Neue Klimaziele verstärken die Klimatransformation, es bleibt eine Emissionslücke

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Lesezeit: 4 Minuten

Was für eine Woche! Millionen von Menschen nahmen den diesjährigen Earth Day zum Anlass, um Klimamaßnahmen vorzustellen und umzusetzen. Unternehmen informierten nicht nur ihre Kund*innen über die Klimaauswirkungen ihrer Produkte und Dienstleistungen, sondern verpflichteten sich ebenfalls ihre eigene Klimaperformance zu verbessern. President Biden nahm den 22. April zum Anlass, um 40 führende Politiker*innen zum Leaders’ Summit on Climate einzuladen. Was hat die Woche also gebracht? Die neu bestärkten Klimaziele sind einschneidend und einmalig in der Geschichte der Klimabewegung, ohne Frage. Ihre Umsetzung sowie Vertiefung wird nun die nächste Aufgabe.

Klimarisiken und Maßnahmen rücken in den Mittelpunkt aller gesellschaftlicher Entscheidungen.

2021 ist die Ära der Klimawandel-Leugnung vorbei, stattdessen schreitet die Klimatransformation mit großen Schritten voran und wandelt dabei Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Gemeinsam suchen wir nach Möglichkeiten, Emissionen zu reduzieren und die negativen Auswirkung der Klimaveränderung zu stoppen. Es scheint als nehme die Weltengemeinschaft das Rennen mit der Zeit auf und das gemeinsame 1,5 ° C Ziel immer ernster. Was wurde also in der letzen Woche beschlossen?

Neue Klimaziele zur Umsetzung des Pariser Abkommens

🇺🇲 Die USA kündigten an ihre CO2-Emissionen bis zum Ende des Jahrzehnts um mindestens 50% unter dem Niveau von 2005 zu senken. Somit wollen sie nicht nur ihre eigenen Ambitionen erhöhen, sondern auch andere Länder dazu bewegen, die Messlatte für die Dekarbonisierung ihrer Volkswirtschaften höher zu legen. Das aktualisierte Klimaziel der US-Regierung ist ein bedeutender Schritt nach vorne und stellt die größte zusätzliche nationale CO2-Reduzierung der 2020/2021 vorgeschlagen Klimazielaktualisierungen dar. Gleichzeitig würde erst ein Reduktionsziel von 57-63% unter dem Niveau von 2005 bis 2030, dem Pariser Klimaabkommen entsprechen. Der verkündete U.S.-Infrastrukturplan sieht eine Investition von 100 Mrd. USD in das Stromnetz und saubere Technologien vor, um bis 2035 einen kohlenstofffreien Stromsektor zu ermöglichen. Außerdem sind bis 2030 Investitionen in Höhe von 174 Mrd. USD für den Bau von 500.000 neuen Ladestationen für Elektrofahrzeuge vorgesehen, um die Bundesflotte zu elektrifizieren und mindestens 20% der Schulbusse durch Elektromodelle zu ersetzen.

🇬🇧  Großbritannien verpflichtete sich, seine CO2-Emissionen bis 2035 um 78% zu senken, fast 15 Jahre früher als zuvor geplant. Dies ist eines der ehrgeizigsten Klimaziele, das bisher festgelegt wurden. Wichtig dabei ist, dass Emissionen aus der internationalen Luftfahrt und Schifffahrt in das neue Dekarbonisierungsziel einbezogen werden. Die genauen Pläne zur Umsetzung fehlen bislang.

🇪🇺 Die EU blieb hinter der Forderung von 60% CO2-Reduktion bis 2030 im Vergleich zum Emissionswert von 1990 zurück. Die Mitgliedsstaaten einigte sich schließlich auf 52-55%. Das neu verkündete Klimaziel wird vor allem für seine Methode zur CO2-Reduktions-Berechnung kritisiert, welche natürliche Senken wie Wäldern, Pflanzen und Böden einschließt. Das neue Klimaziel löst allerdings nicht die größte Herausforderung der EU: Der Emissionshandel muss erneuert und verschärft werden. Das Öko-Institut rechnete vor, wie das zentrale Klimaschutz-Instrument der EU zukünftig Klimaschäden als Risiken messbar machen kann, wenn es reale Kosten für die Industrie abgebildet. Hierfür müssten CO2-Zertifikate verknappt werden – je nach Szenario von Jahr zu Jahr ungefähr doppelt so stark wie bisher.

🇨🇦 🇯🇵 🇰🇷  Der kanadische und der japanische Premierminister kündigten auf dem Gipfel ebenfalls neue Klimaziele an. Südkorea versprach noch in diesem Jahr ein überarbeitetes Klimaziel vorzulegen und verpflichtete sich, alle öffentlichen Finanzierungen für Kohlekraftwerke in Übersee einzustellen.

Wo stehen wir nach der Aktualisierung der nationalen Klimabeiträge?

Die regelmäßige Aktualisierung der nationalen Klimabeiträge (sogenannte Nationally Determined Contribution (NDC)) sind im Pariser Klimaabkommen alle 5 Jahre vorgesehen. Die Welle neuer Klimaziele ist somit nicht weiter überraschend. Positiv ist jedoch, dass sich insgesamt eine Tendenz zu ehrgeizigeren Ziele abzeichnet, insbesondere bei den größeren Emittenten. Laut Climate Action Tracker, haben die neuen Ankündigungen zusammen mit den seit September 2020 die vorhandene Emissionslücke bis 2030 um etwa 12 – 14% (2,6 bis 3,7 GtCO2e) verringert. Die größten Beiträge kamen dabei aus den USA, der EU (+ Großbritannien), China und Japan. Die Emissionslücke, um bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften ist allerdings um ein Vielfaches größer.

Quelle: Climate Action Tracker 2021

Von einigen G20-Ländern fehlen Klimaziel oder sie wurden sogar zurückgezogen:

  • Australien kündigte keine stärkeren Ziele für 2030 an und verwies auf die Präferenz, je nach Technologieentwicklung, keine genaue Zeitangabe zur eigenen Klimaneutralität machen zu wollen.
  • Der brasilianische Präsident Bolsonaro kündigte kein stärkeren Klimaziele bis 2030 an, verkündete aber Brasilien werde bis 2050 klimaneutral – nicht erst 2060.
  • Mexiko schwächte seine Klimaziele ab und will an seiner Ölförderung festhalten.
  • Indien kündigte ebenfalls kein neues Ziel an, sondern bekräftigte sein Ziel für erneuerbare Energien für 2030.
  • Die Türkei bekräftigte ihr altes Ziel und hat das Pariser Abkommen noch nicht ratifiziert.

Klimatransformation ist vielfältig und zukunftsorientiert

Klimaziele alleine werden die Klimatransformation nicht ermöglichen. Ihre Umsetzung und vielfältigen Lösungsansätze machen den Unterschied! So entstehen nicht nur in der Energie- und Mobilitätsbranche neue Arbeitsplätze, sondern skalierbare Innovation in zahlreichen Industrien. Die Klimatransformation kann sich dabei nicht nur auf die Abwendung von fossilen Brennstoffen fokussieren, sie muss gleichzeitig neue Formate zur CO2-Vermeidung und Reduzierung schaffen. Unternehmen und Entscheider*innen stehen dabei ganz vorne. Sie beginnen schon heute die Klimaauswirkungen ihrer Geschäftsentscheidungen zu messen und Risiken einzurechnen. Gesetze folgen. So führte Neuseeland ebenfalls diese Woche als erstes Land ein Gesetz ein, nach dem Banken, Versicherungen und Investmentfonds mit einer Bilanzsumme von mehr als 1 Mrd. NZ $ (703 Mio. USD), die Klimaauswirkungen ihrer Geschäfte melden müssen,

Wie wir also gemeinsam, unterstützt durch Klimaziele, die Klimatransformation gestalten liegt bei uns. Wir haben die Mittel in der Hand und aktuell starken Rückenwind. Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Earth Day und was wir bis dahin bereits erreicht haben werden. Alle Entscheider*innen, die jetzt Klimaziel umsetzen wollen, sind daher herzlich zum CLIMATE TRANSFORMATION Summit 2021 eingeladen! Wir freuen uns auf den aktiven Austausch in der CLIMATE Community. Was sind eure Gedanken zur aktuellen Klimatransformation und nötigen Maßnahmen? Teil sie gerne!

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CLIMATE TRANSFORMATION Summit, 26. Juni 2020, 9.00 - 18.00 Uhr

Die Online Konferenz für Climate Champions & Klimabeauftragte in Unternehmen.