Die Klimatransformation – Welche Daten sollten veröffentlicht werden?

Welche klimabezogenen Finanzangaben von Unternehmen sind wichtig für die Öffentlichkeit und welche sollten intern bleiben? Damit setzt sich derzeit die britische Regierung auseinander und erstellt ein Konzept zur verpflichtenden Offenlegung von finanziellen Klimadaten. Grundlegend zog die Regierung hierzu die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) heran. Doch was steckt hinter den Empfehlungen der Task Force?

Was ist der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD)?

Die TCFD ist eine Gruppe, die 2015 vom Financial Stability Board (FSB) einberufen wurde, um freiwillige, konsistente und klimarelevante Finanzangaben zu entwickeln. Die entwickelten Veröffentlichungs-Empfehlungen sollen Investor*innen, Kreditgeber*innen und Versicherungsunternehmen helfen, wesentliche Risiken von Unternehmen zu verstehen.

Zu den 32 internationalen Mitglieder*innen der Task Force gehören Kapitalgeber*innen, Versicherungen, große Nicht-Finanzunternehmen, Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen sowie Rating-Agenturen.

Die Basis der Empehlungen

Die Offenlegungsempfehlungen der TCFD gliedern sich in vier Themenbereiche, die die Kernelemente der Arbeitsweise von Unternehmen darstellen: Unternehmensführung, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele.

Quelle: Task Force

Die vier übergreifenden Themenbereiche können durch wichtige klimabezogene Finanzberichte von Stakeholder*innen bewertet werden. Zusätzlich gibt es einen Leitfaden zur Unterstützung der Unternehmen bei der Entwicklung dieser Finanzberichte.

Die Empfehlungen

Die Task Force entwickelte einen Leitfaden, der alle Unternehmen bei der Gestaltung von klimabezogenen Finanzangaben unterstützt. Der Leitfaden bietet Ersteller*innen Unterstützung, indem er Kontext und Vorschläge für die Umsetzung der empfohlenen Angaben liefert. Finde folgend die Veröffentlichungsempfehlungen der vier Themenbereiche.

1. Unternehmensführung

Stakeholder*innen interessieren sich für die Rolle und den Einsatz der Unternehmensführung. Während der Vorstand die allgemeine „Klimamotivation“ des Unternehmens widerspiegelt, interessieren sich die Stakeholder für die Priorisierung und das Management von klimarelevanten Themen. Solche Informationen unterstützen die Beurteilung, ob klimarelevante Themen die angemessene Aufmerksamkeit des Unternehmens erhalten.

Für diesen Themenbereich sollten folgende Punkte veröffentlicht werden:

2. Strategie

Investor*innen und Stakeholder*innen müssen verstehen, wie sich klimarelevante Themen kurz-, mittel- und langfristig auf die Geschäfte, die Strategie und die Finanzplanung auswirken. Solche Informationen werden verwendet, um Erwartungen über die zukünftige Leistung eines Unternehmens zu formulieren.

Aus diesem Grund wird Unternehmen empfohlen, die folgenden Informationen zur Verfügung zu stellen:

3. Risikomanagement

Investor*innen und andere Stakeholder*innen müssen verstehen, wie die klimabezogenen Risiken eines Unternehmens identifiziert, bewertet und gesteuert werden. Interessant ist auch, ob diese Prozesse in bestehende Risikomanagementprozesse integriert sind. Solche Informationen unterstützen bei der Bewertung des Gesamtrisikoprofils und der Risikomanagementaktivitäten von Unternehmen.

Weiterhin sollten Unternehmen ihre Risikomanagementprozesse zur Identifizierung und Bewertung von klimabezogenen Risiken beschreiben. Dabei ist ein wichtiger Aspekt die relative Bedeutung von klimabezogenen Risiken
im Verhältnis zu anderen Risiken. Darüber hinaus sollten Organisationen erläutern, ob sie bestehende und neue regulatorische Anforderungen in Bezug auf den Klimawandel (z. B. Emissionsgrenzwerte) sowie
andere relevante Faktoren in Betracht ziehen.

Außerdem sollten Unternehmen in Betracht ziehen, Folgendes offenzulegen:

4. Messgrößen und Ziele

Der Zugang zu den verwendeten Messgrößen und Zielen von Unternehmen helfen Stakeholder*innen, die potenziellen risikoangepassten Renditen und finanzielle Verpflichtungen zu verstehen. Darüber hinaus erleichtert es das Verständnis für klimarelevante Fortschritte und wie man diese Probleme angeht oder sich an sie anpasst. Messgrößen un Ziele bieten die Basis, um Unternehmen innerhalb eines Sektors oder einer Branche zu vergleichen.

Außerdem sollten Unternehmen die wichtigsten Kennzahlen zur Messung und Steuerung von klimabezogene Risiken und Chancen beschreiben. Sofern relevant, sollten sie Kennzahlen zu klimabezogenen Risiken wie Wasser-, Energie-, Landnutzungs- und Abfallmanagement erwähnen.
Wo es wesentlich ist, sollten Unternehmen Folgendes in Betracht ziehen und
veröffentlichen:

Was passiert in Großbritannien?

Bislang veröffentlichten Unternehmen ihre klimabezogenen Risiken transparent und konsequent nur auf freiwilliger Basis. Die britische Regierung hat nun beschlossen, TCFD-konforme Offenlegungen bis 2025 für die gesamte Wirtschaft verpflichtend zu machen. Ein wesentlicher Teil dieser Anforderungen soll bis 2023 umgesetzt werden.

Fazit

Das TCFD hat vier Empfehlungen ausgesprochen, wie Unternehmen ihre Investor*innen über Klimarisiken und -chancen informieren sollten. Diese sind;

„die Beschreibung der Kontrolle des Managements über die Risiken, die Erläuterung, wie ihre Strategie in verschiedenen Temperaturszenarien funktionieren würde, die Darstellung der Risikomanagementprozesse und die Berichterstattung über ihre Fortschritte im Vergleich zu den Zielen.“

Titelbild: Unsplash

ProjectDrawdown Klimalösungen zahlen direkt auf die UN Nachhaltigkeitsziele ein.

Oft werden Klimalösungen dafür bemängelt, dass sie keinen klaren Einfluss auf Soziale- oder Umweltfaktoren haben. Das ProjectDrawdown zeigt jetzt auf, wie Maßnahmen für Klima, Mensch und Umwelt zusammenhängen.

ProjectDrawdown und die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN

Die Non-Profit Organisation ProjectDrawdown zeigt in einer aktuellen Studie, wie klar definierte Klimalösungen in Verbindung zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen stehen. Die Umsetzung der Klimalösungen entlang der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) ermöglichen es demnach, Klima – und Nachhaltigkeitsziele gleichzeitig zu erreichen.

Die Sustainable Development Goals

Die SDGs  bieten dabei einen Rahmen für die Bewältigung der dringendsten globalen Herausforderungen bis 2030 und schaffen die Voraussetzungen für eine umfassend nachhaltige Zukunft. Um alle 17 SDGs in diesem Zeitraum zu erreichen, müssen viele Lösungen gleichzeitig umgesetzt werden: zur Bekämpfung der Armut, zur Bereitstellung sauberer Energie, Wasser und sanitärer Einrichtungen sowie zur Verbesserung von Gesundheit, Wohlbefinden und Gleichstellung der Geschlechter.

Ergebnisse der Forschung

Die Studie zeigt, dass die Top 76 der ProjectDrawdown Klimalösungen die 17 SDGs fördern. Sie unterstützen direkt oder indirekt den Fortschritt einer nachhaltigen Entwicklung und ermöglichen gleichzeitig die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 °C. Dies würde jedoch die sofortige und nachhaltige Annahme aller identifizierten Lösungen parallel über drei Jahrzehnte erfordern.

Welche Klimalösungen definiert das ProjectDrawdown?

Die 100 Lösungen des ProjectDrawdown. Die Top 76 Klimalösungen haben direkte oder indirekte Einfluss auf die SDGs.

Project Drawdown definierte 100 Lösungen in den folgenden 7 Kategorien:

Genaue Beschreibungen der einzelnen Lösungen finden sich hier.

Wie passen die Klimalösungen zu den SDGs?

SDG 17, bezeichnet „Partnerschaften zur Erreichung der SDGs“. Das ProjectDrawdown hat zusätzlich eine Reihe umsetzbarer Lösungen identifiziert, die zur Reduzierung von CO2 und Kosten beitragen. Die Studie konnte nun jedem SDG mehrere Klimalösungen zuordnen.

Welche der Drawdown-Lösungen bezieht sich am stärksten auf die SDGs?


Die Ausbildung von Mädchen und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen hat den stärksten Einfluss auf die SDGs, diese Maßnahmen sind jeweils mit mindestens 6 SDGs verknüpft.

Mädchenbildung

  1. Klimaschutz
  2. Geschlechtergleichheit
  3. Keine Armut
  4. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  5. Reduzierte Ungleichheit
  6. Qualität der Bildung
  7. Frieden und Gerechtigkeit und starke Institutionen

Reduzierte Lebensmittelverschwendung

  1. Klimaschutz
  2. Hungerbekämpfung
  3. Gesundheit und Wohlbefinden
  4. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  5. Verantwortungsbewusster Verbrauch und Produktion
  6. Leben an Land

Die Drawdown-Lösungen beschriebenen somit messbare Möglichkeiten zur Bekämpfung des Klimawandels und tragen gleichzeitig dazu bei, eine Vielzahl der SDGs umzusetzen. Unternehmen, die nach Wegen suchen, um einer nachhaltigen Entwicklung (SDGs) beizutragen, können anhand der Klimalösungen gleichzeitig Klimaschutz betreiben.

Klimatransformation. Let’s do this!

Warum kostet eine Tonne CO2 einmal 3€ und dann 1.000€?

Die Irrungen und Wirrungen des CO2-Kompensationsmarktes. Reduzieren kostet Zeit und Einsatz, rettet aber unser Klima.

Klimaneutralität und CO2-Offsetting gehen momentan Hand-in-Hand. Die vermeintlich einfache Lösung für das erschlagende Problem Klimawandel ist einfach zu verlockend. Trotzdem bleibt das schleichende Gefühl, dass das nicht alles sein kann. Und tatsächlich vertritt kaum eine AnbieterIn von CO2-Zertifikaten die Meinung, dass Offsetting alleine DIE Lösung ist – sondern einfach ein erster Schritt für freiwilligen Umweltschutz. Unternehmen wie Privatpersonen können durch die Berechnung ihres “CO2-Fußabdruckes” erstmals ihre Emissionen greifbar machen, nachvollziehen und in Angriff nehmen. Die Preise der Kompensationsmaßnahmen wirken dann allerdings fast willkürlich oder zumindest unübersichtlich. 

CO2-Zertifikate

Mache Projekte zeigen pro t CO2 einen Preis von gerade einmal 3€, andere wiederum 25€ oder sogar 1000€ pro t CO2. Warum ist das so? CO2-Zertifikate werden für zertifizierte, validierte und regelmäßig überprüfte Projekte ausgegeben, die durch die Vorgaben des Kyoto-Protokolls zum Handel von Emissionen erlaubt sind. Diese Projekte befinden sich in “Entwicklungsländern” und erlauben den lokalen Akteuren ihre Umweltschutzmaßnahmen ökonomisch abgesichert zu betreiben. Beispiele sind Solar-, Wind-, Wasserkraft- oder Biogasanlagen sowie Solaröfen oder Landwirtschaftsinnovationen. All diese Projekte benötigen unterschiedlich viel Betreuung, sodass Overhead und Verwaltungskosten variieren können. Die Wirkung und Risiken der Maßnahmen unterscheiden sich ebenfalls.

Die Auswahl und Entscheidung für ein Offsetting-Projekt ist deshalb oft nicht eindeutig. Grundsätzlich gilt daher, Seriosität und Transparenz der AnbieterIn ist am wichtigsten! Persönliche Präferenz für eine Maßnahme sollte ebenfalls bedacht werden. 

Reale CO2-Schadenskosten

Hinzu kommt allerdings die Berücksichtigung der wahren “Schadenskosten” einer t CO2. Abgesehen vom Preis der CO2-Zertifikate bestehender Projekte auf dem Markt, sind die Kosten der Schäden einer t CO2 durchaus messbar und liegen weit von den aktuellen Marktpreisen entfernt. Das Umweltbundesamt berechnet einen Wert von mindestens 180€ pro Tonne, andere nehmen Preise von bis zu 260€ an. 

Beispiel Case

Erzeugt also ein typisches Dienstleistungsunternehmen in Deutschland pro Mitarbeiterin 4t CO2-Ausstoß, so sind das bei 10 MitarbeiterInnen 40t CO2. Diese können auf dem Markt mit 400€ (Durchschnitt: 10€ pro t CO2) kompensiert werden. Ein guter Schritt um ein vertrauenswürdiges Projekt zu unterstützen. Die realen Schäden der erzeugten CO2-Emissionen liegen allerdings bei bis zu 10.400€ (260€ p. t CO2). 

Heute reduzieren

Wie können also diese CO2-Schäden nicht als reine Schulden an die nächste Generation übergeben werden? Reduzieren ist DIE Antwort! Jedes Unternehmen kann durch gezielte Maßnahmen in den 7 CLIMATE Kategorien bis zu 50% der CO2-Emissionen (relativ) schnell reduzieren. Dazu gehören besonders Maßnahmen im Bereich Energie, Mobilität und Gebäudemanagement. 
Wer also schon heute die Schuldenlast abbauen und einen Weg in Richtung 2-Grad-Ziel einschlagen will, kommt um CO2-Reduktion nicht herum. 400€ versus 10.400€ sind ein erschreckender Unterschied, der auch durch Kompensationen nicht so einfach behoben werden kann. Besagtes Unternehmen könnte also 400€ für CO2-Kompensation aufwenden, hätte dann allerdings noch bis zu 10.000€ “CO2-Schulden”. Es könnte sich also überlegen in welche Reduktionsmaßnahmen es diese Summe investieren möchte, um langfristig Kosten zu sparen, zukunftsfähig zu sein, Gewinne zu optimieren und das Klima enkeltauglich zu gestalten.

Bild Quellen: Artur Lysyuk, Kelly Sikkema, Aviv Rachmadian und Aviv Rachmadian auf Unsplash.

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