Neue Anforderungen an klimakompatible Beschaffung, die heute ganze Lieferketten transformieren

Im Eröffnungs-Panel “Einkauf & Supply Chain” der amc Zukunftswerkstatt konnte unsere Gründerin Lara Obst, gemeinsam mit Elisabeth Fröhlich, Alexander Schreiber, Petra Poschadel-Babik, Jens Berberich, Stephan Link, Michael Niessen den aktuellen Wandel in der Beschaffung sowie im Lieferkettenmanagement beleuchten. Hier die wichtigsten Einblicke in Laras Beitrag. 

Die Beschaffung befindet sich angesichts von sogenannten Stapelkrisen in einer nie dagewesenen Belastungssituation. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine nachhaltige, klimaneutrale Beschaffung. Wie lassen sich eventuelle Zielkonflikte auflösen?

Wir befinden uns heute zwischen Pandemie und Krieg – der Begriff Krise ist allgegenwärtig. Fakt ist allerdings: Ein zurück gibt es nicht. Wir erleben gerade, wie sich ganze Systeme neu gestalten: Planetare Grenzen sind dabei als maßgeblicher Einfluss eine Dimension, gesellschaftliche Entwicklungen eine andere. 

Das Zusammenspiel dieser makro-ökonomischen Veränderungen verlangt insgesamt eine steigende Anpassungsfähigkeit von Unternehmen. Wollen sie dabei Risiken reduzieren und langfristig neue Chancen für sich nutzen, können Unternehmen jetzt Vorreiter:in werden und die Klimatransformation als Climate Champion mitgestalten. 

Dabei liegt besonders in der Beschaffung ein erfolgreicher Hebel, da sich hier die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Klimaschutz zeigt. Es besteht jetzt die einzigartige Chance, gemeinsam mit seinen Geschäftspartner:innen Schritt für Schritt Emissionen und Risiken zu reduzieren und gleichzeitig Marktsegmente zu erschließen sowie bestehende Kundenbeziehungen zu verbessern. Durch Kollaboration und Kommunikation lassen sich gemeinsame Mehrwerte aufzeigen und verfolgen, sodass vermeintliche Zielkonflikte häufig aufgelöst werden können. 

In der Praxis heißt das, dass die Dimensionen Preis, Qualität und Verfügbarkeit im Idealfall auf dem Fundament Nachhaltigkeit und Klimaschutz basieren und hierdurch verbessert und nicht blockiert werden. 

Was kann dabei helfen, damit die Klima- und Nachhaltigkeitsstrategien des Einkaufs angesichts von Lieferkettenchaos nicht auf der Strecke bleiben?

Kurzfristige Veränderung können natürlich nicht von heute auf morgen aufgefangen werden. Langfristig muss der Fokus daher auf Risikominimierung liegen: Das bedeutet Transparenz, Zusammenarbeit und besonders die Integration von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in alle Geschäftsbereiche. 

Eine Isolierung der Themenbereiche führt allerdings zu einem niedrigen Klimareifegrad, das Unternehmen ist also nur unzureichend auf externe und interne Folgen der Klimakrise vorbereitet. Im Notfall werden dann Nachhaltigkeit und Klimaschutz weggelassen. Eine vollständige Integration in alle Entscheidungen lässt dies nicht zu. 

Konkret heißt das: ganzheitliche Einkaufskriterien, Unterstützung der Lieferant:innen bei der Erfüllung von Klimaanforderungen, Transparenz in Entscheidungsprozessen und Investitionen sowie Anreizsysteme für Geschäftspartner:innen.

Klimatransformation ist komplex. An welchen Herausforderungen scheitern insbesondere mittelständische Unternehmen?

Man schätzt, dass heute bislang weniger als 15 % der Lieferant:innen “Climate Ready” sind, das heißt sie können ihr Klimamanagement bislang nicht strukturieren und notwendige, klimarelevante Daten für Geschäftspartner:innen und Dritte nur unzureichend aufzeigen. 

Die ersten Schritte sind dabei leicht gemacht, wir unterstützen dabei mit unserer Software: Dem CLIMATE Readiness Check. Hier werden in 5 Dimensionen nachhaltige und klimaspezifische Kriterien erfasst, um die eigenen Stärken und Potentiale zu erfassen sowie Reporting-Anforderungen zu erfüllen. Diese Daten werden in unserem Dashboard übersichtlich managebar und sind als CLIMATE Scorecard mit Geschäftspartner:innen teilbar. 

Die Herausforderung ist also adressierbar, es gilt dabei keine Angst zu haben und einfach anzufangen. Software-Lösungen sind dabei besonders schnell, unkompliziert und kostengünstig nutzbar.

Gibt es Ansätze, die den Prozess vereinfachen, wie kommt man in die Umsetzung?

Unsere Mission ist es, jedes Unternehmen zum Climate Champion und somit fit für die Klimatransformation zu machen. Wir legen daher besonders viel Wert darauf, alle Prozesse einfach und niederschwellig zu gestalten. Unser Climate Readiness Check ermöglicht dabei die Erfassung des Status Quo, zeigt im Ergebnis allerdings direkt Verbesserungspotentiale und konkrete Handlungsfelder auf. Diese lassen sich über die Zeit im eigenen Profil nachhalten. 

Für die konkrete Umsetzung wie Klimastrategien, Energiewechsel oder Umstellung von Produktionsprozessen arbeiten wir mit Partner:innen zusammen. Über unsere Datenplattform lassen sich im nächsten Schritt Kund:innen und Geschäftspartenr:innen einladen, um gemeinsam Daten zu teilen, Strategien anzugleichen und Climate Actions bis in die Lieferkette umzusetzen. Hierzu dienen Benchmarking-Ergebnisse, Best Practices und weitere Business Intelligence Insights. 

Wie findet man Quick Wins, mittel- und langfristige Themen?

Quick Wins sind für uns Climate Actions in neun Handlungsfeldern, die bereits als erprobte Best Practices bekannt sind. Diese werden aus Benchmarking-Daten erhoben sowie aus der Klimaforschung abgeleitet. Das schöne ist also: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können getestete Ergebnisse anwenden. 

Sie sagen: „Jede Einkaufsentscheidung ist eine Klimaentscheidung.“ Welche Entscheidungsgrundlagen fehlen bislang in der Praxis? 

Bis zu 90% der Emissionen eines Unternehmens stammen typischerweise aus der Lieferkette und werden zum Großteil durch Produkte und Services eingekauft. Will man also Emissionen reduzieren, muss man transparent mit Lieferant:innen zusammenarbeiten, um nicht nur CO2-Daten zu erhalten, sondern vielmehr um diese “climate ready” zu machen und durch einen ganzheitlichen Transformationsprozess – entlang internationaler Standards – auf die notwendige Transformation vorzubereiten. 

Als einkaufendes Unternehmen ist es also nicht nur wichtig zu wissen: Wo stehen meine Geschäftspartner:innen heute in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klima, sondern wo stehen sie in 5 oder 10 Jahren? Und was können wir gemeinsam tun, um dann den Klimaeinfluss und das gemeinsame Risiko drastisch zu reduzieren. 

Klimaneutralität kostet. Wie lassen sich die Klimaziele der Beschaffung trotzdem erreichen? 

Fragt sich, wie man Klimaneutralität definiert. Häufig wird der Begriff auf: CO2 Messen und Ausgleichen verkürzt. Die Kosten für Klimaneutralität beziehen sich dann vor allem auf den Einkauf von zusätzlichen CO2-Zertifikaten (aktuell ca. 12 € pro Tonne). 

Das reicht allerdings nicht aus und ist nach Reportinganforderungen, Kundenwünschen und Klimaeinfluss unzureichend. Was wir wirklich brauchen, ist CO2-Reduktion. Die lässt sich nur Umsetzen, wenn Potenziale aufgedeckt und bis in die Lieferkette realisiert werden. Hierzu braucht es Zusammenarbeit. 

Gemeinsam umgesetzt lassen sich im besten Fall sogar Kosten sparen. Der Wechsel von fossilen Energieträgern und Mobilitätsangeboten zu erneuerbaren Alternativen spart heute schon enorm Geld – und wird es auch in Zukunft weiter. Andere Bereiche wie Prozessumstellungen können die Effizienz steigern und schließlich lassen sich durch Einsparungen Technologien refinanzieren. Studien zeigen, dass im Durchschnitt 50 % der Emissionen mit Kosten von weniger als 10 € reduziert werden können, was bereits günstiger ist als das bloße “Offsetting”. 

Freiwilliger Klimaschutz darüber hinaus ist natürlich wünschenswert und keineswegs falsch, aber Einsparungen lassen sich langfristig nur durch Reduktion erzielen. 

Dich interessiert das Thema und Du willst mehr Tipps und Best Practices erfahren? Dann schau Dir auch unser Whitepaper „Fit für die Dekarbonisierung – Checkliste für den Einkauf“ an oder mache direkt ein Gespräch mit uns aus!

Supply Chain Action – FUNKEs Weg zur Klima-Transparenz in der Lieferkette

Ab 2023 wird die Einhaltung des deutschen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes“ für alle Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden verpflichtend sein – und mit dem bevorstehenden EU-Supply Chain Act zeichnen sich sogar noch strengere Vorschriften ab. Um diese neuen Gesetzgebungen zu bewältigen, steht der Einkauf vor der großen Herausforderung, die Transparenz bezüglich Menschenrechten und Umweltstandards in der Supply Chain seines Unternehmens jetzt drastisch zu erhöhen.

Wie geht ein führender Konzern wie die FUNKE Mediengruppe hierbei konkret vor? Genau das haben wir im CHOICE Event #39 von Gundula Ullah, Bereichsleitung Einkauf & Sustainability bei der FUNKE Mediengruppe, erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Das Unternehmen FUNKE und seine Klimaziele

Die FUNKE Mediengruppe beschäftigt als drittgrößtes deutsches Medienhaus rund 1.500 Journalist:innen und 4.500 Medienmacher:innen in den Geschäftsfeldern Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Im Bewusstsein der sich aktuell wandelnden Medienbranche hat die Gesellschafterfamilie ihr Commitment zu nachhaltigem Handel bekräftigt und will so “Strukturen und Prozesse schaffen, mit denen wir auch in den kommenden Jahren guten Journalismus ermöglichen“. 

Hierfür wurden spezifische Nachhaltigkeitsziele für FUNKE – abgeleitet von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen – definiert, welche die für FUNKE relevanten industriellen und regulatorischen Herausforderungen sowie Kunden-Zielgruppen berücksichtigen. Basierend auf den SDGs 5, 7, 8, 9, 12 und 13 verpflichtet sich FUNKE auf die Einhaltung der Ziele:

Nachhaltigkeit in der Lieferkette fängt im Einkauf an

Für die Umsetzung all dieser Ziele sowie die Vorbereitung der FUNKE Mediengruppe auf das kommende Lieferkettengesetz spielt der Einkauf eine zentrale Rolle. Denn die Kosten für die externe Wertschöpfung stehen letztlich ca. 50 % des Konzernumsatzes gegenüber. Die Wertschöpfungskette bei FUNKE sieht hierbei wie folgt aus:

Für jeden Bereich der Lieferkette hat sich FUNKE entsprechende Maßnahmen vorgenommen. Beim Energiebezug für den Betrieb der Druckereien sowie der Medienhäuser und Redaktionen möchte sich FUNKE in Richtung eines nachhaltigen Energiemix transformieren. Die Papierindustrie ist bereits generell stark zum Nachhaltigkeitsaspekt aufgestellt mit Kreislaufprozessen, die recyceltes Papier 5 bis 7 Mal wiederverwerten. Eine Herausforderung stellen allerdings noch die unterschiedlichen Reportingstandards bei der CO2-Transparenz des eingekauften Papiers dar. Um die IT zum Verfassen der Artikel klimakompatibler zu gestalten, sind entsprechende digitale Lösungen gefragt. Hier müssen vor allem neue nachhaltige Ausschreibungskriterien umgesetzt werden. 

Die Marktbereiche, welche die Anzeigen verkaufen und Werbungen schalten, sehen sich zunehmend mit Forderungen nach klimaneutralen Werbeformen von B2B-Kunden konfrontiert und müssen entsprechend nachhaltigere Ansätze bei Prämien und Kampagnen entwickeln. Beim Druck sind insbesondere Tiefdruck und das Heatset-Verfahren sehr energie-intensiv. FUNKE will deshalb mit den Druckereien in den Austausch gehen und gemeinsam erarbeiten, wie der Energieverbrauch reduziert werden kann. Zuletzt denkt FUNKE auch über nachhaltige Modelle in der Zustellung bei Tageszeitung nach und testet hierfür flächendeckende Ansätze mit Elektromobilität und Wasserstoff-Antrieb.

FUNKEs Herangehensweise? – Erstmal Transparenz!

Um die verschiedenen Bereiche der Lieferkette im Sinne von FUNKEs Nachhaltigkeitsstrategie zu transformieren, beginnt das Unternehmen zunächst mit einer grundlegenden Herstellung von Transparenz in Bezug auf CO2. Mithilfe einer Climate-Tech-Plattform wird daher ein Corporate Carbon Footprint erstellt, um auf diese Weise so viele Primärdaten wie möglich für den Scope 3 der Kern-Warengruppen (Papier, Druck, etc.) nutzen zu können. 

Das Emissionskontroll-Tool berechnet und analysiert den FUNKE CO2-Fußabdruck vollständig digital und prognostiziert zukünftige Nachhaltigkeitsszenarien auf der Grundlage von Datenheuristiken (z. B. künftiger Fußabdruck bei zukünftig weniger Print- und mehr Digitalabos). Um die ordnungsgemäße Anwendung der Emissionsbilanzierungsstandards sicherzustellen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen (z. B. GHG). Die Analysen sind „audit-ready“, sodass die neuesten Anforderungen zur Datenprüfung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. KPMG, GRI, CDP) für den Nachhaltigkeitsbericht erfüllt werden können. Der Zugang zur Plattform ist zudem simpel gestaltet, sodass innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Abteilungen ihre Daten ins Tool hochladen können.

Der Weg zur Transparenz in der Lieferkette

Als weitere Maßnahmen ist FUNKE aktuell auf dem Weg, sich als nachhaltige Beschaffungsorganisation vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zertifizieren zu lassen. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen, die vom Verband definierten nachhaltigen Aspekte und Kriterien in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren. Der erste Schritt hierfür ist ein Selbstaudit sowie die Planung und Selbstverpflichtungserklärung zur Erfüllung der Mindestkriterien. Danach entwickelt FUNKE eine Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des BMEs. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen sowohl vom BME als auch durch externe unabhängige Prüfer überprüft und so ein jährlicher Verbesserungsprozess angestoßen.

Um die Transparenz-Bemühungen weiter zu unterstützen sowie das Unternehmen auf das im Januar 2023 in Kraft tretende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz vorzubereiten, nutzt FUNKE eine digitale Unterstützung zum Lieferketten-Screening. Damit kann sich FUNKE digital von ihren Lieferanten die Bestätigung einholen, dass sie sämtliche Anforderungen erfüllen, die mit dem neuen Gesetz einherkommen.

Wichtige Learnings

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit musste FUNKE bisher mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen:

Gleichzeitig konnte das Unternehmen aber auch bereits erste Erfolge verbuchen:

Vielen Dank für Deine Einblicke, Gundula! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Was die Folgen des Ukraine-Konflikts für Klimastrategien von Unternehmen bedeuten

Die Klimakrise ist schon Kraftakt genug und erfordert radikale Lösungen. Doch mit dem Angriff Putins auf die Ukraine kommen alle bisherigen Planungen für den Klimaschutz in eine Phase der Unsicherheit. Die Ungewissheit über den Umfang und die Folgen von Sanktionen, Embargos und den Gegenreaktionen bringen viele Klimamaßnahmen ins Stocken. Nicht nur ein Lieferstopp für Gas im kommenden Winter, sondern auch die Unterbrechung der Lieferungen von anderen Rohstoffen sowie unkalkulierbare Energiepreise bergen ernste Sorgen eines Abrisses von Lieferketten und möglicherweise einer teilweisen Deindustrialisierung.

Wie können Entscheidungsträger:innen auf die veränderte Situation reagieren? Darüber haben wir im CHOICE Event #38 mit Robert Werner, Geschäftsführer der greenmiles GmbH und des Hamburg Institut, gesprochen. Die wichtigsten Erkenntnisse aus seinem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Wirtschaftliche Auswirkungen des Krieges

Die individuellen Schicksale und menschliche Tragödie des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine sind kaum in Worte zu fassen und stehen bei der Auseinandersetzung mit Putins Verbrechen gegen die Menschlichkeit an erster Stelle. Darüber hinaus hat der Krieg ebenfalls indirekte und komplexe Auswirkungen und wirtschaftliche Folgen, die weit über die Grenzen der Ukraine und Russlands hinaus reichen. Auch Unternehmen in Deutschland sind davon betroffen und müssen sich nun überlegen, wie sie ihre Klimastrategie in Hinblick auf die neuen Unsicherheiten anpassen.

Der Ausgangspunkt aller wirtschaftlichen Auswirkungen sind dabei die Sanktionen und Embargos der Mitgliedsstaaten der EU sowie potentielle Lieferstopps als Gegenreaktion von Seiten Russlands. Diese haben bereits zu Energieknappheit und steigenden Energiepreisen geführt. Weiterhin kommt es vermehrt zu Engpässen bei Rohstoffen und Bauteilen. Dies kann jederzeit zu Störungen in Lieferketten führen, welche unter anderem gebraucht werden, um die Energie- und Klimawende zu beschleunigen. Der Ausfall beim Getreideanbau und der Speiseölproduktion birgt darüber hinaus nicht nur humanitäre Risiken, sondern befeuert ebenfalls die Inflation, welche zusammen mit dem Rückgang des BIP und Arbeitsplatzverlusten die Gesellschaft zunehmend unter eine Belastungsprobe stellt.

Auswirkungen eines Lieferstopps fossiler Energien

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die wirtschaftlichen Verbindung zwischen Deutschland und Russland in Bezug auf die unterschiedlichen Formen fossiler Energien. Im Falle eines Lieferstopps würde sich der Bedarf an Steinkohle dabei relativ gut über den Weltmarkt abdecken und entsprechend ausgleichen lassen. Ähnlich sieht es beim Öl aus, für das es einen funktionierenden Weltmarkt gibt, auch wenn die aktuelle Dominanz der Druschba-Pipeline für Deutschland einen größeren Aufwand bei der Umstellung bedeuten würde. Am schwierigsten stellt sich jedoch die leitungsgebundene Belieferung mit Erdgas dar. Aktuell stammen 55 % des deutschen Erdgasverbrauchs aus Russland. Würde Deutschland jetzt drastische Einschnitte beim Import vornehmen, wäre noch nicht geklärt, wie der Bedarf für Wärmeerzeugung im kommenden Winter 2022/23 abgedeckt werden könnte. Bei einem verzögerten Ausstieg über einen Zeitraum von drei Jahren bestünde nach Expertenmeinung die Möglichkeit, durch den Import von Flüssigerdgas (LNG) die entstehenden Lücken größtenteils zu schließen.

Auswirkungen eines Embargos von weiteren Rohstoffen

Auch wenn der öffentliche Fokus aktuell vor allem auf mögliche Engpässe bei der Belieferung mit Erdgas liegt, sollten nicht die weiteren Rohstoffe vergessen werden, bei denen Russland zu den Hauptlieferanten weltweit gehört. Falls diese in weitere Embargos eingeschlossen werden, müssten sich die entsprechenden Lieferketten ebenfalls erheblich umorganisieren. Eine Übersicht der wichtigsten Rohstoffe findet sich in der folgenden Liste:

Preissteigerungen

Welche konkreten Auswirkungen hat der Krieg nun bereits gehabt? Schauen wir auf die Preisentwicklungen der letzten Monate, wird ein drastischer Anstieg der entsprechenden Rohstoffpreise mit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich. Gleichzeitig hat sich die Preisentwicklung aber nach dem ersten großen Anstieg bei vielen Rohstoffen wieder entspannt, was sich auf Umverteilungen auf dem Weltmarkt zurückführen lässt.

Weitaus gravierende und langfristigere Folgen werden allerdings durch steigende Energiepreise auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Bereits jetzt sind die Folgen des Preisanstiegs für Strom und Gas deutlich zu spüren und Unternehmen planen, wie sie mit der erhöhten Energiepreis-Belastung umgehen können. Aus der Perspektive der Klimatransformation ergeben sich hieraus wiederum neue Impulse, da das klassische Energiesparen sowie Effizienzmaßnahmen deutlich Kosten reduzieren können. Ebenso steigt aktuell der ökonomische Anreiz für den Umstieg von Gaswärme auf Wärmepumpen – dies jedoch möglichst in Kombination mit PV-Anlagen zum Eigenverbrauch, da Wärmepumpenstrom aus dem Netz ebenfalls teurer wird.

Auswirkungen auf unternehmerische Klimastrategien

Was heißt das alles nun für Unternehmen und ihre Klimastrategien? Zunächst lässt sich feststellen, dass der Handlungsdruck auf Unternehmen deutlich gestiegen ist, wenn es um das Vorantreiben der Energiewende und Energieeffizienzmaßnahmen geht. Hieraus ergeben sich neue Impulse und Chancen:

Bei all diesen Chancen und Möglichkeiten kommen gleichzeitig auch neue Risiken und Herausforderungen als unmittelbare Folgen von Krieg, Sanktionen und Embargos auf Unternehmen zu:

Fazit – Was tun?

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges haben Unternehmen ganz klar die großen Abhängigkeiten und damit verbundenen Risiken in ihren Lieferketten aufgezeigt. Daher tun sie nun gut daran, ihre Handelsbeziehungen zu latent „unfriedlichen“ Volkswirtschaften zu überprüfen, wenn es zum Beispiel um Photovoltaik und Batterien aus China geht oder um Wasserstoff aus dem Mittleren Osten und Afrika. 

Generell muss bei Investitionen in die Klimatransformation vieles neu berechnet werden. So werden sich durch die Verteuerung von Energie einige Maßnahmen schneller rechnen – wie der Ausstieg aus Öl und Erdgas –, aber andere Maßnahmen auch verteuern – wie der Strombezug aus dem Netz für Wärmepumpen und E-Mobilität. Die neuen Risiken für längere Lieferzeiten und höhere Kosten bei Klimamaßnahmen müssen ebenfalls einkalkuliert werden. Die erschwerten Bedingungen verlangen letztlich ein noch agileres Projektmanagement und Vorgehen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion.

Vielen Dank für Deine Einblicke, Robert! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

#CTS2022: The climate solutions I didn’t know existed

Today on the CLIMATE TRANSFORMATION Summit’s agenda, we have “The climate solutions I didn’t know existed”.

The #CTS2022 is expected to be mind-blowing, and one of the reasons is the CLIMATE Online Fair, for which we reserved one and a half hours on both days of the Summit. During this time slot, attendees will be able to meet inspiring providers of climate solutions and learn about the solutions that are already out there. That’s right, we already have some of the technologies needed to slow down (to say to stop it would be too optimistic) climate change, even though we might not be aware of it!

In this blog entry, I would like to introduce you to some of the Exhibitors who will showcase their products and services at our Summit to give you an idea of the type of climate pioneers you will be able to meet.

MEET THE EXHIBITORS!

So here is a list with the first confirmed Exhibitors with their climate solutions at our Summit – and don’t forget: if you want to become one, you can apply here.

WHAT NOW?

I don’t know about you, but I already feel inspired by simply looking at all the climate solutions out there! I can’t wait to see what each exhibitor will prepare to customize their own Virtual Booth and I hope you will join us at our CLIMATE TRANSFORMATION Summit 2022 on 2nd & 3rd June!

Don’t forget to get your ticket here and see you there!

Unicorn Workspaces – Klimarelevant gestalten und Emissionen einsparen

Benjamin Nick, Unicorn Workspaces

Interviewpartner: Benjamin Nick ist seit 2017 als CSMO und Head of Event bei Unicorn Workspaces tätig. Er hat mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Start-up-Szene als Manager für digitales Marketing – und als Mitbegründer (50Hours und Soulfurniture).

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE berichtet er darüber, wie Unicorn Spaces seinen klimarelevanten Herausforderungen begegnet und welche Best-Practices das Unternehmen auf seiner Reise der Klimatransformation mithilfe des CLIMATE Performance Assessments identifizieren konnte.

Wir freuen uns, gemeinsam mit Unicorn die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen? 

Wir sind Unicorn Workspaces! In unseren privaten Team-Büros fühlen sich kleine bis große Teams wohl, können gesund wachsen und kriegen echten Service zum fairsten Preis. Ohne Schnickschnack – das ist unsere Vision, die wir täglich anstreben. In allen Unicorn Workspaces erwartet euch der Rundumservice samt eigenen Barista. Doch neben perfektem Milchschaum und kräftigem Bio-Espresso aus italienischen Siebträgermaschinen bieten unsere Barista mehr: Sie kümmern sich um alle Belange der Nutzer:innen und helfen bei der Einrichtung von Druckern, nehmen Post an, helfen bei Problemen und haben stets die richtige Antwort parat. Der Zugang zum Space und den Meetingräumen erfolgt mit Hilfe der Unicorn Workspace App für Android und iOS, kann aber auch über Schlüsselkarten gelöst werden. 

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Die klimarelevanten Herausforderungen, die wir im Alltag sehen und spüren, sind definitiv die Lieferketten- und Dienstleistungen, die durch uns und unsere Nutzer:innen täglich in Anspruch genommen werden. Hier achten wir bei Unicorn Workspaces gezielt darauf, Einkäufe von Produkten zu tätigen, die nicht nur regional, fair und bio sind, sondern auch auf die Verpackungen und Liefermöglichkeiten unserer Produkten. Wir lassen lieber in Großpackungen liefern und versuchen immer vorrätig und vorausschauend zu bestellen. Eine weitere Herausforderung sehen wir definitiv bei der Mülltrennung und Entsorgung in den einzelnen Workspaces. Da wir in den meisten Workspaces abhängig von den Eigentümern der Flächen sind, sind wir oft verpflichtet, uns deren Müllentsorgungsprozessen anpassen. Hier sind wir aber dabei, nachhaltige Prozesse zu gestalten. In den Workspaces, in denen wir selber Single Tenant sind, wie in unserem Neuköllner Village und Potsdamer Haus am Platz, achten wir gezielt darauf, dass unser Müll nicht nur getrennt, sondern auch ordnungsgemäß entsorgt wird. 

Gemeinsam haben wir das CLIMATE Performance Assessment durchgeführt. Was war eure Motivation dabei? 

Unsere Motivation lag bei unserer Selbsteinschätzung. Fragen wie: “Wo stehen wir als Unternehmen? Was sind unsere Ziele? Wie ist der Blick von außen?”, beschäftigt uns bei Unicorn Workspaces häufig. Da merken wir natürlich, wie viele Nutzer:innen sich für den Klimawandel interessieren und engagieren. Dieses Interesse teilen wir auch und möchten uns auch in die Richtung mehr einsetzen, um attraktiver für unsere Nutzer:innen dazustehen. Unicorn Workspaces ist ein Scale Up, das von Investor:innen abhängig ist. Wir möchten weiter aufsteigen, mit unseren Leistungen stets besser werden und unser Angebot fortlaufend vergrößern und klimarelevant gestalten. Investor:innen suchen gezielt nach Unternehmen die nachhaltig bewusst sind und die sich in die Richtung auch weiterentwickeln wollen. 

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Wir haben durch das CLIMATE Performance Assessment jetzt erkennen können, wo wir Potenzial haben und in welchen Bereichen wir Prioritäten setzen sollten. Dadurch können wir mit kleinen und schnellen Wins, Großes bewirken, um schließlich auch langfristige Maßnahmen anzustreben. Zum einen möchten wir gerne von einem externen dritten Anbieter unsere CO₂-Bilanz, wie auch eine Impact-Analyse durchführen lassen. Zum anderen möchten wir auch langfristig im Unternehmen unsere Klimastrategie verbessern und suchen dafür eine:n verantwortliche:n Klimabeauftragte:n für den Bereich Klimaschutz, wie auch kontinuierliche Weiterbildungen der Führungsebene ermöglichen. Das hilft uns dabei, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, in der wir kurze-, mittel- und langfristige Klimaziele für uns als Unternehmen definieren und Erfolge somit messbar werden.

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt? 

Unser größter Nachhaltigkeits-Impact ist wahrscheinlich, dass wir die Langlebigkeit von Gebäuden und Flächen von Büros deutlich erhöhen. Das würden wir gerne anderen Organisationen mit auf dem Weg geben. Große Büros, die nur teils genutzt werden sind weder für die Flächen, noch für die Nutzer:innen nachhaltig. Unter anderem möchten wir gerne unser Angebot von kurzen Verträgen und eine gute Preis-leistung Strategie weiterentwickeln, um mehr Aufmerksamkeit zu schaffen, damit mehr kleine Unternehmen, Start-Ups und gemeinnützige Unternehmen die Möglichkeit auf ein Teambüro haben. 

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Performance Assessment an.

Bildquelle: Unsplash

2022 – Herausforderungen der Dekarbonisierung meistern und Chancen der Klimatransformation nutzen!

Zur Jahreswende finden wir uns tief in den ersten Wehen der Klimatransformation wieder. Nachdem das Jahrzehnt genauso bedeutungsschwer wie radikal transformierend angefangen hat, verstärkte 2021 die zunächst zaghaften Veränderungen um ein Vielfaches. Ein Weg zurück ist ausgeschlossen. Das „New Normal“ bringt ein neues Klima-Risikobewusstsein für die 2020er mit sich, dass auf der einen Seite ganzheitliche Verantwortung bis in die Lieferkette hinein fordert und auf der anderen Seite grundlegende Transparenz fördert. Klimaversprechen allein reichen nicht mehr, vielmehr geht der Trend in Richtung: Datengetriebene Dekarbonisierung. Was heißt das für Unternehmen im nächsten Jahr genau? Hier eine Übersicht über die Herausforderungen und Chancen der Klimatransformation im Jahr 2022. 

Klimarisiko als stärkste Existensbedrohung erkennen 

Unternehmen stehen 2022 einem nie dagewesenen Klimarisiko gegenüber. Drastisch steigende CO2Preise, Reporting-Standards und Kundenanforderungen führen schon bei Betrieben mit wenigen hundert Mitarbeiter:innen zu unkalkulierbaren CO2-Kosten in Millionenhöhe, einem enormen Administrationsaufwand und Auftragsverlusten von gerade jenen einkaufsstärksten Kund:innen. Kurz: Die Existenzgrundlage einer Vielzahl an Unternehmen ist auf kurz oder lang bedroht. Nichtsdestotrotz bietet gerade dieser allumfassende Neuanfang die Chance in der neuen „Low carbon economy“ als Klimapionier durchzustarten. 

Dabei gilt es die folgenden drei Herausforderung zu meistern und Chancen zu nutzen.

3 Herausforderung der Dekarbonisierung

  1. Intransparente Klimadaten 
  2. Ungenaue Kosten- und Risikokalkulation 
  3. Unzureichende Erfüllung steigender Anforderungen

3 Chancen der Klimatransformation

  1. Transparente Klimadaten 
  2. Kollaboratives Lieferketten-Engagement 
  3. Klimaroadmap zur Dekarbonisierung 

Herausforderung: Intransparente Klimadaten steigern das Klimarisiko 

Zur Einschätzung des eigenen Klimarisikos spielt die eigene Lieferkette eine elementare Rolle. Hier entstehen typischerweise mehr als 90 % der Emissionen eines Unternehmens, die durch Produkte und Services eingekauft werden. Der exakte CO2-Fußabdruck kann also nur durch Daten aus der Wertschöpfungskette ermittelt und nur durch ihre aktive Mithilfe reduziert werden. Die Größe der Herausforderung ist dabei klar: Wertschöpfungsketten sind komplex und bestehen mitunter aus Tausenden klein und mittelständischen Unternehmen, die nur begrenzte Möglichkeiten haben, ihr Klimamanagement grundlegend zu strukturieren. Stand heute ist daher die notwendige Granularität der Klimainformationen aus der eigenen Lieferkette nicht gegeben, sodass mit Durchschnittswerten und rückwärtsgerichteten Metriken versucht wird, das eigene Risiko detailliert und zukunftsorientiert zu managen. Dass dies nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Kundenanforderungen bleiben unerfüllt und Reporting-Standards können nicht eingehalten werden, sodass Kosten steigen und Transformationsanforderungen weiter in die Zukunft verlagert werden. 

Chance: Die ganzheitliche Klimaleistung managen und langfristig wirtschaften 

Um die klimarelevanten Informationen und Anforderungen erfüllen zu können, müssen Unternehmen heute eine aktive Rolle in der Klimatransformation übernehmen. Als Konsequenz heißt das, dass sie nicht nur die Verpflichtung eingehen ihre eigenen Emissionen zu reduzieren, sondern auch die ihrer Wertschöpfungskette. Das Sammeln und Bereitstellen von transparenten, klimarelevanten Informationen und CO2-Daten entlang der Lieferkette ist daher heute die entscheidende Grundlage, um gemeinsam wirksame Dekarbonisierungsmaßnahmen umzusetzen und langfristig Kosten und Risiken zu reduzieren. Klimadaten müssen dabei granular und ganzheitlich erfasst werden, sodass Aussagen über zukünftige CO2-Reduktion möglich sind und Risiken langfristig managebar werden. 

Klimatransformation erfolgreich umsetzen

Nach den ersten zwei Jahren des entscheidenden Jahrzehnts der Klimatransformation stehen alle Zeichen auf Dekarbonisierung. Unternehmen müssen ihrer Rolle gerecht werden und nachweisen, wie und wann sie Emissionen reduzieren. Die Backbox Lieferkette kann dabei kein Schwarzes Loch der Transparenz bleiben und stellt ebenso Chance wie Risiko dar. Unternehmen, die sich jetzt als Pioniere positionieren und Marktanteile für sich gewinnen, unterstützen ihre Lieferant:innen, um gemeinsam die Datengrundlage für eine erfolgreiche Transformation bereitzustellen. 

Digitale Tools der Dekarbonisierung

Auf dem Weg in die regenerative Wirtschaft der Zukunft bieten gerade digitale Tools die Möglichkeit, die eigene Klimaleistung ganzheitlich, zukunftsorientiert und entlang internationaler Standards zu erfassen und mit nachfragenden Geschäftspartner:innen zu teilen. 

THE CLIMATE CHOICE bietet seinen Kund:innen eine plattformbasierte End-to-End-Lösung, um die eigene sowie die Klimaleistung ihrer Lieferant:innen, transparent abzubilden und vergleichbar zu machen. Auf diese Weise unterstützt die Software-Plattform den Aufbau klimakompatibler Lieferketten und Geschäftsbeziehungen. Hauptprodukt ist das CLIMATE Performance Assessment, aus dem Stärken und Potenziale sowie konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen abgeleitet werden. Digitale Schnittstellen ermöglichen die Einbindung in bestehende Einkaufssysteme und eine konsequente Emissionsreduktion in der eigenen Lieferkette. Durch den ganzheitlichen Ansatz ermöglicht THE CLIMATE CHOICE eine umfassende Klimatransformation entlang der Wertschöpfungskette und über unterschiedliche Industrien hinaus. Durch die Kombination aus klimafokussierter ESG-Ratingmethodik und intelligenter Plattformtechnologie bietet es einen einfachen und unkomplizierten Zugang, der Einkäufer:innen, Klimabeauftragte und Entscheider:innen befähigt, ihre Lieferkette dauerhaft klimakompatibel zu strukturieren.

Fazit

Die CLIMATE Data Platform ermöglicht es Unternehmen, tief in das Klimamanagement einzusteigen und ihre Dekarbonisierungsmaßnahmen voranzutreiben. Wir ermöglichen eine reiche Zusammenarbeit zwischen der Wertschöpfungskette und den einkaufenden Unternehmen. Auf diese Weise befähigen wir Unternehmen zu Klimameistern, die die Klimatransformation erfolgreich gestalten! Wir laden Dich ein, der Klima-Community beizutreten, jetzt!

Du willst mehr darüber erfahren, wie die Software-Tools von THE CLIMATE CHOICE Dein Unternehmen bei der Klimatransformation unterstützen können? Dann kontaktiere uns.

Bildquelle: Unsplash

2021 im Rückblick – Die wichtigsten Erkenntnisse und Trends der Klimatransformation

Zahlreiche Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr Klimaziele gesetzt und arbeiten seither an konkreten Maßnahmen für eine ganzheitliche CO2-Reduktion. Was haben sie dabei konkret über die Umsetzung von Klimazielen gelernt? Und welche Trends und Herausforderungen zeichnen sich für 2022 ab? Zusammen mit unserer Partnerin B.A.U.M. e.V haben wir im finalen CHOICE Event #32 gemeinsam mit Expert:innen der Unternehmen Miele, Telefónica und Henkel Antworten auf diese Fragen gesucht und das Jahr 2021 Revue passieren lassen. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte, zusammengefasst in 4 spannenden Trends für das Jahr 2022.

#1 Kreislauffähige Herstellungsprozesse – Verpackung neu denken

Lilith Lauk

“Worauf es ankommt: Teamwork! Wir arbeiten mit Händlern und Rohstofflieferanten zusammen, um gemeinsam innovativer zu werden und Ressourcen wieder aufzuarbeiten.”

– Lilith Lauk, Circular Economy bei Henkel

Henkel verfolgt eine ganzheitliche Strategie zur Förderung der Circular Economy, indem das Unternehmen nachhaltige Verpackungen entwickelt und verwendet. Der Bereich Verpackung muss dafür von den Rohstoffen über die Herstellung bis hin zu den Endkund:innen ganzheitlich betrachtet werden. Um Verpackungen kreislauffähig und damit ressourcenarm zu gestalten, bemüht sich das Unternehmen, Rohstoffe so zum Einsatz zu bringen, dass sie nach der Nutzung wiederverwendbar sind. Vor allem lässt sich in diesem Bereich ein Trend in Richtung Monomaterial identifizieren. Da die Verpackung in diesem Fall aus lediglich einem Material bestehen, lässt sich dieses im Nachgang unkomplizierter recyceln und zu neuen Rohstoffen weiterverarbeiten. Die Grundvoraussetzung für eine kreislauffähige Verpackungsherstellung ist es dabei, den verbleibenden Abfall nicht als solchen zu betrachten, sondern als Potenzial zur Rohstoffgewinnung. 

#2 Beste Energieeffizienz und Langlebigkeit der Produkte

Christoph Wendker

“Wir fokussieren uns auf die Energie- und Wasserverbrauchsreduktion bei der realen Nutzung der Produkte im Haushalt sowie darauf, den Produktlebenszyklus auch mit über die gesamte Lebenszeit der Produkte verfügbare Reparaturleistungen zu verlängern.”

Christoph Wendker, Vice President Corporate Sustainability and Regulatory Affairs bei Miele

Bei Miele stehen beim Thema Nachhaltigkeit vor allem die Klimastrategie sowie Langlebigkeit ihrer Produkte im Vordergrund. Das Unternehmen beschäftigt sich schon seit den 1990er Jahren intensiv mit dem Thema Klimaschutz. Es veröffentlicht seit 2002 Berichte und Ziele zum Thema Nachhaltigkeit und verfolgt seit 2011 eine konkrete Strategie zur CO2-Emissionsreduktion im Unternehmen. Als einziger Anbieter in der Branche testet Miele die eigenen Großgeräte auf 20 Jahre Lebensdauer und weist das auch nach. Der Fokus liegt also auf der Langlebigkeit der Produkte. Um in Serie zu gehen, müssen Produkte in anspruchsvollen Dauer- und Belastungstests ihre Zuverlässigkeit beweisen. In die Klimabilanz des Unternehmens gehen auch die Emissionen ein, welche durch die Nutzung der Produkte entstehen, sowie Serviceleistungen wie Reparatur und Ersatzteilproduktion. Dies macht bis zu 83 % der gesamten Klimaauswirkung des Unternehmens aus. Daher fokussiert sich Miele zudem seit langem darauf, die Energieeffizienz der eigenen Produkte zu steigern: seit dem Jahr 2000 bis heute konnte Miele im Schnitt rund 55 % Energieeinsparung bei den Geräten erreichen und plant bis 2030 noch einmal eine Reduktion um 15 %.

#3 Mit digitalen Tools CO2 in der Lieferkette reduzieren

Joachim Sandt

“Das Pilotprojekt mit THE CLIMATE CHOICE kann wichtige Erkenntnisse für die Dekarbonisierung von Telefónica Deutschland im Scope 3 liefern. Unseren Lieferanten bietet es Unterstützung bei ihrer Klimatransformation und wir können mehr Transparenz und vergleichbare Daten über die Klimaleistung in unserer Lieferkette erhalten.”

– Joachim Sandt, Umweltbeauftragter bei Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland möchte für ihre Klimastrategie die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um Rohstoffe und Energie einzusparen. Das Unternehmen strebt an, die Klimaauswirkungen der eigenen Unternehmenstätigkeiten bis in die Lieferkette hinein nachzuvollziehen und auf dieser Basis ganzheitlich Emissionen zu reduzieren. Telefónica möchte so zu einem Klima-Vorreiter in der deutschen Telekommunikationsbranche werden und einen Trend setzen. Denn es hat bereits erkannt: Die Branche kann eine wesentliche Rolle für die Dekarbonisierung der Wirtschaft spielen. Telefónica Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2025 klimaneutral zu wirtschaften. Daher investiert es schon heute in energieeffiziente Technik, fördert eine schadstoffarme Mobilität und bietet Kund:innen zunehmend nachhaltige Produkte und Dienstleistungen an. Um effiziente Dekarbonisierungsmaßnahmen nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch entlang der Lieferkette umzusetzen, hat der Mobilfunkanbieter ein Partnerprogramm mit THE CLIMATE CHOICE gestartet. Im Rahmen des Projekts konnten mithilfe eines neuen Software-Tools erfolgreich klimabezogene Risiken und Potenziale ausgewählter Lieferanten identifiziert und eine strategische Grundlage für die Dekarbonisierung von Telefónica Deutschland im Scope 3 gelegt werden.

#4 Durch Klimadaten Transparenz schaffen und Zusammenarbeit fördern 

Lara Obst

“Die eigene Klimaleistung zu verbessern bedeutet nicht, top-down eine Datenabfrage durchzuführen, sondern aktiv Lieferanten einzubinden, zu unterstützen und gemeinsam in die Dekarbonisierung zu kommen.”

Lara Obst, Gründerin von THE CLIMATE CHOICE

Getrieben von politischen Regulationen und steigenden Anforderungen von Kund:innen sowie Investor:innen werden Unternehmen heute zunehmend aufgefordert, Transparenz bezüglich ihrer Klimawirkung zu schaffen. Da eine ganzheitliche Klimadatenanaylse für Unternehmen noch immer eine Herausforderung darstellt und insbesondere der Mittelstand hierfür oftmals nicht über die notwendigen Ressourcen verfügt, bietet THE CLIMATE CHOICE mit einem kollaborativen Software-Tool ein handlungsorientiertes Rahmenwerk für die Lieferkettendekarbonisierung. Entlang internationaler Standards ermöglicht der Climate Readiness Check es Unternehmen und ihren Lieferanten, ihren Klimareifegrad zu identifizieren und gemeinsam Dekarbonisierungsmaßnahmen einzuleiten. Die ganzheitlich Datenabfrage schließt dabei u. a. sowohl die Klimastrategie Unternehmens als auch die Wirksamkeit des Klimamanagements mit ein. Damit unterstützt THE CLIMATE CHOICE Unternehmen dabei, die eigene Klimatransformation entlang der gesamten Lieferkette und in Kooperation mit Lieferanten voranzutreiben.

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Berichtspflicht für klimarelevantes Wirtschaften – Was kommt auf Unternehmen zu?

Die Klimatransformation der Wirtschaft rückt auf sämtlichen Agenden stetig nach oben. Nicht nur Unternehmen und Konzernen wird bewusst, welch zentrale Rolle ganzheitlicher Klimaschutz und klimarelevantes Wirtschaften jetzt schon spielen. Auch die Politik fordert Unternehmen und Organisationen künftig auf, Umweltstandards einzuhalten und Berichtspflichten nachzukommen. Diese rechtlichen Rahmenwerke stellen nicht nur neue Anforderungen, sondern auch hilfreiche Leitlinien zur Umsetzung von klimarelevantem Wirtschaften dar. Unternehmen stehen jetzt vor der Herausforderung, die verschiedenen Gesetze und ihre Bedeutung für die eigene Unternehmenstätigkeit zu verstehen.

Im Folgenden stellen wir Dir fünf aktuelle Rahmenwerke für unternehmerischen Klimaschutz vor. Finde heraus, wie Unternehmen sich nicht nur auf künftige Vorgaben vorbereiten, sondern auch die dadurch entstehenden Chancen für die eigene Zukunft nutzen können.

Rechtliche Anforderungen für klimarelevantes Wirtschaften

Gültig seit: Juni 2017 (auf freiwilliger Basis)

Die Expert:innenkommission der „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ (TCFD) veröffentlichte Juni 2017 konkrete Orientierungshilfen und Empfehlungen für eine einheitliche und vergleichbare, zunächst freiwillige Berichterstattung klimarelevanter Belange. 

Die TCFD fordert Unternehmen auf, klimabezogene finanzielle und materielle Risiken und Chancen transparent zu kommunizieren. Mit elf konkreten Empfehlungen, welche vier Bereiche des einzelnen Unternehmens betreffen (Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele), bietet die TCFD die Chance für Unternehmen, durch Anpassung in diesen Bereichen die eigene Klimaresilienz zu erhöhen. Ziel ist es, Unternehmen zu befähigen, klimabezogenen Risiken zu begegnen und durch die Optimierung von Prozessen und Strukturen neue Geschäftschancen zu entdecken. Darüber hinaus lässt sich so eine einheitliche und vergleichbare Berichterstattung ermöglichen und das Vertrauen von Investor:innen und Kreditgeber:innen in Unternehmen stärken.

2. Fit-for-55 Paket

Gültig seit: Juni 2021

Im Zuge des Pariser Klimaabkommens von 2015 hat die EU ein neues Klimaziel für 2030 beschlossen: Die EU-Länder haben sich im Juni 2021 dazu verpflichtet, die Netto-Treibhausgase bis 2030 um 55 % – statt vorher um 40 % – im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu reduzieren. Dafür wurde das Fit-for-55-Klimapaket vorgestellt, durch welches die Ziele des European Green Deals umgesetzt werden sollen.

Der umfassende Gesetzesentwurf sieht eine Überarbeitung sämtlicher bestehender Politikinstrumente sowie die Einführung neue Regularien vor. Das bedeutet, dass der Europäische Klimaschutz-Rechtsrahmen an das neue Ziel angepasst wird, z. B. in Bereichen wie dem EU-Emissionshandel, der Verordnung über Landnutzung und Forstwirtschaft oder den Richtlinien zu erneuerbaren Energien.

Neben der Anpassung und Weiterentwicklung der bestehenden Klimaschutzverordnung (Effort Sharing Regulation, kurz ESR) – unter anderem im Straßenverkehr, im Gebäudesektor und in der Agrarwirtschaft – sieht das Fit-for-55-Paket einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Bis 2030 sollen rund 40 % des EU-Bruttoverbrauchs durch erneuerbare Energien erzeugt werden, statt dem bisher geplanten Ziel von 32 %.

3. EU-Taxonomie

Gültig ab: Januar 2022

Bei der EU-Taxonomie handelt es sich um ein einheitliches Klassifizierungssystem für klimarelevante ökonomische Aktivitäten. Das Rahmenwerk übersetzt Klima- und Umweltziele der EU in einen konkreten Kriterienkatalog. Ziel der EU-Taxonomie ist es, Wirtschaftsaktivitäten auf ihre Klimawirkung zu prüfen und klimakompatible ökonomische Aktivitäten durch klare Vorgaben zu erleichtern. Die EU-Taxonomie gilt ab dem Jahr 2022 für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. 

Konkret bedeutet dies: Vorgaben des EU Green Deals sind in klaren Kriterien für Investment- und Wirtschaftsentscheidungen abgebildet. Die EU-Taxonomie legt konkrete Grenzwerte bzw. technische Überprüfungskriterien für Wirtschaftsaktivitäten fest. Dabei orientiert sie sich stark an den sechs Umweltzielen der EU:

  1. aktiver Klimaschutz
  2. Schutz von Wasserressourcen
  3. Verschmutzungskontrolle
  4. Anpassung an Klimawandel
  5. Zirkuläre Wirtschaft
  6. Schutz von Ökosystemen

Eine Wirtschaftsaktivität wird von der EU-Taxonomie als nachhaltig eingestuft, sobald sie mindestens eines der Umweltziele unterstützt und dabei keines der anderen signifikant beeinträchtigt. Darüber hinaus müssen Mindeststandards eingehalten werden. Somit bietet die Taxonomie präzise Anhaltspunkte für klimarelevantes Wirtschaften und hilft mit der gesteigerten Transparenz Investor:innen und Unternehmen dabei, die Klimawirkung von Wirtschaftsaktivitäten realistisch einzuschätzen.

4. Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Gültig ab: November 2022

Im April dieses Jahres veröffentlichte die Europäische Kommission ihren Vorschlag für eine Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), welche in Zukunft die bisher geltende Nonfinancial Reporting Directive ersetzen soll. Die EU-weite Berichtspflicht soll ab Mitte 2022 für alle großen Unternehmen ab 250 Mitarbeiter:innen im Jahresdurchschnitt oder kleine und mittlere kapitalmarktorientierte Unternehmen (mit der Ausnahme von Kleinstunternehmen) gelten. Dies wird deutschlandweit laut Schätzungen rund 15.000 Unternehmen betreffen.

In Form von Nachhaltigkeits-Reports sind berichtspflichtige Unternehmen dazu aufgefordert, relevante Informationen zur Strategie, dem eigenen Geschäftsmodell, klimabezogener Risiken sowie Chancen transparent zu machen. Darüber hinaus sollen Nachhaltigkeitsziele und Fortschritte offengelegt sowie die Umsetzung eines funktionalen Klimamanagements dokumentiert werden. Zudem verlangt die CSRD eine externe Prüfungspflicht, welche die Richtigkeit der Angaben sichern soll.

Ziel der CSRD ist es, Transparenz zu schaffen und Investor:innen und Stakeholder:innen vergleichbare Informationen zu klimabezogenen und ökologischen Belangen offen zugänglich zu machen. So sollen Kapitalströme zunehmend in nachhaltige Geschäftsmodelle gelenkt werden.

5. Lieferkettenschutzgesetz

Gültig ab: Januar 2023

Ab 2023 verpflichtet das Lieferkettenschutzgesetz zunächst Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten dazu, Sozial- und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette einzuhalten. Unternehmen sind aufgefordert, die Arbeitsbedingungen und Umweltbelange der Lieferant:innen zu überprüfen und die Produktionsverfahren kritisch zu hinterfragen. 

Das Gesetz sorgt erstmals dafür, dass Unternehmen nicht nur auf freiwilliger Basis, sondern aufgrund rechtsverbindlicher Vorgaben verantwortungsbewusst handeln. Dazu gehört die Umsetzung eines wirksamen Risikomanagements sowie die Durchführung von Risikoanalysen für die eigenen Geschäftsbereiche und die mittelbaren sowie unmittelbaren Lieferant:innen. Die Vorgaben des Lieferkettenschutzgesetzes regen so zur engen Zusammenarbeit mit den Lieferant:innen an. Da bis zu 90 % der Emissionen eines Unternehmens entlang der Wertschöpfung entsteht, stellt die kritische Beleuchtung der eigenen Lieferkette und darauf basierende Optimierungsprozesse einen großen Hebel für klimarelevantes Wirtschaften dar und birgt große Chancen, die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Der Einstieg in die Klimatransformation für Dein Unternehmen

Fazit: Die Politik fordert Unternehmen künftig dazu auf, die unternehmenseigenen Klimabelange transparent offenzulegen. Damit die Anforderungen und Berichtspflichten auch für Unternehmen in der Praxis umsetzbar sind, ist es im ersten Schritt wichtig, die Klimaleistung der eigenen Geschäftstätigkeit sowie auch entlang der gesamten Lieferkette zu analysieren und Handlungsfelder zu identifizieren. 


Dies ermöglicht der CLIMATE Readiness Check. Das software-basierte Klimaperformance-Rating unterstützt Dein Unternehmen dabei, die eigene Klimaleistung bis in die Lieferkette hinein zu messen, wichtige Reduktionspotenziale aufzudecken und gesetzte Klimaziele in konkrete Handlungsschritte zu übersetzen.

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

Klimafreundliche Geschäftsreisen – CO2 reduzieren und vermeiden

Gastbeitrag. Zum Autor:

Fredrik Brüggen

Fredrik Brüggen hat „Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt“ in Kiel studiert. Nach seinem Master ist er nach Berlin gegangen, um beim „InfraCert – Institut für Nachhaltige Entwicklung“ zur nötigen Transformation des Gastgewerbes beizutragen. 

In diesem Gastbeitrag spricht Fredrik über klimafreundliche Reiseoptionen, die für Unternehmen auf dem Weg der Klimatransformation eine immer größere Rolle spielen. Die wichtigsten Best Practices erleichtern dabei den schwierigen Weg von der guten Absicht zur klimakompatiblen Handlung – sowohl für die eigenständige Reiseplanung von Arbeitnehmer:innen als auch für die Gestaltung einer Reiserichtlinie. Zu diesem Zweck geht Fredrik die üblichen Stationen einer Dienstreise durch und erklärt, wo verborgenes Potenzial gehoben werden kann.

Vor Reiseantritt

Alle nutzen digitale Formate, keiner mag sie. So lassen sich die Ergebnisse der VDR Geschäftsreiseanalyse 2021 pointiert wiedergeben. Die Digitalisierung wird demnach das Reisen und den persönliche Kontakt auf absehbare Zeit nicht vollständig ersetzen wird können. Mit Blick auf unternehmerische Klimaziele gilt es jedoch, Reisen so gut es geht zu priorisieren. Dabei hängt die Entscheidung immer vom Einzelfall und ohne Reiserichtlinie nicht selten vom Bauchgefühl der Mitarbeitenden ab, sodass sich kaum Richtlinien zur Priorisierung formulieren lassen, die über gesunden Menschenverstand hinausgehen würden. 

Dennoch folgender Tipp: Ein persönliches Emissionsbudget kann bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Als Größenordnung bietet sich die Menge an Treibhausgasen an, die durch eigene Reiseaktivität im vergangenen Jahr entstanden ist. Es empfiehlt sich dann, ein realistisches, aber anspruchsvolles Reduktionsziel zu wählen. So kommt im Laufe des Jahres nicht die ungleich schwerere Frage auf, ob diese konkrete Reise wirklich sein muss, sondern ob diese Reise einen solchen Anteil aus meinem Budget wert ist – mit der Aussicht, am Ende für vielleicht wichtigere Anlässe keinen Spielraum mehr zu haben.

CO2-arm von A nach B

Wurde eine Reise als absolut notwendig festgelegt, steht die Auswahl eines Transportmittels an. Allgemein bekannt dürfte sein, dass der Inlandsflug mehr Treibhausgase pro Person produziert als die Bahnfahrt. Aber nicht nur das Transportmittel macht einen Unterschied, sondern auch die Klasse, in der man reist. Bei der Bilanzierung von Flugreise-Emissionen werden die Gesamtemissionen der Strecke durch den Raum, den eine Person einnimmt, geteilt. Der ist in der Business-Class größer als in der Economy-Class, weshalb auch die bilanzierte Emissionsmenge größer ist. Durch die Wahl der Economy-Class bzw. der 2. Klasse in der Bahn in Kombination mit einer geschickten Routenplanung, bei der mehrere Termine auf einer Tour erledigt werden, kann das volle Einsparpotenzial ausgeschöpft werden.

Nachhaltige Übernachtungsmöglichkeiten

Ob Hotels nachhaltig arbeiten oder nicht, ist für den Gast vorab schwer zu erkennen. Vor Ort fällt immerhin auf, ob regionale Produkte oder energiesparende LED-Beleuchtung verwendet werden, die weitaus emissionsintensiveren Prozesse jedoch bleiben üblicherweise verborgen. Denn zur Herkunft des Stroms oder zum Abfallentsorgungssystem gibt es meist keine öffentlich einsehbaren Informationen und selbst wenn Selbstauskünfte vorliegen, sind sie für den Gast nicht ohne weiteres überprüfbar. Zertifizierungsprogramme wie das des deutschen Marktführers GreenSign bieten Sicherheit in der Hotelauswahl. Auch die Großen der Buchungsbranche, Booking.com und Google, haben den Bedarf erkannt und machen inzwischen nach internationalen Standards zertifizierte Hotels als solche kenntlich. Daneben existieren aber auch explizit auf die Vermittlung nachhaltiger Hotels spezialisierte Anbieter wie etwa greenline hotels.

Verpflegung und Verpackung

Für die Verpflegung und Verpackungen unterwegs gilt das gleiche wie zu Hause: Je mehr tierische Produkte die Mahlzeit enthält, desto schlechter ist der ökologische Fußabdruck. Bio, regional und saisonal sind aus Umweltsicht meist die bessere Alternative und eine kleine Menge biologisch abbaubarer Verpackungen ist einer großen Menge Müll, der nur verbrannt werden kann, vorzuziehen. Mit der Wahl eines nachhaltig arbeitenden Hotels sinkt bereits die Wahrscheinlichkeit, am Frühstücksbuffet vermehrt auf Einwegverpackungen zu treffen. Für Mahlzeiten außerhalb der Hotelgastronomie sind Restaurantzertifizierungen wie greentable willkommene Lotsen. Und wenn es doch eher ein Imbiss auf die Schnelle wird, helfen die eigene Trinkflasche und Edelstahldose bei der Müllvermeidung. 

Nachbereitung

Zu Hause angekommen beginnt die Nachbereitung, denn der erste Schritt zur Reduktion der verursachten Umweltbelastung besteht in der Erfassung derselben. Auf diese Weise lässt sich auch leicht der Referenzwert für das persönliche CO2-Budget im Folgejahr ermitteln. Idealerweise steht dafür firmenseitig ein geeignetes Dokumentationssystem zur Verfügung – falls nicht, wäre dies ein guter Anlass, eines einzurichten. Zudem machen es Mobilitätsunternehmen wie die Deutsche Bahn sehr leicht, ihre Emissionen zu erfassen. Über deren Geschäftskundenportal besteht die Möglichkeit, eine Umweltbescheinigung über die Jahreskilometer zu erhalten und auch Fluggesellschaften bieten die Berechnung der verursachten Emissionen und deren Kompensation an.

Zusammenfassung

Die Checkliste für die nächste Reise(richtlinie):

  1. Emissionsbudget aufstellen.
  2. Notwendigkeit der Reise überprüfen.
  3. Möglichst umweltverträgliches Verkehrsmittel nutzen, Strecken klug planen.
  4. Hotel mit Nachhaltigkeitszertifikat buchen.
  5. Emissions- und müllarme Gastronomieangebote nutzen.
  6. Emissionen und Verbräuche sorgfältig dokumentieren.

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Klimarelevante Beschaffung – 5 praktische Tipps für die Umsetzung

Wer effizient Emissionen reduzieren und Einsparpotenziale heben will, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Denn ein Großteil der Emissionen entsteht nicht intern im Unternehmen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen und Einzelteilen. Die indirekt entstehenden Emissionen anzugehen und die eigene Lieferkette kritisch zu hinterfragen, ist somit ein entscheidender Schritt in Richtung Dekarbonisierung des eigenen Unternehmens.

Klimapolitik fordert verantwortungsvolle Beschaffungspraxis von Unternehmen

Dies fordert nun auch die Politik. Das von der Bundesregierung beschlossene Lieferkettengesetz verpflichtet zunächst Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten ab 2023 dazu, entlang der gesamten Lieferkette Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten. Aber nicht nur neue gesetzliche Vorgaben üben Druck aus: Unternehmen müssen künftig den wachsenden Erwartungen verschiedenster Interessensgruppen gerecht werden. Kund:innen und Konsument:innen legen zunehmend Wert auf die nachhaltige Produktion der Waren. Darüber hinaus orientieren sich auch Investor:innen immer mehr an klimarelevanten Standards. 

Um all diesen Herausforderungen zu begegnen, hilft nur eine ganzheitlich klimakompatible Beschaffung. Während die konventionelle Einkaufspraxis hauptsächlich darauf bedacht ist, eine hohe Qualität zu einem möglichst niedrigen Preis zu erwerben, fokussiert sich eine klimarelevante Beschaffung zusätzlich darauf, ökologische Faktoren in Kaufentscheidungen einzubeziehen. Dazu gehört auch, Verantwortung für die sozialen und klimabezogenen Praktiken der Lieferant:innen zu übernehmen. 

Die Chancen der klimakompatiblen Beschaffung für Dein Unternehmen 

Viele Unternehmen unterschätzen die Chancen einer klimarelevanten Beschaffung. Dabei bietet eine nachhaltige Einkaufspraxis und die Vernetzung mit klimaneutralen Lieferant:innen großes Einsparpotenzial für Unternehmen. Eine enge Zusammenarbeit mit Lieferant:innen ermöglicht eine verlässliche Versorgung und reduziert Risiken, wie Kostenschwankungen oder Lieferunterbrechungen. Eine verantwortungsvolle Ressourcengewinnung und -verarbeitung ermöglicht nicht nur energie- und ressourcenschonende Arbeitsweisen. Sie steigert auch die Reputation eines Unternehmens sowie die Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die eine klimarelevante Beschaffung als zentralen Bestandteil des Lieferkettenmanagements umsetzen, erzielen so auch zunehmend Wettbewerbsvorteile und minimieren Risiken.

Klimarelevante Beschaffung – Wie funktioniert das?

Die Einkaufspraxis in einem Unternehmen klimakompatibel zu gestalten, bedeutet, soziale, ethische und vor allem ökologische Leistungsfaktoren in den Prozess der Lieferant:innenauswahl und die gesamte Beschaffungsstrategie zu integrieren. Ziel ist es, Produkte und Dienstleistungen so zu beschaffen, dass von der Herstellung bis zur Entsorgung ökologische, soziale und ökonomische Faktoren berücksichtigt werden und so geringe Umweltbelastungen wie möglich entstehen. Ein nachhaltiges Beschaffungsbetriebsmodell ist vor allem darauf ausgelegt, dass jedes Element des konventionellen Beschaffungsprozesses durch klimarelevante Aktivitäten ergänzt wird.

Dazu gehört nicht nur der Aufbau starker und langfristiger Lieferant:innenbeziehungen. Relevant ist auch die Schulung von Mitarbeiter:innen und die Investition in digitale Tools, um sowohl Kosten- als auch Nachhaltigkeitstransparenz in der gesamten Lieferkette zu ermöglichen. Klimarelevante Daten und Kennzahlen entlang der Lieferkette transparent zu machen, bildet die Grundlage, um daraufhin spezifische Lösungen zu entwickeln und Prozesse anzupassen.

Im Folgenden zeigen wir Dir fünf relevante Schritte auf, die für die Zusammenarbeit mit Lieferant:innen den Unterschied machen.

5 praktische Schritte, um nachhaltige Beschaffung umzusetzen

1. Lieferkette analysieren und Ziele setzen

Die umfassende Analyse der eigenen Lieferkette ist der erste Schritt, um einen Überblick über die Klimaleistung des Unternehmens entlang der gesamten Wertschöpfung zu schaffen. So kannst Du soziale und ökologische Auswirkungen der eigenen Unternehmenstätigkeit besser einschätzen. Basierend darauf kann Dein Unternehmen Ziele setzen und individuelle Maßnahmen festlegen. In Übereinstimmung mit der eigenen Geschäftspolitik lässt sich eine klare Vision entwickeln, wie klimarelevanter Einkauf im Unternehmen umgesetzt werden soll.

2. Erwartungen an Lieferant:innen kommunizieren

Indem Du die eigenen Anforderung an die Lieferant:innen beispielsweise in einem Verhaltenskodex festhältst, kannst Du die Erwartungen von Unternehmensseite klar kommunizieren und transparent darstellen. Ein Verhaltenskodex fungiert als Maßstab für das gewünschte Leistungsniveau. Er gibt verbindliche Richtlinien für soziale und ökologische Standards für Lieferant:innen vor. Auch bei der Auswahl von Lieferant:innen gilt es, deren Klimaleistung entlang der Kriterien zu betrachten und in den Auswahlprozess einzubeziehen.

3. Umsetzung einer klimakompatiblen Beschaffung durch Kooperation mit Lieferant:innen

Eine enge und vertrauensvolle Beziehung zu Lieferant:innen gelingt vor allem dann, wenn Du nicht nur Anforderungen stellst, sondern sie auch in der Umsetzung dieser unterstützt. Laut einer Studie von Global Compact birgt eine enge Zusammenarbeit mit Lieferant:innen große Chancen, um wertvolle Potenziale aufzudecken und Risiken zu minimieren. Unternehmen kooperieren pro-aktiv und systematisch mit allen Lieferant:innen, skizzieren gemeinsam mit ihnen Herausforderungen und entwickeln passende und individuelle Lösungsansätze. Dies sorgt ebenso dafür, dass Lieferant:innen selbst für verantwortungsvolles Handeln sensibilisiert und über geschäftliche Vorteile aufgeklärt werden. Darüber hinaus werden sie dazu motiviert, auch in der eigenen Einkaufspraxis zunehmend Sozial- und Umweltstandards zu berücksichtigen. 

4. Monitoring und Evaluierung von Maßnahmen

Durch eine kontinuierliche Beobachtung der laufenden Maßnahmen kannst Du Erfolge messbar machen und positive Entwicklungen aufzeigen. Darüber hinaus lassen sich so auch gegebenenfalls Prozesse anpassen und Maßnahmen weiterentwickeln. Auf Basis einer regelmäßigen Bewertung der Einrichtungen und Praktiken der Lieferant:innen kann in enger Zusammenarbeit mit ihnen die eigenen Geschäftspraktiken optimiert werden. 

5. Transparenz schaffen

Um als Unternehmen zukunftsfähig zu sein, ist es nicht nur wichtig, eine klimakompatible Unternehmenstätigkeit zu entwickeln, sondern diese auch nach außen zu kommunizieren. Auf diese Weise kannst Du Vertrauen zu allen Stakeholder:innen aufbauen und als inspirierendes Beispiel vorangehen. Aber auch politische Regulationen wie die EU-Taxonomie werden Unternehmen künftig zunehmend dazu verpflichten, ihre eigene Klimaperformance in jährlichen Berichten offenzulegen.

Fazit: Eine klimarelevante Beschaffungsstrategie bietet Deinem Unternehmen die Chance, entlang der gesamten Lieferkette Emissionen einzusparen und als Unternehmen klimakompatibel zu wirtschaften. Dabei spielt die enge Kooperation mit Lieferant:innen eine große Rolle. Nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit können klimarelevante Faktoren berücksichtigt und gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

Du möchtest Beschaffungsprozesse in Deinem Unternehmen optimieren und die Klimatransformation Deines Unternehmens vorantreiben? Der CLIMATE Readiness Check unterstützt Dein Unternehmen dabei, die eigene Klimaleistung bis in die Lieferkette hinein zu messen und wichtige Reduktionspotenziale aufzudecken. Mache jetzt ein kostenloses Gespräch mit uns aus und lerne unsere Software zur Dekarbonisierung von Unternehmen und ihrer Lieferkette kennen. 

Circular Economy – als ganzheitlicher Ansatz im Unternehmen

Circular Economy ist ein zentraler Treiber für den Wandel zu klimarelevantem Wirtschaften – und doch ist laut dem Circularity Gap Report 2021 erst 8,6 % der Weltwirtschaft zirkulär. Wie transformieren wir also lineare Wertschöpfung und Arbeitsweisen in eine nachhaltigere und profitablere Kreislaufwirtschaft?

Beim CHOICE Event #27 haben Katharina Rybkina und Alexander Appel von MHP über die großen Chancen zirkulärer Prozesse gesprochen und erklärt, welche digitalen Aspekte hierfür entscheidend sind. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte aus ihrem Vortrag über Circular Economy als ganzheitlicher Ansatz im Unternehmen.

Warum Circular Economy?

Um zu verstehen, warum Kreislaufwirtschaft überhaupt relevant und erstrebenswert ist, hilft ein Blick auf die jährlich herausgegebenen Zahlen des Earth Overshoot Day. Der Earth Overshoot Day bezeichnet den Zeitpunkt, an dem der globale Ressourcenverbrauch des Menschen die eigentlich pro Jahr zur Verfügung stehenden Kapazitäten der Erde übersteigt. Nach dieser Statistik würden wir im Jahr 2021 ungefähr 1,7 Erden brauchen, um unseren aktuellen Ressourcenbedarf zu decken. Wir leben also klar über unsere Verhältnisse und müssen dringend Maßnahmen ergreifen, damit dieser Tag am besten gar nicht mehr im Kalenderjahr erscheint.

Aber auch abgesehen von den endlichen Ressourcen unseres Planeten bietet Circular Economy große Chancen für den Klimaschutz und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Denn nach einer Studie der Ellen MacArthur Foundation (2019) kann die Transformation zu erneuerbarer Energie und steigende Energieeffizienz letztlich nur bis zu 55 % der Emissionen vermeiden. Die verbleibenden 45 % der Emissionen entstehen durch Produkte des täglichen Gebrauchs. Um hier ebenfalls drastisch CO2-Emissionen zu reduzieren, kann Circular Economy einen großen Beitrag leisten – laut Studie lassen sich so wiederum 45 % dieses Anteils vermeiden.

Zu alledem bietet die Kreislaufwirtschaft auch wirtschaftliche Vorteile für das eigene Unternehmen. So führt ein niedrigerer Verbrauch einerseits zu Kostensenkungen und macht das Unternehmen andererseits resilienter im Hinblick auf die zukünftig steigende globale Ressourcenknappheit. Dazu führt eine datengetriebene Circular Economy zu mehr Transparenz und Nachverfolgbarkeit in den eigenen Prozessen und somit letztlich zu besserer Planungssicherheit.

Herausforderung: Komplexität industrieller Produkte

Wie können wir es nun schaffen, die lineare Wertschöpfung ganzheitlich zu einem zirkulären Prozess zu transformieren? Zunächst gilt es hierbei eine große Hürde zu überwinden: die hohe Komplexität industrieller Produkte. Allein in einem Auto sind zum Beispiel bereits ca. 10.000 Einzelteile verbaut. Hinzu kommt, dass der Autohersteller den Großteil dieser Einzelteile gar nicht selber produziert, sondern rund 80 % von Lieferant:innen einkauft. So wird es für das einzelne Unternehmen extrem schwierig, Transparenz in der genauen Bauteilzusammensetzung herzustellen, welche jedoch grundlegend für eine Circular Economy ist. Um diese auch in Zukunft weiter steigende Komplexität in den Begriff zu bekommen, braucht es vor allem eins: die strukturierte Erfassung und Nutzung von Daten.

Daten als Enabler der Circular Economy

Die Circular Economy der Zukunft steht und fällt also mit der Digitalisierung und der entsprechend nachhaltigen Ausrichtung des gesamten Operating Models eines Unternehmens. Für diesen ganzheitlichen Ansatz müssen sämtliche Dimensionen der Wertschöpfung betrachtet und miteinander in Verbindung gesetzt werden. Neben dem Geschäftsmodell, Produkte & Services, Prozesse und Organisation spielt die Datenebene dabei die entscheidende Rolle, welche alle anderen Dimensionen durchdringt. 

Bereits in der Innovationsphase und der Erstellung des Produkt- oder Geschäftsmodells muss demnach die Datenverfügbarkeit mitgedacht und ermöglicht werden. Nur so lassen sich sämtliche Unternehmens- und Wertschöpfungsprozesse ganzheitlich nachvollziehen und nach den Vorgaben der Circular Economy gestalten. Von der Lieferkette (welche bald zudem durch das Sorgfaltspflichtengesetz neue Anforderungen der Transparenz erfüllen muss), über die Produktion bis hin zur Nutzungsphase, in der ein weiterer Großteil der Emissionen entsteht, muss das Unternehmen hochqualitative Daten erheben. Diese fließen dann wiederum in den Wertschöpfungskreislauf ein und ermöglichen, neue zirkuläre und klimakompatible Produkte und Arbeitsprozesse zu entwickeln.

3 Tipps auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Wie sehen nun die ersten konkreten Schritte hin zur Circular Economy aus? Zunächst braucht es vor allem ein grundlegendes Umdenkens im Unternehmen. Erst wenn alle Mitarbeitenden die Herausforderungen und zugleich die massiven Chancen der Kreislaufwirtschaft verstanden und anerkannt haben, wird eine tatsächliche Transformation möglich. Dem müssen dann konkrete und ganzheitliche Veränderungen in der Wertschöpfung folgen. Hier erfährst Du drei wichtige Empfehlungen dafür:

1. Unternehmensstrategie

Schaffe ein orchestriertes und ganzheitliches „Zielesystem“ für die Transformation, indem Du die Dimensionen Produkt, Prozess und Daten anhand eines transparenten Umsetzungsplans integrierst. Zirkularität wird so nicht nur zum inhärenten Bestandteil der Wertschöpfung, sondern auch zur Steuerungsgröße des langfristigen, unternehmerischen Erfolgs.

2. Datengrundlage

Führe Metriken ein, um die Transformation zur Nachhaltigkeit zu messen. In jeglichen Bereichen sollten hierfür immer und überall Daten erfasst und genutzt werden. Ein geschlossener Wirtschaftskreislauf erfordert einen geschlossenen Datenkreislauf. 

3. Teameinbindung

Fordere und fördere die Kreativität der Mitarbeitenden, um bestehende lineare Strukturen, Prozesse und Abläufe zu hinterfragen und in zirkuläre Arbeitsweisen zu transformieren. So steigerst Du die Zufriedenheit des gesamten Teams und die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber.

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Freiwilliger lokaler Klimaschutz – mit natürlichen Kohlenstoffsenken

Gastbeitrag. Zu der Autorin:

Miriam Rickert

Miriam Rickert ist bei Planted für die Bereiche Recherche, E-Mail-Marketing sowie Customer Relations Management verantwortlich. Durch ihr Geographiestudium hat sie ein tiefgehendes Verständnis über die Prozesse unseres Planeten und dessen Wichtigkeit für unsere Umwelt, Lebewesen und Klima entwickelt.

Unternehmen haben im Rahmen ihrer Klimatransformation die Möglichkeit, mit nach Gold-Standard zertifizierten Offsetting-Projekten – z. B. Naturschutz in Ländern des globalen Südens – ihre restlichen, unvermeidbaren Emissionen auszugleichen. Darüber hinaus lassen sich aber auch direkt vor Ort in Deutschland Naturprojekte als freiwilliger Klimaschutz unterstützen. Bei alldem kommen natürlichen Kohlenstoffsenken eine zentrale Bedeutung zu, welche Miriam im folgenden Gastbeitrag genauer erläutern wird.

Ökosysteme speichern Kohlenstoff

In Sachen Klimaschutz spielen sogenannte Kohlenstoffsenken eine besondere Rolle. Die Rede ist von den Ökosystemen “Moor”, “Wald” und “Ozean”. Sind sie intakt, speichern sie eine Menge Kohlenstoff. Moore, Wälder und Ozeane zu erhalten, ist daher eine effiziente Maßnahme, um Kohlenstoff zu binden und damit aus der Atmosphäre zu ziehen. 

Diese drei Klimahelden möchten wir heute vorstellen und folgenden Fragen nachgehen: Wie funktionieren sie als Kohlenstoffsenke? Wie können Unternehmen sie in Deutschland als zusätzliche und freiwillige Klimamaßnahme schützen? 

Kohlenstoffsenke Moor 

Moore gelten als langfristige Kohlenstoffspeicher.

Der Schutz unserer Moore ist ein wichtiger Hebel im Klimaschutz, dabei nehmen sie weltweit nur 3 % unserer Landfläche ein. Dennoch speichern sie etwa 30 % des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs. Bei Mooren handelt es sich um dauerhaft vernässte Flächen, mit einzigartiger Vegetation, die Lebensraum für viele Tiere darstellen. Von Natur aus umfassen Moore riesige Gebiete, die der Mensch jedoch bereits massiv dezimiert hat. Doch auch noch bestehende Moore sehen heute durch Kultivierungsmaßnahmen deutlich anders aus als noch vor ein paar hundert Jahren. 

Die Wichtigkeit der Moore 

Und warum sind Moore nun so wichtig? Die dort heimischen Pflanzen nehmen während ihres Wachstums Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf. Sterben sie, lagern sich ihre Überreste und damit der Kohlenstoff im Boden ab, im sogenannten Torf. Werden Moore zerstört, setzt das erhebliche Mengen des Kohlenstoffs wieder frei, die den Klimawandel beschleunigen. Neben ihrer Funktion als Kohlenstoffsenke, gelten Moore übrigens auch als Wasserspeicher: Bei starken Niederschlägen nehmen sie es auf und geben es später langsam, verteilt über mehrere Tage an die Umgebung ab. So können sie helfen, Überschwemmungen zu verhindern.

Eingriffe durch den Menschen mit Folgen 

Das Problem: Viele Moore sind der Land- und Forstwirtschaft zum Opfer gefallen. Der Mensch hat sie trockengelegt und dadurch Treibhausgase freigesetzt. Außerdem steigt dadurch die Gefahr von Torfbränden – mit katastrophalen Folgen: Torfbrände breiten sich extrem schnell und dabei unterirdisch aus. Sie treiben ihrerseits den Klimawandel voran, denn sie setzen Feinstaub frei, gefährlichen Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Im Vergleich zu Waldbränden ist die Schadstoffbelastung bei Torfbränden um ein Vielfaches höher. 

Moore gelten als langfristige Kohlenstoffspeicher, die bereits in den letzten 11.000 Jahren eine klimakühlende Wirkung hatten. Deswegen ist es wichtig, diese bedrohten Lebensräume zu schützen. Doch was können Unternehmen hierfür tun? 

Kohlenstoffsenke Wald 

Der Wald hat neben der CO2-Speicherung weitere Wirkungen auf das lokale und globale Klima.

Unsere Wälder gehören mit zu den großen Kohlenstoffspeichern in Deutschland. Die Fläche Deutschlands besteht zu 30 % aus Wäldern, die der Mensch jedoch extrem umgestaltet hat. Viele Wälder sind eigentlich Forste, das heißt, der Mensch bestimmt, welche Bäume dort wachsen, und “erntet” sie regelmäßig. Allerdings ist der Schutz alter Laub- und Mischwälder besonders wichtig. Diese sogenannten Naturwälder, die sich dadurch auszeichnen, dass sie unbewirtschaftet sind, haben eine lange Lebenszeit und sind gegenüber dem Klimawandel resistenter. Sie bieten nicht nur zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, sondern speichern Kohlenstoff in lebender und ausgestorbener Biomasse. Damit sind sie wie die Moore eine bedeutende Kohlenstoffsenke. 

Vorteile des Waldes 

Der Wald steht in einer engen Wechselwirkung mit dem lokalen und globalen Klima. Die natürliche Bodenfunktion in Naturwäldern ermöglicht es, große Mengen Wasser zu speichern. Bei hohen Temperaturen verdunstet dieses Wasser aus dem Boden sowie aus der Biomasse (den Bäumen und dem Totholz) und kühlt die Umgebung. Was gut für uns Menschen ist, ermöglicht dem Naturwald zudem einen Selbstschutz bei extremer Hitze und in Trockenperioden. Außerdem gibt es im Naturwald hohe Vorräte an Biomasse, in Form von Blättern, Ästen und Wurzeln. Durch Photosynthese entziehen Bäume der Atmosphäre CO2 und speichern es im Holz. Totes Holz wiederum zerfällt zu Humus, das seinerseits viel Kohlenstoff enthält und dadurch speichert.

Wie Unternehmen den Wald unterstützen können? 

Kohlenstoffsenke Ozean 

Die Meere speichern 38.000 Gigatonnen Kohlenstoff.

Die Ozeane unseres Planeten nehmen 71 % der Erdoberfläche ein und beinhalten 97 % des globalen Wasservorrats. Zudem beeinflussen sie das globale Wetter und speichern die Wärmestrahlung der Sonne. Doch warum gelten Ozeane als bedeutende Kohlenstoffsenken? 

Weil sie als Kohlenstoffpumpe fungieren: Im ersten Schritt löst sich CO2 in ihrem Oberflächenwasser. Wenn es kein Kohlenstoff mehr aufnehmen kann, wird es durch Meeresströmungen und Mischungsprozesse in die Tiefe gezogen. Im Tiefenwasser kann Kohlenstoff lange gespeichert werden. Im Ozean befindet sich eine Masse von 38.000 Gigatonnen Kohlenstoff (1 Gigatonnen = 1 Milliarde Tonne). Das sind etwa 16 Mal so viel Kohlenstoff, als an Land gespeichert wird. Durch Klimaschwankungen ist jedoch die gesamte Ozeanzirkulation in Gefahr und somit auch der Transport von Kohlenstoff ins Tiefenwasser.

Akute Bedrohung der deutschen Meere

Auch in unseren deutschen Meeren sind die Folgen des Klimawandels präsent, denn die steigenden Temperaturen lassen ebenso die Meerestemperaturen steigen. Der Lebensraum heimischer Fischpopulationen, die das kalte Wasser bevorzugen, verschiebt sich gen Norden. Andere Arten, die sich schlecht an den Klimawandel anpassen können, werden womöglich aussterben. Somit werden durch den Klimawandel Reproduktionszyklen und Räuber-Beute-Beziehungen gestört und letztlich sämtliche zusammenhängende Ökosysteme belastet. Ein weiterer Störfaktor für die Meereslebewesen sind neue Nutzungsformen, die als Teil der Energiewende fungieren, wie Offshore-Windkraft. Ziel sollte es daher sein, die Klima- und Artenkrise als gemeinsame Herausforderung zu meistern. 

Und was können Unternehmen tun, um die Meere zu schützen? 

Unsere Handlungsempfehlungen zeigen: Auch Du kannst mit Deinem Unternehmen mit nur wenigen Maßnahmen und geringem Aufwand unsere Ökosysteme schützen. Und intakte Ökosysteme sind ein entscheidendes Hilfsmittel gegen den Klimawandel.

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Bildquellen: Sarah Sondermann, Unsplash