Die Energie der Belegschaft für die Klimatransformation nutzen – Wie Sie ein „Corporate Green Team“ erfolgreich aufbauen und führen

Tim Riedel

Gastbeitrag von Tim Riedel

Tim Riedel ist Unternehmer, systemischer Organisationsberater und Gründer von „planetgroups“. Die NGO unterstützt Beschäftigte, die ihre Firma und ihren Job nachhaltiger gestalten wollen, und sie hilft Sustainability Manager*innen und Geschäftsleitungen dabei, ihre Mitarbeiter*innen einzubinden und mitzunehmen beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz.


Wie Sie ein „Corporate Green Team“ erfolgreich aufbauen und führen

Nachhaltig und klimagerecht ausgerichtete Unternehmen sind erfolgreicher. Über 6-mal erfolgreicher, wie das Start – Up „right. based on science“ kürzlich gezeigt hat. Mit bis zu 12% höheren Margen, wie die Boston Consulting Group bereits 2017 herausgefunden hat.   Gleichzeitig stellen Personalberatungen wie Gallup und ADP regelmäßig fest, dass nur 15 % der Mitarbeiter*innen wirklich emotional mit ihrer Arbeit verbunden sind. Ihnen fehlt es an Sinn und Zweck, sie „kommen nur zur Arbeit“.  Ein ähnlicher Befund: 86 % aller Befragten weltweit haben kürzlich in einer Studie im Auftrag des Weltwirtschaftsforums den Satz „Ich möchte, dass die Welt nachhaltiger und gerechter wird als vor COVID“ unterschrieben.   

Verbindet man diese Punkte, ist die Schlussfolgerung einfach: Wir können Unternehmen erfolgreicher machen, indem wir die Mitarbeiter*innen, die den Planeten schützen und regenerieren wollen, in die Transformation einbeziehen. Wenn es jemals eine echte WIN-WIN-WIN-Konstellation gab, dann ist es diese.

Aber wie setzen wir diese Erkenntnis in unseren Unternehmen um?

Sind sogenannte „Green Groups“, also Mitarbeiter*innengruppen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, die Lösung? Was können wir wirklich von ihnen erwarten? Wie können wir sie so unterstützen, dass sie sich nicht nur noch um recyceltes Druckerpapier oder die Reduzierung von Plastikflaschen kümmern, während das Kerngeschäft weitgehend unberührt bleibt? Was sind die Erfolgsfaktoren, die darüber entscheiden, ob eine Employee Green Group echte und nachhaltige Veränderungen in die angestrebte Richtung bewirken kann?

Erfolgsfaktoren für „Employee Green Groups“

Mit unserer Non-For-Profit-Beratung planetgroups ermöglichen und unterstützen wir Mitarbeiter*innen, die sich für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in ihren Unternehmen einsetzen wollen: Wir schaffen Strukturen, Räume und Prozesse, wir eröffnen neue Perspektiven, Ideen und Inspirationen, wir organisieren regelmäßigen Austausch und Treffen – auch mit planetgroups aus anderen Unternehmen – und wir sorgen durch Sichtbarkeit, Anerkennung und positive emotionale Erlebnisse für einen stetigen Zufluss von Schwung und Energie im Prozess.

Sowohl aus unseren eigenen Erfahrungen als auch aus Recherchen und Interviews, die wir vor der Gründung unserer NGO durchgeführt haben, haben wir dabei die folgenden neun Erfolgsfaktoren für die Arbeit von mitarbeiter*innengetriebenen „Green Groups“ identifiziert.

1. Nachhaltigkeit als Managementaufgabe angehen – Mitarbeiter*innengruppen sind dazu da, zu helfen 

Viel zu oft wird von Green Teams erwartet, dass sie nicht nur Vorschläge machen, wie ihr Unternehmen nachhaltiger werden kann, sondern dass sie diese dann auch umsetzen. Doch dafür sind sie schlecht ausgestattet, sowohl was die Ressourcen, das Fachwissen als auch die Entscheidungsbefugnis angeht. Meistens haben die Mitarbeiter*innen keine dafür relevante Position in der Hierarchie, sie haben keinen fachlichen Hintergrund in Sachen Nachhaltigkeit, und sie sollen den Großteil ihres Klimaengagements zusätzlich zu ihrem täglichen Arbeitspensum erledigen. Das ist nicht wirklich fair, und es ist auch nicht erfolgversprechend.

Unser Rat an mitarbeiter*innengetriebene Klimagruppen ist daher, ihre Rolle anders zu interpretieren. Nachhaltigkeit ist eine Managementaufgabe. Die Gruppen sind „nur“ dazu da, zu helfen. Sie sollten also gar nicht erst versuchen, gleich die Antworten zu liefern – Ihre Aufgabe ist es, Fragen zu stellen. Sie sind Ideengeber*innen und Motivator*innen für Veränderungen, aber nicht die Ausführenden. 

2. Fokus auf den Kern

Meistens wird Nachhaltigkeit immer noch als eine Strategie angesehen, um zu reparieren oder zu beheben, was das Kerngeschäft zerstört hat. Aber dieser Ansatz kann per Definition niemals nachhaltig sein. Das eigentliche Business muss aufhören, den Planeten zu beschädigen – dann ist hinterher kein Reparieren mehr nötig. Wir müssen gar nichts „on top“ tun, um nachhaltig zu werden; wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir das tun, was wir im Kerngeschäft tun. Die Rahmenbedingungen unserer Unternehmen (Emissionen im Produktionsprozess und durch Gebäude) sind natürlich auch wichtig. Aber vor allem sollten sich Nachhaltigkeitsgruppen auf den Business Case als solchen konzentrieren, und zwar ganzheitlich und allumfassend. 

Jedes verkaufte Produkt und jede erbrachte Dienstleistung muss am Ende dazu beitragen, die Welt zu einem besseren und gesünderen Ort zu machen. Je mehr wir verkaufen, desto besser muss es für unseren Planeten sein. Unternehmen, denen das gelingt – siehe oben – werden Marktführer*in in ihrer Branche sein, sie werden die besten Talente anziehen, ihre Mitarbeiter*innen werden mit der höchsten Motivation und Erfüllung an die Arbeit gehen, und nur so werden wir gemeinsam unseren Planeten wiederherstellen.

3. Fokus auf das Geschäft – und den Business Case

building covered in plants

Unternehmen sind Systeme mit einem Zweck – und der wichtigste Zweck jeder Organisation ist immer die Sicherstellung ihrer eigenen Lebensfähigkeit: In einem Unternehmen heißt das, genug Geld zu verdienen, idealerweise mit einer Marge, um alle Kosten zu amortisieren. 

Employee Green Groups müssen daher ihre Aktivitäten innerhalb dieses Rahmens legitimieren. Nun ist das Schöne an der Nachhaltigkeit, dass sie, wie wir oben gesehen haben, einen unmittelbaren Business Case generiert. Die Kund*innen von heute fordern Nachhaltigkeit, die Öffentlichkeit fordert es, die Politik fordert es, die Investor*innen fordern es, und die Mitarbeiter*innen fordern es auch. Nachhaltigkeit ist immer mehr der Königsweg, um Umsätze und Margen zu steigern, die Stabilität hoch und die Kosten niedrig zu halten. Je besser sich Green Groups auf diesen kaufmännischen „WIN – WIN“-Argumentationsrahmen fokussieren, desto größer ist ihre Chance, dass sie bekommen, was sie wollen.

4. Eine inspirierende Geschichte

Menschen mögen es in der Regel nicht, wenn man sie an die Klimakrise erinnert. Die vier Hauptgründe für unsere Untätigkeit in Sachen Klima sind laut dem norwegischen Psychologen Per Espen Stoknes „Untergang (doom), Distanz, Dissonanz und iDentität.“   Die Geschichte über die Selbstzerstörung unseres Planeten passt einfach nicht zu all den anderen Geschichten, die wir uns darüber erzählen, was in unserem Leben zählt. 

Wenn wir also wollen, dass unsere Kolleg*innen und Führungskräfte handeln, dann müssen wir ihnen eine inspirierende Geschichte erzählen, mit der sie sich positiv identifizieren können. Der Aufbau einer besseren Welt ist eine solche Geschichte. Echten, kund*innenorientierten Mehrwert für unsere Kund*innen zu schaffen ist eine andere. Das Leben in unseren Familien und Heimatregionen zu schützen und zu verbessern ist auch eine. Bahnbrechende Innovationen in die Welt zu bringen, kann uns begeistern und engagieren. Auch viel Geld zu verdienen und unsere Konkurrent*innen auszustechen, kann uns inspirieren. Wir müssen deutlich machen dass das, was auch immer wir erreichen wollen, unserer Welt und unseren Unternehmen genau jetzt einen greifbaren Fortschritt bringt, dass es etwas schafft, das wir uns wünschen und genießen werden. Es ist nicht motivierend, nur etwas Schreckliches in der Zukunft vermeiden zu wollen, Angst ist keine positive Stimulanz. Wichtig ist, dass wir ein positives Bild haben für das, was wir gemeinsam erreichen wollen.

5. Mutige und ehrgeizige Forderungen

Seien wir ehrlich, das Erreichen von „Net Zero“ bis 2050 ist weder ein ehrgeiziges Ziel, noch inspirierend, noch in irgendeiner Weise ausreichend, um den Planeten und unsere Spezies zu retten. Wenn wir die neueste Zusammenfassung über den Zustand des Planeten lesen, dann wird klar, dass wir jetzt sofort mit einer kompletten Neugestaltung unserer Wirtschaft beginnen müssen, indem wir sie mit noch nie dagewesener Geschwindigkeit in ein regeneratives, „planet positives“ Geschäftsmodell transformieren: „Um die Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren, wird es nicht ausreichen, nur unsere Emissionen zu entfernen.“ „Es ist ein grundlegender Perspektiv- und Handlungswechsel erforderlich, der … den Wiederaufbau und die Stärkung der Resilienz insgesamt … beinhaltet.“  

Green Groups sollten diese klare Botschaft in den Vordergrund stellen, wo immer sie können. Das „herumdoktorn“ an Symptomen wird nicht reichen. Als Unternehmen können wir diesen Wandel proaktiv gestalten und von ihm profitieren, oder wir können defensiv darauf reagieren und unsere Marktanteile an die Konkurrenz verlieren. Jeder nur halbherzige Ehrgeiz, der versucht, kleinere Anpassungen an Randerscheinungen vorzunehmen, während der Kern des Geschäfts unverändert bleibt, ist zum Scheitern verurteilt, sowohl auf ökologischer als auch auf geschäftlicher Ebene. 

6. Tolerante und verständnisvolle Kommunikation

Die Klimakrise ist nicht das Ergebnis einer schwarz-weiß Entscheidung oder eines epischen Kampfes der Guten gegen die Bösen. Sie ist das Ergebnis eines Wirtschaftssystems, das in überwältigender Weise Anreize für die Anhäufung von Geld geschaffen hat, während es den Schutz und die Regeneration unserer grundlegenden natürlichen Ressourcen vernachlässigt. Wir müssen akzeptieren und anerkennen, dass Management und Beschäftigte bislang zum größten Teil nur das taten und tun, wovon sie glaubten, dass es von ihnen erwartet wird. Sie dafür zu kritisieren oder zu beschämen mag aus umweltpolitischer Sicht verständlich sein, aber es ist nicht hilfreich, wenn wir jetzt gemeinsam das System ändern wollen.

Wir sind alle Teil des Problems, sind auf die eine oder andere Weise sowohl Verursacher*in als auch Nutznießer*in. Und alle von uns können und müssen jetzt Teil der Lösung werden. Wir alle wollen auf einem gesunden Planeten leben, wir alle wollen eine Zukunft für unsere Kinder haben, wir alle wollen einen anständigen Lebensunterhalt verdienen, und wir alle wollen für erfolgreiche Unternehmen arbeiten. Diese Bestrebungen sind keine Widersprüche, und wir sollten vermeiden, sie – und uns – gegeneinander auszuspielen. Wir spielen alle in der gleichen Mannschaft. Das ist auch der Hauptgrund, warum wir dieses Spiel noch gewinnen können, wenn wir uns endlich mit Herz und Verstand darauf einlassen.

7. Struktur und Beharrlichkeit

Die Wirkung von Green Groups hängt weitgehend von den Ressourcen und Strukturen ab, die man ihnen zur Verfügung stellt. Wenn sie ihren Aufgaben nur nach Feierabend nachgehen können, wenn sie alles selbst organisieren müssen, wenn sie innerhalb der Organisation nicht gut repräsentiert und vernetzt sind, und wenn ihre Arbeit nicht von relevanten Entscheidungsträger*innen in der Hierarchie unterstützt wird, dann werden sie es sehr schwer haben, nachhaltige und spürbare Veränderungen zu erreichen. In unserem Ansatz mit planetgroups betonen wir daher die Notwendigkeit klarer und regelmäßiger Meeting-Strukturen und eines expliziten Zeitbudgets, über das jedes planetgroup-Mitglied frei verfügen kann, um „planet projects“ zu verfolgen. 

Ja, das erfordert Investitionen auf Seiten des Unternehmens. Aber der Ertrag überwiegt bei weitem den Aufwand. Er macht nicht nur das Unternehmen erfolgreicher, indem er es nachhaltiger macht, sondern er schafft einen erstaunlichen Mehrwert in der Belegschaft – weit über die Kernmitglieder der planetgroup hinaus – in Bezug auf Inspiration, Engagement, Attraktivität, Innovation und Customer Centricity.

8. Best-Practice-Beispiele, Benchmarks und Austausch

Wir Menschen sind soziale Lebewesen. Wir tun mehr oder weniger das, was die anderen von uns erwarten. Und wir verändern uns, wenn wir sehen, wie sich andere Menschen verändern – besonders wenn wir sie kennen und ihnen vertrauen. Der beste Weg, das eigene Unternehmen zu verändern, ist also, andere Unternehmen aufzuzeigen, die dies erfolgreich getan und davon profitiert haben. 

Eine Employee Green Group sollte also immer versuchen, möglichst viele Beispiele aus vergleichbaren Unternehmen in vergleichbaren Branchen zu finden, sich mit ihnen auszutauschen, von ihnen zu lernen und sie zu nutzen, um die eigenen Leute davon zu überzeugen, dass Veränderung nicht nur möglich, sondern positiv und vorteilhaft ist. 

9. Erfolge feiern

Zu guter Letzt gibt es noch ein zentraler Punkt: Es muss Spaß machen. Wenn es keinen Spaß macht, dann tun wir es nicht und dann sind wir nicht wirksam.

Die Forschung zeigt immer wieder, dass Menschen am besten motiviert sind, wenn sie sich mit anderen verbunden fühlen, wenn sie einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen und wenn sie das Gefühl haben, dass sie durch ihr Handeln etwas bewirken. Wenn Green Groups den Wandel in ihren Organisationen vorantreiben wollen, dann sollten sie dafür sorgen, dass sich ihre Kolleg*innen genau so fühlen – verbunden, sinnhaft und wirkungsvoll. Dies lässt sich am einfachsten durch positive Botschaften, schöne Meetings und regelmäßige gegenseitige Anerkennung aller Beteiligten erreichen.

Wie wir erfolgreiche Green Teams aufbauen und steuern

Diese neun Empfehlungen mögen wie eine unlösbare Aufgabe klingen. Das schaffen wir nie… Viele Mitarbeiter*innen und viele Unternehmen sind diesen Weg aber schon erfolgreich gegangen. Es ist gar nicht so schwer, wenn man sich einmal dafür entschieden hat. 

Wer gerne die Unterstützung unserer NGO planetgroups in Anspruch nehmen möchte, kann uns einfach eine E-Mail an info@planetgroups.net schicken. Wir helfen gerne mit, und unsere Hilfe ist immer kostenlos, solange bis wir das Management „an Bord“ haben – und auch dann ist unsere Unterstützung nicht teuer. Für ein erstes Gespräch stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. 

Aber auch ohne uns kann man eine Menge tun. Zusammen mit Kolleg*innen und strategischen Funktionen wie HR, Kommunikation, Nachhaltigkeit oder Strategie kann man sich das notwendige Buy-In und die Ressourcen vom Management organisieren, um loslegen zu dürfen. Die obigen neun Empfehlungen sollen bei der Gestaltung des Prozesses helfen. Jedes Unternehmen ist natürlich anders, jede Green Group hat ihren eigenen Kontext, ihre eigenen Möglichkeiten und Einschränkungen. Aber alles, was wir tun, wird etwas bewirken und die Dynamik des Systems beeinflussen. Es gibt keinen Grund, nicht zu beginnen.

Viel Glück und Erfolg dabei!

Bildquellen: planetgroups, Unsplash, shutterstock

Community Beitrag: Entstehung, Trends und Umsetzung von Corporate Social Responsibility.

Andreas und Nuvia Maslo

Im Interview mit Andres und Nuvia Maslo, Gründer/CEO und CCO bei Verso, haben wir mehr über die aktuellen Trends in der Corporate Social Responsibility (CSR) erfahren. Außerdem konnten wir näher auf die bisherige Entwicklung des CSR-Bereiches eingehen und neben des Gründungsimpulses von Verso, konnten wir ebenso mehr zu Best-Practices im Nachhaltigkeitsmanagement erfahren.

Verso ist ein CSR-Management Tool für CSR-Beauftragte, welches vom Nachhaltigkeitsmanagement bis zum Klimaschutz in der Unternehmenskommunikation unterstützt. Viel Spaß beim Lesen!

2010 war CSR noch nicht in aller Munde. Wie ist die Gründungsidee zu VERSO entstanden? 

„Da hast Du absolut Recht. Den Begriff „CSR“ (Corporate Social Responsibility) kannte 2010 noch kaum jemand und auch das was dahinter steht, wurde in 99,5% der Gespräche lächelnd als „Gutmenschentum“ abgetan. 

Uns trieb die Frage nach den Auswirkungen unserer Lieblingsprodukte auf Umwelt, Mensch und Gesellschaft schon damals um. Wir haben immer mehr recherchiert und konnten so gut wie keine Informationen finden.

Später stellten wir dann fest, dass den meisten Unternehmen selbst nicht bewusst war, welche Auswirkungen ihr Handeln auf Mensch, Umwelt und Gesellschaft hat. Kein Wunder – in der Betriebswirtschaftslehre wurde schließlich reine Gewinnmaximierung gelehrt und diese Informationen haben damals nicht unmittelbar dazu beigetragen.“

Zur Gründungsidee

„Das gesellschaftliche Bewusstsein für die eigenen Auswirkungen Verantwortung übernehmen zu müssen, hat ebenso gefehlt wie Know-How und ein passender Managementansatz. 

Diese Lücken zu schließen war und ist uns unheimlich wichtig. Um Nachhaltigkeit in Unternehmen so einfach wie möglich managebar zu machen, haben wir deshalb VERSO gegründet. 

Heute ist VERSO ein komplettes CSR-Management-Cockpit für Nachhaltigkeitsbeauftragte. Wir unterstützen Start-Ups bis Großkonzerne mit Software- und Beratungslösungen. Ziel ist Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrukturen zu integrieren, zu managen und die Informationen schnell und einfach an ausgewählte StakeholderInnen zu kommunizieren. Für eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft in die „neue Welt“. „

Andreas Maslo

Was treibt Unternehmen damals wie heute an, CSR zu betreiben?

„Wenn wir eines gelernt haben in den letzten Jahren, dann dass CSR unmittelbar an die Unternehmenskultur gekoppelt. Wir sehen im Wesentlichen drei Motivationstypen für CSR: Die ÜberzeugungstäterInnen, die RationalistInnen und die Getriebenen.

Die „ÜberzeugungstäterInnen“

„Die „ÜberzeugungstäterInnen“ sind die Organisationen, die in beeindruckendem Maße ihren Purpose leben, also den Unternehmenszweck hinter den Gewinnabsichten. Für sie ist Nachhaltigkeit ein inneres Anliegen und absolut integriert in die Unternehmensstrategie. Manchmal würden diese Unternehmen den Begriff „CSR“ so gar nicht nennen, weil nachhaltiges Wirtschaften so selbstverständlich für sie ist. Dazu gehören natürlich auch alle, die ihr Geschäftsmodell hauptsächlich auf Nachhaltigkeit aufbauen, so wie viele Start-Ups das gerade glücklicherweise tun.“ 

Die „RationalistInnen“

„Die „RationalistInnen“ sind in erster Linie daran interessiert, mögliche Risiken, zum Beispiel im Bezug auf ihre Reputation, aber auch auf Werkstoffe etc. zu vermeiden. Sie gehen ganz rational an das Thema Nachhaltigkeit heran und sehen den untrennbaren Zusammenhang zwischen den größten Risikofaktoren im Unternehmen, CSR und dem Erfolg – letztlich der Zukunftsfähigkeit – ihres Unternehmens. Die RationalistInnen glauben in erster Linie an messbare Daten und Fakten und sind meist recht gut in der Auswertung dieser. Daraus ist schnell gelernt, dass Nachhaltigkeit mittelfristig zur „Licence to Operate“ wird, was CSR zunehmend in der Unternehmensstrategie legitimiert.“

Die „Getriebenen“

„Nur das Minimum in Sachen Nachhaltigkeit zu tun, um kurz- bis mittelfristig die Umsätze aufrecht zu erhalten – das sind die Organisationen, die wir die „Getriebenen“ nennen. Sie sehen Nachhaltigkeit oft erst als nicht businessrelevant, später als notwendiges Übel, am Ende als legitime Unternehmensfunktion. Meist beginnt es mit Liefer- oder Ausschreibungskriterien ihrer Kunden oder öffentlichem Druck, dass CSR einfach nicht mehr ignoriert werden kann und wesentlich für die Aufrechterhaltung des Geschäftserfolgs wird. Bemerkenswert ist, dass diese äußeren Treiber und Zwänge oftmals ein Umdenken, auch einen kulturellen Wandel, anstoßen, der deutlich weiter führt und einmal ins Rollen gebracht – kaum mehr aufzuhalten ist. So entwickeln sich die „Getriebenen“ meist innerhalb weniger Jahre weiter zu den „RationalistInnen“.

Andreas Maslo

Was konntet ihr in über 10 Jahren Umwelt- und Sozialmanagement erfahren, wo legen Unternehmen ihren Fokus?

Der Wandel im Umweltmanagement

„Früher war alles was Umwelt betroffen hat schnell in der „Öko-Schublade“ und wurde als Gegensatz zu wirtschaftlichen Interessen wahrgenommen. Etwas, was man sich vermeintlich „leisten können“ musste. 

Seit Fridays for Future hat sich das gründlich geändert. Die Frage hat sich gedreht:  Welches Unternehmen kann es sich noch leisten, sich nicht mit dem Thema Umwelt zu befassen? Der öffentliche Druck ist in den letzten beiden Jahren gigantisch gewachsen.“

Der Wandel im Sozialmanagement

„Das aktive Wahrnehmen der sozialen Verantwortung in Unternehmen sehen wir vor allem durch den Fachkräftemangel getrieben, den „War on Talents“. Dabei geht es sowohl um die eigenen „Benefits“ und Sozialprogramme im Unternehmen selbst, als auch immer mehr um die Behandlung von Menschen in der weiteren Lieferkette. Die Brandkatastrophen und dadurch aufgedeckten Arbeitsbedingungen in Ländern wie Bangladesch haben hier nochmal zu einer neuen Betroffenheit von ArbeitnehmerInnen geführt.  

In nicht wenigen Unternehmen bezieht sich der soziale Fokus dennoch leider oftmals nur auf die eigenen MitarbeiterInnen. Vor dem, was weit weg in der Lieferkette passiert, werden immer noch einige Augen verschlossen. Auch, weil man einfach nicht weiß, wie man sich einer sozial gerechten oder insgesamt nachhaltigen Lieferkette am besten nähert. Das aktuell debattierte „Nachhaltige-Lieferketten-Gesetz“ könnte hier viel ausrichten, wenn es richtig ausgestaltet wird.“

Ausblick

„Eines ist klar: Jede Art der unternehmerischen Verantwortung – ökologisch, sozial, gesellschaftlich, finanziell – wird exponentiell schneller und stärker an Bedeutung gewinnen, als in den letzten zehn Jahren. Proaktives CSR Management wird schon mittelfristig vom Wettbewerbsvorteil zur Licence to Operate werden.“

Andreas Maslo

Welche Unternehmen sind VorreiterInnen in CSR? Welche Best-Practices könnt ihr hier ableiten? 

„Mit Sicherheit VAUDE und Patagonia als lange etablierte Outdoormarken, Rapunzel im Food-Bereich oder Kosmetikmarken wie Martina Gebhart oder Weleda

Aber auch Start-Ups schaffen, was große Organisationen aus der „alten Welt“ nicht hinbekommen. Produkte neu zu denken und nicht nur nachhaltiger, sondern auch gleichzeitig schicker und funktionaler zu machen. Erlich Textil ist hier mit Sicherheit ein tolles Role-Model, ebenso wie ArmedAngels.

Auch Designer, die Nachhaltigkeit aus der „Öko-Sandalen-bunte-Muster-Schublade“ holen und so für ein viel breiteres Publikum interessant machen. Zum Beispiel der Designer Felix Pöttinger mit seiner Seegrasverpackung, die international Beachtung fand und so zu nachhaltigerer Verpackung insgesamt inspiriert hat.“

Chancen

„ProduktentwicklerInnen möchte ich den Impuls geben, einfach mal neue Wege einzuschlagen. Das kann ganz nebenbei auch massiv auf die Marke und Mitarbeiterbindung einzahlen. Wer möchte schließlich nicht für ein Unternehmen arbeiten oder Produkte besitzen, die innovativ sind und Gutes auf die Welt bringen? Wer den Mut aufbringt neue Wege mit seinen Produkten zu gehen, wird nicht selten mit unerwarteten Effekten belohnt: sinkende Preissensibilität der Kunden, Gewinn neuer Kundensegmente oder sogar mittelfristige Kosteneinsparungen.

Nuvia Maslo

Wie seht ihr die aktuelle Entwicklung hin zu Klimaschutz als Unterbereich zu CSR? 

“ Klimaschutz ist für uns schon immer ein ganz wesentlicher Bestandteil von CSR und mit Sicherheit eines der brennendsten Themen aus dem Bereich CSR – oder sogar das brennendste.“

„Aktuell haben wir das Gefühl, es teilt sich in zwei Extreme: Die „neue Welt“ und die „alte Welt“. Dabei beziehen wir diese Begriffe nicht auf das tatsächliche Alter des Unternehmens oder der Menschen dahinter, sondern viel mehr auf Werte und Denkweise. So engagieren sich in den letzten Jahren unglaublich viele AkteurInnen deutlich stärker und überzeugter im Bereich Klima und Nachhaltigkeit insgesamt. Andere hingegen geben sich wie mit Scheuklappen nur der schnellen Gewinnmaximierung und dem „Abgrasen“ hin, als Gäbe es kein Morgen.“

„Als erfreuliche Entwicklung empfinden wir, dass Organisationen durch den medialen Fokus auf die globale Klimakrise das Thema Nachhaltigkeitsmanagement als Ganzes für sich entdecken. Für viele wird es aktuell zum Herzensanliegen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und ihren Beitrag zu einer balancierten, zukunftsfähigen Wirtschaft und Welt zu leisten. Es entsteht eine Art Bewegung, die uns riesig freut und die so wichtig ist.“

Nuvia Maslo

Wie unterstützt eure Lösung Klimabeauftragte und CSR-ManagerInnen? 

„Alles was wir tun, zielt darauf CSR ManagerInnen, Nachhaltigkeits- und natürlich auch Klimabeauftragten das Leben möglichst angenehm und einfach zu machen. Ganz egal, ob sie Beginner oder Profis sind.“

Für den Einstieg in CSR

„Zum Beispiel beim strategischen Einstieg ins Thema CSR. Hier bieten wir Pakete an, die aus Beratung und Software bestehen, um unseren Kunden in wenigen Tagen oder Wochen eine solide und fruchtbare Basis für Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen zu schaffen.“

Für bereits erfahrene CSR-ManagerInnen

„Andere sind längst Profis im CSR Bereich, arbeiten aber oftmals mit fehleranfälligen, benutzerunfreundlichen und langsamen Tabellenprogrammen. Diesen Kunden dient die VERSO Software als Cockpit zum ganzheitlichen Management ihrer Ziele, Maßnahmen und Kennzahlen sowie ihrer Kommunikation. CSR ManagerInnen können damit auch abteilungsübergreifend angenehm und einfach zusammenarbeiten. Außerdem ist es mit unserer App möglich, alle MitarbeiterInnen an der Reise zur Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen teilhaben zu lassen. Daneben unterstützen wir Unternehmen auch inhaltlich bei ihrer CSR Kommunikation.“ 

CSR-Reportings

„Und dann ist da noch die CSR Berichtspflicht, die eine Menge deutscher und europäischer Unternehmen vor große Herausforderungen stellt, inhaltlich wie personell. VERSO hat den Prozess der Berichterstellung in der Software teilautomatisiert und Leitfäden integriert, was den NutzerInnen immens Zeit und Kosten erspart sowie externe Agenturen vernachlässigbar macht. „

Nuvia Maslo