Dekarbonisierung durch Ökostrom? Das geht jetzt noch effektiver durch sogenannte windCORES

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Fiete Dubberke

Interviewpartner: Dr.-ing. Fiete Dubberke startete 2013 bei der Westfalenwind GmbH im Bereich der Planung und Projektierung von Netzinfrastrukturen für Windenergieanlagen. Seit 2016 ist der promovierte Wirtschaftsingenieur Mitgesellschafter und Geschäftsführer der WestfalenWIND Plus-Gruppe und verantwortlich für die IT Sparte rund um das „windCORES“-Konzept.

Seine Expertise in der Thermodynamik und Energietechnik, mit speziellem Fokus auf der Abwärmenutzung und Integration von erneuerbaren Energien und Ökostrom, helfen insbesondere bei der Entwicklung von innovativen und nachhaltigen Lösungen von IT-Infrastrukturkonzepten.

Die Umstellung auf Ökostrom ist ein wichtiges Instrument zur Dekarbonisierung – WestfalenWIND verfügt über eine spezielle Ökostrom-Lösung. Welche genau und wie funktioniert diese?

Als WestfalenWIND IT sind wir Teil der WestfalenWIND-Gruppe, die im Raum Paderborn rund 170 Windenergieanlagen betreibt und verwaltet. Mit dem Thema Ökostrom kennen wir uns also seit Jahren bestens aus. 2017 hatten wir die Idee, Rechenzentren direkt in Windenergieanlagen zu bauen. Gemeinsam mit dem Software Innovation Campus Paderborn (SICP) der Universität Paderborn haben wir daraus ein Konzept entwickelt und einen ersten Prototypen gebaut: die windCORES. Rechenzentren, die mit Windstrom versorgt werden, gibt es schon einige. Aber ein Datacenter im Windrad selbst ist wohl weltweit einmalig. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Zum einem nutzen wir den Strom, der vor Ort sauber produziert wird. Zum anderen nutzen wir die vorhandene Infrastruktur. Es muss kein Gebäude für unsere windCORES gebaut werden, auch Datenleitungen und eine Anbindung ans Internet sind in einer Windenergieanlage in der Regel vorhanden. Nachhaltiger und effizienter kann man Rechenzentren nicht denken. 

Welche Vorteile bietet die Nutzung von windCORES und Ökostrom für Unternehmen?

Laut einer aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom will schon jetzt fast jedes zweite Unternehmen perspektivisch CO2-neutral werden. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen zu können, wird daraus in Zukunft für alle ein “Muss” werden. Da kann windCORES eine Klimalösung von vielen sein. Unternehmen, die ihre IT in herkömmlichen Rechenzentren betreiben, erzeugen im derzeitigen Strommix mit jeder verbrauchten Kilowattstunde Strom 401 Gramm CO2, in den windCORES sind es nur 10,75 Gramm. Zum ökologischen kommt dann noch der ökonomische Nutzen. Da wir den Strom direkt vor Ort nutzen, entfallen Netzentgelte und andere Abgaben. Das wirkt sich natürlich auf positiv auf die Betriebskosten aus. Aus unserer Sicht ist das ein gutes Beispiel, das zeigt, dass sich Erneuerbare Energien und Ökostrom auch wirtschaftlich lohnen.

Was konnten Kund:innen durch Eure Klimalösung erreichen?

Zattoo hat sich verpflichtet ab 2020 klimaneutral zu sein. Mit 3 Millionen Nutzer:innen monatlich ist Zattoo einer der größten TV-Streaming-Plattformen in Europa. Pro Tag entstehen durch das Streamen rund 5 Millionen Gigabyte an Daten, die in Rechenzentren stromintensiv verarbeitet werden müssen. Diese Datenverarbeitung macht ein Viertel des CO2-Verbrauchs bei Zattoo aus. Um den CO2-Ausstoß konsequent zu reduzieren und seiner Selbstverpflichtung nachzukommen, hat das Unternehmen zunächst probeweise einen Teil seiner Server in die windCORES verlegt. Sollte die Testphase erfolgreich verlaufen, ist ein kompletter Umzug der Server-Infrastruktur in das Rechenzentrum im Windrad angedacht.  

Welche Best-Practices könnt Ihr Unternehmen ans Herz legen, um aktiv CO2 zu reduzieren?

Es ist wichtig, dass Unternehmen ihren Stromverbrauch möglichst durch Erneuerbare Energien abdecken. Auf fast jedes Firmendach kann man zum Beispiel Photovoltaik installieren. Firmen, die ihren Strombedarf durch selbst produzierten Strom vom Dach decken, handeln nicht nur sehr wirtschaftlich, sondern auch nachhaltig. So können sie die Energiewende aktiv mitgestalten und zudem die Klimabilanz der eigenen Produkte tatsächlich verbessern. Letzteres kann einen Gewinn für das Unternehmen mit sich bringen, da für viele Kunden nachhaltig produzierte Produkte zunehmend an Bedeutung gewinnen. Hier spielen besonders die vor- und nachgelagerten Emissionen der Lieferkette für die CO2-Bilanz eine große Rolle.

Solaranlage

WestfalenWIND ist THE CLIMATE CHOICE Partner. Was konntet Ihr aus unserem CLIMATE Readiness Check mitnehmen?

Jedes Unternehmen sollte sich seines Einflusses auf das Klima bewusst sein. Denn nur wer seine Klimaperformance kennt, kann daraus relevante Lösungen zur Dekarbonisierung ableiten. Der CLIMATE Readiness Check ist ein Baustein auf dem Weg zur Klimatransformation der Wirtschaft. Unser Check durch THE CLIMATE CHOICE hat ergeben, dass wir als WestfalenWIND-Gruppe bereits weitesgehend nachhaltig agieren. Unser Wissen, unsere Erfahrungen und Lösungsansätze wollen wir als CLIMATE CHOICE Partner an das Netzwerk weitergeben, damit auch andere Unternehmen ihre Emissionen wirkungsvoll reduzieren können. 

Wir freuen uns sehr, dass ihr beim CLIMATE TRANSFORMATION Summit 2021 dabei wart – Wie wars?

Wir sind stolz darauf, Teil eines Unternehmens-Netzwerks zu sein, das sich dem Klimaschutz und den Zielen des Pariser Abkommens nicht nur verschrieben hat, sondern durch konkrete Maßnahmen aktiv unterstützt. Der gemeinsame Austausch mit anderen CLIMATE CHOICE Partner:innen und insbesondere deren Konzepte für eine nachhaltige IT waren sehr interessant. Wir hoffen, unser Konzept windCORES durch die Diskussionen und Anregungen mit anderen Partner:innen für den Markt weiter optimieren zu können.

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Bildquellen: unsplash