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Glossar der klimakompatiblen Beschaffung – die wichtigsten Begriffe im Überblick

18.12.2021 | Lesedauer: 6 Minuten

Wer die Klimatransformation im eigenen Unternehmen vorantreiben möchte, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Denn da der Großteil der CO2-Emissionen eines Unternehmens durch eingekaufte Produkte und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfung entsteht, ist die Lieferkette der größte Hebel für umfangreiche Emissionsreduktion.

Der größte Trend 2022 für die Klimatransformation ist daher eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Einkaufsleiter:innen und Klimabeauftragten. Damit sie gemeinsam CO₂-Reduktionen in der Lieferkette umsetzen können, braucht es jedoch ein gemeinsames Verständnis über die grundlegenden Konzepte klimakompatiblen Handelns. Dabei ist die Liste der neuen Verordnungen, Konzepte, Regelwerke und Praxisansätze lang und für Einsteiger oft kaum zu überschauen.

Die relevantesten Begriffe im Überblick

Im Folgenden haben wir Dir daher ein Glossar der klimarelevanten Beschaffung zusammengestellt. Anhand der erklärten Begriffe erhältst Du einen umfassenden Überblick darüber, was klimarelevantes Wirtschaften entlang der gesamten Lieferkette bedeutet und auf welcher Grundlage eine verantwortungsvolle Beschaffungspraxis im Unternehmen entwickelt wird:

Corporate Social Responsibility (CSR)

Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) steht für unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Eine CSR-Strategie verfolgt das Ziel, ökonomische, soziale und ökologische Aspekte im Unternehmen miteinander zu verbinden und in Einklang zu bringen. Das CSR-Richtlinien-Gesetz legt seit 2017 CSR-Berichtspflichten für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten fest. Diese geben vor, welche Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmer:innenbelangen Unternehmen transparent offenlegen müssen. Es schafft Anreize für Unternehmen, entlang der gesamten Lieferkette soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Klimakompatibler Einkauf zielt darauf ab, diese Grundsätze der sozialen Verantwortung im Lieferkettenmanagement sowie im Lieferantenauswahlprozess zu integrieren. Damit schafft CSR die Grundlage für verantwortungsbewusste Beschaffungsprozesse.

Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Mit der kommenden Anpassung der EU-weiten CSR-Berichtspflicht, der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), werden rund 15.000 Unternehmen in Deutschland bald dazu verpflichtet, die von ihnen ausgehenden Risiken für Gesellschaft und Umwelt offenzulegen. Der neue Standard führt zu einer zukunftsorientierten Veränderung der Geschäftsbeziehungen. Investor:innen, Kund:innen und Geschäftspartner:innen werden in der Lage sein, die Auswirkungen von Unternehmen und ihre tatsächlichen Maßnahmen zur Verbesserung dieser Auswirkungen zu erkennen. Denn Unternehmen werden jährlich darüber berichten müssen, wie sie ihre soziale und ökologische Dimension sowie die Unternehmensführung handhaben. Die berichteten Informationen müssen solide, transparent und überprüfbar sein. Daher werden ein internes Managementsystem sowie externe Audits bald obligatorisch sein, um die Auswirkungen entlang der Lieferkette kontinuierlich zu messen und zu überwachen. 

Weitere Insights zum Game Changer CSRD finden sich hier.

ESG-Kriterien

Der Begriff ESG kommt aus dem Finanzsektor und steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Da klimakompatibles Wirtschaften weit über den Umweltaspekt hinausgeht, soll die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens anhand unterschiedlicher Kriterien aus diesen drei Bereichen bewertet werden. Evaluiert werden somit nicht nur die direkten und indirekten Umweltauswirkungen einer Unternehmung, sondern auch der Grad der unternehmerischen Sozialverantwortung. ESG-Kriterien haben sich heute als Standard nachhaltiger Finanzanlagen etabliert und fördern somit die Transparenz nachhaltiger Unternehmensaktivitäten in der Finanzwirtschaft.

Wie Du in 5 Schritten klimafokussierte ESG-Kriterien für den Einkauf nutzen kannst, erfährst Du hier.

Global Reporting Initiative (GRI)

In Zusammenarbeit mit den United Nations unterstützt die Global Reporting Initiative (GRI) die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Organisationen. Dazu veröffentlichte GRI im Jahr 2016 seinen Sustainability Reporting Standard, der einen Berichtsrahmen mit dazugehörigem Leitfaden und Kriterien beinhaltet, welcher heute schon von tausenden Organisationen in über 100 Ländern genutzt wird. Dies trägt zur Vergleichbarkeit der Klimadaten bei, legt unternehmerische Klimachancen sowie -risiken transparent offen und gewährleistet Stakeholder:innen einen besseren Einblick in die Unternehmensleitung. Unternehmen können so ebenfalls die Klimaleistung ihrer Lieferanten einordnen und die Ergebnisse in die Lieferantenauswahlprozesse einbeziehen.

Klima Sourcing

Intelligentes Klima Sourcing basiert heute auf klimarelevanten und validen Daten. Um diese zu erhalten, muss die Klimawirkung eines Lieferanten anhand von verschiedenen relevanten Wirkungs- und Risikodimensionen ganzheitlich analysiert werden. Dies bringt nicht nur Transparenz in die Lieferkette, sondern fördert auch die Vergleichbarkeit von Klimadaten. Unternehmen können so klimakompatible Lieferanten identifizieren, die bereits hohe Reportingstandards und klimarelevante Wirkungsprofile aufweisen.

Scope 1-3 Emissionen

Für die Berechnung der Emissionen in einem Unternehmen wird zwischen verschiedenen Emissionsquellen differenziert. Laut dem Greenhouse Gas Protocol werden Treibhausgasemissionen in Scope 1, 2 und 3 unterteilt. Während die Emissionen in Scope 1 und 2 die firmeneigenen Emissionen umfasst, welche durch bspw. Gebäude, Strom und Mobilität erzeugt werden, fallen unter Scope 3 solche Emissionen, die durch eingekaufte Produkte und Dienstleistungen entlang der Lieferkette entstehen. Die Betrachtung der Scope 3-Emissionen erweist sich als besonders wichtig, da diese den Großteil der Gesamtemissionen eines Unternehmens ausmachen.

Supplier Engagement

Der Schlüssel der Lieferkettendekarbonisierung liegt darin, nicht nur Anforderungen an Lieferanten zu stellen, sondern sie auf dem Weg der Klimatransformation mitzunehmen und sie in der Umsetzung der eigenen Klimaziele zu unterstützen. Dies geschieht, indem eine datengetriebene Software-Analyse Lieferanten nicht nur die eigene Klimaperformance aufzeigt, sondern handlungsorientierte Potenziale und konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen identifiziert. Auf dieser Grundlage arbeiten Lieferanten und Kund:innen transparent und zukunftsorientiert zusammen, um gemeinsam individuelle Maßnahmen einzuleiten und Klimaziele aktiv umzusetzen.

Unsere CLIMATE Data Platformim unterstützt Dich beim datenbasierten Supplier Engagement.

Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD)

Die TCFD-Empfehlungen unterstützen Unternehmen bei der effektiven und unkomplizierten Offenlegung klimabezogener Daten. Das Rahmenwerk wurde 2017 auf Wunsch der G20-Finanzministerien sowie der Zentralbank veröffentlicht und dient heute als ganzheitlicher Leitfaden für einen umfassenden Reportingprozess. Dabei geht es um die 4 Kernbereiche: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Metriken und Ziele. Die Chancen einer schnellen Umsetzung sind sowohl ein besserer Zugang zu Kapital durch erhöhtes Vertrauen der Kreditgeber:innen als auch ein gesteigertes Verständnis von klimabezogenen Risiken und Chancen, wodurch bereits bestehende Offenlegungspflichten besser erfüllt werden können.

Erfahre hier mehr darüber, wie sich die TCDF-Empfehlungen für eine transparente Berichterstattung in Deinem Unternehmen umsetzen lassen.

Verhaltenskodex für Lieferanten

Ein Verhaltenskodex dient dazu, die Anforderungen und Standards an Lieferanten transparent zu kommunizieren. Hier werden nicht nur Anforderungen für Sozial- und Arbeitnehmer:innenstandards, sondern auch für Umweltbelange festgelegt sowie Richtlinien zur Überprüfung und Dokumentation abgesteckt. Damit sorgt ein Unternehmen dafür, dass auch Lieferanten für verantwortungsvolles und klimarelevantes Handeln sensibilisiert und in der Umsetzung der eigenen Klimaziele gefördert werden.

Zirkularität

Das Ziel der zirkulären Wertschöpfung ist, im Gegensatz zum Konzept der linearen Wertschöpfung, Roh- und Werkstoffe möglichst lange zu verwenden und den Umgang mit Ressourcen so effizient wie möglich zu gestalten. Dies ist nicht mit dem klassischen Recycling gleichzusetzen. Zirkularität zielt darauf ab, das End-of-Life-Konzept durch geschlossene Kreisläufe zu ersetzen und damit eine regenerative und effiziente Produktion von Gütern zu ermöglichen. 

Circular Economy als ganzheitlicher Ansatz – so funktioniert’s.

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