Klimaschutz im E-Commerce

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Über unsere Autorin: Julia Vollendorf hat neben der Feldarbeit für NGOs, auch selbst im Face-to-Face Fundraising gearbeitet. Sie unterstützte beispielsweise im Marketing und Fundraising für UN Women Deutschland

Heute ist Julia Gründerin der Sustainability Software Agentur edon – electronic donations. Unsere Software macht es Unternehmen leicht, Kund*innen in ihr Engagement für Nachhaltigkeit einzubeziehen. So können Kund*innen bspw. im Warenkorb aufrunden und NGO’s unterstützen, einen Baum pflanzen oder CO2 ausgleichen.

Oft ist Onlineshopping mit Nachhaltigkeitsvorwürfen verbunden, zurecht?

Onlineshopping, so wie es jahrelang praktiziert wurde hat natürlich eine ganze Bandbreite an negativen Auswirkungen auf unseren Planeten, die der Branche eigen sind. Das beginnt bei der zunehmenden Bequemlichkeit des Konsums, geht weiter mit dem zusätzlichen CO2-Ausstoß durch Lieferungen und endet nicht bei der Retourenproblematik. Es gibt viele Bereiche im E-Commerce mit Verbesserungspotential, keine Frage. So gibt es auch noch immer Versandhäuser innerhalb der Top 100 Shops, ohne eine fundierte Nachhaltigkeitsstrategie, was mich persönlich wirklich überraschte.

Aber damit sind wir auch schon bei der guten Nachricht: Der Wandel vollzieht sich in dieser Branche aktuell in rasantem Tempo.

Wo steht Deutschland derzeit in der Transformation des Online-Handels?

Die wirklich großen Player haben das wichtige Thema fast alle als Top-Thematik auf dem Schirm. Idealo schrieb sich Nachhaltigkeit während der NEXUS E-Commerce Messe als Top Trend für 2021 ganz vorne auf die Agenda und ebay launchte gerade erst den CO2-Ausgleich für Produkte.

Das, was man nämlich ganz gerne vergisst, wenn man über den Online Handel wettert, ist, dass auch dort Menschen sitzen, denen unsere Welt und unsere Gesellschaft am Herzen liegen.

Häufig fehlt eher noch das Know-how, wo und wie man mit der Klimatransformation beginnen kann. Außerdem wird die Transformation oft gehemmt durch die Angst vor einem Shitstorm wegen Greenwashings, aufgrund von mangelnder Expertise im Fach.

Gerade deshalb ist es für mich so wahnsinnig motivierend und spannend, hier Sorgen und Vorurteile abzubauen und Mut zu machen, mit einfachen Schritten zu beginnen und sich langfristig ganzheitlich und strukturiert aufzustellen. 

Wie groß sind die CO2-Einsparpotentiale im E-Commerce?


Der Gesamtumsatz im E-Commerce betrug in 2019 ca. 59,2 Mrd. €. Die Marktentwicklung im E-Commerce ist seit Jahren von starkem Wachstum geprägt. Auch für die kommenden Jahre bis 2025 ist ein jährliches Wachstum weltweit von 10% prognostiziert. Als eine der wenigen Branchen profitiert der E-Commerce von der Corona-Krise und Nachhaltigkeit wird aktuell als neuer Trend identifiziert.

Der E-Commerce bietet vor allem ein wahnsinniges Ausgleichspotential. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass Kund*innen bereit sind, 5% mehr für Produkte zu zahlen, die umweltfreundlich sind. Wenn also (wie bspw. bei uns) der Produktpreis auch nur um ca. 3% erhöht wird und dadurch das CO2 für die Herstellung des Produktes ausgeglichen werden kann, ergibt sich ein Ausgleichspotential von über 2 Mrd. € pro Jahr allein in Deutschland. Bei einem Preis von 22€ pro Tonne CO2 könnten so fast 94 Mio. Tonnen CO2 ausgeglichen werden. Das ist mehr als ein Zehntel des gesamten CO2 – Ausstoßes des deutschen Flugverkehrs. Und diese Zahlen betrachten nur den Ausgleich. Sie haben das CO2-Einsparungspotential im E-Commerce durch die nachhaltige Umstellung bei Materialen, der Lieferkette, Neubauten von Anlagen und Mobilität noch nicht einmal berührt. Hier Schätzungen abzugeben ist schwierig, da allein die Lieferketten einiger Unternehmen mehrere tausend Zuliefer*innen umfassen. Aber das Potential ist atemberaubend und die Ideen zum Teil wirklich kreativ.

E-Commerce nachhaltig gestalten – Wo setzt edon dabei an?


Uns wurde schnell klar, dass wir gerade auch im Bereich Klimaschutz mit unserer Technologie wirklich helfen können, um Unternehmen einen unkomplizierten Einstieg in die Thematik zu ermöglichen. So können Endkund*innen durch unseren Plugin, neben dem Aufrunden zur Unterstützung der SDGs, demnächst auch online im Checkout Bäume pflanzen und CO2 für die Produkte ausgleichen.

Unternehmen bieten wir eine einfache technische Implementierung, die flexible Auswahl an Projekten und den Einbezug von 100% der Kund*innen, dar es direkt im Checkout eingebunden wird. 

Welche Best-Practices könnt Ihr Unternehmen noch mit auf den Weg geben?

Ich empfehle, mit ein paar grundlegenden Fragen zum eigenen Unternehmen zu starten, um eine grobe Marschrichtung festzulegen.
Warum denkst Du, sollte Dein Unternehmen nachhaltig sein? Für welche Werte steht Dein Unternehmen? Gemeinschaft, Teamwork, Tradition, Fortschritt? Welche Themen sind dir und deinem Team wichtig? Im Einbezug des Teams liegt so viel Potential, viele Ideen und viel Begeisterung, die die Mitarbeiter*innen zusammenschweißen. Nutzt das. Anschließend können auch die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie und Soziales), oder die Sustainable Development Goals der UN einen Einstieg bieten.

An dieser Stelle ein kurzer Shoutout an die Kollegen von retraced: Falls ihr im Fashionbereich unterwegs seid, ist die Plattform eine super Anlaufstelle, um eure Lieferkette nachhaltig zu gestalten.

Und abschließend: Fang einfach an. Das kann unser Plugin sein, das kann Recyclingpapier im Drucker sein, Ökostrom, eine Beratung bei THE CLIMATE CHOICE, oder ein vegetarisches Gericht in der Caféteria. Auch die 8-Punkte-Checkliste für Online-Shops von THE CHLIMATE CHOICE können wir ans Herz legen.
Liebe Unternehmen, ihr müsst nicht alles direkt richtig machen, um einen Einstieg in den Klimaschutz zu finden. 

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Titelbild: Unsplash