Fahrrad

Mitarbeitenden klimafreundliche und flexible Mobilität ermöglichen

13.12.2021 | Lesedauer: 6 Minuten

Nicola Büsse

Interviewpartnerin: Nicola Büsse ist Co-Founderin & COO bei MOBIKO. Bereits 2018 beschäftigte sich Nicola im Rahmen eines Projektteams bei der Audi Business Innovation GmbH intensiv mit dem Thema betriebliche Mobilität. Daraus entstand die Idee des Mobilitätsbudgets für Unternehmen und MOBIKO wurde als eigene Gesellschaft ausgegründet. Seit Markteintritt nutzen Mitarbeitende von über 70 Firmenkunden das Mobilitätsbudget tagtäglich und rechnen die Mobilitätausgaben ihrer Arbeitswege sowie Fahrten in der Freizeit beim Arbeitgeber über MOBIKO ab.

Im Interview mit THE CLIMATE CHOICE erzählt Nicola, welche Potentiale sich für Unternehmen durch digital verwaltete Mobilitätsbudgets ergeben und wie der CLIMATE Readiness Check MOBIKO dabei geholfen hat, die eigene Klimatransformation voranzubringen.

Wir freuen uns, dass MOBIKO als CLIMATE Solution Partner auf unserer Plattform dabei ist. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen?

Sehr gerne! Wir sind MOBIKO, ein Team aus 15 Mitarbeitenden, und wir verfolgen die Vision der Ort zu sein, an dem Unternehmen jeder Größe ihre nachhaltige Mobilitätsstrategie umsetzen. Begonnen hat alles 2018 mit einer Kooperationspartnerschaft zwischen der Audi Business Innovation GmbH und der mantro GmbH, einem Company Builder aus München. In dieser Zeit haben wir angefangen, uns mit der Mobilität von Unternehmen zu befassen und festgestellt, dass das betriebliche Mobilitätsangebot für Mitarbeitende überholt und starr ist. Wir waren damals die Ersten auf dem deutschen Markt, die ein flexibles Mobilitätsbudget angeboten haben. Heute hat sich das geändert. Die Digitalisierung, New Work, die COVID-19 Pandemie, steigende fahrzeugbezogene Kosten (insbesondere im urbanen Raum) sowie der Druck auf Unternehmen, nachhaltiger zu agieren, haben den Bedarf und Zuspruch nach Lösungen wie Mobilitätsbudgets extrem verstärkt.

Welche klimarelevanten Herausforderungen seht Ihr im Alltag vieler Unternehmen heute?

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, sind Unternehmen gezwungen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zur Erhaltung des Planeten gerecht zu werden, und gleichzeitig erzeugt die steigende CO2-Bepreisung die Notwendigkeit, Mobilitätsassets besser auszulasten und/oder zu reduzieren. Steigende Kosten vor allem für Parkraum und Verwaltung sowie neue Kosten über die CO2-Bepreisung machen die eigenen Mobilitätsassets wie beispielsweise eine Dienstwagenflotte immer teurer, vor allem, wenn diese 23 Stunden am Tag ungenutzt bleibt. Nicht selten wird zudem die Nebenkostenersparnis durch den Dienstwagen auf Mitarbeiterseite durch den Arbeitgeber kostenmäßig überkompensiert. Zudem müssen/wollen Unternehmen zunehmend ein Nachhaltigkeitsreporting erstellen, um zu sehen, wie viel Emissionen im Unternehmen entstanden sind und wie diese reduziert werden können. Die Mobilität der Mitarbeitenden ist dabei ein nicht zu vernachlässigender Bereich. Immer mehr Unternehmen möchten daher Anreize für Mitarbeitende schaffen, sich nachhaltiger fortzubewegen. 

Wie helft Ihr anderen Unternehmen, klimafreundlich zu handeln?

Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Unternehmen eine Lösung zu bieten, um sämtliche Mobilitätsangebote für Mitarbeitende zu verwalten, steuerkonform abrechnen zu können, nachhaltiges Mobilitätsverhalten automatisch zu incentivieren und dadurch deutlich Kosten und Emissionen einzusparen. Das Mobilitätsbudget von MOBIKO ermöglicht Mitarbeitenden daher, alle verfügbaren Verkehrsmittel und Mobilitätsservices weltweit zu nutzen und die Kosten beim Arbeitgeber ganz einfach per App abrechnen zu können. Anstatt die eingereichten Mobilitätsbelege pauschal zu versteuern, gewährleistet unser eigens entwickelter intelligenter Steueralgorithmus eine wirtschaftliche Optimierung und steuerkonforme Rückerstattung aller Ausgaben. Der Mitarbeitende bekommt schon beim Einreichen angezeigt, wie steuersensitiv seine Mobilitätsausgabe ist. Die Rückerstattung der eingereichten Mobilitätskosten erfolgt automatisch im Folgemonat mit der Gehaltszahlung – 100 % digital. Arbeitgeber haben dadurch keinerlei Aufwand und sparen sich bares Geld. Je nach Mobilitätsnutzung kann der Mitarbeitende dabei mit einer deutlich höheren Nettoerstattung rechnen als bei einer reinen Gehaltserhöhung – frei nach dem Motto: Grüner fahren. Steuern sparen. Um wirklich Emissionen einsparen zu können, müssen wir am Verhalten der Mitarbeitenden ansetzen und diesen die Verantwortung für ihr Mobilitätsverhalten wieder übertragen, damit diese von vorneherein klimafreundliche Mobilitätsentscheidungen treffen können, anstatt pauschal nachträglich zu kompensieren.


In Zukunft möchten wir unser Angebot weiter auf die gesamte betriebliche Mobilität ausweiten. Mit MOBIKO können Unternehmen bereits heute neben dem freien Mitarbeiterbudget auch Angebote wie Dienstwagen und Dienstrad budgetär verwalten. In Zukunft soll der gesamte Mobilitätsmix in MOBIKO vereint werden. Hierzu gehört auch die Erfassung von Mobilitätsvermeidung und emissionsneutrale Fortbewegung. Dafür bieten wir Unternehmen eine Plattform, die es möglich macht, teure und umweltbelastende Assets zu reduzieren oder besser auszulasten – ohne Mitarbeitende in ihrer Flexibilität einzuschränken.

Gemeinsam haben wir den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Was war eure Motivation dabei?

Natürlich möchten wir nicht nur anderen Unternehmen helfen, nachhaltiger zu agieren und Emissionen zu vermeiden, sondern auch bei uns selbst anfangen. Als Bestandsaufnahme haben wir daher den CLIMATE Readiness Check durchgeführt. Dieser war eine gute Ausgangsbasis für uns, um zu sehen, in welchen Bereichen wir bereits nachhaltig handeln und wo vor allem noch Handlungsbedarfe sind. Wir haben ein kleines Green-Team, welches sich genau mit diesen Handlungsempfehlungen auseinandersetzt. Derzeit evaluieren wir, welche Aufforderungen wir in diesem Jahr bereits geschafft haben und wo wir 2022 noch ansetzen müssen, um klimaneutral zu werden und einen aktiven Beitrag gegen den Klimawandel leisten zu können. Der CLIMATE Readiness Check war dabei das Fundament auf dem unsere ganze interne Arbeit aufgebaut war. Die praxisnahen Tipps haben uns wirklich geholfen, die für ein Startup zunächst unlösbare erscheinende Aufgabe aktiv anzugehen.

Was sind die drei Best Practices, die ihr Unternehmen mit auf den Weg geben wollt?

Wenn man auf diesem Gebiet keine Mitarbeitenden hat, die dafür eingestellt und ausgebildet wurden, hilft es sehr Partner wie beispielsweise THE CLIMATE CHOICE zu haben, die einem helfen das eigene Unternehmen objektiv auf Nachhaltigkeit zu prüfen, Problemstellen ausfindig zu machen, aber auch direkt Lösungswege und -vorschläge aufzeigen. Sie geben eine gute Orientierung und unterstützen, um schnell mit Maßnahmen starten zu können.

Zunächst kann auch erst einmal mit kleinen Aktionen angefangen werden, um die Aufmerksamkeit innerhalb des Teams auf das Thema zu erhöhen und schnell in die Umsetzung gehen zu können. Beispiele können hier sein: Ecosia als Browser, anstatt Google verwenden, vegane Lunches einführen, ein flexibles Mobilitätsbudget zur Verfügung stellen, welches nachhaltiges Fortbewegen incentiviert, eine Fahrradwoche veranstalten, und und und. Es kann ganz einfach sein, wenn man unter anderem den eigenen Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt sich einzubringen – denn viele Mitarbeitende haben einen eigenen Drive, auch ihr Arbeitsumfeld klimafreundlicher und zukunftstauglich zu gestalten.

Auch der Beitritt zu Initiativen, die sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen, hilft ungemein. Dadurch entstehen Ideen für aktive Umsetzungen im Unternehmen, Erfahrungen werden ausgetauscht und gemeinsam lassen sich Nachhaltigkeitsprojekte viel einfacher umsetzen. Zudem motivieren sie sehr, da sich gemeinsam einfach mehr bewegen lässt!

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Bildquelle: Unsplash