Supply Chain Action – FUNKEs Weg zur Klima-Transparenz in der Lieferkette

Ab 2023 wird die Einhaltung des deutschen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes“ für alle Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden verpflichtend sein – und mit dem bevorstehenden EU-Supply Chain Act zeichnen sich sogar noch strengere Vorschriften ab. Um diese neuen Gesetzgebungen zu bewältigen, steht der Einkauf vor der großen Herausforderung, die Transparenz bezüglich Menschenrechten und Umweltstandards in der Supply Chain seines Unternehmens jetzt drastisch zu erhöhen.

Wie geht ein führender Konzern wie die FUNKE Mediengruppe hierbei konkret vor? Genau das haben wir im CHOICE Event #39 von Gundula Ullah, Bereichsleitung Einkauf & Sustainability bei der FUNKE Mediengruppe, erfahren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag haben wir für Dich zusammengefasst. 

Das Unternehmen FUNKE und seine Klimaziele

Die FUNKE Mediengruppe beschäftigt als drittgrößtes deutsches Medienhaus rund 1.500 Journalist:innen und 4.500 Medienmacher:innen in den Geschäftsfeldern Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Im Bewusstsein der sich aktuell wandelnden Medienbranche hat die Gesellschafterfamilie ihr Commitment zu nachhaltigem Handel bekräftigt und will so “Strukturen und Prozesse schaffen, mit denen wir auch in den kommenden Jahren guten Journalismus ermöglichen“. 

Hierfür wurden spezifische Nachhaltigkeitsziele für FUNKE – abgeleitet von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen – definiert, welche die für FUNKE relevanten industriellen und regulatorischen Herausforderungen sowie Kunden-Zielgruppen berücksichtigen. Basierend auf den SDGs 5, 7, 8, 9, 12 und 13 verpflichtet sich FUNKE auf die Einhaltung der Ziele:

Nachhaltigkeit in der Lieferkette fängt im Einkauf an

Für die Umsetzung all dieser Ziele sowie die Vorbereitung der FUNKE Mediengruppe auf das kommende Lieferkettengesetz spielt der Einkauf eine zentrale Rolle. Denn die Kosten für die externe Wertschöpfung stehen letztlich ca. 50 % des Konzernumsatzes gegenüber. Die Wertschöpfungskette bei FUNKE sieht hierbei wie folgt aus:

Für jeden Bereich der Lieferkette hat sich FUNKE entsprechende Maßnahmen vorgenommen. Beim Energiebezug für den Betrieb der Druckereien sowie der Medienhäuser und Redaktionen möchte sich FUNKE in Richtung eines nachhaltigen Energiemix transformieren. Die Papierindustrie ist bereits generell stark zum Nachhaltigkeitsaspekt aufgestellt mit Kreislaufprozessen, die recyceltes Papier 5 bis 7 Mal wiederverwerten. Eine Herausforderung stellen allerdings noch die unterschiedlichen Reportingstandards bei der CO2-Transparenz des eingekauften Papiers dar. Um die IT zum Verfassen der Artikel klimakompatibler zu gestalten, sind entsprechende digitale Lösungen gefragt. Hier müssen vor allem neue nachhaltige Ausschreibungskriterien umgesetzt werden. 

Die Marktbereiche, welche die Anzeigen verkaufen und Werbungen schalten, sehen sich zunehmend mit Forderungen nach klimaneutralen Werbeformen von B2B-Kunden konfrontiert und müssen entsprechend nachhaltigere Ansätze bei Prämien und Kampagnen entwickeln. Beim Druck sind insbesondere Tiefdruck und das Heatset-Verfahren sehr energie-intensiv. FUNKE will deshalb mit den Druckereien in den Austausch gehen und gemeinsam erarbeiten, wie der Energieverbrauch reduziert werden kann. Zuletzt denkt FUNKE auch über nachhaltige Modelle in der Zustellung bei Tageszeitung nach und testet hierfür flächendeckende Ansätze mit Elektromobilität und Wasserstoff-Antrieb.

FUNKEs Herangehensweise? – Erstmal Transparenz!

Um die verschiedenen Bereiche der Lieferkette im Sinne von FUNKEs Nachhaltigkeitsstrategie zu transformieren, beginnt das Unternehmen zunächst mit einer grundlegenden Herstellung von Transparenz in Bezug auf CO2. Mithilfe einer Climate-Tech-Plattform wird daher ein Corporate Carbon Footprint erstellt, um auf diese Weise so viele Primärdaten wie möglich für den Scope 3 der Kern-Warengruppen (Papier, Druck, etc.) nutzen zu können. 

Das Emissionskontroll-Tool berechnet und analysiert den FUNKE CO2-Fußabdruck vollständig digital und prognostiziert zukünftige Nachhaltigkeitsszenarien auf der Grundlage von Datenheuristiken (z. B. künftiger Fußabdruck bei zukünftig weniger Print- und mehr Digitalabos). Um die ordnungsgemäße Anwendung der Emissionsbilanzierungsstandards sicherzustellen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen (z. B. GHG). Die Analysen sind „audit-ready“, sodass die neuesten Anforderungen zur Datenprüfung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. KPMG, GRI, CDP) für den Nachhaltigkeitsbericht erfüllt werden können. Der Zugang zur Plattform ist zudem simpel gestaltet, sodass innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Abteilungen ihre Daten ins Tool hochladen können.

Der Weg zur Transparenz in der Lieferkette

Als weitere Maßnahmen ist FUNKE aktuell auf dem Weg, sich als nachhaltige Beschaffungsorganisation vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zertifizieren zu lassen. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen, die vom Verband definierten nachhaltigen Aspekte und Kriterien in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren. Der erste Schritt hierfür ist ein Selbstaudit sowie die Planung und Selbstverpflichtungserklärung zur Erfüllung der Mindestkriterien. Danach entwickelt FUNKE eine Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des BMEs. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen sowohl vom BME als auch durch externe unabhängige Prüfer überprüft und so ein jährlicher Verbesserungsprozess angestoßen.

Um die Transparenz-Bemühungen weiter zu unterstützen sowie das Unternehmen auf das im Januar 2023 in Kraft tretende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz vorzubereiten, nutzt FUNKE eine digitale Unterstützung zum Lieferketten-Screening. Damit kann sich FUNKE digital von ihren Lieferanten die Bestätigung einholen, dass sie sämtliche Anforderungen erfüllen, die mit dem neuen Gesetz einherkommen.

Wichtige Learnings

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit musste FUNKE bisher mit verschiedenen Herausforderungen kämpfen:

Gleichzeitig konnte das Unternehmen aber auch bereits erste Erfolge verbuchen:

Vielen Dank für Deine Einblicke, Gundula! Das CHOICE Event könnt Ihr Euch im verlinkten Video ansehen. 

Der neue IPCC-Bericht – Die wichtigsten Erkenntnisse für Unternehmen

Anfang April veröffentlichte der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), auch Weltklimarat genannt, einen neuen Bericht über die Eindämmung des Klimawandels – ein deutlicher Weckruf, auch an die Wirtschaft! Denn jede weitere Verzögerung bei Maßnahmen für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt.

Der neue IPCC-Bericht geht nicht nur auf die irreversiblen Schäden ein, die durch die Klimakrise und die erheblichen Rückstände in Sachen Klimaschutz verursacht werden, sondern macht auch deutlich, wie wir uns heute an den Klimawandel anpassen müssen – denn noch sind effektive Anpassungsmaßnahmen möglich. Eines ist klar: Wir müssen jetzt handeln! Dies ist die Kernbotschaft der dritten Aktualisierung des 6. IPCC-Bewertungsberichts. 

Finde hier die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts.

Was sagt die Aktualisierung des IPCC-Berichts aus?

Die gute Nachricht zuerst: Der jüngste IPCC-Bericht ist ein deutlicher Beweis dafür, dass wir über alle Instrumente und das Know-how verfügen, um die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen und den Klimawandel abzumildern. Die neue Aktualisierung enthält die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel und informiert über den Status-Quo der globalen Erwärmung und des aktuellen Klimarisikos. Sie zeigt, dass wir die Emissionen bis 2030 in den Griff bekommen können, wenn wir jetzt handeln und klimarelevante Entscheidungen treffen.

Was wir dabei beachten müssen:

Die 1,5-Grad-Grenze kann nur eingehalten werden, wenn die globalen Emissionen bis zum Jahr 2030 um 45 % sinken und die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto Null sinken. Allerdings befinden wir uns aktuell nicht auf direktem Weg, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Der UN-Generalsekretär Guterres reagierte auf den IPCC-Bericht in einer Videobotschaft: „Dies ist keine Fiktion oder Übertreibung. Es ist das, wohin unsere derzeitige Energiepolitik laut der Wissenschaft führen wird. Wir sind auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung von mehr als dem Doppelten des 2015 in Paris vereinbarten Grenzwerts von 1,5 Grad Celsius.“

Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionssenkungen in allen Sektoren ist eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C nicht zu erreichen. Die Begrenzung der Erwärmung auf etwa 1,5 °C erfordert, dass die globalen Treibhausgasemissionen spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 % reduziert werden; gleichzeitig muss auch der Methanausstoß um etwa ein Drittel verringert werden. Aus dem Bericht geht jedoch auch hervor, dass der Fokus auf Klimaschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Obwohl in den Jahren 2010 bis 2019 weltweit die höchsten jährlichen Treibhausgasemissionen der Geschichte verzeichnet wurden, hat sich die Wachstumsrate verlangsamt. Politische Maßnahmen und Gesetze führten zu einer zunehmend verbesserten Energieeffizienz, verringerten Abholzungsraten und sorgte für einen beschleunigten Einsatz erneuerbarer Energien.

Fazit: Der Klimawandel ist da, und zwar jetzt. Er verursacht bereits immense Schäden für Menschheit und Planeten und beeinträchtigt das allgemeine Wohlbefinden auf der Erde. Wir tun immer noch nicht genug, um die Emissionen zu reduzieren.

Es ist 5 nach 12 – Wir müssen handeln! 

Es gilt heute also, in allen Sektoren in den Wandel zu investieren und dabei alle verfügbaren Instrumente in den verschiedenen Sektoren zu nutzen sowie alle Reduktionspotenziale auszuschöpfen. Zu diesen Instrumenten gehören u. a. erneuerbare Energien, dezentrale Energieversorgung, elektrischer Verkehr, Kreislaufwirtschaft und Netto-Null-Gebäude. 

Wir sehen: Die Strategien zur Bewältigung der relevanten Fragen unserer Zeit existieren schon. Wie können wir die Treibhausgasemissionen reduzieren? Wie können wir Kohlenstoff binden? Wie können die Bereiche Gebäude, Mobilität, Landwirtschaft und Energie nachhaltiger werden? Auf diese Fragen gibt es bereits antworten, unzählige Klimalösungen und erprobte Best-Practices sind bereits bekannt  – Jetzt kommt es auf die Umsetzung an!

Die Chancen der Klimatransformation jetzt nutzen!

Der IPCC-Bericht hat es uns gezeigt: Wir haben es in der Hand! Wir können jetzt aktiv werden, indem wir die schon verfügbaren Instrumenten und Klimalösungen nutzen und als CLIMATE Community erprobte Best Practices austauschen. Sektorenübergreifend lässt sich die Herausforderung der Klimatransformation gemeinsam bewältigen, wenn wir die gesteckten Klimaziele jetzt in die Praxis übersetzen.

Der #CTS2022 bietet die Chance, sich mit Climate Champions und Klimalösungsanbieter:innen sowie Expert:innen aus der Praxis zu vernetzen und mehr zu Best Practices der Klimatransformation zu erfahren! 100 % online findet im Juni der 2-tätige climatesummit.de mit dem Fokusthema „Dekarbonisierung von Unternehmen und deren Lieferketten“ statt. Der Summit bietet nicht nur eine Bühne für spannende Diskussionen und Einblicke in die Klimatransformation führender Unternehmen, sondern lädt auch die Teilnehmenden dazu ein, eigene Erfahrungen zu teilen und Teil der Debatte zu sein. Ziel des #CTS2022 ist es, den Grundstein für Zusammenarbeit und Austausch auf Augenhöhe zu legen, um gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette Klimaziele zu erreichen. Erfahre hier mehr zum Programm, den Speaker:innen und melde Dich jetzt an!

Verantwortung nutzen und Zukunft gestalten – So setzen Führungskräfte die Klimatransformation um

Politische Vorgaben wie die EU-Taxonomie und die CSR-Berichtspflicht sowie steigende  Erwartungen von Investor:innen und Konsument:innen stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Um die Klimatransformation als Chance zu nutzen und das eigene Geschäftsmodell auf ressourcenschonendes Wirtschaften auszurichten, braucht es Führungskräfte, die voller Tatendrang vorangehen. Als Entscheidungsträger:innen können sie ihre Verantwortung wahrnehmen und die Weichen in Richtung klimakompatible Zukunft stellen. 

Im Folgenden finden sich Chancen, wie motivierte Führungskräfte ihr Unternehmen zukunftsorientiert transformieren und den wichtigsten Wandel der heutigen Zeit vorantreiben können.

CHIEF EXECUTIVE OFFICER (CEO) – Einfluss und Verantwortung nutzen

Für CEOs bietet die Transformation der Wirtschaft unzählige Möglichkeiten, den Kern ihres Berufes weiterzuentwickeln. Wem es gelingt, sein Unternehmen klimaprogressiv auszurichten und Stakeholdern einen attraktiven ESG-Standard zu bieten, der schafft nicht nur die Voraussetzungen für eine nachhaltige Wirtschaft, sondern ebenfalls für den eigenen, langfristigen Unternehmenserfolg. 

Das zeigt sich zum Beispiel bei der zunehmenden Orientierung von Investor:innenseite in Richtung nachhaltiger Investments. In Deutschland flossen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres laut BVI 20 Milliarden Euro in ESG-Fonds, berichtet das Finanzportal finanzen.net. In der Summe beliefen sich die Investitionen bereits auf 251 Milliarden Euro. Es ist also davon auszugehen, dass Unternehmen, die Klima-Standards aktiv in der eigenen Unternehmensführung umsetzen, auch künftig eher für Investor:innen interessant bleiben. 

Dass bis zu 90 % der CO2-Emissionen eines Unternehmen in der Lieferkette entstehen, stellt sich hierbei als Chance heraus: Wer genau weiß, wo es anzusetzen gilt, kann gezielt die passenden Maßnahmen für eine umfassende CO2-Reduktion in Bewegung setzen. Hierbei ist unternehmensinterne Zusammenarbeit elementar. CEOs, Nachhaltigkeitsbeauftragte und Einkaufsleiter müssen die Ausrichtung auf Klimatransformation in der Geschäftsstrategie kooperativ realisieren.

CHIEF SUSTAINABILITY OFFICER (CSO)

Die Kernaufgabe der Chief Sustainability Officer liegt in der ständigen Weiterentwicklung und Umsetzung der Klimastrategie. Ziele und Abläufe an neue Verordnungen und Wissensstände anzupassen ist ein fortwährender Prozess, der aufmerksame Recherche und regelmäßige Anpassung erfordert. Durch ihre Expertise können CSOs die sich wandelnden Anforderungen anderen Führungskräften vermitteln und das Unternehmen hinsichtlich klimabezogener Ansprüche von Partnerunternehmen, Stakeholdern und Kund:innen auf dem neuesten Stand halten. 

Für CSOs bedeutet dies die verantwortungsvolle Chance, die Klimatransformation des Unternehmens voranzutreiben. Für einen schnellen Überblick und Einstieg hilft unser CLIMATE Readiness Check. Das Software-Tool unterstützt Klimabeauftragte dabei, den Klimareifegrad ihres Unternehmens strukturiert zu erfassen, Handlungsfelder zu identifizieren und sich auf Offenlegungsanforderungen von Partnern und rechtlicher Seite vorzubereiten.

CHIEF PROCUREMENT OFFICER (CPO)

Für eine klimakompatible Lieferkette ist insbesondere ein Berufszweig wichtig: Die CPOs. Die Einkaufsleiter:innen eines Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen und der Chance, die Klimatransformation ihres Unternehmens nachhaltig voranzutreiben. Mit transparenten Lieferketten, der Digitalisierung interner und externer Prozesse und der sorgsamen Auswahl von Lieferanten, kann es den Procurement Leadern gelingen, eine klimarelevante Einkaufspraxis zu gestalten und damit in großem Maße Emissionen einzusparen.

Eine Möglichkeit, CPOs hierbei zu unterstützen, liegt in der Nutzung von digitalen Hilfsmittel. 69 % der Chief Procurement Officers gaben laut einer Studie von McKinsey an, dass digitale Vorgehensweisen in der Post-Covid-Welt noch wichtiger werden. CPOs erhoffen sich durch den Umschwung auf digitale Prozesse eine gesteigerte Effektivität des Einkaufs.

Genauso können Software-Tools auch dabei helfen, die Lieferkette klimarelevant zu transformieren. Die größte Herausforderung ist hierbei, Transparenz über den Klimareifegrad der eigenen Lieferkette aufzubauen. Mit unserer softwaregetriebenen CLIMATE Data Platform können CPOs strukturiert und skalierbar die ganzheitliche Klimaleistung ihrer Lieferanten erfassen und Einkaufsentscheidungen auf Basis smarter, klimarelevanter Daten treffen.

CHIEF FINANCE OFFICER (CFO)

Auch für den CFO eines Unternehmens bietet die Klimatransformation Vorteile: Wie bereits angemerkt, wächst das Interesse von Investoren hinsichtlich klimarelevanter Faktoren. Wer die finanzielle Seite seines Unternehmens nach ESG-Standards ausrichtet, verbessert seine Chancen auf die Akquisition von Kapital.

Hierbei kommt es auf Teamwork an: Finanzleiter:innen und Chief Sustainability Officers arbeiten  zusammen, um die Verbindung von ESG- und finanziellen Kennzahlen aufeinander abzustimmen. CFOs sind dazu aufgefordert, relevante Kennzahlen transparent offenlegen und einen Überblick der Klimaausrichtung ihres Unternehmens zu gewähren. 

Um Klimaratings auch in Geschäftsbeziehungen miteinfließen zu lassen, suchen Unternehmen verstärkt die Nähe zur Banken- und Investmentbranche. Hier können neue Wertquellen entstehen, indem ESG-Kennzahlen mit Kapitalströmen verknüpft werden. 

Investor:innen, Kreditgeber:innen und Versicherungsunternehmen sollen Einblicke über klimarelevante Risiken und Chancen ihrer Budgetentscheidungen durch das Rahmenwerk der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) erhalten. Die Berichterstattung über klimabezogene Finanzinformationen soll damit verbessert und klimarelevanten Risiken entgegengewirkt werden. Mehr Infos dazu findest Du im CLIMATE Magazin.

CHIEF MARKETING OFFICER (CMO) 

Nicht nur für Investor:innen ist die klimatransformierende Ausrichtung eines Unternehmens interessant. Die gesamte Außenwahrnehmung eines Unternehmens auch auf Konsument:innenseite wird zunehmend an der Progressivität hinsichtlich klimarelevanter Standards gemessen. Für Chief Marketing Officer bedeutet das neue Chancen, die Kommunikation des Unternehmens auf ein neues Level zu heben. 

Wichtig ist es hierbei, durch Transparenz die Glaubwürdigkeit des Unternehmens zu stärken und vertrauensvolle Kund:innenbeziehungen herzustellen. So gelingt es CMOs, bestehende Partnerschaften weiterzuentwickeln und neue aufzubauen. Unser CLIMATE Readiness Check kann diese Kredibilität nach außen tragen. Je nach Ergebnis erhält das Unternehmen ein CLIMATE Rating-Label in Gold, Silber oder Bronze, das zur externen Kommunikation der erzielten Ergebnisse genutzt werden kann.

CHIEF HUMAN RESOURCE OFFICER (CHRO)

Eine klimafokussierte Unternehmenskultur aufbauen und neue Talente zu fördern, sind die Aufgaben des Chief Human Resource Officer. Mitarbeiter:innen-Recruiting und Leistungsbewertung lassen sich im Sinne des sozialen Nachhaltigkeitsgedankens umsetzen und ermöglichen somit Chancengleichheit und stärkt einen unternehmensinternen Transformationsgeist.

Berufseinsteiger:innen und Bewerber:innen der jüngeren Generationen suchen verstärkt nach Berufsmöglichkeiten in Unternehmen, die die Klimatransformation aktiv angehen. Die FAZ bezieht sich auf eine Studie des Zukunftsinstituts aus dem Jahr 2019, wonach 87 Prozent der Millennials einen sinnvollen und erfüllenden Job als wichtig erachten. Die Klimatransformation des Unternehmens transparent nach außen zu kommunizieren, unterstützt Chief Human Resource Officer dabei, neue Talente für das Unternehmen zu gewinnen. 

Doch auch für das bestehende Team birgt die Klimatransformation Potential. Das Verhalten der Mitarbeiter:innen zahlt direkt auf die CO2-Emissionen einer Firma ein, z.B. durch Geschäftsreisen und Brennstoffverbräuche, Catering, Einkäufe oder Abfälle. Setzt ein Team hier mit motivierenden Klimazielen gemeinsam an, können später auch größere Klimaschutzkonzepte mit geteilter Unterstützung verwirklicht werden. Hier können Chief Human Ressource Officer einen entscheidenden Anteil dazu beitragen, den Transformationsgeist innerhalb des Teams zu stärken. Mehr Infos dazu findest Du in unserem CLIMATE Magazin.

Fazit

Führungskräfte sind die treibende Kraft hinter der Klimatransformation im Unternehmen. Stellen sie jetzt gemeinsam die richtigen Weichen, werden sie das kommende Jahrzehnt beispielhaft bestreiten. 
Du willst mehr darüber erfahren, wie die Software-Tools von THE CLIMATE CHOICE Dein Unternehmen bei der Klimatransformation unterstützen können? Dann kontaktiere uns.

Supply Chain Decarbonisation, was erwartet uns 2022?

Immer mehr Unternehmen erkennen die Wirksamkeit der Dekarbonisierung ihrer Lieferkette. Doch welche Maßnahmen können idealerweise umgesetzt werden? Dieser Frage ist Lara Obst, Gründerin von THE CLIMATE CHOICE beim CHOICE Event #33 nachgegangen. Hier findest Du die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag.

1,5 ODER 2 GRAD?

Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die erfolgreiche Umsetzung der Klimatransformation. Weltweit sind die Veränderungen des Klimas spürbar: Brände, Hochwasser und Artensterben prägen bereits jetzt dieses Jahrzehnt. Erwärmt sich die globale Oberflächentemperatur um 2 Grad, wird ein Viertel der Welt regelmäßig unter extremen Hitzewellen leiden. Auch beim oft besprochenen 1,5-Grad-Ziel betrifft die extreme Hitze noch immer 1 Milliarde Menschen. 

Um essenzielle Erfolge verzeichnen zu können, spielt die globale Wirtschaft eine zentrale Rolle. Zwar gehen die Emissionen in Europa seit den 90er Jahren zurück (Abb. 1), jedoch ist dies weniger auf erfolgreiches Klimamanagement zurückzuführen, sondern vielmehr auf globale Krisen. Unser Klimamanagement weist großes Verbesserungspotential auf.

Abb. 1

WELTWEITE REGULATIONEN

Weltweit nehmen Regulationen zu, die die Umsetzung der Klimaziele ermöglichen sollen (Abb. 2). Bei der COP26 Klimakonferenz in Glasgow wurden Einigungen erzielt, nach denen keine fossilen Brennstoffe mehr genutzt werden dürfen und bis 2030 weltweit 55 % CO2 reduziert werden sollen. Solche Zielvorgaben mehren sich auch in Europa. Im Sommer 2021 ist das “Fit for 55”-Programm verabschiedet worden, ebenfalls mit dem Ziel einer Emissionsreduktion von 55 %. Deutschland hat Anfang dieses Jahres bekräftigt, auf eine Reduktion von 65 % bis 2030 hinzuarbeiten und Klimaneutralität bis 2045 erreichen zu wollen (ob 2045 ausreicht, wird ebenfalls noch stark diskutiert). 

Diese Zielvorgaben machen sich in der Wirtschaft bemerkbar. Unternehmen müssen sich anpassen, sich dazu verpflichten, Emissionen zu reduzieren und dazu beizutragen, das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Aber: Wir haben im letzten Jahr auch festgestellt, dass es nicht ausreicht, sich diese Klimaziele zu setzen. Wir müssen darüber reden, wie wir sie in die Praxis umsetzen. 

Abb. 2

Seit dem 1. Januar 2022 gilt die EU-Taxonomie. Sie bestrebt die Einordnung von Unternehmen danach, wie deren Handlungen auf Klima und Nachhaltigkeit einzahlen. Zudem soll kontrolliert werden, ob sie eines der sechs Umweltziele der EU (Abb. 3) positiv beeinflussen, ohne dabei ein anderes zu verletzen und gleichzeitig alle Standards eingehalten werden. Gegenüber diesem System sollen Unternehmen demnächst aufzeigen, wie sie dazu beitragen, dieses Rahmenwerk zu erfüllen und bewerten, ob ihr eigenes Geschäftsmodell klimakompatibel ausgerichtet ist. Stark diskutiert ist in diesem Rahmen der Einbezug der Atomkraft. Jedoch gilt die EU-Taxonomie als erstes Rahmenwerk für eine Einordnung.

Abb. 3

Ein zweites Rahmenwerk ist ein Vorschlag der Taskforce Climate Related Financial Disclosure, die auf Anfrage der EU ein Rahmenwerk entwickelt hat, um die andere Perspektive aufzeigbar zu machen: Wie können Unternehmen aufzeigen, welche Risiken der Klimawandel für sie darstellt? Und wie können sie selbst Strategien aufstellen, um diesen Risiken zu begegnen und Chancen zu nutzen? Auch wenn dieses Rahmenwerk bislang nur ein Vorschlag ist, nutzen es aktuell bereits 60 % der weltweit größten 100 Unternehmen, womit es de facto ein Standard geworden ist, um Klimarisiken für Unternehmen bewertbar zu machen, besonders in der Finanzwelt. 

Die CSRD (Corporate Social Responsibility Directive) beschäftigt sich damit, diese beiden Perspektiven zusammenzubringen und das nicht-finanzielle Reporting, das bislang als Non-Financial Reporting Directive (NFRD) existiert, abzulösen. Ein Rahmenwerk soll entstehen, sodass Unternehmen einen Standard haben, auf den sie sich beziehen können und das ab 2023 greifen soll. Aus Veröffentlichungen weiß man bereits, dass die CSRD auf bestehenden Standards aufbaut und die 6 EU-Klimaziele berücksichtigt. Angekündigt ist dieses Rahmenwerk ab 2023 für Unternehmen mit über 250 Beschäftigten mit €40 Millionen Nettoumsatz und €20 Millionen Bilanzierung. Ab 2026 gilt es auch für gelistete KMUs.

Diese Rahmenwerke entstehen nicht nur auf europäischer Ebene, sondern auch auf internationaler. Unternehmen orientieren sich jetzt schon an den Vorgaben der TCFD. Inzwischen gibt es zudem ein Internationales Sustainability Standard Board (ISSB), das daran arbeitet, ein internationales Konzept für die Offenlegung von klimarelevanten ESG-Daten zu erstellen. Dabei werden ebenfalls die Punkte Governance, Strategie, Risikometriken und KPIs beachtet.

2022 – GET YOUR DATA RIGHT!

Um den Einfluss der ESG-Kriterien in Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette messbar und managebar zu machen, ist eine Klimadatenanalyse notwendig. Nicht nur von Kundenseite, auch durch die genannten Regulationen steigen die Verpflichtungen für Unternehmen, ihren Impact reporten zu können. Hier hilft es hinzuschauen, wo die meisten Emissionen entstehen. Den Großteil des negativen Klimaeinflusses eines Unternehmens machen nicht die direkten Emissionen aus, sondern die Emissionen, die aus der Lieferkette kommen (Abb. 4).

Abb. 4

Emissionen aus der Lieferkette können bis zu 90 % der Unternehmensemissionen ausmachen. Wenn die Klimabilanz eines Unternehmens verbessern werden soll, gilt es, hier hinzuschauen.

WIE KÖNNEN UNTERNEHMEN KLIMAKOMPATIBEL ARBEITEN?

Um die Klimatransformation im Unternehmen voranzubringen, muss ein strukturiertes Klimamanagement aufgesetzt werden. Es reicht nicht aus, Emissionen zu messen und durch Offsetting auszugleichen. CO2 muss vermieden und reduziert werden. Darüber hinaus müssen klimarelevante Daten reportet werden können. 

Die Dekarbonisierung durch klimarelevante Beschaffung macht die Transparenz der Lieferkette wichtiger denn je. Der Umgang mit Scope-3-Emissionen ist für Unternehmen von grundlegender Bedeutung, um Anforderungen hinsichtlich ihrer Klimatransformation zu erfüllen. Dies geht mit unterschiedlichen Herausforderungen einher (Abb. 5). So fehlen z. B. häufig klimarelevante Daten, es müssen Anreize für den Procurementbereich geschaffen und Prioritäten verrückt werden. Entlang der Wertschöpfungskette gibt es bisher keine klaren Klimaziele und keine Standards, nach denen Unternehmen bemessen können, ob und wie ihre Lieferanten Klimastandards einhalten. 

Abb. 5

Um diese Herausforderungen erfolgreich anzugehen, entstand der Zusammenschluss internationaler Konzerne, “Transform To Zero” (Abb. 6). Die Teilnehmenden haben über Industrien hinaus erkannt, dass sie an der gemeinsamen Arbeit an der Dekarbonisierung ihrer Lieferketten profitieren können. Die Einbindung einer fragmentierten Lieferantenlandschaft über mehrere Branchen hinweg erfordert kollektives Handeln. 

Abb. 6

Die größte Herausforderung der Dekarbonisierung der Supply Chain: In den Lieferketten gibt es viele kleine und mittlere Unternehmen, die noch nicht bereit sind, ihre Klimaauswirkungen zu managen, wodurch klimarelevante ESG-Daten fehlen. Nur 28 % der Unternehmen mit Dekarbonisierungszielen sind auf dem Weg, ihre Ziele zu erreichen. Das liegt stark daran, dass sie noch nicht die Herausforderungen in der Lieferkette angegangen sind. Deshalb folgt nun ein Step-by-Step-Guide zur Lieferkettendekarbonisierung.

STEP-BY-STEP LIEFERKETTENDEKARBONISIERUNG

Bei der Dekarbonisierung der Lieferkette gilt es folgenden Fragen nachzugehen:

  1. Wie klimafreundlich sind meine Lieferanten?
  2. Wie helfe ich Ihnen bei ihrer Dekarbonisierung?
  3. Wie kann ich die Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Lieferanten fördern? 

Egal, welchen Prozess man dabei umsetzt, sollte man laut Gartner zunächst einen Weg finden, um Daten zu sammeln, diese dann analysieren und schließlich Expertise aus den verschiedenen Bereichen der Transformation vermitteln.

Um Unternehmen in Richtung klimakompatible Lieferketten bewegen, gilt es die folgenden fünf Schritte zu beachten:

  1. Umfassendes Klimamanagementsystem – Berücksichtigung von Klimaregulierung und Kundenbedürfnissen
  2. Engagement – mit Lieferanten bei der Klimaberichterstattung und den Bemühungen zur Emissionsreduzierung
  3. Einführung der Datenerfassung – Entwicklung einer Methode zur Verwaltung klimarelevanter ESG-Daten von Lieferanten
  4. Datengesteuert – Einsatz von Software, um Lieferanten in die Lage zu versetzen, Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung zu erkennen
  5. Datengestützte Beschaffung – intelligente Entscheidungen treffen und Kapital richtig zuweisen

WIE ZERO-CARBON-SOLUTIONS LIEFERKETTEN DEKARBONISIEREN

40 % der Emissionen in den Lieferketten könnten mit leicht zugänglichen und erschwinglichen Mitteln (<10 € pro Tonne CO2e) reduziert werden und sind dadurch durchaus kompatibel mit den aktuellen Offsetting-Preisen (Abb.7).

Abb. 7

WARUM RENTIERT SICH DIE KLIMATRANSFORMATION?

Die erste Generation von „Climate Champion“-Unternehmen erwirtschaftet intensive Aktionärsrenditen. Es lässt sich aufzeigen, dass sowohl einkaufende Unternehmen ihre Umsätze steigern und Performance heben, als auch, dass sich Kosten reduzieren lassen.

WRAP-UP LIEFERKETTENDEKARBONISIERUNG:

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass es gilt CO2-Reduktionen entlang der gesamten Wertschöpfung effektiv umzusetzen. Unternehmen müssen ihre Lieferketten transformieren und ein klimarelevantes Sourcing aufbauen, indem sie aktiv mit Lieferanten zusammenarbeiten und diese dazu befähigen, ihre eigenen Klimadaten zu managen und CO2 zu reduzieren. Klimarelevante Beschaffung muss eine kollaborative Einkaufs-Lieferanten-Beziehung ermöglichen, die Lieferanten befähigt, Klima-Champions zu werden.

Hierbei hilft THE CLIMATE CHOICE. Als Software-as-a-Service Plattform bietet es zuverlässige Klima-Ratings und ein kollaboratives, datengesteuertes Werkzeug zur Dekarboniserung von Unternehmen und ihren Lieferketten. Die handlungsorientierte und einfach zu handhabende Klima-Scorecard bietet als detaillierte Analyse Einblicke in die aktuellen klimarelevanten Chancen, Potentiale und Risiken eines Unternehmen. Die smarte Technologieplattform unterstützt Unternehmen dabei Handlungsfelder aufzudecken und Dekarbonisierungsmaßnahmen zusammen mit Lieferanten und Handelspartnern umzusetzen. Transformation wird so ganzheitlich möglich und durch ein starkes CLIMATE Netzwerk umgesetzt, welches mit einer einheitlichen Methodik zur Bewertung und Verbesserung der eigenen Klimaleistung arbeiten, um Transparenz und zielgerichtete CO2-Reduktion zu fördern und sich zukunftsorientiert zu positionieren.

Mache Dein Unternehmen zum CLIMATE Champion! Kontaktiere uns gleich und mache ein kostenloses Beratungsgespräch aus. 

Klimatransformation des Gesundheitswesens – „Es ist mehr möglich!“

Markus Mord, Geschäftsführer Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH

Interviewpartner: Markus Mord, Geschäftsführer der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH (zugehörig u. a. Marienhospital Stuttgart) setzt den Fokus auf Nachhaltigkeit und strebt eine Vorreiterrolle im Bereich Klimaschutz an.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE berichtet er über die steigende Relevanz von Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen und erklärt, wie das Marienhospital mithilfe gezielter Maßnahmen eine nachhaltige Unternehmensführung angeht.

Wir freuen uns, gemeinsam mit dem Marienhospital Stuttgart die Klimatransformation voranzubringen. Könnt Ihr Euch unserer CLIMATE Community kurz vorstellen?

Wir – das ist das Marienhospital Stuttgart, ein christliches Krankenhaus der Zentralversorgung. Mit 761 Betten zählt es zu den größten Kliniken Stuttgarts. Es beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber im Stuttgarter Süden. „Medizin leben. Mensch sein“ ist unser Leitmotiv für fachliche wie auch menschliche Spitzenmedizin. Dazu gehört für uns auch, dass wir einen Beitrag  für die Bewahrung unserer Lebenswelt leisten und uns für den Nachhaltigkeitsgedanken im Sinne einer ökologischen und sozialen Zukunftssicherung für Kinder, Enkel, Urgroßenkel und Ur-Ur-Urgroßenkel einsetzen.

Welche größten klimarelevanten Herausforderungen seht ihr bei euch im Alltag?

Bekanntermaßen leidet das Gesundheitswesen und insbesondere die Krankenhäuser unter einem großen Kosten- und Effizienzdruck. Nachhaltigkeits- bzw. Umweltschutzmaßnahmen eilen oft das Vorurteil „teuer“ voraus und eine Umsetzung wird allein dadurch bereits in den Köpfen ausgeschlossen. Diese Denkweise wollen wir durchbrechen und wir sind der Überzeugung: Es ist mehr möglich, als man auf den ersten Blick vermutet! 

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Bislang war bei uns im Marienhospital das Thema „Nachhaltigkeit“ ein eher untergeordnetes Thema mit vereinzelten Aktivitäten in verschiedenen Bereichen durch unterschiedliche Akteure. Durch den CLIMATE Readiness Check haben wir nun ein  ganzheitliches Bild bekommen und können dadurch gezielte und konkrete Maßnahmen für eine Transformation hin zu einem nachhaltigen Unternehmen angehen.

Welche wichtigsten Learnings habt ihr mitgenommen?

Machbare und konkrete Ziele Schritt um Schritt angehen. Das große Thema „Nachhaltigkeit“ kann manchmal auf den ersten Blick überwältigen. Aber durch das Herunterbrechen auf Zwischenziele und „Quick Wins“ wird die Komplexität handhabbar und motiviert für die nächsten Schritte. 

Was sind Best Practices, die ihr anderen Organisationen mit auf den Weg geben wollt?

Nachhaltigkeit ist kein kurzfristiges Phänomen: Wer sich bislang noch nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat, sollte jetzt damit beginnen. Der Transformationsprozess läuft – und ist kein kurzlebiger Trend. Es ist abzusehen, dass Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, zukünftig im Vorteil sein werden. Gut, wer dann schon auf dem Weg ist und nicht noch danach sucht.

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Bildquelle: Unsplash

CO2-Reduktion durch Circular Economy – Die Wirtschaft gemeinsam neu denken

Ressourcen und Wertstoffe sind endlich – das ist uns allen schon lange bewusst. Dennoch hat die globale Wirtschaft heute extreme Formen von Produktion und Konsum entwickelt. Konventionelle Geschäftsmodelle sind nicht auf Ressourcenknappheit ausgelegt und somit nicht zukunftsfähig, wenn die Erde ein bewohnbarer Ort bleiben soll. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, durch ihr Handeln eine Transformation im Interesse des Klimas und der Gesellschaft zu unterstützen.

Circular Economy als Rahmen für verantwortungsbewusstes Wirtschaften

Ein zirkuläres Geschäftsmodell zielt darauf ab, Roh- und Werkstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten und damit den Lebensweg eines Produktes ressourceneffizient, umweltfreundlich und kostengünstig zu gestalten. Die Produktion erfordert grundlegendes Umdenken, insbesondere im Bereich des Produktdesigns, aber auch in allen anderen Phasen des Produktlebenszyklus. Schließlich geht das Konzept der zirkulären Wertschöpfung weit über Recycling hinaus, denn bereits verwendete Ressourcen werden nicht als Abfall, sondern als Ausgangspunkt für neue Werkstoffe oder Produkte betrachtet. 

Auf diese Weise lassen sich Umweltbelastungen, wie die Zerstörung der Ökosysteme und der Verlust der Biodiversität sowie Schadstoffeinträge in Boden, Luft und Wasser vermindern. Eine Circular Economy ermöglicht, innerhalb der planetarischen Grenzen zu wirtschaften, die begrenzten Rohstoffe effizient zu nutzen und wenig bis keinen Abfall zu produzieren. Jährlich kann durch eine Circular Economy in Deutschland von einem erheblichen Rückgang von Primärrohstoffen ausgegangen werden:

CO2-Einsparung durch zirkuläre Prozesse 

2019 machte der Anteil von wiedergewonnen Ressourcen bei Produktionsmaterialien in Deutschland nur rund 10 % aus. Die Substitution importierter durch recycelter Rohstoffe hinterlässt jedoch einen weitaus kleineren ökologischen Fußabdruck als durch herkömmliche Produktionsweisen. Laut einer Studie vom BDI ermöglicht eine Circular Economy in Deutschland eine Reduktion von 5,5 Millionen Tonnen CO2. Während durch Aufbereitungsprozesse und Recycling von sekundären Rohstoffen in Deutschland rund 9 Mio Tonnen zusätzliche CO2-Emissionen entstehen, werden rund 14,5 Mio Tonnen CO2-Emissionen eingespart, die durch Importe von Rohstoffen wegfallen. Auf globaler Ebene stehen laut dem Circularity Gap Report 2021 70 % der weltweiten Treibhausgasemissionen in direktem Zusammenhang mit Gewinnung, Transport, Verarbeitung und Nutzung von Materialien. Wenn das klassische, lineare Wirtschaftsmodell durch zirkuläre Prozesse ersetzt würde, entstehe laut der gleichen Studie das Potenzial, die globalen Treibhausgasemissionen um 39% und den Verbrauch von Rohstoffen um 28% zu senken.

Doch wo können wir ansetzen, um Geschäftsmodelle zirkulär und ressourcenschonend zu gestalten? Im Folgenden finden sich die 7 Stufen einer Circular Economy, welche den gesamten Lebenszyklus von Rohstoffen und Produkten in den Blick nehmen.

7 Stufen der Circular Economy 

  1. Rohstoffeinsatz – möglichst geringer Einsatz von Primärrohstoffen durch das Ersetzen mit sekundären Rohstoffen und dem Einsatz von biogenen Rohstoffen und erneuerbaren Energien
  2. Produktdesign – Langlebigkeit steigern, indem Wiederaufbereitung der Produkte und Reparierbarkeit beim Design bedacht werden (z. B. Produkte mit leicht austauschbaren Akkus, etc.)
  3. Herstellung und Distribution – Optimierung der Material- und Energieeffizienz bei Herstellung, Lagerung und Transport (z. B. Mehrwegverpackungen, optimierte Distributionslogistik, etc.)
  4. Nutzung – Fokus auf längere und häufigere Nutzung der Produkte (z. B. Car-Sharing, etc.)
  5. Sammlung – Sortierung und Zuführung einer stofflichen Wiederverwendung (z. B. Textilrecycling, Recycling von PET-Flaschen, etc.)
  6. Weiter- und Wiederverwendung – Wiedereinspeisung in Wirtschaftskreislauf (z. B. Einschmelzung von gemischten Kunststoffabfällen zu neuen Kunststoffrohstoffen, etc.)
  7. Stoffverluste – Ausschleusen von Reststoffen, deren Recycling technisch nicht möglich oder ökonomisch nicht sinnvoll ist 

Fazit: Eine Circular Economy birgt großes Potenzial, globale Emissionen zu reduzieren und die Klimatransformation voranzutreiben. Sie ermöglicht es, die Wirtschaft neu zu denken und bildet die Grundlage dafür, in Einklang mit Umwelt und Klima zu wirtschaften. Unternehmen und Startups können heute beginnen, in Zusammenarbeit mit Lieferanten und Stakeholder:innen, Herstellungsprozesse zu optimieren und mit innovativen Produktdesigns nicht nur die eigene Klimawirkung zu verbessern, sondern auch einen Beitrag zur Transformation hin zu einer klimakompatiblen und kreislauffähigen Wirtschaft zu leisten. 

Du willst auch einen besseren Überblick über die klimarelevanten Chancen und Risiken Deines Unternehmens bekommen? Dann melde Dich bei uns und fordere Informationen zum CLIMATE Readiness Check an.

2021 im Rückblick – Die wichtigsten Erkenntnisse und Trends der Klimatransformation

Zahlreiche Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr Klimaziele gesetzt und arbeiten seither an konkreten Maßnahmen für eine ganzheitliche CO2-Reduktion. Was haben sie dabei konkret über die Umsetzung von Klimazielen gelernt? Und welche Trends und Herausforderungen zeichnen sich für 2022 ab? Zusammen mit unserer Partnerin B.A.U.M. e.V haben wir im finalen CHOICE Event #32 gemeinsam mit Expert:innen der Unternehmen Miele, Telefónica und Henkel Antworten auf diese Fragen gesucht und das Jahr 2021 Revue passieren lassen. Hier findest Du die wichtigsten Inhalte, zusammengefasst in 4 spannenden Trends für das Jahr 2022.

#1 Kreislauffähige Herstellungsprozesse – Verpackung neu denken

Lilith Lauk

“Worauf es ankommt: Teamwork! Wir arbeiten mit Händlern und Rohstofflieferanten zusammen, um gemeinsam innovativer zu werden und Ressourcen wieder aufzuarbeiten.”

– Lilith Lauk, Circular Economy bei Henkel

Henkel verfolgt eine ganzheitliche Strategie zur Förderung der Circular Economy, indem das Unternehmen nachhaltige Verpackungen entwickelt und verwendet. Der Bereich Verpackung muss dafür von den Rohstoffen über die Herstellung bis hin zu den Endkund:innen ganzheitlich betrachtet werden. Um Verpackungen kreislauffähig und damit ressourcenarm zu gestalten, bemüht sich das Unternehmen, Rohstoffe so zum Einsatz zu bringen, dass sie nach der Nutzung wiederverwendbar sind. Vor allem lässt sich in diesem Bereich ein Trend in Richtung Monomaterial identifizieren. Da die Verpackung in diesem Fall aus lediglich einem Material bestehen, lässt sich dieses im Nachgang unkomplizierter recyceln und zu neuen Rohstoffen weiterverarbeiten. Die Grundvoraussetzung für eine kreislauffähige Verpackungsherstellung ist es dabei, den verbleibenden Abfall nicht als solchen zu betrachten, sondern als Potenzial zur Rohstoffgewinnung. 

#2 Beste Energieeffizienz und Langlebigkeit der Produkte

Christoph Wendker

“Wir fokussieren uns auf die Energie- und Wasserverbrauchsreduktion bei der realen Nutzung der Produkte im Haushalt sowie darauf, den Produktlebenszyklus auch mit über die gesamte Lebenszeit der Produkte verfügbare Reparaturleistungen zu verlängern.”

Christoph Wendker, Vice President Corporate Sustainability and Regulatory Affairs bei Miele

Bei Miele stehen beim Thema Nachhaltigkeit vor allem die Klimastrategie sowie Langlebigkeit ihrer Produkte im Vordergrund. Das Unternehmen beschäftigt sich schon seit den 1990er Jahren intensiv mit dem Thema Klimaschutz. Es veröffentlicht seit 2002 Berichte und Ziele zum Thema Nachhaltigkeit und verfolgt seit 2011 eine konkrete Strategie zur CO2-Emissionsreduktion im Unternehmen. Als einziger Anbieter in der Branche testet Miele die eigenen Großgeräte auf 20 Jahre Lebensdauer und weist das auch nach. Der Fokus liegt also auf der Langlebigkeit der Produkte. Um in Serie zu gehen, müssen Produkte in anspruchsvollen Dauer- und Belastungstests ihre Zuverlässigkeit beweisen. In die Klimabilanz des Unternehmens gehen auch die Emissionen ein, welche durch die Nutzung der Produkte entstehen, sowie Serviceleistungen wie Reparatur und Ersatzteilproduktion. Dies macht bis zu 83 % der gesamten Klimaauswirkung des Unternehmens aus. Daher fokussiert sich Miele zudem seit langem darauf, die Energieeffizienz der eigenen Produkte zu steigern: seit dem Jahr 2000 bis heute konnte Miele im Schnitt rund 55 % Energieeinsparung bei den Geräten erreichen und plant bis 2030 noch einmal eine Reduktion um 15 %.

#3 Mit digitalen Tools CO2 in der Lieferkette reduzieren

Joachim Sandt

“Das Pilotprojekt mit THE CLIMATE CHOICE kann wichtige Erkenntnisse für die Dekarbonisierung von Telefónica Deutschland im Scope 3 liefern. Unseren Lieferanten bietet es Unterstützung bei ihrer Klimatransformation und wir können mehr Transparenz und vergleichbare Daten über die Klimaleistung in unserer Lieferkette erhalten.”

– Joachim Sandt, Umweltbeauftragter bei Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland möchte für ihre Klimastrategie die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um Rohstoffe und Energie einzusparen. Das Unternehmen strebt an, die Klimaauswirkungen der eigenen Unternehmenstätigkeiten bis in die Lieferkette hinein nachzuvollziehen und auf dieser Basis ganzheitlich Emissionen zu reduzieren. Telefónica möchte so zu einem Klima-Vorreiter in der deutschen Telekommunikationsbranche werden und einen Trend setzen. Denn es hat bereits erkannt: Die Branche kann eine wesentliche Rolle für die Dekarbonisierung der Wirtschaft spielen. Telefónica Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2025 klimaneutral zu wirtschaften. Daher investiert es schon heute in energieeffiziente Technik, fördert eine schadstoffarme Mobilität und bietet Kund:innen zunehmend nachhaltige Produkte und Dienstleistungen an. Um effiziente Dekarbonisierungsmaßnahmen nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch entlang der Lieferkette umzusetzen, hat der Mobilfunkanbieter ein Partnerprogramm mit THE CLIMATE CHOICE gestartet. Im Rahmen des Projekts konnten mithilfe eines neuen Software-Tools erfolgreich klimabezogene Risiken und Potenziale ausgewählter Lieferanten identifiziert und eine strategische Grundlage für die Dekarbonisierung von Telefónica Deutschland im Scope 3 gelegt werden.

#4 Durch Klimadaten Transparenz schaffen und Zusammenarbeit fördern 

Lara Obst

“Die eigene Klimaleistung zu verbessern bedeutet nicht, top-down eine Datenabfrage durchzuführen, sondern aktiv Lieferanten einzubinden, zu unterstützen und gemeinsam in die Dekarbonisierung zu kommen.”

Lara Obst, Gründerin von THE CLIMATE CHOICE

Getrieben von politischen Regulationen und steigenden Anforderungen von Kund:innen sowie Investor:innen werden Unternehmen heute zunehmend aufgefordert, Transparenz bezüglich ihrer Klimawirkung zu schaffen. Da eine ganzheitliche Klimadatenanaylse für Unternehmen noch immer eine Herausforderung darstellt und insbesondere der Mittelstand hierfür oftmals nicht über die notwendigen Ressourcen verfügt, bietet THE CLIMATE CHOICE mit einem kollaborativen Software-Tool ein handlungsorientiertes Rahmenwerk für die Lieferkettendekarbonisierung. Entlang internationaler Standards ermöglicht der Climate Readiness Check es Unternehmen und ihren Lieferanten, ihren Klimareifegrad zu identifizieren und gemeinsam Dekarbonisierungsmaßnahmen einzuleiten. Die ganzheitlich Datenabfrage schließt dabei u. a. sowohl die Klimastrategie Unternehmens als auch die Wirksamkeit des Klimamanagements mit ein. Damit unterstützt THE CLIMATE CHOICE Unternehmen dabei, die eigene Klimatransformation entlang der gesamten Lieferkette und in Kooperation mit Lieferanten voranzutreiben.

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Durch Food Waste Monitoring die Klimatransformation voranbringen

Jakob Breuninger und Valentin Belser

Interviewpartner: Machine-Learning-Experte Jakob Breuninger und Luftfahrtingenieur Valentin Belser haben 2017 Delicious Data gegründet. Das Münchner Startup nutzt künstliche Intelligenz, um die Verschwendung und Überproduktion von Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu minimieren.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE erklären die beiden die besondere Bedeutung von Food Waste für den Klimawandel und geben Tipps, wie Unternehmen hier ansetzen und mithilfe von digitalen Tools Lebensmittel gezielt und bedarfsgerecht einsetzen können.

Wir freuen uns, dass Delicious Data als neuer CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen? 

VB: Na klar, sehr gerne. Wir sind Jakob Breuninger und Valentin Belser und haben Delicious Data 2017 gegründet, um dem globalen Problem der Lebensmittelüberproduktion und der damit zusammenhängenden Verschwendung von wertvollen Ressourcen mit einer smarten, auf KI-basierenden Technologie zu begegnen. 

Die Idee zu Delicious Data kam uns beim Mittagessen in der Unimensa. Kurz vor Schließung war noch eine große Menge an frisch gekochtem Essen an der Ausgabe, gleichzeitig aber keine Gäste mehr vor Ort, um alles aufzuessen. Hier wurden wir zum ersten Mal auf das Problem von Abfällen in der Gastronomie aufmerksam. 

Mit unserer Plattform können wir Unternehmen jetzt unterstützen, den Lebensmitteleinsatz in der Außer-Haus-Verpflegung optimal zu steuern und so zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen. 

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

JB: Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem: Ungefähr ein Drittel aller Lebensmittel gehen entlang der Wertschöpfungskette weltweit verloren. Das ist nicht nur eine Vergeudung von wertvollen Ressourcen, sondern dazu auch noch hochgradig klimaschädlich. Denn alleine die verschwendeten Lebensmittel sind für 8 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Jedes Kilo Food Waste verursacht nämlich 2,5 kg CO2-Äquivalente. 

In Deutschland entstehen jährlich ca. 1,7 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle in der Außer-Haus-Verpflegung! Ein enormes Potenzial, um einen ressourcenschonenden Beitrag im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung, aber auch in Bäckereien und Supermärkten zu leisten. Mit unserem Food Waste Monitoring können wir bei vielen Unternehmen zunächst das Bewusstsein für die Überproduktion schärfen und Handlungspotenzial aufzeigen. 

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln? 

JB: Unser vollumfängliches Feature-Set aus Absatzprognosen, Food Waste Monitoring, intelligentem Tagesplaner und dem Analyse-Dashboard ermöglicht es, Waren gezielt und bedarfsgerecht einzusetzen. Denn gerade bei der Planung des Lebensmittelbedarfs besteht oft sehr große Unsicherheit, was dazu führt, dass oft zu viel produziert wird. 

Der Deep-Learning-Algorithmus unserer Plattform dagegen plant den Wareneinsatz präzise und bringt alle verfügbaren Datenpunkte, wie Verkaufshistorie, Menüplan und externe Faktoren (Wetter, Feiertage und lokale Events) für die Prognose in Zusammenhang. So können die Unternehmen schon beim Einkauf mit realistischen Zahlen arbeiten und zur Reduzierung von Food Waste beitragen. Unsere Erfahrungswerte liegen hier bei einer um 40 % besseren Planungsgenauigkeit und einer Verringerung des Food Waste um 30 %. Einer unserer Kunden konnte z. B. in 6 Monaten 7.000 Essen retten. Das entspricht einem Klima-Impact von 8.651 kg weniger CO2 und 380.650 Litern weniger Frischwasser-Verschwendung. 

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei? 

VB: Heutzutage ist es absolut wichtig für Unternehmen zu analysieren, wo sie in Bezug auf nachhaltiges Handeln und Wirtschaften stehen und welche Hebel in Bewegung gesetzt werden können, um einen relevanten Impact zu mehr Nachhaltigkeit und ressourcenschonendem Wirtschaften zu leisten. 

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

1. Vorteile des digitalen Fortschritts nutzen, um Ressourcen schonend einzusetzen

2. Mittels Datenanalyse ein Auge auf den Einsatz der Ressourcen haben

3. Prozesse und Abläufe auf Nachhaltigkeit prüfen

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Glossar der klimakompatiblen Beschaffung – die wichtigsten Begriffe im Überblick

Wer die Klimatransformation im eigenen Unternehmen vorantreiben möchte, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Denn da der Großteil der CO2-Emissionen eines Unternehmens durch eingekaufte Produkte und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfung entsteht, ist die Lieferkette der größte Hebel für umfangreiche Emissionsreduktion.

Der größte Trend 2022 für die Klimatransformation ist daher eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Einkaufsleiter:innen und Klimabeauftragten. Damit sie gemeinsam CO₂-Reduktionen in der Lieferkette umsetzen können, braucht es jedoch ein gemeinsames Verständnis über die grundlegenden Konzepte klimakompatiblen Handelns. Dabei ist die Liste der neuen Verordnungen, Konzepte, Regelwerke und Praxisansätze lang und für Einsteiger oft kaum zu überschauen.

Die relevantesten Begriffe im Überblick

Im Folgenden haben wir Dir daher ein Glossar der klimarelevanten Beschaffung zusammengestellt. Anhand der erklärten Begriffe erhältst Du einen umfassenden Überblick darüber, was klimarelevantes Wirtschaften entlang der gesamten Lieferkette bedeutet und auf welcher Grundlage eine verantwortungsvolle Beschaffungspraxis im Unternehmen entwickelt wird:

Corporate Social Responsibility (CSR)

Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) steht für unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Eine CSR-Strategie verfolgt das Ziel, ökonomische, soziale und ökologische Aspekte im Unternehmen miteinander zu verbinden und in Einklang zu bringen. Das CSR-Richtlinien-Gesetz legt seit 2017 CSR-Berichtspflichten für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten fest. Diese geben vor, welche Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmer:innenbelangen Unternehmen transparent offenlegen müssen. Es schafft Anreize für Unternehmen, entlang der gesamten Lieferkette soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Klimakompatibler Einkauf zielt darauf ab, diese Grundsätze der sozialen Verantwortung im Lieferkettenmanagement sowie im Lieferantenauswahlprozess zu integrieren. Damit schafft CSR die Grundlage für verantwortungsbewusste Beschaffungsprozesse.

Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Mit der kommenden Anpassung der EU-weiten CSR-Berichtspflicht, der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), werden rund 15.000 Unternehmen in Deutschland bald dazu verpflichtet, die von ihnen ausgehenden Risiken für Gesellschaft und Umwelt offenzulegen. Der neue Standard führt zu einer zukunftsorientierten Veränderung der Geschäftsbeziehungen. Investor:innen, Kund:innen und Geschäftspartner:innen werden in der Lage sein, die Auswirkungen von Unternehmen und ihre tatsächlichen Maßnahmen zur Verbesserung dieser Auswirkungen zu erkennen. Denn Unternehmen werden jährlich darüber berichten müssen, wie sie ihre soziale und ökologische Dimension sowie die Unternehmensführung handhaben. Die berichteten Informationen müssen solide, transparent und überprüfbar sein. Daher werden ein internes Managementsystem sowie externe Audits bald obligatorisch sein, um die Auswirkungen entlang der Lieferkette kontinuierlich zu messen und zu überwachen. 

Weitere Insights zum Game Changer CSRD finden sich hier.

ESG-Kriterien

Der Begriff ESG kommt aus dem Finanzsektor und steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Da klimakompatibles Wirtschaften weit über den Umweltaspekt hinausgeht, soll die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens anhand unterschiedlicher Kriterien aus diesen drei Bereichen bewertet werden. Evaluiert werden somit nicht nur die direkten und indirekten Umweltauswirkungen einer Unternehmung, sondern auch der Grad der unternehmerischen Sozialverantwortung. ESG-Kriterien haben sich heute als Standard nachhaltiger Finanzanlagen etabliert und fördern somit die Transparenz nachhaltiger Unternehmensaktivitäten in der Finanzwirtschaft.

Wie Du in 5 Schritten klimafokussierte ESG-Kriterien für den Einkauf nutzen kannst, erfährst Du hier.

Global Reporting Initiative (GRI)

In Zusammenarbeit mit den United Nations unterstützt die Global Reporting Initiative (GRI) die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Organisationen. Dazu veröffentlichte GRI im Jahr 2016 seinen Sustainability Reporting Standard, der einen Berichtsrahmen mit dazugehörigem Leitfaden und Kriterien beinhaltet, welcher heute schon von tausenden Organisationen in über 100 Ländern genutzt wird. Dies trägt zur Vergleichbarkeit der Klimadaten bei, legt unternehmerische Klimachancen sowie -risiken transparent offen und gewährleistet Stakeholder:innen einen besseren Einblick in die Unternehmensleitung. Unternehmen können so ebenfalls die Klimaleistung ihrer Lieferanten einordnen und die Ergebnisse in die Lieferantenauswahlprozesse einbeziehen.

Klima Sourcing

Intelligentes Klima Sourcing basiert heute auf klimarelevanten und validen Daten. Um diese zu erhalten, muss die Klimawirkung eines Lieferanten anhand von verschiedenen relevanten Wirkungs- und Risikodimensionen ganzheitlich analysiert werden. Dies bringt nicht nur Transparenz in die Lieferkette, sondern fördert auch die Vergleichbarkeit von Klimadaten. Unternehmen können so klimakompatible Lieferanten identifizieren, die bereits hohe Reportingstandards und klimarelevante Wirkungsprofile aufweisen.

Scope 1-3 Emissionen

Für die Berechnung der Emissionen in einem Unternehmen wird zwischen verschiedenen Emissionsquellen differenziert. Laut dem Greenhouse Gas Protocol werden Treibhausgasemissionen in Scope 1, 2 und 3 unterteilt. Während die Emissionen in Scope 1 und 2 die firmeneigenen Emissionen umfasst, welche durch bspw. Gebäude, Strom und Mobilität erzeugt werden, fallen unter Scope 3 solche Emissionen, die durch eingekaufte Produkte und Dienstleistungen entlang der Lieferkette entstehen. Die Betrachtung der Scope 3-Emissionen erweist sich als besonders wichtig, da diese den Großteil der Gesamtemissionen eines Unternehmens ausmachen.

Supplier Engagement

Der Schlüssel der Lieferkettendekarbonisierung liegt darin, nicht nur Anforderungen an Lieferanten zu stellen, sondern sie auf dem Weg der Klimatransformation mitzunehmen und sie in der Umsetzung der eigenen Klimaziele zu unterstützen. Dies geschieht, indem eine datengetriebene Software-Analyse Lieferanten nicht nur die eigene Klimaperformance aufzeigt, sondern handlungsorientierte Potenziale und konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen identifiziert. Auf dieser Grundlage arbeiten Lieferanten und Kund:innen transparent und zukunftsorientiert zusammen, um gemeinsam individuelle Maßnahmen einzuleiten und Klimaziele aktiv umzusetzen.

Unsere CLIMATE Data Platformim unterstützt Dich beim datenbasierten Supplier Engagement.

Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD)

Die TCFD-Empfehlungen unterstützen Unternehmen bei der effektiven und unkomplizierten Offenlegung klimabezogener Daten. Das Rahmenwerk wurde 2017 auf Wunsch der G20-Finanzministerien sowie der Zentralbank veröffentlicht und dient heute als ganzheitlicher Leitfaden für einen umfassenden Reportingprozess. Dabei geht es um die 4 Kernbereiche: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Metriken und Ziele. Die Chancen einer schnellen Umsetzung sind sowohl ein besserer Zugang zu Kapital durch erhöhtes Vertrauen der Kreditgeber:innen als auch ein gesteigertes Verständnis von klimabezogenen Risiken und Chancen, wodurch bereits bestehende Offenlegungspflichten besser erfüllt werden können.

Erfahre hier mehr darüber, wie sich die TCDF-Empfehlungen für eine transparente Berichterstattung in Deinem Unternehmen umsetzen lassen.

Verhaltenskodex für Lieferanten

Ein Verhaltenskodex dient dazu, die Anforderungen und Standards an Lieferanten transparent zu kommunizieren. Hier werden nicht nur Anforderungen für Sozial- und Arbeitnehmer:innenstandards, sondern auch für Umweltbelange festgelegt sowie Richtlinien zur Überprüfung und Dokumentation abgesteckt. Damit sorgt ein Unternehmen dafür, dass auch Lieferanten für verantwortungsvolles und klimarelevantes Handeln sensibilisiert und in der Umsetzung der eigenen Klimaziele gefördert werden.

Zirkularität

Das Ziel der zirkulären Wertschöpfung ist, im Gegensatz zum Konzept der linearen Wertschöpfung, Roh- und Werkstoffe möglichst lange zu verwenden und den Umgang mit Ressourcen so effizient wie möglich zu gestalten. Dies ist nicht mit dem klassischen Recycling gleichzusetzen. Zirkularität zielt darauf ab, das End-of-Life-Konzept durch geschlossene Kreisläufe zu ersetzen und damit eine regenerative und effiziente Produktion von Gütern zu ermöglichen. 

Circular Economy als ganzheitlicher Ansatz – so funktioniert’s.

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Ecosia: „Unternehmen müssen Menschen und den Planeten vor Profit stellen.“

Wolfgang Oels

Interviewpartner: Dr. Wolfgang Oels war Unternehmensberater bei McKinsey & Company, leitete einmal die größte Solarzellproduktion der Welt, arbeitete für ein Solarstartup in der Nähe von San Francisco und ist heute COO bei Ecosia, der Suchmaschine, die Bäume pflanzt.

Neben ihrer Suchmaschine bietet Ecosia Trees Unternehmen die Möglichkeit, eine ganzheitliche Aufforstung der Wälder zu unterstützen. Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE gibt Wolfgang Oels Einblicke in die eigene Klimastrategie von Ecosia sowie Tipps, wie andere Unternehmen ihre Klimatransformation vorantreiben und ebenfalls über „neutral“ und „100 %“ hinausgehen können.

Wir konnten euch Anfang des Jahres bei eurer Klimastrategie begleiten. Was hat sich seitdem bei euch getan?

Wir arbeiten daran, weitere Solarprojekte aufzubauen, um auch bei unserem weiteren rasanten Wachstum zu 200 % erneuerbar zu sein. Wir haben heute über 15 Millionen weltweite User, die gemeinsam mit Ihren Suchen zu einer besseren Welt beitragen. Dank der Solaranlagen und unseren gepflanzten Bäumen entfernen wir mit unseren Suchen viel mehr CO2, als wir ausstoßen und durch die Einspeisung von Solarenergie ins Netz, wird zudem aktiv zur Energiewende beigetragen, weg von fossilen Brennstoffen. 

Zudem wollen wir andere Unternehmen motivieren, ebenfalls über „neutral“ und „100 %“ hinauszugehen und die Messlatte für Regierungen und Großkonzerne höherzuheben. Schaut man auf das Pariser Abkommen, so zielt dies auf das Minimum zum absolut letztmöglichen Zeitpunkt und macht daraus ein Ziel für die Regierungen der Welt. Ohne Puffer. Aber: Wenn einer der 190 Staaten sein Ziel nicht erreicht, dann scheitern wir alle. Ebenfalls unzureichend waren die Versprechen der COP26 – hier wurden die Versprechen bezüglich fossiler Brennstoffe im Vergleich zum Pariser Abkommen sogar nochmals geschwächt. All das müssen wir ändern. Unternehmen müssen jetzt regenerativ sein – klimaneutral reicht nicht mehr.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Klimarelevante Herausforderungen sind die größte und dringendste Krise, mit der die Menschheit konfrontiert ist. Sie können also nicht einfach einer Abteilung zugeordnet werden oder als Greenwashing-Kampagne genutzt werden. Die größte Herausforderung besteht darin, dass sich Denkweisen ändern und diese darin einfließen, wie Unternehmen geführt werden. Unternehmen müssen Menschen und den Planeten vor Profit stellen. Es ist schwer, Einfluss auf die Lieferketten zu nehmen, insbesondere, wenn es wie bei den Big Tech Oligopolisten keine wirklichen Alternativen gibt. Auch Klimaaktivismus sollte in den Kern der Funktionsweise von Unternehmen integriert werden, um den größtmöglichsten Einfluss zu erzielen. Bei Ecosia zählt es beispielsweise als Arbeitszeit, wenn Mitarbeitende während ihrer Arbeitsstunden an einem Klimastreik teilnehmen – und auch wenn gewaltloser Klimaaktivismus dazu führen sollte, dass Ecosia-Mitarbeitende inhaftiert werden, würde ihre Zeit hinter Gittern als Arbeitszeit zählen.

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Wir haben unsere eigenen Plattformen, wie z. B. unsere Suchmaschine oder unseren eigenen Baumpflanzservice, für andere Unternehmen geöffnet. So helfen wir anderen, klimapositiv zu werden und über den eigenen Fußabdruck hinaus zum Kohleausstieg und zu Nature-based Solutions beizutragen. Über Ecosia Trees können Firmen, deren Werte und Visionen mit denen von Ecosia übereinstimmen, mit uns z. B. Bäume pflanzen. Außerdem arbeiten wir mit den Leaders For Climate Action an einem Solarportfolio für Unternehmen, die sich mit 100 % erneuerbarem Strom nicht zufrieden geben.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

Unsere Gesellschaften befinden sich in einer epochalen Krisensituation. Dem „neutral“ gegenüberzustehen reicht nicht. Unternehmen mit Führungsanspruch müssen höher zielen:

1. Wirklich 100 % echten Grünstrom kaufen (z. B. von Naturstrom, EWS oder Green Planet Energy). Darüber hinaus mit eigenen Kapazitäten Kohle aus dem Netz drücken und wie Ecosia 200 % erneuerbar werden.

2. Auch die Biodiversitätskrise angehen, durch bewussten Einkauf wie die Umstellung von Kantinen und darüber hinaus in Nature-based Solutions investieren.

3. Banken finanzieren unsere Infrastrukturen, im Guten wie im Bösen. Geldgeschäfte daher nur mit sozial-ökologischen Banken (wie z. B. GLS, Triodos oder Umweltbank).

Du bist neugierig geworden und willst wissen, wie Du mit Deinem Unternehmen eine ganzheitliche Aufforstung der Wälder unterstützen kannst? Finde hier mehr Informationen zum Projekt „Ecosia Trees“.

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TRILUX: “Unsere Verantwortung hört nicht an der Arnsberger Stadtgrenze auf.”

Katrin Discher

Interviewpartnerin: Katrin Discher ist seit 2020 für den Bereich Nachhaltigkeit innerhalb der TRILUX Gruppe verantwortlich. Der deutsche Marktführer für technische Leuchten hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt und arbeitet nun intensiv an deren Umsetzung.

Um eine grundlegende Übersicht und eine vergleichbare Bewertung ihrer Zielsetzungen und entsprechenden Maßnahmen zu erhalten, hat TRILUX den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Wir sprechen mit Katrin Discher über ihre Erfahrungen, die wichtigsten Erkenntnisse sowie die nächsten Schritte auf ihrem Weg der Klimatransformation.

Wir freuen uns, mit TRILUX gemeinsam den CLIMATE Readiness Check durchgeführt zu haben. Könnt ihr euch kurz vorstellen?

Das inhabergeführte Unternehmen Trilux mit Sitz im im sauerländischen Arnsberg ist ein technisch-orientierter Hersteller von professionellen LED-Beleuchtungslösungen und Steuerungssystemen für Einsatzzwecke in der Industrie, Office, Health & Care, Education, Retail sowie in der Außenbeleuchtung. Wir beschäftigen weltweit ca. 5.000 Mitarbeitende und steuern mit dem Einsatz unserer energieeffizient ausgelegten Produkte zur globalen CO2-Reduktion bei.

Wie positioniert ihr euch in Sachen Klimatransformation? Welche Klimaziele habt ihr für euch definiert?

Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit Energie- und Emissionsreduktion und haben entsprechend ein sehr umfassendes ISO Energie- und Umweltmanagementsystem. Nichtsdestotrotz haben wir uns auf Basis der Science Based Targets (SBTs) ein klares Klimaziel gesetzt: Wir wollen an allen deutschen Produktionsstandorten bis 2025 klimaneutral sein, mit einem Reduktionsziel von mindestens 2,5 bis 4,2 % pro Jahr. Im zweiten Schritt gehen wir die europäischen Produktionsstandorte an. Als Unternehmen haben wir dabei erkannt, dass wir uns fokussieren müssen, um schnell ins Handeln zu kommen. Deswegen starten wir mit dem deutschen Produktionsstandort, da wir hier mit Abstand den größten Impact haben. 

Wie hat euch der CLIMATE Readiness Check dabei geholfen? Welche wichtigsten Learnings nehmt ihr mit?

Der CLIMATE Readiness Check hilft uns zu verstehen, wo wir aus externer Perspektive in der Klimatransformation stehen und wie wir entsprechend bewertet werden. Mit dem Check konnten wir intern gegenprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind und ob die Ziele in allen Bereichen ambitioniert genug sind. So lässt sich unser aktueller Stand nun ganz konkret verorten.

Es ist wichtig für Kund:innen, Lieferanten und Partner:innen, dass es ein einheitliches, vergleichbares Scoring gibt, das auch einfach zu handhaben ist. Denn es gibt einige international anerkannte, aber sehr komplexe Scorings, die der Mittelstand in dieser Form nur mit extrem hohen Aufwänden bedienen kann. Daher finde ich es ganz toll, dass wir schon lange intensiv mit THE CLIMATE CHOICE im Austausch sind und den Readiness Check durchführen konnten.

Dabei haben wir gemerkt: Wir müssen in einigen Bereichen die Zahlen konkretisieren. Der Readiness Check hat uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber wir wollen natürlich noch weiter gehen. Das Feedback aus dem Scoring nehmen wir intern mit auf den Prüfstand, um zu schauen an welcher Stelle wir uns verbessern müssen. Wir haben auf jeden Fall noch einige Schritte zu gehen!

Was sind die nächsten Schritte, die ihr im Rahmen der Klimatransformation angehen wollt?

Aktuell befinden wir uns in der Strategiephase. Das bedeutet, wir haben unsere Nachhaltigkeitsstrategie für 2023 intern mit dem Vorstand besprochen sowie abgesegnet und sind jetzt dabei, diese konkret mit Meilensteinen zu versehen. Ein großes Element davon ist unsere Klimastrategie: Momentan sind wir dabei, unseren CO2-Fußabdruck von 2020 zu ermitteln, um dann in internen Workshops mit den betroffenen Fachabteilungen zu schauen, wo konkretes und weiteres Potenzial zur Reduktion liegt. 

Wie geht ihr dabei mit eurer Lieferkette und den hier entstehenden Emissionen um?

Die Lieferkette ist ein extrem wichtiger Punkt, der uns sehr umtreibt – denn unsere Verantwortung hört nicht an der Arnsberger Stadtgrenze auf. Wir haben ein relativ großes Lieferantennetzwerk und es ist uns wichtig, mit den Partner:innen kooperativ zusammenzuarbeiten und alle mitzunehmen. Seit diesem Jahr sind wir verstärkt mit unseren größten Partner:innen im Dialog, um gemeinsam die Klimaziele voranzutreiben und uns zu fragen, wie wir neben der CO2-Reduktion auch andere Nachhaltigkeitsziele etablieren können. 

Zusammen mit dem Einkauf werden wir daher in den nächsten Monaten konkrete Maßnahmen angehen. Der CLIMATE Readiness Check stellt hier ebenfalls eine gute Möglichkeit dar, unserem Lieferkettenmanagement den Spiegel vorzuhalten. Ganz klar ist die Lieferkette also eines unserer Fokusthemen im nächsten Jahr.

Welche Tipps und Best Practices wollt ihr anderen Unternehmen mit auf den Weg geben?

Als erstes hilft es auf jeden Fall, sich einen Moment Zeit zu nehmen und zu fokussieren. Als ich die Funktion im Nachhaltigkeitsbereich übernommen habe, wurde ich mit vielen verschiedenen Aufgaben konfrontiert und bin dann in alle Richtungen losgelaufen. Da ist mir schnell der Atem ausgegangen. Daher musste ich mich anfangs wirklich gut sortieren. Wir verfügen als mittelständisches Unternehmen über begrenzte Ressourcen und müssen uns fragen: Wie können wir diese nutzen, um ambitionierte Klimaziele zu erreichen? Es ist also wichtig, gut zu planen und festzulegen, bis zu welchem Zeitpunkt das Unternehmen welches Zwischenziel konkret erreichen kann. Themen, die vielleicht noch eine Nummer zu groß sind, können dann im nächsten Schritt angeschaut werden. 

Ebenfalls wichtig sind Netzwerke und Partnerschaften. Gemeinsam Best Practices für die konkrete Umsetzung zu entwickeln, von- und miteinander zu lernen und sich über Herausforderungen auszutauschen, ist extrem hilfreich. Dabei können auch wichtige Synergien entstehen – ob nun regional, deutschlandweit oder global. Gerade da hat uns das Netzwerk von THE CLIMATE CHOICE sehr geholfen, uns auch mit weiteren Expert:innen auszutauschen und ganz konkret ins Handeln zu kommen. 

Vielen Dank für das interessante Interview, Frau Discher. Wir freuen  uns sehr über die Zusammenarbeit mit Trilux und darauf, gemeinsam die Klimatransformation der Wirtschaft voranzutreiben.

Mitarbeitenden klimafreundliche und flexible Mobilität ermöglichen

Nicola Büsse

Interviewpartnerin: Nicola Büsse ist Co-Founderin & COO bei MOBIKO. Bereits 2018 beschäftigte sich Nicola im Rahmen eines Projektteams bei der Audi Business Innovation GmbH intensiv mit dem Thema betriebliche Mobilität. Daraus entstand die Idee des Mobilitätsbudgets für Unternehmen und MOBIKO wurde als eigene Gesellschaft ausgegründet. Seit Markteintritt nutzen Mitarbeitende von über 70 Firmenkunden das Mobilitätsbudget tagtäglich und rechnen die Mobilitätausgaben ihrer Arbeitswege sowie Fahrten in der Freizeit beim Arbeitgeber über MOBIKO ab.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE erzählt Nicola, welche Potentiale sich für Unternehmen durch digital verwaltete Mobilitätsbudgets ergeben und wie der CLIMATE Readiness Check MOBIKO dabei geholfen hat, die eigene Klimatransformation voranzubringen.

Wir freuen uns, dass MOBIKO als CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Sehr gerne! Wir sind MOBIKO, ein Team aus 15 Mitarbeitenden, und wir verfolgen die Vision der Ort zu sein, an dem Unternehmen jeder Größe ihre nachhaltige Mobilitätsstrategie umsetzen. Begonnen hat alles 2018 mit einer Kooperationspartnerschaft zwischen der Audi Business Innovation GmbH und der mantro GmbH, einem Company Builder aus München. In dieser Zeit haben wir angefangen, uns mit der Mobilität von Unternehmen zu befassen und festgestellt, dass das betriebliche Mobilitätsangebot für Mitarbeitende überholt und starr ist. Wir waren damals die Ersten auf dem deutschen Markt, die ein flexibles Mobilitätsbudget angeboten haben. Heute hat sich das geändert. Die Digitalisierung, New Work, die COVID-19 Pandemie, steigende fahrzeugbezogene Kosten (insbesondere im urbanen Raum) sowie der Druck auf Unternehmen, nachhaltiger zu agieren, haben den Bedarf und Zuspruch nach Lösungen wie Mobilitätsbudgets extrem verstärkt.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, sind Unternehmen gezwungen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zur Erhaltung des Planeten gerecht zu werden, und gleichzeitig erzeugt die steigende CO2-Bepreisung die Notwendigkeit, Mobilitätsassets besser auszulasten und/oder zu reduzieren. Steigende Kosten vor allem für Parkraum und Verwaltung sowie neue Kosten über die CO2-Bepreisung machen die eigenen Mobilitätsassets wie beispielsweise eine Dienstwagenflotte immer teurer, vor allem, wenn diese 23 Stunden am Tag ungenutzt bleibt. Nicht selten wird zudem die Nebenkostenersparnis durch den Dienstwagen auf Mitarbeiterseite durch den Arbeitgeber kostenmäßig überkompensiert. Zudem müssen/wollen Unternehmen zunehmend ein Nachhaltigkeitsreporting erstellen, um zu sehen, wie viel Emissionen im Unternehmen entstanden sind und wie diese reduziert werden können. Die Mobilität der Mitarbeitenden ist dabei ein nicht zu vernachlässigender Bereich. Immer mehr Unternehmen möchten daher Anreize für Mitarbeitende schaffen, sich nachhaltiger fortzubewegen. 

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Unternehmen eine Lösung zu bieten, um sämtliche Mobilitätsangebote für Mitarbeitende zu verwalten, steuerkonform abrechnen zu können, nachhaltiges Mobilitätsverhalten automatisch zu incentivieren und dadurch deutlich Kosten und Emissionen einzusparen. Das Mobilitätsbudget von MOBIKO ermöglicht Mitarbeitenden daher, alle verfügbaren Verkehrsmittel und Mobilitätsservices weltweit zu nutzen und die Kosten beim Arbeitgeber ganz einfach per App abrechnen zu können. Anstatt die eingereichten Mobilitätsbelege pauschal zu versteuern, gewährleistet unser eigens entwickelter intelligenter Steueralgorithmus eine wirtschaftliche Optimierung und steuerkonforme Rückerstattung aller Ausgaben. Der Mitarbeitende bekommt schon beim Einreichen angezeigt, wie steuersensitiv seine Mobilitätsausgabe ist. Die Rückerstattung der eingereichten Mobilitätskosten erfolgt automatisch im Folgemonat mit der Gehaltszahlung – 100 % digital. Arbeitgeber haben dadurch keinerlei Aufwand und sparen sich bares Geld. Je nach Mobilitätsnutzung kann der Mitarbeitende dabei mit einer deutlich höheren Nettoerstattung rechnen als bei einer reinen Gehaltserhöhung – frei nach dem Motto: Grüner fahren. Steuern sparen. Um wirklich Emissionen einsparen zu können, müssen wir am Verhalten der Mitarbeitenden ansetzen und diesen die Verantwortung für ihr Mobilitätsverhalten wieder übertragen, damit diese von vorneherein klimafreundliche Mobilitätsentscheidungen treffen können, anstatt pauschal nachträglich zu kompensieren.


In Zukunft möchten wir unser Angebot weiter auf die gesamte betriebliche Mobilität ausweiten. Mit MOBIKO können Unternehmen bereits heute neben dem freien Mitarbeiterbudget auch Angebote wie Dienstwagen und Dienstrad budgetär verwalten. In Zukunft soll der gesamte Mobilitätsmix in MOBIKO vereint werden. Hierzu gehört auch die Erfassung von Mobilitätsvermeidung und emissionsneutrale Fortbewegung. Dafür bieten wir Unternehmen eine Plattform, die es möglich macht, teure und umweltbelastende Assets zu reduzieren oder besser auszulasten – ohne Mitarbeitende in ihrer Flexibilität einzuschränken.

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Natürlich möchten wir nicht nur anderen Unternehmen helfen, nachhaltiger zu agieren und Emissionen zu vermeiden, sondern auch bei uns selbst anfangen. Als Bestandsaufnahme haben wir daher den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Dieser war eine gute Ausgangsbasis für uns, um zu sehen, in welchen Bereichen wir bereits nachhaltig handeln und wo vor allem noch Handlungsbedarfe sind. Wir haben ein kleines Green-Team, welches sich genau mit diesen Handlungsempfehlungen auseinandersetzt. Derzeit evaluieren wir, welche Aufforderungen wir in diesem Jahr bereits geschafft haben und wo wir 2022 noch ansetzen müssen, um klimaneutral zu werden und einen aktiven Beitrag gegen den Klimawandel leisten zu können. Der CLIMATE Readiness Check war dabei das Fundament auf dem unsere ganze interne Arbeit aufgebaut war. Die praxisnahen Tipps haben uns wirklich geholfen, die für ein Startup zunächst unlösbare erscheinende Aufgabe aktiv anzugehen.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

Wenn man auf diesem Gebiet keine Mitarbeitenden hat, die dafür eingestellt und ausgebildet wurden, hilft es sehr Partner wie beispielsweise THE CLIMATE CHOICE zu haben, die einem helfen das eigene Unternehmen objektiv auf Nachhaltigkeit zu prüfen, Problemstellen ausfindig zu machen, aber auch direkt Lösungswege und -vorschläge aufzeigen. Sie geben eine gute Orientierung und unterstützen, um schnell mit Maßnahmen starten zu können.

Zunächst kann auch erst einmal mit kleinen Aktionen angefangen werden, um die Aufmerksamkeit innerhalb des Teams auf das Thema zu erhöhen und schnell in die Umsetzung gehen zu können. Beispiele können hier sein: Ecosia als Browser, anstatt Google verwenden, vegane Lunches einführen, ein flexibles Mobilitätsbudget zur Verfügung stellen, welches nachhaltiges Fortbewegen incentiviert, eine Fahrradwoche veranstalten, und und und. Es kann ganz einfach sein, wenn man unter anderem den eigenen Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt sich einzubringen – denn viele Mitarbeitende haben einen eigenen Drive, auch ihr Arbeitsumfeld klimafreundlicher und zukunftstauglich zu gestalten.

Auch der Beitritt zu Initiativen, die sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen, hilft ungemein. Dadurch entstehen Ideen für aktive Umsetzungen im Unternehmen, Erfahrungen werden ausgetauscht und gemeinsam lassen sich Nachhaltigkeitsprojekte viel einfacher umsetzen. Zudem motivieren sie sehr, da sich gemeinsam einfach mehr bewegen lässt!

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Bildquelle: Unsplash