Chancen der Digitalisierung für die Klimatransformation.

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Der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft wird heute zunehmend von zwei transformierenden Megatrends bestimmt: Auf der einen Seite arbeiten wir gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft und treiben die Klimatransformation voran. Auf der anderen Seite durchdringt die Digitalisierung unser Leben. Wie können diese zwei Megatrends zusammengeführt werden, damit sie voneinander profitieren und gemeinsam das Klima schützen?

Wie Digitalisierung CO2-Reduktion unterstützt

Die Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“ des Bitkom-Digitalverbands kommt zu dem Schluss, dass digitale Technologien einen großen Beitrag leisten können, um die Klimaziele in Deutschland bis zum Jahr 2030 zu erfüllen. Der CO2-Ausstoß könne durch den gezielten und beschleunigten Einsatz digitaler Lösungen innerhalb der kommenden zehn Jahre um 120 Megatonnen (ca. 50%) reduziert werden.

Die Bitkom-Studie wurde von von Accenture durchgeführt.

„Mit der Digitalisierung halten wir einen extrem starken Hebel in der Hand, um den CO2-Ausstoß schnell und effektiv zu senken.“ 

Bitkom-Präsident Achim Berg

Die Studie untersucht insgesamt sieben Anwendungsbereiche zu digitalen Technologien. Diese Anwendungsbereiche wählte Bitkom nach den CO2-Einsparpotentialen aus. Dabei handelt es sich um die Bereiche industrielle Fertigung, Mobilität, Gebäude sowie Arbeit & Business. Bis zum Frühjahr sollen Landwirtschaft, Energie und Gesundheit folgen. 

CO2-Emissionen digitaler Technik

Neben den potentiellen CO2-Einsparungen der Digitalisierung, muss natürlich ebenso der CO2-Ausstoß von digitalen Technologien selbst beleuchtet werden. Die Herstellung und der Betrieb von Endgeräten wie Smartphones, Computern oder Tablets, aber auch der Betrieb der Netzinfrastruktur und der Rechenzentren, verursacht CO2-Emissionen. Schreitet die Digitalisierung in einem moderaten Tempo fort, werden laut Studie rund 16 Megatonnen CO2 zusätzlich pro Jahr ausgestoßen. Bei einer beschleunigten Digitalisierung sind es 22 Megatonnen.

Insgesamt, so das Fazit der Studie, ist das CO2-Einsparpotenzial der hier betrachteten digitalen Technologien rund fünf Mal höher als ihr eigener Ausstoß.

77% der Unternehmen geben an durch Technologie CO2 einzusparen

In der Praxis sieht das Ganze wie folgt aus (Befragung des Branchenverbandes von 753 Unternehmen in Deutschland):

Der Rebound-Effekt

Die Bitkom- Studie zeigt vor allem die Chancen der Digitalisierung für die Durchführung der Klimatransformation auf. Eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Technischen Universität Berlin aus Oktober 2020 merkt jedoch an, dass die Digitalisierung bislang den globalen Energiebedarf nicht verringert. Eher im Gegenteil: Steigende Energieverbräuche des Digital-Sektors und ein höheres Wirtschaftswachstum stehen einer Reduktion des Energiebedarfs entgegen. Hinzu kommt der sogenannte Rebound-Effekt. Effizienzsteigerungen senken die Kosten für Produkte oder Dienstleistungen und können so dazu führen, dass sich das NutzerInnen-Verhalten ändert: Sie verbrauchen mehr. Die ursprünglichen Einsparungen werden teilweise wieder aufgehoben.

Wie kann die Digitalisierung nun die Klimatransformation unterstützen?

Digitalisierung kann die Klimatransformation unterstützen, wenn Energieeffizienzsteigerungen bewusst eingesetzt werden, um Emissionen dauerhaft zu senken. Gleichzeitig müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den Energiebedarf des Digitalsektors selbst eindämmen und Rebound- sowie Wachstumseffekten entgegensteuern.

Förderungen der Bundesregierung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) steckte sich diesbezüglich innerhalb des Aktionsplans „Natürlich. Digital. Nachhaltig.“ drei Hauptziele für die Förderung der Klimatransformation in Zusammenhang mit der Digitalisierung:

  1. Schaffen von Grundlagen für nachhaltige, digitale Innovationen.
  2. Digitale Technologien nachhaltiger gestalten.
  3. Digitale Innovationen als Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030.

Besonders interessant ist hierbei Punkt 3: Was kann die Digitalisierung zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen?

Innerhalb diesen Punktes stellt der Aktionsplan vier verschiedene Handlungsfelder auf. Dabei soll die Förderung digitaler Innovationen für die Energiewende, der Umwelt- und Klimaschutz, genauso wie ressourceneffizientes und digitales Wirtschaften im Fokus stehen.

Ab 2021 soll eine zusätzliche Förderinitiative zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz und zum nachhaltigen Wirtschaften in der Produktion entstehen. Laut der Bitkom-Studie liegen hier auch die größten CO2-Einsparpotentiale durch digitale Lösungen.

Fazit

Die Digitalisierung bietet große Chancen, aber auch Risiken für eine erfolgreiche Klimatransformation. Bewusst eingesetzt kann die Digitalisierung die Klimatransformation jedoch fördern.

Eine unabhängige Betrachtung einzelner Anwendungen in unterschiedlichen Industrien wird in Zukunft nötig sein, um CO2-Einsparpotentiale effektiv zu nutzen und neue Emissionsquellen vorausschauend zu vermeiden. Die Exponential Roadmap Initiative führt beispielsweise Klimalösungen und ihre Anwendungsgebiete in ihrem Business Playbook auf.