Emissionsfreie Lieferketten – durch Digitalisierung und Transparenz

27.08.2021 | Lesedauer: 5 Minuten

Neben selbstgesteckten Klimazielen verlangen sowohl die Politik als auch Investor:innen von Unternehmen verstärkt Transparenz und nachweisbare Maßnahmen in Bezug auf Klimaschutz entlang der Wertschöpfung. Transparenz in der Lieferkette stellt für Unternehmen jedoch nicht nur einen wichtigen Hebel der Klimatransformation, sondern ebenso eine große Herausforderung dar. 

Um zu erfahren, wie sich diese Herausforderung mithilfe von digitalen Lösungen meistern lässt, haben wir uns Klaus Wiesen als Sprecher zum CHOICE Event #24 eingeladen. Klaus ist CEO von sustainabill und hat vor vier Jahren das Unternehmen mitgegründet, da er bei seiner langjährigen Arbeit als Teamleiter für das Wuppertal Institut die große Bedeutung von Transparenz in der Lieferkette für die Bekämpfung des Klimawandels und für nachhaltiges Wirtschaften erkannt hat. Hier findest du die wichtigsten Inhalte aus seinem Vortrag über die Vorteile von Digitalisierung und Transparenz für eine emissionsfreie Lieferkette.

Warum ist die Lieferkette für Klimaneutralität entscheidend?

Wer die Klimatransformation im eigenen Unternehmen ganzheitlich vorantreiben will, kommt nicht an der Lieferkette vorbei. Das hat unter anderem eine aktuelle Studie vom World Economic Forum zusammen mit der Boston Consulting Group wieder einmal gezeigt. Hiernach hat die Lieferkette vor allem bei den Endprodukten mit bis zu 90 % bei den “Fast Moving Consumer Goods” (FMCG) mit Abstand den höchsten Anteil der CO2e-Emissionen. Aber auch bei den Rohstoffen und somit den Zuliefernden selber machen die Scope-3-Emissionen z. B. im Chemie- und Textilbereich immer noch 61 % aus. 

Quelle: World Economic Forum 2021

Somit gilt es sowohl bei B2C-Unternehmen als auch bei den Lieferanten, CO₂ nicht nur in den eigenen Prozessen, sondern ebenso in der eigenen Lieferkette stark zu reduzieren.

Das GHG Protocol als Rahmenwerk

Von den insgesamt 15 Unterkategorien der nach dem Greenhouse Gas Protocol definierten Scope-3-Emissionen ist die Kategorie Scope 3.1, die eingekaufte Güter und Dienstleistungen beschreibt, besonders relevant. Im Gegensatz zum häufig im Vordergrund stehenden Scope 3.4, welcher die Logistik umfasst, macht sie den eigentlichen Bärenanteil der Emissionen aus.

Quelle: ghgprotocol.org

Leider fehlt vielen Unternehmen nun gerade bei Scope 3.1 eine gute und verlässliche Datengrundlage, sodass die entsprechende Spalte bei Reportings zumeist leer bleibt. Genau diese Black Box müssen wir also angehen, um die großen Einsparpotenziale der Lieferkette zu realisieren. 

Fehlende Standards für die Lieferkette

Schauen wir nun auf die vorhandenen Standardisierungen für eine Datenerhebung entlang der Lieferkette, findet sich deutlich weniger als erhofft. Zwar stehen die ISO 14040/44 – Ökobilanz als auch der spezifischere ISO 14067 – CO₂-Fußabdruck zur Verfügung, bei beiden bleiben letztlich aber viele Fragen offen wie z. B.: 

Dementsprechend arbeitet die EU seit Anfang 2010 an einer umfassenden Standardisierung im Rahmen der Initiative “Product Environmental Footprint” (PEF). Das Problem: Dabei herausgekommen ist ein großes Regelwerk, das es aufgrund seiner Komplexität bis heute nicht geschafft hat, sich als Standard zu etablieren.

Reduktion der Lieferketten-Emissionen – wo fange ich an?

Im Hinblick auf die mangelhafte Standardisierungs-Lage stellt sich nun natürlich die Frage: Wie soll ich denn mit der Datenerfassung in der Lieferkette beginnen, wenn ich keine Konsistenz und Vergleichbarkeit habe? Um die Lieferketten-Emissionen jedoch schnell und effektiv reduzieren zu können, nimmt die Vergleichbarkeit letztlich einen geringeren Stellenwert ein als die Spezifik der einzelnen Daten. Denn in erster Linie geht es darum, pro Lieferant die jeweilige Entwicklung mit dem Ziel der Netto-Null-Emissionen nachverfolgen zu können. Wenn diese schließlich erreicht ist, hat sich die Frage nach der Vergleichbarkeit erledigt.

Wie und woher bekomme ich nun also meine spezifischen Daten? Hierbei steht als erstes die Frage, auf welche Warengruppen ich mich fokussieren möchte. Die Kriterien für eine solche Entscheidung sind zunächst das Reduktionspotenzial sowie die CO₂-Intensität der jeweiligen Warengruppe. Dabei sind beide Kategorien gleich wichtig, denn betrachte ich zum Beispiel Rindfleisch, ist dieses zwar besonders CO₂-intensiv, die Möglichkeiten des Einsparens von Treibhausgasen halten sich jedoch in Grenzen.

Transparenz erfordert eine digitale Plattform

Wenn nun die Grundfragen der Datenerfassung geklärt sind, geht es endlich um das Wesentliche: die Einbindung der Lieferkette. Hier kann eine digitale Plattform enorm dabei helfen, die gemeinsame Arbeit zu organisieren und voranzutreiben. Hier eine Aufzählung der verschiedenen Vorteile:

Automatisierte Workflows und Know-How-Vermittlung

Cloud-Plattformen können anhand von Best Practices optimierte digitale Prozesse vorgeben, von denen Unternehmen, die zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kommen, stark profitieren. Insofern liefert eine digitale Plattform nicht nur hilfreiche Strukturen, sondern leistet ebenso Know-How-Vermittlung – sowohl für das Unternehmen als auch die jeweiligen Zuliefernden.

Bessere Zusammenarbeit entlang der Lieferkette

Besonders, wenn die Datenerfassung nicht nur direkte, sondern auch Vor-Lieferanten einbezieht, entsteht schnell eine Komplexität, die ohne eine digitale Plattform kaum zu managen ist. Dabei geht es sowohl um das schnelle und einfache Teilen von Datensätzen mit nur einem Klick als auch um die Visualisierung der gesamten Lieferkette anhand verschiedener Parameter. So lässt sich ein besserer Überblick erzeugen und einzelne Hotspots schneller identifizieren. 

Monitoring der Fortschritte

Letztlich bleibt es natürlich nicht nur bei der Zielsetzung. Die eigentlichen Maßnahmen und entsprechenden Fortschritte müssen ebenfalls über die Plattform einseh- und überprüfbar sein, um im gemeinsamen Austausch der Klimaneutralität Stück für Stück näher zu kommen.

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