Product-Carbon-Footprint: 3 Normen, 3 Anwendungsbereiche.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on telegram
Lesezeit: 3 Minuten

Die Wirtschaft steuert Richtung Klimaneutralität und immer mehr Produkte werden CO2-neutral produziert, doch was genau braucht es dafür?

Um Produkte klimaneutral zu gestalten, muss zu Beginn der CO2-Ausstoß des Produktes entlang der Wertschöpfungskette bestimmt werden. Dies erfolgt durch die Product-Carbon-Footprint Analyse. Diese erfolgt auf der Grundlage von Normen. Derzeit werden jedoch drei verschiedene Normen genutzt. Jede einzelne verfügt über unterschiedliche Vorteile, Vorgehensweisen und führen zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Analyse der Product-Carbon-Footprints (PCF). Welche Norm eignet sich also für welches Produkt?

Diese Normen gibt es derzeit

PAS 2050: Publicly Available Specification (PAS)

PAS 2050 existiert bereits seit 2008 und wurde vom British Standards Institute veröffentlicht. 2011 wurde die Norm überarbeitet, um diese zu vereinheitlichen und eine internationale Grundlage zur Bestimmung von CO2-Bilanzen von Produkten und Dienstleistungen zu schaffen.

GHG Product

Das GHG Product basierend auf dem GHG-Protokoll ist eine Weiterentwicklung des Produktstandards der 2008 veröffentlichten PAS 2050-Methode. Diese Norm stellt die umfangreichste dar und wurde 2011 herausgebracht. Sie enthält Anforderungen zur Bestimmung von Treibhausgasinventaren sowie zur öffentlichen Berichterstattung dieser.

ISO 14067

Die ISO 14067 ist wahrscheinlich die aktuell verbreitetste Norm zur Erstellung von PCFs. An dieser Norm wird konstant weitergearbeitet, erst 2018 wurde eine Aktualisierung veröffentlicht. Sie legt Grenzen fest, in der ausschließlich der Klimawandel als Wirkungskategorie betrachtet wird. Diese Norm ist auf alle Produkte anwendbar und soll eine transparente Kommunikation der Ergebnisse fördern.

Unterschiede der Normen

Das regeln die Normen unterschiedlich:

  • PAS 2050 bezieht folgende Punkte nicht mit ein: Investitionsgüter, menschliche Energieeinträge in Prozessen und Transport des Verbrauchers. Außerdem ist es hier möglich, 5% der Gesamtemissionen zu vernachlässigen, sofern besagte Emissionen jeweils nicht mehr als 1% der Gesamtauswirkungen ausmachen.
  • Laut GHG Protokoll müssen lediglich die im Kyoto Protokoll festgelegten 6 Treibhausgase einbezogen werden: Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), Halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW), Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und Schwefelhexafluorid (SF6). Die Aufstellung weiterer relevanter Emissionen wird zwar empfohlen, ist aber nicht verpflichtend.
  • Die ISO 14067 legt großen Wert auf die spezifische Verwendung von Ökostrom, bietet sonst aber den größten Interpretationsspielraum.

Welche Norm ist passend für welche Produktkategorie?

Diese Frage nicht einheitlich zu beantworten, da man die Herstellung von Produkten der gleichen Kategorie nicht generalisieren kann. Jedes Produkt ist individuell, mit folgenden 3 Schritten kann die Auswahl jedoch erleichtert werden.

Schritt 1: Überblick verschaffen

Zur Einordnung des Produktes ist es wichtig sich einen Überblick zu verschaffen und sich Wissen in der Thematik anzueignen. Das kann beispielsweise auf der Grundlage von Schreibtischstudien und internem (und externem) Wissen erfolgen. Dabei sollten folgende Fragen geklärt werden: Was machen Akteure der Branche bereits? Gibt es Initiativen im Sektor, die helfen? Welche Entwicklungen finden in den relevanten Märkten statt? Wie passt dies mit der internen Strategie und den Wünschen von StakeholderInnen zusammen?

Im Folgenden gilt es einen Plan aufzustellen und Prioritäten zu setzten.

Schritt 2: StakeholderInnen bestimmen

Für weitere Schritte ist die Bestimmung von internen und exterenen StakeholderInnen empfehlenswert, genau wie das Aufdecken von Stärken und Schwächen der Produktherstellung. Je nach Prioritäten können dann auch Treffen mit VertreterInnen relevanter Organisationen, Industrieverbänden oder ExpertInnen hilfreich sein.

Dies wird helfen verschiedene Perspektiven auf den PCF zu erhalten.

Schritt 3: Fahrplan und Maßnahmen

Nun sollte ein Fahrplan erstellt werden, der Ambitionen und klare Maßnahmen enthält. Dazu sollte die aktuelle Situation beurteilt werden, genau wie die langfristigen Ziele. Diese Ziele sollten in kleinere, messbare Aktionen aufgeteilt werden. Nur so kann herausgefunden werden, was für das Unternehmen funktioniert und was nicht. Anschließend können die Ziele und Maßnahmen mit den Normen abgeglichen werden.

Fazit

Die verschiedenen Normen zeichnen einen Handlungsspielraum ab, sie bilden einen Rahmen und keine einheitliche Handlungsrichtlinie. So bietet jede Norm seinen eigenen Interpretationsspielraum – ISO 14067 den größten. Somit ist dieser auf die meisten Produktkategorien anwendbar.

Zur Auswahl einer Norm sollte vorher festgelegt werden, was durch den PCF erreicht werden soll. Nur dann kann eine fundierte Entscheidung getroffen werden.

Bildquellen: Unsplash

CLIMATE TRANSFORMATION Summit, 26. Juni 2020, 9.00 - 18.00 Uhr

Die Online Konferenz für Climate Champions & Klimabeauftragte in Unternehmen.