Glühbirne

Durch Energieeffizienz die Klimatransformation vorantreiben

05.10.2021 | Lesedauer: 4 Minuten

Mathias Rauter

Gastbeitrag. Zum Autor:

Mathias Rauter arbeitet seit 2019 für die Energie Steiermark Business GmbH und ist dort als zertifizierter Energieauditor verantwortlich für die Erfüllung des Energieeffizienzgesetzes.

Wenn es um die erfolgreiche Umsetzung der Kimatransformation im Energiesektor geht, reden viele vor allem über die Stromerzeugung durch erneuerbare Quellen – während das Schlagwort der Energieeffizienz deutlich seltener fällt. Zu Unrecht, denn spätestens seit der Bekanntgabe der Europäischen Energiepolitik sollte klar sein, welch wichtige Rolle die Energieeffizienz bei der Erreichung der Klimaziele spielt. Mathias Rauter bietet einen tieferen Einblick und erklärt am Beispiel von Energie Steiermark AG, wie Unternehmen Maßnahmen zur effizienteren Stromnutzung umsetzen können.  

Die Energieeffizienzrichtlinie der EU weißt den Weg

Zur Erreichung der Klima- und Energieziele hat die EU im Jahr 2012 die erste Version der EU Energieeffizienzrichtlinie (Richtlinie 2012/27/EU) beschlossen. Europäische Länder sind dazu verpflichtet, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen und bis 2020 die Energieeffizienz um 20 % zu erhöhen. Im Jahr 2018 wurde die Richtlinie überarbeitet und das Gesamtziel bis 2030 auf 32,5 % erhöht.

Da aus der Richtlinie diverse Umsetzungsmöglichkeiten für die Steigerung der Energieeffizienz hervorgehen, haben die einzelnen EU-Länder verschiedene nationale Strategien gewählt. In Österreich hat man sich mit dem „Nationalen Energieeffizienzgesetz“ für ein Mischsystem aus strategischen Maßnahmen des Bundes und der Länder sowie einer Energielieferantenverpflichtung entschieden.

Energielieferant:innen müssen demnach bei Endkund:innen pro Jahr 0,6 % Energie durch Energieeffizienzmaßnahmen einsparen. Zusätzlich gibt es für große Unternehmen die Verpflichtung, in 4 Jahresabständen Energieaudits von zertifizierten Energieauditoren durchzuführen und Verbesserungsmaßnahmen im Betrieb zu erarbeiten oder ein Managementsystem (z. B. Energie-MS, Umwelt-MS oder EMAS) im Betrieb einzuführen. 

Mit Managementsystem und Audits zu mehr Energieeffizienz

Zur Umsetzung der gesetzlichen Verpflichtung sowie zur Unterstützung seiner Kund:innen hat Energie Steiermark AG eine eigene Stabsstelle „Energieeffizienz“ gegründet. Zusätzlich wurde ein Energiemanagementsystem, das den gesamten Vertrieb umfasst, im Konzern eingeführt. Das Unternehmen hat die Mitarbeitenden der Stabstelle dazu beauftragt, alle aus dem Energieeffizienzgesetz entstehenden Energieeffizienzmaßnahmen zu bewerten, konzerninterne Audits für alle betroffenen Gesellschaften durchzuführen und als Energiebeauftragte im Energiemanagementsystem zu agieren. 

Das Ergebnis: Mit Stand 14. Februar 2021 hat die Stabsstelle circa 1.300 Energieeffizienzmaßnahmen bewertet und bei der Nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle zur Überwachung des nationalen Gesetzesrahmens gemeldet. Zur Erreichung dieses Ziels hat Energie Steiermark AG auf engen Kundenkontakt und Austausch bzw. Know-How-Transfer von Energielieferant:innen zu den Kund:innen gesetzt. Zusätzlich wurden mehrere Energieeffizienznetzwerke gegründet, welche die Kund:innen bei der Umsetzung der Energieeffizienzmaßnahmen zusätzlich unterstützten. Die Maßnahmen teilten sich dabei in unterschiedliche Bereiche (Abbildung 1) auf. Im Bereich der industriellen Prozesse konnten so die größten Einsparungen erzielt werden (44 % der insgesamt eingesparten kWh), gefolgt von den Bereichen Heizung und Warmwasser (19 %) sowie Beleuchtung (13 %).  

Energieeffizienz
Abbildung 1: Sektoren gesetzter Energieeffizienzmaßnahmen in Prozent nach eingesparten kWh

Best Practice: Kühlsystem und Mobilität

Die Maßnahmen wurden aber nicht nur ausschließlich bei den Kund:innen, sondern auch konzernintern gesetzt. So hat die Haustechnik u. a. eine „freecooling“ Anlage realisiert und ins IT-Rechenzentrum integriert. Diese Kühlanlage arbeitet durch geringen Primärenergieeinsatz wirtschaftlich, kostensparend und klimaschonend zugleich.

Abbildung 2: Adiabate Kühlungsanlage der Energie Steiermark AG

Weitere interne Maßnahmen entstanden u. a. im Bereich Mobilität. Dabei wurden neben der konsequenten Umstellung der eigenen Fuhrparkflotte oder dem Job-Ticket durch das „Projekt Panther“ ein flächendeckendes (alle 15 km) Netzwerk aus Elektroladestellen innerhalb Steiermark errichtet. Die seither an den Ladestellen abgegebene Energiemenge zeigt einen stetigen Trend nach oben, was zu mehr Effizienz im Verkehr und einer Verringerung des CO2-Ausstoßes in der Steiermark führt. 

Das Erreichen der Klimaschutzziele wird neben dem Ausbau von nachhaltigen Energien ganz wesentlich durch vorausschauenden, ressourcenschonenden Energieeinsatz getragen. Unter Berücksichtigung der langen Verfahrensdauern und umfassenden Auflagen bei der Errichtung von erneuerbaren Anlagen ist jede zuvor eingesparte kWh in Form von Effizienzmaßnahmen doppelt wertvoll. Energieeffizienzmaßnahmen sind wirtschaftlich, schonen wertvolle Ressourcen und sind – neben der erzielten Energieeinsparung – somit eine wesentliche Säule für den Klimaschutz.

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