht jetzt die einzigartige Chance, gemeinsam mit seinen Geschäftspartner:innen Schritt für Schritt Emissionen und Risiken zu reduzieren und gleichzeitig Marktsegmente zu erschließen sowie bestehende Kundenbeziehungen zu verbessern. Durch Kollaboration und Kommunikation lassen sich gemeinsame Mehrwerte aufzeigen und verfolgen, sodass vermeintliche Zielkonflikte häufig aufgelöst werden können. 

In der Praxis heißt das, dass die Dimensionen Preis, Qualität und Verfügbarkeit im Idealfall auf dem Fundament Nachhaltigkeit und Klimaschutz basieren und hierdurch verbessert und nicht blockiert werden. 

Was kann dabei helfen, damit die Klima- und Nachhaltigkeitsstrategien des Einkaufs angesichts von Lieferkettenchaos nicht auf der Strecke bleiben?

Kurzfristige Veränderung können natürlich nicht von heute auf morgen aufgefangen werden. Langfristig muss der Fokus daher auf Risikominimierung liegen: Das bedeutet Transparenz, Zusammenarbeit und besonders die Integration von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in alle Geschäftsbereiche. 

Eine Isolierung der Themenbereiche führt allerdings zu einem niedrigen Klimareifegrad, das Unternehmen ist also nur unzureichend auf externe und interne Folgen der Klimakrise vorbereitet. Im Notfall werden dann Nachhaltigkeit und Klimaschutz weggelassen. Eine vollständige Integration in alle Entscheidungen lässt dies nicht zu. 

Konkret heißt das: ganzheitliche Einkaufskriterien, Unterstützung der Lieferant:innen bei der Erfüllung von Klimaanforderungen, Transparenz in Entscheidungsprozessen und Investitionen sowie Anreizsysteme für Geschäftspartner:innen.

Klimatransformation ist komplex. An welchen Herausforderungen scheitern insbesondere mittelständische Unternehmen?

Man schätzt, dass heute bislang weniger als 15 % der Lieferant:innen “Climate Ready” sind, das heißt sie können ihr Klimamanagement bislang nicht strukturieren und notwendige, klimarelevante Daten für Geschäftspartner:innen und Dritte nur unzureichend aufzeigen. 

Die ersten Schritte sind dabei leicht gemacht, wir unterstützen dabei mit unserer Software: Dem CLIMATE Readiness Check. Hier werden in 5 Dimensionen nachhaltige und klimaspezifische Kriterien erfasst, um die eigenen Stärken und Potentiale zu erfassen sowie Reporting-Anforderungen zu erfüllen. Diese Daten werden in unserem Dashboard übersichtlich managebar und sind als CLIMATE Scorecard mit Geschäftspartner:innen teilbar. 

Die Herausforderung ist also adressierbar, es gilt dabei keine Angst zu haben und einfach anzufangen. Software-Lösungen sind dabei besonders schnell, unkompliziert und kostengünstig nutzbar.

Gibt es Ansätze, die den Prozess vereinfachen, wie kommt man in die Umsetzung?

Unsere Mission ist es, jedes Unternehmen zum Climate Champion und somit fit für die Klimatransformation zu machen. Wir legen daher besonders viel Wert darauf, alle Prozesse einfach und niederschwellig zu gestalten. Unser Climate Readiness Check ermöglicht dabei die Erfassung des Status Quo, zeigt im Ergebnis allerdings direkt Verbesserungspotentiale und konkrete Handlungsfelder auf. Diese lassen sich über die Zeit im eigenen Profil nachhalten. 

Für die konkrete Umsetzung wie Klimastrategien, Energiewechsel oder Umstellung von Produktionsprozessen arbeiten wir mit Partner:innen zusammen. Über unsere Datenplattform lassen sich im nächsten Schritt Kund:innen und Geschäftspartenr:innen einladen, um gemeinsam Daten zu teilen, Strategien anzugleichen und Climate Actions bis in die Lieferkette umzusetzen. Hierzu dienen Benchmarking-Ergebnisse, Best Practices und weitere Business Intelligence Insights. 

Wie findet man Quick Wins, mittel- und langfristige Themen?

Quick Wins sind für uns Climate Actions in neun Handlungsfeldern, die bereits als erprobte Best Practices bekannt sind. Diese werden aus Benchmarking-Daten erhoben sowie aus der Klimaforschung abgeleitet. Das schöne ist also: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können getestete Ergebnisse anwenden. 

Sie sagen: „Jede Einkaufsentscheidung ist eine Klimaentscheidung.“ Welche Entscheidungsgrundlagen fehlen bislang in der Praxis? 

Bis zu 90% der Emissionen eines Unternehmens stammen typischerweise aus der Lieferkette und werden zum Großteil durch Produkte und Services eingekauft. Will man also Emissionen reduzieren, muss man transparent mit Lieferant:innen zusammenarbeiten, um nicht nur CO2-Daten zu erhalten, sondern vielmehr um diese “climate ready” zu machen und durch einen ganzheitlichen Transformationsprozess – entlang internationaler Standards – auf die notwendige Transformation vorzubereiten. 

Als einkaufendes Unternehmen ist es also nicht nur wichtig zu wissen: Wo stehen meine Geschäftspartner:innen heute in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klima, sondern wo stehen sie in 5 oder 10 Jahren? Und was können wir gemeinsam tun, um dann den Klimaeinfluss und das gemeinsame Risiko drastisch zu reduzieren. 

Klimaneutralität kostet. Wie lassen sich die Klimaziele der Beschaffung trotzdem erreichen? 

Fragt sich, wie man Klimaneutralität definiert. Häufig wird der Begriff auf: CO2 Messen und Ausgleichen verkürzt. Die Kosten für Klimaneutralität beziehen sich dann vor allem auf den Einkauf von zusätzlichen CO2-Zertifikaten (aktuell ca. 12 € pro Tonne). 

Das reicht allerdings nicht aus und ist nach Reportinganforderungen, Kundenwünschen und Klimaeinfluss unzureichend. Was wir wirklich brauchen, ist CO2-Reduktion. Die lässt sich nur Umsetzen, wenn Potenziale aufgedeckt und bis in die Lieferkette realisiert werden. Hierzu braucht es Zusammenarbeit. 

Gemeinsam umgesetzt lassen sich im besten Fall sogar Kosten sparen. Der Wechsel von fossilen Energieträgern und Mobilitätsangeboten zu erneuerbaren Alternativen spart heute schon enorm Geld – und wird es auch in Zukunft weiter. Andere Bereiche wie Prozessumstellungen können die Effizienz steigern und schließlich lassen sich durch Einsparungen Technologien refinanzieren. Studien zeigen, dass im Durchschnitt 50 % der Emissionen mit Kosten von weniger als 10 € reduziert werden können, was bereits günstiger ist als das bloße “Offsetting”. 

Freiwilliger Klimaschutz darüber hinaus ist natürlich wünschenswert und keineswegs falsch, aber Einsparungen lassen sich langfristig nur durch Reduktion erzielen. 

Dich interessiert das Thema und Du willst mehr Tipps und Best Practices erfahren? Dann schau Dir auch unser Whitepaper „Fit für die Dekarbonisierung – Checkliste für den Einkauf“ an oder mache direkt ein Gespräch mit uns aus!

Supply Chain Action – FUNKEs Weg zur Klima-Transparenz in der Lieferkette

Ab 2023 wird die Einhaltung des deutschen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes“ für alle Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden verpflichtend sein – und mit dem bevorstehenden EU-Supply Chain Act zeichnen sich sogar noch strengere Vorschriften ab. Um diese neuen Gesetzgebungen zu bewältigen, steht der Einkauf vor der großen Herausforderung, die Transparenz bezüglich Menschenrechten und Umweltstandards in der Supply Chain seines Unternehmens jetzt drastisch zu erhöhen.

Wie geht ein führender Konzern wie die FUNKE Mediengruppe hierbei konkret vor? Genau das haben wir im CHOICE Event #39 von Gundula Ullah, Bereichsleitung Einkauf & Sustainability bei der FUNKE Mediengruppe, erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Das Unternehmen FUNKE und seine Klimaziele

Die FUNKE Mediengruppe beschäftigt als drittgrößtes deutsches Medienhaus rund 1.500 Journalist:innen und 4.500 Medienmacher:innen in den Geschäftsfeldern Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Im Bewusstsein der sich aktuell wandelnden Medienbranche hat die Gesellschafterfamilie ihr Commitment zu nachhaltigem Handel bekräftigt und will so “Strukturen und Prozesse schaffen, mit denen wir auch in den kommenden Jahren guten Journalismus ermöglichen“. 

Hierfür wurden spezifische Nachhaltigkeitsziele für FUNKE – abgeleitet von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen – definiert, welche die für FUNKE relevanten industriellen und regulatorischen Herausforderungen sowie Kunden-Zielgruppen berücksichtigen. Basierend auf den SDGs 5, 7, 8, 9, 12 und 13 verpflichtet sich FUNKE auf die Einhaltung der Ziele:

Nachhaltigkeit in der Lieferkette fängt im Einkauf an

Für die Umsetzung all dieser Ziele sowie die Vorbereitung der FUNKE Mediengruppe auf das kommende Lieferkettengesetz spielt der Einkauf eine zentrale Rolle. Denn die Kosten für die externe Wertschöpfung stehen letztlich ca. 50 % des Konzernumsatzes gegenüber. Die Wertschöpfungskette bei FUNKE sieht hierbei wie folgt aus:

Für jeden Bereich der Lieferkette hat sich FUNKE entsprechende Maßnahmen vorgenommen. Beim Energiebezug für den Betrieb der Druckereien sowie der Medienhäuser und Redaktionen möchte sich FUNKE in Richtung eines nachhaltigen Energiemix transformieren. Die Papierindustrie ist bereits generell stark zum Nachhaltigkeitsaspekt aufgestellt mit Kreislaufprozessen, die recyceltes Papier 5 bis 7 Mal wiederverwerten. Eine Herausforderung stellen allerdings noch die unterschiedlichen Reportingstandards bei der CO2-Transparenz des eingekauften Papiers dar. Um die IT zum Verfassen der Artikel klimakompatibler zu gestalten, sind entsprechende digitale Lösungen gefragt. Hier müssen vor allem neue nachhaltige Ausschreibungskriterien umgesetzt werden. 

Die Marktbereiche, welche die Anzeigen verkaufen und Werbungen schalten, sehen sich zunehmend mit Forderungen nach klimaneutralen Werbeformen von B2B-Kunden konfrontiert und müssen entsprechend nachhaltigere Ansätze bei Prämien und Kampagnen entwickeln. Beim Druck sind insbesondere Tiefdruck und das Heatset-Verfahren sehr energie-intensiv. FUNKE will deshalb mit den Druckereien in den Austausch gehen und gemeinsam erarbeiten, wie der Energieverbrauch reduziert werden kann. Zuletzt denkt FUNKE auch über nachhaltige Modelle in der Zustellung bei Tageszeitung nach und testet hierfür flächendeckende Ansätze mit Elektromobilität und Wasserstoff-Antrieb.

FUNKEs Herangehensweise? – Erstmal Transparenz!

Um die verschiedenen Bereiche der Lieferkette im Sinne von FUNKEs Nachhaltigkeitsstrategie zu transformieren, beginnt das Unternehmen zunächst mit einer grundlegenden Herstellung von Transparenz in Bezug auf CO2. Mithilfe einer Climate-Tech-Plattform wird daher ein Corporate Carbon Footprint erstellt, um auf diese Weise so viele Primärdaten wie möglich für den Scope 3 der Kern-Warengruppen (Papier, Druck, etc.) nutzen zu können. 

Das Emissionskontroll-Tool berechnet und analysiert den FUNKE CO2-Fußabdruck vollständig digital und prognostiziert zukünftige Nachhaltigkeitsszenarien auf der Grundlage von Datenheuristiken (z. B. künftiger Fußabdruck bei zukünftig weniger Print- und mehr Digitalabos). Um die ordnungsgemäße Anwendung der Emissionsbilanzierungsstandards sicherzustellen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen (z. B. GHG). Die Analysen sind „audit-ready“, sodass die neuesten Anforderungen zur Datenprüfung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. KPMG, GRI, CDP) für den Nachhaltigkeitsbericht erfüllt werden können. Der Zugang zur Plattform ist zudem simpel gestaltet, sodass innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Abteilungen ihre Daten ins Tool hochladen können.

Der Weg zur Transparenz in der Lieferkette

Als weitere Maßnahmen ist FUNKE aktuell auf dem Weg, sich als nachhaltige Beschaffungsorganisation vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zertifizieren zu lassen. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen, die vom Verband definierten nachhaltigen Aspekte und Kriterien in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren. Der erste Schritt hierfür ist ein Selbstaudit sowie die Planung und Selbstverpflichtungserklärung zur Erfüllung der Mindestkriterien. Danach entwickelt FUNKE eine Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des BMEs. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen sowohl vom BME als auch durch externe unabhängige Prüfer überprüft und so ein jährlicher Verbesserungsprozess angestoßen.

Um die Transparenz-Bemühungen weiter zu unterstützen sowie das Unternehmen auf das im Januar 2023 in Kraft tretende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz vorzubereiten, nutzt FUNKE eine digitale Unterstützung zum Lieferketten-Screening. Damit kann sich FUNKE digital von ihren Lieferanten die Bestätigung einholen, dass sie sämtliche Anforderungen erfüllen, die mit dem neuen Gesetz einherkommen.

Wichtige Learnings

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit musste FUNKE bisher mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen:

Gleichzeitig konnte das Unternehmen aber auch bereits erste Erfolge verbuchen:

Vielen Dank für Deine Einblicke, Gundula! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Was die Folgen des Ukraine-Konflikts für Klimastrategien von Unternehmen bedeuten

Die Klimakrise ist schon Kraftakt genug und erfordert radikale Lösungen. Doch mit dem Angriff Putins auf die Ukraine kommen alle bisherigen Planungen für den Klimaschutz in eine Phase der Unsicherheit. Die Ungewissheit über den Umfang und die Folgen von Sanktionen, Embargos und den Gegenreaktionen bringen viele Klimamaßnahmen ins Stocken. Nicht nur ein Lieferstopp für Gas im kommenden Winter, sondern auch die Unterbrechung der Lieferungen von anderen Rohstoffen sowie unkalkulierbare Energiepreise bergen ernste Sorgen eines Abrisses von Lieferketten und möglicherweise einer teilweisen Deindustrialisierung.

Wie können Entscheidungsträger:innen auf die veränderte Situation reagieren? Darüber haben wir im CHOICE Event #38 mit Robert Werner, Geschäftsführer der greenmiles GmbH und des Hamburg Institut, gesprochen. Die wichtigsten Erkenntnisse aus seinem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Wirtschaftliche Auswirkungen des Krieges

Die individuellen Schicksale und menschliche Tragödie des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine sind kaum in Worte zu fassen und stehen bei der Auseinandersetzung mit Putins Verbrechen gegen die Menschlichkeit an erster Stelle. Darüber hinaus hat der Krieg ebenfalls indirekte und komplexe Auswirkungen und wirtschaftliche Folgen, die weit über die Grenzen der Ukraine und Russlands hinaus reichen. Auch Unternehmen in Deutschland sind davon betroffen und müssen sich nun überlegen, wie sie ihre Klimastrategie in Hinblick auf die neuen Unsicherheiten anpassen.

Der Ausgangspunkt aller wirtschaftlichen Auswirkungen sind dabei die Sanktionen und Embargos der Mitgliedsstaaten der EU sowie potentielle Lieferstopps als Gegenreaktion von Seiten Russlands. Diese haben bereits zu Energieknappheit und steigenden Energiepreisen geführt. Weiterhin kommt es vermehrt zu Engpässen bei Rohstoffen und Bauteilen. Dies kann jederzeit zu Störungen in Lieferketten führen, welche unter anderem gebraucht werden, um die Energie- und Klimawende zu beschleunigen. Der Ausfall beim Getreideanbau und der Speiseölproduktion birgt darüber hinaus nicht nur humanitäre Risiken, sondern befeuert ebenfalls die Inflation, welche zusammen mit dem Rückgang des BIP und Arbeitsplatzverlusten die Gesellschaft zunehmend unter eine Belastungsprobe stellt.

Auswirkungen eines Lieferstopps fossiler Energien

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die wirtschaftlichen Verbindung zwischen Deutschland und Russland in Bezug auf die unterschiedlichen Formen fossiler Energien. Im Falle eines Lieferstopps würde sich der Bedarf an Steinkohle dabei relativ gut über den Weltmarkt abdecken und entsprechend ausgleichen lassen. Ähnlich sieht es beim Öl aus, für das es einen funktionierenden Weltmarkt gibt, auch wenn die aktuelle Dominanz der Druschba-Pipeline für Deutschland einen größeren Aufwand bei der Umstellung bedeuten würde. Am schwierigsten stellt sich jedoch die leitungsgebundene Belieferung mit Erdgas dar. Aktuell stammen 55 % des deutschen Erdgasverbrauchs aus Russland. Würde Deutschland jetzt drastische Einschnitte beim Import vornehmen, wäre noch nicht geklärt, wie der Bedarf für Wärmeerzeugung im kommenden Winter 2022/23 abgedeckt werden könnte. Bei einem verzögerten Ausstieg über einen Zeitraum von drei Jahren bestünde nach Expertenmeinung die Möglichkeit, durch den Import von Flüssigerdgas (LNG) die entstehenden Lücken größtenteils zu schließen.

Auswirkungen eines Embargos von weiteren Rohstoffen

Auch wenn der öffentliche Fokus aktuell vor allem auf mögliche Engpässe bei der Belieferung mit Erdgas liegt, sollten nicht die weiteren Rohstoffe vergessen werden, bei denen Russland zu den Hauptlieferanten weltweit gehört. Falls diese in weitere Embargos eingeschlossen werden, müssten sich die entsprechenden Lieferketten ebenfalls erheblich umorganisieren. Eine Übersicht der wichtigsten Rohstoffe findet sich in der folgenden Liste:

Preissteigerungen

Welche konkreten Auswirkungen hat der Krieg nun bereits gehabt? Schauen wir auf die Preisentwicklungen der letzten Monate, wird ein drastischer Anstieg der entsprechenden Rohstoffpreise mit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich. Gleichzeitig hat sich die Preisentwicklung aber nach dem ersten großen Anstieg bei vielen Rohstoffen wieder entspannt, was sich auf Umverteilungen auf dem Weltmarkt zurückführen lässt.

Weitaus gravierende und langfristigere Folgen werden allerdings durch steigende Energiepreise auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Bereits jetzt sind die Folgen des Preisanstiegs für Strom und Gas deutlich zu spüren und Unternehmen planen, wie sie mit der erhöhten Energiepreis-Belastung umgehen können. Aus der Perspektive der Klimatransformation ergeben sich hieraus wiederum neue Impulse, da das klassische Energiesparen sowie Effizienzmaßnahmen deutlich Kosten reduzieren können. Ebenso steigt aktuell der ökonomische Anreiz für den Umstieg von Gaswärme auf Wärmepumpen – dies jedoch möglichst in Kombination mit PV-Anlagen zum Eigenverbrauch, da Wärmepumpenstrom aus dem Netz ebenfalls teurer wird.

Auswirkungen auf unternehmerische Klimastrategien

Was heißt das alles nun für Unternehmen und ihre Klimastrategien? Zunächst lässt sich feststellen, dass der Handlungsdruck auf Unternehmen deutlich gestiegen ist, wenn es um das Vorantreiben der Energiewende und Energieeffizienzmaßnahmen geht. Hieraus ergeben sich neue Impulse und Chancen:

Bei all diesen Chancen und Möglichkeiten kommen gleichzeitig auch neue Risiken und Herausforderungen als unmittelbare Folgen von Krieg, Sanktionen und Embargos auf Unternehmen zu:

Fazit – Was tun?

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges haben Unternehmen ganz klar die großen Abhängigkeiten und damit verbundenen Risiken in ihren Lieferketten aufgezeigt. Daher tun sie nun gut daran, ihre Handelsbeziehungen zu latent „unfriedlichen“ Volkswirtschaften zu überprüfen, wenn es zum Beispiel um Photovoltaik und Batterien aus China geht oder um Wasserstoff aus dem Mittleren Osten und Afrika. 

Generell muss bei Investitionen in die Klimatransformation vieles neu berechnet werden. So werden sich durch die Verteuerung von Energie einige Maßnahmen schneller rechnen – wie der Ausstieg aus Öl und Erdgas –, aber andere Maßnahmen auch verteuern – wie der Strombezug aus dem Netz für Wärmepumpen und E-Mobilität. Die neuen Risiken für längere Lieferzeiten und höhere Kosten bei Klimamaßnahmen müssen ebenfalls einkalkuliert werden. Die erschwerten Bedingungen verlangen letztlich ein noch agileres Projektmanagement und Vorgehen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion.

Vielen Dank für Deine Einblicke, Robert! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Klimaschutz wird zum Treiber der Digitalisierung

Frank Siebke

Zum Autor: Frank Siebke ist Geschäftsführer von mind-E und führt Unternehmen mithilfe von Best-Practice-Lösungen Schritt für Schritt durch die Klimatransformation. Von der CO2-Bilanzierung über Optimierung von Produktionsprozessen bis zur CSR-Berichtserstattung stehen digitale Lösungswege im Vordergrund. Beide Themen „Digitalisierung und Klima“ müssen zur Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen gemeinsam entwickelt werden.

Doppeleffekt: Unternehmen setzen für Wachstum vermehrt auf die Kombination aus Klimaschutz und Digitalisierung

Laut einer BCG Studie aus dem Jahr 2021, betrachten 55 Prozent von 800 weltweit befragten Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit als Kernkriterium zur Digitalen Transformation. Im Bereich der produzierenden Unternehmen sind es gar 77 Prozent. Die Potenziale, sowohl Kosten als auch CO2 einsparen zu können sind enorm. Welche Digitalisierungseffekte lassen sich nun für Unternehmen aus der Klimatransformation generieren?

Die CO2-Bilanz ist der Ausgangspunkt

Startpunkt eines erfolgreichen Konzepts für Klimaschutz aus dem Bereich Nachhaltigkeit in den Unternehmen ist die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks. Die Berechnung erfolgt anders als noch vor wenigen Jahren digital und mit hoher Automatisierung. Mittels moderner Software, die mit allen wichtigen Emissionsdatenbanken verknüpft ist, müssen lediglich noch die spezifischen Emissionen des Unternehmens eingespielt werden. Diese Informationen liegen in der Regel bereits in den ERP-Systemen der Unternehmen vor, können exportiert und über Algorithmen bilanziert werden. 

Diese Methode zur Erstellung einer unternehmerischen CO2-Bilanz wird mutmaßlich alle bisherigen Bilanzierungsformen ablösen. Glücklicherweise gibt es verschiedene marktreife Lösungen zum Geschäftsjahr 2023, rechtzeitig zum Inkrafttreten der neuen CSR Berichtspflicht (CSRD, Corporate Sustainability Reporting Directive).

Das Greenhouse Gas Protocol als Standard

Als CO2-Bilanzierungsstandard setzt sich aktuell das Greenhouse Gas Protocol (GHG) mit seinen Scopes 1, 2 und 3 durch, der einen vollständigen CO2-Fußabdruck des Unternehmens abbildet. Vorteil hier ist, dass damit nicht nur Emissions-Hotspots des Unternehmens (Scope 1 und 2) identifiziert werden können, sondern auch wichtige Erkenntnisse zur Lieferkette geliefert werden (Scope 3), die in der Regel den größten Teil des Fußabdrucks ausmacht – je nach Branche bis zu 90 Prozent.

Durch Einbindung der Lieferkette in die eigene Klimatransformation erhält der Einkauf zusätzliche Steuerungselemente, die bis zur Entwicklung oder Anpassung von Produkten reicht – oder häufig auch genau den umgekehrten Weg, von Kundenanforderungen über die Produktentwicklung zu den Zulieferern. 

TRENDBOOK Nachhaltigkeit mit Digitalisierung, 2022

Die Methodik des GHG entwickelt sich laufend weiter und ist für das einzelne Unternehmen als ein Managementsystem zu verstehen. Um künftig aber auch eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen herzustellen, entstehen für einzelne Branchen eigene Rahmenwerke, wie zum Beispiel PCAF im Bereich Finance oder GLEC für Logistic.

Untermessungen, Digital Twins und Automation werden zum Digitalisierungsturbo

Auch Produktionsprozesse profitieren von der Kombination aus Klimaschutz und Digitalisierung. Mit Digital Twins können Produktionsanlagen, einzelne Abschnitte daraus oder Gebäude 1:1 abgebildet und so direkt CO2- und Energieeinsparungen erkannt, als auch Wartungsintervalle punktgenau vorhergesagt (predictive maintenance) oder Ausschüsse in der Produktion reduziert werden. Jeder Ausschuss, der nicht produziert wird, ist ein großer Hebel zur CO2-Reduktion, Energie- und Kosteneinsparung.

Eine wirksame Vorstufe vor der Implementierung von Digital Twins sind Untermessungen, die sich in Gebäuden oder entlang von Produktionsanlagen sehr einfach installieren lassen. Innerhalb kurzer Betrachtungszeit können unentdeckte hohe Verbraucher eingegrenzt und optimiert werden.

Weiteres Einsparpotenzial bietet eine Prozessautomatisierung. Sie erhöht die Effizienz, Flexibilität und die Qualität von Prozessen. Automatisierung ermöglicht einen bedarfsorientierten Einsatz, wodurch wiederum Energieverbräuche und Verschleiß reduziert werden. 

Ein großer Vorteil von digitalen Technologien ist die Möglichkeit, sie remote einzusetzen und beispielsweise Fernwartungen mittels AR-Brille durchzuführen. Dabei wird ein lokaler Techniker von einem Experten aus der Firmenzentrale geführt. Er sieht eingeblendete Informationen und setzt damit Inbetriebnahme, Wartung oder Reparatur selbst um. CO2-intensive Anfahrten werden vermieden und die Fehlerbehebung erfolgt meist sogar schneller.

Abfälle werden zu Wertstoffen

Digital wird auch die Erfassung des Abfallaufkommens als wichtiger Schritt zur Zirkularität. Enthaltene Wertstoffe werden strukturiert und können über angebundene Online-Portale automatisch vermarktet statt bisher teuer entsorgt werden.

Logistik ist ein Hauptverursacher

Die Transportbranche ist laut Umweltbundesamt in Deutschland der zweitgrößte CO2-Produzent. Hier gibt es also den größten Bedarf zur Reduktion, aber auch großes Potenzial durch Digitalisierung. Smart Mobility verringert Umweltbelastungen in der Logistik. Bereits eine smarte Routenführung hat einen großen Effekt. Das größte Potenzial liegt aber in der Optimierung der Laderaumnutzung sowie in der Vermeidung von Leerfahrten. 

Der CO2-Fußabdruck wird zu einer festen Kennzahl

Perspektivisch können wir davon ausgehen, dass neben Finanzen und Governance auch spezifische CO2-Daten ihren eigenen Stellenwert bekommen. Der CO2-Fußabdruck wird so zu einem wichtigen Mehrfachindikator und zu einem Steuerungselement. Er wird sukzessive Einzug in die meisten Unternehmensbereiche halten. 

© mind-e GmbH, 2022

FAZIT: Durch Digitalisierung dem Klimaziel einen großen Schritt näherkommen

Homeoffice und geringeres Pendelaufkommen – die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben nicht nur zur CO2-Reduktion beigetragen, sondern auch der Digitalisierung in den Unternehmen einen deutlichen Schub verpasst. Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom kann eine beschleunigte digitale Transformation über 40 Prozent des bis 2030 notwendigen CO2-Einsparziels bewirken. Das größte Potenzial liegt dabei in der Fertigung, gefolgt von Mobilität und Gebäuden. 

Und so schlummern in allen Unternehmen, die Klimaschutz und Digitalisierung gemeinsam vorantreiben jeweils enorme Potenziale, die sich über kurze Audits einfach prognostizieren lassen. Es gilt also, Klimaschutz und Digitalisierung zusammen zu denken, um den größten Nutzen zu erzielen. 

Dein Unternehmen treibt die Klimatransformation voran und sucht nach Unterstützung zur Erfassung transparenter Klimadaten zur Dekarbonisierung seiner Lieferkette? Dann freuen wir uns dich kennenzulernen und noch heute ein Gespräch auszumachen!

Der neue IPCC-Bericht – Die wichtigsten Erkenntnisse für Unternehmen

Anfang April veröffentlichte der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), auch Weltklimarat genannt, einen neuen Bericht über die Eindämmung des Klimawandels – ein deutlicher Weckruf, auch an die Wirtschaft! Denn jede weitere Verzögerung bei Maßnahmen für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt.

Der neue IPCC-Bericht geht nicht nur auf die irreversiblen Schäden ein, die durch die Klimakrise und die erheblichen Rückstände in Sachen Klimaschutz verursacht werden, sondern macht auch deutlich, wie wir uns heute an den Klimawandel anpassen müssen – denn noch sind effektive Anpassungsmaßnahmen möglich. Eines ist klar: Wir müssen jetzt handeln! Dies ist die Kernbotschaft der dritten Aktualisierung des 6. IPCC-Bewertungsberichts. 

Finde hier die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts.

Was sagt die Aktualisierung des IPCC-Berichts aus?

Die gute Nachricht zuerst: Der jüngste IPCC-Bericht ist ein deutlicher Beweis dafür, dass wir über alle Instrumente und das Know-how verfügen, um die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen und den Klimawandel abzumildern. Die neue Aktualisierung enthält die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel und informiert über den Status-Quo der globalen Erwärmung und des aktuellen Klimarisikos. Sie zeigt, dass wir die Emissionen bis 2030 in den Griff bekommen können, wenn wir jetzt handeln und klimarelevante Entscheidungen treffen.

Was wir dabei beachten müssen:

Die 1,5-Grad-Grenze kann nur eingehalten werden, wenn die globalen Emissionen bis zum Jahr 2030 um 45 % sinken und die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto Null sinken. Allerdings befinden wir uns aktuell nicht auf direktem Weg, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Der UN-Generalsekretär Guterres reagierte auf den IPCC-Bericht in einer Videobotschaft: „Dies ist keine Fiktion oder Übertreibung. Es ist das, wohin unsere derzeitige Energiepolitik laut der Wissenschaft führen wird. Wir sind auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung von mehr als dem Doppelten des 2015 in Paris vereinbarten Grenzwerts von 1,5 Grad Celsius.“

Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionssenkungen in allen Sektoren ist eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C nicht zu erreichen. Die Begrenzung der Erwärmung auf etwa 1,5 °C erfordert, dass die globalen Treibhausgasemissionen spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 % reduziert werden; gleichzeitig muss auch der Methanausstoß um etwa ein Drittel verringert werden. Aus dem Bericht geht jedoch auch hervor, dass der Fokus auf Klimaschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Obwohl in den Jahren 2010 bis 2019 weltweit die höchsten jährlichen Treibhausgasemissionen der Geschichte verzeichnet wurden, hat sich die Wachstumsrate verlangsamt. Politische Maßnahmen und Gesetze führten zu einer zunehmend verbesserten Energieeffizienz, verringerten Abholzungsraten und sorgte für einen beschleunigten Einsatz erneuerbarer Energien.

Fazit: Der Klimawandel ist da, und zwar jetzt. Er verursacht bereits immense Schäden für Menschheit und Planeten und beeinträchtigt das allgemeine Wohlbefinden auf der Erde. Wir tun immer noch nicht genug, um die Emissionen zu reduzieren.

Es ist 5 nach 12 – Wir müssen handeln! 

Es gilt heute also, in allen Sektoren in den Wandel zu investieren und dabei alle verfügbaren Instrumente in den verschiedenen Sektoren zu nutzen sowie alle Reduktionspotenziale auszuschöpfen. Zu diesen Instrumenten gehören u. a. erneuerbare Energien, dezentrale Energieversorgung, elektrischer Verkehr, Kreislaufwirtschaft und Netto-Null-Gebäude. 

Wir sehen: Die Strategien zur Bewältigung der relevanten Fragen unserer Zeit existieren schon. Wie können wir die Treibhausgasemissionen reduzieren? Wie können wir Kohlenstoff binden? Wie können die Bereiche Gebäude, Mobilität, Landwirtschaft und Energie nachhaltiger werden? Auf diese Fragen gibt es bereits antworten, unzählige Klimalösungen und erprobte Best-Practices sind bereits bekannt  – Jetzt kommt es auf die Umsetzung an!

Die Chancen der Klimatransformation jetzt nutzen!

Der IPCC-Bericht hat es uns gezeigt: Wir haben es in der Hand! Wir können jetzt aktiv werden, indem wir die schon verfügbaren Instrumenten und Klimalösungen nutzen und als CLIMATE Community erprobte Best Practices austauschen. Sektorenübergreifend lässt sich die Herausforderung der Klimatransformation gemeinsam bewältigen, wenn wir die gesteckten Klimaziele jetzt in die Praxis übersetzen.

Der #CTS2022 bietet die Chance, sich mit Climate Champions und Klimalösungsanbieter:innen sowie Expert:innen aus der Praxis zu vernetzen und mehr zu Best Practices der Klimatransformation zu erfahren! 100 % online findet im Juni der 2-tätige climatesummit.de mit dem Fokusthema „Dekarbonisierung von Unternehmen und deren Lieferketten“ statt. Der Summit bietet nicht nur eine Bühne für spannende Diskussionen und Einblicke in die Klimatransformation führender Unternehmen, sondern lädt auch die Teilnehmenden dazu ein, eigene Erfahrungen zu teilen und Teil der Debatte zu sein. Ziel des #CTS2022 ist es, den Grundstein für Zusammenarbeit und Austausch auf Augenhöhe zu legen, um gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette Klimaziele zu erreichen. Erfahre hier mehr zum Programm, den Speaker:innen und melde Dich jetzt an!

Unternehmerische Verantwortung wahrnehmen – CLIMATE Champion werden

Pascal Schwarz

Interviewpartner: Pascal Schwarz ist Referent für den Bereich Nachhaltigkeit & Energiemanagement bei elobau, ein weltweit agierender Hersteller von berührungsloser Sensortechnik, Füllstandsmessung und Bedienelementen für den Maschinen-​ und Anlagenbau sowie mobile Arbeitsmaschinen. elobau hat es sich zum Ziel gemacht, CLIMATE Champion zu werden und konnte sich mithilfe des CLIMATE Readiness Checks einen Überblick über klimabezogenen Chancen und Potenziale im Unternehmen verschaffen.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Pascal Schwarz darüber, was es bedeutet, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und als Unternehmen die Klimatransformation voranzutreiben.

 Wir freuen uns, dass elobau als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen? 

elobau ist ein mittelständisches Unternehmen, dass sich vor über 10 Jahren dem Thema der  Nachhaltigkeit verschrieben hat und mittlerweile weltweit rund 1000 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Über den Firmensitz in Leutkirch im Allgäu ist elobau in weiteren 38 Ländern vertreten. Das Unternehmen steht für Flexibilität, Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Die Produktbereiche Bedienelemente, Sensorik, Maschinensicherheit und Füllstandmessung finden sich in den Branchen Off-Highway und Industrie wieder. Als Stiftungsunternehmen übernehmen wir in besonderem Maße Verantwortung für Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Wir haben die Vision, die Welt nachhaltig mitzugestalten. 

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute? 

Dass Unternehmen, die durch Umweltschutzmaßnahmen ihren Ausstoß von THG-Emissionen reduzieren, am Markt einen klar spürbaren Mehrwert darstellen. Daher kommen wir in der Politik nicht an einer entsprechenden Bepreisung der emittierten THG-Emissionen der Unternehmen, einer sogenannten CO2-Steuer, vorbei. Dies würde Unternehmen signifikant auf den Weg bringen, klimarelevante Veränderungen anzugehen.  

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln? 

Gemeinsam haben wir die Kraft und die Chance einen positiven Impuls in der Welt zu leisten und damit eine nachhaltige Transformation hinsichtlich Politik und Gesellschaft zu schaffen. Durch unsere konsequente Transformation möchten wir einzelne Akteur:innen und andere Unternehmen inspirieren, diesen Weg zu gehen. Der Weg kann über einen inspirierenden Austausch beginnen und sich in einem langfristigen Begleitungsprozess widerspiegeln.  

 Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation  dabei? 

Als Unternehmen, das sich stetig weiterentwickeln und ungenutzte Potentiale aufdecken möchte, sehen wir uns in der Pflicht, uns von allen Seiten überprüfen zu lassen. Mit dem Ziel, eine ganzheitliche Transformation hin zu einem gemeinwohlorientierten Unternehmen anzugehen, sehen wir jeden weiteren Schritt als Motivation an. 

Wie hat euch der CLIMATE Readiness Check auf dem Weg der Klimatransformation weitergeholfen?

Der CLIMATE Readiness Check hat uns in vielerlei Hinsicht geholfen: Für uns wurde ersichtlich, wie elobau in den Bereichen Impact Model, Leadership, Transparency, Climate Performance und Climate Actions aufgestellt ist. Zusätzlich zeigte uns die Befragung im Climate Readiness Check zielgerichtete und wertvolle Klimapotentiale auf, die wir nun weiter verfolgen. Darüber hinaus hat uns das Best-Practice-Sharing-Modell sehr gut gefallen. Es ist spannend zu sehen, welche Unternehmen zu den High-Performern in den jeweiligen Bereichen zählen. Ein besonderer Mehrwert ist für uns die die Einordnung/Eingliederung in die Climate-Choice-Partnerschaft, in der reger und richtungsweisender Austausch stattfindet.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt? 

Unternehmen haben schlicht durch ihre Größe einen enormen Hebel, der in Bezug auf Mitarbeiter:innen, Umwelt und Gesellschaft positiv eingesetzt werden kann und soll. Die drei Best Practices für Nachhaltiges Wirtschaften sind: Bewusstsein schaffen, bereit sein für Veränderung und sich ambitionierte Ziele stecken.

Du möchtest CLIMATE Champion werden und Dir einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens verschaffen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Europa ist Vorreiter, die USA ziehen nach – Was bedeutet der neue SEC-Klimaplan für Unternehmen?

Nachdem Europa in den vergangenen Jahren in den Themen Berichtspflichten und Transparenz bezüglich klimarelvanter Belange eine Vorreiterrolle eingenommen hat, folgt nun auch die USA mit neuen Bestimmungen. 

Sechs Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens veröffentlichte die US-amerikanische Finanzaufsicht – namens Securities and Exchange Commission (SEC) – einen Vorschlag, der die Berichtspflicht für Klimakennzahlen von Unternehmen verschärfen soll: Sie fordert, dass börsennotierte Unternehmen neben ihren Finanzergebnissen auch über ihre CO2-Emissionen und die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen berichten.

Doch für wen genau gilt diese Berichtspflicht und was kommt künftig auf Unternehmen zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Klimaplan.

Welche Unternehmen sind von diesem Vorschlag betroffen?

Zunächst werden die Vorgaben des SEC für alle börsennotierten Unternehmen gelten, die der SEC gegenüber bereits berichtspflichtig sind. Dies schließt auch Nicht-US-Unternehmen mit in den USA gehandelten Aktien ein, die derzeit ein Formular 20-F (SEC-Berichtsvorgabe für alle ausländischen Wertpapieremittenten) einreichen. Privatunternehmen sind von den SEC-Vorschriften ausgenommen, jedoch entscheiden sich viele Unternehmen, die sich auf dem Weg zu einem Börsengang befinden, dafür, die Berichte bereits im Voraus einzureichen. Zu erwarten ist, dass die Vorschrift Ende 2022 verabschiedet und ab dem Berichtsjahr 2023 gelten wird.

Was wird konkret gefordert?

Die Debatte um das Thema Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) findet immer mehr Gehör. Investor:innen beziehen klimabezogene Faktoren zunehmend in Anlageentscheidungen ein und verlangen mehr Transparenz und zuverlässige und vergleichbare Klimadaten. Deswegen verpflichtet die SEC Unternehmen dazu, ihre Treibhausgasemissionen und Klimarisiken auf standardisierte Weise offenzulegen. Führungskräfte sind darüber hinaus aufgefordert, transparent zu machen, wie mit Risiken wie z.B. extremen Wetterbedingungen und Ausfällen in der Lieferkette umgegangen wird.

Dabei basiert der Vorschlag der SEC zu einem großen Teil auf den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD). Diese Empfehlungen ermöglichen eine umfangreiche Berichterstattung über klimarelevante Belange als Teil der Finanzberichterstattung und stellt sicher, dass die Anleger:innen einen umfassenden Einblick in die Kohlenstoff- und Klimarisiken der Unternehmen erhalten. Hier findest du mehr Informationen zur TCFD.

Neben ihren Finanzinformationen legen Unternehmen in ihren Jahresberichten Folgendes vor:

Was ist mit den Scope-3-Emissionen?

Die Scope-3-Emissionen entstehen in der Lieferkette eines Unternehmens und machen oft 90 % oder mehr der Gesamtemissionen eines Produkts oder einer Dienstleistung aus. Unternehmen müssen Scope-3-Daten angeben, wenn diese Emissionen von den Investor:innen als „wesentlich“ eingestuft werden. Dafür gibt es bislang noch keine offiziellen Leitlinien, jedoch ist davon auszugehen, dass die größten Unternehmen alle davon betroffen sein werden.

Obwohl KMU nicht direkt verpflichtet sind, die eigenen Scope-3-Emissionen zu veröffentlichen, enthält der Vorschlag der SEC eine neue Vorschrift: Wenn sie ein öffentliches Ziel zur Emissionsreduzierung haben, müssen sie ihren Plan und die Fortschritte in Bezug auf dieses spezifische Ziel offenlegen. Wenn ihr öffentliches Ziel also Scope-3-Emissionen umfasst, müssen Unternehmen in ihren SEC-Berichten auch dort den Fortschritt angeben.

Trotz Kritik, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Am neuen Vorschlag des SEC lässt sich jedoch auch einige Kritik äußern. Zwar wird eine Prüfungspflicht der Anforderungen schrittweise in einem Zeitraum von zwei Jahren eingeführt, jedoch umfasst sie lediglich Angaben zu Scope 1 und 2 und lässt die Scope-3 Emissionen zunächst außer acht. Darüberhinaus gilt sie zunächst nur für große Antragsteller:innen. 

Trotzdem wird deutlich: Der Vorschlag der SEC ist Teil eines Paradigmenwechsels von freiwilligem Klimaschutz hin zu klaren Forderungen von Transparenz und einer verantwortungsvollen Unternehmensführung. Die kommenden Regulationen der SEC können Unternehmen zwar nicht zwingen, Emissionen zu reduzieren, aber es verpflichtet Unternehmen dazu, offenzulegen, bis zu welchem Grad sie ihre Klimaziele verfolgen und welche Fortschritte sie machen. Es trägt enorm dazu bei, dass Unternehmen für ihr Wirtschaften zur Verantwortung gezogen werden und ist ein wichtiges Zeichen gegen Greenwashing. Hier in Europa zeigt sich der Trend in Richtung Transparenz noch deutlicher. Die regelmäßige Offenlegung von Emissionen und Reduktionsplänen ist hier schon Normalität.

Wie bereiten sich Unternehmen auf die kommenden Berichtspflichten vor?

Hier gilt: Je früher desto besser! Auch wenn einige dieser neuen Berichte erst im Jahr 2024 fällig werden – Unternehmen sollten nicht abwarten, sondern sich bereits jetzt auf die künftigen Berichtspflichten vorbereiten. Wenn Unternehmen schon heute die Chance nutzen, die eigene Klimawirkung zu erfassen und zu optimieren, lassen sich nicht nur Kosten einsparen. Klimarelevante Risiken können frühzeitig erkannt und verhindert werden. Dabei erzielen Unternehmen einen Vorsprung bei dem, worauf es wirklich ankommt: schnelle und echte Kohlenstoffreduktion.

Dein Unternehmen treibt die Klimatransformation voran und sucht nach Unterstützung zur Erfassung strukturierter Klimadaten für Transparenz in der Lieferkette und ganzheitlicher Dekarbonisierung? Dann freuen wir uns Dich kennenzulernen und noch heute ein Gespräch auszumachen!

So funktioniert eine multidimensionale Klimaanalyse – Warum es wichtig ist, nicht nur den CO2-Fußabdruck zu messen

Bei der Klimastrategie eines Unternehmens denken viele vor allem schnell an den „CO2-Footprint“. Klar: Wenn es um unternehmerischen Klimaschutz geht, dreht sich alles um Treibhausgasemissionen und darum, wie Unternehmen CO2 reduzieren oder ausgleichen können. Jedoch wird bei einer Klimaanalyse mit Hauptfokus auf die CO2-Emissionen häufig zu kurz gedacht. 

Kohlenstoffemissionen sind zwar eine zentrale Kennzahl für den Klimareifegrad eines Unternehmens und werden von Interessengruppen und Investoren während einer Klimaanalyse oft als Schlüsselfaktor von Nachhaltigkeit hervorgehoben. Dennoch ist die Klimawirkung eines Unternehmens viel umfangreicher als die ausgestoßenen Emissionen. Die Klimaleistung eines Unternehmens vollständig zu erfassen, erfordert eine viel umfassendere Betrachtung als lediglich die Berechnung der CO2-Emissionen. Wieso, erfährst du im Folgenden.

1. CO2-Fußabdruck nicht gleich ökologischer Fußabdruck

Zunächst wird selten zwischen dem CO2-Fußabdruck und dem sogenannten „ökologischen Fußabdruck“ eines Unternehmens unterschieden. Der CO2-Fußabdruck stellt die Treibhausgasemissionen (nicht nur Kohlenstoff sondern auch alle anderen klimaschädlichen Treibhausgase, wie Methan oder Lachgas) dar. Der „ökologische Fußabdruck“ ist ein komplexerer Nachhaltigkeitsindikator und umfasst darüber hinaus alle anderen Einflussfaktoren einer Unternehmenstätigkeit. Hierbei wird sowohl der Ressourcenverbrauch und die Landnutzung als auch Schädigungen der Ökosysteme und der Einfluss auf die ökologische Vielfalt betrachtet. Überdüngung, Übersäuerung und die Zerstörung der Ozonschicht sind weitere Faktoren, die in den ökologischen Fußabdruck hineinspielen. 

2. Die unternehmerische Klimaleistung ist nicht eindimensional 

Desweiteren ist die Klimaleistung eines Unternehmen nicht nur an den ökologischen Umweltbelastungen festzumachen. Es benötigt hier eine viel umfangreichere Klimaanalyse, welche alle Dimensionen der unternehmerischen Klimawirkung erfasst. Wichtig ist beispielsweise auch, inwiefern das Geschäftsmodell eines Unternehmens zu den EU-Klimazielen beiträgt und in welcher Intensität bereits Klimaziele umgesetzt werden. All dies ist Teil der Klimawirkung eines Unternehmens und sollte bei der Klimaanalyse gleichermaßen einbezogen werden.

Die Klimawirkung ganzheitlich betrachten

Es gilt also, die Klimawirkung als Ganzes zu betrachten. So lassen sich dementsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaleistung im Unternehmen gestalten, welche unter allen Gesichtspunkten am effizientesten funktionieren. Denn ein ausschließlicher Fokus auf Kohlenstoffemissionen führt sowohl dazu, dass andere Faktoren von der Analyse ausgeschlossen sind und sich Risiken schlecht abschätzen lassen, als auch dass wichtige Potenziale zur Verbesserung der eigenen Klimaleistung nicht genutzt werden können.

Um dies zu verhindern, führen Unternehmen schon heute eine multidimensionale Klimaanalyse durch. Mithilfe des CLIMATE Readiness Checks können Unternehmen die eigene Klimaleistung entlang internationaler Standards beleuchten. Die datengetriebene Analyse-Software ermöglicht eine schnelle und strukturierte Erfassung klimarelevanter Daten und unterstützt Unternehmen dabei, die eigenen Klimastärken sowie -risiken entlang fünf verschiedener Dimensionen nachzuvollziehen. Ziel ist es dabei, die eigene Klimaleistung zu verstehen, um im zweiten Schritt effektive Maßnahmen zur CO2-Reduktion zu identifizieren und umzusetzen.

Die 5 Dimensionen des CLIMATE Readiness Checks für eine umfangreiche Klimaanalyse 

1. Wirkungsmodell

Im Vordergrund steht hier die Verankerung von Klimaschutz im eigenen Geschäftsmodell. Entlang der Regulationen der EU-Taxonomie werden Unternehmenstätigkeiten in Bezug auf die EU-Klima- und Umweltziele bewertet. Als „ökologisch nachhaltig“ bzw. „grün“ gelten Unternehmensaktivitäten, sobald sie die Umsetzung von mindestens einem der sechs EU-Klima- und Umweltziele fördern und dabei keines der anderen maßgeblich beeinträchtigen. 

2. Klimamanagement

Das Klimamanagement eines Unternehmens zu betrachten, wird künftig immer wichtiger, um Klimaziele zu erreichen und den Anforderungen von Seiten der Politik und Kund:innen entsprechend zu handeln. In Übereinstimmung mit Empfehlungen der Task Force of Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und dem Carbon Disclosure Project (CDP) befasst sich diese Dimension mit den internen Governance- und Führungsprozessen einer Organisation. Es wird untersucht, inwiefern es in einem Unternehmen Verantwortliche speziell für die Identifizierung und das Management klimarelevanter Themenbereiche gibt und wie sie klimabezogene Chancen und Risiken identifizieren und steuern.

3. Klimaeinfluss 

Für diese Dimension sind zentrale Klimakennzahlen, wie der unternehmensweite und produktbezogene CO2-Fußabdruck wichtig. In das Rating dieser Dimension fließen zusätzlich relevante Daten zu unternehmerischen Klimaauswirkungen, wie z. B. Ressourcen- und Energieverbrauch sowie Abfallmanagement ein. Genau zu identifizieren, welche Emissionstreiber im Unternehmen vorliegen, ist die Grundlage dafür, passende und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und CO2-Reduktionsstrategien zu implementieren. 

4. Transparenz 

Transparente Kommunikation und Offenlegung klimarelevanter Daten werden für Unternehmen künftig immer wichtiger. Investor:innen und Kreditgeber:innen sowie Verbraucher:innen fordern zunehmend vergleichbare, klimabezogene Daten und eine verantwortungsvolle Unternehmenspraxis. In Übereinstimmung mit der Global Reporting Initiative (GRI) wird hier überprüft, ob ein Unternehmen den Berichtspflichten über soziale und ökonomische Auswirkungen ausreichend nachkommt.

5. Ökologisches Handeln

Durch die Umsetzung kurzfristiger und effizienter Maßnahmen, sogenannter Quick Wins, lässt sich erhebliches Einsparpotenzial ausschöpfen. Diese Dimension untersucht, inwieweit Unternehmen entlang der 9 Impact Kategorien – in Bereichen wie Energie, Gebäudemanagement, Mobilität, Finanzen, Digitales und freiwillige CO2-Kompensation – Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. 

Die Chance der Klimatransformation ergreifen

Entlang dieser 5 Dimensionen lässt sich die Klimawirkung eines Unternehmens realistisch abzeichnen und Stärken sowie Potenziale im Hinblick auf klimabezogene Chancen aufdecken. So können Unternehmen einen Überblick gewinnen und gezielte Maßnahmen für eine klimakompatible Unternehmensführung implementieren. Anstatt allein die CO2-Emissionen zu betrachten, sollte ein ganzheitlicher Ansatz es Unternehmen ermöglichen, klimarelevante Chancen wahrzunehmen und die Weichen auf eine klimakomapatible Zukunft zu stellen.

Dich interessiert, was Du gelesen hast und Du möchtest einen CLIMATE Readiness Check für Dein Unternehmen durchführen, um den nächsten Schritt hin zu einer erfolgreichen Klimatransformation zu gehen? Melde Dich gern bei uns und vereinbare ein persönliches Gespräch!

Beitragsbild: Unsplash

Recyclingprozesse verbessern, Emissionen einsparen

Felix Heinricy, Resourcify

Interviewpartner: Felix Heinricy ist COO und Co-Founder bei Resourcify. Das Unternehmen unterstützt dabei, Abfallmanagementprozesse und Recycling im Unternehmen mithilfe von digitaler Software zu optimieren und dabei Weg in Richtung Zero Waste zu ermöglichen.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Felix Heinricy darüber, was ein zukunftsorientiertes und klimarelevantes Geschäftsmodell für die eigene Klimawirkung bedeutet und wie Resourcify auch darüber hinaus die Klimatransformation vorantreibt.

Wir freuen uns, dass Resourcify als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Resourcify bietet Unternehmen eine Recycling-Plattform, mit der sie ihre täglichen Abläufe im Abfallmanagement digitalisieren können. Mit der Software sind sie in der Lage, ihre Recyclingprozesse einfach und transparent zu verwalten, zu verfolgen und zu verbessern. Gleichzeitig können sie ihren Verwaltungsaufwand senken und bis zu 30 % der Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Abfallwirtschaft einsparen. Damit unterstützen wir Unternehmen dabei, das Ziel Zero Waste und eine abfallfreie Zukunft zu erreichen. 

Tausende von Unternehmen – darunter die Hornbach Baumarkt AG, Syntegon Packaging Technology und das Universitätsklinikum Bonn – nutzen jeden Tag unsere preisgekrönte Recycling-Plattform und vertrauen auf unser Nachhaltigkeitskonzept als Best Practice, um ihre Recyclingprozesse zu verbessern und Abfälle zu reduzieren.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Die meisten denken dabei sofort an die energetische Dämmung von Gebäuden oder die Umstellung auf erneuerbare Energien. Dabei kann das Abfallmanagement ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu muss Unternehmen jedoch bewusst werden, welche Abfälle bei ihnen überhaupt anfallen und wie diese besser recycelt und wiederverwendet werden können. Denn viele Abfälle sind eigentlich Wertstoffe. Diese Transparenz wird erst mit digitalen Lösungen möglich.

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Mit unserer Software haben Unternehmen einen transparenten Einblick in ihr Abfallmanagement. Sie sehen, welche Abfälle wo anfallen, wie die Abfalltrennung funktioniert und wie sie ihre Verwertungswege optimieren können und ein besseres Recycling erreichen. Dadurch können sie viel einfacher als bisher Abfälle in Wertstoffe verwandeln, schneller ihre Recyclingziele erreichen und insgesamt nachhaltiger wirtschaften.

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Die Teilnahme beim CLIMATE Readiness Check war für uns sehr interessant, weil wir so erkennen konnten, wo wir in den verschiedenen Bereichen stehen. Ob beim Geschäftsmodell, beim Thema Unternehmensführung oder unserer eigenen CO2-Bilanz – wir sahen, wo unsere Stärken liegen und wo es Potenzial gibt, noch besser zu werden.

Welche wichtigsten Learnings nehmt ihr daraus mit?

Der Readiness Check hat uns bestätigt, dass Resourcify mit seinem nachhaltigen Geschäftsmodell einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Insbesondere unsere Abfallmanagement-Software, die Unternehmen dabei hilft, ihr Recycling radikal zu verbessern, hat eine starke klimarelevante Wirkung, da sie den Weg zu Zero Waste und hin zu einer Kreislaufwirtschaft unterstützt. Außerdem wurden wir bestärkt, eine Funktion zu entwickeln, die ermittelt, wie viel CO2 unsere Kunden mit unserer Software in den verschiedenen Abfallströmen einsparen.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

1. Transparenz: Sorgen Sie für konkrete und praktisch umsetzbare Erkenntnisse über alle Abfall- und Recyclingprozesse.

2. Nachhaltigkeit: Stellen Sie Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt Ihrer Unternehmensstrategie und stellen Sie Ihr Unternehmen so auf, dass es langfristig erfolgreich ist.

3. Recycling: Verbessern Sie die Recyclingquoten und damit die Umweltauswirkungen Ihres Unternehmens.

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Bildquelle: Unsplash

#CTS2022: The climate solutions I didn’t know existed

Today on the CLIMATE TRANSFORMATION Summit’s agenda, we have “The climate solutions I didn’t know existed”.

The #CTS2022 is expected to be mind-blowing, and one of the reasons is the CLIMATE Online Fair, for which we reserved one and a half hours on both days of the Summit. During this time slot, attendees will be able to meet inspiring providers of climate solutions and learn about the solutions that are already out there. That’s right, we already have some of the technologies needed to slow down (to say to stop it would be too optimistic) climate change, even though we might not be aware of it!

In this blog entry, I would like to introduce you to some of the Exhibitors who will showcase their products and services at our Summit to give you an idea of the type of climate pioneers you will be able to meet.

MEET THE EXHIBITORS!

So here is a list with the first confirmed Exhibitors with their climate solutions at our Summit – and don’t forget: if you want to become one, you can apply here.

WHAT NOW?

I don’t know about you, but I already feel inspired by simply looking at all the climate solutions out there! I can’t wait to see what each exhibitor will prepare to customize their own Virtual Booth and I hope you will join us at our CLIMATE TRANSFORMATION Summit 2022 on 2nd & 3rd June!

Don’t forget to get your ticket here and see you there!

CO2-Reduktion durch Energiemanagement – Best Practices von enretec

Michael Blöcher

Interviewpartner: Michael Blöcher ist Leiter Qualitäts- und Umweltmanagement & Regulatory Affairs bei enretec, dem ökologischen Entsorgungsfachbetrieb für Medizinabfall. Das Unternehmen hat auf seinem Weg der Klimatransformation schon einiges erreichen können.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE spricht Michael Blöcher darüber, von welchen Best Practices für die Klimatransformation der Wirtschaft das Unternehmen profitiert hat und welche Schritte sie in Zukunft gehen werden, um als Klimavorreiter in der Branche auch andere Unternehmen zu inspirieren.

Wir freuen uns, gemeinsam mit enretec die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen?

Unser Unternehmen wurde im Jahre 2000 als Spezialist zur Entsorgung von Reststoffen aus Arztpraxen aus einer Vorgängergesellschaft ausgegründet. Es konnte seinerzeit auf Erfahrungen zurückgreifen, die seit 1984 in der Betreuung der Zahnärzteschaft bei der Entsorgung von Dentalabfällen kontinuierlich auf- und ausgebaut wurden. Die enretec GmbH versteht sich als vertrauensvoller Ansprechpartner unserer Kundinnen und Kunden in einem immer komplexer werdenden Umfeld. Wir betreiben in Brandenburg eine der modernsten Anlagen zur Lagerung, Behandlung und Verwertung medizinischer Reststoffe und Abfälle, die speziell auf die Anforderungen unseres Kerngeschäftes zugeschnitten sind. Wir sind seit 2002 ein Entsorgungsfachbetrieb und zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement) und DIN EN ISO 14001:2015 (Umweltmanagement). Seit 2005 sind wir als EMAS-zertifiziertes Unternehmen im EMAS-Register der IHK Potsdam eingetragen. Unsere über 30 Mitarbeiter:innen bedienen unsere Kund:innen in ganz Deutschland sowie dem angrenzenden Ausland.

Unsere enretec-Mission: Wir, die enretec GmbH, wollen als führender deutscher Entsorger im Bereich der Dental-, Human- und Tiermedizin gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden Maßstäbe bei der kund:innenfreundlichen und ökologischen Entsorgung gefährlicher und nicht-gefährlicher Abfälle setzen.

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Getrieben durch den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Rahmen unserer Zertifizierungen konnten wir in den letzten Jahren durch diverse Einzelmaßnahmen erhebliche Einsparungen bei allen ökologischen Parametern realisieren. Beispielsweise lagen im Jahr 2020 die absoluten CO2-Emissionen durch Gas , Strom- und Dieselverbrauch der enretec GmbH circa 53% unter dem Vergleichswert von 2015 und markierten gleichzeitig den absolut geringsten Wert seit Einführung der EMAS-Zertifizierung unseres Unternehmens im Jahr 2005. Für 2020 haben wir zudem erstmalig einen Treibhausgasbericht nach DIN EN ISO 14064 für das gesamte Unternehmen erstellt und diesen von einem unabhängigen Dienstleister verifizieren und zertifizieren lassen. Die ermittelten Treibhausgasemissionen wurden durch die Stilllegung von Emissionsminderungszertifikaten kompensiert, was wir zukünftig jährlich tun werden.

Hierbei zeigen sich auch schon die größten klimarelevanten Herausforderungen für unser Unternehmen: Wie können wir bei unserer Arbeit noch klimafreundlicher werden, und zwar direkt bei uns vor Ort und ohne Kompensation? Wie können wir zum Beispiel unsere Fahrzeugflotte in den kommenden Jahren so modernisieren, dass die nach wie vor nennenswerten Emissionen aus Treibstoffen bei der Abfallsammlung gar nicht mehr anfallen? Und wie können wir unsere Mitarbeiter:innen dabei unterstützen, die Treibhausgasemissionen bei den regelmäßigen Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz und zurück zu minimieren? Wie nehmen wir unsere Mitarbeiter:innen bestmöglich dabei mit, noch klimafreundlicher zu werden?

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Auch wenn wir schon eine Menge erreicht haben, sind wir sicher: Da geht noch mehr. Es gibt so viele spannende Entwicklungen gerade bei dem Megathema Klimaneutralität, da werden auch sehr gute Ansätze für unser Unternehmen dabei sein. Aber wo stehen wir eigentlich genau, was sind Best Practice Beispiele, an denen wir uns orientieren können und wie sollten wir diese priorisieren? Im Tagesgeschäft fehlen einem KMU die Ressourcen, um sich hier umfassend einzuarbeiten. Hier hat uns der CLIMATE Readiness Check auf eine sehr effiziente Art und Weise eine sehr gute Orientierung gegeben, die wir in unsere weitere Arbeit einfließen lassen wollen.

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Zwei wesentliche Learnings: Es gibt auch bei tollen Erfolgen in der Vergangenheit immer noch eine sehr große Anzahl an Möglichkeiten für die Zukunft. Und: Wir müssen das Potenzial unserer Mitarbeiter:innen auf dem weiteren Weg noch viel stärker nutzen.

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt?

Was wirklich jedes Unternehmen machen sollte, ist die Einführung eines Energiemanagements, ob nun zertifiziert oder nicht. Nach wie vor gibt es zum Beispiel auch in Deutschland große gewerbliche Stromverbraucher, die nur einen einzigen Zähler im Unternehmen haben, und zwar irgendwo an der Einfahrt zum Gelände an der Übergabestelle zum öffentlichen Netz. Wie soll Klimaschutz durch Reduktion des Stromverbrauchs unter diesen Umständen funktionieren?

Ansonsten stehen wir bei der Auswertung der diversen role models erst am Anfang, sodass wir hierzu noch keine Empfehlung für die eine oder den anderen abgeben wollen. Was aber auf jeden Fall Best Practice ist: Es ist genug über Klimaschutz geredet worden, lasst uns anfangen!

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

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