Klimatransformation made in 2020: Diese 20 Unternehmen setzen sich klare CO2-Reduktionsziele.

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Lesezeit: 6 Minuten

Die Klimatransformation bleibt nicht stehen, auch in 2020! Aktuell erleben wir das Gegenteil. So verhandelt die EU um die Verschärfung des Klimaschutzziels für 2030. Zudem zeigte eine Studie des Öko-Institutes vor kurzem auf, dass es für alle EU-Länder technisch und wirtschaftlich möglich sei ihre Treibhausgasemissionen in den nächsten 10 Jahren um 55% gegenüber 1990 zu verringern. Aktuell liegt das Klimaziel der EU lediglich bei einer Minderung um 40%. Unter deutscher Ratspräsidentschaft soll nun das neue Klimaziel noch bis Ende 2020 beschlossen werden, um 2021 pünktlich zur Klimakonferenz COP26 in Glasgow der internationalen Staatengemeinschaft vorgelegt zu werden.

Warum braucht es Klimaziele?

2050 leben ca. 9,5 Milliarden Menschen auf der Erde, in einer Wirtschaft, die noch einmal 3-4 mal größer geworden ist, mit doppelt so viel privater Mobilität und 300% gesteigertem Warentransport. Und: diese Welt wird klimaneutral sein. Laut Science-Based Targets Initiative verpflichten sich bereits heute 978 Unternehmen in den nächsten 10 Jahren 50% CO2 zu reduzieren.

Die Verstärkung der Klimaschutzvorgaben in der EU sind daher nötig, um gemeinsam das 2°C-Ziel zu erreichen, wie es im Pariser Abkommen 2015 beschlossen wurde, und unsere Zukunft mensch- und umweltfreundlich zu gestalten. Besonders die CO2-Emissionen der Industrie und Energiewirtschaft, aber auch der Mobilität, Gebäudeindustrie und Landwirtschaft sollen laut Öko-Institute Studie stärker (ca. 15-20%) sinken als bislang festgelegt.

Unternehmen stellen sich auf neue Chancen und Risiken ein

Unternehmen wissen heute, dass nicht nur aktuelle Marktveränderungen auf sie zu kommen, sondern auch zukünftige Chancen und Risiken. Es besteht heute die Chance in die Zukunft zu investieren, die eigene Firma umweltfreundlich zu positionieren und gleichzeitig Risiken durch steigende Kosten und Regulationen zu minimieren. Vorausschauende und verantwortungsbewusste Unternehmen ergreifen die Initiative, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und die eigene Klimatransformation umzusetzen.

Wie weit sind Unternehmen in der EU?

Dabei stellt sich aber die Frage: Wie anfangen und die eigene Klimatransformation umsetzen, wenn selbst die EU unklar über Maßnahmen und Ziele ist? Einige Großunternehmen machen es vor – sie setzen auf kontinuierliche CO2-Messung, langfristige Reduktionsziele entlang der Science-Based-Targets (SBTs) und wirksame Klimaschutzprojekte in der eigenen Lieferkette.

Mittelständler*Innen und Kleinunternehmen fehlen teilweise die Kapazitäten, um eigene Klimateams aufzustellen oder sind durch Sorge um Greenwashing abgeschreckt. Die folgenden Beispiele zeigen daher Unternehmen, die bereits einen Schritt gegangen sind. Sie verpflichten sich der Science-Based Traget Initiative oder führen starke Klimamaßnahmen ein. Die SBT-zertifizierten Unternehmen verantworten zusammen – mit ihren Lieferketten – 3,9 Milliarden t CO2 und beschäftigen nach eigener Aussage 5,8 Millionen Menschen. Dies entspricht rund 90% der EU-Emissionen.

Auch 2020 geht die Klimatransformation voran! Diese 20 Unternehmen setzten sich dieses Jahr klare Reduktionsziele

Diese 20 Unternehmen setzen sich dafür ein, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und für andere in ihrer Branche Vorbilder zu setzen. Sie setzen innovative Lösungen und ambitionierte Ziele ein, um umweltfreundliche Ergebnisse zu erzielen.

Die Bewertung zur Umsetzung, Machbarkeit oder Effektivität der einzelnen Maßnahmen soll hier nicht erfolgen. Vielmehr möchten wir die ersten Schritte der Klimatransformation einzelner Firmen als Inspiration aufzeigen und Anregungen für die klimaneutrale Wirtschaft von morgen bieten. Über Kritik oder weitere Best-Practices freuen wir uns. Schreibt uns gerne!

Gebäude

  • The Velux Group – Plant seine Emissionen bis 2030 um 50% zu reduzieren, verglichen zu 2018. Zur Umsetzung geht das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem WWF ein. So erstellt die Gruppe seine Nachhaltigkeitsstrategie 2030, in der sie sich zu einem wissenschaftlich fundierten Emissionsreduktionsziel im Rahmen der Science Based Targets Initiative bekennt. Darüber hinaus sollen rückwirkend die historischen CO2-Emissionen des Dachfensterherstellers* – 5,6 Mio. Tonnen CO2 seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1941 – durch Waldschutzprojekte des WWF gebunden werden. Diese Emissionsmenge entspricht in etwa dem jährlichen CO2-Fußabdruck von 800.000 europäischen Bürgern.
  • Schüco International KGDer Lieferant von Türen, Fenstern und Fassaden verpflichtet sich seine gesamten Emissionen um 30% bis 2025 zu reduzieren, verglichen zu 2018. Dazu plant Schüco International KG den Bezug von erneuerbaren Energien von 84% in 2018 auf 89% in 2025 zu steigern.

Produktion

  • Adidas – Will bis 2030 entlang der gesamten Wertschöpfungskette 30% seiner CO2-Emissionen senken und 2050 klimaneutral werden. Adidas ist außerdem bereits 2018 dem UN Fashion Industry Charter for Climate Action beigetreten und hat 2019 den Fashion Pact im Rahmen des G7-Gipfels unterzeichnet.
  • Bayer – Der Chemiekonzern will bis 2030 zum klimaneutralen Unternehmen werden, indem er auf 100% Strom aus erneuerbaren Energien umsteigen und die verbleibenden Emissionen so kompensieren, dass CO2 im Boden gespeichert und Artenvielfalt gefördert wird.
  • Beiersdorf – Verpflichtet sich bis 2025 die CO2-Emissionen des Gesamtkonzerns in den Geschäftsbereiche Consumer und Tesa gleichermaßen zu senken. Für die energiebezogenen Emissionen (Scope 1 und 2) soll 30% absolute Reduktion bis 2025 erreicht werden. Der CO2-Ausstoß außerhalb des Unternehmens (Scope 3), beispielsweise bei Lieferant*Innen und Dienstleister*Innen, soll um 10% reduziert werden.
  • Bosch – Kompensiert ab 2020 seine Emissionen für Eigenerzeugung und Bezug von Energie, die für Produktion und Verwaltung verwendet wird. In der Wertschöpfungskette soll 15% CO2 bis 2030 reduziert werden.
  • Hugo Boss – Das Modehaus verlässt sich auf die wissenschaftlich fundierte Zielen der Science-Based-Targets Initiative. Im ersten Schritt ist eine CO2-Reduktion um 30% bis 2030 für die gesamte Wertschöpfungskette geplant.
  • Timberland – Der Textilkonzern will bis 2030 seine Schuhe klimaneutral produzieren. Der Fokus liegt dabei auf zwei Bereichen der Produktion: 100% der Produkte sollen ein kreislauffähiges Design aufweisen und 100% der natürlichen Rohstoffe sollen aus regenerativer Landwirtschaft stammen.
  • Zalando – Stellt seinen Betrieb klimaneutral und bewertet Zuliefer*Innen verstärkt nach sozialen Standards. Möchte seine Treibhausgasemissionen in Scope 1 und 2 um 80% reduzieren und verpflichtet sich, den Anteil an erneuerbarem Strom von 34% (2017) auf 100% zu erhöhen – bis 2025

Food

  • Aldi Süd – Verpflichtet sich seine absoluten Treibhausgasemissionen bis 2025 gegenüber dem Basisjahr 2016 um 26% zu senken. Außerdem sollen 75% ihrer Lieferant*Innen bis 2024 wissenschaftlich fundierte Klimaziele verfolgen.
  • Kaufland – Wissenschaftsbasierte Klimaziele werden nun auch bei Kaufland Deutschland umgesetzt. In den kommenden Monaten wird die Supermarkt-Kette konkrete Ziele und Maßnahmen definieren, mit denen umfangreich CO2-Emissionen im Betrieb und in der Lieferkette vermieden werden sollen. Im Fokus stehen dabei: Mobilität, ein regionales Sortiment sowie ein Kälte-Klima-Verbund. So sollen 134 kostenlose Schnellladestationen E-Vehicles mit 100% erneuerbarer Energie versorgen, regionale Produkte ausgebaut werden und die Beheizung von Läden fast vollständig über die Abwärme aus den Kühlregalen erfolgen.
  • Henkel – Hat die Vision bis 2040 ein klimapositives Unternehmen zu werden. Eigene Standorte sollen ihren CO2-Fußabdruck bis 2025 um 65% und bis 2030 um 75% reduzieren. Energieeffizienz und Strom aus erneuerbarer Energie – bis 2020 zu 50% und bis 2030 zu 100% – sollen dabei im Fokus stehen.
  • Tchibo – Das Unternehmen aus Hamburg plant seinen CO2-Fußabdruck bis 2030 um mehr als 50% reduzieren, im Vergleich zu 2018. Tchibo folgt dabei der Science Based Targets Initiative und verpflichtet sich den Energieverbrauch an den eigenen Standorten weiter zu senken, die Nutzung von erneuerbarer Energien zu intensivieren und Emissionen in den globalen Lieferketten gezielt zu reduzieren.
  • Penny – Der Lebensmittelkonzern wagt ein Experiment.  Die Preisschilder einiger seiner Waren in einem Testsupermarkt in Berlin-Spandau zeigt den „wahren Verkaufspreis“ (True Costs) an. Dabei geht es um die über die Lieferketten anfallenden Auswirkungen von Stickstoff, Klimagasen, Energie und Landnutzungsänderungen. An der Kasse müssen die Kund*innen die Preise aber wie immer ohne True Costs bezahlen.

Mobilität

  • BMW Group – Der Autobauer will 30% aller CO2-Emissionen seiner Autos, vom Bau bis zur Verschrottung, reduzieren. Für eine Flotte von gut 2,5 Mio. Fahrzeugen, die 2019 von der BMW Group produziert wurden, würde das 2030 einer Reduktion von mehr als 40 Mio. t CO2 entsprechen. Dies entspricht in etwa der Menge an CO2, die die Millionenstadt München in vier Jahren emittiert. Zusätzlich sollen 2/3 aller verkauften BMW Autos bis 2030 elektrisch sein. Dazu wird u.a. der CO2-Footprint als Vergabekriterium in der eigenen Lieferkette etabliert.
  • Deutsche Bahn – Stellt ihre CO2-Reduktionsziele auf Science-Based Targets um. Bis 2030 sollen 50% aller CO2-Emissionen – von dem Stand 2006- reduziert werden, 2050 will die DB klimaneutral sein. Heute nutzt sie allerdings noch 250 Millionen Liter Diesel, auf Strecken wo die E-Leitungen fehlen. Die DB testet daher nun Öko-Diesel aus Reststoffen wie altem Speiseöl.
  • Mercedes & „The Climate Pledge“– Amazon und Global Optimism gründeten 2019 die Klimasinitiative „The Climate Pledge“. Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz trat 2020 bei und will nun bis 2039 klimaneutral werden. Dazu sollen ab 2022 die eigenen Pkw- und Van-Werke CO2-neutral produzieren lassen – 30 weltweit. Die unternehmenseigene Batterie-Produktion soll ab 2022 ebenfalls weltweit CO2-neutral sein werde.

Digital & Service

  • Apples Öko-Allianz – Der Batteriehersteller Varta, einer der weltweit größten Lieferanten für Batterien in Kopfhörern und Headsets, beliefert auch den iPhone-Hersteller Apple. Konkret durfte Varta AirPods mit seinen Mini-Batterien ausrüsten. Nun schließt sich der Zulieferer den Klimazeilen von Apple an und will bis 2030 klimaneutral werden.
  • BCG – Will bis 2030 klimaneutral werden und bestätigt damit den Trend der eigenen Studie. 75% aller Deutschen Unternehmen planen laut BCG konkrete Maßnahmen zur Dekarbonisierung, aber nur 16% hätten sie bereits umgesetzt. CO2-Reduktion müsse daher schnellst möglich in allen strategischen und operativen Dimensionen eines Betriebs – von der Struktur über Prozesse bis hin zur Nutzung digitaler Technologien – integriert werden.
  • Bertelsmann – Will 50% seiner Emissionen bis 2030 reduzieren, im Vergleich zu 2018. Dazu soll 100% erneuerbare Energie genutzt und verbleibende Emissionen kompensiert werden.

CLIMATE TRANSFORMATION Summit, 26. Juni 2020, 9.00 - 18.00 Uhr

Die Online Konferenz für Climate Champions & Klimabeauftragte in Unternehmen.